Schützenfestliche Flucht – Teil 1

In Wiefelstede steht die fünfte Jahreszeit vor der Tür: Schützenfest. Nicht irgendein Schützenfest: Das Wiefelsteder Schützenfest. Wir sind nicht beunruhigt, aber kundig. Und so haben wir rechtzeitig Big B., unser Fluchtfahrzeug, ins Emstal gebracht. Und da wir einmal dort sind, buchen wir für die beiden kommenden Wochenenden: „Emstal Camping, bitte. Zwei Erwachsene und ein Kleiner Münsterländer.“ Hier, an der alten Ems, werden uns die Bässe aus dem Festzelt und dem fest in Schützenhand befindlichen „Blauen Engel“ nicht erreichen. – Obwohl, es sind nur knappe 70 Kilometer Luftlinie.

Das ist diese gewisse Stunde am Morgen. Dann gehört die Ems allein Luna und mir

Wir wollen uns nicht gänzlich um den Rummel auf dem Wiefelsteder Schützenplatz drücken. Am Sonntag oder Montag werden wir uns bestimmt „auf ´ne Bratwurst und ein Bier in Verbindung mit ´nem „Braunen Bomber““ unter die Schützinnen, Schützen und zahllosen Gäste mischen.

Same time, same place. Eben diese “gewisse Stunde”

Inzwischen findet auch der Vivaro, wie seine beiden Vorläufer, den Weg ins Emstal von allein. Entspannt sitzen wir in der Dinette, lösen Kreuzworträtsel und studieren den Testbericht des neuen Fendt Bianco 515 SD Activ. An der Anschlussstelle Dörpen übernehme ich gelockert das Lenkrad und wir gleiten weiter in Richtung Sustrum. Ok, hier habe ich ein wenig den Bogen überspannt, aber warten wir noch einmal zehn Jahre, dann sprechen wir uns wieder.

Ein Mobilheim im Tal

Das 188. Schützenfest in Zorge/Südharz ließ mich während unserer Sommertour 2019 eine Wette verlieren, die ich heute mit einer Fahrradtour einlöse. Hätte ich auf die beste aller Ehefrauen gehört, so wäre diese Drahteselreise an mir vorübergezogen. Aber ich musste seinerzeit ja stur darauf bestehen, dass es erst das 118. Fest in Zorge sei. Nun finde ich mich auf der Radroute Dörpen West wieder und wir radeln gen Heede.

Heute mal ohne Wohnwagen

Hätte ich gründlicher auf die Radwanderkarte geschaut, dann hätten wir uns auch nach knappen drei Kilometern nicht sofort verfahren und wären längst auf dem richtigen Weg gewesen. So nutzen wir die Gunst der Stunde und lassen uns von einem niederländischen Paar, die Radwanderkarte liegt wohlbehütet im Caravan, auf die Richtige Spur bringen. Naja, vielleicht kann ich mich demnächst in den Niederlanden revanchieren und den Einheimischen in Emmer Compascuum den Weg zur Festung Bourtange weisen.

“Simba” wendet

So grob in der Höhe zwischen Dersum und Dörpen teilen sich die Ems und der Dortmund-Ems-Kanal ihr Fahrwasser mit dem Küstenkanal. Inzwischen auf dem richtigen Kurs werden wir Zeuge eines interessanten Abbiegemanövers der „Simba“, wie diese vom Küstenkanal kommend in die Ems einschwenkt. Muss man einmal gesehen haben.

Eine eigentliche Geschichte besitzt die 1000jährige Linde nicht. Sie wird zuerst erwähnt, als General Rabenhaupt die Schärpenburg verbrannte und den Befehl gab, den prachtvollen Baum zu schonen. (Quelle: Die Schärpenburg und ihre Riesenlinde bei Heede)

Wir erreichen Heede. In der Kirchstraße finden wir das Restaurant „Am Turm“, testen die dortige Küche und das „B³“ (Bitburger Bier). Wir befinden alles für sehr schmackhaft und ebenso empfehlenswert und suchen nach der 1000jährigen Heeder Linde, die wir am dortigen Schützenplatz finden. Ich werde nachdenklich: Eine wegen eines Schützenfestes verlorene Wette treibt uns weg vom Wiefelsteder Schützenfest, um auf dem Heeder Schützenplatz einen bejahrten Baum zu suchen. – „Ist das nicht zum Schießen?“

Längst hat sie etwas erspäht und wartet auf “Freigabe”

Der Rückweg nach Sustrum geht ein wenig zügiger in die Pedalen und über die Piste, da das Frollein, nach mehr als zehn Kilometern im leichten Trab, nun ihren Platz im Lunamobil eingenommen hat. Gaius Julius Cäsar mag auf seinem prunkvollsten Triumphwagen kein prächtigeres Bild als Luna in ihrem Gespann abgegeben haben: Jeder, der uns begegnet, hat spontan ein Lächeln oder einen freundlichen Spruch auf den Lippen. Bis auf einen in sein quietschneongelbgrünes Lycra Trikot eingenähten Rennradfahrer im Marina Park bei Walchum. Aber er hatte an diesem Nachmittag wohl nicht nur eine falsch abgestimmte Getriebeübersetzung für sein Sportgerät ausgewählt.

Haubentaucher

Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich um 08.00 Uhr die Heckklappe des Vivaros, der übrigens wie Big B. auch einen Spitznamen verliehen bekam, öffnen und schließen muss: „Störe ich die Nachbarn zu solch früher Stunde?“ Nicht jeder wird in dieser Lage von Gewissensbissen geplagt: Frau und Herr WoMo-Hobby reisen ab. 13.20 Uhr. Sonntägliche Mittagsruhe. Klappen auf, Staufächer zu, Fahrertür wieder einmal geöffnet, die Beifahrertür nochmals geräuschvoll geschlossen. Um 13.40 Uhr sind sie dann abgereist. – Ach so, der Vivaro trägt auf Grund seiner sehr dunklen Farbe und der „uneinsichtigen“ Scheiben den Namen „Darth Vader“.

Obsttag bei den Wespen

Nach einem ausgiebigen Bad mit den „Quietscheentchen“ im Dortmund-Ems-Kanal entspannt das Frollein bei der Wespenjagd. Pudel-, nein, münsterländernass liegt sie auf ihrem Frotteetuch und verfolgt aus den Augenwinkeln, aber konzentriert, diese gelb-schwarz geringelten Flugobjekte. Wohl wissend um die sehr schmerzende und nicht risikofreie Wehrhaftigkeit dieser Hautflügler, bereitet es ihr keine Probleme, die „Brummer“ in „0, nix“, und dabei selbst verletzungsfrei davonkommend, aus ihrer Flugbahn zu holen. Unangekündigt. Unerbittlich. Endgültig.- Es ist überflüssig, sie davon abhalten zu wollen. Der beschützende Versuch scheitert. Sie ist eben eine Jägerin. – Ja, aber da sollte, müsste, könnte man doch …“ Ich sage erfahrungsgemäß: „Nein.“

Er ist auch gelb-schwarz. Allerdings kreist er in der Lüneburger Heide und nicht im Emsland

Auf einem meisterlich instandgesetzten Teilstück der Radroute 12 („Lathen 2 – Festung Bourtange.“ Abschnitt: Schleuse Düthe – Fresenborg) fahren wir nach Lathen zum italienischen Eiscafe „Venezia“. Die Objekte unserer Begierde sind die venezianischen Eisbecher, die es dort sowohl ganz aktuell „to go“, als auch altbewährt „am Bistrotisch sitzend“ (irgendwann heißt es dann sicherlich: „to sit“, „to relax“, „to chill“, „to enjoy“ oder „to indulge“) gibt. Es gelingt uns, einen Platz vor der „Eisdiele“ (vor dem „Ice Cream Parlor“.) zu ergattern. Das ist schön. Noch viel schöner ist es, dass es die vielfältigen Eisbecher bei den stets sehr freundlichen und überaus aufmerksamen Bedienungen auch in der Größe „groß“ zu bestellen gibt. Es erübrigt sich an dieser Stelle, zu erwähnen, welche Dimension meine Walnuss-„Eistüte“ an diesem Nachmittag aufweist.

Ja, ein wenig geregnet hat´s auch mal (Aber nicht so stark wie auf diesem Archivfoto)

Unser „Fluchtwochenende Teil 1“ in Zweistromland endet vorläufig am Montag. Vorsorglich haben wir das „Drum und Dran“ am Big B. beizeiten am Sonntagabend eingepackt, denn am Montag soll es im Emstal ein wenig regnen. Und das macht es dann auch. Es stört uns nicht, denn alles liegt „hoch & trocken“ in den Staufächern. – Am Donnerstag kehren wir zurück. Und dann nehmen wir sie wieder auf, die „schützenfestliche Flucht aus Wiefelstede“. – Bis dahin „Alles Gute!“