Archiv der Kategorie: Allgemeines

Alltägliches & Co. aus und um Wiefelstede

Granatjäger 2000

“Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt
Ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus
Und sie legen im weiten Bogen die Netze aus”
Rudi Schuricke, Ende der 1940er Jahre

Damals stachen wir mit der Möwe in See

Es war nicht vor Capri, es war nicht die rote Sonne, die im Meer versank und die bleiche Sichel des Mondes blinkte an diesem Julitag im Jahr 2000 auch nicht, aber wir fuhren zum Fischen.

Die Ruhe vor dem Sturm. … dem Sturm auf die Krabben, Granat, Nordseekrabben.

Die italienische Felseninsel Capri, im Golf von Neapel gelegen, ist auch heute noch gute 2.000 Straßenkilometer von der Butjadinger Halbinsel an der Nordseeküste entfernt. Und ich bezweifle, dass die Fischer, die Rudi Schuricke im weiten Bogen ihre Netze auslegen ließ, auch nur halb so viel Spaß hatten wie wir an diesem sonnigen Tag zwischen Jadebusen und Wesermündung.

Ins Netz gegangen

Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik

„Kallax“, früher „Expedit“, einem schlichten Regal aus dem Hause eines multinationalen Einrichtungskonzerns, ist es zu verdanken, dass mir eine Festschrift der Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik (BAkWVT) in die Hände fällt. „Wieder in die Hände fällt“, muss ich schreiben, denn vor inzwischen sehr vielen Jahren kam auch mir die dienstliche Verpflichtung zu, das einstige Bildungsinstitut der Bundeswehr mit Sitz in Mannheim zu Schulungszwecken zu besuchen: Qualitätsmanagement (QM) nebst Kosten- und Leistungsverantwortung (KLV).

Festschrift „40 Jahre Akademie“

Der Seminargedanke lautete annähernd: „Das bestmögliche Produkt anbieten“. Mir hatte man damit gar keinen Gefallen getan, aber wer fragte mich? Im Gegenteil, man war froh, einen Staatsbürger in Uniform gefunden zu haben, der mittels Befehl und Gehorsam herhalten musste, sein Wirtschaftlichkeitsbewusstsein gestärkt zu bekommen, um dann die Kreativität der Soldat*Innen systematisch für Einsparungen und Verbesserungen zu nutzen.

Und dann fällt mir heute diese Festschrift „40 Jahre Akademie“ beim Umräumen meiner inzwischen etwas kräftiger angewachsenen Bibliothek in die Hände. Ich bin seinerzeit nur wenig später als das 2001 begangene Jubiläum vor Ort in der Seckenheimer Landstraße 8-10 in Mannheim gewesen. Diese Verspätung hinsichtlich des Ehrentages ist auch nicht der Anlass zu meiner heutigen kurzen Geschichte.

Mein “Meilenstein” wurde später (nicht) in die Abschlusschronik (2012) der Akademie aufgenommen

Meine damalige Verspätung zum Lehrgangsantritt in Mannheim kommt mir ungebremst wieder in den Sinn: 560 Kilometer bis zur Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik liegen vor mir. Ich starte mit einem großzügigen Zeitpolster in Richtung Mannheim. Es läuft wie am Schnürchen. Ich komme problemlos voran. „Kreuz Mannheim“, BAB 6, BAB 656, Freudenheim, Fahrlach, Oststadt, Neuhermsheim. “Wo bin ich?” Ich kreuze den Neckar mal von links nach rechts und dann wieder entgegengesetzt. Ich habe mich verfahren! Noch nie habe ich mich auch nur zu irgendeinem Seminar oder Lehrgang verspätet. Aber heute!

Mit 1,5 Stunden „overtime“ melde ich mich bei meinem Hörsaalleiter. Der Leitende Direktor Herr Dr X. hört mich an, mir aber nicht zu. Ich muss beim zuständigen Lehrstabsoffizier vorsprechen. – Klopf, klopf. „Herein.“

Irgendwann bemerkte ich, dass ich die “überarbeitete” Ausgabe der BAkWVT-Festschrift “gefunden” hatte

Ich schreibe nicht, dass es die nicht objektive, vielleicht sogar von negativen Gefühlen bestimmte Meinung, die sich der Herr Oberstleutnant ohne Prüfung der Tatsachen voreilig über mich gebildet hat, ist, dass er mich ein wenig missgestimmt begrüßt. Auf alle Fälle lasse ich ihn natürlich ausreden und erwidere dann: „Ja, Herr Oberstleutnant, ich setzte mich vor 8 Stunden mit dem Vorsatz ins Auto, verspätet in Mannheim anzukommen. Allein aus dem Grund, um Sie zu verärgern.“

Sendepause. Schnappatmung. Ich merke, dieser Satz geht nach hinten los. Der Mann versteht meine humoristisch gemeinte Zweideutigkeit nicht. Ich kann die Situation versöhnlich bereinigen und darf am Unterricht teilnehmen. – Am dritten Unterrichtstag an der BAkWVT denke ich reumütig: „Hättest Du nur nicht …“

Der 280er

Eine Geschichte ohne Fotos. Zur freundlichen Erinnerung an Joachim Anton H. und einzig für das “geistige Auge” bestimmt.

Heute kam mir ein Mercedes-Benz 280 S entgegen. „Schön“, denken der eine und die andere: „Und warum ist das so besonders?“ – Es handelte sich um einen Typ W 108, der gern als „die alte S-Klasse“ bezeichnet wird, obwohl besagte Klasse zur Zeit der Fertigung dieses Typs (1967–72) noch gar nicht vom Band gelaufen war. – (Zitat) Mercedes-Benz bezeichnet die Modelle W 108/109 als „die eigentliche Geburtsstunde der S-Klasse“, auch wenn man sie damals noch nicht so nannte (Zitatende, wikipedia).

Besagter Mercedes 280 S, wenn auch noch nicht eine S-Klasse, so doch ein 6-Zylinder-Oberklasse-Modell mit einem Hubraum von 2778 cm³ und seinerzeit 140 PS, weckte sofort Erinnerungen in mir:

2./Flugabwehrraketenbataillon 26 NIKE, Chorengelshellmer/Sürwürder Hellmer, Lockfleth, Feuerleitbereich und Joachim (1954 – 2020), “nick name”: Jochen. – Jochen fuhr dieses W-108er-Modell. Und er wäre nicht Jochen gewesen, hätte sein 280er nicht auch bereits damals über besondere Ausstattungsmerkmale verfügt wie ein Automatikgetriebe, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, eine Standheizung und … nun kommt´s: Am rechten Kotflügel des tiefschwarzen „Mafiaschlittens“ befand sich die Halterung für einen Stander. Bestimmte Amtsinhaber und Würdenträger besitzen die Berechtigung zum Führen von Standarten … und der damalige Herr Oberfeldwebel J. – „Wer, wenn nicht er?“

Ich will mich auf keinen Fall über Jochen lustig machen. Im Gegenteil! Ich erinnere mich oft und dies sehr gern an unsere gemeinsamen Jahre während der 1980er. „So manches Ding“ haben wir uns da hin und wieder geleistet. Nein! Wir haben uns niemals rechtswidrig verhalten und selbstverständlich auch keine Straftaten begangen.

Wir haben vielleicht einmal mehr als gewöhnlich, auch gegenüber den uns anvertrauten Soldaten, „Fünfe gerade sein lassen“ und bestehende Dienstvorschriften mit ein wenig mehr Freigeist interpretiert, als dies im Sinne realer Anweisungen gedacht war. – „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?“

„Was hat das alles mit dem Mercedes-Benz 280S zu schaffen?“ – Es ist die Brücke, die dieses Fahrzeug meinen Gedanken an Jochen schlug. Und da fällt mir die eigentliche Geschichte ein:

Es soll einmal zwei Soldaten gegeben haben, die wenig bis gar keinen Gefallen an einer Disziplin des Soldatensportwettkampfs fanden. Um dem eigentlich allgemein sehr unbeliebten 5000m-Lauf ein wenig mehr Attraktivität zu verleihen, machte sie sich daran und vermaßen selbstlos, um eine Alternative zu den monotonen 12,5 Runden auf dem Sportplatz an der Molkereistraße 21 zu schaffen, parallel zum Alser- und Hakendorferwurp entlang des Lockfleths eine Ausweichstrecke. Schnell waren die erforderlichen Streckenmarkierungen inkl. Wendemarke auf den Beton gesprüht. An eben dieser Wendemarke nahm ein Posten Aufstellung und erfasste die hier den Rückweg antretenden Sportler. Ich darf Sportler schreiben, denn Sportlerinnen gab es erst ab dem 1. Januar 2001 in den Kampfverbänden. Gut, einige gab es davor bereits in den Disziplinen MilPhys, -San und -Geo.

Die 5000er-Läufer starteten am Tor zum Feuerleitbereich. Der Tor- und Schließerposten erfasste schriftlich den Start und späteren Zielleinlauf. An der Wendemarke wurde die „körperliche Anwesenheit“ quittiert. Fertig!

Mindestens zweimal patrollierte der tiefschwarze Mercedes auf der Laufstrecke, hielt stets außerhalb der Sichtweite zur Wendemarke und dem Tor- und Schließerposten. Eben dieser Mercedes verfügte neben all seiner luxuriösen Ausstattung über einen sehr geräumigen Kofferraum. Ohne weiteres hätte ein zuvor am Tor FLB gestarteter Sportler dort hinein huschen können, vor der Wendemarke diesem entschlüpfen, um sich nach dem dortigen „Vollzähligkeitsappell“ wieder … usw. Doch das ist natürlich rein spekulativ.

Ich bleibe im Konjunktiv: WER in aller Welt hätte das getan?

Weg! – Von diesem an keinen anderen Ort

In der Nordwest-Zeitung Nr. 209 vom 7. September 2020 heißt es u.a. auf Seite 17: „Alte Wege und innovative Dächer. Fliegerhorst Das ist so besonders an der Planung des neuen Stadtviertels“ (von Ellen Kranz).

Es steht nicht in meiner Absicht, mit einem Blick nach Oldenburg, diesen Artikel anzugreifen oder zu kritisieren. Aber ich war ein wenig geschockt, als ich den „Sandkasten“ an der Alexanderstraße 461 sah, den Torsten von Reeken fotografisch einfing. Fast alles ist weg. Historische Gebäude wie die Villa Wehnelt, das Truppenkino, das Freibad, viele Unterkunftsgebäude, Werkstätten, Lager usw. wichen der Kampfmittelsondierung.

Der ehemalige Fliegerhorst, wo ich einen Teil meiner Dienstzeit (ca. 16 Jahre) verbrachte, wird einmal über begrünte Dächer und regenerative Energien verfügen. Das ist gut so. Schön, dass hier bald bis zu 3.000 Menschen wohnen werden.

Weniger gefällt mir, auch wenn wir (Soldat*Innen) es bereits während der militärischen Nutzung der Liegenschaft zumindest ahnten “das da was ist”, dass erst mit der Planung des neuen Stadtviertels eine Kampfmittelsondierung erfolgte. Damit ließ man sich Zeit bis zur Schließung des Fliegerhorstes. Auch wenn wir seinerzeit über stählerne militärische Kopfbedeckungen verfügten, so wäre es doch ganz nett gewesen, uns zu informieren. Britische Luftbildaufnahmen längst vergangener Angriffe auf den Fliegerhorst gab und gibt es zur Genüge.

Es fehlen noch weitere Gebäude: der Lokschuppen und mindestens acht Unterkünfte sowie die Gebäude der Betriebsgruppe (StOV)

Da ich nicht ohne weiteres das originale NWZ-Foto verwenden darf, habe ich „mal eben“ eine an die Aufnahme angelehnte Skizze angefertigt. Die mit gelbem Textmarker versehenen Gebäude sind noch vorhanden. Alles weitere (in diesem Ausschnitt) fiel dem Zahn der Zeit bzw. der Baggerschaufel zum Opfer.

Ich habe alle “Abwesenden” noch vor Augen und könnte zu fast jedem Gebäude eine Geschichte erzählen Aber wen interessiert das heute?

“Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen.” – Voltaire

An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand

Es ist lange her, dass wir unsere alte Heimat an der Wesermündung, das „Heim der Blitze“ (Pleccateshem), besuchten. Erwähnt wurde Blexen bereits im Jahre 789 im Zusammenhang mit dem Tod des Bischofs Willehad. Er, der als Missionar in Friesland und im Gebiet der Sachsen aktiv war, verstarb hier an einem heftigen Fieber.

Ein Blick über die Weser: Bremerhaven

1998, Blexen war inzwischen nicht mehr durch den Fluss Heete vom Festland abgetrennt, verließen wir die einstige Insel an der deutschen Nordseeküste. Die Weltpresse nahm davon keine Notiz und so leben wir seitdem unbemerkt und -auffällig im Ammerland.

Segler vor dem Blexer Fähranleger

Auch heute bemerken die knapp 2.800 Bürgerinnen und Bürger des Nordenhamer Stadtteiles es nicht, dass wir mit unseren Fahrrädern, das Lunamobil inklusive der darin ruhenden Kleinen Münsterländerin im Schlepp, den Deichsicherungsweg parallel zur Titanstraße in Richtung des Segelflugplatzes Blexen befahren. Später werden wir das „Heim der Blitze“, oh, wie hast Du Dich verändert, über Am Rhynschloot, Fährstraße, An der Papenkuhle und die Lunestraße wieder verlassen. Wir parken am Fähranleger in Blexen. Nein, nicht auf einem kostenpflichtigen Platz, die Ehemaligen kennen sich aus.

Zeitzeugen (auch) der “dunklen Vergangenheit”: Die einst künstlich angelegten Inseln Langlütjen I und Langlütjen II in der Wesermündung

Ein Besuch der Wesermarsch und speziell der Butjadinger Halbinsel ohne Nordseekrabben geht gar nicht. „Nordseekrabbe“. Da habe ich ein Thema angeschnitten. „Nordseegarnele“, „Sandgarnele“, „Strandgarnele“ oder „Krabben“ höre ich beharrliche Urlauberinnen und Urlauber, Besucherinnen und Besucher der Wesermündung und Nordseeküste rufen. „Krill!“, ruft ein in seiner Zuordnung vollkommen daneben liegender Herr X. aus Nordrhein-Westfalen. „Pustekuchen!“, entgegnen wir und bestehen auf „Granat“. Um zu einer vollständigen namentlichen Verwirrung beizutragen, könnten wir nun noch „Porre“ und „Knat“ anbieten, aber das sparen wir uns.

“Mein Schiff”, Dein Schiff, unser(e) Schiff(e)

Erst vor wenigen Stunden der Nordsee entrissen, bekommen wir bei den „Fischern unseres Vertrauens“ die frischen und so schmackhaften Krabben, Granat, Garnelen, Nordseekrabben, Strand- und/oder Sandgarnelen. – „Nein, keinen Krill, Herr X. aus NRW!“

Die Ostseite des Alten Hafens in Bremerhaven. Heute: Das Columbus-Center

Dem Randmeer des Atlantischen Ozeans (Nordsee) und uns ist es so ziemlich egal, wie „die anderen“, unsere Granat nennen. Jetzt geht es nur noch um den reinen (Hoch-)Genuss. Ja, die Meeresbewohner müssen zuvor noch, je nach Talent und Geschick teilweise mehr oder weniger zeitaufwändig, gepult werden, aber dann …

… lasse ich die Fotos sprechen:

Mit viel Glück findet man beim “Granatpulen” hin und wieder eine volle Flaschenpost
Eine Stunde und eine Flaschenpost später: Die Beute
(M)Eine Variante Granat zu “erleben”

Vielen Dank an “unsere Fischer” Franz und Thomas. Es war wieder einmal ein lukullisches Erlebnis “erster Kajüte”!

Vedersø Klit – DK

In einer Sache irrt sich Herr TomTom, die Majestät der Navigationsgeräte: Wir hätten bereits vor Holstebro die (dänische) A18 an der Anschlussstelle 20 verlassen sollen. So wären wir in einem Halbkreis „unter“ der dänischen Handelsstadt (handelsby) gefahren und hätten uns die Fahrt durch das Zentrum erspart. Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Als „handelsby“ bezeichnen die Dänen eigentlich jede Stadt in der man einkaufen kann. Der „Titel“ hat also nichts mit Hanse, Handel, mittelalterlichen Koggen oder den seinerzeit gern als „Pfeffersäcken“ bezeichneten hanseatischen Kaufleuten zu tun.

Wohnhaus mit Malven vor der Hauswand. Dieses Foto darf bei einem Dänemarkurlaub nicht fehlen

Und während ich hier schon wieder den Oberlehrer mime, fahren wir längst auf der B16 in Richtung Ulfborg. “Diese kleine Stadt hat eigentlich nichts zu bieten”, aber wir wollen ja auch nach „Vedersø Klit, wo das touristische Geschehen brummt“, so schreibt es Roland Hanewald in seinem Handbuch für individuelles Entdecken.

Ein “Minihafen” irgendwo am Strand des Nissum Fjords, südwestlich von Bækmarksbro

Wir sind Gäste in der Region Mittleres Westjütland und halten uns natürlich an die außerorts vorgeschriebenen 80 Km/h. Das skandinavische Zusammengehörigkeitsgefühl gestattet es im selben Moment einem Schweden, uns mit gefühlten 120 Km/h im Tiefflug zu überholen. Warum erwischt man mich in Ostfriesland bei einer Geschwindigkeitsübertretung um 7 Km/h und übersieht diesen rasenden nordeuropäischen parlamentarischen Monarchisten? – “Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.” Carmen Sylva.

Die Kirche in Vedersø. Der Pastor und Dichter Kaj Munk liegt hier außerhalb der östlichen Mauer des Chors begraben

Über Staby und Husby erreichen wir nach wenigen Kilometern unser Ziel im Bækbyvej. Noch fällt uns nicht auf, dass in Vedersø Klit alle Ferienhäuser gemauerte Fundamente und Strohdächer haben müssen. Noch weniger bemerken wir in den Ausläufern der Husby Klitplantage, des Husby Dünenwaldes, dass die Häuser mit ihren Giebeln in Ost-West-Richtung liegen müssen. Gut, in Dänemark begnügt man sich mit einer biederen „Ost-West-Richtung“, in Deutschland wäre diese flüchtige Angabe durch eine exakte Gradzahl unter strenger Beachtung der Meridiankonvergenz (sehr lässig erklärt: die Abweichung von geographisch Nord und magnetisch Nord) fest- und vorgeschrieben.

… und die Kirche in Staby. Man nimmt an, dass diese Kirche, mit ihrer ungewöhnlichen Apsis, im 12. Jahrhundert errichtet wurde

Auto ausräumen, Haus einräumen, Zimmer und Betten beziehen, Fahrräder startklar herrichten. Fertig! Fertig? Noch lange nicht! Der Einkauf lang entbehrter dänischer Lebens- und Genussmittel steht auf der Agenda. Und wo gibt es diese? Natürlich in Ulfborg, in der Harbogade 17. Der ABC Lavpris, billigst på hele indkøbet (preiswert beim gesamten Einkauf), straft den sehr erfahrenen und sachverständigen Autor Roland Hanewald (Zitat: Diese kleine Stadt hat eigentlich nichts zu bieten.) in dem Punkt der “versorgungstechnischen Kompetenz” Lügen. 5.000 Artikel zu Discountpreisen warten auf uns! Uns, also mir, reichen für´s erste: Tuborg Øl und „Giraf“ (Bier aus dem Hause Carlsberg mit 10Vol%). Gut, es kommen auf Protest der besten aller Ehefrauen dann doch noch einige ebenso wichtige Lebensmittel dazu: Grovhakket Leverpostej, diese dänische Leberwurst, die scheinbar nur für deutsche Touristen hergestellt wird. Die will ich haben! Sie ähnelt ein wenig Lunas Dosennahrung und kann nur mit einer Unmenge an gerösteten Zwiebeln gegessen werden. Noch nie sah ich eine Dänin oder einen Dänen, die bzw. der diese „Spezialität“ kaufte. Makrel salat, BUKO RejeOst (Schmierkäse), Kløver Sødmælksyoghurt Jordbær (Erdbeerjoghurt), Toms Guld Barre (Schokolade) und Kartoffel Chips med smag af havsalt. – Wer allerdings die 0,35 l Flasche Aalborg Taffel Akvavit in den Einkaufswagen legte wird für immer ein Rätsel bleiben.

Am Herrenhaus Nørre Vosborg bei Vemb

Für den ersten Tag haben wir uns eine leichte Fahrradtour ausgesucht: „Rund um Vester Husby“. Eine wirklich tolle Tour durch schöne Dünenlandschaften und herrliche Waldgebiete. Nur eben „unseren“ Bæksbyvej in Richtung Husby fahren, abbiegen auf den Græmvej und ab geht das Fahrraderlebnis. Unauffindbar ist für uns der Weg durch den Wald, entlang am See zur Kirche in Husby. Wir landen an einer vielbefahrenen Kreuzung und schauen in die Röhre. Also, zurück und den Weg durch den Wald, der ja irgendwie vom Bæksbyvej abzweigen muss, gesucht. Fehlanzeige. Wir gestalten uns spontan unser eigenes ultimatives „Rundt om Vester Husby“-Erlebnis. Tatsächliches fahren wir plötzlich auf dem Raketvejen durch die Dünen in Richtung Strand. Und das alles ohne Radwanderkarte.

Am “Fjord der Vögel” (Vest Stadil Fjord Mellem Dyb). An diesem Tag ohne Vögel, ohne Aussichtsturm. Wir haben diesen jedenfalls nicht gefunden

Auf einem der vielen Parkplätze am Strand stellen wir unsere Räder ab. Natürlich trägt auch dieser kleine Strand seinen eigenen Namen, aber sich diesen zu merken überfordert mein Erinnerungsvermögen. Ich erinnere mich nur noch an „die (gefühlt) höchste Düne der Welt“, die wir erklimmen müssen, um das Wasser zu sehen. Die beste aller Ehefrauen hat mittels der tierischen Zugmaschine Luna inzwischen den Gipfel erreicht. Ich mache weiterhin zwei winzige Schritte nach vorn um danach mindestens 2,40 m „talwärts“ zu treiben. Also drehe ich mich um und laufe die Düne im Rückwärtsgang hoch. So nähere ich mich zügig dem Gipfel, da ich ja nun nicht mehr rückwärts bergab gleite, sondern bergauf. Tja, diesen Tipp gab mir einst der Baron Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. – Auf sein Wohl trinke ich abends ein Carlsberg Giraf und einen ihm gebührenden Aalborg Taffel Akvavit.

Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Während unserer nächsten Radtour besuchen wir das Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“ sowie die Kirchen in Verdersø und Staby. Kaj Munk (1898-1944), der eigentlich Kaj Harald Leininger Petersen hieß, war ein dänischer Pastor, Schriftsteller, Gegner Hitlers und christlicher Märtyrer. Er wurde von einem SS-Kommando verhaftet und im Forst Hørbylunde vor Silkeborg erschossen. Dies war die erste Terroraktion der sog. Petergruppe unter Führung des deutschen SS-Hauptsturmführers Otto Schwerdt, alias Peter Schäfer (1914–1975). Die Gruppe ist für etwa 50 weitere „Ausgleichsmorde“ verantwortlich.

Der dänische Pastor Kaj Munk (1898-1944)

Das jütländische Heidegebiet Hjerl Hede ist nur etwa 60 Kilometer entfernt. Im gleichnamigen Freilichtmuseum, das sich auf einem Gebiet von mehr als 20 Hektar erstreckt, besichtigen wir alte landwirtschaftliche Gebäude, weichen den frei umherlaufenden dänischen Landgänsen aus und sehen schwarzbunte Landschweine und graubunte Rinder. Besonders haben es Luna dabei die braunen Landhühner angetan. Kurz, wir erleben das Leben wie einst auf dem Lande und kaufen uns in der alten Bäckerei Brot und Kuchen.

Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Den Ort Thorsminde (Thors Gedenken) besuchen wir an einem Nachmittag an dem wir einfach einmal ins Blaue fahren. Wir könnten uns hier in der Nørgaard Fisk og Røgeri mit frischem Fisch eindecken, können es aber auch lassen, denn jeder Kutterhafen an der deutschen Nordseeküste verbreitet mehr Charme als dieser 1972 eingeweihte Fischereihafen.

Im Hafen von Ringkøbing

Auf unserem Rückweg machen wir einen Abstecher nach Felsted Odde am Felsted Kog, einer Bucht im Nissum Fjord. Hierhin fährt man, wenn … Ja, wann und warum eigentlich? Ich kann es nicht sagen. Allerdings fuhren wir dorthin, um auf dem Heimweg aus dem „Niemandsland“ Brennholz für den Kamin zu kaufen.

Das Frollein in ihrem “Lunamobil”

Gut, es war reiner Zufall, der uns diesen Stand finden ließ. „Brennholz im August?“ „Ja, bei 16°C eine (an-)zündende Idee am Abend.“ – Übrigens: Ein Sack Brennholz/30 dän. Kronen. Portokosten für eine Briefmarke (Ansichtskarte)/30 dän. Kronen. Wenn man bedenkt wie lange ein Sack Feuerholz brennt, dann … „Nein, wir verschicken weiterhin sehr gern Kartengrüße an unsere Lieben, die nicht online sind.“

Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Hannes Wader sang 1972: „Heute hier, morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort.“ Gerade erreicht uns die Nachricht unseres Vermieters: „Am Wochenende werden wir die größten An- und Abreisetage haben und daher möchten wir Ihnen die Heimreise mit dieser E-Mail, so gut wir können, erleichtern. Am Samstag wird nämlich die Landstraße bei Søndervig wegen des Bauvorhabens Lalandia gesperrt. usw. …“ – Das ist sehr nett und vorausschauend gemeint, aber wir haben Mittwoch, noch mindestens zwei Tage Ferien vor uns und eigentlich ist es uns sehr egal, ob und wann wir uns in die panikartige Flucht gen Deutschland einreihen müssen.

Hjerl Hede – Im Sulenhof

Auf unserem wetterbedingten Ausflug nach Ringkøbing, der dänische Himmel bietet uns nieselregnend die Stirn, passieren wir das Bauvorhaben Lalandia (Badepark mit der (geplant) größten „Badeanstalt“ (heute heißt so etwas Aquadome) Nordeuropas). Es gibt Lalandia bereits in Rødby auf der dänischen Insel Lolland und in Billund, der „Legostadt“. Gut, wenn es dem Tourismus dienlich ist, dann können sie ja mal experimentieren und hoffentlich “nicht baden gehen”. – Wir werden Dänemark dann sehr gern und wie gewohnt, an der unseres Erachtens doch “hyggeligeren” Ostseeseite besuchen.

Hjerl Hede – Blick auf die Bockmühle. die Kirche und den Kvostedhof

Wir wählen die Fahrradtour „Östlich von Ulfborg“: En Cykeltur Øst For Ulfborg. “Sie führt durch Forstgebiete mit fantastischer Natur, offener Heidefläche und artenreicher Fauna.” Soweit der verheißungsvolle Text zu unserer heutigen Fahrradtour, die wir an der Ulfkær kirke, die im Jahr 1900 errichtet wurde, im Ringkøbingvej beginnen. Wir nehmen die Räder am Ferienhaus „huckepack“, starten erst in Ulfborg und sparen so gute 18 Km. Während unserer Tour passieren wir auch das Ulfborg Skyttecenter (Google bezeichnet es als „Schützenverein“) im Filsøvej. Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass es sich hier um eine rein militärisch genutzte Standortschießanlage des dänischen Heeres handelt. Kein „Schützenverein“ besitzt auch nur im Entferntesten die Möglichkeiten, ein so ausgedehntes Areal zu hüten.

Hjerl Hede – Beim Schildermaler

Unsere Radwanderkarte ist in ihrem Maßstab ein wenig groß geraten, die Strecken werden oft „schwärmerisch“ beschrieben und die Wege sind zwar befestigt, doch ein verwöhnter Radler erwartet dann doch ein wenig mehr „Harmonie in der Streckenführung“. Und wenn dann auch noch das Pilze- und Beerensuchen am Wegesrand in Aussicht gestellt wird, dann spüre ich das Gewicht des Bären, den man mir hier aufbinden will.

Hjerl Hede – Die Wassermühle

Auf dem Rückweg besuchen wir noch einmal das Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“. Inzwischen ortskundig, wählen wir den malerischen Weg durch Felder und Wiesen von Staby über Vedersø Kær, Vedersø und Hug. Vor uns liegt das einstige Pfarrhaus am Nørresø. Die beste aller Ehefrauen besucht noch einmal das Museum und das Frollein und ich finden einen Weg zum See. Hier mag der dänische Pastor und passionierte Jäger einst mit seinen Hunden zur Entenjagd aufgebrochen sein.

Im Schilf hinter dem Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Wir haben uns in dieser Woche am dänischen Nordseeküstenstreifen zwischen Ringkøbing und Thorsminde aufgehalten und vieles gesehen und einiges, nicht nur mit dem Fahrrad, erfahren. Gesehen haben wir während unserer Ferie med hond die Kirchen von Staby und Vedersø, wir waren im Freilichtmuseum in Hjerl Hede, besuchten das Herrenhaus Nørre Vosborg, kauften im ABC-lavpris in Ulfborg ein, tankten bei OK (1,14 Euro/L Diesel) mit der Maestro Karte, machten uns auf zum Fjord der Vögel, waren am „Ende der Welt“ in Felsted Odde und einem weiteren „anderswo gelegenen“ kleinen Hafen am Nissum Fjord irgendwo bei Nørby Gårde, wir besuchten wiederholt das Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“, bummelten durch Ringkøbing und versorgten uns mit den kleinen Dingen, die das Leben so lebenswert machen, beim Kaufmann Let Køb am Campingplatz in Vedersø Klit. Am letzten Abend besuchen wir heute das Restaurant Havtorn und werden uns die Fischgerichte schmecken lassen.

Das Herrenhaus Nørre Vosborg. Unter anderem wohnte H. C. Andersen hier vom 5. bis zum 20. Juli 1859. Seine Erzählung “Eine Geschichte aus den Dünen” entstand hier, ebenso wie einige seiner berühmten Scherenschnitte

Am morgigen Samstag geht es zurück. Und da der gefürchtete Bettenwechsel in Dänemark stets für übervolle Autobahnen und endlose Staus an den Grenzübergängen sorgen wird, werden wir unseren Ferienhausschlüssel „auf den letzten Drücker“ übergeben, die noch offene Stromrechnung begleichen und uns „querfeldein“ auf den Heimweg machen.

Hjerl Hede – Der Pfarrhof

In Søndervig wird die Straße gesperrt sein und der An- und Rückreiseverkehr durch den kleinen Ort geleitet werden. Ohne uns. Viele werden somit zur Autobahn in Richtung Holstebro oder Herning strömen, um sich dann in einer Art stetig anfahrend-bremsender Polonaise in Richtung Flensburg zu bewegen. Auch ohne uns.

Hjerl Hede – In der Kirche

Wir werden im ersten noch zu erwartenden dichteren Verkehr entlang einer gedachten Linie über Skjern, Grindsted, Vejen und Vojens nach Haderslev aufbrechen. Hier gibt es, so lange wir denken können, bei „Grethe“ die leckersten Hot Dogs. Über Aabenraa geht es dann in Richtung Deutschland. Und mit etwas Glück, ist die „touristische Stampede“ dann abgeebbt und wir werden hoffentlich entspannt, gestärkt und zufrieden in Richtung Wiefelstede, usA (unser schönes Ammerland) rollen.

Vedersø Klit

Und so ist es dann tatsächlich verlaufen: Die Idee, Dänemark „querfeldein“ in Richtung Grenze zu verlassen, war genau richtig. Wir kamen sehr gut voran und ein vollbepackter und mit Fahrrädern “gespickter” “Darth Vader” dankte es mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,7 l/100 Km.

“Christian Vollstedt er et familiedrevet slagterdynasti, som blev grundlagt tilbage i 1862.” – Nach spätestens einem Hot Dog übersetzt man den Text spielend ins Deutsche: “… eine familiengeführte Metzgerdynastie, die bereits 1862 gegründet wurde”

In Haderslev ließ uns „Grethe“ im Stich. Ihr Hot Dog Stand öffnet nur werktags und schließt am Freitag um 15.00 Uhr. Wir wichen an diesem Samstag auf „Christian“ in der Haderslever Fußgängerzone aus. Komisch, hier schmeckten uns die Hot Dogs genauso gut wie bei der „treulosen Grethe“.

Unser dänischer “Cross-Country-Plan”. Die Fahrt war viel interessanter als die montone Autobahnroute

Nach einem kleinen Abstecher nach Diernæs und Aabenraa fuhren wir störungsfrei zur Grenze. Dort erhielten die Einreisenden nach Dänemark sofort unser größtes Mitgefühl: Der Verkehr auf der A7 staute sich fast bis zur Anschlussstelle 5 „Schleswig/Schuby“ zurück.

Hjerl Hede – Die Meierei

12 Km Stau vor dem Elbtunnel in Fahrtrichtung Hannover/Bremen. Wir verließen die A7 bei HH-Schnelsen-Nord, um diesem „Elend“ auszuweichen. In Hamburg erwischte es uns dann auf dem Heidenkampsweg: Länger als eine Stunde erlebten wir hier im automobilen Großverband die Baustellen inkl. gesperrter Fahrbahnen. – „Der Weg ist das Ziel.“ Konfuzius´ weise Worte halfen uns in dieser Situation allerdings auch nicht so recht weiter.

Ausflug an den Tegernsee

„Herrliches Land, erstrahlend in Anmut, überreich an Wäldern, fruchtbar an Wein, ergiebig an Eisen, an Gold, Silber und Purpur; …“ Schon zu Zeiten Tassilos III. (ca. 741- ca. 796) fand Bischof Arbeo von Freising (ca. 723 – 4. Mai 784) begeistert diese Worte für das bayrische Alpenvorland.

Der Tegernsee. Einer der saubersten Seen Bayerns

Und da wir wissen, dass diese bischöflichen Worte auch heute noch ihre Berechtigung haben, denn Bischof Arbeo von Freising sprach seinerzeit auch von „Männern, hochgewachsen und strotzend an Kraft“, machen wir uns zu dritt auf den Weg an den Tegernsee. Hochgewachsen und strotzend an Kraft verlassen wir nach einem wieder einmal sehr schmackhaften Mittagessen (Krautwickerl mit Speckscheibe und Röstzwiebeln, dazu Püree (und extra viel Soße)) das Haus Göttfried in Kreuth. Wir werden den Wallberg bei Rottach-Egern, mit seinen stolzen 1.722 m im Mangfallgebirge gelegen, in einem Zug bezwingen! Zumindest bis auf 1.620 m … hier endet die Seilbahn. – “Tja, wenn der Vater mit den Söhnen.”

Es war ein wenig “diesig” an diesem Tag. Die nicht ganz klare Luft “trübte” unsere Aussicht

Dem Wallberg liegt das Tegernseer Tal zu Füßen. Ein herrlicher Ausblick in eben dieses Tal und auf den sommerlichen See mit seinen Segelbooten und Yachten krönt unseren Tagesausflug von München in „das Tal meiner Väter“. Und bevor dieser blog-Eintrag ein historischer (Familien-)Roman wird, beschränke ich mich nun nur noch darauf, einige Fotos zu zeigen.

Im Kurpark von Rottach-Egern trafen wir Ludwig Thoma (1867 – 1921 in Tegernsee, ein deutscher Schriftsteller), …
…, Leo Slezak (1873 – 1946 in Rottach-Egern, österreichischer Opernsänger und Schauspieler) und …
… Ludwig Ganghofer (1855 – 1920 in Tegernsee, ein bayrischer Schriftsteller)
Der Riederstein, ein 1207 m hoch gelegener Felssporn oberhalb des Tegernsees, von Rottach-Egern aus betrachtet
Gipfelstürmer … per Seilbahn
Das Schloss Ringberg auf halber Höhe des Ringbergs. Herzog Luitpold in Bayern legte 1912 den Grundstein
Die Bergstation der Wallbergbahn
Panorama pur
Und dann ging´s wieder bergab

PS.: Eventuell ist es aufgefallen: Bayerisch, bayrisch, bairisch. Es gibt einen feinen Unterschied. Den zu erklären ist schwer. Dazu muss man Bayer sein und bairisch sprechen. Vielleicht nach ein oder zwei bayrischen Bieren.

Und “last but not least”: Niemals “das Maß Bier” oder “der Schneid (im Sinne von Mut und Tatkraft)” sagen. Es heißt auf bairisch “die Maß Bier” und “die Schneid”! Und da ich gerade vom Schneiden schreibe: Möglichst nicht den Leberknödel mit Messer und Gabel zerteilen! Das geht in Bayern nur mit dem Löffel. … es sei denn, dass man ohnehin seinen Leberkäse “preußisch-ideenreich” mit Curryketchup “genießt” 🙄

“Dees weàmà schõ griàng.” – Das werden wir schon hinbekommen.

Das fliegende Auge 2020

Der Film “Das fliegende Auge”, ein typischer Vertreter des 1980er-Jahre-Actionkinos, schickt den Superhubschrauber „Blue Thunder“ zur Sicherung des Luftraumes über Los Angeles in den Kampf gegen eine neue Qualität des Verbrechens. Mit hochsensiblen Richtmikrofonen, verschiedenen Kamerasystemen und einer sechsläufigen 20-Millimeter-Gatling-Kanone ausgestattet, nimmt „Blue Thunder“ in diesem 1983er Film den Kampf auf.

Dies ist keine Fotomontage: Die Drohe steht tatsächlich “mucksmäuschenstill” in der Luft

Wegen der fehlenden Gatling-Kanone nicht so martialisch, aber technisch mindestens gleichgestellt, dafür unbemannt und viel kleiner, startete vor wenigen Tagen eine Mavik Mini Drohne in den erlaubten Luftraum über einer Halbinsel an der deutschen Nordseeküste.

An Bord eine Digitalkamera, die den Vergleich mit nicht fliegenden Kameras auf keinen Fall scheuen muss

Der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass die geltende Drohnen-Verordnung, die umfangreiche Regelungen und Vorschriften zum Betrieb von unbemannten Fluggeräten in Deutschland umfasst, selbstverständlich strikt eingehalten wurde.

Und eine Luftaufnahme darf natürlich nicht fehlen:

Die Drohne hätte weit höher steigen können, aber sie sollte kein “Spielball” der steifen Brise, die an diesem Tag wehte, werden

“Sind wir noch ganz dicht?”

Morgen werden wir eine Antwort auf die Frage: „Sind wir noch ganz dicht?“ bekommen. Big B. steht ein wenig angespannt-friedlos auf der Auffahrt und wartet auf seinen Termin bei Dr. Fendt in Papenburg. Wir wollen ihm und uns den Alptraum aller Caravans und deren Besitzer ersparen: Unbemerkte Lecks, durch die Wasser zwischen Außenhaut, Dämmung und Innenwand dringen könnte.

Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, Kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt

Und wenn wir einmal vor Ort sind, können wir auch gleich die längst fällige Hauptuntersuchung und die Gasprüfung nachholen. Covid-19 ist schuldig. Hätten wir alles längst erledigen können, wäre da nicht dieser Coronavirus, der meinte, sich grenzüberschreitend auf Reisen machen zu müssen. Dieser kleinste, auf lebendem Gewebe gedeihende Krankheitserreger hat die Welt bereits lange im Griff, aber ich werde hier keine Ursachenforschung betreiben, warum ihm dies gelang.

Weitblick. Nicht jedem ist er gegeben …

Ich will endlich mal wieder „auf Achse“. Und sei es auch nur in die Werkstatt. Ich will keine Verschwörungstheorien hören, keine faktenresistenten Verschwörungstheoretiker treffen, keine verschrobenen Weltbilder skizziert bekommen und die Chance in Papenburg auf den geistesabwesenden Weltverschwörungs-Blogger Ken Jebsen (KenFM) zu treffen, erachte ich ebenfalls als sehr gering.

Gut, ein Eimerchen Farbe und dann …

Und da wir schon einmal ganz nah an „unserem“ Platz im Emsland sind, werden wir die dortige Lage sondieren und buchen. Und wenn ich dann vielleicht gelöst (und ggf. mit Mundschutz) im „Isabella“ sitze und freudetrunken unser neues Kampa-Vorzelt betrachte, dann habe ich ausreichend Zeit und denke an den französischen Diplomaten und Schriftsteller François VI. de La Rochefoucauld:

“Man findet Mittel, den Wahnsinn zu heilen, aber keine, um einen Querkopf einzurenken.” – François de La Rochefoucauld.

Ein Tanz in den Mai

Vor Covid-19 tanzten wir in den Mai, entließen unsere Allerliebsten zur Walpurgisnacht gen Brocken (hoffentlich liest meine Allerliebste diese Zeilen nicht!) oder bereiteten uns auf den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse vor. Und für diese wichtige Vorbereitung, einen plausiblen Grund muss es ja geben, wollte ich mir in meinem “jugendlichen Leichtsinn” noch schnell eine, zwei oder gern auch drei Flaschen Maibock im Getränkemarkt meines Vertrauens kaufen.

Die waren heute angesagt!

Den Minijob beendet, den Mundschutz bereits vorfreudig und fachgerecht angelegt, irgendwie den völlig überfüllten Parkplatz erreicht und auch tatsächlich eine Parklücke neben einem absolut “aus der Spur geparkten” SUV ergattert, schaffe ich es, das Auto so einigermaßen korrekt abzustellen. Ich reihe mich in die Schlange der Wartenden ein, bekomme einen desinfizierten Einkaufswagen anvertraut, tausche mein Leergut gegen einen Kassenbon und mache mich auf die Suche nach dem Getränk meiner Begierde.

Ja, wahre Begierde, denn ich habe richtig “Bock auf (Mai-)Bock”. Doch was muss ich feststellen!? Natürlich finde ich in einem Getränkemarkt kein Mehl, keine Hefe, kein Toilettenpapier oder Nudeln, aber hier und heute auch keinen einzigen Maibock! Ich treibe desillusioniert mit einer Kiste Mineralwasser auf der Einkaufskarre im Strom der weiteren Kund*Innen in Richtung Kasse. Bezahle und verlasse frustriert und unter leisem, aber (un-)gehörigem Fluchen und nicht gerade milden Verwünschungen gegen den Kunden, der mir die letzte Flasche Maibock vor der Nase aus dem Regal wegschnappte, den Markt. Was für eine Schei … benreinigerflüssigkeit!

Ohne Worte

Daheim schnappe ich mir den nächsten Besen und folge der Allerbesten in Richtung Harz. – Gut, dies alles ist maßlos übertrieben, aber was gibt man nicht alles aus Übermut und (mai-)bockiger Enttäuschung von sich (preis).

“Kommt gut in den Mai, lasst es Euch gut gehen, bleibt gesund und munter!”