Archiv der Kategorie: Auf Achse mit dem Fluchtfahrzeug

Mit dem Wohnwagen unterwegs. Unserem ersten “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) folgte “Big Bianco (Big B.)”, ein Fendt Bianco Selection 495 SFE

De Pingsttour

„To Pingsten, ach wie scheun“ ist wohl eines der bekanntesten Lieder des „St. Paulianer Jungen“ Heinrich „Hein“ Köllisch (1857-1901). Seinem 1894 eröffneten Lokal, einem „Pläseerlokol“, wie man es damals nannte und das er auf dem Hamburger Spielbudenplatz betrieb, gab er den Namen „Köllisch´s Universum“. Nun habe ich Hein natürlich nie persönlich kennengelernt, aber mein Großvater kannte alle seine Lieder: „„De Pingsttour“ von Heinrich Köllisch“. So kündigte er stets diesen plattdeutschen „Schlager“ an, wenn er ihn zu den verschiedensten Anlässen spontan vortrug. Er, Jahrgang 1898, kannte alle Köllischen Lieder auswendig. – „To Pingsten, ach wie scheun, wenn de Natur so greun, un all´ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!“

Ems. Sielgraben Sustrum II. Meine gefühlte 1001. Aufnahme  an dieser Stelle

Es liegt auf der Hand, dass mir dieses Lied zu Pfingsten immer wieder in den Sinn kommt. Ich höre meinen Opa singen, erinnere dabei sein verschmitztes Lächeln, wenn die besungene Pfingsttour auf Grund einer plötzlich einsetzenden, sehr ungünstigen Wetterlage so gründlich ins Wasser fällt und denke: „Dat is een wohre Freid!“

Eine Sumpf-Schwertlilie, auch Wasserlilie genannt

Eine wahre Freude ist es auch, wieder einmal im Emstal zu sein, im neuen, diesmal 100%ig aufgebauten Kampa-Vorzelt zu sitzen und während mich Luna „bewacht“, sie hat ihren Kopf auf meine Füße gelegt, diese Zeilen zu schreiben. Die Sonne strahlt am Himmel, die Gäste auf dem Campingplatz eifern mit ihr um die Wette und gleich werden wir gemeinsam mit der „Besten von allen“ zu einem Gang entlang der Ems aufbrechen. – „Mensch , was willst Du mehr?“

Ein Blick aus einem Seitenarm der Ems

„Es gehört sich nicht bei manchen Dingen zu sehr ins Detail zu gehen. Doch ich erlaube mir eine Ausnahme: Duschen“, schrieb ich vor einigen Tagen. Und nur ein letztes Mal will ich lästern: Heute morgen traf ich den Terminator. Er muss es gewesen sein! Gleich nebenan, eine Duschkabine weiter, pflegte er seinen Astralkörper unter den aus den Düsen eines angsterfüllten „El Gordos“ heraussprudelnden Fluten. Ich habe den Terminator nicht gesehen. Keiner könnte so maskulin duschen wie er: Rumms! Die Tür wird erbarmungslos in die Schlösser gezwungen. Peng! Die Duschutensilien, sicherlich Scheuerpulver in gröbster Körnung, eine Stahlbürste und weitere kosmetische Arbeitsgeräte, wie Topfreiniger und Stahlwolle, die nicht fehlen dürfen, werden männlich abgelegt. „Wasser marsch!“ Eine bis dato sehr höflich schaffende Armatur verliert all ihr Selbstbewusstsein und steht dem Terminator unterwürfig zu Diensten. Zum Abschluss lässt es sich „Arnie“ nicht nehmen, noch einmal so richtig „tiefgründig sein Näschen zu schnauben“ und … – Hier gebieten meine Manieren einer weiteren Schilderung Einhalt. Der Terminator. Er muss es gewesen sein.

Kirche in Steinbild. St. Georg

Europas großes Camping-Magazin testet und vergleicht in seiner diesjährigen Mai-Ausgabe Campingstühle. Da mich permanente Tests von Plug-in-Hybrid SUV, der heutige „mit der Kraft der drei Herzen“ (Benziner, Front-E-Motor und Heck-E-Motor) nun so gar nicht interessieren, suche ich nach unseren Isabellas. Auf Seite 41 finde ich „Loke“. „Ein hochwertiger Stuhl mit kleinem Schönheitsfehler: große Schraube sichtbar“ (Zitat Caravaning). Ja, das geht ja nun gar nicht! Dieser Stuhl ist durch eine sichtbare große Schraube missgestaltet! Und er knirscht beim Aufbau! Schnellstens klappe ich die „Verlierer“ zusammen, verstaue sie vor ihrer nun unwiderruflichen Entsorgung im verborgensten Winkel des Caravans und hoffe, dass niemand unseren bestürzenden Fehlkauf entdeckt. Seitdem stehen wir im Vorzelt. – Brauche ich solche Tests? „Nein.“

Die MS Springer. Sie “stand schon in der Zeitung”: Westfälische Nachrichten, 2012. “Zwangspause im Eis: Kanäle frieren zu – Schiffe liegen fest”

Komisch. Immer wenn wir unsere Runde Emstal-Steinbild-Düthe-Emstal drehen, treffen wir Georg um 11.55 Uhr. Ich spreche in Rätseln. Die Kirche in Steinbild ist die St. Georg Kirche. Ihre Turmuhr zeigt tatsächlich jedes Mal „fünf Minuten vor Zwölf“, wenn wir die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal überqueren. Nein, die Uhr steht nicht. Es ist reiner Zufall. Oder himmlische Fügung?
Siegfried Lenz war ein großer Schriftsteller. Seine Romane und Erzählungen begeisterten mich bereits als Schüler und nehmen heute ca. 1,50 m in meinem Bücherregal ein. Als stets „blanker“ Gymnasiast konnte ich mir diese Bücher zu einem Stückpreis von damals 30-35 Deutsche Mark aus dem Hoffmann und Campe Verlag nicht leisten. „Es gab sie seinerzeit auch als dtv-Taschenbuchausgaben!“ Ja, gab es. Aber Siegfried Lenz wurde und wird von mir nicht im „Maßstab H0“ gelesen. Hoffmann und Campe muss es schon sein.

Ein Seitenarm der Ems

Nach und nach habe ich heute fast alle Lenzschen Werke erworben. Dazu zählt auch das 2015 in 1. Auflage erschienene Buch „Gespräche unter Freunden“, das mir „die Beste von allen“ schenkte. Siegfried Lenz im Gespräch mit Schriftstellern, Literaturkritikern, Journalisten und Freunden. Ich bin heute davon überzeugt, dass Manfred Durzak, der sich 1976 mit Siegfried Lenz unterhielt, dabei eine ganz bestimmte, sich selbst inszenierende Rolle einnehmen wollte und werde, auch wenn es mir schwer fällt, dieses Gespräch von Anfang bis Ende aushalten und lesen, aber ich freue mich jetzt schon umso mehr auf die Unterhaltung mit Loki Schmidt aus dem Jahr 2008. Titel: „Eine Freundschaft“.

Der DEK (Dortmund-Ems-Kanal) bei Steinbild

Auch wenn meiner Klasse und mir keiner unserer Deutschlehrer bis zum Abschlussjahr 1977 Siegfried Lenz im Unterricht tiefgreifender vorstellte, so erinnere ich mich unwillkürlich an meine Deutschlehrerin Frau Gisela B. (1939-2014). Sie unterrichtete nicht nur das Fach Deutsch, sie war auch eine Künstlerin. Eine „richtige Künstlerin“: Geistreich, bildend, aufgeschlossen, kreativ, ideenreich, aufbauend. Mit ihr besuchten wir Kunstausstellungen. Und sie war es, die uns die Bertold Brecht Parabeln um „Herrn Keuner“ vorstellte. In einem ihrer Unterrichte hielt ich ein Referat über „meinen“ Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz. Zeitvorgabe: 20 Minuten. Ich brauchte die ganze 45minütige Unterrichtsstunde und die große, die heilige Pause von 20 Minuten. Niemand verließ den Klassenraum und trotz meiner eindeutigen Zeitüberschreitung stand Frau B., ihrer Unterrichtsstunde beraubt, auf und spendete mir Beifall. – Das hat nun nichts mit Camping, Caravan und „auf Achse sein“ zu tun, ist aber eine sehr schöne Erinnerung an meine Schulzeit und, ich gestehe, auch heute noch Balsam für meine Seele.

Kein Biber, aber eine Biberratte (Nutria)

Viele oder besser alle (weiblichen) Stechmücken scheinen den „BLV Tier- und Pflanzenführer für unterwegs“ nicht zu kennen. „Sie stechen vor allem in der Dämmerung und bei trübem, schwülwarmen Wetter“, heißt es dort auf Seite 326. Gut, vielleicht ist Culex pipiens (die Stechmücke) in ihrer Lektüre noch nicht so weit vorangeschritten oder sie kann doch nicht lesen. Auf alle Fälle spende ich der stechenden Damenliga dieser Zweiflügler bei meinen Streifzügen durch den Wald bei jeder Wetterlage und unter allen Lichtverhältnissen stets ausreichend „Säugerblut“. Auch das Frollein ist nicht begeistert. Unsere gefiederten Freunde bräuchten eigentlich nur mit geöffnetem Schnabel vor uns herfliegen und schon hätten sie Proviant für die nächsten zwei Tage gesammelt. Doch typisch, wenn man sie braucht, betreiben sie gerade Gefiederpflege oder singen von ihrer Warte.

Haubentaucher mit Jungem im Kielwasser

Wir verbergen uns in einer Wolke aus Stechmücken und warten am alten Seitenarm der Ems auf das, was da kommt. Auf der gegenüberliegenden Uferseite kontrolliert ein Trupp Stockenten die „Baumhöhlen“ unter den leicht über dem Wasser schwingenden Zweigen der Silberweiden. Diese sollen bis zu 200 Jahre alt werden. Na, ich bin darauf gespannt, sollte ich so um das Jahr 2200 noch einmal ins Emstal kommen, wie sie sich bis dahin entwickelt haben.

Luna hat den Kormoran längst im Visier

Wir werden belohnt. Ein Paar Haubentaucher macht das, was es so gut beherrscht: Es taucht 10 m vor uns auf. Obwohl wir uns mitten in der Brut- und Setzzeit befinden, führen sie keine Jungen. Heute beschäftigen sie sich mehr damit, nach kleinen Fischen und Krebsen im seichten Wasser der Ems zu suchen. Es ist schwer, sie mit der Kamera zu erwischen. Ich kniee auf den scharfkantigen Planken eines alten Bootsanlegers und stütze mich an einer „ehrwürdigen“ Bohle ab, um die Fotos nicht zu verwackeln. Der Steg kippelt und ich bin mir augenblicklich darüber im Klaren, dass ich sehr schnell den beiden Haubentauchern folgen könnte.

Navigationsgerät ohne GPS für die AHK

Luna interessiert sich nicht die Bohne für die beiden Wasservögel. Das ist sehr ungewöhnlich, denn meistens ist sie in solchen Situationen nicht zu halten. Vielmehr richtet sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Strauchwerk zu unserer Rechten. Nein, es ist nicht der Biber, dem ich schon seit Jahren auf der Spur bin. Es ist eine Biberratte, eine Nutria, die sie entdeckt hat. Vollkommen gleichgültig zieht diese an uns vorüber und zur Mitte des Seitenarms. Sie ist eine der wenigen, der es gelang, der Bestandspflege durch die örtliche Jägerschaft zu entkommen. Mit List und Tücke mag ihr dies gelungen sein, denn ihrer Größe nach zu urteilen, ist sie „ein alter Hase“.

Spätestens jetzt sollte die Maus ihren Rückzug antreten – Sie tat´s

Einen Abend später stelle ich fest, dass die Nutria nicht allein ist. Ein zweites Tier scheint am gegenüberliegenden Ufer sein Revier zu haben. Wie in stiller Absprache begegnen sich die beiden Nager in der Mitte des alten Seitenarms der Ems als sie „die Seiten wechseln“. Und die Nachwuchsfrage der Haubentaucher klärt sich am frühen Pfingstsonntag. Ich entdecke einen Vogel mit seinen zwei Jungen im Schilf an der Emstaler Badestelle. Während ihrer morgendlichen Unterrichtsstunde scheinen sie sich dem Thema Tauchen zu widmen. Jedenfalls gelingt es mir nicht, das Trio zusammen zu fotografieren. – Einer „fischt immer im Trüben“.

Sustrum ist eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Lathen im Landkreis Emsland/Niedersachsen

Wir sind sehr froh, dass wir nach längerer Pause wieder in „unser Emstal“ reisen können. Das alles ist natürlich nur möglich, da sich Familie Sandker im Vorfeld umfangreich und sehr gewissenhaft Gedanken gemacht hat und verantwortungsbewusst Vorkehrungen zu unserer aller Gesundheit traf. Die von ihnen erarbeiteten „Verhaltensregeln auf dem Campingplatz“ und „Sonderinformationen für den Aufenthalt“ sorgen dafür, dass wir einen erholsamen und sicheren Aufenthalt auf ihrem Platz verbringen dürfen. Diese Covid-19 geschuldeten Spielregeln einzuhalten ist Ehrensache. Wir hoffen, dass wir uns so „step-by-step“ bald wieder „zwangloser“ bewegen können.

Auf einer Frühlingswiese steht der alte Löwenzahn. Das Haupt ergraut, vom Wind umweht, wie Weisheit wider Wahn. (Horst Engel)

Wir freuen uns auf unseren nächsten Besuch in Sustrum, denn “Beim Abschied wird die Zuneigung zu den Dingen, die uns lieb sind, immer ein wenig wärmer.” – Michel Eyquem de Montaigne.

Himmelfahrt – 39 Tage nach Ostersonntag

Big B. hat seine behördlich vorgeschriebenen Prüfungen inkl. der Dichtigkeitsinspektion erfolgreich bestanden. Der Besuch beim Fendt-Händler verlief aus der Sicht des Caravans unkompliziert. Ich hätte mir vor Ort, die Covid-19-Krise und die damit verknüpften Hürden nicht aus meinem Bewusstsein verdrängend, ein wenig Kundenorientierung gewünscht.

An der Ems

Wir alle leben augenblicklich in der Zeit der Kontaktbeschränkungen, in einer virenbelasteten Zeit in der zu große menschliche Nähe nicht empfehlenswert ist. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn man mir bei der Abholung unseres Caravans ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt und nicht zwei Telefonate während unseres bereits begonnenen Gesprächs geführt worden wären.

Wir halten in dieser Zeit Abstand. Abstand im Sinne einer physischen Distanz. Freundlichkeit unterliegt meiner Meinung nach keinen Beschränkungen. – So, Schwamm drüber: Hauptuntersuchung und Gasprüfung sind abgeschlossen. Die vertragshändlergebundene Dichtigkeitsinspektion kann in und von jeder Fendt Werkstatt durchgeführt werden, sagt mir ein Brief aus Mertingen.

“Darth Vader” durch den “verregneten” Thule Sun Blocker gesehen

Inzwischen stehen wir an der Ems. Nach einigen Reihenfolgefehlern beim Aufbau gelingt es mir schließlich, Big B. auszurichten, aufzustellen, anzuschließen und sein äußeres Erscheinungsbild herzurichten. Die „Beste von allen“ sitzt längst gelangweilt im Caravan, den sie bereits eingerichtet und landfein gemacht hat. – „Ich will nicht drängen, aber es wird langsam dunkel, Herr Stock.“

Blick zur Brinkstraße

Luna ist hellauf begeistert. Seit unserer Ankunft im Emstal ist sie unaufhörlich mit einer Bestandsaufnahme beschäftigt: Welche bekannten Hunde sind vor Ort? Sind die Enten und Gänse gut über den Winter gekommen? Wie geht es den Nutrias an der Ems? Warum hat sich noch kein Reh gezeigt? Warum rufen die Fasanenhähne nur aus ihrer weit entfernten Deckung und verstecken sich? Diese Memmen! – Wir hoffen, ihre Fragen werden bald beantwortet.

Ein richtiges Fahrrad: Ohne E-Motor

Freitag, 22. Mai. Der Tag danach. Gestern war „Himmelfahrtstag“. Hier und da ließ sich schon einmal eine voll des süßen Mostes berauschte Seele vernehmen, aber die eigentlichen „Himmelfahrtskommandos“ blieben aus. Es ist müßig, es erneut zu erwähnen, aber auch hier hat Covid-19 seine Viren im Spiel. Und vielleicht waren es auch die 31°C, die uns am Nachmittag in den Schatten trieben.

Die Nachbarn aus “DU”

„Warum haben wir kein Wasser mehr an Bord?“ Die Pumpe pumpt „ins Leere“, der Wasserhahn möchte, kann aber nicht. Sein gequältes „Würgen“ sagt uns, dass er könnte, wenn er hätte. Aber es geschieht nichts. 25 Liter Wasser wurden über Nacht entführt. Nein, wurden sie natürlich nicht! Wenn das Ablassventil der Therme auf „Entleeren“ steht, dann wählt das nasse Element immer den Weg des geringsten Widerstandes. In diesem Fall den gradlinigen ins Erdreich.

Grün

Gegen Mittag erdreisten sich einige Regenwolken, sich ungeniert am Himmel zu zeigen. Und sie halten, was sie versprechen: Es plätschert. Dies zu verhindern, helfen auch keine an der Markise angebrachten, Sonnenschein einfordernde Thule Sun Blocker. Es sind jeweils nur kurze Schauer, die uns erreichen. Allerdings eine Begegnung mit ihnen im Freien wäre nicht unbedingt das, was man sich wünscht.

Rechts um die Ecke geht´s nach Steinbild

Inzwischen konnten wir einige drängende Fragen des Frolleins beantworten: Dino, der Kleine Münsterländer, ist auch im Emstal. Die Enten und Gänse haben den milden Winter gut überstanden. Vielen der vermehrt auftretenden Nutrias ging es „an den Kragen“. Die Rehe halten sich weiterhin bedeckt und die halbstarken Fasanenhähne sich strikt an die Kontaktbeschränkungen.

Big B. “unter Segeln”

Ich habe meine ganz private Caravaner-Weiterbildung abgeschlossen. Nach dem Wasserverlust am ersten Tag habe ich mir noch einmal das Thema: „Die Truma Therme. Aufbau, Pflege und Wartung“ verordnet. Und schon gesellt sich diese arglistig-gefährliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zu mir. Beim Studium des geschriebenen Wortes ist mir alles vollkommen klar. „Ja, logisch! So und nicht anders!“. Aber in der Praxis kommt der „Experte“ dann ins Grübeln. – Gut, dem habe ich ja nun endgültig vorgebeugt. Dachte ich.

Vom Menschen geschaffen und doch Natur

„Wo in aller Welt sind ca. fünf bis sechs Liter Wasser geblieben?“ Gestern füllte ich die Anlage komplett auf. Die Füllstandsanzeige zeigte eine durchgehende „grüne Straße“. Alle Absperrhähne sind geschlossen, die Therme einsatzbereit und „wasserdicht“. Der „Experte“ fasst sich kurz: Nach meinem selbstlosen Einsatz habe ich die Leitung entlüftet. Wasser füllte die Therme und die Leitungen, um dann sprudelnd und lustig plätschernd, die Anlage durch die beiden Wasserhähne harmonisch fließend zu verlassen. Und hätte der „Experte“ auch das Kleingedruckte gelesen, so hätte er sich die ganze Aufregung um einen potentiellen „Sickerverlust“ erspart. – Der „Profi“ hat nun einen Spickzettel „Die Truma Therme. Aufbau, Pflege und Wartung“ neben dem „Wasserreservoir“ angebracht. Nicht für sich, aber für alle Fälle. Je nachdem, wenn mal jemand kommt und fragt.

Piraten?

Im Nachbarort gibt es einen Imbiss, der nicht nur einen Außerhausverkauf anbietet, man kann auch auf der Terrasse sitzen und sich Pommes, Burger & Co. schmecken lassen. Eigentlich wollten wir zum Italiener nach Kluse, aber der „darf nur Außerhaus“ und öffnet um 16.30 Uhr. Es ist Mittag und wir fahren nach Walchum zum Dorfgrill. Ich bestelle mir einen „Manta-Teller“ oder auch die „Manta-Platte“. Wer kennt diesen „opelanischen Leckerbissen“ nicht, der seit dem inzwischen in die Jahre gekommenen Film „Manta, Manta“ in jedem Imbiss, der etwas auf sich hält, bestellt werden kann. Und als ebenfalls in die Jahre gekommener ehemaliger Opel Manta Fahrer, der seine automobilen Anfänge nicht leugnet, liegt es ja wohl auf der Hand, was gegessen wird: Currywurst, Pommes, Mayo.

Keine Bewegung, die sie nicht registriert

Ist es Zufall oder Prophezeiung? Auf alle Fälle ist es wahr! Ein metallicblauer, tiefergelegter, ohrenbetörend röhrender, aber ohne den obligatorischen Fuchsschwanz an der Antenne, blitzblanker Opel Manta B rollt vor den Dorfgrill. Zwei junge Männer in Schrauberkluft winden sich aus den Hosenträgergurten, bestellen acht Portionen des bereits erwähnten „verpflichtenden Gerichts“ und spotten, vor dem Imbiss wartend, über Autofahrer, deren Limousinen gern mit dem Anfangsbuchstaben unseres Alphabets benannt werden. Je nach Größe des Fahrzeugs endet die Typenbezeichnung dieser Modelle mit einer „Eins“ bis „Acht“. Ganz besondere Exemplare dieser Typen werden von einer Firma mit dem Namen „Mönch“, „Klosterbruder“ oder so „abtlich“, äh, ähnlich veredelt. Würde ich den beiden Schraubern erzählen, dass ich mit „ihrem“ Manta schon zu Beginn der 1980er Jahre durch El Paso, Texas, Cuidad Juarez, Mexiko und viele weitere Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika gefahren bin und was ich dabei erlebt habe, ich glaube, wir hätten Gesprächsstoff bis Pfingsten 2022.

Grüne Stinkwanze. Ja, sie heißt tatsächlich so

Nun haben wir es doch getan: Wir haben uns ein Vorzelt gekauft. Ein Kampa Motor Rally AIR PRO Drive-Away. „Ach ja,“ denkt da der eingefleischte Caravaner. „Ein aufblasbares Vorzelt. Doch, Moment mal! Das ist aber für Wohnmobile konzipiert. Was soll das an einem Fendt Caravan?“ So, wir wurden ertappt. Doch umgehend die Erklärung: Unsere Markise sitzt an der Seitenwand. Die Kederleiste ist zwar zugänglich, aber der 4,5 m lange Markisenkasten verhindert das „nahtlose Anflanschen“ eines „normalen“ Vorzeltes. „Ja, man könnte aber doch …“ Ja, könnte man, aber nicht in unserem Fall. Wir haben einige Alternativen interessiert getestet und landeten schließlich überzeugt beim „Drive-Away“.

Am Tag als der Regen kam

Rechtzeitig vor dem großen nächtlichen Wolkenbruch steht unser Kampa. Rechte Winkel und korrekte Abstände, Standortwahl und Verankerungsreihenfolge ein wenig zu leichtfertig übergehend, ich schreibe nicht ignorierend, steht ein optisch etwas „verdrossen wirkendes“ Vorzelt vor uns. Natürlich wurde es von mir bewusst so aufgestellt. In Erwartung der schweren Regengüsse wollte ich ein ausreichendes Gefälle für die Wassermassen schaffen. Dass das Dach der hinteren Schleuse dadurch nicht ausreichend gespannt ist und sich hier ein mittleres Binnengewässer bildet, verschweige ich an dieser Stelle. Es war ja nur ein erster Probeaufbau. – Uih, da hinter kommt die nächste Regenwand.

Das neue Kampa Vorzelt. – En beten scheef hett Gott leef!

Es gehört sich nicht bei manchen Dingen zu sehr ins Detail zu gehen. Doch ich erlaube mir eine Ausnahme: Duschen. Ich mache mir einen Spaß daraus, den Duschköpfen auf unseren Campingplätzen immer wieder einmal einen Namen zu geben. Nein, ich habe keine berauschenden Mittel zu mir genommen. Ich bin so. Da finden sich zum Beispiel „El Gordo, der reichlich Ausschüttende“, „El Ninyo, der kleine, bescheidene Sprühkopf“, „Caruso, der Sänger“, „Salt ´n Pepper, der die Augen reizende Brausekopf“ oder „Tsunami, die alles überflutende Dusche“ in meiner erdachten Sammlung. „Und was ist daran anzüglich?“ An den Namen nichts, aber die Höhe, aus der mich die Kameraden jedes Mal begrüßen, zeugt immer wieder einmal von einem Rechenfehler mancher Camper hinsichtlich ihrer „Vermessenheit“. „Hallo, nun komm´ auf den Punkt!“

Am Dortmund-Ems-Kanal

Ich bin für meine Größe ein wenig zu schwer. Halte aber mein Gewicht seit Jahren, was sich u.a. darin zeigt, dass ich immer noch in die Bettwäsche des vergangenen Jahres passe. Mit 186 cm Länge bin ich nicht der Kleinste auf den Plätzen unserer reisenden Unternehmungen, aber stets fange ich die Duschköpfe an ihren variablen Halterungen in schwindelnden Höhen ein und ziehe sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Ok, es mag ja sein, dass vor mir immer wieder einmal Spieler der deutschen Basketball Nationalmannschaft geduscht haben. Nur gesehen habe ich noch nie einen von ihnen.

Der “Kleine” durfte auch am Vatertag auf Tour

Es regnet im Emstal. Wir sitzen im Trockenen. Kampa sei Dank. In der Ferne schlägt der Sustrumer „Big Ben“, er ist weder verwandt, noch verschwägert mit unserem Big B., zur 11. sonntäglichen Stunde. Zeit für einen Frühschoppen. Natürlich nicht! Damit warten wir noch drei Minuten. Es ist vielmehr an der Zeit, das Kampa unter die Lupe zu nehmen. Wo hat der ansonsten so talentierte Kampa-Aufsteller unachtsam gehandelt, wo hat er Abstände vernachlässigt, Gurte nicht fest genug angezogen, Heringe vergessen, Bodensenken übersehen, Stolperfallen eingebaut und sonstige Anleitungen und Camper Gebote eigenmächtig vernachlässigt? Ich werde mich hüten, diese hier aufzuzählen und schreibe, solche „Unzulänglichkeiten“ strikt verneinend, schlicht und ergreifend: „Keine.“ – Die Beste von allen blickt mir dabei über die Schulter und lacht. Warum?

Rettung in letzter Minute

Es regnet im Emstal. Wir saßen im Trockenen. Kampa trifft keine Schuld. Dem ansonsten so talentierten Kampa-Aufsteller war eine moosgepolsterte „klitzekleine“ Bodensenke entgangen. Sie entwickelte sich während des heutigen „kleinen Regenschauers“ innerhalb von nur vier Stunden zu einem Badesee mittlerer Größe. Höckerschwäne, Graugans, Stockenten und Gänsesäger geben sich hier inzwischen ein Stelldichein. Über allen kreist mit langgezogenem „hijäh“ ein Mäusebussard. Er wird den Jungvögeln nichts anhaben können, denn Luna beaufsichtigt die Kulisse. – Andere müssen für dieses Schauspiel in die freie Natur. Wir campen.

Es ist Montag. Wir müssen nach Haus. Home Office und Online Schooling rufen. Aber wir kommen wieder: Fortsetzung folgt. – “De Pingsttour”.

2WM+1MK+1A-O=2,80

“Sind wir noch ganz dicht?”

Morgen werden wir eine Antwort auf die Frage: „Sind wir noch ganz dicht?“ bekommen. Big B. steht ein wenig angespannt-friedlos auf der Auffahrt und wartet auf seinen Termin bei Dr. Fendt in Papenburg. Wir wollen ihm und uns den Alptraum aller Caravans und deren Besitzer ersparen: Unbemerkte Lecks, durch die Wasser zwischen Außenhaut, Dämmung und Innenwand dringen könnte.

Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, Kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt

Und wenn wir einmal vor Ort sind, können wir auch gleich die längst fällige Hauptuntersuchung und die Gasprüfung nachholen. Covid-19 ist schuldig. Hätten wir alles längst erledigen können, wäre da nicht dieser Coronavirus, der meinte, sich grenzüberschreitend auf Reisen machen zu müssen. Dieser kleinste, auf lebendem Gewebe gedeihende Krankheitserreger hat die Welt bereits lange im Griff, aber ich werde hier keine Ursachenforschung betreiben, warum ihm dies gelang.

Weitblick. Nicht jedem ist er gegeben …

Ich will endlich mal wieder „auf Achse“. Und sei es auch nur in die Werkstatt. Ich will keine Verschwörungstheorien hören, keine faktenresistenten Verschwörungstheoretiker treffen, keine verschrobenen Weltbilder skizziert bekommen und die Chance in Papenburg auf den geistesabwesenden Weltverschwörungs-Blogger Ken Jebsen (KenFM) zu treffen, erachte ich ebenfalls als sehr gering.

Gut, ein Eimerchen Farbe und dann …

Und da wir schon einmal ganz nah an „unserem“ Platz im Emsland sind, werden wir die dortige Lage sondieren und buchen. Und wenn ich dann vielleicht gelöst (und ggf. mit Mundschutz) im „Isabella“ sitze und freudetrunken unser neues Kampa-Vorzelt betrachte, dann habe ich ausreichend Zeit und denke an den französischen Diplomaten und Schriftsteller François VI. de La Rochefoucauld:

“Man findet Mittel, den Wahnsinn zu heilen, aber keine, um einen Querkopf einzurenken.” – François de La Rochefoucauld.

“Alle Erinnerung ist Gegenwart” – Novalis

Eigentlich wären wir jetzt sehr gerne auf diesem ganz besonderen und idyllischen, in der schönen Natur des Emslandes gelegenen Campingplatz. Nur wenige Meter vom Emsufer entfernt hätten wir unsere Zelte aufgeschlagen, die kleine Badestelle besucht und am Altarm der Ems nur Augen und Ohren für das immer wieder reizvolle Naturerlebnis an der Sustrumer Brinkstraße gehabt. Eigentlich. Was hindert uns daran, in dieses Erlebnis „einzutauchen“?

12. August 2015. Zum ersten Mal im Emstal. Die griechische Nationalflagge (Handtuch) ist gehisst: “Ouzo ist gekühlt!” – “Όταν λείπει η γάτα, χωρεύουν τα ποντίκια.” (“Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf den Tischen.”)

Covid-19 (Coronavirus Disease 2019) ist schuld! – Scheinbar trat im Fischmarkt von Wuhan das Coronavirus zunächst bei Personen auf, die dort tätig waren oder sich dort als Besucher aufgehalten haben. Eine Übertragung, so glaubt man, kann dort auch über auf diesem Markt angebotene Wildtiere erfolgt sein. Und so breitete sich das Virus zunächst in China und dann auch außerhalb Chinas aus.

13. August 2015. Ein Foto am ersten Morgen (06.45 Uhr) an der Ems. Spätestens jetzt stand fest: “Wir kommen wieder!”

Die Frühlingsstimmung verleitet immer wieder Menschen dazu, die Virusgefahr zu unterschätzen. Covid-19 und die davon ausgehenden Gefahren sind im Bewusstsein Einzelner noch nicht angekommen.

2015. Angler mit “Seehund” auf der Ems

Einzelne Staatslenker hingegen überschätzen sich und ihre Machtbefugnisse und lassen befürchten, dass Covid-19-Gefahren nie in ihrem Bewusstsein ankommen werden. Nicht, dass man sie nicht informiert hätte, das Problem mag hier eine innere und ganz individuelle mentale Enge hinsichtlich ihres Geistes, Scharfsinns, Verstandes, Denkvermögens und ihrer Begabung sein.

2015. Ich hatte so eine gewisse “verklärt-romantische” Vorstellung vom Caravaning: Kein Schnickschnack, Transistorradio, Lesen. Auf keinen Fall: DVD, Internet, TV, iPhone  … naja, damals …

Und es ändert nichts an der Tatsache, dass wir, alle von gesundem Menschenverstand geprägt, unsere Caravans und Wohnmobile erst einmal stehen lassen und die Erinnerungen an vergangene „Fahrten mit dem Fluchtfahrzeug“, z.B. ins Emstal, aufleben lassen. – Apropos Menschenverstand: Wollen wir davon noch schnell ein wenig „über den großen Teich“, in Richtung des flächenmäßig größten Landes unseres Planeten und in den südlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents schicken? Dort leben, schalten und walten, ich vermeide das Wort „regieren“, Herren, „die können´s brauchen“.

2016. Freie Sicht für freie Münsterländer(innen)

„So, nun Erinnerungen aktivieren und zu Dir, mein liebes Emstal“:

2015. Einer meiner ersten Blicke von der “Brücke am Durchstich”
“Eines Tages …, mein lieber Robert!”
2016. Nach dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) kam “Big B.” (Fendt Bianco Selection). Soweit zu meinem ursprünglichen Gedanken vom “schlicht-einfachen” Campen …
Mai 2017. Gern gesehene Tiefflieger über der Ems
2017. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal gen Steinbild
2017. Es wird herbstlich im Emstal
2018. “Auf die Bäume … – Der Wald wird gefegt!”
2018. Am Dortmund-Ems-Kanal mit der Düther Schleuse im Rücken
2019. “Das Ziel der Urproduktion ist die zielgerichtete Herstellung pflanzlicher oder tierischer Erzeugnisse auf einer zu diesem Zweck bewirtschafteten Fläche.” – Ja, so sehe ich es auch
2019. Das Kompetenzzentrum an der Sustrumer Brinkstraße
2019. Luna. Ruhender “Wachhund”. Emstal: Tiefenentspannung nicht nur für Zweibeiner
2019. Wenn wir jetzt ganz still sind, hören wir den Gesang der Nachtigall

Und wenn alles kontrolliert, wohl bedacht und diszipliniert so läuft wie bisher, vielleicht stehen wir bald wieder vereint an der Ems und freuen uns, dass wir uns, hoffentlich gesund und munter, wiedersehen. – “Seid alle herzlich gegrüßt aus usA (unserem schönen Ammerland)!”

Storno

Am 20. Februar 2020 „bloggte“ ich noch, dass es in einem Monat wieder auf Achse gehen soll. Inspektions- und Wartungstermine für Big B. waren bereits in der Fendt-Werkstatt unseres Vertrauens gebucht. Dann kam Covid-19 und nun steht „der Kleine“ weiterhin hoch und trocken in seiner Scheune in usA (unserem schönen Ammerland). Und da es in dieser anstrengenden Zeit ganz sicher wichtigere Themen als das Reisen mit dem Caravan gibt, wird es wohl auch noch ein Weilchen dabei bleiben, dass wir Big B. nicht aufrüsten werden. Irgendwann wird es hoffentlich wieder losgehen: „Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.“ – Johann Wolfgang von Goethe. – Aber bis dahin gilt: „Wir bleiben zuhause. Und wir danken allen, die den Laden am Laufen halten.“ (Zitat Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV))

Ab 6,05 m (Länge) geht es los

In einem Monat

Die Uhr tickt. In etwas mehr als einem Monat geht es wieder auf Achse. Big B. hat bereits Termine: Hauptuntersuchung, Gasprüfung und Dichtigkeitsinspektion sind gebucht. – Das Vorzelt, das wir ja “eigentlich” nie haben wollten, liegt bereits beim Händler und wartet darauf abgeholt zu werden.

Und eine neue Farbgebung für Big B. haben wir auch schon in die nähere Wahl gezogen:

Wir stießen auf diesen stylischen Caravan vor zwei Jahren in der fränkischen Rhön. “Gewagtes Design”, aber ein Hingucker

Caravan Freizeit Reisen 2020

„Messe „Caravan Freizeit Reisen“ – Wo Oldenburger ihr Fernweh pflegen“, berichtete einst (2019) die Nordwest-Zeitung. Wir waren auch in diesem Jahr dort. Aktuell schlage ich folgenden Titel vor: „Messe „Caravan Freizeit Reisen 2020“ – Wo Camper & Co Einbußen erleben“. Nicht, dass es nichts zu sehen gibt, aber wo sind sie sie geblieben, die Aussteller der vergangenen Jahre? In Oldenburg fanden wir sie heute nicht mehr. Und hinter vorgehaltener Hand verriet man uns warum („Bei diesen stolzen Standgebühren!“). (Auch) Wir werden nun nach Bremen ausweichen: Caravan Bremen 2020. Eine Messe für Caravans, Reisemobile und Camping. Termin: 6. – 8. November 2020.

Mit der NWZ Card sparten wir 1 Euro/Person. Für 18 Euro (inkl. Parkgebühr) war es für uns eine Ausstellung “light” oder “lite”. Auf alle Fälle “stark caravanreduziert”

Fit für´s Winterquartier

Big B. bestand darauf, dass ich seinen Säureschutzmantel, der ihn vor Umwelteinflüssen bewahrt, auch bei der anstehenden großen Wäsche, nicht schädige. So habe ich denn in sorgfältiger Kleinarbeit die „potentia hydrogenii“, also die Konzentration der Wasserstoffionen, sehr überlegt dosiert. Ich könnte auch schreiben: „Ich achtete auf einen angemessenen ph-Wert“, aber das wäre nun doch etwas zu schmucklos in Anbetracht der ebenso unabwendbaren, wie unentrinnbaren heutigen Wasserspiele.

Das ist nur die kleine Leiter. Big B. fordert eine Mehrzweckleiter für große Höhen

Ich bot ihm das volle Programm: Die Premium-Wäsche. Vorwäsche mit Aktivschaum, Waschen und eine exklusive Hochglanztherapie. Dazu sanfte Zen Entspannungsmusik für positives Denken und zur Meditation. 😆

Ich verzichtete auf eine “Wachspflege”, denn unser Bianco ist uns groß genug.

„Keine Panik!“ – Sonic, der schnellste (blaue) Igel der Welt, neben Super Mario wohl mit einer der bekanntesten Videospielhelden, ertrinkt nicht in diesem Eimer

Nach 4,5 Stunden bekam ich Spülhände. – Es heißt zwar, dass diese in den wenigsten Fällen therapiebedürftig sind, aber zur Vorsicht zog ich eine innerliche Hopfenkur (0,33 l Hasseröder Premium Pils. “Männer wissen warum!”) in Betracht. Und siehe da: innerhalb kürzester Zeit bildeten sich die Falten an den Fingern komplett zurück!

Mit einem Schwamm zum gezielten Auftragen versehen, kam u.a. auch ein Pflegemittel aus dem Hause der MTS Group zum Einsatz

Fertig für die Winterpause. – Wenig später ging´s ab in die Scheune unseres Vertrauens.

Er hält keinen Winterschlaf, eher eine Winterruhe. Denn: Mitte März 2020 geht es wieder los

Saisonende

Ich habe Big B. angemeldet: Am kommenden Freitag wird er sein inzwischen vertrautes Winterquartier in einer der vielen kleinen Bauerschaften in der Gemeinde Wiefelstede beziehen. Noch steht er vor unserem Haus und wartet, nach bereits erfolgter gründlicher Innenreinigung, auf “die große Wäsche vor dem Winterschlaf”.

“Tausende haben ohne Liebe gelebt. Nicht einer ohne Wasser.” – Wystan Hugh Auden, englischer Schriftsteller

Und da wir einmal beim Reinigen und Aufräumen sind, wird auch die Festplatte des PCs einer “Säuberung” unterzogen. 2019 sind wieder einige tausend Aufnahmen entstanden, die nun in die unendlichen Weiten der externen Festplatte(n) abzutauchen drohen. Zwar geordnet nach Ort und Datum, aber wann schaut man sie sich noch einmal an?

Hörner Diek, Wiefelstede

Inzwischen habe ich mir die Software diverser Fotobuch-Anbieter besorgt und ein sehr helfendes Gespräch mit unserem örtlichen Fotografen geführt, der einen interessanten Fotodruck-Service anbietet. Da stellt sich die Frage: “Lasse ich drucken und greife auf die jahrzehntelang bewährten “analogen” Fotoalben zurück? Oder ziehe ich die online angebotenen “high quality photo print services” unterschiedlichster Anbieter vor?” – Wir werden diese Frage an den nun kommenden langen Winterabenden erörtern.

An der Ecke Langestraat/Van Echtenskanaal Noordzijde in Klazienaveen/NL findet man ihn … und den Emmer Vishandel

Zum heutigen Abschluss noch einige Motive, die mir in dieser Saison “vor das Objektiv liefen”:

Bevor die Saison im Emstal ausklang, noch schnell ein letzter Blick auf die Ems
Und im Frühjahr 2020 werde ich hier wieder stehen: Badestelle, Emstal
Aus dem idyllischen englischen Garten “schoss” ich auf das Schloss Jever
Das Frollein hat mal wieder etwas erspäht

Und dann bin ich doch noch in die “Tiefen der Externen” abgetaucht:

Im Juni 2015 am Ottermeer bei Wiesmoor
Im Juli 2015 mit dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) unterwegs in Butjadingen
Im Juni 2016 frühstückten wir bereits im Fendt Bianco: Big B.
Das war ein schwerer Tag: 13. Februar 2016. Abschied vom Flying Dutchman. Mit frischem TÜV in Westerstede

Der Nebel steigt, es fällt das Laub

Schenk´ ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden! (Auszug: Oktoberlied, Theodor Storm)

Big B. und Darth Vader im Emstal

Es ist unser zweites Wochenende in Folge im Emstal. Wir haben Big B. während der Woche allein an der Ems zurückgelassen. Er hat es gut verkraftet und wie wir von Familie Sandker erfahren, hat er auch nicht gejammert, dass er so ganz allein an der Ems ausharren musste. Naja, er ist ja auch schon groß und kein Angsthase. Nicht umsonst trägt er den Namen „Big B., der Unerschrockene“. – Obwohl, erleichtert durchgeatmet hat er dann doch, als wir ihn am Donnerstag wieder bezogen.

Über diese Brücke musst Du geh´n …

Für dieses Jahr ist es das letzte Wochenende im Emstal. Saisonschluss. Nicht nur hier, auch wir werden den Caravan nun bald in die Scheune unseres Vertrauens bringen und ihn dort überwintern lassen. Doch bis dahin ist es noch einige Tage hin und so können wir dem auf das Wohnwagendach prasselnden Regen noch ein wenig Gehör schenken. Und da sich auch der ausgiebige Niederschlag hin und wieder eine Pause gönnt, bleibt uns genügend Zeit, trockenen Fußes mit dem Frollein an der Ems umherzustreifen.

Die Ems um kurz nach acht

Die zahlreichen Angler am Seitenarm der Alten Ems haben inzwischen herbstliche Unterstützung durch eine sehr engagierte Jägerschaft erhalten. Hier und da fallen Schüsse und auch Luna kann ihre jagdlichen Gene weder verleugnen noch zügeln und erlebt sehr konzentriert und in waidmännisch-aufmerksamen Eifer Feld, Wald und Flur. In Anbetracht der scharf schießenden Weidmänner und -frauen allerdings kurz gehalten an der Leine.

Offensichtlich aufgegebene herrenlose Sache

Die Wetterlage gewährt uns viel Zeit zum Lesen. Wir sind gut versorgt und so kenne ich die letzten beiden Ausgaben der „Caravaning“, Europas großem Camping-Magazin, nahezu auswendig und belächle immer noch die beiden Artikel aus der ADAC-Motorwelt mit den Themen Elektro-Tretroller und Porsche Taycan, „dem ersten ernsthaften Tesla-Jäger“ (Zitat Wolfgang Rudschies).

“Tesla-Jäger?” – Na. klar, eine der zahlreichen Enten an der Ems trägt bestimmt diesen Namen …

Man darf die Umweltbilanz von E-Scootern hinterfragen, wird aber lange auf eine seriöse Antwort warten. Doch zurück zum tatsächlichen Gewinn der Elektromobilität: Porsche Taycan. In der „alltäglichen“ Variante verfügt der natürlich rennstreckentaugliche Sportwagen mit Elektroantrieb über 625 PS. Ich argwöhne, ich zweifle, mein Vertrauen in das märchenhafte Stuttgarter Verständnis für wahre Leistung und Entschlossenheit erlischt jäh. Dann wird meine Skepsis ausgeräumt: Es gibt den Porsche auch in der 761 PS Version. Gott sei Dank! Mit Big B. am Haken würden wir die Beschleunigung von 0 auf 200 Km/h in rund zehn Sekunden nicht halten können. Doch man muss auch bereit sein, Einbußen hinzunehmen. – Schließlich steckt die zur sicheren Entlastung der Umwelt und für einen durchgreifenden Klimaschutz geförderte Elektromobilentwicklung noch in den Kinderschuhen.

An der Brinkstraße

Inzwischen fahren wir seit einigen Jahren regelmäßig und gern ins Emsland. Wir kennen die Gegend um Sustrum gut. Heede, Dersum, Walchum, Steinbild, Kluse, Lathen, Haren. Wir haben diese Städte und Ortschaften längst besucht. Nur in Dörpen, vor „unserer“ Sustrumer Haustür gelegen, waren wir nur sehr vereinzelt. Eigentlich nie. Das muss sich ändern. Und so fahren wir über Kluse, Steinbild und die B 70 nach Dörpen. Hätten wir uns früher und engagierter um Dörpen gekümmert, so hätten wir nicht den weitläufigen Weg über die Bundesstraße gewählt, sondern würden die geradlinige Verbindung dorthin auch kennen. – Das hat man nun davon …

Panorama an der Badestelle

Wir stellen fest, dass Dörpen vieles bietet und das gefällt uns sehr. Da es aber augenblicklich regnet, lassen wir diese Eindrücke im Auto sitzend auf uns wirken und beschließen, demnächst öfter in die Hauptstraße zu kommen. Über die B 70 und B 401 erreichen wir Papenburg. Schon immer wollten wir einmal die dortige Fußgängerzone in Augenschein nehmen. Wir finden sofort einen Parkplatz. Kein Wunder, es regnet „gesättigt“ und an einem Freitag gegen 18.00 Uhr verspürt auch der entspannteste aller Emsländer kein Verlangen mehr, sich hier „einweichen“ zu lassen. Wir schon. Die Einkaufsmeile gehört uns. Doch wir haben wohl „das falsche Ende“ der Fußgängerzone gewählt: Ich fühle mich ein wenig wie in der Gegend eines schummerig-zweifelhaften Bahnhofsviertels.

Die Brinkstraße versteckt sich hinter diesem Feld

Diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, hält neben uns ein Kleinwagen aus den benachbarten Niederlanden. Ein Bär von einem Mann mit Wollmütze und winterlich bekleidet, steigt aus. Hinter ihm, in seinem Windschatten, huschen zwei sehr sommerlich gekleidete Damen aus dem Auto, um zwei anderen, ebenfalls sehr federleicht-luftig bedeckten Damen ihre Plätze in dem kaum auffallenden Fahrzeug zu überlassen. – Wer jetzt nicht kritisch wird, … hegt auch keinen Argwohn.

Am Ufer der Ems

Irgendwann zu Saisonbeginn fiel uns ein Prospekt des Caravan Centrums Emmen/NL in die Hände. Und da wir wissen: „Kamperen begint bij ons!“, so jedenfalls das Motto der niederländischen „Caravanserai“, machen wir uns auf den Weg dorthin. Auf heute nicht mehr entwirrbaren Wegen gelangen wir über Sustrumer Moor, Emmer-Compascuum und Emmer-Erfscheidenveen in die Navigatiestraat 7 in Emmen. Wir staunen nicht schlecht über das Angebot an Wohnwagen, ob neu oder gebraucht, und Wohnwagenvorzelten. Letztere rufen immer lauter nach uns. Eine Markise im Sommer ist ein wunderbarer Schattenspender. Im Herbst könnten wir uns ein Vorzelt als Schlupfwinkel vor einer ungünstigen Wetterlage inzwischen auch sehr gut vorstellen. Und so haben wir uns heute einmal Unico Voortenten & Combi-Luifels angeschaut. Da gibt es schon sehr interessante Typen des niederländischen Herstellers, aber wir haben auch noch verschiedene Kampa-Modelle ins Auge gefasst.

Van Echtenskanaal in Klazienaveen/NL

Nicht einmal einen Steinwurf von Emmen entfernt liegt Klazienaveen. Also, so dichte bei, dass man den Duft frisch gebrutzeltem Kibbelings selbst im luftundurchlässig gekapselten Auto wahrnimmt.

Sehen nicht nur gut aus …

„Da müssen wir hin!“ Ich finde den Weg mit verbundenen Augen. Allerdings hätte ich das vermeiden sollen, denn beinahe schiebe ich die niederländische vorfahrtberechtigte Autofahrerin mit ihrem Nissan Micra in die Fassade eines Schuhgeschäfts. Sie ist in diesem Fall nicht unbedingt so typisch niederländisch gelassen, sondern eher vom Donner gerührt! – Aber: Appetit kennt kein Erbarmen! Und Schuhe gefallen doch jeder Frau. [Anm.: „Nee, meine gedankenlose Aktion war komplett daneben.“]

Emmer Vishandel – 1a Kibbeling

Eine Familienportion Kibbeling inkl. doppelter Ration Sauce später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Da ist diese Lampe, die wir schon vor vielen Monaten sahen und dann nicht kauften. Später war sie unauffindbar, heute entdecken wir sie bei “Trends en Vloeren” wieder und nun wird sie bald im Ammerland leuchten. Und dann ist da dieser Käsestand auf dem Wochenmarkt in der Langestraat. Der Kreuzkümmelkäse schmeckt hier und wirklich nur hier, also allein hier und bei dieser Händlerin, nennen wir sie Frau Eisenga, am allerbesten. Punkt! – Nach unserem ausgedehnten Einkauf verabschiedet sie sich zu einer mehrmonatigen Kreuzfahrt mit „Mein Schiff“. Wir werden sie und ihren K³ (KreuzKümmelKäse) vermissen.

Blick über die Ems zum Sielgraben Sustrum II

Heute ist nicht mein Tag: Beim Ausparken in der Klazienaveener Van Echtenskanaal Noordzijde übersehe ich eine hinter einem Lieferwagen verborgene Radfahrerin. Plötzlich ist sie da und ich vernehme niederländische Kraftausdrücke, die ich mir nicht merken kann. Vielleicht begegne ich ihr im kommenden Jahr wieder, dann sollten wir uns dahingehend noch einmal austauschen. Auf der A31 wähle ich ungeachtet der erprobten Navi-Erkenntnisse völlig unkonzentriert die falsche Umleitungsempfehlung und fahre wieder in Richtung Niederlande. Anschließend verpasse ich die A31 Anschlussstelle Lathen und wir müssen über Dersum und Walchum zurück ins Emstal fahren. Allerdings, in Walchum findet sich die Ganseforthsche Bäckerei mit dem leckersten Apfelkuchen zwischen Leer und Rheine. Und da wir einmal hier sind … Später folgt dann noch meine vollkommen geistesabwesende „Ich-fahr´-noch-eben-Tanken-Irrfahrt“. Diese zu schildern erspare ich uns.

Keine Ente bleibt unentdeckt. Garantiert!

Sonntag. Letzter Saisontag im Emstal. Die Gäste brechen ihre Zelte ab. Campingmöbel werden zusammengeklappt, Markisen „ziehen sich zurück“, Vorzelte werden an der Luft für´s erste trockengewischt, Satellitenanlagen richten sich auf eine längere Empfangspause ein, CEE Leitungen werden eingerollt und Caravanspiegel montiert. Zwar sitzen an der Ems an diesem Morgen keine Angler, aber dennoch werden hier und da (Zelt-)Heringe eingesammelt. Viele Fahrradträger sind bereits beladen, Stützen werden eingeholt und Grauwasser- sowie Thetford Einrichtungen erleichtert und gespült. „Bewachende“ Deichselsicherungen sind entfernt und hier und da surrt bereits die erste Rangierhilfe. Nach und nach setzen sich Knaus, Adria, Hobby, Dethleffs, Fendt, Tabbert, Eriba, LMC und andere Caravans in Bewegung. Der Platz leert sich. NDR Kultur spielt schwere Musik. Das Laub fällt von den Bäumen und auch wir packen unsere Siebensachen und fahren zurück ins Ammerland.

Ja, es hat sehr oft und ausgiebig geregnet. Dies ist allerdings nicht das Ende einer Einbahnstraße, hier geht es in einen Seitenarm der Alten Ems

Es war wieder einmal eine schöne, abwechslungsreiche und besonders entspannte Saison im Zweistromland. – Und wie hieß es so treffend in einer ZDF-Kinderfilmserie der 1970er Jahre („Trickfilmzeit mit Adelheid“): „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“

Hinter den Bäumen verläuft der Dortmund-Ems-Kanal