Archiv der Kategorie: Allgemeines

Alltägliches & Co. aus und um Wiefelstede

“Sind wir noch ganz dicht?”

Morgen werden wir eine Antwort auf die Frage: „Sind wir noch ganz dicht?“ bekommen. Big B. steht ein wenig angespannt-friedlos auf der Auffahrt und wartet auf seinen Termin bei Dr. Fendt in Papenburg. Wir wollen ihm und uns den Alptraum aller Caravans und deren Besitzer ersparen: Unbemerkte Lecks, durch die Wasser zwischen Außenhaut, Dämmung und Innenwand dringen könnte.

Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, Kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt

Und wenn wir einmal vor Ort sind, können wir auch gleich die längst fällige Hauptuntersuchung und die Gasprüfung nachholen. Covid-19 ist schuldig. Hätten wir alles längst erledigen können, wäre da nicht dieser Coronavirus, der meinte, sich grenzüberschreitend auf Reisen machen zu müssen. Dieser kleinste, auf lebendem Gewebe gedeihende Krankheitserreger hat die Welt bereits lange im Griff, aber ich werde hier keine Ursachenforschung betreiben, warum ihm dies gelang.

Weitblick. Nicht jedem ist er gegeben …

Ich will endlich mal wieder „auf Achse“. Und sei es auch nur in die Werkstatt. Ich will keine Verschwörungstheorien hören, keine faktenresistenten Verschwörungstheoretiker treffen, keine verschrobenen Weltbilder skizziert bekommen und die Chance in Papenburg auf den geistesabwesenden Weltverschwörungs-Blogger Ken Jebsen (KenFM) zu treffen, erachte ich ebenfalls als sehr gering.

Gut, ein Eimerchen Farbe und dann …

Und da wir schon einmal ganz nah an „unserem“ Platz im Emsland sind, werden wir die dortige Lage sondieren und buchen. Und wenn ich dann vielleicht gelöst (und ggf. mit Mundschutz) im „Isabella“ sitze und freudetrunken unser neues Kampa-Vorzelt betrachte, dann habe ich ausreichend Zeit und denke an den französischen Diplomaten und Schriftsteller François VI. de La Rochefoucauld:

“Man findet Mittel, den Wahnsinn zu heilen, aber keine, um einen Querkopf einzurenken.” – François de La Rochefoucauld.

Ein Tanz in den Mai

Vor Covid-19 tanzten wir in den Mai, entließen unsere Allerliebsten zur Walpurgisnacht gen Brocken (hoffentlich liest meine Allerliebste diese Zeilen nicht!) oder bereiteten uns auf den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse vor. Und für diese wichtige Vorbereitung, einen plausiblen Grund muss es ja geben, wollte ich mir in meinem “jugendlichen Leichtsinn” noch schnell eine, zwei oder gern auch drei Flaschen Maibock im Getränkemarkt meines Vertrauens kaufen.

Die waren heute angesagt!

Den Minijob beendet, den Mundschutz bereits vorfreudig und fachgerecht angelegt, irgendwie den völlig überfüllten Parkplatz erreicht und auch tatsächlich eine Parklücke neben einem absolut “aus der Spur geparkten” SUV ergattert, schaffe ich es, das Auto so einigermaßen korrekt abzustellen. Ich reihe mich in die Schlange der Wartenden ein, bekomme einen desinfizierten Einkaufswagen anvertraut, tausche mein Leergut gegen einen Kassenbon und mache mich auf die Suche nach dem Getränk meiner Begierde.

Ja, wahre Begierde, denn ich habe richtig “Bock auf (Mai-)Bock”. Doch was muss ich feststellen!? Natürlich finde ich in einem Getränkemarkt kein Mehl, keine Hefe, kein Toilettenpapier oder Nudeln, aber hier und heute auch keinen einzigen Maibock! Ich treibe desillusioniert mit einer Kiste Mineralwasser auf der Einkaufskarre im Strom der weiteren Kund*Innen in Richtung Kasse. Bezahle und verlasse frustriert und unter leisem, aber (un-)gehörigem Fluchen und nicht gerade milden Verwünschungen gegen den Kunden, der mir die letzte Flasche Maibock vor der Nase aus dem Regal wegschnappte, den Markt. Was für eine Schei … benreinigerflüssigkeit!

Ohne Worte

Daheim schnappe ich mir den nächsten Besen und folge der Allerbesten in Richtung Harz. – Gut, dies alles ist maßlos übertrieben, aber was gibt man nicht alles aus Übermut und (mai-)bockiger Enttäuschung von sich (preis).

“Kommt gut in den Mai, lasst es Euch gut gehen, bleibt gesund und munter!”

Nachts sind alle Katzen grau

Im Dunkeln sieht für das menschliche Auge alles gleich oder zumindest ähnlich aus. Nun werde ich keinen Vortrag über die zwei Arten unserer Sehzellen halten. „Zapfen und Stäbchen“ vernachlässige ich, denn ich bin kein Facharzt für Augenheilkunde, sondern möchte „nur mal eben“ vier Fotos aus der Wildkamera zeigen:

Nachbarschaftskatze “Mia” hat es sofort bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt: Infrarotblitzlicht
Noch ein letzter prüfender Blick und weg ist sie
Er erkundete erst einmal das Nahrungsangebot an frischen Haselnussstrauchblättern und -trieben. “Haselnussstrauchblätter”, was für ein Wort! Fast so schön wie: “Haselnussstaudengertleinfrühlingsknospen”
Um “kurz nach 9” schaute er zum ersten Mal vorbei. Um 3.00 Uhr wurde dann ausgiebig gefrühstückt

Damit wir nun nicht nur schwarz/weiß sehen, zum Abschluss noch ein wenig “buntes Treiben” vor der Kamera.

Und er schaute auch vorbei: Ein Grünspecht. Wir erinnern uns: Vogel des Jahres 2014

“Quer durch den Garten”

Das Ostereiersuchen fiel in diesem Jahr Covid-19 zum Opfer. Also greife ich wahllos in eines der Regale, “schnappe” mir irgendeine Fliegerhorst-Oldenburg-Foto-DVD und lasse mich militärhistorisch überraschen: “Gebäude III, 2003/04. 542 Aufnahmen”.

Keine Bange! Ich zeige nur einige wenige. Ohne inneren Zusammenhang und “nur mal eben so”.

Ein bereits im September 2004 langsam, aber sicher in sich zusammenfallendes Feldhaus hinter dem Bürogebäude 19

Zu diesem Feldhaus (s.o.) führte ein schmaler Steg über einen kleinen Teich. Die Legende berichtet von interessanten Gegenständen, die “Mann” nach geselligen Abenden aus dem Wasser fischen musste. Tatsächlich sollen Gäste das Feldhaus “kopfüber” betreten haben. – Wenn Sie wissen, was ich meine.

Gebäude 105. Ein Bürogebäude aus dem Jahr 1948

Auf dem Weg zur Westwache, die “den Weg zur “Englischen Siedlung” freigab”, kam man nicht nur an der auf dieser Aufnahme “unsichtbaren” Tankanlage, sondern auch am Gebäude 105 vorbei.

Gebäude 109 (rechts) und Gebäude 103 (Truppenküche, Mannschaftsheim (Heimbetrieb, Kantine))

In den 1980er Jahren traf ich mich mit meinem Bruder, der in der LwWerft 61 seinen Dienst als Grundwehrdienstleistender versah, noch in der Truppenküche und Kantine (Geb. 103). In den 2000er Jahren rollten mein Sohn und ich auf unseren “Inlinern” durch die inzwischen aufgegebene und dem Verfall preisgegebene Liegenschaft. Mein Sohn im Rahmen eines “Truppenbesuchs” und ich im Zuge der dienstlich befohlenen Sportausbildung. Unterrichtthema: “Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit”.

Gebäude 120. “Bürogebäude”. 1959

Hätte dieses Haus sprechen können! – “Männlichkeitsrituale oder die Suche nach der männlichen Identität” könnte ich meine autentische Kurzgeschichte, die ich aus den bunten Erzählungen heutiger “Ur-Reservisten” sprießen ließe, betiteln. – Könnte ich, werde ich aber nie.

Gebäude 152. MMS. Munitionmontageschutzgebäude. 1988

Da wir den gültigen Sperrzonenausweis nicht zur Hand haben, bleibt uns nur der “Blick aus der Ferne” auf das Geb. 152.

Geb. 152. MMS

Die Tankanlage 1 (Bild unten) in der Nähe der Hauptwache an der Alexanderstraße. Über Ofenerdiek rollten die Züge auf der “Braker Bahn” nach Oldenburg.

Ein Blick von der Tankanlage 1 in Richtung Shelter 16 und 17

Im Jahr 2004 stieg ich um 08.15 Uhr über den Zaun. Diese Anlage hat mich vom ersten Tag an interessiert. – Modellbahner. Typisch.

Hier wurde “abgefüllt”

Natürlich verlief die Nato-Pipeline zwar “über” den, aber hier doch unterirdisch, ehemaligen Fliegerhorst Oldenburg in Richtung Wilhelmshaven.

Pumpenhaus. Geb 168. 1961

Und da sich gegen Ende des FlgH OL viele nicht gerade sehr oder besser überhaupt nicht für die Historie des Fliegerhorstes interessierten, hatte ich die Chance, die Post der Royal Air Force an den Manager des ASTRA Cinemas zu finden.

Fundsache

Das ehemalige ASTRA Cinema und spätere Truppenkino (Geb 171) auf dem Fliegerhorstgelände. Daneben befand sich das Freibad (Geb. 71). In den letzten Jahren des Fliegerhorstes konnten sich darin wenigstens noch die Diensthunde abkühlen. Alles inzwischen Geschichte.

Geb. 171 Truppenkino. 1947. Wer hat´s gebaut? Die Royal Air Force

Der Lokschuppen (Geb. 173) aus dem Jahr 1963 ist die heutige Endstation für die bildliche Rundfahrt über das ehemalige Fliegerhorstgelände. – 1963. Wir erinnern uns: John F. Kennedy wird in Dallas aus einem Hinterhalt heraus ermordet. Ludwig Erhardt löst Konrad Adenauer ab. Vorher unterzeichnet Adenauer aber noch den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

Geb. 173 und Geb173a. Beide aus dem Jahr 1963

Es ist seltsam, aber ich erinnere mich an den Moment jeder einzelnen Aufnahme, die ich hier zeige. Genauso geht es mir bei den “Bildern” aus meinem FlgH-OL-Archiv. – Und ganz besondere, frühere Moleskin-, später Flecktarn-Situationen aus meinen Oldenburger Jahren von 1992 bis 2006, begleiten mich hin und wieder noch einmal im Geiste. – “Es sind nicht alle Menschen liebenswert.” Sigmund Freud. (Das Unbehagen in der Kultur (1930)).

Texas. The Lone Star State

Freitag vor Ostern. Karfreitag. Wir gedenken und pflegen die Erinnerung. – Und en passant wecke ich beim „Durchstreifen“ meiner Bücherregale auch frühere Erlebnisse und Erfahrungen, die keinen inneren Zusammenhang zum christlichen Karfreitag besitzen: Texas. The Lone Star State.

The Lone Star State. Texas.[ Quelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28388337]

Mir fällt eine Druckschrift des „State Department Of Highways And Public Transportation“ in die Hände. Ein Heft, das wir seinerzeit erhielten, wenn wir für einen US-Lehrgang an die Raketenschule der Luftwaffe in Fort Bliss, Texas (RakSLw USA) kommandiert oder versetzt wurden. – Uih, das ist bereits eine ganze Zeit her, dass ich das „Raketeninstitut der Bundeswehr“ zum ersten Mal besuchte. – Internetradio an. 100.3 The Wolf. Und Eric Church “Drink In My Hand” gehört. (Obwohl ich nie ein Country & Western Freund gewesen bin. Aber heute.)

Ich beginne zu blättern (und lasse die nicht dienstlichen, sondern freizeitorientierten Fotos daraus „sprechen“):

Der San Antonio River Walk. Hier kann man sich treiben lassen
Einst eine spanische Missionsstation: The Alamo (span. Die Pappel) in San Antonio. Heute DIE texanische Gedenkstätte. Damit unvergesslich verbundene Namen: William Travis, James (Jim) Bowie und Davy Crockett
River Walk San Antonio
Der Leuchtturm Port Isabel aus dem Jahr 1853. Ein Muss für Fotografen. – Eigentlich geht es mir aber um die geparkten Autos: Die Straßenkreuzer, die wir seinerzeit bevorzugten. Besonders die beiden links abgestellten Modelle: 5 Liter Hubraum und V8 mussten es schon sein
Wer da nicht dabei war, der war nicht in Texas. Also, jedenfalls nicht so richtig
Kein State National Park ohne “Aussichtsfelsen”
Einfach nur geradeaus. Und in Arizona geht es noch viel weiter und “geradeausser” in Richtung Sonnenuntergang
Amerika ohne Vergnügungspark? Never ever! Six Flags in Arlington
“Wet And Wild Waterworld” Ein weiterer Freizeitpark
Drastische Strafen zur Vermeidung der Umweltverschmutzung. Schon in den 1980er Jahren
Der Urheber und Herausgeber dieser “Texas-Broschüre” und der von mir hier gezeigten Fotos
Meine “Eintrittskarte” vom 24. Februar 1996

Maskenball

Covid-19. Pandemie. Situation in Deutschland. Risikobewertung. Infektionsschutz. Maßnahmen und Strategie(n). Kaum ein anderes Thema beherrscht die Schlagzeilen der Medien und diszipliniert Bürgerinnen und Bürger mehr als dieses Virus.

Was habe ich zu diesem schwierigen Thema Sinnvolles und Nutzbringendes zu sagen? Nichts. Aber ich möchte eine Geschichte erzählen:

Irgendwann und irgendwo im Nordwesten Niedersachsens übte regelmäßig und „einheitlich“ eine Truppe den (militärischen) Ernstfall. Taktische (und technische) Überprüfungen gehörten in steter Folge zu den allgemein- und fachspezifisch-militärischen „Geselligkeiten“ der Flugabwehrraketenbataillon-26-Truppe an der Rodenkircher Molkereistraße 21 und den Stellungsbereichen am Lockfleth bei Sürwürden und Rodenkircherwurp, letzterer eigentlich mehr auf dem Gebiet des Schweierfeldes gelegen.

Diese Übungen und Überprüfungen durch „check-teams“ aus deutschen Landen und den Staaten der Natopartner, brachten es mit sich, dass (damals ausschließlich) „Mann“ Stunden unter ABC-Vollschutz verbrachte. Hatte „Er“ seine Schutzausstattung erst einmal angelegt, waren die nötigen Meldungen abgesetzt, alle erforderliche Maßnahmen ergriffen und kehrte so langsam, aber stetig Ruhe in den Bereichen ein, dann nickte der eine oder andere schon einmal ein und bemerkte dabei nicht, dass ihm „hilfreiche Kameraden“ mit dem Edding® 2000 die Sichtfenster der ABC-Schutzmaske „verdunkelten“. Andere kamen zum Nachdenken. Es ist nicht meine Absicht, diese „in Ruhe befindlichen“ Kameraden einer mangelnden Verantwortung, Einstellung und abwesendem Engagements zu bezichtigen!

Ich dachte in solchen Situationen, meistens hielt ich mich dann in „innerer Einkehr“ in der ACO-Zelle (taktisches Koordinierungszentrum), beim FüNaSi (Einsatzplanung der örtlichen Bodenverteidigungskräfte) oder „im Bunker“ unter dem TB-IFC (Technisches Büro Feuerleitbereich NIKE) auf, an „all´ die anderen, die da draußen sind“, die Zivilbevölkerung, die dem „Fallout nach einer Kernwaffenexplosion“ schutzlos ausgeliefert war und auch heute noch wäre. Da zogen dann die Gesichter der Familie, von Freunden, Nachbarn, dem Team “meines” Supermarktes und guten und flüchtigen Bekannten an meinem geistigen Auge vorbei.

Heute setzen wir uns als „Schutzmaßnahme“ mit dem Anlegen und Tragen eines Mundschutzes auseinander. Und diesen gibt es, wie damals eine ABC Schutzmaske inkl. Ersatzfilter, nicht einmal in ausreichendem Maße für das medizinische und pflegerische Personal in Krankenhäusern sowie in den Senioren- und Pflegeheimen. – Nun werden die Baumärkte wieder geöffnet. Und sofort schießt mir dieser alte Bw-Spruch in den Kopf: „Was, “Maske”, hast Du nicht? Dann schnitz´ Dir eine!“ – Stimmt! Im Baumarkt gibt es alle Einzelteile.

“Bunte Vielfalt”. Auch und gerade in der Covid-19-Krise

BARF – On The Road Again

Geringfügig beschäftigt helfe ich in einem örtlichen Unternehmen, eine reiche Auswahl an frischem Fleisch und fleischigen Knochen für Haustiere zu produzieren und bereitzustellen. Das äußerst umfangreiche Sortiment, neben Rind und Geflügel führen wir auch Schaf- und Pferdefleisch, ist gefragt und so sorge ich auch einmal monatlich dafür, dass die natürliche Nahrung für Hunde und Katzen mit rohem, naturbelassenem Fleisch und Knochen auch über die Grenzen des Ammerlandes hinaus an interessierte Frauchen und Herrchen gelangt.

So sieht´s aus. Pfotenfutter & Krallenkrams hat´s

Die Rückbesinnung auf die ursprüngliche Ernährung ihrer Haustiere danken diese mit einem intakten Immunsystem, einer nur geringen Zahnsteinbildung und nur wenigen Fällen von Zahnfleischbluten. Und oftmals bessern sich Fellprobleme wie von selbst. Dafür und darum minijobbe ich “an der Frischfleischtheke für Ihr Haustier” in einem BARF-Shop in Wiefelstede.

Zunächst stand „BARF“ für „Born-Again Raw Feeders“ (wiedergeborene Rohfütterer), heute geht es um „Bones And Raw Food“ (Knochen und rohes Futter). Nun könnte ich noch ausgiebig über den Veterinärmediziner und Autor Dr. Tom Lonsdale, er setzte 2001 mit dem Buch “Raw Meaty Bones: Promote Health” (Rohe fleischige Knochen: Gesundheit fördern) einen Meilenstein, berichten. Doch mitteilen möchte ich mich zu meinen „Abenteuern“ auf einer Liefertour während der Covid-19-Krise.

Immer frisch zubereitet. – Unmögliches wird sofort erledigt. Wunder dauern etwas länger

08.30 Uhr. Eigentlich bin ich startklar. Eigentlich. Noch schnell die Zutaten für eine 30 Kg „Spezialmischung Katze“ (mageres Rindfleisch, Rinderherz ohne Kappe, -leber und ein Hauch an Hühnerhälsen) durch den Fleischwolf geschickt. Der Einfüllschacht lacht über diese Menge und der Schneidsatz beschwert sich in Anbetracht dieser Kleinarbeit über die Ruhestörung. – „Ruhe im Schneidsystem! Der Kunde ist König!“

Ich rolle vom Hof, erreiche die A28, verlasse diese an der AS Leer-Ost und beginne meine Tour durch Ostfriesland und das Emsland. Spätestens in Höhe Leer sowie links und rechts der B70 oder B438 wäre sonst ein reges Treiben auf Land- und Bundesstraßen zu vermelden. Und heute? Es ist nicht viel los. Im Vergleich zu anderen Werktagen herrscht hier „Ruhe im Karton“. Nun, was es mit diesem ominösen Karton auf sich hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es waltet tatsächlich eine Flaute.

Am Umländer Wiekkanal

Trotz geringer Fahrzeugbewegungen gibt es sie natürlich weiterhin: Die rasend-schaffenden Macher. Da zischen auf der A28 schon einmal zwei Wiesbadener Kleintransporter einer US-amerikanischen Autovermietung an mir vorbei. Der Name erinnert mich immer an eine Science-Fiction-Serie aus den 1960er Jahren. Es gab so ein Raumschiff mit dem Namen „Enterprise“. – „Sicherheitsabstand“ 25,40 m bei „terrestrischen Warp 2“ (geschätzten 130 Km/h).

Oder der unbeirrt tieffliegende Fachmann für Laminat und Parkett aus … oh, jetzt habe ich den Ort vergessen. Sicherlich hat er einen wichtigen und unaufschiebbaren Termin im Aschendorfer Obermoor.

Freie Bahn verlockt zur Tieffliegerei

Kurz hinter Esterwegen geht es über Clemenswerth und Kuhdamm zur B401. Die Küstenkanalstraße bringt mich nach 40 Kilometern über Oldenburg zurück ins Ammerland. Noch in der Samtgemeinde Hümmling fahrend, “freue” ich mich bereits in dieser Grundmoränenlandschaft unseres Norddeutschen Tieflandes auf die „interessanten Verkehrsteilnehmer“, die mir auch heute auf der B401 begegnen werden. Irgendwer ist immer dabei, der, sich und andere verantwortungslos in große Gefahr bringend, die atemberaubendsten Drängler-Lückenspringer-Überholmanöver auf den Asphalt legt. – “Die Dummheit ist meist der Bosheit Schwester.” – Sophokles

Coole Taler

„Blinker rechts“ und trotz langer Einfädelspur auf die Küstenkanalstraße. Dennoch mein sichernder Blick nach links. Mit geschätzten 140 Km/h ist der „linke“ VW Golf da und auch schon wieder weg. – “Glück kommt nie zu spät”, scheint mir der englische Dichter Michael Drayton (1563 – 1631) ins Ohr zu flüstern.

Ich erreiche wohlbehalten meine Wirkungsstätte im Gewerbegebiet an der A29, stelle den Renault ab, räume den mobilen Kühlraum auf und aus und freue mich, dass ich einmal mehr den „BARFern“ zwischen Wilhelmshaven, Aurich, Leer, Papenburg, Sögel und Oldenburg ihre Bestellungen ausliefern konnte. Ich beschließe, die heutigen Begebenheiten in Würdigung des steten Gefährungspotentials auf deutschen Straßen der Nachwelt zu erhalten. – “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut; denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen!” – Johann Wolfgang von Goethe

Hefe, Hefe, wir ergeben uns!

Weder frische Hefe, noch Trockenhefe gibt es derzeitig in den bundesdeutschen Discountern und Verbrauchermärkten. Nach Toilettenpapier, Nudeln und Mehl nun ein weiterer Engpassartikel.

„Die spinnen die Römer!“ Obelix´, der sein Unverständnis über die Handlungen römischer Legionäre durch diesen Ausruf zum Ausdruck brachte (Quelle: “Asterix und der Kupferkessel”, Seite 32) könnte diesen ohne weiteres in leicht abgewandelter Form durch die vier Märkte hallen lassen, die ich gestern aufsuchte, um zwei Päckchen diese Artikels, der sich im Cent-Betrag-Bereich tummelt, zu kaufen.

Das schöne Wetter in dieser sehr anstrengenden Zeit bietet, unter Wahrung der geltenden Verhaltensmaßregeln, die Möglichkeit zum Durchatmen. Durchatmen wegen Covid-19 und trotz fehlender Nudeln

Nichts. Null. Nix. Überhaupt nichts. Nicht ein Deut. Keine Spur. – Leergefegte Regale. Ich denke an den 1971er US Film „Der Omega-Mann“. Charlton Heston spielt darin einen der wenigen Überlebenden in einer gespenstischen Welt. Er lässt sich im verlassenen bzw. ausgestorbenen Los Angeles nieder. Und „verlassen und ausgestorben“ sind die Stichworte für völlig verwaiste Regale, die einst die Artikel „Rollengold“ (Toilettenpapier), „Goldstaub“ (Mehl und Trockenhefe), „Goldflakes und -nuggets“ (Nudeln und frische Hefe) beherbergten. – Unfassbar.

Auch ohne Hefe, Mehl und Nudeln schön

Was fehlt als nächstes? Paniermehl? Senf? Lebertran? Nein, mein Tipp: Blitzventile für luftbereifte Kinderroller! Also, lasst uns eilen, bevor es zu ersten Engpässen kommt.

Was stört es eine deutsche Eiche, wenn Hefe im Discounter fehlt? – Ja, ich weiß, es heißt: ” …, wenn sich ein Wildschwein an ihr reibt?”

Bis die Supermarktregale wieder aufgefüllt sind, können Sie Hefe selbst machen*. Dazu benötigen Sie nur drei Zutaten:

500 Milliliter stilles Mineralwasser oder Leitungswasser mit einem geringen Kalkgehalt
1 ungeschwefelte Dattel
1 TL brauner Zucker
1 Schraubglas oder eine Flasche mit Verschluss

Tipp
Anstatt Datteln können Sie auch andere, ungeschwefelte Trockenfrüchte wie Feigen oder Aprikosen verwenden. Wichtig ist, dass das Obst viel Zucker enthält und eine klebrige Oberfläche aufweist, an der sich die Pilze und Bakterien ansammeln können.

Zubereitung
Füllen Sie 500 Milliliter lauwarmes Wasser in das Schraubglas.
Geben Sie einen Teelöffel braunen Zucker hinzu. Wenn Sie keinen braunen Zucker zur Hand haben, können Sie alternativ auch Honig oder raffinierten Zucker verwenden.
Legen Sie nun die Trockenfrucht in das Glas.
Verschließen Sie den Deckel gut.
Schütteln Sie das Gefäß, damit sich alles gut miteinander vermengen kann.

Das Wasser-Trockenfrucht-Gemisch sollte nun für mindestens acht Tage bei Raumtemperatur gelagert werden. In der Zeit fermentieren die Zutaten.

Wichtig dabei ist, dass Sie das Gefäß mindestens zweimal täglich gut schütteln. Durch die Bewegung der Flüssigkeit wird die Schimmelbildung verhindert. Zudem können Sie einmal täglich kurz den Deckel abschrauben, damit die gebildeten Gase entweichen können.

Die Hefemischung ist fertig, wenn Ihnen beim Öffnen ein leicht vergorener Geruch entgegenkommt.

Nach acht Tagen sollten Sie das Gemisch in den Kühlschrank stellen.

*Autorin: Jennifer Buchholz. Quelle:https://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_87587818/warum-gibt-es-derzeit-keine-hefe-mehr-.html

Mustergültig sind wir alle nicht

„Friseure dürfen. Arbeitslose und Asylbewerber sollen. Reiter*Innen dürfen vielleicht nicht mehr. Und an der Küste wollen sie keine fremden Kfz-Kennzeichen mehr sehen.“ Auf unserem heutigen, dem Coronavirus und unseren Mitmenschen geschuldeten, kurzen Gang durch die Gemeinde, schneidet das Frollein die Schlagzeilen zur Covid-19-Krise an.

Hörner Diek

Ich bin versucht zu sagen: „Europa. Covid-19. Ausgangsbeschränkung, Ausgangssperre, Betretungsverbot: Die Frisur sitzt.“ Aber ich unterlasse es. Es gibt sie und wird sie immer geben, diese Damen und Herren, die das ganze immer noch für eine Grippe halten und die Lage dementsprechend unbefangen beurteilen.

Hörner Diek

„Das Personal trägt Mundschutz und Gummihandschuhe. Was kann mir da beim Haarschnitt schon geschehen?“ Zwei in einem Artikel sogar namentlich genannte friesische Unbedarfte betrachten die „ganze Corona-Sache als total übertrieben“. Und ein Gastronom aus einer großen Stadt an der Hunte stimmt in einem anderen Zusammenhang in den leichtlebig-ungezügelten Gesang der beiden frisierten Herren mit ein und spottet, ob er dann zukünftig bei jeder Grippe sein Lokal schließen müsse.

Hauptstraße

In der Landwirtschaft werden Erntehelfer ausfallen. Sind Arbeitslose und Asylbewerber die Lösung? Pferdehalter bangen vor einer Ausgangssperre und um das Wohl ihrer Tiere. Und in einigen Küstenorten werden Menschen mit auswärtigen Autokennzeichen bereits angepöbelt. „Es sind viele Ältere unterwegs. Gerade die, die wir versuchen zu schützen“, stellt ein Goldschmied besorgt fest.

Am Brinkacker

„Also, nicht nur die jung, dynamisch unbefangenen Menschen finden immer noch nicht den Weg in die schützenden eigenen vier Wände, die Senior*Innen stehen ihnen in nichts nach“, stellt Luna fest.

Hauptstraße

„Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen.“ – François de Sales.

Das Frollein

Wenn Dummheit quietschen würde

Man vermutet, dass sich das Coronavirus über Fledermäuse und bislang unbekannte Zwischenwirte Anfang Dezember 2019, ausgehend von einem Markt in Wuhan in der Provinz Hubei („nördlich des Sees“, Volksrepublik China. Quelle: wikipedia) verbreitet hat. – Alles weitere kennen und erleben wir. Täglich.

Nicht nur auf der Weide: Schafe. – Walliser Schwarznasenschafe. So viel Zeit muss sein. Ja, Walliser Schwarznasenschafe, da sie aus dem Oberwallis stammen und nicht aus Wales

Apropos „täglich“: Heute besuchte ich einen Discounter und kaufte ein. Nein, kein Toilettenpapier! Ich griff u.a. nach Mandarinen, Ananas, Eiern, Pikkolos, Dinkel Vollkornmehl und einer 14 m langen LED-Lichterkette. Letztere ein Bausatz, der keine Langeweile aufkommen ließ. Einfach einmal an etwas anderes denken als an Maßnahmen gegen das Coronavirus. Ja, ich unterhielt mich aus gebotener Distanz sogar für wenige Augenblicke mit einem Bekannten.

Klopapier – Dieser Tage wie ein Schatz gehütet

An gewohnter Stelle im Discounter, ein wenig verdeckt unter Verpackungsmaterial, gibt es Toilettenpapier.

Ich komme auf den Punkt: Er & sie, beide auffällig getrennt voneinander durch den Wiefelsteder Markt an einer örtlichen Ausfallstraße streifend, „selbstredend“ über das Coronavirus scherzend, dabei stets einen gedankenlos-naiven, um nicht „grottendoofen“ Spruch schreiben zu müssen, auf den Lippen, bewegen sich “Homer & Marge” in Richtung Kasse 1. Er legt zwei 8er-Pakete, dann entspannt seinen Oberkörper auf das Band, sie legt nach: Drei Pakete. Und mit Blick auf eine sich nähernde Kassiererin: „Ich kaufe immer so viel!“

“Ein Vogel, der ein Lied herausschmettert, hat ein Behagen dabei.” – Oswald Spengler

Auf dem Parkplatz begegnet mir und anderen Kund*Innen das “5×8×200 dreilagig beladene Paar” erneut. Beide sind im Begriff in dasselbe Auto zu steigen. Sie werden bemerkt und jemand spricht sie an. “Die Hamsterer” ringen um Haltung und nach Argumenten.

Als politisch und historisch interessierter Mensch möchte ich spontan eine in einfacher Sprache gehaltene Aussage zu den Themen “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” sowie “Einigkeit und Recht und Freihheit” treffen. Der einst militärisch geschulte “Lagebeurteiler” in mir trifft in Anbetracht dieser interlektuell nur spärlich ausgeleuchteten Situation die Entscheidung: “Nein.”

Ich bin nicht wutentbrannt, aber verdrossen und auf einer 1:10-Skala auf 8. – Im später von mir besuchten Getränkemarkt ergibt es sich, dass ich mich einem jungen Mitarbeiter mitteile. Und was antwortet der junge Mann? „Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden.“ – Er hat Friedrich von Schiller gelesen. Und er trifft den Nagel auf den Kopf.