Premiere für den Neuen

In Höhe des Parkplatzes Brinkum, zwischen der AS Filsum und der Anschlussstelle Leer-Ost der BAB 28, ereilt er mich: der streng-unnachgiebige „I³+sk“ (Ich, ich, ich und sonst keiner), ein Adlatus der Spezies „Bahn frei!“. Ich kann ihn nicht sehen, denn er nähert sich mit höherer Geschwindigkeit im „Schatten“ des Big B, schert „minimal distanziert“ hinter mir aus und „sitzt mir auf der Pelle“. Hauchdünn, denn ich bin inzwischen für einen Überholvorgang auf die linke Spur gewechselt, da ich ihn nicht heranrauschen sah.

Einfach nur innehalten, tief durchatmen, lauschen und … ankommen

„Holla, die Waldfee!“ – Wild gestikulierend, hupend und jäh beschleunigend, zieht er an mir vorbei, altert und ergraut währenddessen um Jahre. Sein Blutdruck und der Drehzahlmesser seines weiß-blauen SUVs wirbeln im roten Bereich. Ich winke ihm, um Aussöhnung bemüht, gemäßigt-ergeben zu. Sinn-, erfolg- und zwecklos. Er will sich nicht beruhigen.

Bei diesem Anblick verlieren selbst “rasende Erlebnisse” an Bedeutung

Nun könnten man und frau meinen, ich sei bestürzt. Nein, bin ich nicht. Bereits einige Jahre mit dem Caravan auf Achse, verbuche ich diesen „Platz-für-den-Landvogt-Vorfall“ unter der „Ablage, alt“. Viel mehr Sorgen bereitet mir der Umstand, dass ich stundenlang den Fendt geputzt habe und wir nun in Höhe der AS Weener (BAB 31) in einen Regenguss geraten, der jeder Beschreibung spottet. Noch besudelt-befleckter wird es dann zwischen Dersum und Walchum. Hier sammle ich die der Straße anhaftende Erde der umliegenden Maisfelder auf, die rastlose Agrarier mit ihren Traktoren auf “meinem” Weg verteilt haben. Ich sehe es tierisch-afrikanisch: Elefanten und Nilpferde wälzen sich im Schlamm, um ihre empfindliche Haut vor der Sonne zu schützen.

Wir haben uns ein wenig vergrößert

Vor lauter Murren vergesse ich, zu erwähnen, dass ich ein neues Zugpferd lenke. Wir haben uns von unserem Opel Antara getrennt und diesen gegen einen Vivaro Tourer „eingetauscht“. – Ja, nach einigen Ausflügen zu anderen Automobilherstellern, wieder ein Opel. Das ist nun Tradition. Familientradition.

“Luna!” – Ach, nein. Ich bin ja allein auf Achse …

Was für eine (Fahr-)Freude! Wir sind mit Big B. im Gefolge nun zwar knappe 13 Meter lang, halten aber einwandfrei und wie aus einem Guss, die Spur und auch das „um die Ecke fahren“ ist gar nicht so ungelenk wie anfangs befürchtet. Das Fahrverhalten unseres Gespanns ist sogar harmonischer geworden, der Kraftstoffverbrauch, trotz eines nun höherem Gesamtgewichts, gesunken, und die Windanfälligkeit bei weitem nicht so „stürmisch“, wie erwartet.

BAB 28, BAB 31, Dersum, Walsum. Unmissverständlich habe ich das Ziel meiner Reise bereits verraten: Emstal Camping. Immer wieder gern zum „Ausspannen und Runterkommen“ gewählt. Zwischen zwei Regenschauern richte ich mich ein. Die beste aller Ehefrauen und das Frollein sind nicht dabei. Ich habe Ausgang. Fotoapparat und passende Objektive befinden sich an Bord, mal sehen, was uns das Emstal an diesem Wochenende bietet.

Ein kleiner Trick. Ganz so herbstlich ist es im Emstal noch nicht

01.00 Uhr. Keine bernsteinfarbenen Augen hypnotisieren mich, um mich zu einem kleinen Spaziergang unterm Sternenzelt einzuladen. Und dennoch wache ich auf. Der Regen trommelt nicht mehr auf das Dach und ich verlassen das Bett und den Caravan, um der Frage „Weißt Du wie viel Sternlein stehen?“ nachzugehen. Allerhand sind es in dieser Nacht. Und mir wirft sich Ramírez´ Frage (exakt: Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez, Darsteller in “Highlander”, gespielt von dem unvergessenen (Sir) Sean Connery) auf: Sind es wirklich Sterne oder doch nur Nadelstiche im Mantel der Nacht? – Für den Versuch, eine auch nur rein hypothetische Antwort auf diese Frage zu finden, gehe dann aber doch lieber zurück ins Bett.

… auch so eine Art von “Suchtfaktor”

Ständig suche ich Luna während meines Rundgangs entlang der Alten Ems und des Dortmund-Ems-Kanals. Dass sie auf dieser Fahrt ins Zweistromland nicht dabei ist, vergesse ich laufend. Auch die Beste von allen ist in usA (unserem schönen Ammerland) geblieben und so finde ich mich damit ab, solo unterwegs zu sein. Vorerst, denn zurück beim Caravan will ich der Kleinen Münsterländerin einen Napf frischen Wassers an ihren Platz stellen. – Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.