Archiv der Kategorie: Ein Hundeleben

Luna von der Otterbäke zu Dringenburg-Tessa.

“13”. Eine Unglückszahl?

„WST?“ „Westerstede!“ – Wir stehen am Elbe-Lübeck-Kanal in Güster. Einmal mehr werden wir Ohrenzeugen dieses Frage- und Antwortspiels, mit dem sich die Radwanderer, die am Campingplatz Freizeitwelt Güster vorüberradeln, gern unterhalten. Oder: „Oh, Thule Sunblocker! Von Innen gespannt.“ „Ja, sehen eben doch viel besser aus als die xyz-Markisen.“

Die Wagenburg auf Stellplatz K13

Unser zum Saisonbeginn von Covid-19 stark eingeschränkter „wohnwagenreisender“ Bewegungsdrang hat uns dann schließlich doch wieder einmal an den Prüßsee zwischen Büchen und Mölln geführt. Im dritten Anlauf ist es uns gelungen. Nr. 1 scheiterte vollständig an den der Pandemie geschuldeten Reiseverboten und den Hygienebestimmungen. Nr. 2 verhinderte ein außerordentlich starker Besucherstrom am Himmelfahrtswochenende. Ja, und da bekanntlich „3x Ammerländer Recht ist“, stehen wir am 21. Juli und im dritten Anlauf auf Platz Nr. 13 in der „Komfortzone“. Nur jeder zweite Platz ist besetzt, es sei denn, ein Familienverband ist mit Gefolge angereist, dann geht es auch „Tür an Tür“. Wir sind zu dritt und nicht im Konvoi unterwegs. So sind wir zur Linken und zur Rechten von jeweils einer Freifläche „umzingelt“. Und das gefällt uns.

Am Elbe-Lübeck-Kanal

Ich könnte nun von dem Stau auf der A1 bei Sittensen, der uns eine gute halbe Stunde zum Stillstand zwang, berichten, ich könnte schreiben, dass uns die Schließung der Bäckerei Heymer in Güster sehr überraschte, ich könnte mich darüber beklagen, dass der GPS-Logger, der bis dato so exakt unsere Reiserouten aufzeichnete, plötzlich seine Dienste versagt und ich hätte an dieser Stelle die Radwanderkarte Nr. 35 „Zarrentin“ aus dem Hause Maiwald verdammen können, die uns eine Radwanderung am Schalsee nicht entlang von Land- und Bundesstraßen, sondern auf Land- und Bundesstraßen anbietet. Eine wundervolle Alternative zu Inliner-Fahrten auf Bundesautobahnen. Ja, im „Kleingedruckten“ weisen die Pocket-Karten-Anbieter darauf hin, dass es sich auch einmal um „nicht ausgebaute oder von der Fahrbahn getrennte Radwege handeln“ könne. Über solche Dinge ärgert man sich nur einmal, bevor man das Druckwerk durch den „Heereskopierer“ (Aktenvernichter) schickt. – Ich besorgte uns auch die Maiwaldschen Nr. 34 „Mölln“ und Nr. 37 „Büchen“. Wird sie das gleiche Schicksal ereilen?

Karten, die die Welt nicht braucht … 🙁

Wir geben unsere Radtour auf, fahren nach Zarrentin, finden hinter der Kirche endlich einen “angemessenen” Parkplatz für „Darth Vader“, der einen Platz für den “gemeinen Personenkraftwagen” als „unpassend“ strikt ablehnt und laufen entlang des Weges am Schaalsees zur Seefischerei. Höchste Zeit für Matjes- und Bismarkheringbrötchen. Luna verzieht sich in den Schatten und zeigt Präsenz: Enten, Blesshühner, Seeschwalben und Gänse sowie die freilaufende “Euphemia” aus Köln sind beeindruckt.

Am Schaalsee in Zarrentin

Wir waren so verwegen, den Großzecher Werder mit dem Fahrrad erkunden zu wollen. Dies geht eine Zeit lang gut, dann gebieten uns mannshohe Farne Einhalt. Ich sehe Luna nicht mehr, die eigentlich neben mir an der Leine läuft. Wir schlängeln uns durch den immer enger werdenden Weg, legen eine „Beinahelandung“ hin und entschließen uns, den Werder einen Werder sein zu lassen. – „Vorwärts! Wir müssen zurück.“

Die Pforte wurde installiert, damit die Enten nicht vom See flüchten können

Vor der angebotenen Fahrradtour des „Pocket-Karten-Anbieters“ haben wir kapitulieren müssen, so wollen wir wenigstens mit dem Auto ein Stück entlang des Sees fahren. Wir bewegen uns in Richtung Bantin, Lassahn, Hakendorf und Bernstorf. Irgendwann stellen wir fest, dass wir auf dieser Route die Bundesstraße 208 zwischen Ratzeburg und Roggendorf erreichen würden. Weit entfernt von unserem Campingplatz in Güster. Wir wenden beim Bernstorfer Binnensee und werden unseren Frust in der Taverne Inos, dem Griechen unseres Vertrauens in Güster, bei einem kühlen Dithmarscher Pilsener und einem griechischen Erfrischungsgetränk, vergessen machen.

“Glück Auf!”

Auch am dritten sehr frühen Morgen in Güster möchte das Frollein nicht darauf verzichten, zu nachtschlafender Stunde einige Meter am Elbe-Lübeck-Kanal (E-L-K) zu bummeln. Nun, von einem Spaziergang kann in diesem Fall nicht die Rede sein, Luna scheint sich den Magen verdorben zu haben. Und wenn sie sich tatsächlich einmal des Nachts meldet, dann ist durchaus Eile angesagt.

Es gab für Luna nicht viel “zu zählen”: zwei Graureiher, einige Schilfrohrsänger, keine Enten, keine Gänse, eine Möve

Am Prüßsee hat sich einiges verändert: Der sich an einigen Stellen leidenschaftlich wuchernden Natur wurde entschlossen Einhalt geboten, neue Stellplätze wurden angelegt, ältere Plätze wurden durch beherzte Formschnitte teils gelichtet und andere wiederum sind komplett verschwunden. Davon bemerkt der hier gelegentlich „wohnende“ Caravaner eigentlich kaum etwas. Es sei denn, er steht im Dialog mit den Alteingesessenen.

Der Diebsradenweg am Prüßsee. Unter diesem Namen kennen ihn wohl auch nur wenige

Zufällig treffen wir uns in der „ersten Kurve vor Siebeneichen“ am E-L-K. Nachdem uns zuvor die „Glück Auf“ auf dem Wasserweg entgegenkam, kommen wir, da uns die Besatzung so freundlich grüßte, ins Gespräch. Sie, ich nenne sie einfach Frau J. und ihr Mann sind bereits seit Jahrzehnten Dauercamper in der Freizeitwelt Güster. Natürlich kennt sie, eine echte Hamburger Deern, den Schiffer der „Glück Auf“ und seinen Decksmann beim Namen, sie kennt die Namen der weiteren Schiffe der Reederei und weiß, wann und wie oft diese von Geesthacht kommend, hier Sand laden. Und wir stellen fest, dass ihre Campingnachbarn auch mir flüchtig aus Gesprächen „auf dem Platz“ bekannt sind.

Frühaufsteher erhalten (manchmal) eine Belohnung

An dieser Stelle ist es mir wichtig festzustellen: „Deern“ ist im norddeutschen Raum eine allgemeine Bezeichnung für Mädchen. Heute macht „Sie“, als „Hamburger Deern“ aber auch deutlich, dass sie gebürtig aus Hamburg stammt. Dem Begriff Deern könnte eine negative Bedeutung zugeschrieben werden (in Form: „leichtes Mädchen“). Diese Bedeutungsverschlechterung gilt im norddeutschen Sprachraum nicht.

Prüßsee

Es ist früh am Morgen und wir haben Zeit. Viel Zeit. Also frage ich Frau J., warum die weiße Villa an der Straße Am Prüßsee immer mehr verfällt, was der freundliche Gärtner macht, den ich hier so lange nicht angetroffen habe, wie es dessen Mutter gesundheitlich geht und was es mit dem Pavillon auf sich hat, der an manchen Nachmittagen durch mehrere Damen „in Begleitung“ ihrer Rotkäppchen-Pikkolos belegt wird. – „Dat was en lang Klönsnack.“ Und nun weiß ich mehr.

Fischreiher am Ufer des Elbe-Lübeck-Kanals

Am Freitagnachmittag füllt sich die Reihe der Komfortplätze in Güster. Die wenigen noch unbesetzten Plätze sind schnell belegt. Neben uns logiert nun ein Paar mit einem in die Jahre gekommenen VW T3 „California“. Dieser verfügt über ein Aufstelldach und eine Schiebetür. Letztere sollen wir fortan kennenlernen oder treffender, zu hören bekommen. Unsere Nachbarn scheinen noch nicht sehr lange gemeinsame Wege zu gehen und auch der T3 begleitet sie sicherlich erst seit wenigen Tagen. Um mich kurz zu fassen: Wir bekommen unweigerlich eine Kurzeinweisung in die Geschichte, Ausstattung und die weitere beabsichtigte Nutzung des „Vanagons“. – Ob wir dies nun wollen oder nicht.

“Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein!” Nein, es brauste (an diesem Morgen) kein Ruf wie Donnerhall! – Hier fährt die “Vaterland” gen Geesthacht

“Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.” – Thomas Mann. – Es ist nicht unser Aufenthalt, wie wir ihn uns vorgestellt haben. „Es läuft einfach nicht rund.“ Wir befreien Big B. und die Markise von den viel zu früh abgeworfenen Eicheln, die uns „Quercus“ (die Eiche) aus der Familie der Buchengewächse eimerweise tagein und tagaus prasselnd “auf´s Dach wirft”, brechen unsere Zelte ab und fahren früher als geplant wieder in Richtung Heimat. Hier stellen wir zu spät fest, dass uns die zugesagten 5% Preisnachlass dann doch nicht gewährt wurden.

“Auf Wiedersehen, Frau J.!”

„Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.“ – Kurt Tucholsky

De Pingsttour

„To Pingsten, ach wie scheun“ ist wohl eines der bekanntesten Lieder des „St. Paulianer Jungen“ Heinrich „Hein“ Köllisch (1857-1901). Seinem 1894 eröffneten Lokal, einem „Pläseerlokol“, wie man es damals nannte und das er auf dem Hamburger Spielbudenplatz betrieb, gab er den Namen „Köllisch´s Universum“. Nun habe ich Hein natürlich nie persönlich kennengelernt, aber mein Großvater kannte alle seine Lieder: „„De Pingsttour“ von Heinrich Köllisch“. So kündigte er stets diesen plattdeutschen „Schlager“ an, wenn er ihn zu den verschiedensten Anlässen spontan vortrug. Er, Jahrgang 1898, kannte alle Köllischen Lieder auswendig. – „To Pingsten, ach wie scheun, wenn de Natur so greun, un all´ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!“

Ems. Sielgraben Sustrum II. Meine gefühlte 1001. Aufnahme  an dieser Stelle

Es liegt auf der Hand, dass mir dieses Lied zu Pfingsten immer wieder in den Sinn kommt. Ich höre meinen Opa singen, erinnere dabei sein verschmitztes Lächeln, wenn der besungene Pfingstausflug auf Grund einer plötzlich einsetzenden, sehr ungünstigen Wetterlage so gründlich ins Wasser fällt und denke: „Dat is een wohre Freid!“

Eine Sumpf-Schwertlilie, auch Wasserlilie genannt

Eine wahre Freude ist es auch, wieder einmal im Emstal zu sein, im neuen, diesmal 100%ig aufgebauten Kampa-Vorzelt zu sitzen und während mich Luna „bewacht“, sie hat ihren Kopf auf meine Füße gelegt, diese Zeilen zu schreiben. Die Sonne strahlt am Himmel, die Gäste auf dem Campingplatz eifern mit ihr um die Wette und gleich werden wir gemeinsam mit der „Besten von allen“ zu einem Gang entlang der Ems aufbrechen. – „Mensch , was willst Du mehr?“

Ein Blick aus einem Seitenarm der Ems

„Es gehört sich nicht bei manchen Dingen zu sehr ins Detail zu gehen. Doch ich erlaube mir eine Ausnahme: Duschen“, schrieb ich vor einigen Tagen. Und nur ein letztes Mal will ich lästern: Heute morgen traf ich den Terminator. Er muss es gewesen sein! Gleich nebenan, eine Duschkabine weiter, pflegte er seinen Astralkörper unter den aus den Düsen eines angsterfüllten „El Gordos“ heraussprudelnden Fluten. Ich habe den Terminator nicht gesehen. Keiner könnte so maskulin duschen wie er: Rumms! Die Tür wird erbarmungslos ins Schloss gezwungen. Peng! Die Duschutensilien, sicherlich Scheuerpulver in gröbster Körnung, eine Stahlbürste und weitere kosmetische Arbeitsgeräte, wie Topfreiniger und Stahlwolle, die nicht fehlen dürfen, werden männlich abgelegt. „Wasser marsch!“ Eine bis dato sehr höflich schaffende Armatur verliert all ihr Selbstbewusstsein und steht dem Terminator unterwürfig zu Diensten. Zum Abschluss lässt es sich „Arnie“ nicht nehmen, noch einmal so richtig „tiefgründig sein Näschen zu schnauben“ und … – Hier gebieten meine Manieren einer weiteren Schilderung Einhalt. Der Terminator. Er muss es gewesen sein.

Kirche in Steinbild. St. Georg

Europas großes Camping-Magazin testet und vergleicht in seiner diesjährigen Mai-Ausgabe Campingstühle. Da mich permanente Tests von Plug-in-Hybrid SUV, der heutige „mit der Kraft der drei Herzen“ (Benziner, Front-E-Motor und Heck-E-Motor) nun so gar nicht interessieren, blättere ich weiter und entdecke unsere “Isabellas”. Auf Seite 41 finde ich „Loke“. „Ein hochwertiger Stuhl mit kleinem Schönheitsfehler: große Schraube sichtbar“ (Zitat Caravaning). Ja, das geht ja nun gar nicht! Dieser Stuhl ist durch eine sichtbare große Schraube missgestaltet! Und er knirscht beim Aufbau! Schnellstens klappe ich die „Verlierer“ zusammen, verstaue sie vor ihrer nun unwiderruflichen Entsorgung im verborgensten Winkel des Caravans und hoffe, dass niemand unseren bestürzenden Fehlkauf entdeckt. Seitdem stehen wir im Vorzelt. – Brauche ich solche Tests? „Nein.“

Die MS Springer. Sie “stand schon in der Zeitung”: Westfälische Nachrichten, 2012. “Zwangspause im Eis: Kanäle frieren zu – Schiffe liegen fest”

Komisch. Immer wenn wir unsere Runde Emstal-Steinbild-Düthe-Emstal drehen, treffen wir Georg um 11.55 Uhr. Ich spreche in Rätseln. Die Kirche in Steinbild ist die St. Georg Kirche. Ihre Turmuhr zeigt tatsächlich jedes Mal „fünf Minuten vor Zwölf“, wenn wir die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal überqueren. Nein, die Uhr steht nicht. Es ist reiner Zufall. Oder himmlische Fügung?

Am Dortmund-Ems-Kanal. Blickrichtung Schleuse Düthe

Und da ich gerade vom Zufall berichte: Pfingstsonntag. NDR I Radio Niedersachsen. Der Moderator legt mit den Worten “weil sie zu Pfingsten einfach dazugehört”, “De Pingsttour” auf:

… De Vadder geiht voran, –
een witte Maibüx an,
sien Jung kummt in de Mitt, –
natürlich ook in Witt,
dorbi hebbts op den Kopp –
een fien’n Strohhoot op,
all’ns sauber un mit Schick, –
grood wie gelickt. …

Ems/Dortmund-Ems-Kanal. Blick in Richtung Steinbild

Siegfried Lenz war ein großer Schriftsteller. Seine Romane und Erzählungen begeisterten mich bereits als Schüler und nehmen heute ca. 1,50 m in meinem Bücherregal ein. Als stets „blanker“ Gymnasiast konnte ich mir diese Bücher zu einem Stückpreis von damals 30-35 Deutsche Mark aus dem Hoffmann und Campe Verlag nicht leisten. „Es gab sie seinerzeit auch als dtv-Taschenbuchausgaben!“ Ja, gab es. Aber Siegfried Lenz wurde und wird von mir nicht im „Maßstab H0“ gelesen. Hoffmann und Campe muss es schon sein.

Ein Seitenarm der Ems

Nach und nach habe ich heute fast alle Lenzschen Werke erworben. Dazu zählt auch das 2015 in 1. Auflage erschienene Buch „Gespräche unter Freunden“, das mir „die Beste von allen“ schenkte. Siegfried Lenz im Gespräch mit Schriftstellern, Literaturkritikern, Journalisten und Freunden. Ich bin heute davon überzeugt, dass Manfred Durzak, der sich 1976 mit Siegfried Lenz unterhielt, dabei eine ganz bestimmte, sich selbst inszenierende Rolle einnehmen wollte und werde, auch wenn es mir schwer fällt, dieses Gespräch von Anfang bis Ende aushalten und lesen, aber ich freue mich jetzt schon umso mehr auf die Unterhaltung mit Loki Schmidt aus dem Jahr 2008. Titel: „Eine Freundschaft“.

Der DEK (Dortmund-Ems-Kanal) bei Steinbild

Auch wenn meiner Klasse und mir keiner unserer Deutschlehrer bis zum Abschlussjahr 1977 Siegfried Lenz im Unterricht tiefgreifender vorstellte, so erinnere ich mich unwillkürlich an meine Deutschlehrerin Frau Gisela B. (1939-2014). Sie unterrichtete nicht nur das Fach Deutsch, sie war auch eine Künstlerin. Eine wahre Künstlerin: Geistreich, bildend, aufgeschlossen, kreativ, ideenreich, aufbauend. Mit ihr besuchten wir Kunstausstellungen. Und sie war es, die uns die Bertold Brecht Parabeln um Herrn Keuner vorstellte. In einem ihrer Unterrichte hielt ich ein Referat über „meinen“ Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz. Zeitvorgabe: 20 Minuten. Ich brauchte die ganze 45minütige Unterrichtsstunde und die große, die heilige Pause von 20 Minuten. Niemand verließ den Klassenraum und trotz meiner eindeutigen Zeitüberschreitung stand Frau B., ihrer Unterrichtsstunde beraubt, auf und spendete mir Beifall. – Das hat nun nichts mit Camping, Caravan und „auf Achse sein“ zu tun, ist aber eine sehr schöne Erinnerung an meine Schulzeit und, ich gestehe, auch heute noch Balsam für meine Seele.

Kein Biber, aber eine Biberratte (Nutria)

Viele oder besser alle (weiblichen) Stechmücken scheinen den „BLV Tier- und Pflanzenführer für unterwegs“ nicht zu kennen. „Sie stechen vor allem in der Dämmerung und bei trübem, schwülwarmen Wetter“, heißt es dort auf Seite 326. Gut, vielleicht ist Culex pipiens (die Stechmücke) in ihrer Lektüre noch nicht so weit vorangeschritten oder sie kann doch nicht lesen. Auf alle Fälle spende ich der stechenden Damenliga dieser Zweiflügler bei meinen Streifzügen durch den Wald bei jeder Wetterlage und unter allen Lichtverhältnissen stets ausreichend „Säugerblut“. Auch das Frollein ist nicht begeistert. Unsere gefiederten Freunde bräuchten eigentlich nur mit geöffnetem Schnabel vor uns herfliegen und schon hätten sie Proviant für die nächsten zwei Tage gesammelt. Doch typisch, wenn man sie braucht, betreiben sie gerade Gefiederpflege oder singen von ihrer Warte.

Haubentaucher mit Jungem im Kielwasser

Wir verbergen uns in einer Wolke aus Stechmücken und warten am alten Seitenarm der Ems auf das, was da kommt. Auf der gegenüberliegenden Uferseite kontrolliert ein Trupp Stockenten die „Baumhöhlen“ unter den leicht über dem Wasser schwingenden Zweigen der Silberweiden. Diese sollen bis zu 200 Jahre alt werden. Na, ich bin darauf gespannt, sollte ich so um das Jahr 2200 noch einmal ins Emstal kommen, wie sie sich bis dahin entwickelt haben.

Luna hat den Kormoran längst im Visier

Wir werden belohnt. Ein Paar Haubentaucher macht das, was es so gut beherrscht: Es taucht 10 m vor uns (auf). Obwohl wir uns mitten in der Brut- und Setzzeit befinden, führen sie keine Jungen. Heute beschäftigen sie sich mehr damit, nach kleinen Fischen und Krebsen im seichten Wasser der Ems zu suchen. Es ist schwer, sie mit der Kamera zu erwischen. Ich kniee auf den Planken eines alten Bootsanlegers und stütze mich an einer „ehrwürdigen“ Bohle ab, um die Fotos nicht zu verwackeln. Der Steg kippelt ein wenig und ich bin mir augenblicklich darüber im Klaren, dass ich sehr schnell den beiden Haubentauchern folgen könnte. Doch dieser Anblick lässt mich das Risiko gern wagen.

Navigationsgerät ohne GPS für die AHK

Luna interessiert sich nicht die Bohne für die beiden Wasservögel. Das ist sehr ungewöhnlich, denn meistens ist sie in solchen Situationen nur schwer zu halten. Vielmehr richtet sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Strauchwerk zu unserer Rechten. Nein, es ist nicht der Biber, dem ich schon seit Jahren auf der Spur bin. Es ist eine Biberratte, eine Nutria, die sie entdeckt hat. Vollkommen gleichgültig zieht diese an uns vorüber und zur Mitte des Seitenarms. Sie ist eine der wenigen, der es gelang, der Bestandspflege durch die örtliche Jägerschaft zu entkommen. Mit List und Tücke mag ihr dies gelungen sein, denn ihrer Größe nach zu urteilen, ist sie „ein alter Hase“.

Spätestens jetzt sollte die Maus ihren Rückzug antreten – Sie tat´s

Einen Abend später stelle ich fest, dass die Nutria nicht allein ist. Ein zweites Tier scheint am gegenüberliegenden Ufer sein Revier zu haben. Wie in stiller Absprache begegnen sich die beiden Nager in der Mitte des alten Seitenarms der Ems als sie „die Seiten wechseln“. Die Nachwuchsfrage der Haubentaucher klärt sich am frühen Pfingstsonntag. Ich entdecke einen Vogel mit seinen zwei Jungen im Schilf an der Emstaler Badestelle. Während ihrer morgendlichen Unterrichtsstunde scheinen sie sich dem Thema Tauchen zu widmen. Jedenfalls gelingt es mir nicht, das Trio zusammen zu fotografieren. – Einer „fischt immer im Trüben“.

Sustrum ist eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Lathen im Landkreis Emsland/Niedersachsen

Wir sind sehr froh, dass wir nach längerer Pause wieder in „unser Emstal“ reisen können. Das alles ist natürlich nur möglich, da sich Familie Sandker im Vorfeld umfangreich und sehr gewissenhaft Gedanken gemacht hat und verantwortungsbewusst Vorkehrungen zu unserer aller Gesundheit traf. Die von ihnen erarbeiteten „Verhaltensregeln auf dem Campingplatz“ und „Sonderinformationen für den Aufenthalt“ sorgen dafür, dass wir einen erholsamen und sicheren Aufenthalt auf ihrem Platz verbringen dürfen. Diese Covid-19 geschuldeten Spielregeln einzuhalten ist Ehrensache. Wir hoffen, dass wir uns so „step-by-step“ bald wieder „zwangloser“ bewegen können.

Auf einer Frühlingswiese steht der alte Löwenzahn. Das Haupt ergraut, vom Wind umweht, wie Weisheit wider Wahn. (Horst Engel)

Wir freuen uns auf unseren nächsten Besuch in Sustrum, denn “Beim Abschied wird die Zuneigung zu den Dingen, die uns lieb sind, immer ein wenig wärmer.” – Michel Eyquem de Montaigne.

Es gibt viel zu entdecken

Himmelfahrt – 39 Tage nach Ostersonntag

Big B. hat seine behördlich vorgeschriebenen Prüfungen inkl. der Dichtigkeitsinspektion erfolgreich bestanden. Der Besuch beim Fendt-Händler verlief aus der Sicht des Caravans unkompliziert. Ich hätte mir vor Ort, die Covid-19-Krise und die damit verknüpften Hürden nicht aus meinem Bewusstsein verdrängend, ein wenig Kundenorientierung gewünscht.

An der Ems

Wir alle leben augenblicklich in der Zeit der Kontaktbeschränkungen, in einer virenbelasteten Zeit in der zu große menschliche Nähe nicht empfehlenswert ist. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn man mir bei der Abholung unseres Caravans ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt und nicht zwei Telefonate während unseres bereits begonnenen Gesprächs geführt worden wären.

Wir halten in dieser Zeit Abstand. Abstand im Sinne einer physischen Distanz. Freundlichkeit unterliegt meiner Meinung nach keinen Beschränkungen. – So, Schwamm drüber: Hauptuntersuchung und Gasprüfung sind abgeschlossen. Die vertragshändlergebundene Dichtigkeitsinspektion kann in und von jeder Fendt Werkstatt durchgeführt werden, sagt mir ein Brief aus Mertingen.

“Darth Vader” durch den “verregneten” Thule Sun Blocker gesehen

Inzwischen stehen wir an der Ems. Nach einigen Reihenfolgefehlern beim Aufbau gelingt es mir schließlich, Big B. auszurichten, aufzustellen, anzuschließen und sein äußeres Erscheinungsbild herzurichten. Die „Beste von allen“ sitzt längst gelangweilt im Caravan, den sie bereits eingerichtet und landfein gemacht hat. – „Ich will nicht drängen, aber es wird langsam dunkel, Herr Stock.“

Blick zur Brinkstraße

Luna ist hellauf begeistert. Seit unserer Ankunft im Emstal ist sie unaufhörlich mit einer Bestandsaufnahme beschäftigt: Welche bekannten Hunde sind vor Ort? Sind die Enten und Gänse gut über den Winter gekommen? Wie geht es den Nutrias an der Ems? Warum hat sich noch kein Reh gezeigt? Warum rufen die Fasanenhähne nur aus ihrer weit entfernten Deckung und verstecken sich? Diese Memmen! – Wir hoffen, ihre Fragen werden bald beantwortet.

Ein richtiges Fahrrad: Ohne E-Motor

Freitag, 22. Mai. Der Tag danach. Gestern war „Himmelfahrtstag“. Hier und da ließ sich schon einmal eine voll des süßen Mostes berauschte Seele vernehmen, aber die eigentlichen „Himmelfahrtskommandos“ blieben aus. Es ist müßig, es erneut zu erwähnen, aber auch hier hat Covid-19 seine Viren im Spiel. Und vielleicht waren es auch die 31°C, die uns am Nachmittag in den Schatten trieben.

Die Nachbarn aus “DU”

„Warum haben wir kein Wasser mehr an Bord?“ Die Pumpe pumpt „ins Leere“, der Wasserhahn möchte, kann aber nicht. Sein gequältes „Würgen“ sagt uns, dass er könnte, wenn er hätte. Aber es geschieht nichts. 25 Liter Wasser wurden über Nacht entführt. Nein, wurden sie natürlich nicht! Wenn das Ablassventil der Therme auf „Entleeren“ steht, dann wählt das nasse Element immer den Weg des geringsten Widerstandes. In diesem Fall den gradlinigen ins Erdreich.

Grün

Gegen Mittag erdreisten sich einige Regenwolken, sich ungeniert am Himmel zu zeigen. Und sie halten, was sie versprechen: Es plätschert. Dies zu verhindern, helfen auch keine an der Markise angebrachten, Sonnenschein einfordernde Thule Sun Blocker. Es sind jeweils nur kurze Schauer, die uns erreichen. Allerdings eine Begegnung mit ihnen im Freien wäre nicht unbedingt das, was man sich wünscht.

Rechts um die Ecke geht´s nach Steinbild

Inzwischen konnten wir einige drängende Fragen des Frolleins beantworten: Dino, der Kleine Münsterländer, ist auch im Emstal. Die Enten und Gänse haben den milden Winter gut überstanden. Vielen der vermehrt auftretenden Nutrias ging es „an den Kragen“. Die Rehe halten sich weiterhin bedeckt und die halbstarken Fasanenhähne sich strikt an die Kontaktbeschränkungen.

Big B. “unter Segeln”

Ich habe meine ganz private Caravaner-Weiterbildung abgeschlossen. Nach dem Wasserverlust am ersten Tag habe ich mir noch einmal das Thema: „Die Truma Therme. Aufbau, Pflege und Wartung“ verordnet. Und schon gesellt sich diese arglistig-gefährliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zu mir. Beim Studium des geschriebenen Wortes ist mir alles vollkommen klar. „Ja, logisch! So und nicht anders!“. Aber in der Praxis kommt der „Experte“ dann ins Grübeln. – Gut, dem habe ich ja nun endgültig vorgebeugt. Dachte ich.

Vom Menschen geschaffen und doch Natur

„Wo in aller Welt sind ca. fünf bis sechs Liter Wasser geblieben?“ Gestern füllte ich die Anlage komplett auf. Die Füllstandsanzeige zeigte eine durchgehende „grüne Straße“. Alle Absperrhähne sind geschlossen, die Therme einsatzbereit und „wasserdicht“. Der „Experte“ fasst sich kurz: Nach meinem selbstlosen Einsatz habe ich die Leitung entlüftet. Wasser füllte die Therme und die Leitungen, um dann sprudelnd und lustig plätschernd, die Anlage durch die beiden Wasserhähne harmonisch fließend zu verlassen. Und hätte der „Experte“ auch das Kleingedruckte gelesen, so hätte er sich die ganze Aufregung um einen potentiellen „Sickerverlust“ erspart. – Der „Profi“ hat nun einen Spickzettel „Die Truma Therme. Aufbau, Pflege und Wartung“ neben dem „Wasserreservoir“ angebracht. Nicht für sich, aber für alle Fälle. Je nachdem, wenn mal jemand kommt und fragt.

Piraten?

Im Nachbarort gibt es einen Imbiss, der nicht nur einen Außerhausverkauf anbietet, man kann auch auf der Terrasse sitzen und sich Pommes, Burger & Co. schmecken lassen. Eigentlich wollten wir zum Italiener nach Kluse, aber der „darf nur Außerhaus“ und öffnet um 16.30 Uhr. Es ist Mittag und wir fahren nach Walchum zum Dorfgrill. Ich bestelle mir einen „Manta-Teller“ oder auch die „Manta-Platte“. Wer kennt diesen „opelanischen Leckerbissen“ nicht, der seit dem inzwischen in die Jahre gekommenen Film „Manta, Manta“ in jedem Imbiss, der etwas auf sich hält, bestellt werden kann. Und als ebenfalls in die Jahre gekommener ehemaliger Opel Manta Fahrer, der seine automobilen Anfänge nicht leugnet, liegt es ja wohl auf der Hand, was gegessen wird: Currywurst, Pommes, Mayo.

Keine Bewegung, die sie nicht registriert

Ist es Zufall oder Prophezeiung? Auf alle Fälle ist es wahr! Ein metallicblauer, tiefergelegter, ohrenbetörend röhrender, aber ohne den obligatorischen Fuchsschwanz an der Antenne, blitzblanker Opel Manta B rollt vor den Dorfgrill. Zwei junge Männer in Schrauberkluft winden sich aus den Hosenträgergurten, bestellen acht Portionen des bereits erwähnten „verpflichtenden Gerichts“ und spotten, vor dem Imbiss wartend, über Autofahrer, deren Limousinen gern mit dem Anfangsbuchstaben unseres Alphabets benannt werden. Je nach Größe des Fahrzeugs endet die Typenbezeichnung dieser Modelle mit einer „Eins“ bis „Acht“. Ganz besondere Exemplare dieser Typen werden von einer Firma mit dem Namen „Mönch“, „Klosterbruder“ oder so „abtlich“, äh, ähnlich veredelt. Würde ich den beiden Schraubern erzählen, dass ich mit „ihrem“ Manta schon zu Beginn der 1980er Jahre durch El Paso, Texas, Cuidad Juarez, Mexiko und viele weitere Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika gefahren bin und was ich dabei erlebt habe, ich glaube, wir hätten Gesprächsstoff bis Pfingsten 2022.

Grüne Stinkwanze. Ja, sie heißt tatsächlich so

Nun haben wir es doch getan: Wir haben uns ein Vorzelt gekauft. Ein Kampa Motor Rally AIR PRO Drive-Away. „Ach ja,“ denkt da der eingefleischte Caravaner. „Ein aufblasbares Vorzelt. Doch, Moment mal! Das ist aber für Wohnmobile konzipiert. Was soll das an einem Fendt Caravan?“ So, wir wurden ertappt. Doch umgehend die Erklärung: Unsere Markise sitzt an der Seitenwand. Die Kederleiste ist zwar zugänglich, aber der 4,5 m lange Markisenkasten verhindert das „nahtlose Anflanschen“ eines „normalen“ Vorzeltes. „Ja, man könnte aber doch …“ Ja, könnte man, aber nicht in unserem Fall. Wir haben einige Alternativen interessiert getestet und landeten schließlich überzeugt beim „Drive-Away“.

Am Tag als der Regen kam

Rechtzeitig vor dem großen nächtlichen Wolkenbruch steht unser Kampa. Rechte Winkel und korrekte Abstände, Standortwahl und Verankerungsreihenfolge ein wenig zu leichtfertig übergehend, ich schreibe nicht ignorierend, steht ein optisch etwas „verdrossen wirkendes“ Vorzelt vor uns. Natürlich wurde es von mir bewusst so aufgestellt. In Erwartung der schweren Regengüsse wollte ich ein ausreichendes Gefälle für die Wassermassen schaffen. Dass das Dach der hinteren Schleuse dadurch nicht ausreichend gespannt ist und sich hier ein mittleres Binnengewässer bildet, verschweige ich an dieser Stelle. Es war ja nur ein erster Probeaufbau. – Uih, da hinter kommt die nächste Regenwand.

Das neue Kampa Vorzelt. – En beten scheef hett Gott leef!

Es gehört sich nicht bei manchen Dingen zu sehr ins Detail zu gehen. Doch ich erlaube mir eine Ausnahme: Duschen. Ich mache mir einen Spaß daraus, den Duschköpfen auf unseren Campingplätzen immer wieder einmal einen Namen zu geben. Nein, ich habe keine berauschenden Mittel zu mir genommen. Ich bin so. Da finden sich zum Beispiel „El Gordo, der reichlich Ausschüttende“, „El Ninyo, der kleine, bescheidene Sprühkopf“, „Caruso, der Sänger“, „Salt ´n Pepper, der die Augen reizende Brausekopf“ oder „Tsunami, die alles überflutende Dusche“ in meiner erdachten Sammlung. „Und was ist daran anzüglich?“ An den Namen nichts, aber die Höhe, aus der mich die Kameraden jedes Mal begrüßen, zeugt immer wieder einmal von einem Rechenfehler mancher Camper hinsichtlich ihrer „Vermessenheit“. „Hallo, nun komm´ auf den Punkt!“

Am Dortmund-Ems-Kanal

Ich bin für meine Größe ein wenig zu schwer. Halte aber mein Gewicht seit Jahren, was sich u.a. darin zeigt, dass ich immer noch in die Bettwäsche des vergangenen Jahres passe. Mit 186 cm Länge bin ich nicht der Kleinste auf den Plätzen unserer reisenden Unternehmungen, aber stets fange ich die Duschköpfe an ihren variablen Halterungen in schwindelnden Höhen ein und ziehe sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Ok, es mag ja sein, dass vor mir immer wieder einmal Spieler der deutschen Basketball Nationalmannschaft geduscht haben. Nur gesehen habe ich noch nie einen von ihnen.

Der “Kleine” durfte auch am Vatertag auf Tour

Es regnet im Emstal. Wir sitzen im Trockenen. Kampa sei Dank. In der Ferne schlägt der Sustrumer „Big Ben“, er ist weder verwandt, noch verschwägert mit unserem Big B., zur 11. sonntäglichen Stunde. Zeit für einen Frühschoppen. Natürlich nicht! Damit warten wir noch drei Minuten. Es ist vielmehr an der Zeit, das Kampa unter die Lupe zu nehmen. Wo hat der ansonsten so talentierte Kampa-Aufsteller unachtsam gehandelt, wo hat er Abstände vernachlässigt, Gurte nicht fest genug angezogen, Heringe vergessen, Bodensenken übersehen, Stolperfallen eingebaut und sonstige Anleitungen und Camper Gebote eigenmächtig vernachlässigt? Ich werde mich hüten, diese hier aufzuzählen und schreibe, solche „Unzulänglichkeiten“ strikt verneinend, schlicht und ergreifend: „Keine.“ – Die Beste von allen blickt mir dabei über die Schulter und lacht. Warum?

Rettung in letzter Minute

Es regnet im Emstal. Wir saßen im Trockenen. Kampa trifft keine Schuld. Dem ansonsten so talentierten Kampa-Aufsteller war eine moosgepolsterte „klitzekleine“ Bodensenke entgangen. Sie entwickelte sich während des heutigen „kleinen Regenschauers“ innerhalb von nur vier Stunden zu einem Badesee mittlerer Größe. Höckerschwäne, Graugans, Stockenten und Gänsesäger geben sich hier inzwischen ein Stelldichein. Über allen kreist mit langgezogenem „hijäh“ ein Mäusebussard. Er wird den Jungvögeln nichts anhaben können, denn Luna beaufsichtigt die Kulisse. – Andere müssen für dieses Schauspiel in die freie Natur. Wir campen.

Es ist Montag. Wir müssen nach Haus. Home Office und Online Schooling rufen. Aber wir kommen wieder: Fortsetzung folgt. – “De Pingsttour”.

2WM+1MK+1A-O=2,80

“Alle Erinnerung ist Gegenwart” – Novalis

Eigentlich wären wir jetzt sehr gerne auf diesem ganz besonderen und idyllischen, in der schönen Natur des Emslandes gelegenen Campingplatz. Nur wenige Meter vom Emsufer entfernt hätten wir unsere Zelte aufgeschlagen, die kleine Badestelle besucht und am Altarm der Ems nur Augen und Ohren für das immer wieder reizvolle Naturerlebnis an der Sustrumer Brinkstraße gehabt. Eigentlich. Was hindert uns daran, in dieses Erlebnis „einzutauchen“?

12. August 2015. Zum ersten Mal im Emstal. Die griechische Nationalflagge (Handtuch) ist gehisst: “Ouzo ist gekühlt!” – “Όταν λείπει η γάτα, χωρεύουν τα ποντίκια.” (“Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf den Tischen.”)

Covid-19 (Coronavirus Disease 2019) ist schuld! – Scheinbar trat im Fischmarkt von Wuhan das Coronavirus zunächst bei Personen auf, die dort tätig waren oder sich dort als Besucher aufgehalten haben. Eine Übertragung, so glaubt man, kann dort auch über auf diesem Markt angebotene Wildtiere erfolgt sein. Und so breitete sich das Virus zunächst in China und dann auch außerhalb Chinas aus.

13. August 2015. Ein Foto am ersten Morgen (06.45 Uhr) an der Ems. Spätestens jetzt stand fest: “Wir kommen wieder!”

Die Frühlingsstimmung verleitet immer wieder Menschen dazu, die Virusgefahr zu unterschätzen. Covid-19 und die davon ausgehenden Gefahren sind im Bewusstsein Einzelner noch nicht angekommen.

2015. Angler mit “Seehund” auf der Ems

Einzelne Staatslenker hingegen überschätzen sich und ihre Machtbefugnisse und lassen befürchten, dass Covid-19-Gefahren nie in ihrem Bewusstsein ankommen werden. Nicht, dass man sie nicht informiert hätte, das Problem mag hier eine innere und ganz individuelle mentale Enge hinsichtlich ihres Geistes, Scharfsinns, Verstandes, Denkvermögens und ihrer Begabung sein.

2015. Ich hatte so eine gewisse “verklärt-romantische” Vorstellung vom Caravaning: Kein Schnickschnack, Transistorradio, Lesen. Auf keinen Fall: DVD, Internet, TV, iPhone  … naja, damals …

Und es ändert nichts an der Tatsache, dass wir, alle von gesundem Menschenverstand geprägt, unsere Caravans und Wohnmobile erst einmal stehen lassen und die Erinnerungen an vergangene „Fahrten mit dem Fluchtfahrzeug“, z.B. ins Emstal, aufleben lassen. – Apropos Menschenverstand: Wollen wir davon noch schnell ein wenig „über den großen Teich“, in Richtung des flächenmäßig größten Landes unseres Planeten und in den südlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents schicken? Dort leben, schalten und walten, ich vermeide das Wort „regieren“, Herren, „die können´s brauchen“.

2016. Freie Sicht für freie Münsterländer(innen)

„So, nun Erinnerungen aktivieren und zu Dir, mein liebes Emstal“:

2015. Einer meiner ersten Blicke von der “Brücke am Durchstich”
“Eines Tages …, mein lieber Robert!”
2016. Nach dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) kam “Big B.” (Fendt Bianco Selection). Soweit zu meinem ursprünglichen Gedanken vom “schlicht-einfachen” Campen …
Mai 2017. Gern gesehene Tiefflieger über der Ems
2017. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal gen Steinbild
2017. Es wird herbstlich im Emstal
2018. “Auf die Bäume … – Der Wald wird gefegt!”
2018. Am Dortmund-Ems-Kanal mit der Düther Schleuse im Rücken
2019. “Das Ziel der Urproduktion ist die zielgerichtete Herstellung pflanzlicher oder tierischer Erzeugnisse auf einer zu diesem Zweck bewirtschafteten Fläche.” – Ja, so sehe ich es auch
2019. Das Kompetenzzentrum an der Sustrumer Brinkstraße
2019. Luna. Ruhender “Wachhund”. Emstal: Tiefenentspannung nicht nur für Zweibeiner
2019. Wenn wir jetzt ganz still sind, hören wir den Gesang der Nachtigall

Und wenn alles kontrolliert, wohl bedacht und diszipliniert so läuft wie bisher, vielleicht stehen wir bald wieder vereint an der Ems und freuen uns, dass wir uns, hoffentlich gesund und munter, wiedersehen. – “Seid alle herzlich gegrüßt aus usA (unserem schönen Ammerland)!”

Mustergültig sind wir alle nicht

„Friseure dürfen. Arbeitslose und Asylbewerber sollen. Reiter*Innen dürfen vielleicht nicht mehr. Und an der Küste wollen sie keine fremden Kfz-Kennzeichen mehr sehen.“ Auf unserem heutigen, dem Coronavirus und unseren Mitmenschen geschuldeten, kurzen Gang durch die Gemeinde, schneidet das Frollein die Schlagzeilen zur Covid-19-Krise an.

Hörner Diek

Ich bin versucht zu sagen: „Europa. Covid-19. Ausgangsbeschränkung, Ausgangssperre, Betretungsverbot: Die Frisur sitzt.“ Aber ich unterlasse es. Es gibt sie und wird sie immer geben, diese Damen und Herren, die das ganze immer noch für eine Grippe halten und die Lage dementsprechend unbefangen beurteilen.

Hörner Diek

„Das Personal trägt Mundschutz und Gummihandschuhe. Was kann mir da beim Haarschnitt schon geschehen?“ Zwei in einem Artikel sogar namentlich genannte friesische Unbedarfte betrachten die „ganze Corona-Sache als total übertrieben“. Und ein Gastronom aus einer großen Stadt an der Hunte stimmt in einem anderen Zusammenhang in den leichtlebig-ungezügelten Gesang der beiden frisierten Herren mit ein und spottet, ob er dann zukünftig bei jeder Grippe sein Lokal schließen müsse.

Hauptstraße

In der Landwirtschaft werden Erntehelfer ausfallen. Sind Arbeitslose und Asylbewerber die Lösung? Pferdehalter bangen vor einer Ausgangssperre und um das Wohl ihrer Tiere. Und in einigen Küstenorten werden Menschen mit auswärtigen Autokennzeichen bereits angepöbelt. „Es sind viele Ältere unterwegs. Gerade die, die wir versuchen zu schützen“, stellt ein Goldschmied besorgt fest.

Am Brinkacker

„Also, nicht nur die jung, dynamisch unbefangenen Menschen finden immer noch nicht den Weg in die schützenden eigenen vier Wände, die Senior*Innen stehen ihnen in nichts nach“, stellt Luna fest.

Hauptstraße

„Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen.“ – François de Sales.

Das Frollein

Virenabwehr

„Ich denke, …“. „Also bin ich!“ – Ohne zu zögern falle ich dem Frollein ins Wort. Ich bin mir sicher, dass Luna für unseren heutigen Weg durch Feld, Wald und Flur bereits ein neues Thema favorisiert hat. Und so ganz verspüre ich keine große Lust, mich auf eine Diskussion zum Thema „Covid-19“ (Coronavirus SARS-CoV-2) einzulassen.

Overflow – Nicht nur die Speicherkapazität eines Computers kann überschritten werden

Dieses Thema, das alle und alles beherrscht. Das dafür sorgt, dass Toilettenpapier in den Discountermärkten ausverkauft ist, dass Menschen Desinfektionsmittellösungen aus Arztpraxen und Krankenhäuser entwenden und das dennoch keinen ausreichenden Grund dafür liefert, eine stets vielbesuchte Autoschau in der Kreisstadt Westerstede zu desinfizieren, nein, ich meine natürlich zu annullieren.

Die Halfsteder Bäke am Kuhhornsweg

„Also, der Prof Dr Christian Drosten, du weißt, der Direktor des Instituts für Virologie der Charité, der hält es ja für möglich, dass in Deutschland langfristig eine Viertelmillion Menschen am Coronavirus sterben könnten. Auch der Kassenarztpräsident Andreas Gassen geht davon aus, dass sich ein Großteil der Bevölkerung anstecken wird, bevor die Ausbreitung zu einem wirklichen Halt kommt.“ Und der Herr Gassen sagt weiter: „Das mag für den Laien schockierend wirken, ist aber nüchtern betrachtet nichts Bedrohliches.“

Die Halfsteder Bäke am Hörner Diek

„Luna, bewahre die Ruhe! Dieser Herr G. behauptete 2019 auch, um eine freie Arztwahl für Patienten zu begrenzen: „Es könne dauerhaft kaum jedem Patienten sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen.“ Es könnte ja sein, dass hier ein Weltbild ein wenig verrutscht ist, aber wollen wir bei diesem strahlenden Sonnenschein unsere Zeit mit einer Risikobewertung zu Covid-19 verbringen?“

Einst standen hier drei mächtige Eichen. Eine davon ließ 2017 der Orkan Xavier, der jüngere Bruder Kyrills (2007), stehen. – Nein, es lag nicht am Coronavirus!

„Du magst meinen Vorschlag, der in deinen Augen nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen mag, verurteilen, aber ich möchte diese Diskussion lieber “multimedialen Damen und Herren” wie Anne Will, Sandra Maischberger, Barbara Schöneberger, Maybrit Illner, Johannes B. Kerner, Günther Jauch oder Eckart von Hirschhausen überlassen.“ „Ja, aber deren Sendungen schaust du nie an!“ – „Ja.“

Die Sache mit Horaz

Es ist unser freier Mittwochvormittag. Und da es einmal nicht regnet, sind wir mutig und wagen uns an den Ortsrand Wiefelstedes. Gestern waren wir zu couragiert, da haben wir dann auch prompt eine „Abreibung“ in Form eines kombinierten Hagel-, Graupel, Schneeschauers kassiert.

Zwischen Kuhhornsweg und Stahlstraße stehen diese drei Eichen

Heute lacht die Sonne. Distanziert. Kein Wunder bei einer Entfernung von knapp 150 Mio. Km zu unserem blauen Planeten. Noch versteckt sie sich nicht hinter den inzwischen vertrauten Regenwolken.

„Denkst Du, Du hast das richtige Auto gekauft?“ „Ja, schon. Ich halte „Darth Vader“ durchaus für die ideale Zugmaschine, die unseren schwergewichtigen Big B. „auf Trab halten kann“.“ „Naja, ich meine nur.“ „Du meinst nur was?“ „Ob er Dir Glück bringt.“ „Wie kann ein Auto Glück bringen, liebe Luna?“ „Also, ich denke da an die geflohene Dame aus der Nachbargemeinde, die sich am Seitenteil des Opel Vivaro nicht gerade sanft und ausdruckslos verewigte.“ „Sie wurde ermittelt und der Schaden zu 100% behoben.“ „Ja, und das Reh, das sich in suizidaler Absicht vor Dein Auto warf?“ „Es war schmerzliche Nachlässigkeit, die dem Tier das Leben raubte.“ Ich weiß genau, worauf das Frollein hinaus will und kann es dennoch nicht verhindern.

Vier Schafe als Trio. Eigentlich sind´s fünf …

„Ja, und der Marder, der am vergangenen Wochenende Schläuche und Kabel unter der Motorhaube nicht nur in Augenschein nahm? Du erinnerst Dich, ich wollte an diesem Freitagabend gegen 23.00 Uhr noch einmal das Auto überprüfen?“ Zu gut erinnere ich mich an diese Situation, aber ich hatte kein Verlangen mehr auf „Schnüffelei“ und wollte nur noch ins Haus. Wenn ich das jetzt eingestehe, dann …

„Hast Du nicht sogar ein Foto von einem Steinmarder, der sich ganz in der Nähe unseres Hauses aufhielt?“ „Ja, das habe ich. Aber das ist schon so alt, dass es …“ „Steinmarder werden in der freien Wildbahn bis zu 10 Jahre alt. Sie bevorzugen das Offenland, aber auch Siedlungsbereiche. Und gerade der Steinmarder macht sich auch schon mal an ein Auto heran.“ Warum habe ich seinerzeit eine Jagdhundeausbildung mit ihr begonnen? – “Jeden Tag fährt die Einsicht an meinem Haus vorbei, aber angehalten hat sie noch nie.” – Art van Rheyn.

“Land unter!” Ja, es regnete ein wenig mehr als gewöhnlich in den vergangenen Tagen

„Liebe Luna, auch in diesem Fall wurde der entstandene Schaden reguliert. Denn: Hoffentlich Allianz versichert.“ „Du weichst aus. Es entstanden zwar keine Kosten, aber drei Versicherungsfälle mit ein und demselben Auto. Das gab es bei uns noch nie.“ „Glück, Luna. Wir haben einfach einmal Glück gehabt. Und an dieser Stelle erinnere ich an Horaz.“ Ich bin unschlagbar im Zitieren und ziehe (m)einen “römischen Dichter” gegen die rebellische Münsterländerin aus dem Ärmel: “Lerne, großes Glück zu ertragen!” (Horaz, eigentlich Quintus Horatius Flaccus).

Vor lauter Disputieren übersah Luna, die ich “so nebenbei” sicherheitshalber anleinte, diese Katze am Dingsfelder Weg

Das saß. Das Frollein trollt sich.

Nadel ist nicht gleich Nadel

„Hast Du gesehen, der Mann war tätowiert wie eine Litfaßsäule?“ „Litfaßsäule? Wie kommst Du denn auf diese Bezeichnung?“ Ich bin mehr als erstaunt, da Luna diesen Begriff, der schon längst nicht mehr allen, nicht nur Kleinen Münsterländern, geläufig ist, wie selbstverständlich gebraucht. Wer kennt denn heute noch die einst an fast jeder Straßenecke aufgestellten „dicken Säulen“, die mit bunten Plakaten im wahrsten Sinne des Wortes vollgekleistert waren? Doch das soll ja heute nicht unser tatsächliches Thema sein, wenn ich sie richtig verstanden habe.

Im elften Band der siebenten Auflage “Meyers Lexikon” (1929) fand ich Interessantes über das “Tatauieren”

„Vor vielen hundert Jahren, ich war damals noch sehr jung, liebe Luna, war es nahezu verpönt, sich Tinte unter die Haut zu jagen. Und heute empfinden es viele Menschen als ganz besonders anziehend, ihren Körper derart zu modifizieren.“ „Ja, aber ist dies nicht auch nur eine Modeerscheinung? Was machen diese Menschen, wenn ihnen das einst so aufregend erschienene Motiv plötzlich nicht mehr gefällt? Oder auf Grund einer unabwendbaren Alterung von Haut und Gewebe aus dem einst knallig roten, mit einem Dolch durchstochenen Herz „Loyalty Is No Feeling“ nur noch ein „Tennisball mit Griff“ und dem Text „oya o ling!“ zu erkennen ist?“ „Sie tragen es mit Haltung und Gelassenheit oder sie lassen ihre Tattoos per Laser entfernen. Besonders, wenn sie feststellen, dass das Stechen einer sog. “Knastträne” nicht unbedingt die beste Idee war.“

In Spalte 1329 (Meyers Lexikon) steht zu lesen: ” … findet sich auch in Europa unter Matrosen, Soldaten, Handwerkern, Dirnen, neuerdings als Modetorheit bei Damen. …”

„Oder diese drei Punkte auf dem Handrücken in Höhe von Daumen und Zeigefinger! Aber ist es denn nicht ungesund, sich Farbe unter die Haut „stechen“ zu lassen?“ „Ich weiß es nicht. Sicherlich gibt es dazu bereits Untersuchungen, aber als nicht Betroffener habe ich mich damit nicht beschäftigt.“ „Du bist also nicht tätowiert?“ „Richtig. Ich habe solch ein „dickes Fell“, da verbiegt sich jede Nadel.“ „Aber Du gehst doch regelmäßig zur Akupunktur?“ „Das, liebe Luna, ist etwas ganz anderes!“ – Ich weiß nicht, woher sie „das“ hat.

Der komplette Eintrag “bei Meyer”. – Bei allen Fotos handelt es sich um “scans” aus “Meyers Lexikon” 7. Auflage, Band 11, Bibliographisches Institut, Leipzig, 1929.

Kuhhornsweger Gedankenaustausch

Ich ahnte es. Ich wusste, dass sie etwas „in petto“ hat: „Schweigt der Menschen laute Lust: Rauscht die Erde wie in Träumen. Wunderbar mit allen Bäumen, was dem Herzen kaum bewusst, …“ Bevor sie sich, wie gewohnt, einige Meter von mir absetzt, um auf dem Wiefelsteder Kuhhornsweg nach dem Rechten zu schauen, zitiert das Frollein noch schnell diesen Vers aus dem Eichendorffschen Taugenichts.

Ich schöpfe sofort Verdacht, als ich heute morgen Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ unter Lunas Kopfkissen entdecke. Das sie mir dann allerdings zu solch früher Stunde den Gesang des Herrn Guido präsentiert, überrascht mich dann doch. Hatte ich vorausschauend damit gerechnet, dass sie unser heutiges “Gespräch in der Bewegung” mit dem „Gezwitscher und Getümmel der Sperlinge am rauschenden Rad der Mühle und dem vom Dach tröpfelnden Schnee“ aus dem 1. Kapitel der Novelle einleiten würde. – Sperlinge begegnen uns heute morgen in Scharen, als wir durch den Hörner Esch gehen.

Wie wir ein echter Frühaufsteher: Das Rotkelchen

Geschickt und passend zu unseren morgendlichen Spaziergängen durch Feld, Wald und Flur, mag sie ihre Lektüre ausgewählt haben. Diese Novelle, die sich überwiegend in der Natur entfaltet, die im Rauschen der Bäume und im Zwitschern der Vögel, im Funkeln der Flüsse und im Knacken der Äste spielt. (Quelle: Franz Kugler, ZEIT online, 2. Februar 1979)

Seitdem wir 2012 zu unseren gemeinsamen Streifzügen durch usA (unserem schönen Ammerland) aufbrechen, haben wir ein ganz besonderes Verhältnis zur „Natur um uns herum“ aufgebaut. Ja, und so hängen wir dann schon einmal unseren Gedanken nach und philosophieren „über Gott, Joseph von Eichendorff und die Welt“.

Der Kuhhornsweg. Blick auf den hinter den Bäumen liegenden Dingsfelder Weg

„Ich bin versucht, die Personen dieser Novelle in zwei Gruppen zu teilen: Optimisten und Pessimisten“, setzt das Frollein an. „Auf der einen Seite, die abenteuerlustigen, mutigen und doch naturverbundenen Charaktere wie den Taugenichts.“ „Na, dann gehören dessen Vater und der Gärtner sicherlich zu den „Gegenspielern“, den Pessimisten, oder?“ Ich muss schauen, dass ich mit dem Frollein literarisch Schritt halte. Zu lang ist es her, dass ich diese Lektüre während meiner Nordenhamer Schulzeit verordnet bekam.

Irgendwo “da hinten” verläuft die Halfsteder Bäke

„Genau! Typische Spießbürger. Ich möchte sie sogar als besonders langweilig bezeichnen.“ Luna „zieht blank“. Meine grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren. “Hilfe! Wie kann ich mich retten?”, pflegt mein Bruder in solchen Situationen spaßeshalber zu rufen. Ich erwidere: „Ja, klarer Fall. Der typisch romantische Mensch, wie er durch den Taugenichts dargestellt wird: „Er geht in die Welt und macht sein Glück““.

Ganz allein auf weiter Flur

„Diese Ich-Perspektive. Mir gefällt, dass der Erzähler, als ein Teil der dargestellten Wirklichkeit, das Geschehene miterlebt.“ „Durchaus, liebe Luna. Wenn wir bedenken, dass Eichendorffs Werke in der Epoche der Romantik und Spätromantik entstanden und oft als „Wald- und Wanderromantik” bezeichnet werden, so bin ich doch sehr froh, dass wir heute darüber gesprochen haben.“

Fährtenarbeit: Spaß für Hund und Halter. Heute meine Chance, “den Eichendorff” schnellstens wieder zu verinnerlichen

Ich habe sie hoffentlich überrumpelt. Sie scheint meine List nicht zu erkennen, da eine aus dem Nichts auftauchende Fährte jäh ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit erfordert. – Zu meinem Glück? Nein! “Spiegeln nicht seelische Landschaften das Innere des Taugenichts wider?”, versetzt sie mir einen finalen (spät-)romantischen Hieb.

Aus! Ich passe!

(Quellenangabe: In meinem blog-Eintrag habe ich auf einige Überlegungen/Gedanken/Ideen aus der Arbeit von Herrn Stefan Maas zur Novelle Joseph von Eichendorffs zugegriffen.)