Archiv der Kategorie: Ein Hundeleben

Luna von der Otterbäke zu Dringenburg-Tessa.

Mustergültig sind wir alle nicht

„Friseure dürfen. Arbeitslose und Asylbewerber sollen. Reiter*Innen dürfen vielleicht nicht mehr. Und an der Küste wollen sie keine fremden Kfz-Kennzeichen mehr sehen.“ Auf unserem heutigen, dem Coronavirus und unseren Mitmenschen geschuldeten, kurzen Gang durch die Gemeinde, schneidet das Frollein die Schlagzeilen zur Covid-19-Krise an.

Hörner Diek

Ich bin versucht zu sagen: „Europa. Covid-19. Ausgangsbeschränkung, Ausgangssperre, Betretungsverbot: Die Frisur sitzt.“ Aber ich unterlasse es. Es gibt sie und wird sie immer geben, diese Damen und Herren, die das ganze immer noch für eine Grippe halten und die Lage dementsprechend unbefangen beurteilen.

Hörner Diek

„Das Personal trägt Mundschutz und Gummihandschuhe. Was kann mir da beim Haarschnitt schon geschehen?“ Zwei in einem Artikel sogar namentlich genannte friesische Unbedarfte betrachten die „ganze Corona-Sache als total übertrieben“. Und ein Gastronom aus einer großen Stadt an der Hunte stimmt in einem anderen Zusammenhang in den leichtlebig-ungezügelten Gesang der beiden frisierten Herren mit ein und spottet, ob er dann zukünftig bei jeder Grippe sein Lokal schließen müsse.

Hauptstraße

In der Landwirtschaft werden Erntehelfer ausfallen. Sind Arbeitslose und Asylbewerber die Lösung? Pferdehalter bangen vor einer Ausgangssperre und um das Wohl ihrer Tiere. Und in einigen Küstenorten werden Menschen mit auswärtigen Autokennzeichen bereits angepöbelt. „Es sind viele Ältere unterwegs. Gerade die, die wir versuchen zu schützen“, stellt ein Goldschmied besorgt fest.

Am Brinkacker

„Also, nicht nur die jung, dynamisch unbefangenen Menschen finden immer noch nicht den Weg in die schützenden eigenen vier Wände, die Senior*Innen stehen ihnen in nichts nach“, stellt Luna fest.

Hauptstraße

„Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen.“ – François de Sales.

Das Frollein

Virenabwehr

„Ich denke, …“. „Also bin ich!“ – Ohne zu zögern falle ich dem Frollein ins Wort. Ich bin mir sicher, dass Luna für unseren heutigen Weg durch Feld, Wald und Flur bereits ein neues Thema favorisiert hat. Und so ganz verspüre ich keine große Lust, mich auf eine Diskussion zum Thema „Covid-19“ (Coronavirus SARS-CoV-2) einzulassen.

Overflow – Nicht nur die Speicherkapazität eines Computers kann überschritten werden

Dieses Thema, das alle und alles beherrscht. Das dafür sorgt, dass Toilettenpapier in den Discountermärkten ausverkauft ist, dass Menschen Desinfektionsmittellösungen aus Arztpraxen und Krankenhäuser entwenden und das dennoch keinen ausreichenden Grund dafür liefert, eine stets vielbesuchte Autoschau in der Kreisstadt Westerstede zu desinfizieren, nein, ich meine natürlich zu annullieren.

Die Halfsteder Bäke am Kuhhornsweg

„Also, der Prof Dr Christian Drosten, du weißt, der Direktor des Instituts für Virologie der Charité, der hält es ja für möglich, dass in Deutschland langfristig eine Viertelmillion Menschen am Coronavirus sterben könnten. Auch der Kassenarztpräsident Andreas Gassen geht davon aus, dass sich ein Großteil der Bevölkerung anstecken wird, bevor die Ausbreitung zu einem wirklichen Halt kommt.“ Und der Herr Gassen sagt weiter: „Das mag für den Laien schockierend wirken, ist aber nüchtern betrachtet nichts Bedrohliches.“

Die Halfsteder Bäke am Hörner Diek

„Luna, bewahre die Ruhe! Dieser Herr G. behauptete 2019 auch, um eine freie Arztwahl für Patienten zu begrenzen: „Es könne dauerhaft kaum jedem Patienten sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen.“ Es könnte ja sein, dass hier ein Weltbild ein wenig verrutscht ist, aber wollen wir bei diesem strahlenden Sonnenschein unsere Zeit mit einer Risikobewertung zu Covid-19 verbringen?“

Einst standen hier drei mächtige Eichen. Eine davon ließ 2017 der Orkan Xavier, der jüngere Bruder Kyrills (2007), stehen. – Nein, es lag nicht am Coronavirus!

„Du magst meinen Vorschlag, der in deinen Augen nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen mag, verurteilen, aber ich möchte diese Diskussion lieber “multimedialen Damen und Herren” wie Anne Will, Sandra Maischberger, Barbara Schöneberger, Maybrit Illner, Johannes B. Kerner, Günther Jauch oder Eckart von Hirschhausen überlassen.“ „Ja, aber deren Sendungen schaust du nie an!“ – „Ja.“

Die Sache mit Horaz

Es ist unser freier Mittwochvormittag. Und da es einmal nicht regnet, sind wir mutig und wagen uns an den Ortsrand Wiefelstedes. Gestern waren wir zu couragiert, da haben wir dann auch prompt eine „Abreibung“ in Form eines kombinierten Hagel-, Graupel, Schneeschauers kassiert.

Zwischen Kuhhornsweg und Stahlstraße stehen diese drei Eichen

Heute lacht die Sonne. Distanziert. Kein Wunder bei einer Entfernung von knapp 150 Mio. Km zu unserem blauen Planeten. Noch versteckt sie sich nicht hinter den inzwischen vertrauten Regenwolken.

„Denkst Du, Du hast das richtige Auto gekauft?“ „Ja, schon. Ich halte „Darth Vader“ durchaus für die ideale Zugmaschine, die unseren schwergewichtigen Big B. „auf Trab halten kann“.“ „Naja, ich meine nur.“ „Du meinst nur was?“ „Ob er Dir Glück bringt.“ „Wie kann ein Auto Glück bringen, liebe Luna?“ „Also, ich denke da an die geflohene Dame aus der Nachbargemeinde, die sich am Seitenteil des Opel Vivaro nicht gerade sanft und ausdruckslos verewigte.“ „Sie wurde ermittelt und der Schaden zu 100% behoben.“ „Ja, und das Reh, das sich in suizidaler Absicht vor Dein Auto warf?“ „Es war schmerzliche Nachlässigkeit, die dem Tier das Leben raubte.“ Ich weiß genau, worauf das Frollein hinaus will und kann es dennoch nicht verhindern.

Vier Schafe als Trio. Eigentlich sind´s fünf …

„Ja, und der Marder, der am vergangenen Wochenende Schläuche und Kabel unter der Motorhaube nicht nur in Augenschein nahm? Du erinnerst Dich, ich wollte an diesem Freitagabend gegen 23.00 Uhr noch einmal das Auto überprüfen?“ Zu gut erinnere ich mich an diese Situation, aber ich hatte kein Verlangen mehr auf „Schnüffelei“ und wollte nur noch ins Haus. Wenn ich das jetzt eingestehe, dann …

„Hast Du nicht sogar ein Foto von einem Steinmarder, der sich ganz in der Nähe unseres Hauses aufhielt?“ „Ja, das habe ich. Aber das ist schon so alt, dass es …“ „Steinmarder werden in der freien Wildbahn bis zu 10 Jahre alt. Sie bevorzugen das Offenland, aber auch Siedlungsbereiche. Und gerade der Steinmarder macht sich auch schon mal an ein Auto heran.“ Warum habe ich seinerzeit eine Jagdhundeausbildung mit ihr begonnen? – “Jeden Tag fährt die Einsicht an meinem Haus vorbei, aber angehalten hat sie noch nie.” – Art van Rheyn.

“Land unter!” Ja, es regnete ein wenig mehr als gewöhnlich in den vergangenen Tagen

„Liebe Luna, auch in diesem Fall wurde der entstandene Schaden reguliert. Denn: Hoffentlich Allianz versichert.“ „Du weichst aus. Es entstanden zwar keine Kosten, aber drei Versicherungsfälle mit ein und demselben Auto. Das gab es bei uns noch nie.“ „Glück, Luna. Wir haben einfach einmal Glück gehabt. Und an dieser Stelle erinnere ich an Horaz.“ Ich bin unschlagbar im Zitieren und ziehe (m)einen “römischen Dichter” gegen die rebellische Münsterländerin aus dem Ärmel: “Lerne, großes Glück zu ertragen!” (Horaz, eigentlich Quintus Horatius Flaccus).

Vor lauter Disputieren übersah Luna, die ich “so nebenbei” sicherheitshalber anleinte, diese Katze am Dingsfelder Weg

Das saß. Das Frollein trollt sich.

Nadel ist nicht gleich Nadel

„Hast Du gesehen, der Mann war tätowiert wie eine Litfaßsäule?“ „Litfaßsäule? Wie kommst Du denn auf diese Bezeichnung?“ Ich bin mehr als erstaunt, da Luna diesen Begriff, der schon längst nicht mehr allen, nicht nur Kleinen Münsterländern, geläufig ist, wie selbstverständlich gebraucht. Wer kennt denn heute noch die einst an fast jeder Straßenecke aufgestellten „dicken Säulen“, die mit bunten Plakaten im wahrsten Sinne des Wortes vollgekleistert waren? Doch das soll ja heute nicht unser tatsächliches Thema sein, wenn ich sie richtig verstanden habe.

Im elften Band der siebenten Auflage “Meyers Lexikon” (1929) fand ich Interessantes über das “Tatauieren”

„Vor vielen hundert Jahren, ich war damals noch sehr jung, liebe Luna, war es nahezu verpönt, sich Tinte unter die Haut zu jagen. Und heute empfinden es viele Menschen als ganz besonders anziehend, ihren Körper derart zu modifizieren.“ „Ja, aber ist dies nicht auch nur eine Modeerscheinung? Was machen diese Menschen, wenn ihnen das einst so aufregend erschienene Motiv plötzlich nicht mehr gefällt? Oder auf Grund einer unabwendbaren Alterung von Haut und Gewebe aus dem einst knallig roten, mit einem Dolch durchstochenen Herz „Loyalty Is No Feeling“ nur noch ein „Tennisball mit Griff“ und dem Text „oya o ling!“ zu erkennen ist?“ „Sie tragen es mit Haltung und Gelassenheit oder sie lassen ihre Tattoos per Laser entfernen. Besonders, wenn sie feststellen, dass das Stechen einer sog. “Knastträne” nicht unbedingt die beste Idee war.“

In Spalte 1329 (Meyers Lexikon) steht zu lesen: ” … findet sich auch in Europa unter Matrosen, Soldaten, Handwerkern, Dirnen, neuerdings als Modetorheit bei Damen. …”

„Oder diese drei Punkte auf dem Handrücken in Höhe von Daumen und Zeigefinger! Aber ist es denn nicht ungesund, sich Farbe unter die Haut „stechen“ zu lassen?“ „Ich weiß es nicht. Sicherlich gibt es dazu bereits Untersuchungen, aber als nicht Betroffener habe ich mich damit nicht beschäftigt.“ „Du bist also nicht tätowiert?“ „Richtig. Ich habe solch ein „dickes Fell“, da verbiegt sich jede Nadel.“ „Aber Du gehst doch regelmäßig zur Akupunktur?“ „Das, liebe Luna, ist etwas ganz anderes!“ – Ich weiß nicht, woher sie „das“ hat.

Der komplette Eintrag “bei Meyer”. – Bei allen Fotos handelt es sich um “scans” aus “Meyers Lexikon” 7. Auflage, Band 11, Bibliographisches Institut, Leipzig, 1929.

Kuhhornsweger Gedankenaustausch

Ich ahnte es. Ich wusste, dass sie etwas „in petto“ hat: „Schweigt der Menschen laute Lust: Rauscht die Erde wie in Träumen. Wunderbar mit allen Bäumen, was dem Herzen kaum bewusst, …“ Bevor sie sich, wie gewohnt, einige Meter von mir absetzt, um auf dem Wiefelsteder Kuhhornsweg nach dem Rechten zu schauen, zitiert das Frollein noch schnell diesen Vers aus dem Eichendorffschen Taugenichts.

Ich schöpfe sofort Verdacht, als ich heute morgen Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ unter Lunas Kopfkissen entdecke. Das sie mir dann allerdings zu solch früher Stunde den Gesang des Herrn Guido präsentiert, überrascht mich dann doch. Hatte ich vorausschauend damit gerechnet, dass sie unser heutiges “Gespräch in der Bewegung” mit dem „Gezwitscher und Getümmel der Sperlinge am rauschenden Rad der Mühle und dem vom Dach tröpfelnden Schnee“ aus dem 1. Kapitel der Novelle einleiten würde. – Sperlinge begegnen uns heute morgen in Scharen, als wir durch den Hörner Esch gehen.

Wie wir ein echter Frühaufsteher: Das Rotkelchen

Geschickt und passend zu unseren morgendlichen Spaziergängen durch Feld, Wald und Flur, mag sie ihre Lektüre ausgewählt haben. Diese Novelle, die sich überwiegend in der Natur entfaltet, die im Rauschen der Bäume und im Zwitschern der Vögel, im Funkeln der Flüsse und im Knacken der Äste spielt. (Quelle: Franz Kugler, ZEIT online, 2. Februar 1979)

Seitdem wir 2012 zu unseren gemeinsamen Streifzügen durch usA (unserem schönen Ammerland) aufbrechen, haben wir ein ganz besonderes Verhältnis zur „Natur um uns herum“ aufgebaut. Ja, und so hängen wir dann schon einmal unseren Gedanken nach und philosophieren „über Gott, Joseph von Eichendorff und die Welt“.

Der Kuhhornsweg. Blick auf den hinter den Bäumen liegenden Dingsfelder Weg

„Ich bin versucht, die Personen dieser Novelle in zwei Gruppen zu teilen: Optimisten und Pessimisten“, setzt das Frollein an. „Auf der einen Seite, die abenteuerlustigen, mutigen und doch naturverbundenen Charaktere wie den Taugenichts.“ „Na, dann gehören dessen Vater und der Gärtner sicherlich zu den „Gegenspielern“, den Pessimisten, oder?“ Ich muss schauen, dass ich mit dem Frollein literarisch Schritt halte. Zu lang ist es her, dass ich diese Lektüre während meiner Nordenhamer Schulzeit verordnet bekam.

Irgendwo “da hinten” verläuft die Halfsteder Bäke

„Genau! Typische Spießbürger. Ich möchte sie sogar als besonders langweilig bezeichnen.“ Luna „zieht blank“. Meine grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren. “Hilfe! Wie kann ich mich retten?”, pflegt mein Bruder in solchen Situationen spaßeshalber zu rufen. Ich erwidere: „Ja, klarer Fall. Der typisch romantische Mensch, wie er durch den Taugenichts dargestellt wird: „Er geht in die Welt und macht sein Glück““.

Ganz allein auf weiter Flur

„Diese Ich-Perspektive. Mir gefällt, dass der Erzähler, als ein Teil der dargestellten Wirklichkeit, das Geschehene miterlebt.“ „Durchaus, liebe Luna. Wenn wir bedenken, dass Eichendorffs Werke in der Epoche der Romantik und Spätromantik entstanden und oft als „Wald- und Wanderromantik” bezeichnet werden, so bin ich doch sehr froh, dass wir heute darüber gesprochen haben.“

Fährtenarbeit: Spaß für Hund und Halter. Heute meine Chance, “den Eichendorff” schnellstens wieder zu verinnerlichen

Ich habe sie hoffentlich überrumpelt. Sie scheint meine List nicht zu erkennen, da eine aus dem Nichts auftauchende Fährte jäh ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit erfordert. – Zu meinem Glück? Nein! “Spiegeln nicht seelische Landschaften das Innere des Taugenichts wider?”, versetzt sie mir einen finalen (spät-)romantischen Hieb.

Aus! Ich passe!

(Quellenangabe: In meinem blog-Eintrag habe ich auf einige Überlegungen/Gedanken/Ideen aus der Arbeit von Herrn Stefan Maas zur Novelle Joseph von Eichendorffs zugegriffen.)

Alles nur wegen “Sabine”

Sturmtief Sabine braust noch immer um unser Haus und durch die norddeutsche Tiefebene. Das Frollein und ich wagen es und stemmen uns ihr entgegen. Kaum da wir die Tür hinter uns schließen, stürmt sie auf uns zu. Ja, ihre Sturmböen schwächen sich zwar gerade in weiten Teilen Deutschlands ab, doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Frohlockend und neuen Schlagzeilen ungeduldig entgegenfiebernd, verkündet eine verzückte Presse: „Im Laufe der Woche nehmen die Windstärken wieder zu. Bis zum Wochenende steht durch einen sogenannten Jetstream bereits die nächste Sturmfront an.“

Gestern versperrten uns hier noch drei umgestürzte Bäume den Weg

„Du?“, das Frollein blickt mich an und ich weiß genau, was nun folgt. „A priori, also aus den realen Ursachen erkennend, wissen wir doch, dass unser heutiger Spaziergang von der sehr stürmischen Sabine begleitet werden wird. Warum, ich erkenne das Wirken, also die Wirkungen der stürmischen Dame, lassen wir uns a posteriori darauf ein?“ – Oh, sie hat wieder Aristoteles gelesen! Wenn auch Leibnitz noch an diesem Gedanken der Erkenntnisse aus den realen Ursachen und aus den Wirkungen festhielt, so ist es wohl an der Zeit, ihr auch Christian Wolff und dessen Philosophie näher zu bringen. – So sind sie, die kundig-belesenen Kleinen Münsterländer. – „Betrachten wir es aus der Sicht Immanuel Kants, liebe Luna: Die Apriorität als ein rein erkenntnistheoretisches Merkmal. Deine Erwägung, das Haus heute möglichenfalls nicht zu verlassen, ist damit abgelehnt.“ Leicht widerwillig trottet sie vor mir her. Doch es wird noch etwas kommen. Ich bin mir da sehr sicher.

Er hing früher ca. fünf Meter über dem Kirchweg. Heute: Vom Winde verweht

Wir laufen über den Fußgänger-/Radweg vom Heckenweg in den Hörner Esch, verlassen diesen und wollen ursprünglich den Hörner Diek über die Straße Am Brinkacker erreichen. Schon von weitem entdecken wir dort die Karawane der frühmorgendlichen Gassigeher*Innen und machen uns in Richtung Kirchweg aus dem Staub. Sabine begleitet uns mit brausenden Böen. Sie kann es nicht lassen.

Als Nilgans hätte ich mir ganz bestimmt eine andere Seenplatte ausgesucht

Wir entdecken die ersten umgefallenen Zaunelemente sorglos-nachlässig installierter Sichtschutzzäune. Ein Raub der Sabin(erinn)e(n). Hier und da liegen morsche Äste aus den Baumkronen der Eichen auf dem Weg. Doch für einen Sturm dieser Güte sind dies eigentlich keine „Besonderen Vorkommnisse“, eher natürliche Erscheinungen.

Ein Anblick, den auch die stürmische Sabine nicht trüben kann

Luna blickt mich an: „War es nicht eine fixe Idee, eine festgewurzelte falsche Idee, bei diesem Wetter den Gang durch die Gemeinde zu wagen?“ „Luna, mache Dich von herkömmlichen Ansichten, Meinungen und Betrachtungen frei. Zitat. Lerne, dich freuen! Und glaube mir, wahre Freude ist eine ernste Sache, wahre Freude kommt aus gutem Gewissen, aus edlen Entschlüssen (Seneca) Zitatende. Freudigkeit ist eine der Freude verwandte ruhige, gleichmäßige Gemütsbestimmung, „die Mutter aller Tugenden“ (Bruder Martin im Götz von Berlichingen).“ Ich merke, wie mir die Worte fehlen und ich mich fremder Erkenntnisse bedienen muss. Das Frollein gewinnt unseren Meinungsaustausch an diesem Morgen klar nach Punkten. – Kein Wunder! Mich quält eine „katastrophale Männererkältung“.

Philosophieren am Hörner Diek

Sturmtief Sabine lässt unseren heutigen Spaziergang durch Feld, Wald und Flur sehr kurz ausfallen. Das Frollein und ich wählen den Weg durch den kleinen Wald und den Hörner Diek. An den Regenrückhaltebecken halten wir inne und zählen die Teichhühner, Enten und Gänse. Der Kormoran glänzt heute durch Abwesenheit.

“Waldfrevel!” – Hier hätte das Frollein sofort eingreifen wollen, aber …

Sehr gern würde Luna den Makrozensus (Volkszählung) persönlich unter Verzicht einer Leine wahrnehmen. Ich erkläre ihr, dass die Sorge um ihr Wohlergehen, die „stürmische Sabine“ und nicht zuletzt einschlägige Bestimmungen, mich daran hindern, ihr ein „Leinen los!“ einzuräumen.

Sie versucht, mich in eine Diskussion zu verstricken. „Sag´mal, ein Oxymoron als Contradictio in adiecto, also, diese Sonderform des Oxymorons. Hier besteht die sogenannte Stilfigur, sofern ich mich nicht irre, doch aus einem Adjektiv und einen Substantiv und nicht aus einem zusammengesetzten Wort, oder?“

Er glänzte am 10. Februar 2020 durch Abwesenheit. Aus Furcht vor “Sabine”?

„Ja, liebes Lunchen, so ist es. Bei der „Hassliebe“ zwischen Autor und Kritiker handelt es sich z. B. um ein typisches Oxymoron. Und wenn ich Deinen Versuch, mich von der Leinenpflicht am Hörner Diek abzulenken, als „teuflich gut“ bezeichnen würde, so läge in diesem Fall ein klassisches Beispiel für die Sonderform des Oxymorons, ein Contradictio in adiecto, vor. Ein Widerspruch in sich oder unmittelbarer Widerspruch.“

Wieder einmal ein ganz besonders raffinierter Trick, der Kleinen Münsterländerin. – Aber nicht mit mir.

20. Januar 2020

Ich schlage die Tageszeitung auf und erfahre:

“Bekommt ein Halter vom Ordnungsamt ein Knöllchen fürs Falschparken, muss er zahlen. Straft hingegen ein privater Dienstleister das Vergehen ab, ist dies zumindest in Frankfurt am Main gesetzeswidrig.”

“Bei der Lufthansa droht vorerst nun doch kein Streik der Flugbegleiter.”

“Bayern-Torwart Manuel Neuer und seine Frau Nina gehen einem Bericht zufolge getrennte Wege.”

Und vom frischesten Streich auf der politischen Weltbühne werden wir dann morgen (21. Januar 2020) erfahren: “Der Amtsenthebungsprozess gegen US-Präsident Trump beginnt mit stundenlangem Gerangel über die Regeln – die erste seiner Verteidigungslinien.”

„Luna, herstellen der Marschbereitschaft. Wir gehen durch Feld, Wald und Flur. Dort geht es ehrlicher und interessanter zu.“

Wie “versteinert” bewacht der kleine “Gralshüter” weiterhin seinen Schatz irgendwo im Gebiet Kleiberg und Hörne

Wir streifen durch “unseren Wald”, passieren die ARA (Abwasserreinigungsanlage) Am Brinkacker und erreichen den Kirchweg.

Noch grünt es zwischen der Stahlstraße und dem Kirchweg. Im Nacken sitzt mir allerdings bereits das sog. “Gewerbegebiet”, das hauptsächlich, und eigentlich nur, aus Betriebsleiterwohnungen besteht … ein Schelm, der Böses dabei denkt

Während unserer ausgedehnten morgentlichen Spaziergänge kreisen meine Gedanken oft um “Dinge, die mir zu denken geben”. Heute ist es u.a. der neue Wohnsitz des Nationaltorwarts am Tegernsee.

Isolatoren am Wegesrand

Er baute ganz in der alten Nachbarschaft meiner Großeltern. Allerdings war hier damals schon alles bebaut und eine weitere Bebauung durch “natürliche Umstände” (Hanglage) so gut wie unmöglich. Ja, eben nur, “so gut wie …” . – Wie hat der Manuel das nur geschafft?

Der Kirchweg. Links davon, ich habe es “ausgeblendet”, das Betriebsleiterwohnungsbaugebiet

Wir haben Wiefelstede (Ort) hinter uns gelassen und blicken in Richtung Bokel. Dort ist so viel Platz, dort kann man nicht falsch parken und ein “illegales” Ticket von einem privaten Dienstleister “kassieren”.

Der Himmel war an diesem morgen sehr viel sehenswerter als ich es auf dem Foto zeigen kann

Luna hat die heutigen Schlagzeilen längst verarbeitet und “kümmert” sich um die viel zu zahlreichen Feldmäuse. – “Nein, sie wildert nicht! Sie sorgt einzig für Bewegung und Unterhaltung.”

Die Maus ahnt noch nicht davon, dass sie längst ins Visier genommen wurde

Wir haben heute den kleinen Bogen (5 Km) um Wiefelstede gewählt und blicken bereits auf den Kuhhornsweg.

Längst hat Luna ihre beiden Artgenossen Paula und Nala erspäht. Doch wir Zweibeiner besitzen keine so tierische Wahrnehmung wie die Kleine Münsterländerin und finden sie auf diesem Foto nicht. Vielleicht aber ihre beiden menschlichen Begleiterinnen?

Ach, wie seltsam: Die frische Luft der vergangenen Stunde hat die heutigen Schlagzeilen in einen gasförmigen Zustand überführt, quasi verflüchtigt. – “Wie lauteten sie noch einmal?”

“Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.” – François de La Rochefoucauld

2×50=Hildesheim

„Es ist“, so meint Luna, „an der Zeit, uns körperlich zu entspannen und zu erholen. Ihr fahrt einfach zur Motto-Party nach Hildesheim und ich gehe in die Pension Pfotentreff. Ich muss mein Gedankenkarussell einmal stoppen und ich möchte mir Zeit für mich nehmen. Einmal den Stress ausblenden.“ Über dieses großzügige Angebot denken wir nicht zweimal nach. Ruckzuck findet sich das Frollein in der Pension ihres Vertrauens wieder und wir uns auf der Autobahn in Richtung Welterbe Hildesheim.

Die dreischiffige, gotische St. Andreaskirche mit dem höchsten Kirchturm Niedersachsens (114,5 m)

A29,28,1,27 und 7. Kurz vor der Anschlussstelle 61 Hildesheim-Drispenstedt löst Adam 1.2 aus dem Hause Opel den Bremsfallschirm aus. Wir werden in die Gurte gepresst und wenig später gleiten wir auf der B 494 und dem Kennedydamm über die Rathausstraße zum Marktplatz Hildesheim. Die aufgebaute Hochspannung während der fesselnden 130 Km/h Richtgeschwindigkeit fällt von uns ab und wir stehen vor dem Tor einer schlagartig einsetzenden Entspannung. Dieses Tor ist in unserem Fall erst einmal der Eingang zum Hotel Bürgermeisterkapelle.

Der Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt ist eine der ältesten Bischofskirchen Deutschlands

13.00 Uhr. Wir haben sehr viel Zeit. Um 18.00 Uhr werden wir zur “Zweimaleinhalbesjahrhundertgeburtstagsfeier” erwartet.

Hinter dem Chor der Domkirche zu finden ist das Wahrzeichen der Stadt Hildesheim: der 1000jährige Rosenstock

Berühmt für seine Kirchen, zu denen natürlich der Dom und St. Michaelis gehören, steht die gotische Bürgerkirche St. Andreas auf unserem nachmittäglichen Reiseplan. Ich habe Probleme, den hohen Turm auf dem engen Andreasplatz fotografisch einzufangen. Den Dom St. Mariä Himmelfahrt zu Hildesheim lassen wir natürlich nicht aus. Eine der ältesten Bischofskirchen Deutschlands, deren Baugeschichte bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht und deren Ursprungsgeschichte sogar im Jahr 815 angesiedelt ist. Diese historischen Sachverhalte zwingen uns, St. Michaelis zu „übersehen“. – „Michi, sei uns bitte nicht böse, aber wir haben auch das Dommuseum, den Magdalenengarten und so vieles mehr nicht besuchen können.“

1985 wurden der Hildesheimer Dom und der Domschatz zusammen mit St. Michaelis in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen

Fast pünktlich sind wir in der Scheelenstraße. Wir feiern zwei Geburtstage. Wir feiern gebührend. Mit allem Drum und Dran. Sogar mit „Polizeieskorte“. – Ehre, wem Ehre gebührt.

Auf dem Weg zur Hildesheimer Domschule, die eine der bedeutendsten Bildungsstätten im ottonischen und salischen Reich war

Adam 1.2 bringt und tags darauf, wir sind quasi tiefenentspannt nach Speis und Trank und starken Tönen im Frequenzbereich 16-150 Hertz, in Bestzeit zurück ins Ammerland. Nur drei oder viermal muss ich den Tempomat aus seiner automatischen „Anpassung“ nehmen. In nicht einmal zwei Stunden legen wir die Strecke zurück und holen ein tiefenentspanntes Frollein aus ihrer Pension ab. Luna, die an diesem Wochenende bis zum innersten Kern ihres Wesens vordringen konnte, wir reißen sie förmlich aus der gerade erlangten eigentlichen Mitte ihrer Existenz, blickt uns freudig an und scheint zu sagen: „War toll, können wir wiederholen!“

Der Annenfriedhof mit dem Tausendjährigen Rosenstock

Ein paar Fotos habe ich noch:

“Wieso, weshalb warum?” des Tausendjährigen Rosenstocks
Markierung am Rosenstock
“Junge lat dei Appels stahn – Süs packet deck dei Huckup an! – Dei Huckup is en starken Wicht, – Hölt mit die Stehldeifs bös Gericht.” – Das Huckup-Denkmal unter dem alten Nußbaum am Hohen Weg in Hildesheim
Ein “Mammutzahn” im Hildesheimer Dom?
Und wenn es geschmeckt hat, dann “sagen” wir es auch dem Personal in der Küche