Archiv der Kategorie: Ein Hundeleben

Luna von der Otterbäke zu Dringenburg-Tessa.

Schützenfestliche Flucht – Teil 2

„Das schönste Fest der Welt“. Siegfried Lenz. NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) 1955. – Die erneute schützenfestliche Flucht aus Wiefelstede führt mich (über ein Hörspiel) auf den Landsitz des Marquis de Serpa in Spanien und lässt mich an einem monströsen Kostümfest Adeliger, Snobs und der Creme der Gesellschaft aus aller Welt teilhaben. Aber irgendwie ist es mir an diesem Nachmittag zu außerordentlich „auf der adeligen Farm“ und so brechen das Frollein und ich zu einer Runde durch das Emstal auf. Zielstrebig führt uns Luna an den Dortmund-Ems-Kanal. Hier warten schon ungeduldig einige Enten und Haubentaucher, die mit ihr um die Wette schwimmen wollen. So interpretiert es jedenfalls das Frollein.

Die Brücke am Sielgraben Sustrum II. Ich habe sie lange nicht gezeigt

Die Großwetterlage immer wieder bewertend, habe ich bisher darauf verzichtet, die „schwedischen Gardinen“ (Thule Sun- oder Rain Blocker) zu installieren. Ich entscheide mich für weder noch und wohlüberlegt-zweckdienlich für ein naturtrübes Münchner Hofbräu Sommerzwickel. Eine gute Wahl.

Der Blick in Richtung Steinbild an “der Ecke Ems/Dortmund-Ems-Kanal”

Der freitägliche Wetterbericht nimmt mir schließlich die Entscheidung ab und empfiehlt: Rain Blocker. Kaum hängen diese, da stellt sie der erste Schauer auch schon auf die Probe. Unseren Streifengang am Kanal haben wir längst absolviert und so begutachten das Frollein und ich den ersten Regenschauer sehr entspannt. Und hätte ich heute die rechte Seite der Markise abgesenkt und nicht die linke, dann würde der Regen auch nicht über den Vorzeltteppich in Richtung Wohnwagen fließen. Wir beobachten dieses Rinnsal, stellen fest, dass es uns nicht „mitreißen“ wird und denken: „Pfeif drauf!

“Kanalwasserratte”

Schon während der Fahrt nach Sustrum beschließen das Frollein und ich, dass wir unbedingt noch zu Wohnwagen Schöler nach Papenburg müssen. Wir brauchen noch diese ganz speziellen Heringe für den Vorzeltteppich, die es eben nur dort gibt. Außerdem steht hier das 2020er Modell des Fendt Bianco 515 Activ auf dem Hof. Warum die Mertinger Wohnwagenmanufaktur diesen von Anfang an allerdings als „Activ“ und nicht orthographisch entgegenkommender als „Aktiv“ oder „Active“ auf den Markt bringt, stellt mich vor eine kleinere Denksportaufgabe. Vielleicht fahre ich mal eben vorbei und frage bei den Schwaben nach, denn diese niedliche „Sitzbankverlängerung zum Füßeauflegen“ erschließt sich mir auch nicht so recht. Wobei mir der Heckbadgrundriss im 515er sehr gut gefällt.

Nach dem Schwimmwettbewerb noch ein wenig “freestyle”

Und dann ist sie plötzlich wieder da: Meine Isabella CKS (Campingklappstuhl)-Allergie. Sobald ich die Rückenlehne des Campingstuhls auch nur um wenige Grad aus der Senkrechten bewege, fallen mir die Augen zu. Meistens erwache ich erst wieder, wenn sich meine ebenfalls „eingenickten“ Unterarme kribbelnd melden. Und diese „Benachrichtigung“ kann schon einmal auf sich warten lassen! Es hilft nichts, der Kreislauf muss auf Trab gebracht werden. Und wie geht dies besser als während eines ausgedehnten Spaziergangs?

“Rechts” war nicht sonderlich begeistert von dem “linken Überholmanöver”. “Der Kampf” war längst nicht entschieden …

Wir erreichen die Brücke an der Brinkstraße. „Leinen los!“ heißt es für Luna. Und während der von mir geöffnete Karabinerhaken an ihrer Leine noch nicht einmal zurückgeschnellt ist, gibt Luna auch schon alles. Die ersten hundert Meter nehme ich ihre weiße Schwanzspitze nur als durchgezogene weiße Linie wahr. Abrupt hält sie inne, späht in die Uferböschung, setzt zum Sprung an und die anvisierte Maus hat Glück und kann ins Unterholz verschwinden. Haubentaucher & Co drücken sich in den Schilfgürtel, stoppen ihre Atmung und hoffen, dass Luna sie heute nicht zum tierischen Wettkampf auffordern wird. Ein Fasan, der draufgängerisch-vertrauenswürdig unseren Weg kreuzt, bewahrt die Wasservögel vor einem erneuten Wettschwimmen und zieht die ungeteilte Aufmerksamkeit des Frolleins auf sich. Luna startet durch und auch der Fasan nebst Freundes- und Familienkreis hebt ab. Längst ist der Verband in der Luft, aber Luna sucht das Feld vorsichtshalber noch einmal gründlich ab. So gründlich, sie kehrt nicht zurück. – Wehe, wenn sie losgelassen.

Badestelle

Zweimal suche ich die Felder und das Ufer zwischen Ems und Düther Schleuse nach ihr ab. Nichts. Ich rufe nach ihr. Nichts. Irgendwann kommt Plan B zum Einsatz: Fahrrad holen und den Such- ihrem Wirkungsbereich anpassen. 30 Minuten später erreiche ich den Campingplatz und Big B. Und wer kommt mir jetzt schwanzwedelnd, klatschnass, aber bester Stimmung entgegen? – Längst ist es viel zu spät, das Frollein für ihren Ungehorsam „auf die Pfoten zu klopfen“. Sie würde es nicht verstehen. Also betreiben wir harmonisch Körperpflege: Waschen, spülen, frottieren, Fell ausbürsten und zum Abschluss ein Münchner Hofbräu. – Einfach tierisch.

Früh am Morgen

Samstagmorgen. Mit frischen Brötchen in der Tüte und einem strahlenden Lächeln steht die beste aller Ehefrauen auf dem Platz und vor Big B. Rein zufällig ist der Frühstückstisch gedeckt, die Kaffeemaschine ist fertiggeladen und gesichert und wartet auf ihren Einsatz, die Frühstückseier haben ihre Badesachen angelegt und drängen darauf augenblicklich ins noch lauwarme Wasser zu steigen. Wenn das kein „timing“ ist? – Und bald werden wir auch ins rechte Licht gerückt werden, denn die Beste hat drei Kataloge „Leuchten 2019“, „Erlebe Licht“ und „Spannende Impulse“ im Gepäck. Wir werden sie finden, die „Leuchten des Nordens“. Obwohl, so schlecht sind die alten Grubenlampen daheim doch auch noch nicht.

Der QEK Junior ist ein Wohnwagen aus der ehemaligen DDR. Zwei weitere Modelle, der QEK Aero und der QEK 325, gehören zur Familie

„Wenn die bunten Fahnen wehen.“ Durch das Emstal geht eine leichte Brise, die Markise, Rain Blocker und Vorzelte in leichte Schwingungen versetzt. Da wir ohnehin am Sonntag aufbrechen müssen, von Wollen kann hier nicht die Rede sein, beschließen wir, unsere „Zelte abzubrechen“. Das „Gesetz der konstanten Gemeinheit“ macht an diesem späten Nachmittag nicht vor uns Halt und schlägt mit einem kräftigen „Tornado“ gerade in dem Augenblick zu, als die Markise ungesichert auf ihr Einrollen wartet. Das in diesem Augenblick dem Wüten der Natur ausgelieferte Schutzdach bläht sich auf und der „Sturm“ ist bestrebt, es über das Big B.´sche Dach geradewegs auf die andere, die vollkommen falsche Seite des Caravans, zu befördern. Nicht mit uns! In zwei Hechtsprüngen, die die legendären „Flying Dorias“ auch heute vor Neid erblassen ließen, schnellen die Beste von allen und ich zu den Beinen der Omnistor 5200, bekommen diese zu packen, werden minutenlang durch die Luft gewirbelt, kämpfen gegen die Dämonen der Windhose, gewinnen mit vereinten Kräften die Oberhand und alles ist unter Kontrolle. – So oder so täuschend ähnlich mag es sich in etwa zugetragen haben.

Dortmund-Ems-Kanal

An zwei Wochenenden sind wir „untreu“ vor der fünften Jahreszeit in Wiefelstede geflüchtet. Gut, Sonntag- und Montagabend (Wahl der Schützenliesel) werden wir vom Geräuschpegel her verkraften. Irgendwie. Und dann schlägt es noch einmal zu: Das Gesetz der konstanten Gemeinheit. Als wir mit Big B. ins beschauliche Wiefelstede rollen, marschiert der Festumzug der Wiefelsteder Schützen gemeinsam mit den befreundeten Schützenvereinen und verschiedenen Spielmannszügen durch den Ort in Richtung Schützenplatz. Und wir dürfen erst warten und dann dieser Ammerländer Attraktion folgen. – Na, wenn das keine Begrüßung ist! Oder doch der ausgleichende Gegenschlag für unsere abtrünnige Flucht?

Es gibt sie noch: Nutria im Dortmund-Ems-Kanal

Zur Erinnerung an einen sehr geschätzten Emstal Camper:

Dieter W. (25.03.1959 – 08.08.2019)

Schützenfestliche Flucht – Teil 1

In Wiefelstede steht die fünfte Jahreszeit vor der Tür: Schützenfest. Nicht irgendein Schützenfest: Das Wiefelsteder Schützenfest. Wir sind nicht beunruhigt, aber kundig. Und so haben wir rechtzeitig Big B., unser Fluchtfahrzeug, ins Emstal gebracht. Und da wir einmal dort sind, buchen wir für die beiden kommenden Wochenenden: „Emstal Camping, bitte. Zwei Erwachsene und ein Kleiner Münsterländer.“ Hier, an der alten Ems, werden uns die Bässe aus dem Festzelt und dem fest in Schützenhand befindlichen „Blauen Engel“ nicht erreichen. – Obwohl, es sind nur knappe 70 Kilometer Luftlinie.

Das ist diese gewisse Stunde am Morgen. Dann gehört die Ems allein Luna und mir

Wir wollen uns nicht gänzlich um den Rummel auf dem Wiefelsteder Schützenplatz drücken. Am Sonntag oder Montag werden wir uns bestimmt „auf ´ne Bratwurst und ein Bier in Verbindung mit ´nem „Braunen Bomber““ unter die Schützinnen, Schützen und zahllosen Gäste mischen.

Same time, same place. Eben diese “gewisse Stunde”

Inzwischen findet auch der Vivaro, wie seine beiden Vorläufer, den Weg ins Emstal von allein. Entspannt sitzen wir in der Dinette, lösen Kreuzworträtsel und studieren den Testbericht des neuen Fendt Bianco 515 SD Activ. An der Anschlussstelle Dörpen übernehme ich gelockert das Lenkrad und wir gleiten weiter in Richtung Sustrum. Ok, hier habe ich ein wenig den Bogen überspannt, aber warten wir noch einmal zehn Jahre, dann sprechen wir uns wieder.

Ein Mobilheim im Tal

Das 188. Schützenfest in Zorge/Südharz ließ mich während unserer Sommertour 2019 eine Wette verlieren, die ich heute mit einer Fahrradtour einlöse. Hätte ich auf die beste aller Ehefrauen gehört, so wäre diese Drahteselreise an mir vorübergezogen. Aber ich musste seinerzeit ja stur darauf bestehen, dass es erst das 118. Fest in Zorge sei. Nun finde ich mich auf der Radroute Dörpen West wieder und wir radeln gen Heede.

Heute mal ohne Wohnwagen

Hätte ich gründlicher auf die Radwanderkarte geschaut, dann hätten wir uns auch nach knappen drei Kilometern nicht sofort verfahren und wären längst auf dem richtigen Weg gewesen. So nutzen wir die Gunst der Stunde und lassen uns von einem niederländischen Paar, die Radwanderkarte liegt wohlbehütet im Caravan, auf die Richtige Spur bringen. Naja, vielleicht kann ich mich demnächst in den Niederlanden revanchieren und den Einheimischen in Emmer Compascuum den Weg zur Festung Bourtange weisen.

“Simba” wendet

So grob in der Höhe zwischen Dersum und Dörpen teilen sich die Ems und der Dortmund-Ems-Kanal ihr Fahrwasser mit dem Küstenkanal. Inzwischen auf dem richtigen Kurs werden wir Zeuge eines interessanten Abbiegemanövers der „Simba“, wie diese vom Küstenkanal kommend in die Ems einschwenkt. Muss man einmal gesehen haben.

Eine eigentliche Geschichte besitzt die 1000jährige Linde nicht. Sie wird zuerst erwähnt, als General Rabenhaupt die Schärpenburg verbrannte und den Befehl gab, den prachtvollen Baum zu schonen. (Quelle: Die Schärpenburg und ihre Riesenlinde bei Heede)

Wir erreichen Heede. In der Kirchstraße finden wir das Restaurant „Am Turm“, testen die dortige Küche und das „B³“ (Bitburger Bier). Wir befinden alles für sehr schmackhaft und ebenso empfehlenswert und suchen nach der 1000jährigen Heeder Linde, die wir am dortigen Schützenplatz finden. Ich werde nachdenklich: Eine wegen eines Schützenfestes verlorene Wette treibt uns weg vom Wiefelsteder Schützenfest, um auf dem Heeder Schützenplatz einen bejahrten Baum zu suchen. – „Ist das nicht zum Schießen?“

Längst hat sie etwas erspäht und wartet auf “Freigabe”

Der Rückweg nach Sustrum geht ein wenig zügiger in die Pedalen und über die Piste, da das Frollein, nach mehr als zehn Kilometern im leichten Trab, nun ihren Platz im Lunamobil eingenommen hat. Gaius Julius Cäsar mag auf seinem prunkvollsten Triumphwagen kein prächtigeres Bild als Luna in ihrem Gespann abgegeben haben: Jeder, der uns begegnet, hat spontan ein Lächeln oder einen freundlichen Spruch auf den Lippen. Bis auf einen in sein quietschneongelbgrünes Lycra Trikot eingenähten Rennradfahrer im Marina Park bei Walchum. Aber er hatte an diesem Nachmittag wohl nicht nur eine falsch abgestimmte Getriebeübersetzung für sein Sportgerät ausgewählt.

Haubentaucher

Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich um 08.00 Uhr die Heckklappe des Vivaros, der übrigens wie Big B. auch einen Spitznamen verliehen bekam, öffnen und schließen muss: „Störe ich die Nachbarn zu solch früher Stunde?“ Nicht jeder wird in dieser Lage von Gewissensbissen geplagt: Frau und Herr WoMo-Hobby reisen ab. 13.20 Uhr. Sonntägliche Mittagsruhe. Klappen auf, Staufächer zu, Fahrertür wieder einmal geöffnet, die Beifahrertür nochmals geräuschvoll geschlossen. Um 13.40 Uhr sind sie dann abgereist. – Ach so, der Vivaro trägt auf Grund seiner sehr dunklen Farbe und der „uneinsichtigen“ Scheiben den Namen „Darth Vader“.

Obsttag bei den Wespen

Nach einem ausgiebigen Bad mit den „Quietscheentchen“ im Dortmund-Ems-Kanal entspannt das Frollein bei der Wespenjagd. Pudel-, nein, münsterländernass liegt sie auf ihrem Frotteetuch und verfolgt aus den Augenwinkeln, aber konzentriert, diese gelb-schwarz geringelten Flugobjekte. Wohl wissend um die sehr schmerzende und nicht risikofreie Wehrhaftigkeit dieser Hautflügler, bereitet es ihr keine Probleme, die „Brummer“ in „0, nix“, und dabei selbst verletzungsfrei davonkommend, aus ihrer Flugbahn zu holen. Unangekündigt. Unerbittlich. Endgültig.- Es ist überflüssig, sie davon abhalten zu wollen. Der beschützende Versuch scheitert. Sie ist eben eine Jägerin. – Ja, aber da sollte, müsste, könnte man doch …“ Ich sage erfahrungsgemäß: „Nein.“

Er ist auch gelb-schwarz. Allerdings kreist er in der Lüneburger Heide und nicht im Emsland

Auf einem meisterlich instandgesetzten Teilstück der Radroute 12 („Lathen 2 – Festung Bourtange.“ Abschnitt: Schleuse Düthe – Fresenborg) fahren wir nach Lathen zum italienischen Eiscafe „Venezia“. Die Objekte unserer Begierde sind die venezianischen Eisbecher, die es dort sowohl ganz aktuell „to go“, als auch altbewährt „am Bistrotisch sitzend“ (irgendwann heißt es dann sicherlich: „to sit“, „to relax“, „to chill“, „to enjoy“ oder „to indulge“) gibt. Es gelingt uns, einen Platz vor der „Eisdiele“ (vor dem „Ice Cream Parlor“.) zu ergattern. Das ist schön. Noch viel schöner ist es, dass es die vielfältigen Eisbecher bei den stets sehr freundlichen und überaus aufmerksamen Bedienungen auch in der Größe „groß“ zu bestellen gibt. Es erübrigt sich an dieser Stelle, zu erwähnen, welche Dimension meine Walnuss-„Eistüte“ an diesem Nachmittag aufweist.

Ja, ein wenig geregnet hat´s auch mal (Aber nicht so stark wie auf diesem Archivfoto)

Unser „Fluchtwochenende Teil 1“ in Zweistromland endet vorläufig am Montag. Vorsorglich haben wir das „Drum und Dran“ am Big B. beizeiten am Sonntagabend eingepackt, denn am Montag soll es im Emstal ein wenig regnen. Und das macht es dann auch. Es stört uns nicht, denn alles liegt „hoch & trocken“ in den Staufächern. – Am Donnerstag kehren wir zurück. Und dann nehmen wir sie wieder auf, die „schützenfestliche Flucht aus Wiefelstede“. – Bis dahin „Alles Gute!“

Natürlich …

… waren wir auch in diesem Jahr schon wieder im “Zweistromland”. – Sogar noch vor unserer Sommertour 2019.

Auf “unserem Trampelpfad” entlang der Ems

Das Frollein und ich starten gern bereits am Donnerstag mit dem Fluchtfahrzeug. Folgt uns die “Beste von allen” dann am nächsten Tag, so haben Luna und ich die neue Gegend meist erkundet oder unsere Lieblingsplätze, wir sind unbeirrbare Emstaler Wiederholungstäter, schon längst wieder “besetzt”. – Viele Grüße ins Emstal!

Am Durchstich bei Sustrum
Stehenbleiben und einfach nur schauen
Noch erkenne ich ihre Absicht nicht
Klarer Fall: “Freitags ist Badetag!”
An der Düther Schleuse
“Zwei Spuren im Schnee (Feld) führ´n herab von steiler Höh´ …” (doch dann reimt es sich nicht)
Er durfte schon ganz allein über Nacht bleiben. – Wir haben (unbemerkt) auf ihn aufgepasst 😉
Jeden Morgen immer wieder neu und schön
An der Badestelle
Und dennoch gibt es … diese anderen, die …
In der Nähe der Badestelle
Tom Sawyer und Huckleberry Finn?
“Brotzeit!” – Ohne Brot. – Wie sagte meine “Oma Bayern” immer: “In der Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot.”

 

Sommertour 2019

Am Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück zerrinnen die 30 Minuten im Stau, die wir für unsere rechtzeitige Ankunft in Brilon benötigen. So stehen wir bis 14.00 Uhr vor der geschlossenen Schranke des Camping- und Ferienparks und lesen ahnungslos die samstägliche Ausgabe der Nordwest-Zeitung, die wir aus usA (unserem schönen Ammerland) mitgebracht haben. „Warum ahnungslos?“ Ich fasse mich kurz: Der Kühlschrank hängt während unserer Wartezeit am Bordnetz und beschäftigt sich „ausladend“ mit Big B.´s Kraftspeicher.

Brilon. Und als die Akkus “gestärkt” waren, ließ sich Big B. auch wieder manövrieren

Wir haben die Mittagspause genutzt und uns bereits einen Platz „Hinterm Schönschede“ ausgesucht. Und es klappt. Die „68“ ist frei und wir bauen unsere Wagenburg auf. Nein, wir versuchen unsere Wagenburg aufzubauen, denn der stets zuverlässige Mover verweigert „entspannt“ den Gehorsam. Wie soll er auch arbeiten, wenn er keinen „Saft“ bekommt? Der Kühlschrank hat die Akkus entleert. „Abteilung halt!“ Irgendwie bugsieren wir Big B. auf den Stellplatz. 200 m² Freifläche allein für uns, Auto und Caravan. Und wir stehen 1,5 m vor einer Hecke und bekommen kaum die Tür auf. – „Wenn das einer sieht, stehen wir morgen auf der Titelseite der „Porträt am Sonntag“!“ Besorgt blicke ich in die Runde.

Mohn gilt als Nationalblume der Republik Polen

In der Briloner Fußgängerzone gönnen wir uns im „Venezia“ ein Eis. Nervennahrung, während der Kühlschrank „am Gas hängt“ und die Akkus geladen werden. Und wenn ich die „Leidenschaftlichkeit“ unseres italienischen Kellners beobachte, dann bin ich schneller geladen als unsere mobilen Stromspeicher. Egal, das Eis schmeckt und kühlt das Gemüt.

Hier wurde das Mähen auf die lange Bank geschoben

18.00 Uhr. Wir bauen um. Alles klappt. Big B. steht wie gewünscht auf der Parzelle. Unser Nachbar aus „BOT“ wünscht uns einen guten Abend. Wir kommen ins Plaudern. Die Hunde gesellen sich zu uns. Beide nicht angeleint. Ja, ich weiß! Und dann geht es ganz schnell: Der Rüde will das Frollein beeindrucken. Luna gefällt dies überhaupt nicht. Kampfknäuel. Sehr lautes Kampfknäuel. Beherzte Griffe ins Geschehen. Hunde trennen. Eine gute Stunde später verlassen der Platznachbar und ich ärztlich erstklassig versorgt die Notfallaufnahme des „Maria hilf“-Hospitals in Brilon. – „Einfach tierisch“, stellen wir gemeinsam und gelockert fest und wünschen uns weiterhin schöne Tage im Sauerland.

“Vorsicht Bienen” lautet das Schild an diesem “Fliegerhorst”. – “Vorsicht, Bienen. Hier gibt es nichts zu holen”, wäre angesichts der komplett abgemähten Wiese wohl zutreffender

Wir haben einen sehr großen Stellplatz. 150 m². Parzelliert und mit einer höheren Buchenhecke umgeben. Das Gelände ist fast gleichmäßig, wir benötigen, „um in die Waage zu kommen“, zwar die Auffahrhilfen, aber eben nur ein wenig.

Wolkenverhangen präsentierte sich das Sauerland

Wir besuchen den Hillestausee bei Winterberg, lassen Winterberg selbst natürlich nicht aus und fahren auf „Kahler Asten“. Letzterer ist gewissermaßen die im Rothaargebirge höhergelegte Lüneburger Heide. Ist sie einen Besuch wert? – Meine Meinung soll hier und heute nicht ausschlaggebend sein.

“Tätig ist man immer mit einem gewissen Lärm. Wirken geht in der Stille vor sich.” – Peter Bamm

Seit Samstag unterwegs, beginnt unser „richtiger“ Urlaub erst morgen. Wir befinden uns also noch im „normalen“ Wochenende. Was stören uns daher ein Hund und dessen Frauchen, die „über uns“ in einem Chalet wohnen? Wir haben auf dem terrassenförmig angelegten Gelände einen wertigen Platz der „Kategorie D“ gemietet, aber unsere nicht gerade schmächtige Rechnung ohne ein nahezu regelmäßig bellendes Tier und dessen beharrlich und über jeglichen Humbug ausdauernd lachende Frauchen gemacht. – Irgendwann wird auch den beiden die Luft ausgehen.

Stetes Lachen und Gebell. – In diesem Fall irrt Nicolas Chamfort: “Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.”

Unser nächstes Ziel ist Hannoversch Münden. Die knappen 120 Kilometer dorthin „packen wir mit links“. Nachdem unsere bestellten und bereits bezahlten Brötchen im Briloner „Brötchenraum“ unauffindbar sind, später stellt sich heraus, dass unsere Bestellung vergessen wurde, fällt uns der Abschied in Brilon nicht schwer. Ich denke, dieser Platz wird früher oder später ohnehin ein überwiegend von Mobilheimen besetztes Gelände werden. Der reisende Caravaner, und diese Erkenntnis meine ich an den z.B. zu wenigen sowie rein mobilen bzw. Containermodulen für die sanitären Anlagen zu erkennen, spielt hier bald eine bedeutungslosere Rolle.

“Mieten Sie eines unserer Ferienhäuser.” Wenn ein Ferien- und Campingpark mit diesem Slogan wirbt, dann …

Hannoversch Münden. Über die Löwenbrücke erreichen wir den Oberen Tanzwerder, eine Insel in der Fulda. Nicht weit von der Stelle entfernt, an der sich Werra und Fulda vereinen und von nun an als Weser gemeinsam ihren Weg in Richtung Nordsee gehen, werden wir die kommenden Tage „zelten“.

Die Werra aus dem Thüringer Schiefergebirge und die Fulda aus dem hessischen Teil der Rhön werden hier zur Weser. – Dennoch: “büßen”, nicht “büssen”

Platz 85 unterhalb der Pionierbrücke gehört vorübergehend uns. Von hier aus ist es ein Katzensprung in die historische Altstadt mit der St. Blasius Kirche, dem Sterbehaus des Dr. Johann Andreas Eisenbarts, der historischen Werrabrücke und dem Renaissance-Rathaus mit Glockenspiel und Figurenumlauf.

Hannoversch Münden, die Drei-Flüsse-Stadt: Werra, Fulda, Weser

Vor lauter geschichtsträchtigem Hintergrund wollen wir aber nicht außer Acht lassen, dass es in Hannoversch Münden auch „Zweigstellen“ der österreichischen, asiatischen, griechischen, türkischen, italienischen und deutsch-kreativen Küche gibt. Wir werden etwas nach unserem Geschmack finden. Ganz sicher! – Nachtrag: Wir bleiben Selbstversorger, schaffen aber den Besuch einer italienischen Eisdiele.

Hannoversch Münden. Kasseler Schlagd und Tanzwerderstraße

Am Morgen sehen wir uns die Hannoversch Mündener Wallanlagen und den Forstbotanischen Garten an. Eine interessante Hängebrücke führt vom Unteren Werder über die Fulda „auf´s Festland“ bei Alt- und Neumünden. Von hier aus wäre es eine Kleinigkeit, die Tillyschanze mit ihrem 25 m hohen Aussichtsturm zu erreichen. Wie gesagt, wäre. Wäre diese Hängebrücke nicht aus baulichen Gründen gesperrt.

Die gesperrte Brücke über die Fulda, die den Gustav-Blume-Weg und den Weserpfad/Fischerweg verbinden würde

So wählen wir die „Rehbein Linie Kassel“ und lassen uns vom Schiffsanleger Weserstein in einem zweiten Versuch, der erste scheiterte um 11.00 Uhr mangels Fahrgästen (mindestens 15 Erwachsenen muss der Sinn nach einer Passage stehen), schiffstouristisch auf der Fulda kutschieren.

Unterwegs mit der Rehbein Linie Kassel auf der, hm, … Werra oder Fulda? Fulda!

Wir haben zwei Übernachtungen in Zorge eingeplant und kommen nach kurzer Fahrt im Naturpark (Süd-)Harz an. Erfahren haben wir von diesem Platz von Sandra, einer Nachbarin im heimischen Wiefelstede. Und da liegt es natürlich auf der Hand, diesen auch einmal zu besuchen. – Wir sind ja nicht neugierig, aber wissen wollen wir schon, wo die „Nachbarschaft so gern kampiert“.

Zorge, Kunzental. Campingplatz “Im Waldwinkel”

„Es grüne die Tanne, es wachse das Erz.“ – Der Harz ist traditionell eine Bergbauregion. Und da komme ich und möchte mal eben die Heringe, wie gewohnt mühelos, ja, „widerstandslos“, in den Boden treiben. Ein ebenso hübscher, wie sinnloser Versuch. Hier ist schwerstes Gerät, an das ich nicht gedacht habe, gefragt. „Wo bitte ist der nächste Baumarkt?“ Im „Bau-Aktiv“ in Ellrich werde ich fündig: Hi.-Force-Tellerschrauben und das dazugehörige Bit in Industriequalität. Und nicht nur eines davon, nein, gleich drei. Man weiß ja nie. Schrauben so reichlich und so mächtig, ich könnte einen Sattelschlepper damit festsetzen. Der Akkuschrauber ist bereits geladen, es könnte also losgehen. Wäre da nicht der ambulante Fleisch- und Wurstwarenhändler vor dem Discounter neben dem Heimwerkerparadies. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf: Waren bis eben Knacker noch Knacker und Bratwurst, Bratwurst, ab jetzt ist alles völlig anders. Ich werde vom Schlachtermeister persönlich und umfassend aufgeklärt, welche Wurst im Harz wie heißt. Davon allerdings jetzt zu berichten, wäre eine Episode für sich.

Mit “schwerem Gerät” ließen sich die Thule Rain Blocker dann doch installieren

Gleich um die Ecke zum Campingplatz liegt die Klosterruine Walkenried mit dem ganzjährig geöffneten Museum. Auch einen zweistündigen Rundgang entlang des Kunzenbachs um den Kellerkopf (562 m) und durch das Kleine Tränketal lassen wir natürlich nicht aus.

Zisterzienser Museum Kloster Walkenried

Luna ist begeistert, denn so viele Wildwechsel hat sie auch im Ammerland bisher nicht entdecken können und wir sind bester Laune, denn die Wanderwege sind sehr angenehm zu meistern. – Da war es in Österreich schon „senkrechter“, da „hingen wir quasi in der Wand, hingen an einer Hand an brüchigen Felsübersprüngen und wehrten mit der anderen die gefährlichen Angriffe der Steinadler ab“ oder (fast) so ähnlich. Naja, beinahe jedenfalls.

Mitten im niedersächsischen Wald. Schon sehr nahe an der Landesgrenze zu Thüringen

Seit dem Morgen versammeln sich Regenwolken um den Kellerkopf und auch das 188. Zorger Schützenfest schlägt seine Zelte vor dem Campingplatz „Im Waldwinkel“ auf. Nichts gegen Niederschlag und heitere Feste, aber spontan fällt uns ein, dass wir schon immer einmal nach Hösseringen in die Lüneburger Heide wollten.

Das 188. Zorger Schützenfest steht vor der Tür

Hinter Gifhorn verjüngt sich die bis dahin vierspurige Bundesstraße 4 auf eine Fahrbahn für jede Richtung. Längst haben wir den 60 Km/h-Engpass erreicht, als sich der stets zuverlässig agierende „Quotenblödel“, wie man mindestens ein Exemplar seiner Kategorie auf jeder Fahrt antrifft, über die durchgezogene Mittellinie inklusive der dazugehörigen Sperrfläche an uns vorbeidrängt und sich nun ungehobelt-hemmungslos in den von mir gewahrten Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zwängt. Gemeinsam mit und in unserer Reisegesellschaft hinter den vier mit 60 Km/h ziehenden LKW genießt dann auch dieser Hein Blöd die B4 bis Sprakensehl (ca. 30 Km). Hier biegt er ohne weiteren „Boden erkämpfen“ zu können ab und auf zu neuen Taten.

Der Hardausee. Eine Talsperre nördlich von Hösseringen

Das Gesetz der konstanten Gemeinheit gebietet es, dass wir, ähnlich wie in Brilon, 20 Minuten nach dem Beginn der „Mittagsruhe“ am Hardausee vor der geschlossenen Schranke und der nicht geöffneten Rezeption stehen. Dieses Gesetz kennend und anzuwenden wissend, haben wir aber schon während der Anreise telefonisch angefragt, ob wir die verbleibende Wartezeit von 1:40 Stunden für eine stille Platzerkundung nutzen dürfen. Wir dürfen und finden schnell einen Stellplatz. Für uns sehr ungewöhnlich, haben wir uns heute in einer Allee an die dortigen Dauercamper angelehnt. Vermieden wir bisher auf Grund der manchmal etwas überbordenden „Experimentierfreude“, wie sie auf Saison- und Dauerplätzen bisweilen ausgelebt wird, so finden wir unseren Argwohn nach wenigen Stunden leider bestätigt. Zukünftig werden wir wieder aus achtbarer Entfernung die sehr extravaganten gärtnerischen sowie die epochalen baulich-experimentellen Konstruktionen von Remisen, Schuppen, Einstellkammern und Verschlägen „bewundern“.

Um den Campingplatz Hardausee: Viel Landschaft. Schön!

Zorge im Südharz liegt bereits entlegen, aber Hösseringen, im grünen Tal des Flusses Hardau gelegen, ist schon eine Nummer für sich: Von Suderburg kommend, geht es einmal in die Runde und zurück über den Ort Räber findet man sich wieder in Suderburg. Eine Rundfahrt durch die Heide. Allerdings ist man um drei Erfahrungen reicher, wenn man die Gelegenheiten nutzt. Es gibt einen 700 m langen und bis zu 110 m breiten Stausee, ein Museumsdorf mit 27 ländlichen Gebäuden und den Landtagsplatz, eine Waldlichtung auf der in der Zeit von 1532 bis 1652 die Landtage des Fürstentums Lüneburg stattfanden.

Im Freilichtmuseum Hösseringen am Landtagsplatz des ehemaligen Fürstentums Lüneburg

Kartenkundige Besucherinnen und Besucher entdecken auf der Karte der Heideregion zwischen den Städten Walsrode, Uelzen und Celle drei Speergebiete bei den Ortschaften Bergen, Munster und Faßberg. Ja, wer hier wohl um die Jahrtausendwende übte? Wer hier wohl wochenlang mit zum Teil sehr gehoben-anspruchsvollen Soldatinnen und Soldaten inklusive hochmobilem Radar, Startgeräten und Lenkflugkörpern im Gelände lag und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland tapfer zu verteidigen übte? Oft im Kreis intellektuell ganz besonders „heller“ KameradInnen und naseweis-vorwitziger Besuchergruppen aus gehobeneren militärischen Laufbahnen oder „Auszubildenden“, die diese „mal eben“ einzuschlagen beabsichtigten. Im Vorfeld vernachlässigten einige allerdings sehr gern, dass ihre ganz persönliche Eignung, Leistung und Befähigung entscheidende Pfeiler einer angestrebten Karriere bildeten. – Zu lange ist es her und zu zahlreich waren die Einsatzübungen und Lehrgänge, die ich hier er- und durchlebte. Und die heute niemanden mehr interessieren. Oder soll ich über Gefechtsschadenschnellinstandsetzung oder erst spät pubertierende, altkluge, potentielle OffizieranwärterInnen referieren? Wohl kaum!

Die Hardau ist ein etwa 17 Kilometer langer Fluss in der Lüneburger Heide

Der vorhergesagte Regenguss kündigt sich mit ersten leichten Tropfen, die sachte auf Big B.´s Dach rieseln, an. Die beste aller Ehefrauen und das Frollein erkunden seit zwei Stunden das Museumsdorf Hösseringen mit dem reetgedeckten Brümmerhof. Das Rieseln wird energischer und ich verstaue die Klappstühle und weiteres dies & das in den Staufächern. Die Markise inkl. „Anbau“ haben wir erst gar nicht ausgefahren. Kaum habe ich diese Arbeiten beendet, kracht der Regen hemmungslos aus allen Wolken. Sintflut. Ich sitze im Wohnwagen und halte nach der weißen Taube mit dem Ölzweig im Schnabel Ausschau. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Beste und das Frollein einen schützenden Unterschlupf gefunden haben. – Leider ist dies nicht der Fall. Mit der zweiten allgewaltigen Flutwelle der Hösseringschen Springflut von 2019 werden sie samt Fahrrad auf den Platz gespült: „Handtücher! Handtücher! Föhn!“

Dieser Igel meinte, er könne sich “mal eben” an Luna vorbeimogeln

Die letzte Etappe unserer Reise soll einmal mehr Güster am Elbe-Lübeck-Kanal sein. Wir werden die etwas mehr als 100 Km dorthin unter Umgehung des Gesetzes der konstanten Gemeinheit in Angriff nehmen und hoffentlich vor der von einer geschlossenen Schranke begleiteten Mittagpause in der Freizeitwelt eintreffen. Wenn es dann auch noch mit einem unserer Lieblingsplätze am Kanal klappt, wäre, nach den gestrigen abenteuerlich anmutenden sintflutartigen „Überschwemmungen“ in der Heideregion, wieder alles in trockenen Tüchern.

Freizeitwelt Güster. Am Elbe-Lübeck-Kanal

Ich nehme es vorweg: Wir erreichen Güster vor der mittäglichen Ruhe und einer unserer Lieblingsplätze steht uns ebenfalls offen. Aber, was wäre unser Ausflug ohne Geschichte: Irgendwann geraten wir im Zuge der Bundesstraße 404 in einen Baustellenbereich. Die gesonderte Spur für die nächste Abfahrt wird exakt angekündigt. Kein Problem, denn wir müssen die B 404 erst bei der nächsten Abfahrt verlassen. Stählern auf den deutschen Schilderwald vertrauend, fahre ich in der verbleibenden Spur weiter. „Angeschmiert mit Klopapier!“ Auch für „unsere“ Abfahrt hätte ich bereits die „Überholspur“ verlassen müssen. Schlagartig putzt mich die Stimme unserer Frau Prof Dr Navi-TomTom herunter: „Wenn möglich bitte wenden, … Du Schnarchnase!“ Ich strafe sie mit Nichtachtung. Nun verändert Frau Prof Dr nicht nur den Tonfall, sondern auch noch unsere Ankunftszeit. Brenzlig-bedrohliche 12.40 Uhr schleudert sie uns rücksichtslos auf das Display. Um 13.00 Uhr schlägt in Güster das Gesetz der konstanten Gemeinheit zu, d.h. „Schranke dicht!“.

Am Elbe-Lübeck-Kanal. Blickrichtung Siebeneichen und Büchen

Längst hat „die Beste von allen“ den Dialog mit Frau Prof Dr beendet und lässig den Straßenatlas gezückt. Gewohnt souverän leitet sie uns von der B 404 über die B 209 und so manche Nebenstraße entlang der Elbe nach Tespe, Avendorf und Artlenburg. Ortschaften, deren Namen ich heute das erste Mal höre. Bei Hohnstorf überqueren wir die Elbe in Richtung Lauenburg, um die Stadt sofort wieder über eine Brücke des Elbe-Lübeck-Kanals zu verlassen. Den Kanal kennen wir, allerdings fahren wir nun auf der falschen Seite der Wasserstraße. Ich weiß, dass es in dieser Gegend kaum Brücken über den Kanal für unsere augenblickliche Gewichtsklasse gibt, aber die Beste belehrt mich eines Besseren. Auf einem für uns erlaubten, aber überwiegend als Radwanderweg genutzten Weg, rollen wir in Richtung der Dörfer Lanze und Zweedorf, um dann plötzlich bei Dalldorf, wieder so eine Weltstadt im Lauenburgischen, den Elbe-Lübeck-Kanal auf einer „extrem historisch anmutenden“ Brücke erneut zu queren. Warum denke ich in diesem Moment an Schwimmwesten und Rettungsboote? Begegnet uns auf dieser Strecke nun ein Minirad, ein Bobbycar oder Skateboard, wie sollen wir jemals aneinander vorbeikommen? Doch alles geht gut. Wir erreichen Büchen, fahren weiter bis Roseburg, biegen hier ab in Richtung Prüßsee und stehen um 12.32 Uhr an der Güsterschen Rezeption. – Es geht eben nichts über ein gut gegliedertes Zeitmanagement … und die beste aller Kartenleserinnen.

“Grieche” und Bäckerei in der Güsterschen Hauptstraße

Unser Kühlschrank erreicht den Status „Weltall“: Jeder Griff geht ins Leere. Im Frischmarkt Büchen (Edeka) sorgen wir für Abhilfe. Von „E“, wie Erdbeeren bis „Z“, wie Zott Sahnejoghurt landet so einiges im Einkaufswagen. Nun wollte ich nicht mit „D“ beginnen, denn welcher Eindruck könnte entstehen, hätte ich zuerst Dithmarscher Pilsener genannt? Dafür begann der gestrige Abend mit „C“, dem Chios Teller in der Taverne Inos, wie schon so oft erwähnt, „unserem Griechen“ in Güster. Und er endete mit „X“, dem Rotwein Xiros. Dazwischen stellten sich auch einige „O`s“ ein, wie zum Beispiel Oliven …

Luna trifft keine Schuld! Er wollte aus eigenem Entschluss “abheben”

Mit einem „KK“, wie Kampfknäuel könnte demnächst der fortgesetzt störende Besuch eines zu lässig-unbedachten Basset Hounds enden. Den Burschen interessiert es ebenso wenig wie sein Herrchen, dass Luna über seinen wiederholten und nicht angeleinten Einbruch in ihr Revier „never ever amused“ ist. Es ist immer wieder enervierend, in welch stoischer Ruhe sich manche „arglosen“, sowohl menschlichen, als auch tierischen Zeitgenossen durch die Welt bewegen.

Den Hasen im Gebüsch hat sie längst im Blick

Abreisetag am Elbe-Lübeck-Kanal (E-L-K). Nein, wir bleiben noch, aber „Frau und Herr GTH“ und die junge „Familie AG/CH“ reisen heute ab. Letztere wird auch heute morgen vom jüngsten Schweizer Eidgenossen Tom ganz schön auf Trab gehalten. Der kleine Mann weiß sehr wohl, „wie der Hase (in Person der Eltern) läuft“. Insiderinformationen lassen uns wissen, dass wir nun bis Donnerstag allein auf weiter Flur die Komfortplätze 1 bis 32 belegen werden. Luna ist begeistert, hat sie doch längst „Toben im gesamten Einzugsbereich“ in den heutigen nachmittäglichen Dienstplan aufgenommen. Früher geht es nicht, denn gleich fahren wir nach Büchen zur Eisdiele unseres Vertrauens. Wir hoffen, auf dem Weg dorthin, die Nachkommen einst entflohener Nandus bei Siebeneichen zu sehen. Manchmal klappt´s, manchmal eben nicht. Genauso verhält es sich immer wieder einmal mit den Kranichen von „gegenüber“ (in Höhe des Dorfes Göttin): Wir hören sie täglich, aber zeigen wollen sie sich nicht. (Nachtrag: Am Abend des 17.07. werden wir von zwei Paaren im Tiefflug über den Elbe-Lübeck-Kanal für unsere Geduld belohnt.)

Eiszeit in Büchen

Wir sehen die Nandus wieder nicht. Dafür in weiter Ferne zwei Kraniche und zum Greifen nahe, Graugänse, Enten nebst Nachkommenschaft und zwei Störche. Die Fähre in Siebeneichen liegt wie gewohnt vor Anker. Wir geben die Hoffnung nicht auf: Eines Tages wird sie uns demonstrieren, dass sie sich auch in das tiefe Wasser des Kanals traut. In Büchen genehmigen wir uns in der umgebauten Eisdiele Bachmann zwei fürstliche Eisbecher. Nein, keine Fürst Pückler-, sondern einen Nuss- und einen Schwarzwaldbecher. Beide mit Schuss. Wir haben sie uns redlich erstrampelt. Unseren Rückweg verlängern wir über Siebeneichen, sehen uns hier die Kirche an und fahren über Neugüster zurück an den Prüßsee. Das Frollein hat es sich mittlerweile in ihrem Lunamobil bequem gemacht. Da spart sie ihre Kräfte an den „Bergen“ vor Neugüster und ich merke die zusätzlichen 22 Kg, die ich nun plötzlich im Schlepp habe, kaum. Oder wie lautet das Synonym für „mühevoll“?

Eine Graugans im E-L-K

Bevor es morgen wieder in Richtung Ammerland geht, „satteln“ wir noch einmal die Fahrräder und fahren über Roseburg nach Wotersen. Das barocke Schlossgelände Wotersen aus dem Jahr 1736 ist zwar nicht immer und für jeden zugänglich, aber in den Jahren 1987 bis 1990 lieferte die damalige Kult-TV-Serie „Die Guldenburgs“ den einen und anderen Eindruck und Einblick in den einstigen Besitz der adligen Familie Bernstorff. Und über den Zaun bzw. die Mauer kann man ja einmal einen unauffälligen und vorsichtig-respektvollen Blick wagen. Heute ist das Gut Wotersen eine „eventlocation“. – Und: Es lohnt sich auf alle Fälle die Gaststätte Hans Heitmann, geführt von Frau Anke Asmus, im Haus 7 in Wotersen zu besuchen.

Gaststätte Hans Heitmann, Haus 7, 21514 Wotersen

Es ist wieder einmal so weit. Wir tauschen noch einmal unsere Gedanken mit unserer “langjährigen” Platznachbarin Frau Z. aus HH aus, verabschieden uns von ihr und freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst. Mit leichten „Verkehrs-flussverzögerungen“ in den nicht mehr wegzudenkenden Hamburger und Bremer „Fernverkehrsstraßenbaustellen-bereichen“, was für Worte, erreichen wir usA (unser schönes Ammerland). – In Gedanken richten wir uns schon auf unsere nächste Reise mit dem Fluchtfahrzeug (Big B.) und dem Frollein Luna ein.

Fast (ab-)reisefertig. “Wiedersehen macht Freude!”

Zur Erinnerung an unsere Schulfreundin:

Margarete Johanna Gronau, geb. Lübben (28.12.1956 – 05.07.2019)

Sustrum/Emsland Ostern 2019

Mit 60 Km/h fahren wir durch den Baustellenbereich der A28 zwischen den AS Apen/Remels und Filsum. Wir haben Glück, denn einen Tag später, am Karfreitag, wird sich hier der Verkehr auf vier Km Länge stauen. Da sitzen wir bereits im Zweistromland am Frühstückstisch und hören den Verkehrsfunk.

Sustrum, Brinkstraße. Die Brücke am “Durchstich”

Es ist bereits einige Zeit her, dass wir mit Big B. unterwegs waren und meine Bezeichnung „Zweistromland“ bedarf eventuell einer näheren räumlichen Zuordnung. Es handelt sich nicht um das historische Mesopotamien, dem einst wichtigsten Zentrum des Alten Orients zwischen Euphrat und Tigris. Es ist der Campingplatz Emstal bei Sustrum/Emsland zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal und der Ems gelegen. An einem alten Emsarm zwischen den Ortschaften Sustrum und Fresenburg haben wir wieder einmal unsere Zelte aufgeschlagen.

Noch ohne Thule Sunblocker. Die waren dann aber doch sehr gefragt: Sonne²

„Halt!“ – Insider werden mich sofort korrigieren wollen: „Düthe“. Düthe heißt die nächste Ortschaft, nicht Fresenburg. Das stimmt, aber abgesehen von der Düther Schleuse, dem dort gelegenen Ausflugslokal und eines nicht enden wollenden 50-Km/h-Bereichs, hat es sich hier auch schon „ausgedüthet“. Ich erlaube mir daher, diesen Ort ein wenig zu vernachlässigen.

(Sehr) Frühmorgendlicher Blick auf die Ems

Fünf Monate stand Big B. in der Scheune unseres Vertrauens. Fünf Monate waren wir nicht auf Achse und bauten „unser Lager“ weder auf, noch ab. Unsere heutige Reise erfordert Überlegung und Geduld. Zwar sind wir von straßenverkehrstechnischen Widrigkeiten verschont geblieben, aber das erste Rangieren mit dem neuen Zugpferd und der anschließende Aufbau kosten Zeit. Viel mehr Zeit als gewohnt. Wir sind ein wenig aus der Übung. Plötzlich steht Big B. zu dicht an einer Fichte, auf einmal ist das in Sustrum stets ausreichende und zehn Meter lange Stromkabel ca. 30 cm zu kurz und ich habe das Gefühl, zwei linke Hände, die ausschließlich über Daumen verfügen, zu haben.

Auf der Brücke

Nachdem uns ein humorvoller Platznachbar verschmitzt lächelnd darauf hinweist, dass es bald zu dämmern beginnt, können wir unsere Arbeiten noch bei Tageslicht abschließen und schließlich „Vollzug“ melden. Wir brechen zu einem ersten Spaziergang entlang der Ems auf. Luna ist begeistert, der besten aller Ehefrauen gefällt es hier auch. Vollkommen selbstlos nutze ich diese beschwingte Stimmung, um uns später mit einem friesisch-herben Pilsener und einem belebenden „Acquavite Di Pere Williams“ aus Südtirol zu belohnen.

Wenn man den Kahn voll hat …

Um 03.20 Uhr beschließt mehr Luna als ich, dass es an der Zeit sei, eine erweiterte Platzrunde zu drehen. Ich taumele aus dem Wohnwagen. Schnell in ihrem Element, drängt Luna in Richtung Brinkstraße. Ich stolpere hinterher. Nicht ahnend, dass mir ein Straucheln schon bald zum unbehaglichen Verhängnis werden soll. In Höhe des „Durchstichs“ an der Brinkstraße, Luna hat die Nase am Boden und verfolgt ganze Heerscharen an Rehen, Hasen, Fasan & Co., humpelt das Frollein plötzlich. Im Dunkeln ertaste ich ihre linke Pfote und entfernte „Irgendetwas“. Dieses „Ding“ will sich gar nicht mehr von meinen Fingern lösen. Ich nehme die Hand näher in Augenschein und in Richtung Nase. Es ist noch zu dunkel. Ich halte das „Etwas“ und nehme „ortsfremden Geruch“ wahr. Jetzt stolpere ich abermals. An dieser Stelle soll die Schilderung meines nächtlichen Abenteuers enden. – „Ja!“ es war „Scheibe“.

Vorher. Nachher

Der Berufssoldat, auch der seit neun Jahren pensionierte, hat stets alles „am Mann“. Eine Kleinigkeit, dieses Malheur umgehend zu beheben. Einweghandschuhe, Tücher und Tüten in der linken, Desinfektionsspray, Wasseraufbereitungstabletten, Taschen-messer, Wagenheber sowie Ring- und Gabelschlüssel der Größen 8 bis 19 in den anderen Taschen der „Überlebensjacke“ verstaut, ist es eine Kleinigkeit, diesen hinterhältigen biologischen Angriff zu neutralisieren. – Um 06.30 Uhr blicke ich erneut in das Paar erwartungsfreudiger bernsteinfarbener Augen: „Nein, Luna!“

2001 Vogel des Jahres: Der Haubentaucher

Eigentlich wollen wir nach Klazienaveen/NL, aber einmal in Sellingen falsch abgebogen, führt uns die Reise über Vlagtwedde nach Winschoten. So lautet meine offizielle Darlegung für den von mir eingeschlagenen „kleinen Umweg“. Nur am Rande erwähne ich, dass wir an diesem Tag niederländische Ortschaften wie Jipzinghuizen, Ellersinghuizen und Blijham kennenlernen. Kurz, ich habe uns mächtig in die Irre geführt. „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, kennt nur eine Seite davon.“ – Und eben davor möchte ich uns an diesem Tag bewahren.

Stockente (Erpel). Weder verwandt, noch verschwägert mit …

An diesem Ostersamstag ist auch in Winschoten etwas los. Eine sehr gut besuchte Fußgängerzone und ein geschäftiger Wochenmarkt tragen ihren Teil dazu bei. Wir suchen „mal eben“ einen Parkplatz und werden nach längerer Suche, der neue Vivaro ist um einiges länger als unser Ehemaliger, auch fündig. Um einige Mitbringsel reicher, schlagen wir über den Wochenmarkt den Rückweg zum Auto ein. Und da stellt er sich uns in den Weg: Ein Fischimbiss, der “Vis Specialist Westerhuis aus Termunterzijl”. „Kibbeling!“ Augenblicklich geht nichts mehr. Ausgenommen der zwei Portionen Backfisch, die wir uns hier kaufen und stehenden Fußes verzehren.

Kibbeling. Aus Kabeljau, Seelachs oder Seehecht

Zurück in Sustrum. Geduld. Unser ruhiges und beherrschtes Ertragen von etwas, das zusehends unangenehmer wird und nicht enden zu wollen scheint, ist angezeigt und gefordert: Oma erklärt ihrer Enkelin und unabwendbar auch anderen, vernehmlich den Lauf der Welt und des Universums. Nichts lässt sie aus. Ganz bestimmt gehört sie zu den liebenswürdigsten, fürsorglichsten und freundlichsten Großmüttern, die so viele Enkelkinder vermissen. Aber an diesem wunderschönen, sonnigen, vorösterlichen Nachmittag, der zum die Ruhe genießenden Faulenzen in der Sonne einlädt, wird sie zur bitteren Geduldsprobe. Sie läuft zur Höchstform auf: Ohne Pause. Ohne Punkt und Komma. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wissen ist Macht oder in diesem Fall zutreffender: Wissen macht Krach.

Frohe Ostern!

Samstagnachmittag. Oma gerät mehr und mehr unter nervliche Anspannung. Ihre Enkelin ist wissbegierig. Oma klärt auf, legt aus und begründet. Inzwischen jegliche Interpunktion und besonders ihre Atmung bedrohlich vernachlässigend, widmet sie sich eindringlich und weithin vernehmbar, jedoch mehr und mehr unter Hochspannung stehend, den Themenkreisen, die die Welt bzw. ihren Nachwuchs bewegen. Endlich naht Rettung: Die Tochter holt die Enkelin ab. – „Lobet den Herrn!“ – Und die Tochter.

Am Stand von Kaas Eisenga in Winschoten

Man kann es so oder so sehen: Die Aufforderung am Ostersonntag gegen 06.30 Uhr zu einem kleinen Osterspaziergang entlang der Ems aufzubrechen, mag den einen schrecken. Andererseits gehört das Emstal zu dieser frühen Stunde allein den beiden Anglern am alten Seitenarm, der Familie Sandker, die bereits wieder aktiv das Zweistromland auf Vordermann bringt sowie dem Frollein und mir. Und dieser letzte Aspekt lässt Luna und mich in Sustrum stets zu Wiederholungstätern werden.

Dortmund-Ems-Kanal

„Uns scheint, als gehöre die Ems zu dieser Zeit uns. Ich werde jetzt, Ehrenwort, einige schöne Bildchen anfertigen. Kann sein, dass sie gleich gelingen, kann sein auch nicht. In jedem Fall, nur Mut, werde ich sie später gern zeigen.“ So ähnlich könnte der Schriftsteller Siegfried Lenz diese Worte dem in Masuren aufgewachsenen Alec Puch, einst bei einem wandernden Scherenschleifer als Gehilfe angestellt, in den Mund gelegt haben. Und gern imitiere ich diese Mundart, wenn wir uns von der besten aller Ehefrauen zu unserer frühmorgendlichen Emspatrouille verabschieden.

Mein gefühltes 100. Foto dieses Baumes

Es kann sehr schnell gehen. Gerade noch den Frühnebel vor Augen, kann dieser nur wenige Minuten später verschwunden sein. Wenn die Sonne über den Bäumen an der Brinkstraße aufgeht, haben die Nebelschwaden über den Äckern keine Chance. Nur der Frühtau, diesmal nicht zu Berge, sondern am Ufer der Ems, besitzt noch die Kraft durch die Lüftungsöffnungen, die für Atmungsaktivität in meinen Crocs™ sorgen, in eben diese „Pantolette“ zu kriechen, um das „Seelenleben“ meiner Zehen zu kühlen. Ich nehme es gern hin. Nach den ersten lohnenden Motiven ist alles vergessen.

Landwirtschaftlich bestellter Boden. – “Bleib´ mir nur vom Acker!”

Luna, in Anbetracht der Brut- und Setzzeit an der Leine, was immer wieder nicht unterrichtete HundehalterInnen verblüfft, hat längst die Fasanenhenne im Gebüsch ausfindig gemacht. Diese ergreift laut zeternd die Flucht über das benachbarte Feld. Es lässt den Angler am gegenüberliegenden Ufer der Ems vollkommen kalt. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt, seine Angelhaken zu beködern.

Auf diesem Weg “lauert” gern der Frühtau, um in die Crocs™ zu kriechen

Wie zum Spott springt jetzt in der Mitte des Altarms der Ems ein Fisch, der, ich habe 1977 das Große (Angler-)Latinum gesegnet bestanden, mindestens die Größe eines übergewichtigen Schweinswals hat. Wenn nicht noch größer! Die Bugwelle, die er verursacht überschwemmt die angrenzenden Felder und spült mir den Frühtau aus den „Badelatschen“. So oder so ähnlich, könnte es gewesen sein. – Errare human est (Sophronius Eusebius; „Irren ist menschlich“).

“Fasan hin, Fasan her. Der Haken muss beködert werden!”

Wie gewohnt haben wir unsere Fahrräder und das Lunamobil, den kleinen Hundeanhänger, dabei. Nicht dass, das Frollein unserem Tempo nicht folgen könnte, aber es gibt Situationen in Städten und Gemeinden, da transportieren wir Luna lieber im sicheren Gefährt. Außerdem sorgt der Anblick, wenn sie mit wehendem Behang (Ohren) aus ihrer Kutsche dem Volke erhaben zuwinkt, für Gesprächsstoff. Heute erlaufen wir allerdings die Runde entlang des Dortmund-Ems-Kanals über Steinbild und zurück zur Düther Schleuse und dem Campingplatz.

Ein Nebenarm der Ems. Und wenn man ganz früh ganz leise ist, dann … ja, dann … und nur dann, dann …  weiß man, wie schön es dort ist

Der weiß-blaue Ableger unserer auch bayrischstämmigen Familie würde zu Recht von „Kaiserwetter“ sprechen. In Steinbild haben sie den unschönen Bau vor der Kirche abgerissen und durch ein neues Haus ersetzt. Dies gefällt uns. Doch es schmälern noch ein, zwei weitere „Bausünden“ das Erscheinungsbild der St.-Georg-Kirche. Ich denke, wir werden da einmal intervenieren müssen … oder (bestimmt) nicht. – Geschmack ist eben Geschmackssache.

Ruderboot “ohne Tiefgang”

Ein sonniges Osterwochenende neigt sich seinem Ende entgegen. Wir brechen unsere Zelte ab und starten in Richtung usA (unser schönes Ammerland). Hätte sich nicht mein seit einigen Jahren ganz und gar nicht vermisster falscher Freund Pollinosis (Heuschnupfen) ebenso überraschend, wie heftig angekündigt, es wäre ein noch viel schöneres Wochenende geworden. Hasel, Erle und Birke sowie einige weitere Kräuter gingen mir ganz schön auf die Nerven.

Der Ostertisch, Siegfried Lenz. – Alec Puch mit seinen drei Söhnen, die er nach den masurischen Ortschaften rief, in denen sie das Licht der Welt erblickten

Saisonausklang am Prüßsee in Güster

Eine der eher entbehrlichen Anschaffungen ist es, dass ich einen Wecker besitze. Also, nicht den vierbeinigen Wecker, Modell Kleiner Münsterländer und namens Luna, ich meine einen „richtigen Wecker“: Funkgesteuert, batteriebetrieben, eben mit allem was dazu gehört. Ich werde, sobald ich ihn stelle, immer rechtzeitig wach. Egal zu welcher Zeit. 03.15 Uhr, 04.30 Uhr, 06.00 Uhr. Ich gewinne immer. Doch damit „Herr Braun“ nicht traurig ist, stelle ich mich manchmal schlafend, und lasse ihn zur vereinbarten Zeit piepen.

Eine der vielen kleinen Inseln im Prüßsee

Ich habe „Herrn Braun“ auf 04.30 Uhr gestellt, denn wir wollen mit Big B. noch einmal nach Schleswig-Holstein an den Elbe-Lübeck-Kanal reisen. Und damit wir ungehindert die Dauerbaustelle bei Bremen passieren können, wollen wir vor dem dort einsetzenden Berufsverkehr schon längst Hamburg ansteuern.

Früh am morgen am Elbe-Lübeck-Kanal

Um 04.15 Uhr bin ich wach und federe wie eine Gazelle aus dem Bett. Oder wie heißt das graue Tier mit dem Horn auf der Nase? Vorhänge und Fenster auf, frische Luft in alle Räume. „Die Beste von allen“ ist darüber nicht so recht begeistert. Klarer Fall, Reisefieber.

Ich habe inzwischen viele “Lieblingsbäume”

Um 05.40 Uhr rollen wir gen Bremen. Die BAB ist gut besucht, aber es geht voran. Bei Delmenhorst, wir nähern uns dem gefürchteten Staubereich, zwängt sich ebenso plump wie überflüssig ein 7,5-Tonner vor uns, bremst uns geschickt aus und somit haben wir bereits zu dieser frühen Stunde den obligatorischen „Quoten-Blödel“ erlebt und unserer reibungslosen Weiterfahrt nach Güster an den Prüßsee steht nichts mehr im Wege.

Panorama aus dem Isabella Campingstuhl fotografiert

08.20 Uhr. Eine gute Dreiviertelstunde vor Öffnung der Rezeption stehen wir in „pole position“ am Tor zur Freizeitwelt Güster. Wir nutzen die Zeit und inspizieren die Stellplätze am Kanal. Luna leitet derweil eine erste Bestandsaufnahme bezüglich der körperlichen Verfassung und Anzahl der Enten und Gänse am und auf dem Schifffahrtsweg ein. Stellplatz 20 sowie der Gesundheitszustand und die Gemütslage der gefiederten Freunde werden für gut befunden. Um 10.00 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch. Das soll uns mal einer nachmachen.

Die “Durchreisenden” nahmen immer mehr zu …

Am Nachmittag drehen wir unsere erste Runde um den Prüßsee im Herzogtum Lauenburg. Es hat sich einiges verändert in der Freizeitwelt Güster: die Böschungen wurden zum Teil gerodet oder stark, weil nötig, zurückgeschnitten, „dunkle Ecken“ wurde durch den Einsatz der Motorsense „erleuchtet“ und die stets offenen Tore zum Kanal mit aussagekräftigen Hinweisschildern für abwegige „Durchreisende“ versehen. Das große Tor bei der Müllentsorgungsstelle wurde komplett geschlossen. Warum wohl? In die Jahre gekommene Caravans und ihre ebenfalls sehr betagten Vorzelte sind verschwunden, neue Stellplätze wurden erschlossen und warten auf neue Mieter. Und auch manche, einst bis in den Himmel ragende, einen Dauerstellplatz sichernde und abschirmende Hecken wurde auf ein überschaubares Maß zurückgeschnitten. So verwehren lediglich noch die eine und andere Wagenburg den Blick auf den See. Damit können wir leben, denn wir kennen inzwischen viele natürlich belassene Wege und Plätze, die uns ans Ufer des Prüßsees führen.

Schade, aber wohl erforderlich

Nachdem wir die halbe Strecke zurückgelegt haben, kommen wir im Ort Güster an. Wir freuen uns auf ein oder gern auch zwei leckere Fischbrötchen. Niemand da. Die Bude ist geschlossen und zur Abrundung unserer ersten Enttäuschung stellen wir fest, dass die Bäckerei unseres Vertrauens Betriebsferien bis zum 21. Oktober macht. „Hallo? Wie kommen wir nun an „unsere“ Roggenbrötchen?“ – Gar nicht.

“Wir sehen uns im Mai 2019!”

Die Diskretion verbot es mir bis heute, über Anstand und Benehmen einiger Mitcamper zu berichten. Heute möchte ich dieses mir selbst auferlegte Schweigen einmalig brechen. Es gibt Menschen, die sich auf Campingplätzen verantwortungsvoll um die Sanitärgebäude kümmern und diese zur Freude und Annehmlichkeit der Gäste stets sorgsam und pfleglich in einem blitzblanken Zustand halten. Und es gibt Zeitgenossen, die sich darum im wahrsten Sinne des Wortes, einen Dreck scheren. In Güster begegnete mir ein Exemplar der Spezies „Holla, hier kommt der Landvogt! Nach mir die Sintflut!“ – Ich hoffe, dass das „biblische Hochwasser“ ihn eines Tages einholen wird.

Tja, war nichts mit Maquereau grillé maître d´hôtel (Makrele auf dem Rost mit Kräuterbutter) 😉

Wir machen uns auf den Weg, die „große Runde“ um den Prüßsee zu laufen. Es wird Zeit. Die Gäste, die sich zwei und drei Stellplätze neben uns einquartiert haben, kommen langsam in Stimmung. Sie scheinen etwas zu feiern haben.

Heute laufen wir einmal entgegen dem Uhrzeigersinn, denn trotz Oktober strahlen 27°C vom Himmel, die uns heute aber „hinterrücks beleuchten“ sollen. Von der Straße Am Prüßsee kommen wir auf den Moorweg, den wir, inzwischen inmitten der weiten Landschaft, bis zum Haferkoppelweg nutzen. Obwohl für den öffentlichen Verkehr gesperrt, überholen uns auf dem landwirtschaftlichen Weg Autos. Katharine Hepburn stellte einst fest: “Wenn du immer alle Regeln befolgst, verpasst du den ganzen Spaß.” Ja, und diesen lassen sich die motorisierten Angler auch nicht entgehen.

Mein Opa sagte manchmal: “Das größte Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde.”

Der Haferkoppelweg führt uns wieder an den Elbe-Lübeck-Kanal zurück. Die Sonne gibt an diesem Nachmittag alles. Und als wir Big B. wieder erreichen, stellen wir fest, dass „die von nebenan“ es dem Stern im äußeren Drittel der Milchstraße mehr als gleich getan haben. Auch sie geben (sich) alles … Vergliche man die Sonne mit einem riesigen Atommeiler, so glühen die Gesichter der drei Campingfreunde mindestens gleichwertig. Wäre es allein beim Glühen geblieben, gäbe es keinen Grund zur Klage. – Wir schweigen dennoch: “Sprechen heißt urteilen. Schweigen heißt geurteilt haben.” (Hans Lohberger).

Im sicheren Abstand zum Ufer. – Luna “zählt” wieder!

In der Taverne „Inos“ schütteln wir am Abend das ausufernde Zechgelage der „drinking buddies“ ab und lassen es uns einmal mehr gut gehen. Hätten die Wirte gewusst, dass die Oktobersonne noch so glänzt, sie hätten sicherlich die Tische und Stühle der Terrasse nicht ins Winterquartier geschickt. Aber, wer kann das ahnen? Zum Glück haben wir „unseren Tisch“ bereits von usA (unserem schönen Ammerland) aus reserviert, denn an diesem Abend „platzt das Inos aus allen Nähten“. Beim Verlassen des Lokals überlegen wir scherzhaft, ob wir unsere Plätze nicht meistbietend in der Schar wartender Gäste versteigern sollen.

“Unser Vorgarten” am Elbe-Lübeck-Kanal

Unsere Rückfahrt am Sonntag verläuft, trotz all meiner „verkehrstechnischen Bedenken“, reibungslos. Die Dauerbaustelle auf der A1 bei Bremen passieren wir entgegen meines ungebremsten Pessimismus´ in weniger als 10 Minuten. Gut, dass es den bundesdeutschen Kraftfahrer beim ersten Anzeichen zähfließenden Verkehrs sofort auf die linke, mindestens jedoch in die mittlere Fahrspur treibt. So hatten wir „auf der Lkw-Spur“ freie Fahrt und die „wechselhaften Chauffeure“ benötigten zwischen 10 und 15 Kilometer, bis sie uns auf der A28 wieder eingeholt hatten. Heute mache ich mich über sie lustig, doch vor einigen Jahren gehörte ich selbst dazu! – “Es ist ein großer Trost, andere dort scheitern zu sehen, wo man selbst gescheitert ist.” – William Somerset Maugham.

Die Thule Sunblocker waren wieder “das Thema” am E.-L.-Kanal. – Komisch, dabei gibt´s die schon etwas länger bei den Campingausstattern

Es sollte in dieser Saison unsere letzte Reise im und mit Big B. sein. Eigentlich. Wir werden uns überraschen lassen. Wenn das Wetter uns weiterhin so verwöhnt, dann geht es bestimmt noch einmal „auf Achse mit dem Fluchtfahrzeug“.

Saisonausklang

Gibt es etwas Schöneres, als an einem Freitagnachmittag gegen 16.00 Uhr auf der A 28 in Richtung Emstunnel zu fahren? Ja, die Parkplatzsuche an einem vorweihnachtlichen Wochenende in der Oldenburger Innenstadt.

Auch er kennt nun den Weg ins Emstal auswendig

Wir sind auf dem Weg ins Emsland. Der einspurige Baustellenbereich an der AS Leer-Nord ist fast erreicht und wir erleben gerade die Neudefinition des “Reißverschlussverfahrens“. Das Verfahren, das ich vor vielen Jahrzehnten unter “einer links, einer rechts” kennenlernte, ist inzwischen zur Variante “im Überholverbot noch schnell links vorbei und dann klassisch ausbremsend in die rechte Spur” ausgereift. Und es funktioniert so gut, dass es zahlreiche gedankenlose Nachahmer findet. – Nun könnten man und frau meinen, dies bringt mich auf die Palme, und … “Ja, so ist es.” – Allerdings haben wir an diesem Nachmittag den großen Vorteil: wir fahren ins Wochenende.

“Die Ems kocht.”

29. September 2018. 03.00 Uhr. Emstal. -0,4°C. – „Hallo! Ich bin wach! Wer noch?“ Luna, die momentan Scheinträchtigste aller Kleinen Münsterländerinnen zwischen Weser und Ems, beschließt, der Nachtruhe Einhalt zu gebieten. „Sternenklarer Himmel, ein abnehmender Mond. Ich muss hier raus!“ Ich nicht unbedingt, aber ich beschließe, sie zu begleiten. Was bleibt mir anderes übrig?

“Noch´n Pilz, der Herr?”

Es ist ebenso dunkel wie frostig im Zweistromland an der Sustrumer Brinkstraße. Wir zählen die Sterne und betrachten das weite Himmelszelt. Die Kälte besiegt die isolierende Wirkung meiner Jogginghose gänzlich und ich ordne den geordneten Rückzug in Richtung Big B. an.

Ein niederländischer Festungskater (Bourtange) auf seinem Posten

Luna ist „not amused“, zerrt an ihrem Lager und ihrer Decke, positioniert alles neben unserem Bett und entscheidet sich in dieser fast beendeten, aber durchaus nicht abgeschlossenen Nacht, für die direkte Nähe zu ihrem Rudel.

Wir sind Wiederholungstäter: Kibbeling vom Emmer Vishandel

Einigermaßen ausgeschlafen schlagen wir am Vormittag über die B70 und B402 unseren Weg nach Klazienaveen (NL) ein. Die beiden großen „Ks“, Kibbeling und Käse, locken uns wieder auf den dortigen Markt. Von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr bieten hier samstags diverse HändlerInnen ihre Waren an. – „Klamer Kaas“, alle tijd voor kwaliteit, versorgt uns, nach kompetenter Beratung und gebefreudiger „Versuchung“, mit „Komijne kaas no. 5“ und „Stellinger kristal“. Ein Genuss ohne Reue. Kibbeling holen wir uns beim Emmer Vishandel, al meer dan 100 jaar een begrip. Und auch hier werden wir, wie gewohnt, mit dem appetitlichsten Fisch verwöhnt.

Kibbeling ist ein holländerischer Klassiker: Frittierte, würzige Kabeljaustückchen

Über Barger Compascum und Emmer Compascum, beide Ortschaften muss man gesehen haben … oder auch nicht, geht es weiter nach Ter Apel. Hier besichtigen wir die Klosteranlage. Zwischendurch queren wir mitten in der verlassen scheinenden niederländischen Landschaft den Kanaal-Veendam-Musselkanaal, den Mussel-Aa-Kanaal und den Ruiten-A-Kanaal. Wären da nicht diese Lkw-Gebotsschilder, ich hätte diese drei Brücken niemals mit unserem Auto befahren.

Blick auf die Sustrumer Brinkstraße

Für ein wenig Lachen sorgt dann noch der Ortsname Jipsingboertange. Wobei mein persönlicher Favorit der Name Gasseternijveenschemond ist, aber in Richtung Stadskanaal fahren wir heute nicht. Doch auch in Deutschland schießen wir mit Ortsnamen wie Obersulmetingen, Mohrkirchosterholz oder Völlenerkönigsfehn namenstechnisch schon mal den Vogel ab.

Klosteranlage Ter Apel, NL

Und dann sind wir auch schon in Bourtange. Hier führt kein Weg an der Festungsanlage vorbei. Eis und Kaffee gönnen wir uns im „‘s Lands Huys“ und einige alt-holländische Leckereien werden noch schnell in der “Kommandantur” besorgt.

Das Kloster Ter Apel (1465) liegt im äußersten Südosten der Provinz Groningen an der alten Handelsstrecke von Münster/Westfalen hin zur Stadt Groningen, NL

Auf längst vertrauten Wegen fahren wir zurück ins Emstal. Der Herbst meint es gut mit uns und so sitzen wir am späten Nachmittag entspannt in der strahlenden Sonne und genießen die laue Luft und milde Wärme an der Ems.

Ein Blick in das Kloster zwischen “alt und neu”

30. September 2018. 02.00 Uhr. -0,1°C. – Nach mehreren geräuschintensiven Neuinstallationen ihres Lagers im Caravan hat es Luna abermals geschafft: Wir sind wach und ich brenne geradezu darauf, mit ihr zu dieser frühen Stunde unterm Sternenzelt zu wandeln, denn nun sitzt sie vor unserem Bett und nörgelt. Es dauert gefühlte 30 Minuten bis ich, zurück im Wohnwagen, wieder meine Betriebstemperatur erreicht habe. Luna interessiert dies herzlich wenig. Binnen weniger Minuten träumt sie bewegt von Ente, Gans & Co.

In der Bourtanger Festung

Es war wieder ein schönes, wenn auch „tierisch unruhiges“ Wochenende im Zweistromland. In diesem Jahr werden wir es wohl nicht mehr schaffen, aber in der kommenden Saison stehen wir dort wieder vor der Tür.

“Wer wagt es, im Schilf zu rascheln?”

Premiere für den Neuen (Fortsetzung)

Donnerstag, 16.00 Uhr. So, wieder zurück im Emstal. – Ich habe ab Sonntag zwangsweise pausiert. Also, nicht pausiert, sondern gearbeitet, aber das „Zelten“ ausgesetzt. Nach dem heutigen Minijob geht es sofort wieder zurück an die Ems. Begleitet vom schönsten Wetter und dem Frollein aus dem Münsterland, die „Allerbeste“ muss arbeiten, erreichen wir Sustrum. Schnell ist der zurückgelassene Big B. wieder hergerichtet und einem ersten Kontrollgang durch das „Zweistromland“ steht nichts im Wege.

Entlang der Ems

“Hui”. Es ist ein wenig „schattiger“ in dieser Nacht. Die vorprogrammierte Heizung springt häufiger an als gewohnt und die dünne Decke wärmt nicht ausreichend. Ich muss die Notfall-Wolldecke aktivieren. Und weil ich einmal wach bin, ist auch der Blick gen Sternenhimmel verpflichtend. – Donnerwetter! Ein Schauspiel ohne Gleichen. Und ich habe wieder einmal das Stativ vergessen. Wird also auch jetzt nichts mit dem Foto vom Sternenzelt.

Ich blättere in der monatlich erscheinenden Zeitschrift eines deutschen Automobilclubs. Ja, der mit den vier großen Buchstaben. Auf Seite 68 der Ausgabe 9/2018 finden sich vier Lesermeinungen zum Thema „Deutschland geht Campen“. Ich fasse diese amüsiert zusammen:

😯 Die zunehmende Zahl von Camping Neulingen schränkt die Individualität des Campens stark ein.
😯 Wer in zimmergroßen Containern inkl. eines mitgeführten halben Hausstandes reist, kauft bei Lidl und Aldi ein.
😯 In Caravans, Campern und Wohnmobilen knallen Schubladen und es plärrt der Fernseher.
😯 Caravan & Co verschärfen das Parkplatzproblem in Ballungsräumen.
😯 Sie trüben den schönen Eindruck einer ganzen Landschaft, und nun kommt es ganz dicke:
😯 Oft ergibt sich ein recht asoziales Bild ihres gesamten Umfeldes.

Ich weiß nicht, wo diese LeserInnen ihre Erfahrungen sammelten oder unter welchem Einfluss beseligender Mittel sie ihre Lesermeinungen verfassten. Ich bin geneigt zu glauben, dass ihre Sichtweise nicht auf Objektivität und Erfahrung basiert, sondern hier meines Erachtens bedenklich entrückte Eingebungen im Spiel sein könnten. – Doch: In unserer Republik herrscht erfreulicherweise Meinungsfreiheit und „Die Gedanken sind frei!“ – Frei wie die Camper!

Im ersten Licht am Dortmund-Ems-Kanal

Inzwischen haben das Frollein und ich mehrere ausgedehnte Patrouillen entlang der Ems absolviert. Die Nutrias haben weiterhin ihr Fleckchen Ems besetzt. Sie sind also der auf sie freigegeben Bejagung nicht zum Opfer gefallen. Die Eisvögel am Sielgraben und die Rallen sind ebenfalls putzmunter, aber die beiden Biber, die ich nur auf Fotos zu Gesicht bekam, gibt es nicht mehr. Sie sind im Sommer ums Leben gekommen. Das ist schade. Nun werde ich wohl auch nicht mehr auf typische Biberspuren treffen. Es sei denn, …

Sielgraben Sustrum II

Der Bestand an Enten und Gänsen scheint mir unverändert, obwohl Luna der Meinung ist, es könnten ruhig mehr sein. Ihre gestrige Bestandsaufnahme, die sie mehr schwimmend als laufend erhob, verlief jedenfalls vielversprechend und ist unter allen Umständen zu wiederholen, wie sie mir zu verstehen gab. Also werden wir uns bald wieder auf den Weg machen.

An der Badestelle. CP Emstal

Ich bin auf dem Weg zum NP-Markt meines Vertrauens in Walchum. Noch in der geschlossenen Ortschaft Sustrum werde ich von einem „Sprinter“ überholt. Wohlgemerkt ich fahre großzügige 50 Km/h, ich parke nicht. 100 m hinter dem Ortausgang bremst dieser ganz besondere Mittelsmann einer ganz besonderen Gilde hastig und biegt ab. Sicherlich in der Gewissheit, dass sein dynamisches Verhalten vollkommen in Ordnung geht. Soll ich mich aufregen? Nein, denn auf meinem späteren Weg nach Lingen erlebe ich auf der B70 drei weitere ungeniert-ahnungslose Draufgänger in gleicher Manier. Ich will mich nicht aufregen, aber davon berichten muss ich.

Ganz früh bei ganz wenig Licht mit dem Teleobjektiv “auf Anschlag” erwischt: eine Biberratte (Nutria)

Luna ist gnädig. Unser Ausflug nach Lingen und der dortige ausgedehnte Spaziergang durch den Wald lassen sie heute morgen ein wenig länger ruhen. Ein wenig. Um 07.00 Uhr ist es dann vorbei mit Müßiggang und Ruhe. Das Emstal ruft. Nicht unbedingt mich, aber das Frollein hat einen Routinedienstplan, der für heute den Vollzähligkeitsappell der Uferbevölkerung an Ems und Dortmund-Ems-Kanal vorsieht. Also: „Auf, auf zum fröhlichen Zählen.“

Die Brücke am “Durchstich”

Wir verlassen „unseren“ Platz am „Durchstich“ und pirschen unter der Brücke an der Brinkstraße in Richtung Kanal. Den Petrijünger, der bis zu den Schultern im Schilf der Ems steht, hat Luna längst entdeckt. Er uns jetzt und auch später nicht. Gebannt beobachtet er die Pose seiner Angel, die gleichmäßig im viel zu niedrigen Wasser der Ems schwebt.

Medusa. – Eine der drei Gorgonen aus der griechischen Mythologie unterwegs auf dem Dortmund-Ems-Kanal?

Am gegenüberliegenden Ufer haben sich zwei weitere Angler eingerichtet und hoffen auf den Fang des Lebens. Die „Medusa“, schwer beladen mit Containern, bahnt sich ihren Weg durch den Kanal und wird sicherlich gleich einen der Angler dazu veranlassen, seine Angel, die er zuvor mit kräftigem Wurf bis zur Mitte der Fahrrinne auslegte, einzuholen. Nicht, dass sich die Schnur in der Schraube der Medusa verfängt und sie zum Stillstand bringt.

Das “Einwohnermeldeamt” ist geöffnet

Wir haben Lunas „Einwohnermeldeamt“ am Kanal erreicht. „Leine los!“ Der Karabinerhaken ist noch nicht einmal wieder geschlossen, mein Kommando noch nicht ganz über die Lippen, da ist sie auch schon in der Uferböschung verschwunden. Ich lege auch heute Wert auf die Feststellung, dass Luna nicht jagt oder gar wildert, sie zählt und stellt die befugte Anwesenheit der Enten, Gänse und Taucher fest.

Für die beiden ersten statistischen Erhebungen genügt ihr das Waten in der Uferzone. Später zieht es sie in den Kanal. Vom Weg geht es durch die Böschung an die Uferkante. Ein Sprung ins Wasser, zurück ans Ufer, Kontrolle des Schilfgürtels, erneut ein Sprung ins Wasser, dann sichernd zurück auf den Weg. „Ja, ich bin noch da.“ Und schon beginnt der Kreislauf erneut. Es könnte stundenlang so weitergehen. Ab und zu werfe ich eine Eichel oder Kastanie ins Wasser, um die ohnehin prickelnde Spannung noch ein wenig zu erhöhen. Luna ist in ihrem Element, klatschnass und zufrieden mit dem Ergebnis ihrer heutigen Zählung. Und hätte sie nicht den Weg durch den aufgeweichten Kartoffelacker gewählt, ich hätte bestimmt 30 Minuten früher frühstücken können. Wie ruhig könnte solch ein Morgenspaziergang sein. – Und wie langweilig!

Volkszählung an der Ems. Zwar nicht gesetzlich angeordnet, aber aus Lunas Sicht erforderlich

An diesem Morgen geht alles etwas langsamer, etwas sehr viel langsamer voran. Luna liegt träumend unter dem Tisch und geht in Gedanken sicherlich noch einmal die Emstaler Populationsdichte zu Wasser und in der Luft durch. Ich komme viel später vom Duschen zurück und werde nicht, wie üblich vom Frollein überrannt, sondern nur stürmisch begrüßt. Was ist geschehen? Sollte ich sie tatsächlich geschafft haben? Sind unserer stundenlangen und kilometerweiten Spaziergänge doch nicht ermüdungsfrei an ihr vorübergezogen? Und dann bemerke ich es: Das Wetter ist heute nicht so besonders und lädt uns, statt unermüdlich durch Feld, Wald und Flur zu streifen, einmal zum Faulenzen ein. Dem werden wir nicht widersprechen. Wohlfühlsocken an, Buch raus, Radio aus. Pause! – Heute wird auch nicht bei Aldi oder Lidl eingekauft oder gar ein Parkplatz in einem Ballungszentrum besetzt.

CP Emstal

Der dritte Tag im Emstal. Zeit für den ersten Abwasch. Allerhand, was sich da angesammelt hat: ein Frühstücksbrett, ein Teller, zwei Messer, zwei Gabeln, ein Becher, ein Topf inkl. Deckel, kein Glas, denn ich trinke gern in Abwesenheit der Allerbesten aus der Flasche. [“Das macht Mann nicht!” – “Ja, ich weiß …”] Mit letzter Kraft schleppe ich meinen Abwasch zur Spüle. Außer Atem schäume, wasche, spüle und trockne ich. Nein, niemand erbarmt sich. Allein zerre ich den gewichtigen Korb über den Platz. Der Gegenschlag für meinen Müßiggang.

Im Gegenlicht

“Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?” – Wir machen uns reisefertig und verlassen das Emstal. Vorerst. Denn: “Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!”

Im Emstal

Sommer 2018. Wochenlang regnet es nicht. Klarer Fall: Klimawandel. Hätte es wochenlang geregnet, logische Folgerung: Klimawandel. Und so kommt es schließlich auch zu einem Klimawandel im Big B.: 17.59 Uhr. Bernsteinfarbene münsterländische Augen blicken mich an und sagen mir: „Fütterung des Raubtieres. Sofort!“. Luna wünscht zu dinieren. Und weil wir mal wieder auf Achse sind und es ein besonderer Tag ist, kommt auch etwas Besonderes in den Napf: „Küstenmix“, den ich, wie viele andere tierische Spezialitäten, selbst zubereite. Lachs in Hülle und Fülle und so einige geheimnisvolle Zutaten. Käuflich zu erwerben bei Pfotenfutter & Krallenkrams in der Königstraße 27a in 26215 Wiefelstede. – Neiderfüllt würde sich Käpt´n Iglo, der Hamburger Schlemmerfilet-Kapitän a la Bordelaise, hinter einem der fünf Klüversegel seines fernsehwerbenden Vollschiffes verstecken.

Ebbe in der Ems. Klarer Fall: Klimawandel!

Als das Schüsseltreiben beginnt, beginnt es auch zu regnen, d.h. es schüttet. Wer lässt seinen Hund im strömenden Regen, es sei denn es handelt sich um eine Seehund, fressen? Keiner! Also, den Napf und den Hund in den Caravan verfrachtet und schon verbreitet sich dieser dem Meer entrissene, maritime Hauch eines Fischereihafens samt Fang im Big B., setzt sich in Luna nassem Fell und meiner ebenfalls durchnässten Bekleidung fest, verharrt unerwünscht und ebenso unbeirrt-hartnäckig und bleibt uns damit ausdauernd erhalten. – Wenn das kein Klimawandel ist.

Landschaftsfenster

Doch von Anfang an: 125. Schützenfest in Wiefelstede. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die beste Ehefrau von allen gewährt dem Frollein und mir Wochenendurlaub, den wir unvermittelt und beschleunigt antreten.

In bestimmten Situationen ist es für die schwimmmenden AnwohnerInnen des Dortmund-Ems-Kanals sehr ratsam, die Kanalmitte oder gleich das gegenüberliegende Ufer aufzusuchen …

Längst sind wir uns einig, dass wir dem Emstal mal wieder einen Besuch abstatten müssen. Gedacht, getan. Um 11.10 Uhr erreichen wir das Zweistromland zwischen Dortmund-Ems-Kanal und Ems. Ruckzuck ist die Wohnanlage abgestellt, aus- und eingerichtet und wir auf dem Weg entlang der Ems und dem Kanal in Richtung Düther Schleuse. – Es wurde auch wieder einmal Zeit!

Kaum aus dem Kanal, muss sie sich neuen Herausforderungen stellen. Ein Hundeleben!

Nach einer nicht enden wollenden Brut- und Setzzeit und der Hitze des Frolleins heißt es für sie nun immer wieder: „Leine los!“. – Platsch, Luna geht zu Wasser, Graugänse stoben aus der Uferböschung, einige Enten ziehen es jetzt vor, die Mitte des Kanals nicht zu verlassen und Luna setzt derweil 100 Meter weiter erneut zum Sprung an, um dieses Schauspiel mit neuen, gefiederten Kleindarstellern zu wiederholen. Spannung liegt in der Luft und gespannt rudernde Schwimmhäute signalisieren „Hochdruck ohne Ende“. – Nein, sie wildert nicht! Sie sorgt gern und ausdauend für Bewegung und Unterhaltung bei den gefiederten Freunden.

“Geh´ hin wann immer Du willst, es sieht stets anders aus!”

Irgendwann ist es da, dieses Geräusch als würde jemand unter dem Bett Punktschweißen. Es lässt sich anfangs nicht lokalisieren und dann auch nicht beheben. Jedes Wackeln an Kabeln, das Ziehen aller möglichen Stecker, die Kontrolle der Sicherungen, der Austausch von Stromversorgungskabeln: Sinn- und zwecklos. Das Geräusch bleibt und verstärkt sich mehr und mehr und schließlich wird der Urheber erkannt. Also, den Dometic Perfectcharge IU812 vom Netz genommen, den Caravanhändler des Vertrauens anrufen und einen Termin für den kommenden Montag vereinbaren. Zum Glück sind die Akkus randvoll geladen, wir müssen uns also keine energiegeladenen Sorgen machen. Nach der defekten Lüftereinheit des Antaras, der kaputten Waschmaschine endlich wieder etwas Abwechslung und Kurzweil im dynamischen Alltag der Camper. – Die moderne Switch-Mode-Technik des IU812 sorgt für einen hohen Wirkungsgrad. Ich denke heute mehr an einen „Währungsgrad“ jenseits der 100-Euro-Marke.

Da ist man mal ein paar Wochen nicht da und schon mähen sie am Dortmund-Ems-Kanal nicht 😉

Mein erster Lenz, den ich in den 1970er Jahren las, war „Es waren Habichte in der Luft“. Ausgeliehen im literarischen Gedränge in der Stadtbücherei Nordenham, die sich seinerzeit noch in den Räumen der Pestalozzischule befand. Die damalige Bibliothekarin, Frau O., legte ihn mir, dem mittellosen Schüler, entgegenkommend zurück. Was ich anfangs der 70er nicht wusste: Frau O. wurde später meine Schwiegermutter und „Es waren Habichte in der Luft“ (Siegfried Lenz, 1951, Hoffmann und Campe, Hamburg) halte ich heute als Erstausgabe in der Hand.

Die Ems

Roskow, Stenka, Erkki, die Witwe, der Graue, Manja, Leo, Aati, Petrucha, die Mönche auf der Insel, plötzlich sind sie alle wieder präsent. (Anm.: Sie alle sind Personen aus dem Roman “Es waren Habichte in der Luft”.) Ich erinnere mich augenblicklich an mein Referat über Siegfried Lenz und seine Werke. 20 Minuten sollten es werden. Ich brauchte die komplette Unterrichtsstunde (45 Minuten) inklusive der großen Pause (20 Minuten) und erhielt, dessen ungeachtet, die dauernde Aufmerksamkeit und später auch den Beifall meiner MitschülerInnen.

Und selbst heute verstehe ich es nicht, warum gerade der bequemste und unwirksamste germanistische Pädagoge meiner Schule seinerzeit den Schriftsteller Siegfried Lenz, nach seiner Vorlesung vor der Goethegesellschaft, zurück nach Hamburg chauffieren durfte. – Jeder, aber nicht er!

Die Brinkstraße windet sich gen Sustrum

Sonntag. 03.00 Uhr. Der Sustrumer Big Ben läutet nicht nur zur vollen, nein, auch zur halben Stunde. Und heute Nacht denke ich, er steht direkt neben meinem Bett. Die Wetterlage, bestimmt liegt es am Klimawandel, täuscht manchmal gern Ohr und Geist. Es fällt mir nicht leicht, wieder einzuschlafen: die „Habichte“ lassen mich nicht ruhen. Zwar kenne ich den Roman seit Jahren, aber in Gedanken suche ich nach weiteren darin verborgenen, nicht ausgesprochenen, persönlichen Bindungen und Beziehungen der Romanfiguren untereinander. Es dauert lange, bis ich mich davon lösen kann und wieder einschlafe.

So weit weg und doch manchmal ganz nah: der Sustrumer Glockenturm

Was für ein Traum! Wäre ich nur bei meinen Überlegungen zum Roman geblieben. Luna scheint dies bemerkt zu haben und sitzt bereits, fertig zum Aufbruch, vor meinem Bett. Es ist 06.15 Uhr. Es ist Sonntag, da geht man schon einmal im Frühtau zur Ems.

Sonnenaufgang über einem Maisfeld an der Brinkstraße bei Sustrum

Auch wenn dieser Sonntag für uns sehr früh begann, endet auch er nach 24 Stunden. Wir haben unsere Siebensachen bereits ge- und verpackt und werden morgen nach Papenburg aufbrechen, um dem Störenfried (Ladegerät) unter dem Bett “auf den Zahn fühlen zu lassen”. Und dann, ja, dann stürzen wir uns in eine neue Woche. – Und auch in dieser werden wir es für ein paar Augenblicke Sonntag sein lassen!

Urlaub in zwei Anläufen

Nachdem sich unser erster Versuch, in den Urlaub und gen Süden aufzubrechen, praktisch mit der streikenden Lüftereinheit unseres Zugpferdes in Luft auflöste, treibt es uns nun auf verschlungenen Pfaden ins Wendland. Die Autobahn 28 nutzen wir nur bis zur AS Groß Mackenstedt und wuseln uns dann über Bundes- und Landstraßen über Verden, Visselhövede, Soltau, Munster, Uelzen nach Dannenberg (Elbe) durch. Das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue ist unser erstes Reiseziel.

Am Thielenburger See in Dannenberg

Am Freibad in Dannenberg, einen Katzensprung vom Thielenburger See entfernt, liegt „unser“ Campingplatz. Der Wasserverband Dannenberg-Hitzacker ist hier Platzherr. Anmelden müssen wir uns an der Kasse im Freibad gegenüber. Der Platz ist stets geöffnet, unbeaufsichtigt und nach dem Gesichtspunkt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ wird sich ein parzellierter Stellplatz ausgesucht. Wir wählen die Nr. 79 und liegen damit etwas abseits vom Geschehen. Hier sind wir mehr zum Thielenburger See als zum Freibad einquartiert. Durch ein kleines Tor gelangen wir auf den Weg um den See, der uns direkt nach Dannenberg führt und gleichzeitig sind wir schnell „außer Haus“, falls das Frollein einmal ausgeführt werden möchte.

Noch einmal der Thielenburger See

Kraniche, Störche und Seeadler sollen wir beobachten können, wenn es nach der Touristik Dannenberg geht. Wir sind in freudiger Erwartung und machen uns mit den Fahrrädern und dem Lunamobil im Schlepp auf den Weg nach Hitzacker. Schon in Pisselberg treffen wir auf die ersten Störche, die natürlich fotografiert werden müssen. Mitten im Geschehen spricht uns ein Herr an. Unter seinem Vordach nisten Schwalben. Rauchschwalben, um es genau zu sagen. Ich darf auch diese mit der Kamera einfangen. Wir kommen mit dem Herrn ins Gespräch und schon bald kennen wir zwei, drei Kapitel seines Lebens, wissen nun auch einiges über die Nachbarn und erfahren, dass er sich gleich mit einer Dame zum Mittagessen treffen wird. Ja, so kann es gehen, wenn man Urlaub, Zeit und ein Ohr für seine Mitmenschen hat.

Die Untermieter des freundlichen Herrn in Pisselberg

Entlang der Jeetzel gelangen wir über Nienwedel nach Hitzacker. Kaum dass wir die Landstraße 231 überqueren, entdecken wir sie auch schon: Die gegen jede Verschwendung erhabene, oft ein wenig knausernde Liga der Wohnmobilisten. Keinen Quadratmeter Raum verschwendend, stehen sie in Reih´ und Glied auf dem ebenso ebenen wie sterilen Parkplatz am Sportboothafen und wechseln sich gegenseitig ab, wer denn nun seine Campingbestuhlung für die nächste Stunde in die 1,45 m breite Lücke zwischen ihren Gefährten aufstellen darf, um sich der senkrecht stehenden Sonne auszusetzen. Schatten wäre auf diesem Platz natürlich auch unentgeltlich zu bekommen, aber was tun, wenn der Luftraum für die Markise fehlt?

… und noch ein Storch. Dieser nistet in Hitzacker

In der Inselküche in der Hitzackerschen Hauptstraße tanken wir Energie für den Rückweg nach Dannenberg: Rhabarberschorle und Wendlandbräu. So gestärkt machen wir uns auf die Heimfahrt zum Thielenburger See. Das Frollein liegt entspannt in ihrem Lunamobil als wir einen Wirtschaftsweg zur Abkürzung erklären und wenig später auf einer Kopfsteinpflasterstraße enden, auf der bereits um 1569 Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg verzweifelt sein muss. Doch es ist tatsächlich eine Abkürzung! Bald stehen wir wieder vor Big B. und Luna erholt sich binnen weniger Minuten von ihrer Seekrankheit.

Bad Bodenteich

Dannenberg ade. Störche haben wir gesehen, Kraniche in der Ferne gehört und die von der Touristik versprochenen Seeadler sparen wir uns für unseren nächsten Besuch auf. Eigentlich soll es über die Elbe in Richtung Lenzen und an den Rudower See gehen, so haben wir es bei einem Eisbecher im italienischen Eiscafe „Del Pizzo“ beschlossen. Nun haben wir Urlaub, viel Zeit und besuchen das neue Ziel, da es eigentlich nur um die Ecke liegt, schon einmal im voraus.

Die Burg in Bad Bodenteich

Idyllisch eingebettet in die satten, grünen Wiesen und den Wald um den See, so heißt es in der uns zur Hand gegebenen Beschreibung des Platzes, wollen wir uns schon einmal eine Nische in exponierter Hanglage anschauen und vielleicht auch reservieren. Die Fahrt über Dömitz und später durch Orte wie Gaarz, Baarz, Besandten, Unbesandten und Kietz lässt bereits vermuten, dass wir nicht auf dem Weg in eine Metropolregion sind. Wir wollen auf´s Land und in die Natur.

B³ – Burg Bad Bodenteich

Schon bald stehen wir vor dem ausgewählten Campingplatz. Uns begrüßen die drei Pagodenzelte einer hier für drei Wochen campierenden Jugendgruppe und ein Herr, der sich in einer inneren Vertiefung und seiner Ruhe gestört zu fühlen scheint. Wir dürfen den Platz in Augenschein nehmen. Noch bevor uns der Betreiber zu irgendwelchen Gartenarbeiten einteilt, werfen wir noch schnell einen Blick auf die zahlreich vorhandenen Schilder „Es ist strengstens verboten …!“ und verabschieden uns in geordnet-geschwindem Rückzug. Wir sagen. „Tschüß!“, nicht „Auf Wiedersehen!“. Auf der Heimfahrt nach Dannenberg stellen wir fest, dass die Fährverbindung über die Elbe bei Pevestorf, die wir für einen Besuch in Gorleben nutzen wollen, seit gestern eingestellt wurde. So haben wir die Gelegenheit, die Orte Kietz & Co. noch einmal zu durchstreifen.

Pensionärsfrühstück

Es gibt Campingführer und Campingführer. Die einen, wie z.B. der des ADACs, haben sich hauptsächlich auf die bisweilen doch etwas „kniepig“ erscheinenden Wohnmobilisten eingestellt, der andere, der ACSI-Campingführer, beschreibt auf knapp 600 Seiten 2760 Campingplätze in Deutschland und den angrenzenden Staaten. Die redaktionellen ACSI-Angaben zu einem Campingplatz sind allerdings „chiffriert“ und nur durch das Verständnis für diesen auf den ersten Blick undurchdringlich erscheinenden Campingcode sowie einer glückseligen Erleuchtung, gelingt es hin wieder einer auserwählten Schar, diesem Buch mit sieben Siegeln, die gewünschten Informationen zu entlocken. Wir gehören inzwischen zum auserlesenen Kreis dieser allmächtig inspirierten „Elitetruppe“. Und deshalb schreibe ich diese Zeilen auf dem Campingplatz Bad Bodenteich in der Lüneburger Heide. Wir entschlüsselten dieses Reiseziel auf Seite 70. Besonders leicht fiel uns diese Wahl, als wir unter „2“ erfuhren: BFJMNOPQRT. Noch leichter machte es uns unter „4“ die für den Laien geheimnisvolle ACSI-Angabe „FH“. Damit stand unser Entschluss fest! Wer kann da „Nein“ sagen? Bei 16A CEE auf 16 ha mit 75T und 204D?

An der Elbe bei Nienwedel. Das gegenüberliegende Elbufer gehört bereits zu Mecklenburg-Vorpommern

Idyllisch und ländlich präsentiert sich uns der Campingplatz Bad Bodenteich. Bei leicht einsetzendem Regen melden wir uns an, finden sofort einen Platz auf dem nicht parzelliertem Gelände für (75) Touristen (75T) und als es ans Aufbauen geht regnet es inzwischen aus Kübeln. Der Regen war mit keinem Code im ACSI-Stellplatzführer erwähnt! – Wir erwägen rechtliche Schritte gegen den Verlag.

“Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.” – Mark Twain

Pünktlich mit dem Abschluss unserer Arbeiten setzt der Regen aus, obwohl hier die Bezeichnung „Platzregen“ wesentlich zutreffender ausfallen würde. Wir werden nur klatschnass, aber die beiden Camper in der Senke des Platzes schwimmen mit ihren Hi-Tech-Zelten davon: Wassereinbruch durch alle Nähte. Auch Kapitän Nemo in seiner „Nautilus“ hätte nasse Füße bekommen. Und wir wissen jetzt, warum im Ortszentrum von Bad Bodenteich eine historische Wasserburg steht. An diesem überfluteten Nachmittag sollen hier unbestätigten Berichten zur Folge Tauchkurse im Kneippkräutergarten angeboten worden sein.

Da kommt der Langnese Honig her … oder so ähnlich

Seit 2014 mit dem Caravan auf Achse, verfügen wir noch nicht über die größte Erfahrung auf dem Gebiet des Reisens mit dem Wohnwagen. Und so sammeln wir auch auf dieser Fahrt durch die norddeutsche Tiefebene neue Erkenntnisse vor Ort: Früh am Morgen schneidet mich ein in der deutschen Bundeshauptstadt zugelassener Kleinwagen unvermittelt vor dem Eingang des Sanitärgebäudes. Darinnen sitzen zwei bejahrte Beduinen, wie ich anfangs vermute. Nein, es handelt sich um Langzeitcamper im Morgenmantel, die ihre morgentliche Körperpflege gleich mit einer Fahrt ins Blaue verbinden. In mein hellblaues Badelaken.

Mit der Brötchentüte in der Hand verlasse ich die Anmeldung eines Campingplatzes und freue mich auf den Kaffee, für den die beste aller Ehefrauen längst gesorgt hat. „Platz für den Landvogt!“ Egon Wistraschewski (diesen Namen habe ich frei erfunden) fährt vor. Fährt mir vor die Füße und begehrt Einlass in das von mir soeben verlassene Backparadies. Welch´ Glückes Geschick, dass ich meine Brötchentüte nicht an den „Lehnsherrn“ abtreten muss.

Und da ich einmal am Meckern bin: ich vermisse einen Campingführer, der mir Auskunft darüber erteilt, ob in den Einzelduschen ein Duschhocker vorhanden ist, ob der Duschkopf fest installiert ist oder ich mittels einer Handbrause die Möglichkeit habe, meinen Astralkörper individuell zu „bewässern“.

“Götterdämmerung”

Darf der wachsame Hund des durchreisenden Touristen im Falle einer für ihn bedrohlich-unbefugten Annäherung an dessen, wenn auch nur für kurze Zeit, bewachtes „Revier“ anschlagen oder ist dies nur dauercampierenden Vierbeinern mit fortlaufendem Wachauftrag gestattet? Und last, but not least: Warum schwärmen manche Camper, die ihre Knaus, Hobbies, Fendt, Tabbert, Bürstner & Co. schon seit vielen Jahren hinter Markisen, Zäunen Hecken, Gartenzwergen, Solarleuchten und Sträuchern „an die Kette gelegt haben“ heute mit einem leichten Naserümpfen immer wieder von „damals, als wir noch eine heile und aufmerksam-hilfsbereite Camperzeit (er-)lebten“? – Natürlich sind meine Fragen und geschilderten Erlebnisse ein wenig spöttisch-gemein formuliert und vorgetragen, aber mir war gerade mal danach.

Da wurde das Fahrrad zum “Tretboot”

Elbtalaue. „Camp im Dorn“ in Dahlenburg heißt unser neues Ziel. Um es mit ACSI-Worten zu sagen: „B. 16A CEE, 1,3 ha, 50T, 41D, Nr. 2: BCGIOPRVWXY.“ – Das ist nun wieder so ein unanständiger Spaß auf Kosten des Herausgebers dieses Campingführers (Motor Presse Stuttgart GmbH & Co KG in Kooperation mit ACSI Publishing BV, NL), doch an dieser Stelle muss ich gestehen: „die“ geben sich alle Mühe und wie sollen sie auf so kleinem Raum eine Flut interessanter Informationen abbilden, wenn nicht durch diese „Kürzel“? – Langsam beginne ich dieses Werk zu schätzen.

Tja, einen Steinwurf entfernt lagen die Großsteingräber … hätten wir´s gewusst

Dahlenburg liegt 25 Km östlich von Lüneburg. Die Lüneburger Heide und die Göhrde vor der Wohnwagentür, haben wir auch hier einen idealen Ausgangspunkt für unsere Streifzüge mit dem Rad oder per pedes gefunden. Auf dem Platz angekommen, werden wir sofort von anderen Campern freundlich begrüßt und „gehören sofort dazu“. Und da wir gut zuhören können, erfahren wir auch schon bald, welche Fähre nach Griechenland die günstigste und schönste Verbindung bietet, warum sich die hohen Mautgebühren in Italien dennoch lohnen und dass in Österreich ein fehlendes „D-Schild“ ganz schnell sehr teuer werden kann. Dass Franken zwar auch zum Freistaat Bayern zählen, aber nicht so „bescheiden“ sind, wie der Rest. Die ursprüngliche und sehr freimütige Aussage zu Lasten des weiß-blauen Bundeslandes behalte ich dann doch lieber für mich. Und dem Gerhard (Name frei erfunden) verschweige ich, um ihn verbal und mental nicht straucheln zu lassen, dass ein Teil meiner Wurzeln dem oberbayrischen Tegernseer Tal entstammt. – Wir wollen uns „im Dorn“ doch erholen und entspannen.

Schottisches Hochlandrind aus der Hochlandrinderzucht (Highland Cattle) Brusche Becklingen GbR, Dahlenburg

Auf einem Nachbarplatz kämpfen drei junge Männer mit einem ultraleichten Pavillon, den sie über einen neben ihrem Zelt stehenden Tisch aufstellen wollen. Der Wind spielt mit ihnen und dem in ihm flatternden Schattenspender und lässt sie ringen. In meinem Kopf macht es „klick“ und ich sehe mich ins Jahr 1974 zurückversetzt. Uwe, Joachim und ich unternahmen damals unseren ersten gemeinsamen Zelturlaub in Rottach-Egern. Ganz allein und fern der Heimat. Ein Gewitter zog auf und wir drohten mit „Mann und Maus“ unterzugehen. Damals halfen uns erfahrene Camper, unsere „Hundehütte“ sturmfest und erdverbunden aufzustellen. Heute bin ich an der Reihe, diese Hilfestellung zu leisten.

… und noch ein Hochlandrind

„Heute hier, morgen dort. Sind kaum da, sind wir fort!“ Der Liedermacher Hannes Wader ahnte schon in den 1970er Jahren, dass wir viel mit dem Caravan reisen werden. Inzwischen verbringen wir den zweiten Tag in Dahlenburg, da ist es an der Zeit, das neue Ziel ins Visier zu nehmen. Güster im Naturpark Lauenburgische Seen. Kein unbekannter Ort für uns und so wissen wir bei unserer telefonischen Anmeldung bereits, welchen Stellplatz am Elbe-Lübeck-Kanal wir gern belegen würden. Und die „19“ ist ab Samstag frei. Was wollen wir mehr? Über Lüneburg, Lauenburg und Büchen werden wir schnell am Prüßsee sein. Zur Vorbereitung schaue ich in die Karte, werde auf einige Ortsnamen aufmerksam und diese müssen nun erst einmal „dran glauben“.

Etwas “zeitiger” am Elbe-Lübeck-Kanal

Durch Dahlenburg fließt die Neetze. Klar, dass es in der näheren Umgebung Ortschaften wie eben Neetze, Neu Neetze und Neetzendorf gibt. Und wo ein Groß Thondorf liegt, ist ein Klein Thondorf nicht weit. Gleich um die Ecke bei Garze, findet sich Karze. Groß Hesebeck hat natürlich Klein Hesebeck im Schlepptau und wer durch Kirchgellersen fährt, findet einen Steinwurf entfernt Süder- und Westergellersen. Klar, was sonst? Natürlich liegt bei Güster am Prüßsee auch ein Neugüster. Sonst wären wir nie nach Schleswig-Holstein aufgebrochen. Taxifahrer möchte ich in diesen Landstrichen allerdings nicht sein.

Käfer auf Draht an Ackerwinde

Mit den Fahrrädern fahren wir aus Dahlenburg. Wir nutzen den Moorweg und kommen durch Buendorf an die Dannenberger Landstraße, die wir kurz vor der B216 in Richtung Neetzendorf verlassen. Vorbei an der Neetzendorfer Wasssermühle, die wir rechts liegen lassen, fahren wir über Ahndorf und Vindorf zum Dahlenburger Bahnhof. Wenn wir auch nur geahnt hätten, dass in Höhe Seedorf, nur einen Steinwurf von der Landstraße entfernt, zwei Großsteingräber im Wald auf uns warten, wir hätten sie ganz bestimmt besucht. Tja, hinterher ist man immer schlauer. Über Lemgrabe und Gut Horn kehren wir nach Dahlenburg zurück und versorgen uns im „kleinen“ REWE-Markt. Ja, Dahlenburg hat zwei REWEs. Den „Großen“ besuchen wir morgen.

Noch ohne “schwedische Gardinen” (Thule Sun Blocker) am Prüßsee

“Güster, wir kommen!” Auf der B216 fahren wir nach Lüneburg und weiter über die B209 nach Lauenburg/Elbe. Rechtzeitig erkennen wir die stationären „Blitzer“ am Wegesrand und auch der mobile amtliche Messtrupp an der Lüneburgischen Umgehung bleibt uns nicht verborgen. Sofort beschließen wir, die durch unsere ungeteilte Aufmerksamkeit ersparte „Blitzerzulage“ am Abend im „Inos“, dem Griechen unseres Vertrauens in Güster, in Speisen und Getränke zu investieren. Auch an diesem Sonntagabend wird sich zeigen, dass die vermiedenen „Radarfalleneuros“ kulinarisch gewinnbringend angelegt wurden.

“Leinen los!” Ende der Brut- und Setzzeit und außerhalb der Freizeitwelt Güster

21.00 Uhr. Meister Lampe jun., ebenso jung, dynamisch, wie unbefangen, hoppelt um unser Auto herum und sieht sich unvermittelt dem Frollein gegenüber. In dieser Situation weder Bedenken, noch Misstrauen hegend, ein Zeichen seiner reinen Jugend, lässt er sich nieder und harrt der Dinge, die da kommen. Diese kommen unverzüglich. Innerhalb weniger Sekundenbruchteile wird sie dem jungen Stoppelhopser zeigen, „wo der Barthel den Most holt“. Der junge Hase ist so perplex, dass ihm allein das beherzte Eingreifen der „Besten von allen“, das Leben rettet. Verdutzt über seine wundersame Rettung, setzt sich der junge Hase schon nach wenigen Metern seiner halbherzigen Flucht erneut nieder.

Eine Stechdornblättrige Mahonie aus der Familie der Berberitzengewächse

Ich kann Luna zwar halten, aber nicht verhindern, dass das Frollein den Bodenanker ihrer Leine bereits bis auf wenige Zentimeter aus dem Boden gerissen hat. Wer die Laute eines „arbeitenden“ Jagdgebrauchshundes kennt, kann sich in etwa ein (Klang-)Bild davon machen, welche Geräuschkulisse sich in diesen Minuten am Elbe-Lübeck-Kanal in Höhe des Prüßsees bietet. Aufgeschreckte Camper stehen am Weg, irritierte Fahrradfahrer unterbrechen ihre Fahrt und alle suchen den potentiellen Tierquäler, der hier einen Hund barbarisch misshandeln muss. – Spätestens jetzt hat auch der Letzte unsere Anwesenheit auf Platz 19 wahrgenommen. Nachtrag: Der Hase hat diese Begegnung ohne Blessuren überstanden und keiner ist der Meinung, ich sei ein Tierquäler.

Die Kugelbake kugelt durch den Elbe-Lübeck-Kanal

Bereits am frühen Morgen scheint die Sonne so stark, dass wir die Thule Sun Blocker installieren müssen. Getreu dem Motto „Wir-sehen-Dich-Du-uns-nicht“ sitzen wir hinter unseren „schwedischen Gardinen“ und genießen unser Frühstück mit den besten Roggenbrötchen zwischen Sachsenwald und Ludwigslust. Garantierte eigene Herstellung vom Teig bis zum fertigen Brötchen. Das schmeckt man. Und auch dieses Mal werden wir eine Tüte Heymer-Brötchen bunkern, bevor es zurück nach usA (unser schönes Ammerland) geht. Doch bis dahin bleiben uns noch einige Tage Zeit.

Auf dem Elbe-Lübeck-Kanal: die Buche

Nun soll es vorkommen, dass man in der Freude über die Ankunft an einem angenehmen Urlaubsort vergisst, den Bordkühlschrank vom 12 Volt (mobiler Betrieb) auf den 230 Volt Betrieb (stationärer Betrieb) umzustellen. Nun soll es vorkommen, dass man aus eben dieser besagten Freude auch nicht nachdenklich wird, wenn dieser Kühlschrank öfter als gewohnt „anspringt“, um seine Innentemperatur zu halten. Nachdenklich wird man allerdings, wenn das im Gefrierfach gebunkerte Eis seinen Aggregatzustand von fest in flüssig geändert hat. Wie bereits erwähnt: „Es soll vorkommen, dass …“ – Würde uns so etwas widerfahren, dann nur als gezielte Energiesparmaßnahme, denn „regelmäßiges Abtauen spart Energie“.

Zwischen Prüßsee und Elbe-Lübeck-Kanal

„Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen.“ Vier Jahre hat es gedauert, bis wir auf einen Menschen treffen, der grenzenlos zu reisen scheint. Grenzenlos im Hinblick auf sein Verhalten und eine gebotene Rücksichtnahme auf eventuell noch nicht ganz an Stil und Form gescheiterten Mitmenschen. Ich nenne diesen Zeitgenossen einfach einmal Womo Laica. Wie komme ich nur auf diesen Namen? Nicht, dass es besagtem Herrn vollkommen egal ist, eine Einbahnstraße ständig entgegen der in diesem Fall nun einmal vorgegebenen Fahrtrichtung zu benutzen, ein Abwassertank lässt sich in zwar zeitraubender Kleinarbeit, dadurch allerdings mit einer wesentlich länger anhaltenden und geruchsintensiveren Auswirkung auf „die Nachbarn“, mit einem Eimer direkt am Stellplatz entleeren. Nach ca. 120 Liter werden dann die diversen im Einsatz befindlichen Gefäße gründlich ausgespült und zum Trocknen am Wohnmobil in die Sonne gestellt. Eine malerisch installierte Eimerkette verleiht unseren Vorbereitungen auf das Abendessen neben der sich nur langsam verflüchtigenden „dicken Luft“ das nötige Ambiente.

Noch einmal sehr “zeitig” am Kanal

26°C im Schatten, 42°C auf dem Autodach. Es gibt nichts, was uns aufhalten könnte. Mit den Fahrrädern und dem Lunabmobil im Schlepp fahren wir, Lichtschutzfaktor 30 gewappnet, nach Siebeneichen an den Fähranleger. Seit 2014 „zelten“ wir in Güster, aber noch nie haben wir diese Fähre über den Elbe-Lübeck-Kanal in Bewegung, also ihrem Beförderungsauftrag erfüllend, gesehen. Ist es uns heute vergönnt? Nein. Nach gut fünf Kilometern wechselt das Frollein in ihr Lunamobil und wir fahren querfeldein über Neugüster zurück zur Freizeitwelt. – Kaffee!

Wir kennen uns seit 2014. Nein, nicht der Trecker und ich, der “Traktorist” ist´s

Eigentlich will ich nur Duschen. Auf dem Weg zum Sanitärgebäude komme ich mit einem der Gärtner ins Gespräch. Ich habe anscheinend größere Ähnlichkeit mit einem Polizisten aus dem Nachbarort, für den er mich versehentlich hält. So entwickelt sich eine längere Unterhaltung, der sich später auch ein weiterer Mitarbeiter, den ich bereits von früheren Besuchen kenne, anschließt. Worüber unterhält man sich gegen 10.00 Uhr? Ganz klar: über die bundesdeutsche Sozialgesetzgebung, über vom freiheitlich-demokratischen Weg abgekommene Staatschefs wie Trump, Putin und nicht zu vergessen, den Widersacher der parlamentarischen Demokratie in der Türkei, Herrn Recep Tayyip Erdoğan. Die Themen Minijob und Mindestlohn streifen wir nur oberflächlich und befassen uns dann noch schnell mit dem „Auftritt“ des Bundesinnenministers hinsichtlich des deutschen Asylrechts. Wir wollen unser Gespräch aber positiv gestimmt beenden und freuen uns daher über die von Frankreich gewonnene Fußballweltmeisterschaft 2018. – „Obwohl, die Kroaten hätten es mehr verdient“, meint …

“Man kann den Kanal einfach nicht voll genug bekommen!” – Besser: “Man kann vom Kanal nicht genug bekommen!”

Die „Beste von allen“ ist mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Mölln. Zu gern hätten das Frollein und ich sie begleitet, aber da sind die verschiedenen Stellplätze in der Freizeitwelt Güster, die zu vermieten sind. Nun planen wir zwar nicht, uns einen dieser Dauerstellplätze zu sichern, aber ein besserer Vorwand als ein Besuch und die Inspektion dieser Parzellen mit zum Teil sehr schönem Blick auf den Prüßsee, fiel mir in der Bredouille, mich vor dieser großartigen Fahrt entlang des Elbe-Lübeck-Kanals und eines sicherlich durch Gegenwind aufgefrischten Rückweges zu drücken, nicht ein. Nie und nimmer hat sie mir diesen Hokuspokus abkauft, aber „die Beste“ ist eine sehr geduldig-nachsichtige Beste. – Ich werde sie zu einem großen Eis in Büchen, das mit dem Auto sehr schön über die Alte Salzstraße zu erreichen ist, einladen.

Durst ist schlimmer als Heimweh

„Hallo? Was ist mit „unserer“ Eisdiele geschehen?“ – Rund herum steht nichts mehr. Die Eisdiele ist von Bauzäunen umgeben und durch OSB-Platten und Plane „verkleidet“. Starke Vierkanthölzer und Balken stützen sie und isoliert steht sie in einer Schotterwüste. „Hier entsteht eine Wohnanlage für betreutes Wohnen“ verkünden es große Buchstaben auf einer Tafel. Werden die Baumeister die Eisdiele in dieses Projekt integrieren oder haben wir hier und heute zum letzten Mal ein Eis gegessen?

Luna im Lunamobil auf Stadtrundfahrt

„Ich sehe eine Leine. Aber ist Ihr Hund auch angeleint?“ „Ja, das ist er.“ „Dann hat er aber sehr viel Auslauf.“ – Freizeitwelt Güster. 13.00 Uhr. Ein silberfarbener VW Caddy ohne „Identifizierungsmöglichkeit“ hält vor unserem Stellplatz. Eine engagierte Dame spricht mich aus diesem Auto bei heruntergelassener Scheibe herablassend an. Ich kenne sie nicht, sie stellt sich nicht vor, doch ich beantworte ihre Frage, höflich wie ich nun einmal bin. Ich fühle mich gerade wie ein den Unterricht schwänzender und vom Herrn Pastor ertappter Konfirmand. Die spätere zielorientierte Anfrage der „Besten von allen“ bei der Anmeldung der Freizeitwelt bringt Licht ins Dunkel eines zukünftig sicherlich kundenorientierteren Auftretens der MitarbeiterInnen. – Mehr möchte ich nicht berichten.

Im “Inos” in Güster

Wir lassen unsere Sommerreise 2018 durch das Wendland, die Elbtalaue und das NSG Lauenburgische Seen in „unserem“ Inos (Grieche) in Güster ausklingen. Ich trinke einen Ouzo mehr, um Lunas zu lange Leine vom Nachmittag zu verdauen und wir beschließen: „Wir kommen (trotzdem) wieder!“

“Dumme Bemerkung Vergessens Ouzo”

Wir haben auf dieser Fahrt wieder so einiges erlebt: Pech und Panne im ersten Anlauf folgten Überraschungen, neue Erkenntnisse und Erfahrungen, die oft durch sehr abwechslungsreiche und kurzweilige Unterhaltungen begleitet wurden. – Ja, und langsam ist es an der Zeit, meine kleinen Sticheleien in Richtung WohnmobilfahrerInnen zu unterlassen, denn die sind doch sehr viel angenehmer als ihnen so hin und wieder “angehängt” wird. 😉

Und deshalb sind wir so gern hier!