Eine der ältesten Siedlungen des Emslands – Sustrum

Ist es tatsächlich eine Schleiereule, die da gerade in den Schornstein des seit vielen Jahren verlassenen Hauses abtaucht? Den Unterschied zwischen der Ackerkratzdistel und der Gemeinen Kratzdistel, die Beurteilung, ob Kanadische Goldrute oder Echte Goldrute oder die Verschiedenheit von Distelfink (Stieglitz) und Goldammer zu erkennen, bedarf es einer gewissen Fertigkeit.

Morgendlicher Sänger

Selbst ein noch so detaillierter Tier- und Pflanzenführer mit ausgeklügelter Suchhilfe und naturgetreuen Farbfotos beseitigt nicht immer alle Zweifel und kann daher die „Feldstudie“ vor Ort nicht ersetzen. Und so brechen wir zu einer Forschungsreise auf. Wohin? Ins Zweistromland zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal. Nach Sustrum? Richtig!

Blaue Prachtlibellen an der Ems

Jede Expedition ins Tier- und Pflanzenreich will sehr gut vorbereitet und dementsprechend verpflegt sein. Bevor wir also in die „Wildnis abtauchen“ ist ein letzter Halt in der Zivilisation in Walchum angesagt. Im NP-Markt und beim Bäcker Ganseforth besorgen wir unsere überlebensnotwendigen Vorräte bevor wir uns der Abgeschiedenheit des Emstals anvertrauen.

An der Emstaler Badestelle

Nur mit den notwendigsten Dingen der Forschungsreisenden, wie Elektrogrill, Mini-Backofen, Kaffeemaschine, 144-Liter-Kühl-/Gefrierkombination, iPhone, iPad, Laptop, Federkernmatratze, atmungsaktiver Bettwäsche und (HiFi- sowie bluetooth fähiger) Stereoanlage ausgestattet, begeben wir uns schließlich unerschrocken und entbehrungsbereit in die Wildnis. – Zuvor haben wir noch schnell unsere Brötchenbestellung  abgegeben.

“Morgenrot: Schlechtwetter droht. Abendrot: Gutwetterbot.” – Eine von zahlreichen Bauernregeln. Oft passt´s auch … man muss nur daran glauben

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich auch nach unserem aktuellen Besuch im Emstal weder die Margerite von der Geruchslosen Kamille, noch die Mistel- von der Singdrossel unterscheiden können, aber wir sind einmal mehr im Emsland gewesen. Der Zweck heiligt die Mittel.

Der Weg in “unser Zweistromland”

05.15 Uhr. Expeditionen beginnen früh. Meine Exkursionen sehr früh. Die Tierwelt an der Brinkstraße ruht. Warum? Angler verweilen am uns gegenüberliegenden Emsufer. Was in aller Welt verstehen die unter und vom Angeln? Die Situation: drei Petrijünger, die im schreiend-hellem Feuerschein und einer intensiv-lebhaften Unterhaltung, der ich mühelos folgen könnte, spräche ich eine osteuropäische Sprache, ihre Köder zum Einsatz bringen. Selbst Fische mit geschwächt ausgebildetem oder gar fehlendem Seitenlinienorgan werden durch sie alarmiert. Diese Herren werden ganz bestimmt nichts fangen. Mich bringen sie an diesem frühen Morgen um mein gewünschtes Erlebnis mit Eisvogel, Fischreiher, Nutria, der Sustrumer Entenpopulation und um den Verstand.

Zitat: “Das Wichtigste beim Angeln sind lange Arme, damit man zeigen kann, wie groß der Fisch war“ (unbekannt)

Am Samstag steht der Internationale Naturpark Bourtanger Moor auf unserem Programm. Wir haben uns einen Rundwanderweg bei Bargerveen mit dem Startpunkt „Zuidersloot“, östlich von Weiteveen gelegen, ausgesucht. Entweder werden wir ins Amsterdamsche Veld oder ins Schoonebeeker Veld ziehen. So haben wir es zumindest geplant. Es wird sich zeigen, dass zwischen Planung und Umsetzung Welten liegen können.

Was raschelt im Stroh?

Problemlos finden wir an der Zuidersloot den Parkplatz und brechen auf. Wir kommen bis zu einem breiten Gatter, das es „dem Frollein“ verwehrt, den Naturpark zu „bepfoten“. Luna würde schlicht „durch´s Raster fallen“. Auf ihren vier Pfoten käme sie nicht weiter. Wollen die hier keine Hunde? Nirgendwo ist ein Hinweis, ob „Ja“ oder „Nein“, zu finden. Gern würde ich den „als ob“ telefonierenden Niederländer fragen, aber der ist gewissermaßen so beschäftigt, der sieht mich nicht einmal. Und die beiden lebensfernen Radler aus deutschen Landen auf ihren Mikro-Minirädern und mit nuklearerprobten Radlerhelmen, grell-schreienden Schutzwesten und -handschuhen im Partnerlook sehen so entkräftet-einfältig aus, die frage ich erst gar nicht.

“Ich seh´ Dich!”

Südlich von Emmen entdecken wir in Klazienaveen den „Emmer Vishandel“. Unsere soeben gescheiterte Expedition ins Tier- und Naturreich verlangt nach aufmunternd-kulinarischer Beköstigung. Niederländische Fischspezialitäten wie Gebakken Vis, Kibbeling, Hollands Maatje kommen da gerade recht. – Was sonst könnte uns jetzt angemessener aufbauen?

Er versteht etwas von “aufmunternd-kulinarischer” Beköstigung

Wieder einmal bekommen wir den leckersten Fisch weit und breit und beenden unsere fehlgeschlagene Bourtanger Moor Expedition mit einem Besuch des NP-Marktes in Walchum. Wir wissen noch nicht, dass sich hier ein Flohmarkt ausbreitet und so lernen wir einige Parkplatzanarchisten kennen. Unglaublich, in welche noch so enge Durchfahrt zusätzlich ein spontan quergeparktes Fahrzeug passt. Verstand, Geisteskraft und schließlich den Motor ausgestellt, parken Mann und Frau nach schöpferischem Gutdünken. – Das muss man gesehen und mittendrin erlebt haben! Ob mit oder ohne NP-Kundenkarte.

Kibbeling. Müssen Mann und Frau probiert haben

Sonntag. „06.00 Uhr“ klingt es vom Sustrumer Big Ben durchs Emstal. Die Kamera fertiggeladen und entsichert stapfe ich durch das Unterholz und suche auch heute nach „Justin Bieber“. Doch Castor Fiber, so des Bibers wissenschaftlicher Name, macht sich rar. Überhaupt tut sich nichts an der Ems. In ca. 500 Meter Entfernung führt das Schwanenpaar wie jeden Morgen seine Jungen in den Seitenarm der Alten Ems, ihnen folgt ein Fischreiher, drei Stockenten lachen sich in einer Distanz von 300 Metern über den Fotografen von der traurigen Gestalt auf der „Durchstichbrücke“ kugelig, zwei Graugänse ziehen, mich lachend-schnatternd verhöhnend, vorüber, ein Specht eröffnet gegen 06.20 Uhr seine Zimmerei am Fluss und ein schlaftrunkener Renault Clio will gegen 07.15 Uhr nur noch zurück nach Leer. Ende. – „Keine besonderen Vorkommnisse.“ Nicht ein Foto geschossen. – Dafür steht er so früh auf? Ja, immer wieder!

In der Festung Bourtange

Dienstag. Wir wollen zur Festung Bourtange in der Willem Lodewijkstraat in Bourtange/NL. „Der Kutscher kennt den Weg!“ Er braucht keine Karte und kein Navigationssystem. Zügig sind wir in Walchum und biegen hier in Richtung niederländische Grenze ab. Der erfahrene Kutscher redet ohne Unterlass, vergisst in Hasselbrock nach rechts und rechtzeitig abzubiegen und leitet so die (Irr-)Fahrt durch das Bourtanger Moor in Richtung Haren (Ems) und zur B408 ein. Von hier ist es dann nur noch ein riesiger Umweg nach Bourtange, das wir reichlich verspätet nach einigen erst gegen Mittag in Sustrum gestarteten Radlern erreichen. So viel zu meiner Ortskenntnis. Dafür wissen wir heute, wie das Industriegebiet in Ter Apel aussieht, kennen die große Baustelle an der N976 und Abschnitte der Westerwolde-Hümmling-Route. Durch den Flecken Rütenmoor verläuft eine Allee, die man gesehen haben muss. Von hier aus ist es auch nur ein „Katzensprung“ nach Emmer-Compascuum und Emmer-Erfscheidenveen. Dies nur zur Information, wenn man einmal dorthin verreisen möchte. Wir queren wesentlich öfter den Ruiten A Kanal als andere, entdecken einige Campingplätze entlang der N365 und kennen nun endlich, das sehr versteckt liegende niederländische Örtchen Vlagtwedder-Veldhuis. Erfahrungen, die wir heute nicht mehr missen möchten. Wir kommen dann tatsächlich auch noch in der Festung an. – Einfach aufbrechen und losfahren kann jeder! Allerdings kommt „jeder“ schneller ans Ziel!

Festung Bourtange

Für Mittwoch hat sich ein Gewitter angesagt. Vor unserer Abreise bleibt uns ausreichend Zeit, die Markise nebst Zubehör zu verstauen, das „Camping-Wohnzimmer“ unter Dach und Fach zu bringen und nach Lathen zu fahren, um dort im Eiscafe Venezia in der Hauptstraße u.a. einen Mega-Walnussbecher zu bewältigen.

Geeignetes Schuhwerk ist das A & O

Ein Besuch des seit 1886 sehr aufbauend tätigen Baustoffhandels Schichter in der Bahnhofstraße wurde uns empfohlen. Und wir hätten etwas versäumt, wären wir diesem Tipp nicht gefolgt. „Kaufen wo die Profis kaufen.“ Wir beschränken uns heute lediglich auf das Schauen, aber nun wissen wir, wo wir nicht allein „Dit & Dat“ finden, sondern auch „Anspruchsvolles“ entdecken werden.

“Schwanensee” auf der Alten Ems

Trockenen Fußes bzw. Caravans treffen wir in Wiefelstede ein. Auch hier bleibt uns ausreichend Zeit, alles sicher unter Dach und Fach zu bringen. – Und dann beginnt es, das Sommergewitter.

Kein Campingplatz ohne Deko & Wohnaccessoires
Nicht zu vergessen: das Geschenk der “Hagener Nachbarn”

2 Gedanken zu „Eine der ältesten Siedlungen des Emslands – Sustrum“

    1. Sehr gut! Wir sind ja schon ein-, zweimal dort gewesen. Es gibt da dieses Geschäft mit den Lakritzstangen und die “Frikandel-Filiale”, an der ich nicht vorbeikomme. Ach ja, geschichtsträchtig ist die Anlage ja auch noch! 😉 Viele Grüße “aus der Hecke” zu den “Eichen”, Ronald

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