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Alltägliches & Co. aus und um Wiefelstede

Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn

Bestimmte Episoden und Ereignisse kreisen immer wieder in meinem Gedächtnis. Sie wollen mich noch nicht verlassen und knüpfen so immer wieder an meine Vergangenheit an. An eine Zeit, die inzwischen mehr als 20 Jahre vergangen ist. Aber unser Gedächtnis ist leistungsfähig, selbst über „alte“ Gefühle gibt es heute noch Auskunft. Auch wenn diese Empfindungen nicht immer sehr angenehm waren, so wäre es doch falsch, die damit verbundenen, nicht immer reine Freude hervorrufenden Erinnerungen zu unterdrücken. Also, ein wenig Selbsttherapie praktiziert und vielleicht helfen mir die folgenden Fotos, mich wieder um ein weiteres Stück von einigen sehr unharmonischen Begegnungen und bitteren Erfahrungen dieser Zeit zu distanzieren. – Nein, es kostet mich überhaupt keine Überwindung und auch quälen mich diese Bilder aus der Vergangenheit nicht, denn dann würde ich sie keineswegs zeigen.

Heute undenkbar: Der Fliegerhorst verfügte über eine eigene Gärtnerei. Parole: Besondere Blumen für jeden Anlass
In sog. Kriechkellern sammelte sich nicht nur der Staub. Aufmerksame Beobachter*innen entdeckten sicherlich längst den Boonekamp „Guter Stern“
In der Schmiede
Eine der vielen Kraftfahrzeugwerkstätten
Im Keller der Truppenküche. Hm, die in der Nähe zur Alexanderstraße oder die andere?
Fred B. hatte diese ganz besondere Uhr …
Mit der Einrichtung des Bw-Fuhrparkservices wurden Dienstfahrräder immer überflüssiger und die Soldat*innen immer inaktiver im Hinblick auf ihren Stütz- und Bewegungsapparat
Nein, nicht „der Bart ist ab“. – Handwerk(er) im Zentrum der Arbeit
Ausgesetzt und vergessen. Er träumte über viele Jahre in einer Garage sicherlich von den schönen Zeiten als Cabriolet am französisch-italienischen Küstenabschnitt des Ligurischen Meeres: Der Riviera
„End of exercise. Return to normal peacetime status!“
In einem der beiden Kesselhäuser
Zwar nur Holzpritschen, dafür aber Wasser von den Wänden
Wenn man hier den Hahn zugedreht hätte, wär es nebenan ganz schön frisch geworden. – Verdient hätten sie es damals
Luftfilteranlage
Keine Mülleimer
Wer hoch hinaus wollte, stand manchmal vor verschlossener Tür
Es gab nicht nur „Künstler“, die es immer wieder schafften, im richtigen Augenblick am richtigen Ort zu sein: „Herr Oberstleutnant, ich weiss was …“
Die (damals ausschließlich nur) „Jungs“ in der Ausbildungswerkstatt waren schon sehr talentiert
Ich würde etwas dafür geben, zu erfahren, wer sich diesen Schützen und die anderen Motive um ihn herum „unter den Nagel gerissen hat“. Ich gehe sehr davon aus, dass sie sich nicht mehr an ihrem alten Platz befinden
Ein Zeuge aus der Zeit kurz nach WK II
Raum und Gebäude sind heute (im wahrsten Sinne der Worte) „Staub von gestern“
Noch ein Kesselhaus … das andere
… und auch eine weitere Truppenküche
Nach mindestens 10 Jahren muss ich der Erste gewesen sein, der diesen Raum entdeckte. Nein, nicht ganz, denn ich fand Hinweise auf eine inoffizielle „Raststätte“ der DHF

Die Aufnahmen stammen aus meiner ersten kleinen Digitalkamera, meiner „Hosentaschensony“, und aus der Zeit um das Jahr 2003+. Ich habe bewusst keine Ortsangaben gemacht, da es selbst Eingeweihten sehr schwer gefallen sein wird, diese Fotos auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände an der Oldenburger Alexanderstraße zu „verorten“. – Warum auch? Ist doch alles längst Geschichte.

Bildliche Eindrücke einer Polenreise

Während unserer letzten Reise nach Polen habe ich wieder einmal viele Fotos gemacht. Darunter sind viele Bilder von Bildern, die ich an den Stationen unserer Reise u.a. in den Städten Krakau, Kalisch, Chocz und an anderen Orten fand. Bilder, die mich begeistern, anrühren, nachdenklich, traurig und wütend machen.

In der Schule der Wiefelsteder Partnergemeinde Chocz werden die Schülerinnen und Schüler zur Sammlung gebrauchter Plastikverschlüsse aufgefordert
Vom Schüleraustausch „spricht“ dieses Poster in Chocz
Die Deckenbemalung in einer Krakauer Synagoge
Graffiti im jüdischen Viertel Krakaus
Die Außenwerbung einer Bar in Krakaus Künstlerviertel
Eine Wandbemalung im Gorzeński-Schloss in Dobrzyca
Deckenbemalung in der Ev. Kirche in Stara Kaźmierka
Der Zirkus kam nach Chocz
Altarbild in der Ev. Kirche Stara Kaźmierka
Eine Grafik im Kulturzentrum Krakau
Von Jerzy Potrzebowski (1921-1974) angefertigte Zeichnung. Auschwitz-Birkenau
Von Mieczyslaw Koscielniak (1912-1993) angefertigte Zeichnung. Auschwitz-Birkenau

 

Besuch in der Wiefelsteder Partnergemeinde Chocz

Ich wollte den zweiten Teil unserer Polenreise nicht in einem Atemzug mit unserem Besuch in Krakau und Auschwitz-Birkenau erwähnen und schreibe im Anschluss an diesen Aufenthalt nun von unserer Weiterreise nach Chocz. Wiefelstede und Chocz verbindet seit dem 7. September 2003 eine Gemeindepartnerschaft.

Ein Plakat in der Schule in Chocz: Begegnungen

Chocz (während der deutschen Besatzung 1943–1945: Petersried) ist der Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in Polen. Die Stadt liegt im Powiat (Kreis) Pleszewski und damit in der Wojewodschaft (Provinz) Großpolen und besitzt seit dem 1. Januar 2015 wieder die Stadtrechte. Zur Gemeinde Chocz zählen neben der Stadt selbst 11 weitere Ortsteile (in Klammern: die deutschen Namen während der Besatzungszeit 1943-1945): Brudzewek (Heidekrug), Chocz (Petersried), Józefów, Kwileń (Annenrode), Kuźnia (Schmiedefeld), Niniew (Langenstein), Nowa Kaźmierka, Nowolipsk, Nowy Olesiec, Piła, Stara Kaźmierka und Stary Olesiec (Erlenhof).

Landwirtschaft prägt: Sowohl Chocz als auch Wiefelstede

Während unseres Aufenthalts wohnen wir im Hotel Karczma Stara Stajnia in der Nachbargemeinde. Zawidowice (1939–1943 Tannenhof, 1943–1945 Fichtenwalde) ist ein Dorf im Landkreis Pleszew und ebenfalls in der Provinz Großpolen im Westen Polens gelegen. Zawidowice liegt ca. 10 Kilometer von Chocz entfernt.

Das Rathaus in Chocz

Wir treffen Chocz´ Bürgermeister Marian Dariusz Wielgosik und besichtigen die Stadt, Schulen sowie eine Senioreneinrichtung. Fahren dann weiter in das ca. 30 Kilometer von Chocz entfernte Dobrzyca. Hier besichtigen wir das Gorzeński-Schloss und den Park.

Gorzeński-Schloss und …
… der Park

Am letzten Tag unserer Reise besuchen wir die Evangelische Kirche in Stara Kaźmierka und die Stadt Kalisz. Auf Grund einer sehr frühen schriftlichen Erwähnung (150 n. Chr.) kann sich Kalisz eine der ältesten urkundlich belegten Städte Polens nennen.

Evangelische Kirche in Stara Kaźmierka
Evangelische Kirche in Stara Kaźmierka

Auch wenn sich unsere Fahrt auf weit mehr als 2.000 Km belief, die Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse wiegen diese Strecke auf. Es war eine informative und interessante Reise, die uns erneut zu unserem mitteleuropäischen Nachbarn führte.

Hotel Karczma Stara Stajnia in Zawidowice

Im Anschluss einige „bildliche Eindrücke“:

Im „grünen Gürtel“ um Krakau
Blick vom Wawel (Krakau). Ein 228 m hoher Hügel (Wawel) aus Kalkfelsen, der sich im Zentrum Krakaus über die Weichsel an deren linkem Ufer erhebt
Straßenmusikant vor der Krakauer Hochschule
Keine Hochzeitskutsche. In diesen Kutschen besichtigt man (und Frau) die Stadt Krakau
In einer Synagoge im jüdischen Viertel Krakaus Kazimierz
Im jüdischen Viertel Kazimierz
„Lernhilfen“ in der Schule in Chocz
Blick in einen Hinterhof in Pleszew
Der Schuster Marcinek in Kalisz („Die Legende von Dorota aus Kalisz“. Eine Geschichte um einen erbarmungslosen König, seine Tochter und den Schuster Marcinek)

Krakau und Auschwitz-Birkenau

Nach einer mehrstündigen Fahrt von Wiefelstede erreichen wir Krakau, die ehemalige Hauptstadt Polens an der Weichsel. Krakau liegt im südlichen Teil Polens, dem sog. Kleinpolen. Die Stellung als ehemalige Residenzstadt der polnischen Könige und als Bestattungsort bedeutender Persönlichkeiten verleiht Krakau seine besondere nationale Bedeutung.

König Kasimir der Große (1310-1370) ließ die Krakauer Tuchhallen im Mittelalter errichten

Doch nicht die Tatsache, dass Krakau 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und im gleichen Jahr der Krakauer Kardinal Karol Wojtyla zum Papst gewählt wurde, waren der Anlass unserer Reise. Zwar lockt uns Krakau als kultureller Mittelpunkt und „heimliche Hauptstadt“ Polens an die Weichsel, aber wir wollen uns mit einigen der grundlegenden Elemente der nationalsozialistischen Ideologie, dem Antisemitismus und der Ablehnung von Demokratie und Kommunismus befassen.

Kathedrale und Schloss auf dem Wawelhügel

Es bleibt uns ein wenig Zeit die Altstadt, die Marienkirche, den Marktplatz, die Tuchhallen und den grünen Gürtel um die Altstadt Krakaus zu besuchen. Um das jüdische Viertel am linken Ufer der Weichsel zu erkunden, trennen wir uns von unserer Reisegruppe, denn das Erreichen des Stadtteiles Kazimierz in einem sehr geräumigen, aber auch sehr großen Premiumreisebus erweist sich auf Grund der allgemeinen Verkehrssituation als aussichtslos.

In der Kupa Synagoge in Krakau
Im historischen Zentrum Krakaus, dem Kern der früheren polnischen Hauptstadt

Deutsche Truppen besetzten Krakau im September 1939. 1941 wurde die jüdische Bevölkerung in einem Ghetto zusammengepfercht. Von einst ca. 69.000 Krakauer Juden fanden fast 60.000 den Tod in den Konzentrationslagern Belzec in der heutigen Woiwodschaft Lublin, in Majdanek, in Auschwitz-Birkenau und in einem in der Krakauer Vorstadt Plaszow liegenden KZ. Der Grund unserer Reise war die räumliche Nähe Krakaus zum ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Hier wurden während der Zeit des Nationalsozialismus´ systematisch und historisch unbestreitbar Juden, Sinti und Roma, Obdachlose, Behinderte, politisch Verfolgte, sogenannte „Asoziale“ und Kriegsgefangene ermordet.

Jan Karski (1914-2000). Der Mann, der versuchte, den Holocaust zu stoppen. Widerstandskämpfer in Polen während des Zweiten Weltkrieges

Ich möchte nun allein meine Bilder sprechen lassen und nur der ehemalige Auschwitz-Häftling Primo Levi (1919-1987) soll zu Wort kommen:
„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben. Es kann geschehen, überall.“

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau wird jährlich von über einer Million Menschen besucht
Treppenhaus in einem der zahlreichen Blöcke
Ein Ding der Unmöglichkeit
Koffer der Häftlinge im Konzentrationslager  (KL) Auschwitz, Oświęcim, Polen
KL Auschwitz (Oświęcim). Schuhe der Ermordeten
Torhaus Auschwitz-Birkenau
Zyklon B. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau für den organisierten Massenmord benutzt
Eine noch vor der Befreiung des Lagers gesprengte Halle mit Verbrennungsöfen
Nur wenige Kilometer südwestlich von Kraków liegt das berüchtigte Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau ist ein zentraler Ort der Erinnerung an ermordete Juden, Sinti und Roma, Obdachlose, Behinderte, politisch Verfolgte, sogenannte „Asoziale“ und Kriegsgefangene
Gedenktafel für die Opfer des Vernichtungslagers
Wir waren vor Ort. Denn: Liefert (allein) die Präsenz des Themas in den Medien ausreichend Informationen?

Heimatmuseum Wiefelstede

An der Hauptstraße 11 in Wiefelstede liegt das Heimatmuseum. In dem ehemaligen Wohnhaus der Apothekerin Margarethe und des Schriftstellers Winfried von Wedel-Parlow werden wechselnde Ausstellungen aus den Bereichen der Kultur- und der Alltagsgeschichte sowie dem regionalen künstlerischen Schaffen angeboten. http://www.heimatmuseum-wiefelstede.com/

Im Garten des Hauses befindet sich seit kurzer Zeit ein weiterer Museumsbereich. Hier wird in einer Dauerausstellung die Handwerksgeschichte der Bauerschaften der Gemeinde präsentiert. Und diesen Bereich habe ich besucht: Ich war im Tante-Emma-Laden, beim Friseur und beim Schuster.

Kolonialwaren. Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee, eben Waren „aus den Kolonien“, boten seinerzeit der Kolonialwarenhändler und die Kolonialwarenhändlerin an
Viele Waren aus dem Bäckereimuseum des Bäckermeisters Ingo Zimmermann (1937-2014) fanden eine neue Heimat im Kolonialwarenladen des Museums
„Was darf es sein?“
Der Barbier von Sevilla? Nein, der Wiefelsteder Friseur, Frisör, Coiffeur, Hairstylist, Figaro, Haar(e)schneider, Haarkräusler, „Putzbüddel“ …
Beim Blick in den Salon dachte ich sofort an den Bruder meines Opas. Dieser betrieb jahrzehntelang einen Salon in Geestemünde (Bremerhaven)
„Einmal Fasson, Scheitel links, bitte.“
Der Schuhmacher oder Schuster
Genauso sah es einst am Arbeitsplatz „meines“ Nordenhamer Schuhmachers Heinz Wiehan aus
Ich sehe (vor meinem geistigen Auge)  Schuhmachermeister Wiehan an diesem Schuh arbeiten. Plötzlich habe ich den  so typischen Geruch von Leder, Schuhcreme und Leim in der Nase
Das Heimatmuseum mit seinem Außenbereich in der Wiefelsteder Hauptstraße. „Da muss man gewesen sein!

 

Auf Augenhöhe

Eigentlich habe ich mir heute morgen vorgenommen, einige Fotos „in Augenhöhe“ aufzunehmen. Aber … kaum habe ich die ersten Bilder gemacht, da meldet sich das Frollein zu Wort: „Ihr sprecht doch immer davon, dass Ihr kommunalpolitisch die Bürgerinnen und Bürger „abholen“ oder „mitnehmen“ wollt. Ich weiß, damit signalisiert ihr, dass Bitten, Anträge, Beratungsergebnisse, Beschlüsse und Bilanzen transparent dargelegt, begründet und erläutert werden sollen. Doch jemand der „abgeholt“ oder „mitgenommen“ werden soll, diese Person steht doch irgendwo (herum) und wartet auf etwas. Warum? Wenn ihr von Anfang an Öffentlichkeit schafft, weiß jeder worum es geht und muss nicht abgeholt werden. Sie oder er ist von Anfang an dabei und wird euch begleiten oder sich eine Alternative suchen.“

Ich wollte Dinge in Augenhöhe mit der Kamera einfangen. Zwei, drei Aufnahmen glückten mir, dann …

Heinz Rühmann soll einmal gesagt haben: „Natürlich kann man ohne Hund leben, aber es lohnt sich nur nicht.“ Ich gebe ihm recht: „Welche „Befunde“ würde ich versäumen!“

Luna. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund

Wenn sie wüssten

Was würde wohl der einstige Lehrer U. aus Moorsee, der Bauerschaft im Ortsteil von Abbehausen in der Gemeinde Nordenham/Landkreis Wesermarsch denken, wenn er wüsste, dass ich eines seiner Bücher, die vor mehr als 20 Jahren auf verzweigten Pfaden den Weg zu mir fanden, noch heute zur Hand nehme? Und würde sich der ehemalige Heidelberger Professor und Sprachwissenschaftler M. freuen, dass der „Kleine Pauly“, ein Lexikon der Antike aus seinem Besitz stammend, immer noch zu meiner Lieblingslektüre gehört? – Die einen lesen Erzählungen und Romane, ich tauche gern in Sach-/Fachbücher und Lexika ab. – Das „warum?“ zu erläutern, wäre eine weitere, eine ganz andere Geschichte.

Über und über mit Tinte „verkleckst“ und damit (m)ein wichtiger Zeitzeuge: Eklogen

Und vielleicht wären die beiden Herren ebenso begeistert wie ich, dass ihre ihnen einst so vertrauten Bücher von mir oft genutzt werden, um heute u.a. einer in Kabul geborenen deutschen Schülerin Friedrich Schillers „Die Bürgschaft“ näher zu bringen? – Eines der Bücher ist 143 Jahre älter als „meine“ Schülerin!

Jede, jeder, jedes. Alles, was in der Antike Rang und Namen hatte, der Kleine Pauly kennt´s

Ich jedenfalls freue mich sehr über „das Vermächtnis“ der Akademiker.

Natürlich, nicht jede Schülerin und jeder Schüler geraten bei der Bearbeitung der Schillerschen Bürgschaft in Freudentaumel. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Heute hole ich diese einst „verweigerte“ Freude aber mit Vergnügen, wenn auch aus anderer Motivation, nach.

„Kennst Du die Kurzform der Bürgschaft?“ Die Lieblingsfrage meines Opas. Und dann folgte seine ganz persönliche (humorvolle) Interpretation dieser Ballade

Vieles neu macht der Mai

„Wo ist eigentlich mein „Lunamobil“?“ Bernsteinfarbene Augen blicken mich fragend an. „Ich hätte es dir schon längst sagen wollen, aber habe es dann doch vergessen: Wir haben unseren Fuhrpark gesichtet, bewertet und aussortiert.“ „Das bedeutet?“ „Das Lunamobil, der stets zuverlässige Trixie®-Hundeanhänger und unsere beiden Fahrräder sind weitergezogen.“ „Was muss ich darunter verstehen?“ Die Kleine Münsterländerin schlägt einen „draufgängerischen“ Ton an.

„Wer sich nach Ruhe und Natur sehnt, sollte einen Abstecher in die „Mansholter Büsche“ unternehmen“, sagt www.wiefelstede-touristik.de

„Lass´ es mich mit den Worten Thomas von Aquins sagen: „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten.“ Also, wir haben nicht gebetet, aber stetig gearbeitet und so haben wir uns mit neuen Fahrrädern und dich mit einem neuen Lunamobil belohnt. Du wirst demnächst „cruisen“, in einem Croozer® durch die Landschaft gleiten, unsere Einkäufe wollen wir nun in einem Lastenanhänger nach Haus „croozen“ und uns dabei auf einspurigen Fahrzeugen mit Elektromotoren fortbewegen. In deinem ehemaligen Lunamobil rollen bereits in der Nachbargemeinde zwei sicherlich sehr zufriedene Hunde um das Zwischenahner Meer und unsere beiden Fahrräder bringen ihre neuen Besitzer in einem unserer benachbarten Landkreise nun zuverlässig von A nach B.“

„Gleich um die Ecke“ haben wir „unseren“ Hörner Diek. Hier passen auch wir auf das brütende Storchenpaar auf, denn einige Mitmenschen haben es leider immer noch nicht verinnerlicht, dass Familie Adebar Ruhe braucht

„Zwei Hunde in meinem Lunamobil? Soll das heißen, ich …?“ „Nein, Luna, du bist nicht vollschlank. Wir wollten dir nur etwas Gutes tun.“ „Na. Ich bin sehr gespannt.“ Empört zieht sie von dannen.

Hier benötigen wir keine Radwanderkarte, aber die aktuelle Ausgabe ist natürlich bereits bestellt

Wer hätte gedacht, dass unser Mobilitätswechsel zu einem tierischen Problem werden könnte?

„Mein Name ist Hase, ich … habe kein E-Bike.“

Wenn Du denkst, Du denkst …

„Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.“ – Diese Worte lässt Hermann Hesse „seinen“ Max Demian sprechen, aber kann ich nicht allein entscheiden, welchen Gedanken ich leben möchte?“ – Luna und ich wandern durch die Mansholter Büsche. Es ist Mitte April, die Sonne scheint. Es weht ein kühler Wind durch den Forst. Dieser allerdings nicht erst seit dem das Frollein dieses Zitat aus der 1919 erstveröffentlichten Jugend- und Lebensgeschichte anspricht.

Die Mansholter Büsche: Ein historisch alter Eichen- und Hainbuchenwald mit herausragender Bedeutung für den Naturschutz

„Freundschaft und die Suche nach einer neuen Lebensphilosophie spielen in der als Jugendroman erschienenen Erzählung eine zentrale Rolle, liebe Luna. Gedanklich folge ich Dir, aber Du musst nicht jeden Deiner Gedanken leben. Ich denke, Du machst Dir zu oft zu viele Gedanken über den Sinn des Lebens. Ich finde, es ergibt nicht immer einen Sinn, stets allein nach Inhalten und Werten zu suchen. Vielfalt und Abwechslung sind reines Leben wie auch Ausprobieren und Erfahrungen.“

Mansholter Holz und Schippstroth an der Nutteler und Bokeler Bäke. Seit dem 11. August 2012 unter Naturschutz

„Ja, ich weiß, die antiken Philosophen sahen allein in der „Erlangung der Glückseligkeit durch eine gelungene Lebensführung“ den Sinn des Lebens.“ Luna ist noch ein wenig unschlüssig und auch ich gerate ins Grübeln. Nun habe ich allerdings kein Interesse, unseren heutigen langen Waldspaziergang tiefsinnig-gedankenvoll fortzusetzen.

Der Wanderweg „Wiefelsteder Kirchweg“ führt durch die Mansholter Büsche

„Du? Prof. Dr. Ulrich Walter hat gesagt: „Lieben und geliebt werden“, sei der Sinn des Lebens.“ Ich atme auf. „Luna, lass uns diese aus philosophischer Sicht so überraschend simple und für uns sehr elegante Antwort, hier und heute anerkennend „abnicken“.“ [Sonst sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.]

Das Gespräch in der Bewegung

„Wenn ich mich recht erinnere, dann …“, Luna setzt wieder einmal zu einem tiefgründigen Gespräch in der Bewegung an, „ist doch auch Walther von der Vogelweide einmal zu Gast im Kloster Tegernsee gewesen. Mir fällt auf, dass Du Dich in den letzten Wochen sehr viel mit der im 8. Jahrhundert gegründeten Abtei der Benediktiner befasst.“ „Ja, der Roman „Sturm am Tegernsee“ ist der Grund für mein Interesse an allem, was sich dort so um 1200 ereignete und wer sich hier im Hochmittelalter begegnete. Natürlich sind es auch mein Vater und seine Vorfahren, die einige Jahrhunderte später am Tegernsee lebten. Ich schließe es allerdings aus, dass meine Wurzeln in der Benediktinerabtei liegen.“

Am Hörner Diek. Auch ohne tiefgründige Gespräche (m)eine Oase

Das Frollein ist eben eine sehr aufmerksame Kleine Münsterländerin. Der Heidewachtel entgeht nichts. Ob Fasan, Wildkaninchen, Nachbars streunende Katze, ups, natürlich meine ich Nachbars „Freigängerin“, oder meine aktuelle Lektüre. Woher weiß sie, dass sich Walther von der Vogelweide 1216 im Kloster Tegernsee aufhielt. Ich habe nicht mit ihr darüber gesprochen, noch ihr einen Einblick in meine Notizen ermöglicht. Aus Erfahrung weiß ich, was mir dann blüht. – Was hat es mir genutzt?

„Der damalige Abt Berthold I. bewirtete den Lyriker allerdings sehr spartanisch: Wasser statt Wein. Darüber beklagte sich Walther später in einem Gedicht, liebe Luna.“ „Das hätte ich an Walthers Stelle dem damaligen Erzbischof von Salzburg, Eberhard II. von Regensburg erzählt, der war ja wohl ohnehin nicht so gut auf den Abt und sein Kloster zu sprechen.“ Woher hat sie das nun wieder? „Oder gleich dem Papst Honorius III., liebe Luna.“

Der „Teich“ ist eigentlich ein Funktionsbecken der Abwasserreinigungsanlage Am Brinkacker. Aber wie hätte sich das in meinem Text gelesen?

„Und was ist das Leben ohne Wein? Denn er ist geschaffen, dass er die Menschen fröhlich machen soll.“ Nun zitiert sie auch noch das Buch Jesus Sirach (Sir 31,33-34). Fast ratlos und ganz und gar nicht von meinem „Gegenschlag“ überzeugt, kontere ich: „Sei kein Held beim Weinsaufen; denn der Wein bringt viele Leute um.“ (Das Buch Jesus Sirach (Sir 31,30))

Ich meine, ein verschmitztes Grinsen im Gesicht des Frolleins zu entdecken. Dann macht sie sich auf, die Enten und Wildgänse am Teich zu zählen.