Archiv der Kategorie: Auf Achse mit dem Fluchtfahrzeug

Mit dem Wohnwagen unterwegs. Unserem ersten “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) folgte “Big Bianco (Big B.)”, ein Fendt Bianco Selection 495 SFE

Zwischen Kirschlorbeerhecken

… haben wir mit unserem Big B. noch nicht gestanden. Wo kann man diese Erfahrung besser machen als in … Na, wo wohl?

06.15 Uhr im Emstal. Noch einmal umdrehen und das lange Wochenende genießen, wäre eine Möglichkeit, den Tag zu beginnen. Die Alternative dazu bietet mir das Paar bernsteinfarbener Augen, das mich durch die Bettdecke hypnotisiert und mir unmissverständlich sagt: „Aufstehen!“

Die “Piste” der Brinkstraße zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal. Hier demonstrieren “Gladiatoren der Landstraße” hin und wieder ihr fahrerisches … Unvermögen

Schlaftrunken taumele ich dem Frollein hinterher. An diesem noch jungen und ebenso frischen Morgen fällt es mir schwer, „die Spur zu halten“, denn Luna treibt es, mich im Schlepptau, an die Ems. Klar, wohin sonst? Schließlich ist es ja auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her, dass wir hier waren. – Es sind mindestens zwei Wochen vergangen.

„Na, seid ihr auch alle da?“ – Ich habe keine Chance. Am Ende der Leine stolpere ich hinter der suchenden und „begrüßungsfreudigen“ Kleinen Münsterländerin durch das Emstal. Der Mäusebussard dreht seine Runden, die Stockenten stoben aus der Uferböschung, ein Grünspecht verspottet mich mit seinem lachenden Gesang, die Nutria taucht im Seitenarm der Ems ab und scheint sich so ihre Gedanken über dieses zügellose Duo zu machen. Ich glaube, ein niederträchtig-höhnisches Gelächter aus ihrer Richtung zu vernehmen.

Nicht seltsam, aber sehr kühl im Nebel zu wandern

An der Badestelle erwarten uns zwei Austernfischern. Sie scheinen meine Fotos der Teichmuscheln, die ich bei unserem letzten Besuch machte, im Internet gefunden zu haben. Drei Nilgänse zählen ebenso zu den Neuankömmlingen im Zweistromland zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal.

Inzwischen bin ich wach und habe souverän die Führung übernommen. Wir nähern und der Schleuse in Düthe und kehren zurück zum Emstal Camping. Auf der Brinkstraße kommt uns gegen 07.00 Uhr die „Quotenraserin“ entgegen. Mit ihrem kleinen italienischen 500er Matchbox-Auto schlägt sie in allerletzter Sekunde einen Haken um das Frollein und mich und saust in Richtung Fresenburg davon. Sicherlich ist sie Lehrerin oder Kindergärtnerin und wird am heutigen Morgen ihren Schützlingen die Gefahren des Straßenverkehrs anhand ausgewählter Fallbeispiele darlegen. Es wird ein anschaulicher Unterricht werden. – Eines Tages wird sie in ihrem mediterranen Schuhkarton vor meinem Auto stehen. Ich werde nichts sagen, mir nichts anmerken lassen, aber dann: „Zack!“, werde ich das Gebläse des „Rüsselsheimers“ auf Maximum aufdrehen! Oder die Scheinwerferwaschanlage auf „Fluten“ einstellen! – „Sie wird schon sehen, was ihr das heutige Manöver eingebracht hat!“

Und das war am Freitag nur der Anfang

Es mag die Allergietablette gewesen sein, die ich einnahm und die mich den ganzen Tag in den Isabella (Campingstuhl im „Original Danish Design“) zwang. Kaum saß ich, schlief ich. Und träumte von Nutrias, Enten, weißen Fiat 500 und, wie seltsam, von einer Scheinwerferwaschanlage in deren Fluten Kleinwagen davongerissen wurden, um schließlich darin zu versinken.

19.00 Uhr. Die beste aller Ehefrauen steht vor uns. Auch sie hat Wochenende. Wir Grillen. Dabei trinken wir Jever Pilsener. Friesisch-herb, alkoholfrei und auch nicht. Wer nun welches Jever trinkt, wird nicht verraten. Und es gibt Rispentomaten: Ein Geschenk der freundlichen Platznachbarin. – Na, das is(s)t doch was, oder?

Immer wieder ein anderes Bild bietet sich an der Ems / dem Dortmund-Ems-Kanal

06.30 Uhr. Luna hat ausgeschlafen und meldet sich zu Wort. Sie muss nicht müssen. Weder noch. Bei diesem morgentlichen Ritual geht es ihr rein und allein um die „Runde an der Ems“. – Und ich habe wieder das große Los gezogen!

Es ist noch etwas kühler als am gestrigen Morgen. Deshalb habe ich auch heute die Jacke im Big B. gelassen. Eigenes Verschulden. In der aufgehenden Sonne lässt es sich ganz gut aushalten, aber wenn wir in eines der kleinen Nebelfelder am Dortmund-Ems-Kanal geraten, dann heißt es: „Schritt aufnehmen!“ Und sehen, dass wir durch die „Kaltfront“ kommen.

Am Sustrumer Sielgraben

Seit wir am Freitag die Thule Sun Blocker an der Markise aufgezogen haben, fragen immer wieder Interessierte nach, wo es die denn wohl gäbe. Komisch, wir fahren seit zwei Jahren mit den „Vorhängen“, die wir auch als Rain Blocker „im Sortiment“ haben, durch die Gegend und treffen immer wieder auf Nicht-Eingeweihte. Erste Gedanken an eine mobile Thule Rain-/Sun Blocker Vertriebsstelle kommen mir in den Sinn. Und schnell verfliegen diese wieder. Ich bin doch nicht der „König von Thule“. So, nun konnte ich diese Wortspielerei auch an die LeserInnen bringen. Aber ich will noch kurz bei der Sache bleiben: die Sunblocker scheinen gefragt zu sein. Inzwischen kosten sie beim Campingausstatter Fritz B. und einem niederländischen Vrijetijdsmarkt in Winterswijk je nach Ausführung und Modell zwischen 77,00 und 177,00 Euro. Uih, da haben wir ja noch einmal Glück gehabt! – Obwohl … wir brauchen noch ein Seitenteil, das inzwischen 139,00 Euro kostet.

05.45 Uhr. „Nein, Luna!“ 07.30 Uhr. „Ok, wir ziehen los.“ Diesmal mit wärmender Jacke, aber aus Rücksichtnahme auf die Nachbarn will ich die Autotür nicht “knallen” und marschiere in Latschen und natürlich ohne Socken mit dem Frollein in Richtung Sustrumer Sielgraben. Die “dicken Botten” bleiben im Auto. Auf der Brücke an der Brinkstraße begegnet uns das erste und einzige Auto an diesem Morgen. Schrittempo und ein freundlicher Gruß. Der Fahrer scheint mit der verwegenen Fiatpilotin vom Vortag weder verwandt, noch verschwägert zu sein.

Nicht über sieben, sondern nur über eine Brücke musst Du gehen …

Ohne Socken und in „Crocs“ läuft es sich auf der Brinkstraße und dem landwirtschaftlichen Weg zum Sielgaben um kurz nach ½ 8 noch relativ gut. Dies ändert sich dann blitzartig im fast kniehohen Gras entlang des Grabens in Richtung Ems. Innerhalb weniger Minuten spüre ich meine Zehen nicht mehr, die Durchblutung meiner Waden scheint wenig später aussetzen zu wollen und nach einer Viertelstunde erwarte ich die ersten erfrorenen Extremitäten. Doch so weit soll es dann nicht kommen: Luna hat sich für eine der vielen Fährten (Hase?) entschieden und schleift mich in leichter Seitenlage mehr hängend als liegend mitsamt meiner durch die Bodenwellen beständig in die Höhe geschleuderten Kamera durch das feuchte Gras. Auch eine Art, wach zu werden! Es gelingen mir dennoch zwei lohnende Schnappschüsse des meine Schleifspur kreuzenden Rehwildes.

Die Entschädigung für “tiefgekühlte” Füße

Während die beste aller Ehefrauen ein Modehaus in Lathen aufsucht, nutze ich die Gelegenheit, um im Baufachmarkt Schlichter nach dem Rechten zu sehen: Ja, es ist alles in Ordnung. Die Regale sind gut gefüllt, das Sortiment groß und wie gewohnt, qualitativ hochwertig. Eisenwaren, Elektromaschinen, Werkzeuge und Gartengeräte warten aufgereiht in Reih´ und Glied auf ihre neuen Meister. Die Zeit vergeht im Nu und ich mache mich auf den Weg zurück zur Kirchstraße, um die „Beste von allen“ abzuholen. Meine Kleidung: Bergstiefel (heute: outdoor Schuhe), bestens geeignet für Expeditionen bis über 8000 m, extreme Hochtouren in kombiniertem Gelände und anspruchsvolle Westalpentouren sowie die kurze Arbeitshose (heute: e.s. active shorts) mit Sicherheitstasche, Hammerschlaufe, Zollstocktaschen, Stiftefächern und Pattentaschen mit Klettverschluss scheinen nicht ganz dem Chic eines modebewussten Kunden des Hauses zu entsprechen. Ich werde (wirklich!) sehr freundlich begrüßt, aber doch mit gewissem Argwohn betrachtet. – Warum nur?

Natur pur! – Wir haben sie einmal mehr und ohne vorherige Verabredung im Emstal erlebt. Dabei nette Menschen kennengelernt, an dieser Stelle: „Viele Grüße an den unteren Niederrhein!“ und freuen uns nun auf die nächste Fahrt „mit Sack und Pack“ ins emsländische Zweistromland.

Osterausflug 2018

Ostern 2018. Unser offizieller Saisonstart. Wir fahren nach Schleswig-Holstein. Wir haben reserviert. Rechtzeitig und telefonisch. Das „Zugpferd“ war zur Inspektion in der Werkstatt unseres Vertrauens. Big B. ist erfolgreich hauptuntersucht, auf Dichtigkeit inspiziert und auch seine Gasanlage wurde auf Herz und Nieren geprüft.

Wir heben ab: Saisonstart 2018

Die Außentemperatur konzentriert sich auf und um den Gefrierpunkt und beabsichtigt auch nicht, diese Region in absehbarer Zukunft zu verlassen. So deute ich das nicht unbedingt sanft rüttelnde „Nebengeräusch“, das uns seit unserer Abfahrt vor fünf Minuten begleitet, als „frostige Materialunbeweglichkeit“ des Caravans. – Eine eiskalte Fehleinschätzung.

Ostern 2018 begann ein wenig “verfremdet”

Technischer Halt an der nächsten Bushaltestelle: Ich habe das Bugrad vergessen! Nachlässig festgesetzt nimmt es immer wieder Bodenkontakt auf und läuft dabei selbstverständlich heiß. Es erhitzt sich über und angesichts meiner Achtlosigkeit so stark, dass sich die Nabe auflöst und sich das „Innenleben“ des Rades in seine Bestandteile zerlegt. – „Wie kann man nur?“, schüttelt der erfahrene Camper sofort und ungläubig sein weises Haupt. „Ja?“, das überlege auch ich und versuche diese vorwurfsvolle Anfrage kleinlaut mit: „Hier siegte die Vorfreude auf die erste große Ausfahrt über die Sorgfalt“, zu beantworten.

Hernia umbilicalis. “Nabelbruch”

Schnell haben wir einen „Plan B“ parat und lassen uns durch das nahezu dahingeschmolzene Bugrad nicht aufhalten. Dafür sorgt schon bald ein unfallbedingter Stau auf der A1 bei Stuhr. „Von drei auf zwei auf eins.“ Es wird immer enger auf der BAB und die Zeit, sie rennt im Sauseschritt. Um 13.00 Uhr ist Mittagsruhe am Elbe-Lübeck-Kanal. Es sieht so aus, dass wir bis 15.00 Uhr warten werden müssen, um auf den Platz zu kommen. In Hamburg-Stillhorn wird diese Befürchtung wegen „Überfüllung“ der BAB immer wahrscheinlicher und auf der A24 bei Schwarzenbek/Grande im zähfließenden Verkehr zur besiegelten Tatsache.

“Immer mit der Ruhe!” – Diese beiden hatten sie weg

Mein vollkommen unsinniger Fluchtversuch von der A24 an der Anschlussstelle (AS) 6 endet „in the middle of nowhere“. Nach einem abenteuerlichen Wendemanöver an und um die Kirche in Möhnsen, stellen wir uns an eben dieser AS 6 wieder hinten an, ergeben uns in unser bevorstehendes Schicksal und stehen weit mehr als eine halbe Stunde zu spät in Güster vor der vorübergehend verschlossenen Schranke zur Freizeitwelt.

Es ging Ostern zwar nicht um die Wurst, aber …

Widrige Umstände „überzeugen“ uns dann davon, unsere Pläne für Schleswig-Holstein um 14.17 Uhr zu verwerfen. „Nicht für immer, wir kommen wieder!“ – Dies ist dann aber der Moment, da „Plan C“ ins Spiel kommt. Er lautet: „Emstal!“

Fiete, acht Monate, sehr niedlich und aus dem Norden Nordrhein-Westfalens

Nach knapp 10 Stunden Fahrt, Stau, stockendem Verkehr, der Prozession durch vier Bundesländer (Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein), 578 Kilometern und einem für 1,46 €/L Diesel „Volltanken, bitte!“ auf der A28 an der Tankstelle/Raststätte Hasbruch, stehen wir um 18.45 Uhr in Sustrum auf dem CP Emstal. Wir bekommen einen „so-wie-du-reinfährst-kannst-du-auch-wieder-rausfahren-Platz“ für unseren „flügellahmen“ Big B. und Herr Sandker weiß Rat und hat Rad. Ein Bugrad, das er uns freundlicherweise ausleiht. Schnell sind alle Verkehrsstörungen dieses Karfreitags vergessen.

“Unser” Kompetenzzentrum an der Brinkstraße

Über Düthe und Fresenburg fahren wir nach Lathen. Mir ist kein Weg zu weit, wenn es darum geht, der besten aller Ehefrauen eine all-in-one Lösung für die Kontaktlinsen zu besorgen. In Lathen angekommen, entscheiden wir, der vorösterlich stark belasteten Verkehrssituation gehorchend, dass „die Beste“ ihre all-in-one-Flüssigkeit, unvermittelt und mühelos aus dem Auto gleitend, persönlich, also unter vier Augen, beim Optiker erwirbt und mir die äußerst heikle Parkplatzsuche überlässt. – „Welch´ Glückes Geschick!“ Der örtliche Baumarkt Schlichter liegt rein zufällig „um die Ecke“ in der Bahnhofstraße 14-18. Nur er verfügt über gebührende Gelegenheiten, ein Fahrzeug korrekt, gefahrlos und geschützt abzustellen.

Auf und an der Ems ist irgendwie immer etwas los. Die Isabel legt sich in die Kurve

Viel zu früh findet mich meine Gemahlin in der Werkzeugabteilung der GmbH & Co. KG. Gerade vergleiche ich das reichhaltige Angebot an Akku- und Schlagschraubern, Bohrmaschinen und Winkelschleifern, die mir ein verantwortungsbewusster Verkaufsrepräsentant, der meine handwerklichen Fertigkeiten kennt, niemals aus freien Stücken und unbeaufsichtigt an die Hand geben würde. Ich habe Mühe, den so lange und schmerzlich vermissten 1000 Kg Scherenwagenheber und das unbedingt benötigte Universalschmierfett sowie die neue, Ton in Ton gehaltene Kehrgarnitur „Profi“ mit der Rechten zu halten. Da steht die beste Ehefrau unvermittelt neben mir. Sie lacht. Sicherlich freut sie sich über die neue all-in-one-Lösung. Oder war es dann doch die befreiende Freude und ersehnte Errettung durch den entsetzt-fassungslos herbeirennenden Angestellten des Schlichter Baumarktes, der sein Werkzeugsortiment vor mir schützen will?

Wenn früh am Morgen …

Zurück im Emstal werden die Kontaktlinsen gepflegt und „neu eingelegt“. Das alte Kontaktlinsenbehältnis wird in einen dieser großen, grauen Container entsorgt und fortan nimmt ein neues Modell seinen Platz im Big B. ein. Ostersonntag 10.45 Uhr. Ein nicht näher genannt werden wollender Camper taucht in die Restmüllcontainer an der Brinkstraße ab. Hin und wieder zieht er sich am „Beckenrand“ hoch, schnappt nach Luft, um dann wieder in einer Woge aus weißen Mülltüten zu verschwinden. Warum? Er sucht nach Kontaktlinsen, die die beste aller Ehefrauen versehentlich mit dem ausrangierten alten Behälter dem Recycling zugeführt hat. Betroffen bis irritiert blickenden Gästen erklärt dieser Tauchsportler mit gesenktem Kopf und dabei eine Hand vor seine Augen haltend, er wolle sein Taschengeld durch die Suche nach Pfandflaschen aufbessern. – Nur Herr Sandker und ich kennen diesen „Wassersportler“ persönlich.

Es gibt da diese gewisse Stunde an der Ems …

Sobald wir nach dem Aufwachen auch nur zwei Worte wechseln, steht das Frollein vor unserem Bett und macht sich, falls wir sie ignorieren, durch ein leises, aber nachdrücklich-unmissverständliches Knurren bemerkbar. Übersetzt heißt dies: „Auf geht´s! Der frühe Münsterländer fängt den Wurm!“ Da Luna immer noch nicht die Uhr lesen kann, ist es ihr auch relativ einerlei, welche Stunde der Sustrumer Big Ben geschlagen hat. Hauptsache es geht los. – Und zwar sofort.

Noch so eine “blaue Stunde”

Bei sportlichen -0,8°C finde ich uns am Ufer der Ems wieder. Noch hängt der Rauch des bereits vor zwei Tagen erloschenen Osterfeuers uns entgegenkommend in der Luft. Beleidigt, fast erniedrigt, trabt das Frollein neben mir. Wir schreiben den 2. April. Brut- und Setzzeit: Leinenpflicht in Feld, Wald und Flur bis zum 15. Juli. Nur die Ruhe, wir werden eine vertretbare und gelöst-erträgliche Leine-los-Lösung finden. Und schon bietet sich die erste Gelegenheit: ein Stockente scheint sich drei, vier Meter vom Ufer entfernt, gleichsam des Lebens überdrüssig, ertränken zu wollen. „Luna, voraus zur Rettung!“ Kometengleich prescht das Frollein voran und kann die Ente in letzter Sekunde von ihrem Versuch, freiwillig aus dem Leben scheiden zu wollen, abbringen. Erleichtert und dankbar quäkend hebt diese ab und fliegt davon.

Kein Foto vermag es, diese “gewisse Stimmung” 1:1 wiederzugeben

Als wir uns der Stelle nähern, an der wir vor weinigen Tagen auf drei Nutrias stießen, ist Luna längst wieder an der Leine. Nutrias „sind nicht ohne“, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob das Frollein es nicht doch mit den drei Musketieren aufnehmen würde.

“Angeln: stundenlang geduldig an einem Fleck lauern, bis man nichts gefangen hat.” (unbekannt)

Vor dem in der Mittagsruhe einsetzenden leichten ostermontäglichen Regen haben wir bereits unsere Siebensachen gepackt und verstaut. Die beste aller Ehefrauen fahndet noch gemeinsam mit der Hauptkommissarin Kathrin Klaasen nach dem „Ostfriesenkiller“ (Anm. ein Kriminalroman des Autors Klaus-Peter Wolf), Luna liegt unter „ihrem“ Tisch und lässt den letzten Ems-Spaziergang dieser Reise noch einmal Revue passieren und ich hypnotisiere durch die Scheibe des Backofens den dort garenden original bayrischen Leberkäse. Sie sind lese- und abenteuerhungrig. Ich mal wieder ausgehungert.

“Schon wieder ein Ente in Lebensgefahr?”

Inzwischen ist das „überhitzte“ Bugrad gegen die freundliche Leihgabe ausgetauscht. Ich habe es tatsächlich ohne größere Flurschäden anzurichten und Blessuren an Leib und Seele geschafft! In der kommenden Woche werde ich ein neues, höchstwahrscheinlich thermostabiles, Rad besorgen und dann in einem euphorischen Freudentaumel feststellen: „Das Emstal ruft! Die rollende Leihgabe muss zurückgegeben werden!“ – Ich habe auch schon einen sehr interessanten Reiseweg ins Auge gefasst: Wiefelstede-Hildesheim-Amsterdam-Papenburg-Sustrum. Schließlich gilt es die österlichen 578 Kilometer zu übertreffen. – Keine Sorge! Ich schaff´ das!

Auch sie brauchten keinen Termin mit der Natur zu vereinbaren

Saisonstart 2018

Dichtigkeitsinspektion, Gasprüfung und Hauptuntersuchung erfolgreich bestanden! – Drei gute Gründe, Big B. nach diesem “Prüfungsstress” zu belohnen.

Campingplatz Emstal. Die ersten naturverbundenen Gäste ließen zum Saisonstart nicht lange auf sich warten

Und so fahren er und ich “allein zu zweit” ins Emsland und lassen im Zweistromland zwischen Dortmund-Ems-Kanal und der Ems die Seele(n) baumeln.

Für den “Freisitz” unter der Markise war es noch zu “schattig”, aber das wird sich ändern

“Die linden Lüfte sind erwacht, sie säuseln und wehen Tag und Nacht, sie schaffen an allen Enden.” – Ludwig Uhland (“Frühlingsglaube”).

Ems und Dortmund-Ems-Kanal begegnen sich in Sustrum

In Sustrum säuseln diese linden Lüfte bei bis zu 2°C über das Land. Auch der sonntägliche Wechsel auf die “befohlene” Sommerzeit hat vorläufig keinen positiven Einfluss auf die sanft wehenden Frühlingslüfte.

Fischer Fritzes Fischerboot?

Doch was kümmern uns Temperaturen und Windverhältnisse: wir sind wieder “auf Achse”. – Allein das ist es, was zählt.

Da! Der Beweis! Justin Biber war hier. – Denkste ….

Früh am Morgen lege ich mich einmal mehr auf die Lauer und hoffe auf ein Treffen mit “Justin Biber”. Erste frische Indizien lassen mich auf eine Begegnung hoffen.

Eine Nutria auf Patrouille

Ich entdecke eine Stellvertreterin am Ufer der Ems und freue mich über dieses Zusammentreffen.

… und beim Frühstück

Na, wenn es in dieser Saison fotografisch so weiter geht, bin ich (durch das) objektiv gesehen, mehr als zufrieden.

Winterruhe der Natur

Ich schreibe lieber “Winterruhe”, als einmal mehr von Frost zu sprechen. Dennoch lässt sich nicht verhehlen, dass es heute morgen mit -1,6 °C recht “prickelnd” am Hörner Diek war.

Eine der drei “aufgeständerten Konstruktionen” (Brücken) im Bereich des Hörner Dieks

Ostwind. Nicht der Wind auf dem Saturnmond Titan, sondern ein aus östlichen Richtungen kommenden Wind, sorgte heute für einen dementsprechenden “wind chill factor”, den Luna und ich bereits vor unserem Start in den Morgen, mit der fast jedem geläufigen Gleichung Twc = 13.12 + 0.6215 · T – 11.37 · Vw0.16 + 0.3965 · T · Vw0.16 berechnet hatten.  – Kurz: es war ar … ktisch kalt.

Grenzenlos optimistisch haben wir bereits Big B. aus dem Winterschlaf geweckt und sind immer noch so positiv gestimmt, am kommenden Wochenende aufzubrechen. Wohin? Na, da lassen wir uns einmal überraschen!

“Er” bestand darauf, dass wir die Heizung einschalten. 18°C haben wir ihm gewährt

Winterpause

Big B. hält Winterschlaf. Heute haben wir ihn mal wieder besucht. Er hat uns nicht bemerkt oder sich einfach nur schlafend gestellt. Ich denke, er fühlt sich wohl in “seiner” Scheune und der Wagenburg aus Hobbys, LMCs, Tabberts, Fendts und Hymer. – Gut, soll er auch, aber nur noch wenige Wochen!

“Ohne Winter wäre der Frühling nur halb so schön.” – Walter Ludin, Schweizer Journalist, Redakteur, Aphoristiker und Buchautor, Mitglied des franziskanischen Ordens der Kapuziner

Saisonausklang an der Alten Ems

Um es mit den Worten der Touristikbranche zu sagen: „Wir sind primäre Tagesausflügler.“ Also, Besucher, die von ihrem (in unserem Fall dem Emsland nahen) Wohnort im Rahmen ihrer Freizeit einen Kurzaufenthalt an der Ems verbringen.

Die “Durchstichbrücke” an der Sustrumer Brinkstraße

„Emsland – Ein Stück näher zur Natur.“ Der Slogan trifft auf uns, die Ammerländer Primärtagesausflügler, zwar nicht so ganz zu, da wir in usA (unserem schönen Ammerland) hinsichtlich der landschaftsbezogenen Anziehungsfaktoren wie „Klima/saubere Luft“ sowie „ländliche Atmosphäre/Ruhe“ ebenfalls aus dem Vollen schöpfen können. Doch trotzdem sind wir immer wieder gern in Sustrum, Walchum, Dersum, Lathen, Dörpen und umzu.

Big B. ohne “Hemd”. Der aufkommende “stürmische Grischa” ließ uns vorsorglich die Markise nebst “Zubehör” einholen

Von der gesamten Lauflänge der Ems fließen ca 150 Km durch das Emsland. Uns genügen die ca. 4 Kilometer an der Brinkstraße bei Sustrum, um immer wieder neue Eindrücke und Erholung zu finden. Und damit liegt es auf der Hand, dass wir den Caravan-Saisonabschluss 2017 auch hier „veranstalten“.

“Transparentes” Ahornblatt

Im Anschluss einige “Beweisfotos”:

Lange habe ich auf ihn gewartet. Endlich tat er mir den Gefallen …
Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, kühler weht der Wind
Hier wird der Mais gedroschen und wandert nicht in die Biogasanlage
Immer öfter in Deutschland zu finden: Silberreiher
“Einbahnstraßenfutterhaus” – Ja, es ist eine gemeine Bezeichnung
Niemals werde ich verraten, dass dies die Badestelle des CP Emstal ist
Fast alle sind gegangen, nur die hartnäckigen Ammerländer finden noch nicht nach Hause
Emstal – Echt scha(r)f
Saisonende an der Alten Ems. 2017
Wie gewohnt hat das “Frollein” alles im Blick
Saisonende. – “Der Letzte macht das Licht aus!”

“Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder. Keine Frage!”

Herbst im Zweistromland

Bis Oktober findet man den Flockenstieligen Hexenröhrling in Laub- und Nadelwäldern. Roh sehr giftig, ist er als Speisepilz ebenso schmackhaft. Auch der Maronenröhrling, der sogar bis in den November auf sauren Böden, dann besonders gern unter Fichten und Kiefern, in Nadelwäldern anzutreffen ist, ist, wie der Steinpilz, sehr schmackhaft. Allein diese beiden Röhrenpilze lassen mich in die selbige schauen, sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, sie unterscheiden und andere im Verborgenen lebende Vertreter dieser ein Fadengeflecht bildenden „Waldpflanzen“ erkennen zu müssen.

Sonnenaufgang an der Sustrumer Brinkstraße

Und doch zieht es mich in den herbstlichen Wald. Den Anblick von Röhren- und Lamellenpilz schätzend, hoffe ich dabei jedoch mehr auf Begegnungen mit Hase, Reh und, mit etwas Glück, dem tag- und nachtaktiven Wildschwein. Aber, ich habe nur selten „Schwein gehabt“.

Das Emstal in der Morgensonne

Wieder einmal auf Fotosafari an der Ems lasse ich, angesichts einer erfolglosen Pirsch, Pilz Pils sein und fotografiere „einfach nur“.

Das Frollein patrouilliert an der Ems
Die Entdeckung der Gelassenheit
CP Emstal
Oktober. Wer keine Pilze sucht, geht fischen

Mal eben “überwaschen”

Es ist an der Zeit, die Grundfarbe unseres Big B. wieder sichtbar zu machen. Dafür wird er mal eben übergewaschen: von 11.00 Uhr bis 15:45 Uhr.

Allein der “Versuchsaufbau” erforderte einige Zeit

Von unseren letzten Reisen brachten wir “den Staub der Landstraße” und von unserem letzten Aufenthalt an der Ems unzählige blinde Passagiere mit ins Ammerland: Coccinellidae. Nein, hier handelt es sich nicht um gesundheitsschädigende Keime, es sind Marienkäfer. Nicht zwei, drei oder gar vier Dutzend, nein, Drei-, Vier-, Fünfhundert dieser halbkugeligen und flugfähigen Käfer, haben es sich in Ecken, Winkeln und Fugen, unter Kästen, hinter der Markise und dem Reserverad bequem gemacht. Immer wenn ich glaube, nun habe ich alle befreit, kriechen erneut weitere gepunktete Käfer aus irgendwelchen Schlupflöchern. Ein Reigen ohne Ende! Es gelingt mir, ihren Rädelsführer ausfindig zu machen. Ich überede ihn, seine Bande zu einem Ausflug in die benachbarte Wiese zu führen.

15:45 Uhr. “Ich habe fertig!”

Irgendwann heißt es dann endlich: “Wasser marsch!” Die fröhlichen Wasserspiele nehmen ihren Lauf. Ich weiß nicht mehr, wie viele Spülgänge ich benötigte, aber schließlich strahlen Big B. und ich.  – Eigentlich wäre es nun an der Zeit für einen “Ausritt”. Doch wohin? Nach Sustrum? Warum nicht? – Dienstag geht´s los!

“Klappe zu, Affe tot.”

Zusammen sind wir Sustrum

Inhaltlich verändern wir ein wenig das Motto des langen Wochenendes der deutschen Einheit, das eigentlich unter dem Thema “Zusammen sind wir Deutschland” steht und nutzen auch den uns durch diesen Feiertag bescherten Brückentag, um einmal wieder im Emstal vorbeizuschauen. Im Gedenken an das Hambacher Fest, der Wiege der deutschen Demokratie, fassen wir gemeinsam mit Frauke und Reinhart und in demokratischer Wahl den Entschluss, den Campingplatz Emstal zu besuchen.

Big B. im Emstal

Das “Recht auf Freizügigkeit” (Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) nutzen an diesem Wochenende nicht nur wir. Auch andere Camper zieht es an die Ems bei Sustrum. Und so haben wir viele unauffällige Zuschauer als wir bei strömenden Sonnenschein, Pessimisten würden diese Wetterlage als ergiebigen Regenschauer bezeichnen, Big B. in Stellung bringen.

Frühmorgendlicher Blick in Richtung Steinbild
Die Badestelle an der Ems im allerersten Sonnenlicht

Vom Wasser durchnässt, die Schuhe überflutet, stehen wir endlich unter den 11,5 m² unserer Omnistor 5200 und lauschen den rauschenden Fluten, die sich vergeblich bemühen, aus der Markise einen Wassersack zu formen. Weit gefehlt! Längst haben wir den Thule Tension Rafter G2 installiert. Keine Chance für böse Überraschungen.

Ein Pilz geht noch ….

Während die beste aller Ehefrauen bereits den Kaffee gekocht hat, schwimme ich noch einmal um das Gespann, überzeuge mich von der Qualität unserer Arbeit, freue mich, dass wir heute den Admiralitätsanker, der auch als Stockanker geläufig ist, dabei haben  und weise den beiden sich auf den Campingplatz verirrten Binnenschiffern mitsamt ihrer Frachtschiffe den Weg zurück ins Fahrwasser des Dortmund-Ems-Kanals.

Luna auf der Spur des “Justin Biber”. Eines Tages …
“Hier ist er auch gewesen!”

Und dann zeigt sie sich doch: die Sonne, das Zentrum unseres Sonnensystems. Von der an ihrer Oberfläche bis zu 5700° Celsius herrschenden Temperatur, schickt sie einige °C ins Emstal.

Das Dream Ship in der “Brandung” der Gräser

Jetzt beginnt sie, unsere wie immer viel zu kurze Erholungsphase im Zweistromland an der Brinkstraße. Plötzlich rollen wir schon wieder auf der A31 in Richtung Emstunnel. – Die Saison ist noch nicht beendet. Wir kommen wieder!

Kein Emstalaufenthalt ohne eine Aufnahme vom Sielgraben Sustrum II
Kein Emstalaufenthalt ohne zwei Aufnahmen vom Sielgraben Sustrum II … 🙂

80 m³/sek

80.000 Liter Ems fließen pro Sekunde unter der Brücke an der Sustrumer Brinkstraße hindurch. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich hier so gern bin.

Wenn ich groß bin, dann bin ich ein erwachsener Haubentaucher
“Mach´ schnell ein Foto!” – Einmal keine Angler an der Brücke
Prototyp eines U-Boot-Cabriolets
Unterwegs auf der Ems zwischen Düther Schleuse und Steinbild

Die Ruhe täuscht. Die Ems fließt schneller als gedacht.

Dortmund-Ems-Kanal