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Alltägliches & Co. aus und um Wiefelstede

20. Januar 2020

Ich schlage die Tageszeitung auf und erfahre:

“Bekommt ein Halter vom Ordnungsamt ein Knöllchen fürs Falschparken, muss er zahlen. Straft hingegen ein privater Dienstleister das Vergehen ab, ist dies zumindest in Frankfurt am Main gesetzeswidrig.”

“Bei der Lufthansa droht vorerst nun doch kein Streik der Flugbegleiter.”

“Bayern-Torwart Manuel Neuer und seine Frau Nina gehen einem Bericht zufolge getrennte Wege.”

Und vom frischesten Streich auf der politischen Weltbühne werden wir dann morgen (21. Januar 2020) erfahren: “Der Amtsenthebungsprozess gegen US-Präsident Trump beginnt mit stundenlangem Gerangel über die Regeln – die erste seiner Verteidigungslinien.”

„Luna, herstellen der Marschbereitschaft. Wir gehen durch Feld, Wald und Flur. Dort geht es ehrlicher und interessanter zu.“

Wie “versteinert” bewacht der kleine “Gralshüter” weiterhin seinen Schatz irgendwo im Gebiet Kleiberg und Hörne

Wir streifen durch “unseren Wald”, passieren die ARA (Abwasserreinigungsanlage) Am Brinkacker und erreichen den Kirchweg.

Noch grünt es zwischen der Stahlstraße und dem Kirchweg. Im Nacken sitzt mir allerdings bereits das sog. “Gewerbegebiet”, das hauptsächlich, und eigentlich nur, aus Betriebsleiterwohnungen besteht … ein Schelm, der Böses dabei denkt

Während unserer ausgedehnten morgentlichen Spaziergänge kreisen meine Gedanken oft um “Dinge, die mir zu denken geben”. Heute ist es u.a. der neue Wohnsitz des Nationaltorwarts am Tegernsee.

Isolatoren am Wegesrand

Er baute ganz in der alten Nachbarschaft meiner Großeltern. Allerdings war hier damals schon alles bebaut und eine weitere Bebauung durch “natürliche Umstände” (Hanglage) so gut wie unmöglich. Ja, eben nur, “so gut wie …” . – Wie hat der Manuel das nur geschafft?

Der Kirchweg. Links davon, ich habe es “ausgeblendet”, das Betriebsleiterwohnungsbaugebiet

Wir haben Wiefelstede (Ort) hinter uns gelassen und blicken in Richtung Bokel. Dort ist so viel Platz, dort kann man nicht falsch parken und ein “illegales” Ticket von einem privaten Dienstleister “kassieren”.

Der Himmel war an diesem morgen sehr viel sehenswerter als ich es auf dem Foto zeigen kann

Luna hat die heutigen Schlagzeilen längst verarbeitet und “kümmert” sich um die viel zu zahlreichen Feldmäuse. – “Nein, sie wildert nicht! Sie sorgt einzig für Bewegung und Unterhaltung.”

Die Maus ahnt noch nicht davon, dass sie längst ins Visier genommen wurde

Wir haben heute den kleinen Bogen (5 Km) um Wiefelstede gewählt und blicken bereits auf den Kuhhornsweg.

Längst hat Luna ihre beiden Artgenossen Paula und Nala erspäht. Doch wir Zweibeiner besitzen keine so tierische Wahrnehmung wie die Kleine Münsterländerin und finden sie auf diesem Foto nicht. Vielleicht aber ihre beiden menschlichen Begleiterinnen?

Ach, wie seltsam: Die frische Luft der vergangenen Stunde hat die heutigen Schlagzeilen in einen gasförmigen Zustand überführt, quasi verflüchtigt. – “Wie lauteten sie noch einmal?”

“Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.” – François de La Rochefoucauld

2×50=Hildesheim

„Es ist“, so meint Luna, „an der Zeit, uns körperlich zu entspannen und zu erholen. Ihr fahrt einfach zur Motto-Party nach Hildesheim und ich gehe in die Pension Pfotentreff. Ich muss mein Gedankenkarussell einmal stoppen und ich möchte mir Zeit für mich nehmen. Einmal den Stress ausblenden.“ Über dieses großzügige Angebot denken wir nicht zweimal nach. Ruckzuck findet sich das Frollein in der Pension ihres Vertrauens wieder und wir uns auf der Autobahn in Richtung Welterbe Hildesheim.

Die dreischiffige, gotische St. Andreaskirche mit dem höchsten Kirchturm Niedersachsens (114,5 m)

A29,28,1,27 und 7. Kurz vor der Anschlussstelle 61 Hildesheim-Drispenstedt löst Adam 1.2 aus dem Hause Opel den Bremsfallschirm aus. Wir werden in die Gurte gepresst und wenig später gleiten wir auf der B 494 und dem Kennedydamm über die Rathausstraße zum Marktplatz Hildesheim. Die aufgebaute Hochspannung während der fesselnden 130 Km/h Richtgeschwindigkeit fällt von uns ab und wir stehen vor dem Tor einer schlagartig einsetzenden Entspannung. Dieses Tor ist in unserem Fall erst einmal der Eingang zum Hotel Bürgermeisterkapelle.

Der Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt ist eine der ältesten Bischofskirchen Deutschlands

13.00 Uhr. Wir haben sehr viel Zeit. Um 18.00 Uhr werden wir zur “Zweimaleinhalbesjahrhundertgeburtstagsfeier” erwartet.

Hinter dem Chor der Domkirche zu finden ist das Wahrzeichen der Stadt Hildesheim: der 1000jährige Rosenstock

Berühmt für seine Kirchen, zu denen natürlich der Dom und St. Michaelis gehören, steht die gotische Bürgerkirche St. Andreas auf unserem nachmittäglichen Reiseplan. Ich habe Probleme, den hohen Turm auf dem engen Andreasplatz fotografisch einzufangen. Den Dom St. Mariä Himmelfahrt zu Hildesheim lassen wir natürlich nicht aus. Eine der ältesten Bischofskirchen Deutschlands, deren Baugeschichte bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht und deren Ursprungsgeschichte sogar im Jahr 815 angesiedelt ist. Diese historischen Sachverhalte zwingen uns, St. Michaelis zu „übersehen“. – „Michi, sei uns bitte nicht böse, aber wir haben auch das Dommuseum, den Magdalenengarten und so vieles mehr nicht besuchen können.“

1985 wurden der Hildesheimer Dom und der Domschatz zusammen mit St. Michaelis in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen

Fast pünktlich sind wir in der Scheelenstraße. Wir feiern zwei Geburtstage. Wir feiern gebührend. Mit allem Drum und Dran. Sogar mit „Polizeieskorte“. – Ehre, wem Ehre gebührt.

Auf dem Weg zur Hildesheimer Domschule, die eine der bedeutendsten Bildungsstätten im ottonischen und salischen Reich war

Adam 1.2 bringt und tags darauf, wir sind quasi tiefenentspannt nach Speis und Trank und starken Tönen im Frequenzbereich 16-150 Hertz, in Bestzeit zurück ins Ammerland. Nur drei oder viermal muss ich den Tempomat aus seiner automatischen „Anpassung“ nehmen. In nicht einmal zwei Stunden legen wir die Strecke zurück und holen ein tiefenentspanntes Frollein aus ihrer Pension ab. Luna, die an diesem Wochenende bis zum innersten Kern ihres Wesens vordringen konnte, wir reißen sie förmlich aus der gerade erlangten eigentlichen Mitte ihrer Existenz, blickt uns freudig an und scheint zu sagen: „War toll, können wir wiederholen!“

Der Annenfriedhof mit dem Tausendjährigen Rosenstock

Ein paar Fotos habe ich noch:

“Wieso, weshalb warum?” des Tausendjährigen Rosenstocks
Markierung am Rosenstock
“Junge lat dei Appels stahn – Süs packet deck dei Huckup an! – Dei Huckup is en starken Wicht, – Hölt mit die Stehldeifs bös Gericht.” – Das Huckup-Denkmal unter dem alten Nußbaum am Hohen Weg in Hildesheim
Ein “Mammutzahn” im Hildesheimer Dom?
Und wenn es geschmeckt hat, dann “sagen” wir es auch dem Personal in der Küche

Das “begehbare Gemälde” in Rastede

Die Sommerresidenz der Oldenburger Großherzöge und der Schlosspark in Rastede, das begehbare Gemälde, im Dezember. Eine über 300 ha großen Anlage.

Das Landschloss in Rastede

Teiche, Wege, Wiesenflächen. Rundwanderwege führen durch den Park im Residenzort Rastede.

Am Ellernteich

Das Wetter spielte nicht so recht mit, aber “Du kannst nicht alles haben, das Glück, den Sonnenschein”.

Turnierplatz/ Loyer Kirchweg

Hunde an der Leine. Bewegungsfreudige Sportlerinnen und Sportler in trendiger Bekleidung und Spaziergänger. Sie alle “passen” in den Park.

Das Kavalierhaus

Nicht nur der Schlossgarten, auch viele Ammerländer Privatgärten sind kleine Paradiese, die regelmäßig in der Sommersaison zu bestimmten Terminen allen Gästen offen stehen. Denn: Das Ammerland ist erlebbare und begehbare Gartenkultur.

Der Turnierplatz

Kleinanzeigen

Früher habe ich ja gern auf „richtigen“ Flohmärkten gestöbert, gefeilscht und auch schon einmal “dies & das” angeboten. Heute beschränken sich meine Besuche einzig auf das Lesen der Kleinanzeigen des größten Online-Marktplatzes, der 1995 von Pierre Omidyar in San José gegründet wurde. Und auf diesem virtuellen Marktplatz bewege ich mich maximal im Umkreis von 30 Km um meinen Standort in usA (unserem schönen Ammerland).

Bücher sind das Objekt meiner Begierde. Nichtfiktionale Literatur: Historische Dokumentationen, Biografien, hin und wieder ein Reiseführer oder Nachschlagewerke und Lehrbücher haben es mir angetan. Je älter, desto besser. Und nicht zu vergessen: Trümmerliteratur. Die deutsche Literaturepoche, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland blühte. – Einem Siegfried Lenz kann ich, obwohl ich seine Werke fast alle besitze, immer noch nicht widerstehen.

Ih durfte ihn noch (zufällig) persönlich kennenlernen. – Und während eines sehr langen Telefonats stellten wir fest, dass Herr Wesolowski (1927-2014) ein Jeveraner Klassenkamerad meines Schwiegervaters (1927-2012) gewesen ist

Natürlich habe ich eine persönliche Suchmaschine aktiviert und schaue regelmäßig bei großen „virtuellen Buchhandlungen“ vorbei. Lediglich Geistliche und Lehrer*Innen sollen über eine größere Sammlung verfügen als ich, sagte mir spaßeshalber einmal einer, der es wissen könnte: Ein professioneller Umzugshelfer.

Ich möchte aber nicht über meinen Hang zur Bibliophilie berichten, sondern mich einmal ganz unverblümt über die Texte einiger Kleinanzeigen, wie ich immer wieder auf sie stoße, lustig machen. Ja, ich wage es, zu gestehen: Einige diese Angebote auf dem Marktplatz der nicht mehr benötigten, überflüssigen, überzähligen oder nutzlos gewordenen Dinge bringen mich immer wieder zum Schmunzeln.

Da ist zum einen das Verkaufsangebot unter der Rubrik „Bücher und Zeitschriften“. Betreff: Buch zu verkaufen. Beschreibung: Verkaufe schönes Buch. – Ende. Es folgt nichts. Kein Foto. Keine nähere Beschreibung. – Welches der beiden auf unserer Welt existierenden Bücher wird hier angeboten? Es soll ein Geheimnis bleiben.

Ein weiteres Inserat: Der angebotene Gegenstand ist hier nebensächlich. Beschreibung: Keine, aber der freundliche Hinweis: “Bei Interesse einfach melden!” oder „Bei Interesse bitte Nachricht an mich.“ – Ja, ich war bereits in der Versuchung mein Fenster zu öffnen und nach dem Verkäufer zu rufen. Nun werde ich ihm doch eine Mitteilung schicken.

Oder: „Wir misten aus!“ – Ja, da möchte doch jeder der Erste sein und diesen Ramsch erwerben. – Noch besser: „Bauschutt zu verschenken.“ Oder: „10 m hohe Fichte gegen Abholung zu verschenken. Muss ausgegraben werden.“ – Hier geht es wohl augenscheinlich nicht um den Baum, hier wird ein „argloser Spaten“ für die Gartenarbeit gesucht.

Einen, nein, in Wahrheit unendlich viele, hab´ ich noch: „Sehr gut erhaltenes und selten gebrauchtes Kaffeeservice für sechs Personen zu verkaufen. Alles super in Schuss. Allerdings fehlen zwei Tassen und der Deckel der Zuckerdose hat einen Sprung.“ – „Wer hat hier den „Kratzer“?“, frage ich mich.

“Komm, einer geht noch.” – Jemand bietet seine Dienste als Minijobber an. Inzwischen im Ruhestand erwähnt man die Ausbildung in der Verwaltung mit dem Schwerpukt Kommunikation und die jahrelange Erfahrung in einer Praxis. Darüber wurden leider zahlreiche Regeln der deutschen Rechtschreibung und Zeichensetzung “vergessen”. Ich will nicht detailierter werden, denn die Anzeige ist noch online. – Übrigens “challenge” schreibt man “challenge”, nicht “Challange”!

Oh, gerade kommt noch eine Kleinanzeige herein. Zum Verkauf stehen: Zwei funktionierende Kapselmaschinen. Allerdings benötigt die eine eine neue Dichtung und die andere zeigt eine Fehlermeldung, die sich nicht beheben lässt … Lieber Inserent: Funktionieren heißt, intakt sein und durch Zusammenwirken bestimmter Arbeiten/Aufgaben/Vorgänge eine Funktion erfüllen.

“Ja, ich kenne “den alten Lichtenberg”: “Jeder Fehler erscheint unglaublich dumm, wenn andere ihn begehen.” – Georg Christoph Lichtenberg.

Natürlich habe ich auch Anselm Vogt gelesen: “Fehler: Der größte Fehler ist die Unfehlbarkeitsanmaßung.”

“Sind wir jetzt wieder quitt?” 😉

Willst Du viel … fisch´ im Priel

„Willst Du viel, spül´ mit Pril.“ – Das Handgeschirrspülmittel Pril und seine Formel gegen Fett und Stärke. Innovative Doppelenzym-Technologie. Sie sorgt für strahlende Ergebnisse und ein farbenfrohes Abwaschen.

Noch einmal der Priel. Einer dieser so zahlreichen Wasserläufe im Watt. Sie sind die ersten, die sich bei auflaufendem Wasser blitzartig füllen und schon so manchen Urlauber in die Bredouille brachten

Was hat ein Geschirrspülmittel mit einem Priel zu tun? Nichts! Aber ich brauchte einen Einstieg zu einem weiteren Netz-ins-Wattenmeer-auswerfenden-Erlebnis an der Butjadinger Nordseeküste. Die Fischerei hat an der Küste eine uralte Tradition und als einstiger Wesermärschler kann auch ich auf den einen und anderen „Fischzug“ zurückblicken.

Ich erwähnte ihn bereits: Unseren Skipper. Nur er ist “ausgeglichen” genug, unseren “Shuttle” zu “entern” und zu manövrieren

Fischzug im Sinne von Fischerei! Hier soll nicht die Rede vom „diebischen Völkchen“ an der Küste sein, das durch falsche Feuer unzählige Schiffbrüche verursachte und Schiffbrüchige plünderte oder gar meuchelte. Hier geht es um Nordseekrabben, um Granat.

Es sieht so einfach aus: Der Wechsel von der “Möwi” in die “Möwe”

Und um einige Fotos, die die Erinnerung wieder auf Trab bringen: “Seemann. Deine Heimat ist das Meer, Deine Freunde sind die Sterne …” (Lolita, eigentlich Edith Einzinger, 1960)

Landratten werden im Watt abgeholt. Bevor sie beim “Umsteigen” über Bord gehen …
Einmal an Bord, haben sie dann gut Lachen
Jahrhundertealter Fischer-Vier-Kampf: sortieren, spülen, sieben, kochen
Das ist kein Land! Das ist mitten im Wattenmeer
“Verkehrszeichen” im Wattenmeer: Pricken oder Priggen
Nächster Halt: Atlantis
“Na, hat sich das gelohnt?”
Da lacht nicht nur die Möwe

Im Priel vor Butjadingen

Es ist Sonntag, es ist sehr früh. Wir tragen Gummistiefel. Wir stellen unser Auto ab, suchen unsere Siebensachen zusammen und stiefeln, nachdem wir einen ersten Zaun erfolgreich mit Sack und Pack überwunden haben, über die Deichschulter in Richtung „Gipfel“. An dieser Stelle brechen sie durch, meine oberbayrischen Wurzeln. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und berichtige mich dahingehend, den „Gipfel“ gegen eine niedersächsische Deichkrone einzutauschen.

Von der Deichkrone blicken wir ins Deichvorland. Wir wagen den Abstieg über die Berme und den Deichfuß, erreichen die Salzwiesen, entledigen uns der angelegten Kletterausrüstung und an dieser Stelle soll „Schluss mit Lustig“ sein und unsere Verantwortung gegenüber dem Nationalpark “Niedersächsisches Wattenmeer” als besonders geschütztes Biotop mit vielen seltenen oder bedrohten Pflanzenarten einsetzen.

Hightech an Bord der Möwe

Längst haben wir die „Möwe“ entdeckt. Sie ist kein Ruderboot, aber auch kein Kajütboot. Sie ist ein motorbetriebenes Fischerboot. Weiß-blau liegt sie in der Nähe einer Buhne in einem Priel. Im Windschatten der Buhne wartet „Möwi“ auf uns. Besser, auf einen von uns. Denn „Möwi“ ist ein Miniruderboot, ein „maritimes Bobby Car“. Nur einen von uns wird „Möwi“ aufnehmen können. Wen? Natürlich unseren Skipper. Nur er ist „nivelliert“ genug, unseren „Sea Shuttle“ sicher zur „Möwe“ zu führen. – Nebenbei erwähnt: Es ist ein Bild für die Götter, diesen ausgewachsenen Seebären in der Nussschale, in der er kaum mit ausgestreckten Beinen sitzen kann, zu verfolgen.

Wie gewohnt klappt alles wie am Schnürchen: Der Skipper erreicht die Möwe, steigt um. Möwi und Möwe tauschen den Liegeplatz. Wenig später steuert er die Möwe zur Buhne. Nur er kennt die Untiefen vor der Schlenge, nur er weiß, wie die Möwe „reibungslos“ und frei und bei jeder Strömung zur Buhne gelangt.

Sein Gespür hat ihn nicht getäuscht: Der erste Hol

Wir steigen ein, lassen das Ufer hinter uns und bereiten unseren „Fischzug“ vor. Die Instrumente, das große Sieb, der Kocher und die Eimer sind einsatzbereit. Ich greife nach der umfunktionierten Pril-Geschirrspülmittelflasche und lenze die Möwe: Ich entferne das (Regen-)Wasser aus dem „Granatjäger“.

Ja, wir wollen Granat, Nordseegarnelen, Krabben, also keine Krebse fangen. Längst liegt das Netz im Wasser und wir fischen an unserer „geheimen“ Stelle im Priel vor …, ha, beinahe hätte ich es verraten. [Ich weiß, unsere Koordinaten sind auf dem Simrad-Foto zu sehen.]

Gesiebt, sortiert, gereinigt. Fertig für den Kochtopf

Im Schlick links und rechts neben „unserem“ Priel sehen wir die Schleppspuren der großen Krabbenkutter, die hier vor uns ihr Glück versuchten. Sie sind größer und stärker als wir, aber nicht so wendig wie, weil viel tiefgängiger als wir. – Wir kommen in Winkel, da träumen die nur von!

Wenn sie so aussehen, dann dauert´s nicht mehr lang

Die Zeit ist um. Die Erfahrung und das „Gespür“ des Skippers sagen zum ersten Mal: „Netz einholen!“ Es läuft gut, nach wenigen „Hol“ sind wir mehr als zufrieden. Vom Beifang befreit, sortiert, gesiebt, gekocht liegen die Krabben auf den außenbords angebrachten Lochblechen und kühlen ab. Und gerade jetzt schmecken sie, noch warm, am allerbesten.

Immer noch ein wenig “Grünzeugs” und Rollholz im Fang

Inzwischen fischen wir auf der Höhe eines Nordsee Urlaubsparadieses. Dabei haben wir die beiden künstlich angelegten Watt-Inseln Langlütjen I und Langlütjen II in der Wesermündung nicht aus den Augen verloren. Das Wasser ist weiter gesunken und es wird Zeit, in den „Heimathafen“ zurückzukehren. Es sei denn, wir lassen uns „trockenfallen“ und genießen die Stille des Wattenmeeres bei einem friesisch-herben Erfrischungsgetränk. Doch dafür, für das „trocken-fallen-lassen“, bleibt uns an diesem Tag keine Zeit: Wir können es nämlich nicht erwarten, unseren Fang zu pulen und mit Salz und Pfeffer gewürzt auf einem leckeren Schwarzbrot üppig(st) verteilt, zu genießen.

Qualitätskontrolle. Mein Ding

“Letzte Worte”: Die Fotos entstanden im Juni 2003. Sie wurden mit dem “Ur-Großvater” (Sony Cybershot P 98) unserer heutigen DSLR-Kameras gemacht und dürfen deshalb ruhig ein wenig “rauschen”. – Meeresrauschen eben.

Langwarder Groden

Der Langwarder Groden zwischen Fedderwardersiel und Langwarden ist ein besonderer Ort in Butjadingen, dieser Nordsee-Halbinsel an der Wesermündung. Ein vier Kilometer langer Rundwanderweg, Vogelbeobachtung und der Naturentdeckungspfad bieten besondere Erlebnisse in direkter Nachbarschaft zur fast 200 Quadratkilometer großen Meeresbucht Jadebusen. Bei frischen -1°C lassen wir uns auf dieses Abenteuer ein.

Natur erleben: Langwarder Groden

Vor dem Feldhauser Deich bewegen wir uns auf dem von der See angeschwemmten Neulandgebiet, dem Groden. Der Wind meint es gut mit uns und schickt uns heute lediglich einen “milden Hauch” entgegen. – Das haben wir an anderen Tagen schon ganz anders erlebt.

Naturerlebnispfad Langwarder Groden

Vor uns das Watt und dort, irgendwo “mittendrin”, das Fedderwarder Sieltief. In der Ferne sehen wir den Bremerhavener Überseehafen mit dem Eurogate Containerterminal. Das Naturerlebnis Vogelwelt macht sich rar. Nun gut, drei Tage nach Weihnachten atmen auch Flora und Fauna durch und sammeln neue Kräfte.

Langwarder Groden

Ich frage mich, ob der eine oder die andere, die sich heute mit uns auf dem Langwarder Groden aufhalten, von der Weihnachtsflut 1717 weiß? Dieser schwersten Sturmflut, die vor etwas mehr als 300 Jahren die gesamte Nordseeküste heimsuchte. Die Inseldurchbrüche u.a. auf den Ostfriesischen Inseln verursachte und weit mehr als 10.000 Menschen, darunter mehr als 1.800 Butjenter, das Leben kostete.

Oder, ob einer von ihnen die Legende vom Langwarder Fischer, der es nicht lassen konnte, an einem Sonntag, die Glocken der Langwarder Kirche läuteten bereits, auf Buttfang zu gehen, kennt? Und weil ich gerade die Langwarder Kirche erwähne: Weiß einer der Erholungssuchenden, wer im Langwarder Gotteshaus im Jahr 1514 nach dem schändlichen Verrat an den Butjadinger und Stadlander Friesen beim Strohauser Sieltief (heutige Gemeinde Stadland/Unterweser) Zuflucht suchte? – Nein, das weiß bestimmt keiner. Wie auch? – Ich will hier nicht den Oberlehrer spielen. Es sind allein meine Gedanken, die mir (oft ohne “Vorwarnung”) in den Sinn kommen.

Sie darf auch im Deichvorland nicht fehlen: “Seehund” Luna

Und während wir (auf dem Bohlenweg) “über das Watt laufen”, ich an die im 13./14. Jahrhundert wesentlich weiter im heutigen Watt liegende Küstenlinie und die im Laufe der Jahrhunderte “dort draußen” versunkenen Städte (Fedderwarder Kichdorf, Old Berdyck oder Nei Bördick, um nur einige zu nennen) denke, fällt mir (m)eine Geschichte ein: Die vom Krabbenfang mit der “Möwe”.

Auf dem Weg zur Vogelbeobachtungshütte

Ich schreibe sie einmal auf. Morgen.

Watt. Der Küstenbereich, der bei Ebbe trockenfällt. Allerdings nicht nach dem schottischen Wissenschaftler und Ingenieur James Watt benannt ;-

Nikolaus. 2./Flugabwehrraketenbataillon 26 NIKE. Rodenkirchen

Irgendwann zum Jahresende im Ausklang der 1980er Jahre trat die “Mutter der Batterie” (Innendienstbearbeiter B und Kompaniefeldwebel HptFw Roland A.) an mich heran. Gesucht wurde ein Nikolaus. Lage, Auftrag und Durchführung waren asap (as soon as possible (schnellstmöglich)) erklärt und verinnerlicht und bevor ich mich versah, trug ich das „Kostüm, Jahresausklang, Bartträger, rot-weiß, kunstpelzbesetzt, 5-teilig, allgemein passend, nicht schwimmfähig“.

Standesgemäß reiste ich als „Abt aus dem Kloster von Sion“ an. In der Kutsche inkl. Kleinpferd und Kutscher aus dem Ponyhof Alse an der Braker Straße/Alser Hellmer umrundete ich glockeschwingend und -läutend das Wirtschaftsgebäude an der (damaligen) Molkereistraße 21. Schnell erblickte ich die “höchstens” sechs bis acht Kinder, wie sie mir „Spieß“ Roland angekündigt hatte.

In seiner sittsam-bescheidenen Art hatte er mir allerdings die zusätzlichen 25 Kinder, die sich himmelhochjauchzend und mit roten Wangen ihre kleinen Nasen an den beschlagenen Fenstern des Unteroffierspeisesaales plattdrückten, verheimlicht. Ich wähnte mich bis dahin gut vorbereitet. Hatte ich doch im Vorfeld mit einigen Elternpaaren, es waren tatsächlich dieser nicht mehr als sechs gewesen, Details über die „Großtaten und Späße“ der Kleinen aus dem ausklingenden Jahr besprochen. Ich war angesichts der “höchstens sechs bis acht Kinder” ein wenig überrascht. Aber wir alle wissen: Es gab und gibt nichts, was Nikies nicht irgendwie schaffen.

Keiner hatte mich darauf vorbereitet, dass wir samt Kutsche und Pony das Wirtschaftsgebäude erobern werden. In akkurater Millimeterarbeit bugsierte uns der Kutscher durch die doppelten Schwingtüren des Wirtschaftsgebäudes. Er beruhigte erst den Nikolaus, dann den „Mustang“ als dieser auf dem ebenso glänzenden wie glatten Boden, trotz ausgelegter Gummimatten, ins Schlingern zu geraten drohte und parkte die Kutsche inmitten einer beeindruckt-aufgeregten Kinderschar direkt im Speisesaal. – Ich atmete erleichtert durch und auf.

Eh ich mich versah, stellten sich die Kinder in Reih´ und Glied vor der Kutsche auf. Das Pony wurde ausgespannt, ich kramte ein altes Wachmeldebuch unter der Bank hervor. Los ging´s. Gedichte wurden aufgesagt, Weihnachtslieder angestimmt. Ich hatte mit den „sechs Elternpaaren der ca. 34 Kinder“ zuvor abgesprochen, dass sich die Eltern des jeweiligen Kindes, das sich zu mir in die Kutsche setzte, durch leichtes Kopfnicken bemerkbar machten. So konnte ich die Seite mit dem jeweiligen persönlichen und durchweg sehr liebevoll verfassten Spickzettel über die Husarenstücke, „Heldentaten“, Mutproben, Wagnisse und Streiche der Kleinen aufschlagen.

Freude, Verblüffung und Überraschung bis hin zur Sprachlosigkeit stand den Kindern ins Gesicht geschrieben. „Woher weiß er, dass ich nicht gern mit dem Füller schreibe/den Sessel mit einer Kerze fast abgebrannt habe/den Teppich mit Schuhcreme verschönert habe?” – “Gibt es diesen „Wälzer unserer Sünden und Wohltaten“ tatsächlich?“

Dann wurde ich Ohrenzeuge eines Dialogs, bei dem ich mir das Lachen kaum verkneifen konnte. Ich muss dazu folgendes erklären: Ich trug zu dieser Zeit einen dunklen Vollbart. Damit dieser den weißen Bart des Nikolauses nicht „überschattete“, hatte mir die Kantinenwirtin Irmgard Sch. kurzerhand Weihnachts-Schneespray, also künstlichen Sofortschnee, „zu Tarnzwecken“ überlassen. Perfekt für die Erstellung von Schneeeffekt-Mustern auf Fenstern und Glastüren, eignete sich dieser Schnee (fast) vorzüglich zur Kaschierung meines dunklen Bartes. Aber, eben nur fast. Ein hartnäckiger Wirbel ließ sich nicht verbergen. Dies bemerkte eines der Kinder. Es ergab sich folgendes Gespräch: 1. Kind: „Du, der Nikolaus hat gar keinen weißen Bart.“ 2. Kind: „Was? Ehrlich?“ – „Ja, sieh mal genau hin!“ – „Tatsächlich!“ – „Aber nix verraten! Sonst gibt es keine Geschenke!“

Es gab sie doch und ich habe sie an diesem Tag sehr gern verteilt.

Das Mitternachtssüppchen

Es ist schon eigenartig, aber in der Vorweihnachtszeit holen mich immer wieder Bilder aus einer Zeit ein, die ich im Grunde ad acta gelegt habe. Es sind Bilder, die, obwohl sie in keinem grafischen Tiefdruckverfahren entstanden sind, doch als „Stahlstich“ bezeichnet werden müssen. Nadelspitz stechen sie zu und „verletzen“ mich noch heute. Unlängst holten mich „diese Geister“, die ich nicht rief, wieder ein.

Auslöser war ein „Süppchen“. Ich wähle bewusst diese grammatische Verkleinerungsform der auf der Grundlage eines Fonds beruhenden und aus weiteren Zutaten bestehenden Speise. – Eben saß ich noch entspannt vor meinem Süppchen, da startet das „vorweihnachtliche Kopfkino“:

Wir üben neben einem großen Flugfeld an der Vechtaer Straße in der Gemeinde Großenkneten. Seit mehreren Tagen ziehen wir mit unserem hochmodernen und mobilen Waffensystem durch den Raum Oldenburg-Cloppenburg-Delmenhorst. Wir fahren in der Dunkelheit. Bauen auf, gehen in Stellung, tarnen und täuschen, kämpfen, bauen ab und ziehen weiter. Wir, das sind mehr als 100 Soldatinnen und Soldaten unter der Führung eines Stabsoffiziers.

Es geht an die Substanz und an die Nerven. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, da geht es zwar noch, aber nicht mehr so professionell wie gewohnt. Die Luft ist raus. Es bedarf keiner erweiterten Ursachenforschung „Warum?“ dies so ist.

Die Abhandlung über „Die paradoxe Wirkung von Strafe als Erziehungsmittel“ scheint er nie gelesen und schon gar nicht verinnerlicht zu haben. Also „haut er drauf“, der Herr Major. Er verteilt „Druck und EPA“ (EPA – Essenrationen (EinmannPAckungen) der Bundeswehr für das Überleben im Felde.) Ein Vorgesetzter, der „Druck und EPA verteilt“, bestraft seine SoldatInnen als Druck- und Erziehungsmittel. Dies geschieht an diesem Abend in einer lautstarken und schließlich ungerechten und damit kontraproduktiven Art und Weise. Und dann begeht er den Kardinalfehler: Er schart seine ihn anbetenden Lieblinge um sich und verlässt das Übungsszenario. Gemeinsamen speisen die Herren an diesem Abend im Kasino.

Was hat das alles mit dem „Süppchen“ zu schaffen? – Es geht gegen Mitternacht. Die Stellung ist gesichert, die Streifen patrouillieren, nicht benötigtes Personal, außer demjenigen, der selten schläft, befindet sich in Ruhe. Die (geübte) Sicherheitslage ist mehr als angespannt. Da kommt er, der Ruf des Einheitsführers! Er möchte ein Mitternachtssüppchen und dazu ein „Scheibchen“ Vollkornbrot. Im ersten Moment kein Problem, aber der Herr Major befindet sich „auf dem Gefechtsfeld“. Dorthin bringt man, auch wenn “nur” geübt wird, nicht mal eben ein „Süppchen mit Scheibchen“!

Doch. – Er soll sie auslöffeln: Personal aus dem Schlaf reißen, Doppelstreife bewaffnen, aus- und aufrüsten, in die Lage einweisen und “Auf geht´s!”. – „Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.“ – Der Herr Major weiß bis heute nicht, womit ich sein „Mitternachtssüppchen“ zierte. – Und ich hab´s vergessen.

Seltsam, im Nebel zu wandern


Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.
(Auszug: Im Nebel, Hermann Hesse, 1877 – 1962)

Schau ganz tief in die Natur, und dann verstehst du alles besser. – Albert Einstein

Es ist nebelig an diesem Morgen. Und da ich heute nicht minijobbe, beschließen das Frollein und ich, einen weiten Gang durch die Gemeinde zu unternehmen. Wir laufen die Gristeder Straße entlang, rechts neben uns das Kollmoor. Am Nordholtsweg biegen wir ab und umrunden das Nordholt. Als wir erneut die Gristeder Straße erreichen, laufen wir weiter in Richtung des Rhododendron Parks.

Der Zahn der Zeit beginnt beginnt zu nagen

Nach dem Köntjeweg überqueren wir die L825 und als wir den Rhodo-Park hinter uns gelassen haben, stehen wir auf dem Dingsfelder Weg. Wilshoren und die Halfsteder Bäke lassen wir „links liegen“ und laufen jetzt, Dingshagen und das Mansholter Holz zu unserer Rechten, nach Dingsfelde. Es ist so nebelig, wir können Kuhhorn kaum erkennen.

Dingsfelder Weg

Ich bin mir fast sicher, dass selbst so manch alteingesessene Wiefelsteder*Innen nicht unbedingt wissen, wo wir uns an diesem Vormittag aufhalten. Ich, der vor etwas mehr als 20 Jahren zugereiste (Wahl-)Wiefelsteder, habe lange gebraucht, um mir diese Namen einzuprägen.

Halfsteder Bäke

Trotz des dichteren Nebels versuchen wir es: „Schau ganz tief in die Natur, und dann verstehst du alles besser.“ (Albert Einstein)

Nordholtsweg