Archiv der Kategorie: Ein Hundeleben

Luna von der Otterbäke zu Dringenburg-Tessa.

Auf Augenhöhe

Eigentlich habe ich mir heute morgen vorgenommen, einige Fotos „in Augenhöhe“ aufzunehmen. Aber … kaum habe ich die ersten Bilder gemacht, da meldet sich das Frollein zu Wort: „Ihr sprecht doch immer davon, dass Ihr kommunalpolitisch die Bürgerinnen und Bürger „abholen“ oder „mitnehmen“ wollt. Ich weiß, damit signalisiert ihr, dass Bitten, Anträge, Beratungsergebnisse, Beschlüsse und Bilanzen transparent dargelegt, begründet und erläutert werden sollen. Doch jemand der „abgeholt“ oder „mitgenommen“ werden soll, diese Person steht doch irgendwo (herum) und wartet auf etwas. Warum? Wenn ihr von Anfang an Öffentlichkeit schafft, weiß jeder worum es geht und muss nicht abgeholt werden. Sie oder er ist von Anfang an dabei und wird euch begleiten oder sich eine Alternative suchen.“

Ich wollte Dinge in Augenhöhe mit der Kamera einfangen. Zwei, drei Aufnahmen glückten mir, dann …

Heinz Rühmann soll einmal gesagt haben: „Natürlich kann man ohne Hund leben, aber es lohnt sich nur nicht.“ Ich gebe ihm recht: „Welche „Befunde“ würde ich versäumen!“

Luna. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund

Vieles neu macht der Mai

„Wo ist eigentlich mein „Lunamobil“?“ Bernsteinfarbene Augen blicken mich fragend an. „Ich hätte es dir schon längst sagen wollen, aber habe es dann doch vergessen: Wir haben unseren Fuhrpark gesichtet, bewertet und aussortiert.“ „Das bedeutet?“ „Das Lunamobil, der stets zuverlässige Trixie®-Hundeanhänger und unsere beiden Fahrräder sind weitergezogen.“ „Was muss ich darunter verstehen?“ Die Kleine Münsterländerin schlägt einen „draufgängerischen“ Ton an.

“Wer sich nach Ruhe und Natur sehnt, sollte einen Abstecher in die „Mansholter Büsche“ unternehmen”, sagt www.wiefelstede-touristik.de

„Lass´ es mich mit den Worten Thomas von Aquins sagen: „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten.“ Also, wir haben nicht gebetet, aber stetig gearbeitet und so haben wir uns mit neuen Fahrrädern und dich mit einem neuen Lunamobil belohnt. Du wirst demnächst „cruisen“, in einem Croozer® durch die Landschaft gleiten, unsere Einkäufe wollen wir nun in einem Lastenanhänger nach Haus “croozen” und uns dabei auf einspurigen Fahrzeugen mit Elektromotoren fortbewegen. In deinem ehemaligen Lunamobil rollen bereits in der Nachbargemeinde zwei sicherlich sehr zufriedene Hunde um das Zwischenahner Meer und unsere beiden Fahrräder bringen ihre neuen Besitzer in einem unserer benachbarten Landkreise nun zuverlässig von A nach B.“

“Gleich um die Ecke” haben wir “unseren” Hörner Diek. Hier passen auch wir auf das brütende Storchenpaar auf, denn einige Mitmenschen haben es leider immer noch nicht verinnerlicht, dass Familie Adebar Ruhe braucht

„Zwei Hunde in meinem Lunamobil? Soll das heißen, ich …?“ „Nein, Luna, du bist nicht vollschlank. Wir wollten dir nur etwas Gutes tun.“ „Na. Ich bin sehr gespannt.“ Empört zieht sie von dannen.

Hier benötigen wir keine Radwanderkarte, aber die aktuelle Ausgabe ist natürlich bereits bestellt

Wer hätte gedacht, dass unser Mobilitätswechsel zu einem tierischen Problem werden könnte?

“Mein Name ist Hase, ich … habe kein E-Bike.”

Wenn Du denkst, Du denkst …

“”Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.” – Diese Worte lässt Hermann Hesse “seinen” Max Demian sprechen, aber kann ich nicht allein entscheiden, welchen Gedanken ich leben möchte?” – Luna und ich wandern durch die Mansholter Büsche. Es ist Mitte April, die Sonne scheint. Es weht ein kühler Wind durch den Forst. Dieser allerdings nicht erst seit dem das Frollein dieses Zitat aus der 1919 erstveröffentlichten Jugend- und Lebensgeschichte anspricht.

Die Mansholter Büsche: Ein historisch alter Eichen- und Hainbuchenwald mit herausragender Bedeutung für den Naturschutz

„Freundschaft und die Suche nach einer neuen Lebensphilosophie spielen in der als Jugendroman erschienenen Erzählung eine zentrale Rolle, liebe Luna. Gedanklich folge ich Dir, aber Du musst nicht jeden Deiner Gedanken leben. Ich denke, Du machst Dir zu oft zu viele Gedanken über den Sinn des Lebens. Ich finde, es ergibt nicht immer einen Sinn, stets allein nach Inhalten und Werten zu suchen. Vielfalt und Abwechslung sind reines Leben wie auch Ausprobieren und Erfahrungen.“

Mansholter Holz und Schippstroth an der Nutteler und Bokeler Bäke. Seit dem 11. August 2012 unter Naturschutz

„Ja, ich weiß, die antiken Philosophen sahen allein in der „Erlangung der Glückseligkeit durch eine gelungene Lebensführung“ den Sinn des Lebens.“ Luna ist noch ein wenig unschlüssig und auch ich gerate ins Grübeln. Nun habe ich allerdings kein Interesse, unseren heutigen langen Waldspaziergang tiefsinnig-gedankenvoll fortzusetzen.

Der Wanderweg “Wiefelsteder Kirchweg” führt durch die Mansholter Büsche

„Du? Prof. Dr. Ulrich Walter hat gesagt: „Lieben und geliebt werden”, sei der Sinn des Lebens.” Ich atme auf. „Luna, lass uns diese aus philosophischer Sicht so überraschend simple und für uns sehr elegante Antwort, hier und heute anerkennend „abnicken“.“ [Sonst sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.]

Das Gespräch in der Bewegung

“Wenn ich mich recht erinnere, dann …”, Luna setzt wieder einmal zu einem tiefgründigen Gespräch in der Bewegung an, “ist doch auch Walther von der Vogelweide einmal zu Gast im Kloster Tegernsee gewesen. Mir fällt auf, dass Du Dich in den letzten Wochen sehr viel mit der im 8. Jahrhundert gegründeten Abtei der Benediktiner befasst.” “Ja, der Roman “Sturm am Tegernsee” ist der Grund für mein Interesse an allem, was sich dort so um 1200 ereignete und wer sich hier im Hochmittelalter begegnete. Natürlich sind es auch mein Vater und seine Vorfahren, die einige Jahrhunderte später am Tegernsee lebten. Ich schließe es allerdings aus, dass meine Wurzeln in der Benediktinerabtei liegen.”

Am Hörner Diek. Auch ohne tiefgründige Gespräche (m)eine Oase

Das Frollein ist eben eine sehr aufmerksame Kleine Münsterländerin. Der Heidewachtel entgeht nichts. Ob Fasan, Wildkaninchen, Nachbars streunende Katze, ups, natürlich meine ich Nachbars “Freigängerin”, oder meine aktuelle Lektüre. Woher weiß sie, dass sich Walther von der Vogelweide 1216 im Kloster Tegernsee aufhielt. Ich habe nicht mit ihr darüber gesprochen, noch ihr einen Einblick in meine Notizen ermöglicht. Aus Erfahrung weiß ich, was mir dann blüht. – Was hat es mir genutzt?

“Der damalige Abt Berthold I. bewirtete den Lyriker allerdings sehr spartanisch: Wasser statt Wein. Darüber beklagte sich Walther später in einem Gedicht, liebe Luna.” “Das hätte ich an Walthers Stelle dem damaligen Erzbischof von Salzburg, Eberhard II. von Regensburg erzählt, der war ja wohl ohnehin nicht so gut auf den Abt und sein Kloster zu sprechen.” Woher hat sie das nun wieder? “Oder gleich dem Papst Honorius III., liebe Luna.”

Der “Teich” ist eigentlich ein Funktionsbecken der Abwasserreinigungsanlage Am Brinkacker. Aber wie hätte sich das in meinem Text gelesen?

“Und was ist das Leben ohne Wein? Denn er ist geschaffen, dass er die Menschen fröhlich machen soll.” Nun zitiert sie auch noch das Buch Jesus Sirach (Sir 31,33-34). Fast ratlos und ganz und gar nicht von meinem “Gegenschlag” überzeugt, kontere ich: “Sei kein Held beim Weinsaufen; denn der Wein bringt viele Leute um.” (Das Buch Jesus Sirach (Sir 31,30))

Ich meine, ein verschmitztes Grinsen im Gesicht des Frolleins zu entdecken. Dann macht sie sich auf, die Enten und Wildgänse am Teich zu zählen.

Mit Magellan durch Feld und Wald

„Weißt Du?“, beginnt Luna zwischen dem Dingsfelder Weg und der Gristeder Straße ein Gespräch, das, ich ahne es bereits, uns zurück in die Geschichte führen wird. „Vor fast auf den Tag 500 Jahren fand der Portugiese Fernão de Magalhães auf den Philippinen den Tod. Er war zuvor mit fünf Karavellen zur ersten Weltumseglung aufgebrochen. Nachdem er die brasilianische Küste erkundet hatte, entdeckte er noch die nach ihm benannte Wasserstraße zwischen Feuerland und dem südamerikanischen Festland.“

Es war bedeckt zwischen Kuhhorn, Eggehorst und Kollmoor. Ein wenig trüb. Daher gibt es heute schwarz/weiße Eindrücke von unserem Gang durch Feld, Wald und Flur

„Auf der Nordwestfahrt durch das damalige Mare Pacificum erreicht er die Philippinen. Und wird dort erschlagen.“ Mein historischer Konter kommt nicht von ungefähr: Vor wenigen Tagen habe ich mit einigen Kindern die Entdeckungen und Eroberungen der frühen Neuzeit besprochen. Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Amerigo Vespucci und eben der Portugiese Fernão de Magalhães (vielen unter dem Namen „Magellan“ bekannt) verweilen noch in meinem Kurzzeitgedächtnis. Also: „Vorsicht, Fräulein Luna!“

Auf der Grenze Mansholter Holz und Kuhhorn steht dieser Schuppen. Der Zahn der Zeit nagt inzwischen an ihm

„Ja, dass Juan Sebastián Elcano nach diesem tragischen Vorfall die Fahrt mit seinem Schiff westwärts fortsetzt, dabei Borneo, die Molukken und Timor berührt, später noch Afrika umfährt und schließlich mit 18 Überlebenden am 6. September 1522 wieder Spanien erreicht. Bemerkenswert!“ – Wer in aller Welt war Juan Sebastián Elcano? Ich suche den Strohhalm, an dem ich mich umgehend aus meinem “historischen Elend” schwingen kann.

Am Kuhhornsweg

„Mit dieser ersten Weltumsegelung wurde die Kugelgestalt der Erde praktisch demonstriert, liebe Luna.“ Das ist, wenn auch korrekt, doch ziemlich mager und ich bemerke Lunas verstohlen triumphierendes Grinsen um die Lefzen. Immerhin besitzt sie jetzt so viel Anstand, mich nicht vollkommen zu beschämen.

Kurz hinter der Halfsteder Bäke am Kuhhornsweg

Was habe ich während unseres heutigen Morgenspaziergangs durch Feld, Wald und Flur gelernt? Ich muss mein Kurzzeitgedächtnis trainieren und „Der große Plötz (Auszug aus der Geschichte)“ wird zukünftig einen höheren Platz in meinem Bücherregal bekommen. Gerade so hoch, dass Kleine Münsterländerinnen ihn nicht erreichen.

“Im Eggehorst, im Eggehorst ist Holzauktion.” – Nein, ist sie nicht, aber es klang so schön

„Du? Ist es nicht schade, dass die Verdichtung der gasförmigen Materie zum flüssigen Glutball und die Erstarrung der Erdkruste in erdgeschichtliche Bereiche ohne jede Dokumentation fallen?“ „Luna!“ – Sie hat tatsächlich auch die Grundlagen der Erdgeschichte im „Plötz“ gelesen.

[Es mag wohl ein wenig verwunderlich anmuten, was ich mir einfallen lasse, um einige Fotos unseres heutigen Spaziergangs zu zeigen.]

Tapetenwechsel

“Ich brauch’ Tapetenwechsel, sprach die Birke,
und macht’ sich in der Dämmerung auf den Weg.”
Hildegard Knef (1925-2002)

Blick zurück am Dortmund-Ems-Kanal. “Rechts um die Ecke” liegt Steinbild

Einen Tapetenwechsel. Ja, den brauchten auch wir und machten uns, statt in der Dämmerung, am frühen Nachmittag auf den Weg ins Emsland. In „unser“ Zweistromland. Dieses Fleckchen Erde zwischen der Ems und dem Dortmund-Ems-Kanal (D-E-Kanal). Eine vorübergehende Veränderung der gewohnten Umgebung zwischen den Feiertagen kann nicht schaden. Etwas Bewegung nach Gänsekeule und anderen „Snacks“ ist da mehr als willkommen. Und warum nun gerade ins Emsland? Weil wir hier, am Wasser der Ems, Weite und Ruhe finden und lange Gespräche führen können. Ja, das alles gibt es in unserem schönen Ammerland auch, aber …

Die ist neu! Eine Informationstafel am Wegesrand zwischen Steinbild und Düthe

Wir parken an der Kirche in Steinbild. Spätestens seit der Ortsdurchfahrt in Walchum hat das Frollein die vertraute Witterung aufgenommen und sitzt in freudiger Erwartung zwischen uns. Ihre Nase dicht vor den Lüftungsdüsen, hat sie längst die Fährten aller Hasen, jedes Fasans und nicht zu vergessen, der gesamten Entenpopulation im Umkreis von 2,753 Km aufgenommen.

“Die Wanne ist voll.” Schleusenbecken in Düthe

Mit dem 3-Uhr-Glockenschlag der St. Georg Kirche brechen wir auf. Wir laufen parallel zur Fresenburger-/Steinbilder Straße in Richtung Düther Schleuse. Luna wittert Morgenluft. Bisher engten wir sie in ihren Bewegungsdrang ein, aber nun, seitdem wir uns entlang des D-E-Kanals „in der Wildnis bewegen“, heißt es: „Leine los!“ Und als sie darf, fliegt sie „wie ein geölter Blitz“ davon.

Und wenn sich die Sonne zeigt, dann verstecken sich die winterlichen Grautöne

Groß ist die Wiedersehensfreude. Zumindest bei Luna. Die Enten brechen spontan zum gegenüberliegenden Ufer auf. Was lernen wir daraus? Enten verfügen über die Fähigkeit, ihre im Langzeitgedächtnis vorhandenen Erinnerungen abzurufen und sind auch in den Wintermonaten sportlichen Aktivitäten gegenüber nicht abgeneigt. Luna zeigt dafür Verständnis und widmet sich spontan dem Lebensraum Unterholz.

“Blaue Stunde” an der Ems. Im Hintergrund St. Georg in Steinbild

Wir sind zurück in Steinbild und „kaffeesieren“ im Auto. „5 Uhr“, sagt uns St. Georg. Es geht zurück nach Wiefelstede, aber wir kommen wieder. Spätestens im kommenden Frühjahr. Dann mit Big B. am Haken.

Auch in Sustrum scheint es viel geregnet zu haben. Vielleicht? Bestimmt!

Tierisches Philosophieren

„Wenn ich recht überlege, so ist doch „das, was mit dem Verstand nicht zu erfassen ist“ irrational, oder?“ „Ja, liebe Luna. Dinge, die wir den Gesetzen der Logik nicht unterwerfen können oder die unvernünftig sind, bezeichnen wir als „irrational“.“

Ich weiß, was nun folgt. Heute morgen fand ich in Lunas Bett ein philosophisches Wörterbuch aus dem Alfred Kröner Verlag in Stuttgart. Druck 1920. Ein etwas an- und abgegriffenes Exemplar. Kein Wunder, mit 100 Jahren auf dem Buchrücken. Sofort argwöhne ich, dass es heute zu einem nachdenklich-tiefgründigen Gespräch kommen wird.

„Und ein Gedanke, der den tatsächlichen Verhältnissen, also der „Wahrheit“, nicht entspricht oder den logischen Gesetzen widerspricht und dennoch für wahr gehalten wird, ist ein Irrtum“, folgert das Frollein. Ich täusche Nachdenklichkeit und angebliche innere Versenkung vor. In Wirklichkeit schaue ich hilfesuchend um mich. „Wo ist er, der Nietzsche, der Hegel, der Kant, der Schopenhauer, der mich aus dieser philosophischen Katastrophe führt?“ Na, klar! Bei diesem Wetter lassen sie mich allein auf dem Dingsfelder Weg und im Regen stehen. Sie tummeln sich lieber im Bücherregal in meiner „Schreibstube“.

“Ammerlandschaft”. In sich versunken über dies & das nachdenken, z.B. über “irrationale Irrtümer”

„Gibt es also einen „irrationalen Irrtum“? Ich verstehe darunter einen nicht korrigierten, der Wahrheit nicht entsprechenden Gedanken, der nicht beseitigt werden kann, da er mit dem Verstand nicht erfasst wird?“ Spontan will ich antworten: „Ja, so etwas mag in den Köpfen der amerikanischen Staatsbürger existieren, die seinerzeit Donald Trump zum  US-Präsidenten wählten.“ Ich verzichte sofort darauf, denn ich möchte Politik nicht in irgendwelche philosophischen Denkübungen aufgenommen wissen.

(Auch) Der Weg ins Dorfcafe nach Hösseringen ist zu weit …

Mir schießen zu Lunas Frage Begriffe wie das Versäumnis der Irrtumsvermeidung, der Selbsttäuschung, des Wunschdenkens und der Willensschwäche durch den Kopf. Irrtum und Täuschung lassen sich vermeiden bzw. auflösen, wenn wir sie erkennen. Aber wie verhält es sich bei der Willensschwäche, dem Wunschdenken und der Selbsttäuschung? Wie bringe ich diese Dinge zusammen? – Der Dingsfelder Weg scheint unendlich und die deutschen Denker sind weiterhin unerreichbar für mich.

“Wildkaninchen als letzte Rettung”

Ich halte auch heute Lunas Überlegung für sehr interessant, ziehe aber mangels Wissen dessen ungeachtet die Notbremse: „Liebe Luna, ich denke bei einem „irrationalen Irrtum“ haben wir es eher mit einem Pleonasmus, einem doppelt gemoppelten Begriff, wie „alter Greis“, zu tun. Obwohl, wenn ich weiter überlege, dann … Oh, sieh mal, ein Wildkaninchen!“

Ich dachte nicht nur, ich stehe (allein) im (philosopischen) Wald

Ja, ich weiß, das war feige. – „Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.“ Marie von Ebner-Eschenbach

“Astern blühen schon im Garten, …

… schwächer trifft der Sonnenstrahl”
(aus: Herbst, Detlev von Liliencron)

Unser morgendlicher Routinegang an der Ems

Seit einigen Tagen scheint die Sonne in Strömen. Nicht gerade die richtige Witterung, um die Campingsaison im Emstal ausklingen zu lassen. Auf dem Weg nach Sustrum schalten wir die beiden Außenventilatoren ein, um die plätschernden Sonnenstrahlen von der Windschutzscheibe zu wischen. Wir kommen gut voran, denn wir reisen ohne Big B. am Haken. Er steht noch an der Ems und hat die vergangenen vier Tage ohne uns hoffentlich gut verkraftet. – Er kann ja so sensibel sein.

Und wenn sich die Sonne zeigte, dann …

Eine fünf Kilometer lange und einspurig geführte Baustelle vor dem Emstunnel kann uns nicht erschrecken. Im Gegenteil: Den Abschnitt der BAB 28/31 zwischen Leer-Ost und dem Emstunnel einmal ohne Baustelle zu erleben, würde uns völlig aus der Bahn werfen. Wir kennen diese Strecke ohne Fahrbahnverengung, Geschwindigkeitsbegrenzung und Baustellenfahrzeuge gar nicht und dächten, wir hätten uns verirrt.

Wir fahren ins Emstal ein

In Walchum ergänzen wir unsere Vorräte im NP-Markt und starten durch ins Zweistromland zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal (DEK). Das Emstal schließt an diesem Wochenende seine Pforten. Wir wollen hier mit den letzten Gästen noch einmal ein paar ruhige Tage verbringen und freuen uns, dass wir Big B., der seit dem vergangenen Wochenende hier auf uns wartet, nur aufheizen müssen.

Fast völlige Ruhe, … wenn die Vögel nicht wären 🙂

Wir zupfen ein wenig am Vorzelt, richten eine Leine hier, einen Hering dort und sind angekommen. Luna versteht es nicht so recht, dass wir bei strömenden Regen nicht gleich zur großen Entdeckungsrunde aufbrechen wollen, nimmt dies aber gelassen hin, bis die letzten Tropfen auf das Dach unseres Caravans „dröppeln“. – „So, ich wäre dann soweit.“ In freudiger Erwartung steht sie an der Tür und drängt uns ins Freie.

“Maus voraus!”

Wir entscheiden uns für den Gang „Ems-DEK-Schleuse-Brinkstraße-Emstal“. Die Strecke ist sehr gut zu bewältigen, bei erneut einsetzendem Regen wären wir durch die Bäume entlang des Kanals und später der Brinkstraße geschützt und außerdem findet das Frollein hier ausreichend Gelegenheit, die Uferzone des Kanals auf neue Anlieger zu überprüfen. Ein Kormoran ist von dieser statistischen Ergebung nicht angetan und entzieht sich seiner Registrierung durch Flucht. Die Enten sehen dem Ganzen inzwischen gelassen entgegen, schwimmen in Richtung Fahrrinne und quaken. Ich meine darin ein höhnisches Gekicher zu erkennen, aber das würde ich Luna niemals verraten.

Ein neuer Kandidat “für´s Schiffe versenken”? – Der Vorgänger lag bis vor einer Stunde auf dem Grund der Ems

Das Wetter lässt es nicht zu, dass wir mit den Fahrrädern auf Tour gehen. Da muss dann eben Darth Vader, unser Zugpferd, herhalten. Wir fahren nach Dörpen, Lathen, Walchum und ein wenig in Richtung Haren/Ems. Die stetig zunehmenden Corona-Infektionsfälle lassen uns aber von einem Bad in der Menge Abstand nehmen. Nur in Lathen können wir es uns nicht verkneifen, die Eisdiele Venezia und den örtlichen Baumarkt zu besuchen. Der Heim- und Handwerkerparkplatz ist um 13.30 Uhr sehr übersichtlich besetzt. Also, hinein ins Paradies der Bastler und der, die sich für solch eine routinierte, sach- und fachgerechte Koryphäe halten. Ich gehe ja nur hinein, weil mich die vormontierten Badmöbel zur bequemen Selbstinstallation interessieren. Für eben diesen von Eigeninitiative geleiteten Einbau würde sich dann bestimmt auch in meinem Fall ein qualifizierter Handwerker finden lassen, der die Selbstinstallation für mich erledigt.

Auf dem Jüdischen Friedhof in Lathen

Die Beste von allen hat längst die Haushaltswaren im Visier, während ich noch nicht einmal die Metabo Kreis-, Kapp-, Gehrungs- und Säbelsägenabteilung erkundet habe. Geräte, die in keinem Haushalt fehlen dürfen. Angenommen, man möchte kurzentschlossen einen Steg bauen und besitzt keine Kapp- und Gehrungssäge. Ja, wie in aller Welt soll das funktionieren? Gar nicht! Zum Glück nennen wir keinen See unser Eigen, so dass sich die Frage nach einer privaten Landungsbrücke auch nicht stellt. – Ich flaniere daraufhin weiter zur Haushaltswarenabteilung. – „Oh, Flaschenöffner!“

Emstal Camping

Samstag. 16.40 Uhr. Es regnet seit 30 Minuten nicht mehr. Sollten wir tatsächlich das Vorzelt am morgigen Sonntagnachmittag trocken verpacken können? Eine tollkühne Vermutung!

In Feld, Wald und Flur an der Ems

Wir sind mit die letzten Gäste im Emstal. Die Schranke bleibt seit heute geschlossen. Auf dem ohnehin sehr ruhigen Platz breitet sich eine Stille aus, die jetzt nur durch die schnatternden Enten auf dem alten Seitenarm der Ems, dem Klopfen der Grün- und Buntspechte und den immer wieder einmal über den Platz rauschenden Wildgänsen unterbrochen wird. Eine Ringeltaube, unsere größte heimische Taube, kann dies nicht mehr erleben, denn sie wurde am frühen Morgen von einem Bussard geschlagen. Luna ist sofort zur Stelle und untersucht den „Unfallort“. Wir kommen zu der Entscheidung, dass es sich um die Taube handeln muss, die das Frollein schon gestern entdeckte und die bereits zu diesem Zeitpunkt körperlich sehr geschwächt auf uns wirkte.

Dafür lohnt sich frühes Aufstehen

Luna genießt die „freie Bahn“ im Emstal. Kaum sind wir von einem Rundgang zurück, sind ihre Pfoten gereinigt und das Frollein wieder aufgehübscht, steht sie auch schon an der Tür und scheint zu sagen: „So, genug ausgeruht. Wir können dann ja wieder aufbrechen.“ Da hilft dann nur das „Übersehen“ ihrer nun folgenden schauspielreifen Vorstellung: Anstoßen mit der Schnauze, ein wenig Quengeln, den Kopf auf das Knie gelegt und dann der schon so oft erwähnte Kleiner-Münsterländer-Elend-Leid-und-Gram-Verzweiflungs-Blick. Hilft das alles nicht, dann lässt sie sich „Rumms!“ zu Boden fallen und macht sich mitten im Wohnwagen breit. – „Das habt Ihr nun davon!“

Ein Roter Fliegenpilz (Amanita muscaria). Ebenso rot wie giftig

12.41 Uhr. Keiner weiß, woher der Himmel das Wasser nimmt, das er uns augenblicklich wieder einmal schickt. Eigentlich wollen wir längst unsere Zelte abbrechen, aber unter diesen meteorologischen Widrigkeiten fällt es uns nicht schwer, einen und gern auch mehrere Gründe zu finden, warum wir dies noch nicht machen. Ob wir nun alles nass oder triefend nass verpacken, ist vollkommen egal. Wir werden es nicht verhindern können. Aber dass wir selbst dabei auch noch „baden gehen“, wollen wir gern vermeiden.

Ein Gruß an Marlene P. “Ich weiß, Du hast ein schöneres Foto “geschossen”, aber ich arbeite daran …

Und dann ist es so weit: Der Regen setzt aus. Sogar diesem hellen Licht am Himmel, früher nannten wir es „Sonne“, gelingt es, ein wenig „Herbstzauber“ auf dem Platz zu verbreiten. Ungeachtet der nun sichtbaren intensiven Blattverfärbung an den Bäumen und Sträuchern, stürzen wir aus dem Caravan. Vorzelt, Vorzeltteppich, die Isabellas (Klappstühle), Tisch und dies & das werden gefaltet, geklappt und verstaut. Wir sind fertig! Ja, das Zubehör ist auch verpackt.

Das Emstal. – “Wir sehen uns 2021 wieder!”

„Alles hat ein Ende.“ Nein, nun folgt nicht: „nur die Wurst hat zwei“. – Die Saison 2020 ist für uns beendet, aber wir freuen uns schon heute auf den Neustart in 2021. – „Bis dahin! Man sieht sich!“

“Der Herbst …

… ist immer unsere beste Zeit.” – Johann Wolfgang von Goethe

Eigentlich wollten wir bereits am Vormittag nach Sustrum aufbrechen, aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und so stehen wir erst um 15.30 Uhr vor der Rezeption im Emstal und freuen uns, wieder einmal hier zu sein. Wir, das sind das Frollein und ich. Die Beste von allen vertritt akkurat die Interessen der Möbelbranche und hat uns für dieses Wochenende frei gegeben. Wir werden uns die Beine an der Ems vertreten.

Campingplatz Emstal • Brinkstraße 14 • 49762 Sustrum • Tel. 05939 9599860 • info@campingplatz-emstal.de

Wir erreichen unseren Stellplatz und noch ahne ich nicht, dass ich heute einen neuen Rekord im Aufbau unseres „Zeltlagers“ aufstellen werde. Das Vorzelt soll uns vor Wind und Wetter schützen. Die Markise und ihre diversen Anbauteile bleiben an diesem Wochenende arbeitslos. Ich dagegen kann mich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. 32 Kg Kampa Zeltbahn wollen in die Kederleiste eingefädelt werden. Die ersten Zentimeter sind kein Problem. Doch dann geht es in luftige Höhen. 2,60 m wollen erreicht werden. An Aufstiegsmöglichkeiten mangelt es mir nicht. Ich habe einen dafür bestens geeigneten Tritt im Gepäck. Nur, wie bringe ich 32 an meinen Armen zerrende Kilogramm in einem Rutsch in Position? Gar nicht. Also, zumindest nicht in einem Rutsch.

Die Ems

Stück für Stückchen fädele ich das Zelt in die Leiste ein. Es sind nur ca. 2,50 m, die ich bändigen muss, aber diese haben es in sich. Dann, ja dann habe ich es geschafft. Mein kontrollierender Blick sagt mir sofort: „Das war gar nichts!“ Irgendwann hat sich eine Schlaufe gebildet, die aus der Reihe tanzt, d.h. sie hat sich an der Kederleiste vorbeigemogelt. Also, das ganze noch einmal von neuem. Das komplette Vorzelt wieder aus der Führung ziehen, das angegriffene Nervenkostüm auf Neustart gesetzt und los geht´s.

Auf dem Weg von der Schleuse in Düthe

Es gelingt mir, das Kampa „aufzuhängen“. Nach einer ersten groben Ausrichtung des Zeltes geht es ans Aufpumpen. Ja, Gestänge waren gestern, heute pumpt man. Ich bin dankbar, dass ich in meinem ersten Leben als Rudersklave auf einer römischen Galeere zwangsverpflichtet gewesen sein muss. Die Pumpe und meine Muskulatur arbeiten einwandfrei, ich richte zwischendurch immer wieder einmal das Zelt aus. Zupfe hier, schiebe da und wackle dort. Und „schwups“ steht das „Luftschloss“ in seiner ganzen Pracht vor mir. – Es ist inzwischen 17.45 Uhr. Doch, wer hat mehr Zeit als ich, der Ruhestandsbeamte im 11. Ausbildungsjahr?

Es fällt ihr sehr schwer: An der Leine

Luna interessiert das alles nicht. Sie ist zu sehr damit beschäftigt, das Tunnelsystem einiger Feldmäuse hinter dem Wohnwagen freizulegen. Die kleinen Nager scheinen ihr Domizil verlassen zu haben, aber das Labyrinth muss erkundet werden. Dementsprechend sieht das Frollein aus. Mausgrau und sandig wie eine Baggerschaufel.

Auf dem Weg zur Schleuse in Düthe: Eiltank 66

Das Zelt steht, der Hund ist gereinigt und gefüttert, der Flurschaden eingeschlichtet und ich freue mich auf ein kühles Erfrischungsgetränk im Caravan. „Hallo? Wie sieht es denn hier aus!“ Nichts steht an seinem Platz. Kein Wunder, wir reisen solo und da ist nun mal nichts mit „sich ins gemachte Nest hocken“. Radio und Fernsehgerät sind schnell aufgebaut und in Betriebsbereitschaft. Doch: „Wo liegen noch einmal die Tischdecken, die Sets und …?“

An der Brinkstraße

Ich bin ein wenig geschafft und so beschränkt sich der Abendspaziergang auf eine kleine Platzrunde und den obligatorischen Kontrollgang zur Brücke an der Brinkstraße. „So viel Zeit muss sein“, meint Luna. Es herbstet an der Ems und somit tummeln sich Heerscharen von Enten auf dem Wasser. Ganz großes Kino für das Frollein. Sie entwickelt eine Zugkraft, die jedem Dieselross imponiert hätte.

Wer hat die dicksten Kartoffeln?

Wieder im Wohnwagen bin ich zu müde zum Lesen. Ich überlasse es Siegfried Lenz, mir seine masurischen Geschichten „So zärtlich war Suleyken“ zu erzählen. Irgendwann zwischen den Episoden über Hamilkar Schaß und dem schönen Alec wollen mir die Augen zufallen. Wir raffen uns auf und gehen noch einmal „für kleine Mädchen“. Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. – Schön, aber ich bin zu müde. Morgen ist auch noch eine Nacht.

Ein Nistkasten, wie ich ihn noch nie gesehen habe

Die Geschichte wiederholt sich: „Freitagmorgen. Zuverlässig macht das Frollein gegen 7.15 Uhr auf sich aufmerksam: Strecken, Fellpflege, Schütteln, ein wenig „quakiges“ Meckern, ein theatralisches Winseln, leicht überzogenes Gähnen, erneutes Kratzen mit dem Hinterlauf und wiederholtes Schütteln. Dann hat sie es wieder einmal geschafft und wir brechen zu unserem ersten „Gang durch die Gemeinde“ auf.

Mensch, was willst Du mehr?

Auf der Brinkstraße nimmt uns ein silberfarbener Kleinwagen ins Visier und mit weitaufgerissenen Augen gelingt es dem sicherlich noch schlaftrunkenen Fahrer, uns in einem wilden Manöver auszuweichen. Er winkt verlegen und ist weg. Auf dem Rückweg fragt mich eine Autofahrerin nach dem Weg. Sie will nach Steinbild. Ja, da bin ich im Bilde. Aber sie will mir nicht so recht glauben, zu sehr ist sie von ihrer „Abkürzung“ überzeugt. Ihr Navigationsgerät hat sie erst gar nicht eingeschaltet. An meiner Empfehlung zweifelnd fährt sie weiter in Richtung Fresenborg. Gut, das liegt auch an der Ems, aber eben in der anderen Richtung.

Wir haben die “Barrikade” überwunden …

13.00 Uhr. Beginn der Mittagsruhe im Emstal. Ja, eben für wenige Minuten die Augen schließen, die Augenlider auf innere Verletzungen absuchen und das verdächtige, nächtliche Geräusch aus der Matratze exakter lokalisieren. 13.20 Uhr: Strecken, Fellpflege, Schütteln, ein wenig „quakiges“ Meckern, ein gekünsteltes Winseln, leicht überzogenes Gähnen. – „Ja, Luna, wir brechen auf.“

Naturcamping

Entlang der Ems erreichen wir Steinbild, überqueren die Brücke und laufen auf der anderen Uferseite zurück zur Schleuse in Düthe. Natürlich begegnen wir der Dame vom Morgen nicht. Sie ist ja in Fresenborg.

Luna beobachtet mit größtem Interesse ein abgeerntetes Maisfeld an der Brinkstraße. Irgendetwas muss da sein. Ich sehe es nicht, aber das Frollein. Und weil es eine willkommene Abkürzung zum Campingplatz ist, laufen wir über den Acker. Laufen? Die Kleine Münsterländerin zerrt mich über den Acker. Ich lasse es geschehen. Vielleicht ermüdet sie diese Arbeit. – Wer´s glaubt, wird selig.

Ja, ganz allein aufgebaut

09.49 Uhr. Tag der Deutschen Einheit. Ein leichter Wind weht durch das Emstal, der Himmel steht komplett unter Wolken. Und es will einfach nicht hell werden. Alles grau in grau. Den Radiostationen, die ich hier empfange, ist plötzlich eingefallen, etwas zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung zu bringen. Ich will nicht sticheln, aber für mich grenzt das an einen termingebundenen schmeichelnden Pflicht-Programmpunkt. – Keine Frage: Es ist gut, dass die einstige Sowjetzone, die unter dem Einfluss der russischen Besatzungsmacht zu einem deutschen Teilstaat, der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik wurde, wieder eine Einheit mit der Bundesrepublik Deutschland bildet. Auch wenn dies nach drei Jahrzehnten manche immer noch oder bereits wieder anders sehen.

Die Sustrumer “Parkstraße”

Erst werde ich leicht angestoßen, dann legt mir das Frollein den Kopf auf das Knie. Mit ihrem unverwechselbaren und unnachahmlichen Wenn-Wir-Jetzt-Nicht-Losgehen-Sterbe-Ich-Blick, sagt sie eigentlich alles. Gut, das Vorzelt, das ich noch wind- und wetterfester machen möchte, kann warten. Kann warten? Nein, bei diesem Blick muss es warten.

“Leine los!”

Wir laufen entlang der Brinkstraße in Richtung Sustrum. Auf den Äckern ist die Kartoffelernte in vollem Gang. Es ist sehr interessant, zu beobachten, mit welcher Präzision die Maschinen über die Felder manövrieren. Technik hin, Technik her. Für Luna ist es wesentlich entscheidender, dass da ein Hund mitwirkt. Unermüdlich läuft dieser vor einem Trecker. Er weiß genau, wann es an der Zeit ist, den Rückweg anzutreten, weil die Zugmaschine demnächst wenden wird. Dieses Spiel wiederholt sich von Bahn zu Bahn, die der Traktor zurücklegt. Luna kann es nicht fassen. Auf das Doppelte ihrer Größe angewachsen, steht sie in der Leine und am Feldrand und scheint entrüstet zu fragen: „Was macht der auf meinem Territorium?“

“Nur ein Foto. Ich hab´ doch keine Zeit!”

Wir laufen weiter durch die Felder. An einem Sielgraben warten wir auf die Eisvögel, die hier eigentlich regelmäßig anzutreffen sind. Sie sind sehr kamerascheu. Ich habe sie noch nie „erwischt“: Wenn sie nicht zu weit entfernt waren, so flogen sie immer schon auf, bevor ich den Auslöser betätigen konnte. Heute ist es besonders entmutigend, denn sie sind nicht da. Und dann hat da auch noch jemand ein Tor, nein, einen Zaun, eine Barrikade, eine Schanze aufgestellt. Der Weg scheint uns verbaut. Von wegen! Gewohnheitsrecht, wir laufen hier seit sechs Jahren! So schnell könnte der „Wegelagerer“ gar nicht „Stopp!“ sagen, wie wir sein Hindernis übersteigen und respektlos umgehen.

17.21 Uhr. Wir haben inzwischen gefühlte 35 Kilometer durch das Emstal zurückgelegt: Die Brinkstraße rauf und runter, das Emsufer sowohl auf der linken, als auch der rechten Seite zwischen Sustrum und Steinbild erwandert und den Campingplatz inklusive des Seitenarms der alten Ems im Detail inspiziert. Und nun? Abwasch. Welch knappes Wort für so viel Geschirr. – Luna hat keine Zeit. Zu sehr ist sie mit Wald-, Feld- und Wühlmaus beschäftigt. Ganz zu schweigen von Graureiher, Höckerschwan und Graugans.

“13 Stockenten, 4 Blässhühner, 3 Graureiher, 2 Graugänse, eine Nilgans, ein Kormoran. Ja, alle da.”

Sonntagmorgen im Emsland: Ich habe unzählige Heringe im Boden versenkt, Sturmbänder gespannt, Schüre und Leinen gesichert: Das Vorzelt wird überleben, d.h. es wird die kommenden drei Tage ohne uns bestehen und standhaft bleiben.

Nur eine kurze Unterbrechung und dann sind wir wieder zurück. Rechtzeitig zum Saisonende im Emstal.

Auf Lüneburger Heide

Auf Lüneburger Heide,
Da steht der alte Stein,
Daneben die alte Eiche,
Sie mag wohl tausendjährig sein.
– Gottfried Keller (1819-1890)
(Auf Lüneburger Heide, 1. Strophe)

Raubkammer, Große Heide, Trauen, Lager Trauen, Faßberg und natürlich Munster, Munster Heide und einige andere klingende Namen im, am und um den Truppenübungsplatz Munster Lager lassen nicht unbedingt jedes soldatische Herz höherschlagen. Nach heute zahlenmäßig nicht mehr zu erfassenden Lehrgängen in Faßberg, Einsatz- und Verlegeübungen und weiteren Aufenthalten im grünen Dreieck zwischen den Städten Celle, Walsrode und Lüneburg, „zelten“ wir für ein langes Wochenende in Hösseringen. Südlich von Suderburg endet hier das Straßennetz. Jeder weitere Schritt bringt uns nicht in Gefahr, aber weiter in den Naturpark Südheide.

Der Hardausee bei Hösseringen am Nachmittag

Es gibt sie also, die „Wiederholungstäter“. Waren militärische Lehrgänge und Übungen nicht ausreichend, so packt man seine Siebensachen und geht ausgezeichnet Campen in der Lüneburger Heide: Camping Hardausee. Wir sind auch aus Sicht der Caravaner „Wiederholer“: Unser erster Besuch bei Familie Köllner liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Und wie es der Zufall will, ergattern wir auch jetzt den Platz in der Pappelallee, den wir im vergangenen Juli belegten. Groß ist er. Big B. (unser Fendt) mit seiner überreichlichen „Markisenlandschaft“ inkl. Sun Blocker und Darth Vader (unser Zugpferd, der Vivaro) kommen sich mit den beiden Fahrrädern und dem Lunamobil (Fahrradanhänger des „Frolleins“) nicht ins Gehege. Im Gegenteil, das Schlauchboot, das wir nicht besitzen (und auch nie werden), fände auch noch Platz.

Hardausee

Wir entscheiden uns für die Markise und lassen das Vorzelt ruhen. Der leichte, aber kühle Wind aus Richtung Südheide dagegen ruht nicht. Wir sonnenbaden zwar in 21°C, doch die kühle Brise aus Richtung Celle und Lachendorf lässt uns bald das Lachen vergehen. Aber wir stehen, mit roten Nasen und in Wolldecken verpackt, zu unserem Entschluss. Aus dem Vivaro vernehme ich ein leises Kichern: Es ist das zusammengerollte nagelneue Vorzelt. Luna findet das alles toll.

Maisernte in Hösseringen. Und von wo kommt der Traktor? Richtig, aus dem Emsland

Um uns herum weitere Hunde, die es sich nicht verkneifen wollen, ihre bellenden Kommentare zu allem und jedem, gern auch schrill und mehrstimmig, über den Platz „quieken“ zu lassen. Das Frollein bemerkt, dass wir von diesem Gekläffe in unseren Isabellas (den Klappstühlen) ein wenig genervt und inzwischen fast dem Kältetod ausgeliefert sind. Sie rettet die Situation: „Ist es nicht langsam einmal an der Zeit, den Hardausee zu umrunden? Ich denke, ich bin den Enten einen Besuch schuldig.“ Gesagt, getan.

Leichter Nebel auf dem Hardausee und bei 3°C kalte Finger …

Luna legt sich ins Zeug. Alle Muskeln angespannt, drängt sie ans Ufer, momentan nur ein bestimmtes Geräusch „fest im Blick“, entdeckt sie ihre erste „Ente“. Sie hat ihre Beute lokalisiert. Allerdings ist diese Ente eine Schwimmerin. Vor Lunas Augen noch verborgen, habe ich bereits die tizianrote Haarpracht der Badenden entdeckt. In einer extravaganten Mischung aus Brustkraulen und -schwimmen planscht die mutmaßliche Ente durch das Wasser vor einem Schilfgürtel. Ja, es klingt in der Tat wie ein flüchtend-platschender Wasservogel. Würde ich Luna nun von der Leine lassen … das will keiner erleben!

Das ist so ein Moment, der die kleinen, mitunter auch nervenden “Nebensächlichkeiten” während einer Reise sofort vergessen lässt

Im seichten Wasser einer kleinen Bucht lassen sich zahlreiche kapitale Karpfen dicht unter der Wasseroberfläche treiben. Es sind bestimmt 25 bis 30 Prachtexemplare. Am gegenüberliegenden Ufer warten im Schatten der Birken drei bis vier Angler vergeblich auf den ersten Biss. Wir könnten ihnen einen Tipp geben, aber wir sind ja keine Plaudertaschen.

Campen in der Lüneburger Heide

Gegen 7.15 Uhr brechen das Frollein und ich zu einer morgendlichen Hardausee-Runde auf. Drei Rehe kreuzen unseren Weg. Luna vernachlässigt sie, da sie zu sehr mit der Fährte eines potentiellen „wilden Tieres“ beschäftigt ist. Wir entdecken auf den Feldern den ersten Raureif und frühe 3°C „knabbern“ an meinen Fingern. Ich schaffe es trotzdem, das eine und andere Foto zu schießen. Nein, die drei Rehe habe ich nicht erwischt, die waren auch zu weit entfernt. Ich begnüge mich mit dem vom Hardausee aufsteigenden Nebel.

Die Ilmenau, linker und südlicher Nebenfluss der Elbe, bei bzw. in Uelzen

Campen unter Corona ist anders als gewohnt. In einer längeren Schlange stehen wir mit dem „Schnutenpullover“ (schleswig-holsteinisch für Mundschutz) und dem nötigen Kleingeld in der Hand vor dem kleinen Bäckerladen auf dem Campingplatz. Es ist vielen noch zu früh, viel zu früh. Mundfaul warten wir, bis wir an der Reihe sind. Wenn die wüssten, dass wir bereits vier Kilometer abgespult haben, diese Softies. (Eigentlich würde ich lieber „Weicheier“ schreiben.)

Stolpersteine vor dem Haus Brückenstraße 5 in Uelzen

Wir wollen nach Uelzen. Nein, nicht zur 200 Jahre alten Bockwindmühle Auguste, im Handwerksmuseum Suhlendorf und auch die schon 1339 urkundlich erwähnte ehemalige Wassermühle in Oetzmühle steht nicht auf unserem Programm. Der Uelzener Bahnhof soll es sein. Nicht irgendein Bahnhof. Nein, der Hundertwasser-Bahnhof. Ich war bereits 2001 einmal dort und habe ihn, dieses künstlerisch gestaltete Kleinod, in bester Erinnerung. Hätte ich ihn doch nur in dieser bewahrt! Von außen betrachtet, ahnen wir nicht, was uns im Bahnhof erwartet. Werbebanner, riesige Mülleimer, Kunststoffwannen, diese roten E2-Dinger aus der fleischverarbeitenden Industrie, Covid-19 geschuldetes weiß-rotes Trassenband und ineinander gestapelte Stühle scheinen hier die aktuelle ästhetische Installation zu sein. Friedensreich Hundertwasser hätte energisch widersprochen. Da bin ich mir sehr sicher.

Meister Bruno trifft den Nagel auf den Kopf

Tja, und wenn man erst einmal etwas findet, das Anlass zur Empörung gibt, dann gesellen sich schnell weitere Dinge dazu. Ich verzichte darauf, diese uns irritierenden Makel aufzuzählen und deute an: Uelzen scheint mit der Unterhaltung seines historischen Stadtkerns und seiner Fußgängerzone ein wenig in Verzug geraten zu sein. Über den Wochenmarkt gehen wir zu unserem Auto. Wir kommen mit einer sehr freundlichen Käseverkäuferin ins Gespräch. „Nur mal so“ probieren wir hiervon und kosten davon. Und verlassen mit zwei stattlichen Stücken Käse im Gepäck den Wochenmarkt und Uelzen.

Hundertwasser-Bahnhof-Uelzen

Von vergangenen Reisen wissen wir von der italienischen Eisdiele Dolomiti in Bad Bodenteich. Pistazieneis mit frischer hausgemachter Erdbeersoße und ein Walnussbecher mit kandierten Nüssen und einem Schuss 18%igem Likör sind die wahren Gründe unserer Fahrt. Natürlich könnte ich schreiben, dass wir die alte Ritterburg, die Wassermühle und die in der Nähe gelegene malerische Feldsteinkirche besuchen wollen, die von der bewegten Vergangenheit des Ortes zeugen, aber das wäre nicht ehrlich. Anlass zu unserer Fahrt sind in erster Linie eisige, italienische Erinnerungen und erst dann die Burg.

“Friedensreichs Bahnhof”

Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in die Gaststätte Buss auf dem Campingplatz am Hardausee. Es ist Samstagabend, es ist viel los. Wir haben Zeit und Gelegenheit unser frisch gezapftes Dithmarscher Pilsener zu trinken. Zuhause sind es meist ein Jever-, Bitburger-, Veltins- oder gern auch ein Hasseröder Pilsener, aber unterwegs in Richtung Elbe, in Schleswig-Holstein oder beim Griechen unseres Vertrauens in Güster (ja, auch in Schleswig-Holstein) muss es ein Dithmarscher Pilsener sein. Warum weiß keiner so genau, es gehört einfach dazu.

Innehalten

In abgeklärter Voraussicht bestellen wir kein üppig-aufwändiges Gericht. Der flinke Kellner ist bemüht, rastlos, aber allein und im Laufschritt hetzt er zwischen Gästen, Tresen und Küche umher, auch Koch und Küche sind im Stress, einige Gäste begehren bereits ein wenig auf. Da bestellt man etwas „Leichtes“. Also, etwas in der Küche leicht und zeitlich unkritisch zu händelndes: Die (Opel) Mantaplatte. Currywurst, Pommes und Salat. Und siehe da, ruckzuck stehen zwei beachtliche Portionen vor uns auf dem Tisch. Beflissentlich übersehen wir die verdrossenen Blicke der bereits vor uns und somit länger wartenden Gäste. Und wenn diese wüssten, dass wir für vier Dithmarscher Pilsener der Kaliber 0,3l und 0,4l und die beiden „Platten“ 22,40 Euro (ohne Trinkgeld) zahlen werden, könnte es sein, dass sie uns folgen. Nicht nur mit ihren hungrigen Blicken.

Die Burg in Bad Bodenteich

Sonntagmorgen. Zuverlässig macht das Frollein gegen 7.00 Uhr auf sich aufmerksam: Strecken, Fellpflege, Schütteln, ein wenig „quakiges“ Meckern, ein theatralisches Winseln, leicht überzogenes Gähnen, erneutes Kratzen mit dem Hinterlauf und wiederholtes Schütteln. Dann hat sie es wieder einmal geschafft und wir brechen zu unserem ersten „Gang durch die Gemeinde“ auf. Heute geht es nicht direkt an den Hardausee. Wir wählen den kleinen Umweg um das noch nicht abgeerntete Maisfeld. Zur großen Begeisterung der Kleinen Münsterländerin finden sich auch hier genug frische Spuren der einheimischen Feld-, Wald- und Wiesenbewohner. Ab und zu gestattet sie mir eine Pause, um das eine oder andere Foto zu machen. Lange stelle ich ihre Geduld allerdings nicht auf die Probe, denn beide Akkus im battery-pack der Kamera sind leer. Ein letztes Foto des im Frühnebel schlummernden Sees und „Ende der Vorstellung“. Sehr entspannt, da „vollständig spannungslos“, kehren wir um.

Der Brümmerhof im Museumsdorf Hösseringen

Wir treffen auf die Warteschlange vor dem „Kleinen Laden“ auf dem Campingplatz. Die ersten Camper versorgen sich mit Brötchen und Brot. Manche lächeln, andere nicht. Sicherlich sind letztere diejenigen, die heute abreisen. Wir bleiben noch. Wir haben ein langes Wochenende geplant und können getrost mit dem Brötchenkauf warten. Dann ist die Schlange vor dem Bäcker auch viel länger und manchmal die Kundinnen und Kunden lustiger und gesprächiger als dies im Augenblick der Fall zu sein scheint. Ja, ich verwickle die Menschen gern in ein lockeres Gespräch. Oft reicht dazu nur eine kleine scherzhafte Bemerkung. Eine oder einer „steigt immer darauf ein“. Meistens.

“Chill-Out-Zone” im Brümmerhof

Die Brötchenbestellung am Hardausee wird per zuvor vergebener Nummer abgewickelt. Und wenn man sich statt „mit der Zehn“ mit der Angabe: „Ronald Stock, Pappelallee 7, Hösseringen, Lüneburger Heide, Deutschland“ vorstellt, kann man Gelächter ernten oder aber am darauffolgenden Tag (unbeabsichtigt) auf der Campingplatzkleinerladenbrötchenbestellliste vergessen worden sein. Ein Wagnis, das ich für eine Blödelei gern in Kauf nehme. – „Wenn Du Dich nicht allzu ernst nimmst, kannst Du Dich besser wahrnehmen.“ Michael Marie Jung.

Nicht nur Schüsseln und Holzlöffel auf dem und bei Tisch. Es ging auch so

Nur die Gipfel des Blauen Berges (129 m) und des Lüß-Berges (130 m) in unserer unmittelbaren alpinen Nachbarschaft überragen die Höhe (122 m), die wir bezwingen müssen, um das Museumsdorf Hösseringen zu besuchen. Was nimmt der historisch interessierte Mensch nicht alles auf sich, um einen Einblick in die Vergangenheit zu erlangen? Zwei Einblicke genügen mir dann auch, um festzustellen, dass ich über meine späte Geburt sehr erfreut und meinen Eltern spätestens heute sehr dankbar dafür bin. Offene Feuerstellen, Hund, Katze, Maus und das liebe Vieh quasi im Wohnzimmer, das man sich mit allen Familienmitgliedern teilte. Und wenn man nicht gerade damit beschäftigt war, den Lebensunterhalt in eigener Produktion zu sichern, dann hütete man die Ziegen oder Heidschnucken und schützte die Hühnerschar vor dem unbefugten Zugriff durch Fuchs, Marder & Co. Dafür gab es kein fließendes Wasser und das „Badezimmer“ fand man des nachts und bei Wind und Wetter im Vorgarten. Nein, danke. Der historische Landtagsplatz in der Hösseringer Heide kann zur Änderung meiner Meinung auch nicht mehr beitragen.

Und wo ist der clevere Backofen mit Selbstreinigung? Wo die Keramikspüle? Wie kochten sie ohne Umluft oder Ober- / Unterhitze? – Fragen über Fragen

Gegen 15.00 Uhr kehren wir in die Pappelallee zurück. Von unseren bisherigen Nachbarn aus Winsen/Luhe haben wir uns am Vormittag verabschiedet. Jetzt steht ein funkelnagelneuer Fendt Diamant inkl. fabrikneuem Isabella Vorzelt auf der Nr. 8. Beide Nachbarn sind in die Aufbauanleitung ihres Vorzeltes vertieft. Nur ihre Nele, eine weitere sehr egoistisch-kleindenkende Schöpfung der Kategorie quiekender Hunde, „macht einen auf dicke Hose“.

“Ein Loch ist im Eimer!” Insider wissen, dass er nicht dem Medium-Terzett aus Osnabrück gehört

Die ebenfalls frisch angekommenen Nachbarn aus Ostfriesland verstehen sich mit den niederländischen Anrainern auf Anhieb so gut, dass dies niemandem in der Tannen- und Pappelallee entgehen könnte. Schön ist sie, diese grenzen- und bedenkenlose Verständigung, nicht.

Ich hätte mich hier einschließen lassen können: Dorfcafe in Hösseringen

Inzwischen studieren „die auf der acht“ in gleichem Lärmpegel wie die Ostfriesland-Holland-Connection einen Fendt-Prospekt: “Sonderausstattung Diamant-Paket. 50 Jahre Fendt-Caravan”. Dieser scheint so interessant zu sein, dass auch die Nachbarn es erfahren müssen. Dies glauben zumindest die beiden „Diamanten“. Wir sind nicht gereizt, wir sind “totally annoyed” (total genervt). Zum Glück haben wir am Abend einen Tisch beim Griechen im Nachbarort reserviert. Hier werden wir uns von der nervlichen Kraftprobe am Nachmittag erholen.

Das Lokal ist gut besucht. Keine Sorge: Wir haben reserviert. Telefonisch. Im Garten des Lokals werden wir spontan von zwei weiteren hysterisch-hitzköpfigen Schöpfungen der Gattung Hund begrüßt. Luna bewahrt die absolute Ruhe. Und ich habe eine neue Taktik entwickelt: Ich bleibe mit dem Frollein in angemessener Entfernung vor dem Tisch der unaufhaltsam bellenden Heulbojen stehen und lasse Herrchen und Frauchen die Situation bereinigen. Ich weiß, dass ihnen dies nie und nimmer gelingen wird. Und erst, wenn auch der letzte Gast erfährt, von welchem Tisch dieser charakterlose Tumult ausgeht, gehen wir weiter. Ja, das mag sehr unfair sein, aber wer seine Hündchen „eine große Schnauze“ riskieren lässt, muss damit leben können.

Es ist schön, wenn die ganze Familie Zeit und Gelegenheit findet, gemeinsam und generationenübergreifend ein Lokal aufzusuchen, sich austauschen kann und dabei einen wundervollen Abend verbringt. Viel zu selten sind diese Momente im Kreis der Lieben geworden.

Nun mag es sein, dass ich irgendwann irgendetwas versäumt oder übersehen habe: Bestimmen heute die jüngsten Familienmitglieder die Sitzordnung und das Gesprächsthema? Muss die Verwandtschaft stets alles leidenschaftlich bewundernd als „Super!“ und „Gaaanz toll!“ beurteilen, was die jüngsten Erdenbürger fortwährend und ungehindert, da durch dieses überzogene und lächerliche Lob ständig ermutigt, „vom Stapel lassen“? Muss in endlosen Diskussionen erläutert werden, warum der freundliche Ober die Micky Mouse Teller nicht vor Muttis Salat serviert hat? Obwohl der anstrengende Matt-Eagle und seine überdrehte Schwester Cinderella-Melodie, beide Vornamen sind fiktiv, doch solch einen Hunger haben! Die geistesabwesenden Eltern antworten nur mit einem müden „Ja, ja“, da sie zu sehr damit beschäftigt sind, ihre WhatsApp-Stati zu aktualisieren. Ich suche nach dem Kamerateam, das hier und heute eine Folge einer Doku-Soap aufzeichnet. Titel: „Mit Verrückten speisen“.

Ein peinlich berührter Großvater ist ganz bestimmt kein Spielverderber, da anscheinend nur er es verinnerlicht hat, dass sich die durcheinanderkrakelende Familie in einem Restaurant und nicht in einer Kindertagesstätte befindet. Aus diesem Grund mag er es ablehnen, mit den Enkelkindern um den Tisch herum Fangen zu spielen. – Unser Essen war sehr appetitlich, frisch zubereitet und reichhaltig, das Taverna-„Der Grieche“-Team um Frau Kotzagkiozes war sehr engagiert, stets freundlich und zuvorkommend. Leider blieb unsere erhoffte Erholung vom Nachmittag durch die Turbulenzen am Nachbartisch auf der Strecke.

Das Hygrometer (Anzeige >100%) hatte an diesem Morgen frei

Es kann der Eindruck entstehen, dass unser verlängerter Wochenendausflug in die Lüneburger Heide „ein Schuss in den Ofen“ war, da ich mich immer wieder einmal über das eine und andere beklage. Nein, so ist es bestimmt nicht. Natürlich haben wir bedauernswerte Erfahrungen gesammelt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse werden dazu beitragen, kommende Fahrten unter neuen Gesichts- und Schwerpunkten zu planen. Ich sehe es ähnlich wie Thomas Carlyle: “Die Erfahrung nimmt ein furchtbar hohes Schulgeld, aber sie lehrt wie sonst keiner.”- Also, auf zu neuen abenteuerlichen Fahrten!

Die Natur erobert die Uelzener Innenstadt

In der Lüneburger Heide zeigte es sich besonders: Luna, unsere Kleine Münsterländerin, der kleinste Vertreter der deutschen Vorstehhundrassen, wird auf Anhieb als solche erkannt. – Edmund Löns, der jüngere Bruder des Dichters Hermann Löns, begann zwischen 1902 und 1907 mit der Reinzucht unter dem Namen Heidewachtel.

Da spricht der Stein zur Eiche,
Als wacht’ er auf vom Traum:
“Ging nicht vorbei die Freiheit?
Wach’ auf, wach’ auf, du deutscher Baum!”
Gottfried Keller
(Auf Lüneburger Heide, 3. Strophe)