Archiv der Kategorie: Auf Achse mit dem Fluchtfahrzeug

Mit dem Wohnwagen unterwegs. Unserem ersten “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) folgte “Big Bianco (Big B.)”, ein Fendt Bianco Selection 495 SFE

“Alle Erinnerung ist Gegenwart” – Novalis

Eigentlich wären wir jetzt sehr gerne auf diesem ganz besonderen und idyllischen, in der schönen Natur des Emslandes gelegenen Campingplatz. Nur wenige Meter vom Emsufer entfernt hätten wir unsere Zelte aufgeschlagen, die kleine Badestelle besucht und am Altarm der Ems nur Augen und Ohren für das immer wieder reizvolle Naturerlebnis an der Sustrumer Brinkstraße gehabt. Eigentlich. Was hindert uns daran, in dieses Erlebnis „einzutauchen“?

12. August 2015. Zum ersten Mal im Emstal. Die griechische Nationalflagge (Handtuch) ist gehisst: “Ouzo ist gekühlt!” – “Όταν λείπει η γάτα, χωρεύουν τα ποντίκια.” (“Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf den Tischen.”)

Covid-19 (Coronavirus Disease 2019) ist schuld! – Scheinbar trat im Fischmarkt von Wuhan das Coronavirus zunächst bei Personen auf, die dort tätig waren oder sich dort als Besucher aufgehalten haben. Eine Übertragung, so glaubt man, kann dort auch über auf diesem Markt angebotene Wildtiere erfolgt sein. Und so breitete sich das Virus zunächst in China und dann auch außerhalb Chinas aus.

13. August 2015. Ein Foto am ersten Morgen (06.45 Uhr) an der Ems. Spätestens jetzt stand fest: “Wir kommen wieder!”

Die Frühlingsstimmung verleitet immer wieder Menschen dazu, die Virusgefahr zu unterschätzen. Covid-19 und die davon ausgehenden Gefahren sind im Bewusstsein Einzelner noch nicht angekommen.

2015. Angler mit “Seehund” auf der Ems

Einzelne Staatslenker hingegen überschätzen sich und ihre Machtbefugnisse und lassen befürchten, dass Covid-19-Gefahren nie in ihrem Bewusstsein ankommen werden. Nicht, dass man sie nicht informiert hätte, das Problem mag hier eine innere und ganz individuelle mentale Enge hinsichtlich ihres Geistes, Scharfsinns, Verstandes, Denkvermögens und ihrer Begabung sein.

2015. Ich hatte so eine gewisse “verklärt-romantische” Vorstellung vom Caravaning: Kein Schnickschnack, Transistorradio, Lesen. Auf keinen Fall: DVD, Internet, TV, iPhone  … naja, damals …

Und es ändert nichts an der Tatsache, dass wir, alle von gesundem Menschenverstand geprägt, unsere Caravans und Wohnmobile erst einmal stehen lassen und die Erinnerungen an vergangene „Fahrten mit dem Fluchtfahrzeug“, z.B. ins Emstal, aufleben lassen. – Apropos Menschenverstand: Wollen wir davon noch schnell ein wenig „über den großen Teich“, in Richtung des flächenmäßig größten Landes unseres Planeten und in den südlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents schicken? Dort leben, schalten und walten, ich vermeide das Wort „regieren“, Herren, „die können´s brauchen“.

2016. Freie Sicht für freie Münsterländer(innen)

„So, nun Erinnerungen aktivieren und zu Dir, mein liebes Emstal“:

2015. Einer meiner ersten Blicke von der “Brücke am Durchstich”
“Eines Tages …, mein lieber Robert!”
2016. Nach dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) kam “Big B.” (Fendt Bianco Selection). Soweit zu meinem ursprünglichen Gedanken vom “schlicht-einfachen” Campen …
Mai 2017. Gern gesehene Tiefflieger über der Ems
2017. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal gen Steinbild
2017. Es wird herbstlich im Emstal
2018. “Auf die Bäume … – Der Wald wird gefegt!”
2018. Am Dortmund-Ems-Kanal mit der Düther Schleuse im Rücken
2019. “Das Ziel der Urproduktion ist die zielgerichtete Herstellung pflanzlicher oder tierischer Erzeugnisse auf einer zu diesem Zweck bewirtschafteten Fläche.” – Ja, so sehe ich es auch
2019. Das Kompetenzzentrum an der Sustrumer Brinkstraße
2019. Luna. Ruhender “Wachhund”. Emstal: Tiefenentspannung nicht nur für Zweibeiner
2019. Wenn wir jetzt ganz still sind, hören wir den Gesang der Nachtigall

Und wenn alles kontrolliert, wohl bedacht und diszipliniert so läuft wie bisher, vielleicht stehen wir bald wieder vereint an der Ems und freuen uns, dass wir uns, hoffentlich gesund und munter, wiedersehen. – “Seid alle herzlich gegrüßt aus usA (unserem schönen Ammerland)!”

Storno

Am 20. Februar 2020 „bloggte“ ich noch, dass es in einem Monat wieder auf Achse gehen soll. Inspektions- und Wartungstermine für Big B. waren bereits in der Fendt-Werkstatt unseres Vertrauens gebucht. Dann kam Covid-19 und nun steht „der Kleine“ weiterhin hoch und trocken in seiner Scheune in usA (unserem schönen Ammerland). Und da es in dieser anstrengenden Zeit ganz sicher wichtigere Themen als das Reisen mit dem Caravan gibt, wird es wohl auch noch ein Weilchen dabei bleiben, dass wir Big B. nicht aufrüsten werden. Irgendwann wird es hoffentlich wieder losgehen: „Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.“ – Johann Wolfgang von Goethe. – Aber bis dahin gilt: „Wir bleiben zuhause. Und wir danken allen, die den Laden am Laufen halten.“ (Zitat Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV))

Ab 6,05 m (Länge) geht es los

In einem Monat

Die Uhr tickt. In etwas mehr als einem Monat geht es wieder auf Achse. Big B. hat bereits Termine: Hauptuntersuchung, Gasprüfung und Dichtigkeitsinspektion sind gebucht. – Das Vorzelt, das wir ja “eigentlich” nie haben wollten, liegt bereits beim Händler und wartet darauf abgeholt zu werden.

Und eine neue Farbgebung für Big B. haben wir auch schon in die nähere Wahl gezogen:

Wir stießen auf diesen stylischen Caravan vor zwei Jahren in der fränkischen Rhön. “Gewagtes Design”, aber ein Hingucker

Caravan Freizeit Reisen 2020

„Messe „Caravan Freizeit Reisen“ – Wo Oldenburger ihr Fernweh pflegen“, berichtete einst (2019) die Nordwest-Zeitung. Wir waren auch in diesem Jahr dort. Aktuell schlage ich folgenden Titel vor: „Messe „Caravan Freizeit Reisen 2020“ – Wo Camper & Co Einbußen erleben“. Nicht, dass es nichts zu sehen gibt, aber wo sind sie sie geblieben, die Aussteller der vergangenen Jahre? In Oldenburg fanden wir sie heute nicht mehr. Und hinter vorgehaltener Hand verriet man uns warum („Bei diesen stolzen Standgebühren!“). (Auch) Wir werden nun nach Bremen ausweichen: Caravan Bremen 2020. Eine Messe für Caravans, Reisemobile und Camping. Termin: 6. – 8. November 2020.

Mit der NWZ Card sparten wir 1 Euro/Person. Für 18 Euro (inkl. Parkgebühr) war es für uns eine Ausstellung “light” oder “lite”. Auf alle Fälle “stark caravanreduziert”

Fit für´s Winterquartier

Big B. bestand darauf, dass ich seinen Säureschutzmantel, der ihn vor Umwelteinflüssen bewahrt, auch bei der anstehenden großen Wäsche, nicht schädige. So habe ich denn in sorgfältiger Kleinarbeit die „potentia hydrogenii“, also die Konzentration der Wasserstoffionen, sehr überlegt dosiert. Ich könnte auch schreiben: „Ich achtete auf einen angemessenen ph-Wert“, aber das wäre nun doch etwas zu schmucklos in Anbetracht der ebenso unabwendbaren, wie unentrinnbaren heutigen Wasserspiele.

Das ist nur die kleine Leiter. Big B. fordert eine Mehrzweckleiter für große Höhen

Ich bot ihm das volle Programm: Die Premium-Wäsche. Vorwäsche mit Aktivschaum, Waschen und eine exklusive Hochglanztherapie. Dazu sanfte Zen Entspannungsmusik für positives Denken und zur Meditation. 😆

Ich verzichtete auf eine “Wachspflege”, denn unser Bianco ist uns groß genug.

„Keine Panik!“ – Sonic, der schnellste (blaue) Igel der Welt, neben Super Mario wohl mit einer der bekanntesten Videospielhelden, ertrinkt nicht in diesem Eimer

Nach 4,5 Stunden bekam ich Spülhände. – Es heißt zwar, dass diese in den wenigsten Fällen therapiebedürftig sind, aber zur Vorsicht zog ich eine innerliche Hopfenkur (0,33 l Hasseröder Premium Pils. “Männer wissen warum!”) in Betracht. Und siehe da: innerhalb kürzester Zeit bildeten sich die Falten an den Fingern komplett zurück!

Mit einem Schwamm zum gezielten Auftragen versehen, kam u.a. auch ein Pflegemittel aus dem Hause der MTS Group zum Einsatz

Fertig für die Winterpause. – Wenig später ging´s ab in die Scheune unseres Vertrauens.

Er hält keinen Winterschlaf, eher eine Winterruhe. Denn: Mitte März 2020 geht es wieder los

Saisonende

Ich habe Big B. angemeldet: Am kommenden Freitag wird er sein inzwischen vertrautes Winterquartier in einer der vielen kleinen Bauerschaften in der Gemeinde Wiefelstede beziehen. Noch steht er vor unserem Haus und wartet, nach bereits erfolgter gründlicher Innenreinigung, auf “die große Wäsche vor dem Winterschlaf”.

“Tausende haben ohne Liebe gelebt. Nicht einer ohne Wasser.” – Wystan Hugh Auden, englischer Schriftsteller

Und da wir einmal beim Reinigen und Aufräumen sind, wird auch die Festplatte des PCs einer “Säuberung” unterzogen. 2019 sind wieder einige tausend Aufnahmen entstanden, die nun in die unendlichen Weiten der externen Festplatte(n) abzutauchen drohen. Zwar geordnet nach Ort und Datum, aber wann schaut man sie sich noch einmal an?

Hörner Diek, Wiefelstede

Inzwischen habe ich mir die Software diverser Fotobuch-Anbieter besorgt und ein sehr helfendes Gespräch mit unserem örtlichen Fotografen geführt, der einen interessanten Fotodruck-Service anbietet. Da stellt sich die Frage: “Lasse ich drucken und greife auf die jahrzehntelang bewährten “analogen” Fotoalben zurück? Oder ziehe ich die online angebotenen “high quality photo print services” unterschiedlichster Anbieter vor?” – Wir werden diese Frage an den nun kommenden langen Winterabenden erörtern.

An der Ecke Langestraat/Van Echtenskanaal Noordzijde in Klazienaveen/NL findet man ihn … und den Emmer Vishandel

Zum heutigen Abschluss noch einige Motive, die mir in dieser Saison “vor das Objektiv liefen”:

Bevor die Saison im Emstal ausklang, noch schnell ein letzter Blick auf die Ems
Und im Frühjahr 2020 werde ich hier wieder stehen: Badestelle, Emstal
Aus dem idyllischen englischen Garten “schoss” ich auf das Schloss Jever
Das Frollein hat mal wieder etwas erspäht

Und dann bin ich doch noch in die “Tiefen der Externen” abgetaucht:

Im Juni 2015 am Ottermeer bei Wiesmoor
Im Juli 2015 mit dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) unterwegs in Butjadingen
Im Juni 2016 frühstückten wir bereits im Fendt Bianco: Big B.
Das war ein schwerer Tag: 13. Februar 2016. Abschied vom Flying Dutchman. Mit frischem TÜV in Westerstede

Der Nebel steigt, es fällt das Laub

Schenk´ ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden! (Auszug: Oktoberlied, Theodor Storm)

Big B. und Darth Vader im Emstal

Es ist unser zweites Wochenende in Folge im Emstal. Wir haben Big B. während der Woche allein an der Ems zurückgelassen. Er hat es gut verkraftet und wie wir von Familie Sandker erfahren, hat er auch nicht gejammert, dass er so ganz allein an der Ems ausharren musste. Naja, er ist ja auch schon groß und kein Angsthase. Nicht umsonst trägt er den Namen „Big B., der Unerschrockene“. – Obwohl, erleichtert durchgeatmet hat er dann doch, als wir ihn am Donnerstag wieder bezogen.

Über diese Brücke musst Du geh´n …

Für dieses Jahr ist es das letzte Wochenende im Emstal. Saisonschluss. Nicht nur hier, auch wir werden den Caravan nun bald in die Scheune unseres Vertrauens bringen und ihn dort überwintern lassen. Doch bis dahin ist es noch einige Tage hin und so können wir dem auf das Wohnwagendach prasselnden Regen noch ein wenig Gehör schenken. Und da sich auch der ausgiebige Niederschlag hin und wieder eine Pause gönnt, bleibt uns genügend Zeit, trockenen Fußes mit dem Frollein an der Ems umherzustreifen.

Die Ems um kurz nach acht

Die zahlreichen Angler am Seitenarm der Alten Ems haben inzwischen herbstliche Unterstützung durch eine sehr engagierte Jägerschaft erhalten. Hier und da fallen Schüsse und auch Luna kann ihre jagdlichen Gene weder verleugnen noch zügeln und erlebt sehr konzentriert und in waidmännisch-aufmerksamen Eifer Feld, Wald und Flur. In Anbetracht der scharf schießenden Weidmänner und -frauen allerdings kurz gehalten an der Leine.

Offensichtlich aufgegebene herrenlose Sache

Die Wetterlage gewährt uns viel Zeit zum Lesen. Wir sind gut versorgt und so kenne ich die letzten beiden Ausgaben der „Caravaning“, Europas großem Camping-Magazin, nahezu auswendig und belächle immer noch die beiden Artikel aus der ADAC-Motorwelt mit den Themen Elektro-Tretroller und Porsche Taycan, „dem ersten ernsthaften Tesla-Jäger“ (Zitat Wolfgang Rudschies).

“Tesla-Jäger?” – Na. klar, eine der zahlreichen Enten an der Ems trägt bestimmt diesen Namen …

Man darf die Umweltbilanz von E-Scootern hinterfragen, wird aber lange auf eine seriöse Antwort warten. Doch zurück zum tatsächlichen Gewinn der Elektromobilität: Porsche Taycan. In der „alltäglichen“ Variante verfügt der natürlich rennstreckentaugliche Sportwagen mit Elektroantrieb über 625 PS. Ich argwöhne, ich zweifle, mein Vertrauen in das märchenhafte Stuttgarter Verständnis für wahre Leistung und Entschlossenheit erlischt jäh. Dann wird meine Skepsis ausgeräumt: Es gibt den Porsche auch in der 761 PS Version. Gott sei Dank! Mit Big B. am Haken würden wir die Beschleunigung von 0 auf 200 Km/h in rund zehn Sekunden nicht halten können. Doch man muss auch bereit sein, Einbußen hinzunehmen. – Schließlich steckt die zur sicheren Entlastung der Umwelt und für einen durchgreifenden Klimaschutz geförderte Elektromobilentwicklung noch in den Kinderschuhen.

An der Brinkstraße

Inzwischen fahren wir seit einigen Jahren regelmäßig und gern ins Emsland. Wir kennen die Gegend um Sustrum gut. Heede, Dersum, Walchum, Steinbild, Kluse, Lathen, Haren. Wir haben diese Städte und Ortschaften längst besucht. Nur in Dörpen, vor „unserer“ Sustrumer Haustür gelegen, waren wir nur sehr vereinzelt. Eigentlich nie. Das muss sich ändern. Und so fahren wir über Kluse, Steinbild und die B 70 nach Dörpen. Hätten wir uns früher und engagierter um Dörpen gekümmert, so hätten wir nicht den weitläufigen Weg über die Bundesstraße gewählt, sondern würden die geradlinige Verbindung dorthin auch kennen. – Das hat man nun davon …

Panorama an der Badestelle

Wir stellen fest, dass Dörpen vieles bietet und das gefällt uns sehr. Da es aber augenblicklich regnet, lassen wir diese Eindrücke im Auto sitzend auf uns wirken und beschließen, demnächst öfter in die Hauptstraße zu kommen. Über die B 70 und B 401 erreichen wir Papenburg. Schon immer wollten wir einmal die dortige Fußgängerzone in Augenschein nehmen. Wir finden sofort einen Parkplatz. Kein Wunder, es regnet „gesättigt“ und an einem Freitag gegen 18.00 Uhr verspürt auch der entspannteste aller Emsländer kein Verlangen mehr, sich hier „einweichen“ zu lassen. Wir schon. Die Einkaufsmeile gehört uns. Doch wir haben wohl „das falsche Ende“ der Fußgängerzone gewählt: Ich fühle mich ein wenig wie in der Gegend eines schummerig-zweifelhaften Bahnhofsviertels.

Die Brinkstraße versteckt sich hinter diesem Feld

Diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, hält neben uns ein Kleinwagen aus den benachbarten Niederlanden. Ein Bär von einem Mann mit Wollmütze und winterlich bekleidet, steigt aus. Hinter ihm, in seinem Windschatten, huschen zwei sehr sommerlich gekleidete Damen aus dem Auto, um zwei anderen, ebenfalls sehr federleicht-luftig bedeckten Damen ihre Plätze in dem kaum auffallenden Fahrzeug zu überlassen. – Wer jetzt nicht kritisch wird, … hegt auch keinen Argwohn.

Am Ufer der Ems

Irgendwann zu Saisonbeginn fiel uns ein Prospekt des Caravan Centrums Emmen/NL in die Hände. Und da wir wissen: „Kamperen begint bij ons!“, so jedenfalls das Motto der niederländischen „Caravanserai“, machen wir uns auf den Weg dorthin. Auf heute nicht mehr entwirrbaren Wegen gelangen wir über Sustrumer Moor, Emmer-Compascuum und Emmer-Erfscheidenveen in die Navigatiestraat 7 in Emmen. Wir staunen nicht schlecht über das Angebot an Wohnwagen, ob neu oder gebraucht, und Wohnwagenvorzelten. Letztere rufen immer lauter nach uns. Eine Markise im Sommer ist ein wunderbarer Schattenspender. Im Herbst könnten wir uns ein Vorzelt als Schlupfwinkel vor einer ungünstigen Wetterlage inzwischen auch sehr gut vorstellen. Und so haben wir uns heute einmal Unico Voortenten & Combi-Luifels angeschaut. Da gibt es schon sehr interessante Typen des niederländischen Herstellers, aber wir haben auch noch verschiedene Kampa-Modelle ins Auge gefasst.

Van Echtenskanaal in Klazienaveen/NL

Nicht einmal einen Steinwurf von Emmen entfernt liegt Klazienaveen. Also, so dichte bei, dass man den Duft frisch gebrutzeltem Kibbelings selbst im luftundurchlässig gekapselten Auto wahrnimmt.

Sehen nicht nur gut aus …

„Da müssen wir hin!“ Ich finde den Weg mit verbundenen Augen. Allerdings hätte ich das vermeiden sollen, denn beinahe schiebe ich die niederländische vorfahrtberechtigte Autofahrerin mit ihrem Nissan Micra in die Fassade eines Schuhgeschäfts. Sie ist in diesem Fall nicht unbedingt so typisch niederländisch gelassen, sondern eher vom Donner gerührt! – Aber: Appetit kennt kein Erbarmen! Und Schuhe gefallen doch jeder Frau. [Anm.: „Nee, meine gedankenlose Aktion war komplett daneben.“]

Emmer Vishandel – 1a Kibbeling

Eine Familienportion Kibbeling inkl. doppelter Ration Sauce später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Da ist diese Lampe, die wir schon vor vielen Monaten sahen und dann nicht kauften. Später war sie unauffindbar, heute entdecken wir sie bei “Trends en Vloeren” wieder und nun wird sie bald im Ammerland leuchten. Und dann ist da dieser Käsestand auf dem Wochenmarkt in der Langestraat. Der Kreuzkümmelkäse schmeckt hier und wirklich nur hier, also allein hier und bei dieser Händlerin, nennen wir sie Frau Eisenga, am allerbesten. Punkt! – Nach unserem ausgedehnten Einkauf verabschiedet sie sich zu einer mehrmonatigen Kreuzfahrt mit „Mein Schiff“. Wir werden sie und ihren K³ (KreuzKümmelKäse) vermissen.

Blick über die Ems zum Sielgraben Sustrum II

Heute ist nicht mein Tag: Beim Ausparken in der Klazienaveener Van Echtenskanaal Noordzijde übersehe ich eine hinter einem Lieferwagen verborgene Radfahrerin. Plötzlich ist sie da und ich vernehme niederländische Kraftausdrücke, die ich mir nicht merken kann. Vielleicht begegne ich ihr im kommenden Jahr wieder, dann sollten wir uns dahingehend noch einmal austauschen. Auf der A31 wähle ich ungeachtet der erprobten Navi-Erkenntnisse völlig unkonzentriert die falsche Umleitungsempfehlung und fahre wieder in Richtung Niederlande. Anschließend verpasse ich die A31 Anschlussstelle Lathen und wir müssen über Dersum und Walchum zurück ins Emstal fahren. Allerdings, in Walchum findet sich die Ganseforthsche Bäckerei mit dem leckersten Apfelkuchen zwischen Leer und Rheine. Und da wir einmal hier sind … Später folgt dann noch meine vollkommen geistesabwesende „Ich-fahr´-noch-eben-Tanken-Irrfahrt“. Diese zu schildern erspare ich uns.

Keine Ente bleibt unentdeckt. Garantiert!

Sonntag. Letzter Saisontag im Emstal. Die Gäste brechen ihre Zelte ab. Campingmöbel werden zusammengeklappt, Markisen „ziehen sich zurück“, Vorzelte werden an der Luft für´s erste trockengewischt, Satellitenanlagen richten sich auf eine längere Empfangspause ein, CEE Leitungen werden eingerollt und Caravanspiegel montiert. Zwar sitzen an der Ems an diesem Morgen keine Angler, aber dennoch werden hier und da (Zelt-)Heringe eingesammelt. Viele Fahrradträger sind bereits beladen, Stützen werden eingeholt und Grauwasser- sowie Thetford Einrichtungen erleichtert und gespült. „Bewachende“ Deichselsicherungen sind entfernt und hier und da surrt bereits die erste Rangierhilfe. Nach und nach setzen sich Knaus, Adria, Hobby, Dethleffs, Fendt, Tabbert, Eriba, LMC und andere Caravans in Bewegung. Der Platz leert sich. NDR Kultur spielt schwere Musik. Das Laub fällt von den Bäumen und auch wir packen unsere Siebensachen und fahren zurück ins Ammerland.

Ja, es hat sehr oft und ausgiebig geregnet. Dies ist allerdings nicht das Ende einer Einbahnstraße, hier geht es in einen Seitenarm der Alten Ems

Es war wieder einmal eine schöne, abwechslungsreiche und besonders entspannte Saison im Zweistromland. – Und wie hieß es so treffend in einer ZDF-Kinderfilmserie der 1970er Jahre („Trickfilmzeit mit Adelheid“): „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“

Hinter den Bäumen verläuft der Dortmund-Ems-Kanal

Es gibt kein schlechtes Wetter, …

… es gibt nur ungeeignete Kleidung.

Anmeldung und Kompetenzzentrum “Emstal”

Der Herbst hat uns eingeholt. Jahrein und jahraus starten wir unsere Caravansaison mit Big B. im Zweistromland. Da liegt es natürlich auf der Hand, die Wohnwagensaison auch an der Brinkstraße in Sustrum ausklingen zu lassen.

Pilze können gar nicht fliegen!

Von vornherein wissen wir, dass es das Wetter an diesem Wochenende nicht gut mit uns meinen wird. Wir sind darauf vorbereitet und rollen durch den Emstunnel zur AS Dörpen der BAB 31. Die Weiterfahrt in Richtung Dörpen und Heede wird uns hier durch eine Baustelle verwehrt. Aber so weit und in diese Ortschaften wollen wir ja auch nicht. Also, Blinker links und dann doch vor den Barrieren der unmoralisch-unangekündigten Vollsperrung der B 401 gewendet. „Durch diese hohle Gasse muss er kommen, es führt kein anderer Weg nach Küssnacht“ (Friedrich Schiller „Wilhelm Tell“ (IV, 3)). Über Schleichwege gelangen wir ins Emstal. Vorbei am „Kannelloni“, über Neuheede-Siedlung und die Deichstraße mogeln wir uns auf die Heeder Straße.

Frau P. hat diesen Baum fotografisch viel besser getroffen als ich …

Wir versorgen uns im NP-Markt unseres Vertrauens und in der Bäckerei Ganseforth in Walchum mit allem, was Mann und Frau so brauchen und fallen an diesem Wochenende nicht auf die durch eine weitere Vollsperrung blockierte Ortsdurchfahrt in der Hauptstraße und eine damit verbundene “welträumige” Umleitungsempfehlung herein. Heute wählen wir „unsere“ Umgehung über „Hinter den Höfen“. Am letzten Wochenende landeten wir, auf die bereits erwähnte „U3“ vertrauend, geradewegs vor Amsterdam/NL, so glaubten wir es jedenfalls, bis wir endlich in einem grandiosen Bogen ans Ziel gelangten. – Ha, heute nicht mit uns!

… aber diesen “hat sie nicht”

Ja, auch in Sustrum regnet es hin und wieder. Wir sind per Wettersatellit informiert und fahren dennoch an die Brinkstraße. „Unfassbar!“, mag der eine denken. „Rätselhaft!“, mag die andere ihre Schlüsse ziehen. Wir sind nicht die einzigen, die es riskieren, ein uns an den Caravan fesselndes Wochenende zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal zu verbringen.

Ems

Wir halten es an diesen drei Tagen nicht mit Voltaire: „Mir sind alle Bücher zu lang“, sondern hoffen auf Aldous Huxley: „Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten“.

Luna. Irgendetwas findet sie immer

Die Sustrumer Wetterlage liefert uns an diesem Wochenende einen großzügigen Einblick in die Physik: Anhand des fast durchgehenden Regens können wir eindrucksvoll verfolgen, wie Wasser infolge der Schwerkraft in flüssiger Form zur Erde fällt.

Das Ehepaar M. aus S. beendet die Caravansaison. – “Tschüß!”

Irgendwann haben wir die Chance, Big B. niederschlagslos zu verlassen und die nähere Umgebung zu erkunden. Über die Brinkstraße gehen wir nach Sustrum, biegen kurz vor der Kirche in den Asselweg ab, überqueren den Sielgraben Sustrum II und schlagen uns querfeldein wieder zurück zur Brinkstraße. Zwischendurch suchen wir vor dem Regen Schutz unter den Bäumen am Wegesrand. „Ja, wir wissen es: Bei Gewitter niemals Schutz unter Bäumen suchen!“ Und auch der Spruch: „Eiche weiche, Buche suche“, ist absoluter Quatsch. Egal ob Eiche oder Buche, niemals unter einen Baum stellen.

Der Sustrumer Asselweg

Was mir aber mehr als Eichen und Buchen im Zusammenhang mit einem Gewitter zu denken gibt, ist der Sustrumer „Asselweg“. Wie kommt man auf den Gedanken, einen Weg, und sei er noch so abgelegen, „Asselweg“ zu nennen? In Anlehnung an das bis zu 0,5 cm kleine Landtier der Krebstier Ordnung? In Verehrung einer Frau mit dem kasachischen Vornamen Assel? Oder zur Erinnerung an den deutschen Politikwissenschaftler Hans-Günther Assel (1918-2002)? – Ich denke, ich werde es nie erfahren. Oder ich frage Herrn Bürgermeister Heinz-Hermann Hoppe.

Querfeldein vor Sustrum

Verwegen lassen wir Big B. im Emstal zurück und nehmen uns vor, am kommenden Donnerstag wieder im Emstal zu „zelten“. Mehr regnen als am vergangenen Wochenende kann es nicht und außerdem haben wir ausreichend Lesestoff an Bord. Und ich weiß, wo Familie Sandker ihr Boot versteckt hält. – „Lustig ist´s Matrosenleben, haltojo. Ist mit lauter Lust umgeben, haltojo. Bald nach Süden, bald nach Nord, haltojo. Treiben uns die Wellen fort, …“

Wenn sich die Feldmaus jetzt bewegt, nicht auszudenken … [Anm.: Sie hat sich nicht bewegt.]

Sustrum – da lebt die Gemeinschaft

… lautet die “headline” auf der Sustrumer HP.

Die Badestelle im Emstal

Auf dem NP-Parkplatz in Walchum treffen wir möglicherweise auf einen Verwandten des Wiefelsteder SUV-Parkplatzanarchisten, der es dank einer ausgefeilten Technik schafft, mit seinem Fahrzeug drei Parkplätze zu belegen. Hier in Walchum gelingt es dem Fahrer oder der Fahrerin einer etwas in die Jahre gekommenen E-Klasse, das Gefährt zur Hälfte auf dem Fahrstreifen vor der eigentlichen Stellfläche zu positionieren. Zum Glück bin ich einer der wenigen anerkannten Automobil- und Gespannlenker, dem es keine Schwierigkeiten bereitet, auch in dieser Situation die Nerven zu behalten und Darth Vader und Big B. in einem Zug und formvollendet zu wenden. – Ja, Sie sollten mich einmal sehen, wie ich, den Dreispitz mit der Linken haltend und auf einer Kanonenkugel reitend, durch die Lüfte sause.

Schon vor diesem wieder einmal einzigartigen Fahrmanöver hat die Beste von allen unser Fahrzeug verlassen, um in der Bäckerei Ganseforth „die Teilchen“ zum Kaffee am Nachmittag zu besorgen. Entgeht ihr in diesem Augenblick auch mein beispielhaftes Fahrmanöver, so gehen jetzt Kuchen und Kekse vor, und außerdem weiß sie, dass “Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen” hin und wieder zu leicht prahlerischen Erzählungen neigt.

Am Ufer der Badestelle

Die Bäckereifachverkäuferin in der Konditorei unseres Vertrauens beurteilt die ersten drei Wünsche der Besten von allen abschlägig. Keine Rumkugeln, keine Mandelhörnchen, für den Herrn Baron von M. kann es gar nicht „süßlich-haftend“ genug sein, und den leckeren Apfelkuchen von unserem letzten Besuch hat sie heute leider auch nicht parat. Eigentlich ein Grund für die Kundin, traurig zu sein, aber im Emsland ist manchmal manches anders: Die Dame hinter dem Tresen scheint, wie einst Timm Taler, auch ihr Lachen an den geheimnisvollen Baron de Lefuet verkauft zu haben (“Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen”. ZDF, 1979). Und auch am nächsten Morgen hat sie dieses noch nicht wiederbekommen.

Der Sielgraben Sustrum II einmal von “der anderen Seite”

Gegen Mittag rollen wir auf den Platz und wenig später kullert Big B. saft- und kraftlos vor unserem Stellplatz aus. Der Mover streikt. Mal wieder. Ein technisches Problem? Sicherlich nicht, irgendetwas hat der anerkannte Fahrzeug- und Gespannlenker vergessen. Aber was? Diese Frage wird später bei einem die Sinne anregenden Löwenbräu Oktoberfestbier gewissenhaft durchdacht werden müssen. Schon jetzt halte ich diese Aufgabe für so gravierend, dass es wohl nicht bei einem „Oktoberfest“ bleiben wird. – Zum Glück sind schnell freundliche Nachbarn zur Stelle und schieben uns in die endgültige Parkposition. „Asche über mein Haupt“.

Kartoffelackertrecker

Wieder und wieder gehe ich in Gedanken den Ladevorgang des Automatikladers durch: die Batterie wurde mit konstantem Strom der Stärke 8 Ampere geladen, die Phase der konstanten Ladespannung mit abnehmendem Ladestrom wurde beim vorgeschriebenen Wert erreicht und die maximale Ladezeit dank der Automatik nicht überschritten. Woran lag es, dass „Herr Truma-Mover“ bewegungslos blieb? Die Steigung lag nicht über 13%, Big B. wiegt weniger als 2000 Kg, das Funksignal wurde nicht unterbrochen, die Batterien der Fernbedienung sind nagelneu. Aber der 5 Hz-Signalton der Fernbedienung! Die Batterie. Aber die ist doch auch geladen. Ein weiteres Löwenbräu „sagt“ mir: „Suche das Fendt-Institut in Papenburg auf! Da wird Dir geholfen!“ Ernüchternd und bierernst werde ich diesen „hopfentlich“ guten Rat befolgen. – „Und dann stellt sich heraus, dass absolut nichts ist, dass ich nur vergessen habe, den Schalter „Dingsbums“ in die Stellung „YXZ“ zu bringen oder im Papenburger Institut finden sie nichts, alles funktioniert dort reibungslos und mir wird die goldene Pappnase mit Eichenlaub und gekreuzten Anschwenkhebeln verliehen.“ [Anmerkung: Beim Truma SR Mover werden die Antriebsmotoren vor der Inbetriebnahme mit einem Anschwenkhebel an die Fahrzeugbereifung geführt.]

U-Boot-Werft Sustrum

Samstagnachmittag. 16.28 Uhr. 43°C in der Sonne bei 13% Luftfeuchtigkeit. Familie Sandker meint es gut mit ihren Gästen und lässt vorsorglich eine leicht kühlende Brise durch das Emstal wehen. Rechtzeitig um die Mittagszeit wurden Prospekte und Fachzeitschriften über Klimaanlagen und Fünf-Sterne-Gefrierkombinationen an die Wohnmobilisten und Caravaner verteilt. Und sie werden genutzt: Im Schatten ihrer Markisen studieren viele den angebotenen coolen Lesestoff und kühlen so, fächernd-blätternd mit ihrer frostigen Lektüre die Nachbarschaft um ihre Armlehnstühle und Hängematten. Letztere finden sich zwar nicht auf dem Platz, aber ich halte es für reizvoll, diese als ein Symbol der Muße und des süßen Nichtstuns zu erwähnen.

16.41 Uhr. 44°C. Erste überhitzte Gäste strömen zusammen und tragen sich mit dem ehrenrührigen Gedanken, sich eigenmächtig-ordnungswidrig der Langnese-Eistruhe in der Rezeption zu bemächtigen. Der vermeintliche Aufstand schreckt mich auf. Ich erwache aus meinem Tagtraum, bringe die Rückenlehne des Isabellas in eine aufrechte Sitzposition und stelle fest: Ja, wir haben 44°C im Emstal und es ist an der Zeit, nach der Eistruhe zu schauen.

Kath. Kirchengemeinde St. Georg Steinbild. Kirche in Kluse

Gegen 22.00 Uhr sieht es dann ganz anders aus. Bereits seit einiger Zeit beobachten wir das Wetterleuchten am Himmel über der Ortschaft Sustrum. Hin und wieder “grummelt“ es gewittrig in der Ferne. Die Wetterlage wechselt bald in die Betriebsart „Blitz und Donner“. Und bevor der Regen einsetzt, haben wir Tische und Stühle verstaut und sind gerade damit beschäftigt, die Thule Omnistor einzuholen, da hören wir die Windhose auch schon „zähnefletschend“ über den Platz rollen. Die Streben der Markise sind inzwischen ungesichert und uns bleibt einmal mehr nur der beherzte Satz an die Stützen, um das Sonnensegel vor einem garantiert zerstörerisch wirkenden Salto mortale zu bewahren.

Da “braut” sich was zusammen

Wenig später sitzen wir hoch und trocken im Caravan. Nur der Vorzeltteppich muss die ganze Wucht des Platzregens über sich ergehen lassen. Ungerecht. Den ganzen Tag wird er mit Füßen getreten und dann auch noch so etwas.

Am Sonntagmorgen ist es bewölkt, aber das Unwetter hat sich längst verzogen. Die unglückliche Bäckereifachverkäuferin vom Freitag und Samstag hat heute frei. Die beste aller Ehefrauen wird an diesem Morgen von zwei offensichtlich sehr sorgenfreien und besonders heiteren Kolleginnen zum Brötchenkauf in der Bäckerei Ganseforth empfangen.

Kleine Vitaminbomben für die Gesundheit: Brombeeren … man muss sie allerdings mögen

Sonntagnachmittag. 16.00 Uhr. 21°C. Eine Temperaturdifferenz zum Samstag von 23°C. Ich erwische mich dabei, wie ich im Schatten sitzend, eine Jacke überziehe, aber ich erwische mich auch dabei, dass ich das Wetter thematisiere. Nun gut, wenn ich einmal dabei bin: in der vergangenen Nacht hatten wir 14°C im Wohnwagen. Natürlich könnten wir die Heizung zur dienlichen Erwärmung aktivieren, aber wenn man nicht wahrhaben will, dass es Herbst wird, dann vernachlässigt man diese zündende Idee gern noch ein wenig. Und verzichtet natürlich auch auf „pummeligere“ Federbetten.

Dortmund-Ems-Kanal. Lunas “Freischwimmerinnenbecken”

Der Sonntag vergeht wie im Fluge. Plötzlich dämmert es und ebenso heimlich wie heimtückisch versucht es der kleinere Bruder der gestrigen Windhose, unserer Markise ein Leid zuzufügen. Längst haben wir sein verwerfliches Ansinnen erkannt, alles verstaut und gesichert. Wir werden dann alles am Montag wieder neu aufstellen. Besser so, als den erstklassigen Schattenspender deformiert vom Wohnwagendach zu bergen.

Dortmund-Ems-Kanal. Das Revier einer nicht näher genannt werden wollenden Kleinen Münsterländerin

Luna wird langsam wieder die alte. Fast hat sie ihre Läufigkeit abgeschlossen. Erneut zeigt sie größtes Interesse am Sustrumer Tierreich, das seinerseits beizeiten eine erhöhte Alarmbereitschaft spüren lässt. Das Frollein setzt neue Schwerpunkte: War sie bis dato mehr an den Duftmarken ihrer Artgenossen und potentieller „Bewerber“ interessiert, so legt sie nun wieder einen besonderen Schwerpunkt auf Witterung und Fährten. Und da sind auch kleine, übermütige Fische, die ausgelassen und tollkühn im flachen Wasser ihre Kreise ziehen, nicht sicher. Nur Lunas Leine, gewissermaßen eine Rettungsleine, bewahrt die gedankenlosen Kiementräger vor dem abrupten Ende ihrer Kreisbahnen.

Natürlich drehen wir noch unsere Ems-/Dortmund-Ems-Kanal-Runde bevor wir packen und uns auf den Rückweg ins Ammerland machen. „Herr Truma-Mover“ streikt nicht mehr. Gewohnt verlässlich versieht er seine Dienste und führt Big B. spurgetreu an die Darth Vadersche Anhängerkupplung. Wir verabschieden uns von freundlichen Platznachbarn aus Kiel und Unna und natürlich von der ebenso freundlichen Familie Sandker. – Und weil´s wieder einmal so schön war: Am Donnerstag, 12.09. beginnt ein neues Sustrum-Wochenende.

Schützenfestliche Flucht – Teil 2

„Das schönste Fest der Welt“. Siegfried Lenz. NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) 1955. – Die erneute schützenfestliche Flucht aus Wiefelstede führt mich (über ein Hörspiel) auf den Landsitz des Marquis de Serpa in Spanien und lässt mich an einem monströsen Kostümfest Adeliger, Snobs und der Creme der Gesellschaft aus aller Welt teilhaben. Aber irgendwie ist es mir an diesem Nachmittag zu außerordentlich „auf der adeligen Farm“ und so brechen das Frollein und ich zu einer Runde durch das Emstal auf. Zielstrebig führt uns Luna an den Dortmund-Ems-Kanal. Hier warten schon ungeduldig einige Enten und Haubentaucher, die mit ihr um die Wette schwimmen wollen. So interpretiert es jedenfalls das Frollein.

Die Brücke am Sielgraben Sustrum II. Ich habe sie lange nicht gezeigt

Die Großwetterlage immer wieder bewertend, habe ich bisher darauf verzichtet, die „schwedischen Gardinen“ (Thule Sun- oder Rain Blocker) zu installieren. Ich entscheide mich für weder noch und wohlüberlegt-zweckdienlich für ein naturtrübes Münchner Hofbräu Sommerzwickel. Eine gute Wahl.

Der Blick in Richtung Steinbild an “der Ecke Ems/Dortmund-Ems-Kanal”

Der freitägliche Wetterbericht nimmt mir schließlich die Entscheidung ab und empfiehlt: Rain Blocker. Kaum hängen diese, da stellt sie der erste Schauer auch schon auf die Probe. Unseren Streifengang am Kanal haben wir längst absolviert und so begutachten das Frollein und ich den ersten Regenschauer sehr entspannt. Und hätte ich heute die rechte Seite der Markise abgesenkt und nicht die linke, dann würde der Regen auch nicht über den Vorzeltteppich in Richtung Wohnwagen fließen. Wir beobachten dieses Rinnsal, stellen fest, dass es uns nicht „mitreißen“ wird und denken: „Pfeif drauf!

“Kanalwasserratte”

Schon während der Fahrt nach Sustrum beschließen das Frollein und ich, dass wir unbedingt noch zu Wohnwagen Schöler nach Papenburg müssen. Wir brauchen noch diese ganz speziellen Heringe für den Vorzeltteppich, die es eben nur dort gibt. Außerdem steht hier das 2020er Modell des Fendt Bianco 515 Activ auf dem Hof. Warum die Mertinger Wohnwagenmanufaktur diesen von Anfang an allerdings als „Activ“ und nicht orthographisch entgegenkommender als „Aktiv“ oder „Active“ auf den Markt bringt, stellt mich vor eine kleinere Denksportaufgabe. Vielleicht fahre ich mal eben vorbei und frage bei den Schwaben nach, denn diese niedliche „Sitzbankverlängerung zum Füßeauflegen“ erschließt sich mir auch nicht so recht. Wobei mir der Heckbadgrundriss im 515er sehr gut gefällt.

Nach dem Schwimmwettbewerb noch ein wenig “freestyle”

Und dann ist sie plötzlich wieder da: Meine Isabella CKS (Campingklappstuhl)-Allergie. Sobald ich die Rückenlehne des Campingstuhls auch nur um wenige Grad aus der Senkrechten bewege, fallen mir die Augen zu. Meistens erwache ich erst wieder, wenn sich meine ebenfalls „eingenickten“ Unterarme kribbelnd melden. Und diese „Benachrichtigung“ kann schon einmal auf sich warten lassen! Es hilft nichts, der Kreislauf muss auf Trab gebracht werden. Und wie geht dies besser als während eines ausgedehnten Spaziergangs?

“Rechts” war nicht sonderlich begeistert von dem “linken Überholmanöver”. “Der Kampf” war längst nicht entschieden …

Wir erreichen die Brücke an der Brinkstraße. „Leinen los!“ heißt es für Luna. Und während der von mir geöffnete Karabinerhaken an ihrer Leine noch nicht einmal zurückgeschnellt ist, gibt Luna auch schon alles. Die ersten hundert Meter nehme ich ihre weiße Schwanzspitze nur als durchgezogene weiße Linie wahr. Abrupt hält sie inne, späht in die Uferböschung, setzt zum Sprung an und die anvisierte Maus hat Glück und kann ins Unterholz verschwinden. Haubentaucher & Co drücken sich in den Schilfgürtel, stoppen ihre Atmung und hoffen, dass Luna sie heute nicht zum tierischen Wettkampf auffordern wird. Ein Fasan, der draufgängerisch-vertrauenswürdig unseren Weg kreuzt, bewahrt die Wasservögel vor einem erneuten Wettschwimmen und zieht die ungeteilte Aufmerksamkeit des Frolleins auf sich. Luna startet durch und auch der Fasan nebst Freundes- und Familienkreis hebt ab. Längst ist der Verband in der Luft, aber Luna sucht das Feld vorsichtshalber noch einmal gründlich ab. So gründlich, sie kehrt nicht zurück. – Wehe, wenn sie losgelassen.

Badestelle

Zweimal suche ich die Felder und das Ufer zwischen Ems und Düther Schleuse nach ihr ab. Nichts. Ich rufe nach ihr. Nichts. Irgendwann kommt Plan B zum Einsatz: Fahrrad holen und den Such- ihrem Wirkungsbereich anpassen. 30 Minuten später erreiche ich den Campingplatz und Big B. Und wer kommt mir jetzt schwanzwedelnd, klatschnass, aber bester Stimmung entgegen? – Längst ist es viel zu spät, das Frollein für ihren Ungehorsam „auf die Pfoten zu klopfen“. Sie würde es nicht verstehen. Also betreiben wir harmonisch Körperpflege: Waschen, spülen, frottieren, Fell ausbürsten und zum Abschluss ein Münchner Hofbräu. – Einfach tierisch.

Früh am Morgen

Samstagmorgen. Mit frischen Brötchen in der Tüte und einem strahlenden Lächeln steht die beste aller Ehefrauen auf dem Platz und vor Big B. Rein zufällig ist der Frühstückstisch gedeckt, die Kaffeemaschine ist fertiggeladen und gesichert und wartet auf ihren Einsatz, die Frühstückseier haben ihre Badesachen angelegt und drängen darauf augenblicklich ins noch lauwarme Wasser zu steigen. Wenn das kein „timing“ ist? – Und bald werden wir auch ins rechte Licht gerückt werden, denn die Beste hat drei Kataloge „Leuchten 2019“, „Erlebe Licht“ und „Spannende Impulse“ im Gepäck. Wir werden sie finden, die „Leuchten des Nordens“. Obwohl, so schlecht sind die alten Grubenlampen daheim doch auch noch nicht.

Der QEK Junior ist ein Wohnwagen aus der ehemaligen DDR. Zwei weitere Modelle, der QEK Aero und der QEK 325, gehören zur Familie

„Wenn die bunten Fahnen wehen.“ Durch das Emstal geht eine leichte Brise, die Markise, Rain Blocker und Vorzelte in leichte Schwingungen versetzt. Da wir ohnehin am Sonntag aufbrechen müssen, von Wollen kann hier nicht die Rede sein, beschließen wir, unsere „Zelte abzubrechen“. Das „Gesetz der konstanten Gemeinheit“ macht an diesem späten Nachmittag nicht vor uns Halt und schlägt mit einem kräftigen „Tornado“ gerade in dem Augenblick zu, als die Markise ungesichert auf ihr Einrollen wartet. Das in diesem Augenblick dem Wüten der Natur ausgelieferte Schutzdach bläht sich auf und der „Sturm“ ist bestrebt, es über das Big B.´sche Dach geradewegs auf die andere, die vollkommen falsche Seite des Caravans, zu befördern. Nicht mit uns! In zwei Hechtsprüngen, die die legendären „Flying Dorias“ auch heute vor Neid erblassen ließen, schnellen die Beste von allen und ich zu den Beinen der Omnistor 5200, bekommen diese zu packen, werden minutenlang durch die Luft gewirbelt, kämpfen gegen die Dämonen der Windhose, gewinnen mit vereinten Kräften die Oberhand und alles ist unter Kontrolle. – So oder so täuschend ähnlich mag es sich in etwa zugetragen haben.

Dortmund-Ems-Kanal

An zwei Wochenenden sind wir „untreu“ vor der fünften Jahreszeit in Wiefelstede geflüchtet. Gut, Sonntag- und Montagabend (Wahl der Schützenliesel) werden wir vom Geräuschpegel her verkraften. Irgendwie. Und dann schlägt es noch einmal zu: Das Gesetz der konstanten Gemeinheit. Als wir mit Big B. ins beschauliche Wiefelstede rollen, marschiert der Festumzug der Wiefelsteder Schützen gemeinsam mit den befreundeten Schützenvereinen und verschiedenen Spielmannszügen durch den Ort in Richtung Schützenplatz. Und wir dürfen erst warten und dann dieser Ammerländer Attraktion folgen. – Na, wenn das keine Begrüßung ist! Oder doch der ausgleichende Gegenschlag für unsere abtrünnige Flucht?

Es gibt sie noch: Nutria im Dortmund-Ems-Kanal

Zur Erinnerung an einen sehr geschätzten Emstal Camper:

Dieter W. (25.03.1959 – 08.08.2019)