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Auf Achse ohne Fluchtfahrzeug

Es begann wohl um 1905 mit einem Bauernhof und einer angeschlossenen Gastwirtschaft. Hoch über dem Gasteiner Tal. Die einstige Pyrkerhöhe wurde zum Natur- und Designhotel DAS.GOLDBERG. Grund genug für uns, uns auf den Weg nach Bad Hofgastein zu machen. Ohne das Frollein, das im Pfotentreff logieren wird und ohne Big B. – Ja, sehr ungewöhnlich für uns, aber „soll´s geben“.

DAS.GOLDBERG. Blick in Richtung Bad Gastein

Wir fahren über die BAB 28, 27 und 7 in Richtung Kassel. Kurze Zeit später erreichen wir Melsungen und unser Hotel für die erste Übernachtung auf dem weiteren Weg nach München und später nach Österreich. Die 10-Tages-Vignette für das mitteleuropäische Land, das von Bergdörfern, barocker Architektur, kaiserlicher Geschichte und rauem Alpenterrain geprägt ist, ist bereits besorgt und völlig entspannt geht es am darauffolgenden Tag weiter in Richtung bayrische Landeshauptstadt.

Bad Hofgastein

Nicht ohne einen Stopp in Schweinfurt. 20.000 m² Ausstellungsfläche. 300 Wohnwagen. Der weltweit größte Fendt-Vertragshändler: Wolfgang Thein GmbH. Wir wollen „nur mal eben“ schauen. Einen Einblick und Eindruck gewinnen. Zwei Stunden später haben wir ein Angebot, dass wir eigentlich nicht ablehnen können, für unseren erst drei Jahre alten Big B. in der Tasche und bräuchten den Neuen (potentielles Objekt der Begierde: Fendt Bianco 515 SGE Activ) eigentlich nur bestellen. Eigentlich. Wir bedanken uns bei Herrn Klaus W. für ein offenes und vertrauenswürdiges Gespräch, haben noch seine spitzbübischen Worte: „Ich wünsche Ihnen eine schöne, schlaflose Nacht“ in den Ohren und verlassen die „Caravan-Traumfabrik“.

Bergwanderung. “Wer wagt es, uns aufzuhalten?”

Wir haben Glück und erreichen „Minga“ ohne nennenswerte Staus oder Verkehrsbehinderungen. Um 15.00 Uhr stehen wir vor der Villa am Schloßpark, beziehen unser Zimmer und schon bald sitzen wir mit dem „bayrischen Zweig“ der Familie im Grünen Baum in der Obermenzinger Verdistraße und lassen es uns bei einem Augustiner sehr gut gehen. Die Lederhose sitzt wie angegossen und trotz gehaltvoller und vielfältiger Speisen an diesem Abend passt sie mir auch tags darauf noch.

Blick vom Fulseck (2033 m) auf Unterberg. Oder ist es doch Maierhofen?

In Gedanken ein „Uroberbayer“, besitze ich natürlich eine kurze Leder- und eine lederne Kniebundhose mit Trachtenhemden, -hosenträgern, Haferlschuhen und allem was dazugehört. Wirklich mit allem? Ja, denn einen Charivari (gesprochen „Schariwari“) , die massiv silberne Schmuckkette mit Berlocken, d. h. Edelsteinen, Münzen und Medaillen, Grandeln, Kümmerer (verkümmerte Hirsch- oder Rehgeweihe), Tierpfoten und Zähnen von jagdbaren Tieren, besitze ich auch. Und was für eine Kette! Nur Loferl habe ich noch nicht. Noch nicht. Und wenn, dann verrate ich, was es damit auf sich hat.

Blick aus der Schlossalmbahn auf DAS.GOLDBERG

Am Sonntag geht es zum Frühschoppen ins Vereinsheim des Kleingartenvereins in Pasing. In Lederhosen. In voller weiß-blauer Montur. Also, in korrekter Tracht. Die ist nicht mal eben für das Oktoberfest irgendwo gekauft worden, die stammt vom „richtigen“ erstklassigen Ausstatter für Trachtenmode. Und nun stehe ich vor dem Vereinslokal und finde keine Ausrede, mich der unmittelbar bevorstehenden Prüfung durch die „Ureinwohner“ durch Flucht zu entziehen. Das „Herz schlägt mir im Hals“. Es gibt kein zurück! Und dann … ja, dann … geschieht nichts. Alles völlig normal. Im Gegenteil, man spricht mich darauf an, dass ich sogar die Trachtenhosenträger trage und nicht wie viele am heutigen Morgen, nur einen Gürtel. Erleichterung. Sehr große Erleichterung. – „Frau Wirtin, drei Helle, bitte!“ (Für „Vaddern“, den Rupert und mich.)

Blick über das Gasteiner Tal in Richtung Gamskarkogel. 2.467 m

Von München geht es über Stephanskirchen, hier wollen wir unbedingt Elfriede und Günter besuchen, nach Bad Hofgastein. Wieder haben wir großes verkehrstechnisches Glück: Kein Stau. Bischofshofen, St. Johann, Schwarzach, Bad Hofgastein. „Bitte alles aussteigen, die Reise endet hier!“ Hoch über dem Tal (z. T. 15% Steigung) parken wir vor Eisenskulpturen. Blicken auf DAS.GOLDBERG mit seinen raumhohen Fenstern und erst jetzt nehmen wir die großartige Kulisse wahr in der wir uns befinden.

Wenn schon in den Bergen verlaufen, dann bitte mit dem entsprechenden Panorama. So viel Zeit muss sein

Unsere Suite ganz oben über dem Tal. Ein Ausblick wie ihn Ansichtskarten gern fingieren. Hier ist er real. Die Suite, ein Einblick, der uns begeistert. „Hoch erhaben. Auf dem Berge thronend. An einem Logenplatz.“ (Zitat DAS.GOLDBERG) – Uns wurde nicht zu viel versprochen.

Bad Hofgastein in der Aperol-Spritz-Dämmerung

Wir lassen es uns einige Tage sehr gut gehen. Wir fahren mit den Seilbahnen, wandern bergauf und -ab, verlaufen uns und finden wieder auf den rechten Pfad zurück. Wir umrunden orientierungslos eine Baustelle in den Bergen, haben Muskelkater und entspannen später im Ruhepo(o)l. Wir genießen Gold.Tropfen in der Bar und dem Restaurant und folgen gern dem Duft von frisch gemahlenem Kaffee durch die Lobby. Hausgemachtes Bauernbrot, Butter, Eier und vor allem Käse von der Alm, „Gaumenkitzler“. Freundliche Gesten. Wertvolle Handgriffe. Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft. – Wir kommen wieder.

Schlossalmbahn. Mittelstation. Weit und beschwerlich (inkl. Verlaufen) kann der Weg vom Gipfel sein

Unsere Heimreise unterbrechen wir in Schweinfurt. Nein, wir fahren nicht zum Fendt-Händler. Wir übernachten im Kolping-Hotel und erreichen usA (unser schönes Ammerland) gegen 17.00 Uhr. Gerade rechtzeitig, um das Frollein aus seiner Pension abzuholen. Und auch sie hat uns einiges zu berichten.

Lobby. DAS.GOLDBERG
Belohnung nach “dem Irrlauf der Flachlandtiroler”
Es gibt also mindestens noch zwei Enziane auf diesem Planeten (Von dem geistigen Getränk bestellt man allerdings: “Zwei Enzian.”)
Wir haben zumindest ein schlechtes Gewissen, als wir diesem Quartett + Hund mit einem Kaltgetränk in der Hand zusehen ….
Ein Spiegelsee. Wasserspeicher für das winterliche Dauerfeuer der Schneekanonen. Es kann sehr lustig werden, wenn man im Gespräch mit Einheimischen statt “Beschneiung” das Wort “Beschneidung” zu hören glaubt …
Prinoth Everest. 428 PS. Max. Drehmoment 2.000 Nm. Der aktuelle VW Touareg V8 TDI bringt es auf 421 PS und “nur” 900 Nm. Dafür ist er schneller … 😉
Vielleicht sah Frl. Menke auch diese Gipfel als sie 1982 die Idee zu ihrem Lied “Hohe Berge” hatte
Die “Gartenlaube” in München Pasing. Sie darf hier nicht fehlen

Sustrum/Emsland Ostern 2019

Mit 60 Km/h fahren wir durch den Baustellenbereich der A28 zwischen den AS Apen/Remels und Filsum. Wir haben Glück, denn einen Tag später, am Karfreitag, wird sich hier der Verkehr auf vier Km Länge stauen. Da sitzen wir bereits im Zweistromland am Frühstückstisch und hören den Verkehrsfunk.

Sustrum, Brinkstraße. Die Brücke am “Durchstich”

Es ist bereits einige Zeit her, dass wir mit Big B. unterwegs waren und meine Bezeichnung „Zweistromland“ bedarf eventuell einer näheren räumlichen Zuordnung. Es handelt sich nicht um das historische Mesopotamien, dem einst wichtigsten Zentrum des Alten Orients zwischen Euphrat und Tigris. Es ist der Campingplatz Emstal bei Sustrum/Emsland zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal und der Ems gelegen. An einem alten Emsarm zwischen den Ortschaften Sustrum und Fresenburg haben wir wieder einmal unsere Zelte aufgeschlagen.

Noch ohne Thule Sunblocker. Die waren dann aber doch sehr gefragt: Sonne²

„Halt!“ – Insider werden mich sofort korrigieren wollen: „Düthe“. Düthe heißt die nächste Ortschaft, nicht Fresenburg. Das stimmt, aber abgesehen von der Düther Schleuse, dem dort gelegenen Ausflugslokal und eines nicht enden wollenden 50-Km/h-Bereichs, hat es sich hier auch schon „ausgedüthet“. Ich erlaube mir daher, diesen Ort ein wenig zu vernachlässigen.

(Sehr) Frühmorgendlicher Blick auf die Ems

Fünf Monate stand Big B. in der Scheune unseres Vertrauens. Fünf Monate waren wir nicht auf Achse und bauten „unser Lager“ weder auf, noch ab. Unsere heutige Reise erfordert Überlegung und Geduld. Zwar sind wir von straßenverkehrstechnischen Widrigkeiten verschont geblieben, aber das erste Rangieren mit dem neuen Zugpferd und der anschließende Aufbau kosten Zeit. Viel mehr Zeit als gewohnt. Wir sind ein wenig aus der Übung. Plötzlich steht Big B. zu dicht an einer Fichte, auf einmal ist das in Sustrum stets ausreichende und zehn Meter lange Stromkabel ca. 30 cm zu kurz und ich habe das Gefühl, zwei linke Hände, die ausschließlich über Daumen verfügen, zu haben.

Auf der Brücke

Nachdem uns ein humorvoller Platznachbar verschmitzt lächelnd darauf hinweist, dass es bald zu dämmern beginnt, können wir unsere Arbeiten noch bei Tageslicht abschließen und schließlich „Vollzug“ melden. Wir brechen zu einem ersten Spaziergang entlang der Ems auf. Luna ist begeistert, der besten aller Ehefrauen gefällt es hier auch. Vollkommen selbstlos nutze ich diese beschwingte Stimmung, um uns später mit einem friesisch-herben Pilsener und einem belebenden „Acquavite Di Pere Williams“ aus Südtirol zu belohnen.

Wenn man den Kahn voll hat …

Um 03.20 Uhr beschließt mehr Luna als ich, dass es an der Zeit sei, eine erweiterte Platzrunde zu drehen. Ich taumele aus dem Wohnwagen. Schnell in ihrem Element, drängt Luna in Richtung Brinkstraße. Ich stolpere hinterher. Nicht ahnend, dass mir ein Straucheln schon bald zum unbehaglichen Verhängnis werden soll. In Höhe des „Durchstichs“ an der Brinkstraße, Luna hat die Nase am Boden und verfolgt ganze Heerscharen an Rehen, Hasen, Fasan & Co., humpelt das Frollein plötzlich. Im Dunkeln ertaste ich ihre linke Pfote und entfernte „Irgendetwas“. Dieses „Ding“ will sich gar nicht mehr von meinen Fingern lösen. Ich nehme die Hand näher in Augenschein und in Richtung Nase. Es ist noch zu dunkel. Ich halte das „Etwas“ und nehme „ortsfremden Geruch“ wahr. Jetzt stolpere ich abermals. An dieser Stelle soll die Schilderung meines nächtlichen Abenteuers enden. – „Ja!“ es war „Scheibe“.

Vorher. Nachher

Der Berufssoldat, auch der seit neun Jahren pensionierte, hat stets alles „am Mann“. Eine Kleinigkeit, dieses Malheur umgehend zu beheben. Einweghandschuhe, Tücher und Tüten in der linken, Desinfektionsspray, Wasseraufbereitungstabletten, Taschen-messer, Wagenheber sowie Ring- und Gabelschlüssel der Größen 8 bis 19 in den anderen Taschen der „Überlebensjacke“ verstaut, ist es eine Kleinigkeit, diesen hinterhältigen biologischen Angriff zu neutralisieren. – Um 06.30 Uhr blicke ich erneut in das Paar erwartungsfreudiger bernsteinfarbener Augen: „Nein, Luna!“

2001 Vogel des Jahres: Der Haubentaucher

Eigentlich wollen wir nach Klazienaveen/NL, aber einmal in Sellingen falsch abgebogen, führt uns die Reise über Vlagtwedde nach Winschoten. So lautet meine offizielle Darlegung für den von mir eingeschlagenen „kleinen Umweg“. Nur am Rande erwähne ich, dass wir an diesem Tag niederländische Ortschaften wie Jipzinghuizen, Ellersinghuizen und Blijham kennenlernen. Kurz, ich habe uns mächtig in die Irre geführt. „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, kennt nur eine Seite davon.“ – Und eben davor möchte ich uns an diesem Tag bewahren.

Stockente (Erpel). Weder verwandt, noch verschwägert mit …

An diesem Ostersamstag ist auch in Winschoten etwas los. Eine sehr gut besuchte Fußgängerzone und ein geschäftiger Wochenmarkt tragen ihren Teil dazu bei. Wir suchen „mal eben“ einen Parkplatz und werden nach längerer Suche, der neue Vivaro ist um einiges länger als unser Ehemaliger, auch fündig. Um einige Mitbringsel reicher, schlagen wir über den Wochenmarkt den Rückweg zum Auto ein. Und da stellt er sich uns in den Weg: Ein Fischimbiss, der “Vis Specialist Westerhuis aus Termunterzijl”. „Kibbeling!“ Augenblicklich geht nichts mehr. Ausgenommen der zwei Portionen Backfisch, die wir uns hier kaufen und stehenden Fußes verzehren.

Kibbeling. Aus Kabeljau, Seelachs oder Seehecht

Zurück in Sustrum. Geduld. Unser ruhiges und beherrschtes Ertragen von etwas, das zusehends unangenehmer wird und nicht enden zu wollen scheint, ist angezeigt und gefordert: Oma erklärt ihrer Enkelin und unabwendbar auch anderen, vernehmlich den Lauf der Welt und des Universums. Nichts lässt sie aus. Ganz bestimmt gehört sie zu den liebenswürdigsten, fürsorglichsten und freundlichsten Großmüttern, die so viele Enkelkinder vermissen. Aber an diesem wunderschönen, sonnigen, vorösterlichen Nachmittag, der zum die Ruhe genießenden Faulenzen in der Sonne einlädt, wird sie zur bitteren Geduldsprobe. Sie läuft zur Höchstform auf: Ohne Pause. Ohne Punkt und Komma. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wissen ist Macht oder in diesem Fall zutreffender: Wissen macht Krach.

Frohe Ostern!

Samstagnachmittag. Oma gerät mehr und mehr unter nervliche Anspannung. Ihre Enkelin ist wissbegierig. Oma klärt auf, legt aus und begründet. Inzwischen jegliche Interpunktion und besonders ihre Atmung bedrohlich vernachlässigend, widmet sie sich eindringlich und weithin vernehmbar, jedoch mehr und mehr unter Hochspannung stehend, den Themenkreisen, die die Welt bzw. ihren Nachwuchs bewegen. Endlich naht Rettung: Die Tochter holt die Enkelin ab. – „Lobet den Herrn!“ – Und die Tochter.

Am Stand von Kaas Eisenga in Winschoten

Man kann es so oder so sehen: Die Aufforderung am Ostersonntag gegen 06.30 Uhr zu einem kleinen Osterspaziergang entlang der Ems aufzubrechen, mag den einen schrecken. Andererseits gehört das Emstal zu dieser frühen Stunde allein den beiden Anglern am alten Seitenarm, der Familie Sandker, die bereits wieder aktiv das Zweistromland auf Vordermann bringt sowie dem Frollein und mir. Und dieser letzte Aspekt lässt Luna und mich in Sustrum stets zu Wiederholungstätern werden.

Dortmund-Ems-Kanal

„Uns scheint, als gehöre die Ems zu dieser Zeit uns. Ich werde jetzt, Ehrenwort, einige schöne Bildchen anfertigen. Kann sein, dass sie gleich gelingen, kann sein auch nicht. In jedem Fall, nur Mut, werde ich sie später gern zeigen.“ So ähnlich könnte der Schriftsteller Siegfried Lenz diese Worte dem in Masuren aufgewachsenen Alec Puch, einst bei einem wandernden Scherenschleifer als Gehilfe angestellt, in den Mund gelegt haben. Und gern imitiere ich diese Mundart, wenn wir uns von der besten aller Ehefrauen zu unserer frühmorgendlichen Emspatrouille verabschieden.

Mein gefühltes 100. Foto dieses Baumes

Es kann sehr schnell gehen. Gerade noch den Frühnebel vor Augen, kann dieser nur wenige Minuten später verschwunden sein. Wenn die Sonne über den Bäumen an der Brinkstraße aufgeht, haben die Nebelschwaden über den Äckern keine Chance. Nur der Frühtau, diesmal nicht zu Berge, sondern am Ufer der Ems, besitzt noch die Kraft durch die Lüftungsöffnungen, die für Atmungsaktivität in meinen Crocs™ sorgen, in eben diese „Pantolette“ zu kriechen, um das „Seelenleben“ meiner Zehen zu kühlen. Ich nehme es gern hin. Nach den ersten lohnenden Motiven ist alles vergessen.

Landwirtschaftlich bestellter Boden. – “Bleib´ mir nur vom Acker!”

Luna, in Anbetracht der Brut- und Setzzeit an der Leine, was immer wieder nicht unterrichtete HundehalterInnen verblüfft, hat längst die Fasanenhenne im Gebüsch ausfindig gemacht. Diese ergreift laut zeternd die Flucht über das benachbarte Feld. Es lässt den Angler am gegenüberliegenden Ufer der Ems vollkommen kalt. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt, seine Angelhaken zu beködern.

Auf diesem Weg “lauert” gern der Frühtau, um in die Crocs™ zu kriechen

Wie zum Spott springt jetzt in der Mitte des Altarms der Ems ein Fisch, der, ich habe 1977 das Große (Angler-)Latinum gesegnet bestanden, mindestens die Größe eines übergewichtigen Schweinswals hat. Wenn nicht noch größer! Die Bugwelle, die er verursacht überschwemmt die angrenzenden Felder und spült mir den Frühtau aus den „Badelatschen“. So oder so ähnlich, könnte es gewesen sein. – Errare human est (Sophronius Eusebius; „Irren ist menschlich“).

“Fasan hin, Fasan her. Der Haken muss beködert werden!”

Wie gewohnt haben wir unsere Fahrräder und das Lunamobil, den kleinen Hundeanhänger, dabei. Nicht dass, das Frollein unserem Tempo nicht folgen könnte, aber es gibt Situationen in Städten und Gemeinden, da transportieren wir Luna lieber im sicheren Gefährt. Außerdem sorgt der Anblick, wenn sie mit wehendem Behang (Ohren) aus ihrer Kutsche dem Volke erhaben zuwinkt, für Gesprächsstoff. Heute erlaufen wir allerdings die Runde entlang des Dortmund-Ems-Kanals über Steinbild und zurück zur Düther Schleuse und dem Campingplatz.

Ein Nebenarm der Ems. Und wenn man ganz früh ganz leise ist, dann … ja, dann … und nur dann, dann …  weiß man, wie schön es dort ist

Der weiß-blaue Ableger unserer auch bayrischstämmigen Familie würde zu Recht von „Kaiserwetter“ sprechen. In Steinbild haben sie den unschönen Bau vor der Kirche abgerissen und durch ein neues Haus ersetzt. Dies gefällt uns. Doch es schmälern noch ein, zwei weitere „Bausünden“ das Erscheinungsbild der St.-Georg-Kirche. Ich denke, wir werden da einmal intervenieren müssen … oder (bestimmt) nicht. – Geschmack ist eben Geschmackssache.

Ruderboot “ohne Tiefgang”

Ein sonniges Osterwochenende neigt sich seinem Ende entgegen. Wir brechen unsere Zelte ab und starten in Richtung usA (unser schönes Ammerland). Hätte sich nicht mein seit einigen Jahren ganz und gar nicht vermisster falscher Freund Pollinosis (Heuschnupfen) ebenso überraschend, wie heftig angekündigt, es wäre ein noch viel schöneres Wochenende geworden. Hasel, Erle und Birke sowie einige weitere Kräuter gingen mir ganz schön auf die Nerven.

Der Ostertisch, Siegfried Lenz. – Alec Puch mit seinen drei Söhnen, die er nach den masurischen Ortschaften rief, in denen sie das Licht der Welt erblickten

Endlich!

Nach mehreren Monaten der Winterpause in der “Scheune unseres Vertrauens”, steht Big B. nun  wieder vor unserer Haustür und wartet auf neue Reisen und Abenteuer. Und nicht nur er ist ungeduldig!

Morgen geht es erst einmal nach Papenburg zur “vorbeugenden fachlichen Untersuchung”. Und dann sind wir bald wieder “auf Achse”. – Endlich!

18. Modellbahnstammtisch Wiefelstede

Es begann in einem Bistro auf einem kleinen Tischchen. Inzwischen benötigen wir schon einmal einen Saal oder, wie es beim letzten Treffen der Fall war, den Konfirmandenraum im Rudolf-Bultmann-Haus, dem Gemeindehaus der Ev.-luth. Kirchengemeinde Wiefelstede in der Kirchstraße. – “Unsere Kreise haben sich eben erweitert.”

Zweifelsohne mein Favorit an diesem Abend. Natürlich waren auch wieder sehr viele hoch interessante Modelle vor Ort, aber der TEE …
… und gleich noch einmal: TEE. Trans Europ Express (nicht: Trans-Europa-Express)
Eine V 160, die später zur “216” wurde. Interessanter ist der ihr wegen ihrer rundlichen Form verliehene Spitzname “Lollo” (eine Anspielung auf die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida. Warum auch immer ? 😉 )
EBW V270.06. “EBW”, nein, nicht Eissport-Verband Baden-Württemberg oder Evangelisches Bildungswerk, sondern Eisenbahnbewachungs GmbH (Niederlassung Cargo)
Tja, dazu kann ich nichts sagen. – Nachtrag: Dank Ralf P. weiß ich nun viel mehr: Westfälische Almetalbahn GmbH (WAB), WAB 28 – V200 – M62 (So sind sie, die Modellbahner. Vielen Dank!)
Schon im DB-Museum Koblenz, wurde E 103 113-7 wieder reaktiviert, “arbeitete ab 2015 in München und steht seit 30. März 2017 wieder im DB-Museum in Koblenz. Gestern hatte sie frei und kam kurz nach Wiefelstede
BR E 94 mit dem Spitznamen „Deutsches Krokodil“ bezeichnet eine Baureihe sechsachsiger schwerer Elektrolokomotiven
2001 im HEEL Verlag erschienen: Jörg Hajt – Das große TEE-Buch
Organisator und “Fahrdienstleiter” Jens B. und Sohn Jonah hochkonzentriert
Die Baureihe V 200.0 (ab 1968 BR 220). Eine der ersten Diesel-Streckenlokomotiven der Deutschen Bundesbahn

Unser Modellbahnstammtisch “begrüßt” gern alle Spuren, Gleich- und/oder Wechselspannung, Dampf-, Elektro- und/oder Diesellokomotiven, analog oder digital, alt oder neu, jung oder alt, Hobby- oder “Vollblut”-ModellbahnerInnen oder “nur” Interessierte. Gäste und “Sehleute” sind stets willkommen!

11. Oktober 2005

Ich wusste nicht, dass an diesem 11. Oktober vor nunmehr 13 Jahren die 1999 im Kosovo-Krieg in Novi Sad zerstörte Freiheitsbrücke wieder eröffnet wird. Also unternahm ich, da ich auch keine Einladung zu dieser Veranstaltung erhalten hatte, an diesem Dienstag einen dienst(äg)lichen Ausflug über den seiner endgültigen Schließung inzwischen sehr nahe gekommenen Oldenburger Fliegerhorst. – Ich bin mir sicher: in Novi Sad vermisste mich an diesem Tag niemand.

Auf der rechten Seite Geb. 185. Links, zum Teil verdeckt, die Gebäude 189 und 209. Und wer noch einen FlgH-OL-Plan besitzt, findet diese Gebäude bei J/K 20/21

Ein unerwartetes Wiedersehen mit dem Kraftfahrer (Oliver F.), der mich damals begleitete und den ich nach fast 12 Jahren in einer kreisfreien Stadt im Oldenburger Land, die zur Metropolregion Bremen/Oldenburg gehört, wiedertraf, brachte mich auf die Idee, diese Bilder noch einmal “auszugraben”.

Halle 6. Erbaut 1936. In diesem Jahr: Olympische Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen und die Olympischen Sommerspiele in Berlin

Ich will aus diesem Beitrag keine Geschichte machen, sondern einfach die Bilder sprechen lassen. Ich denke, sie sind für Eingeweihte ein die Erinnerung anregender, kleiner Ausflug in die Militärhistorie Oldenburgs. – Und wenn nur einer denkt: “Ach, ja”, dann hat sich meine Arbeit gelohnt.

Halle 1. Ich drückte in Höhe der Geb. 143, 144 und 100 auf den Auslöser
Halle 7, daneben ein Teil der Halle 6 und im Vordergrund Geb. 221, das 1982 errichtete Lagergebäude LOX (liquid oxygen, Flüssigsauerstoff)
Geb. 12. Eine Fahrzeughalle inkl. Bürogebäude
Halle 3. Man(n) unterschied Halle 3 ost und Halle 3 west
Das 1961 errichtete Towergebäude (Geb. 21) darf natürlich nicht fehlen. Im Hintergrund die 1936 errichtete Halle 5, die ebenfalls in einen West- sowie einen Ost-Teil “getrennt” war

Saisonausklang am Prüßsee in Güster

Eine der eher entbehrlichen Anschaffungen ist es, dass ich einen Wecker besitze. Also, nicht den vierbeinigen Wecker, Modell Kleiner Münsterländer und namens Luna, ich meine einen „richtigen Wecker“: Funkgesteuert, batteriebetrieben, eben mit allem was dazu gehört. Ich werde, sobald ich ihn stelle, immer rechtzeitig wach. Egal zu welcher Zeit. 03.15 Uhr, 04.30 Uhr, 06.00 Uhr. Ich gewinne immer. Doch damit „Herr Braun“ nicht traurig ist, stelle ich mich manchmal schlafend, und lasse ihn zur vereinbarten Zeit piepen.

Eine der vielen kleinen Inseln im Prüßsee

Ich habe „Herrn Braun“ auf 04.30 Uhr gestellt, denn wir wollen mit Big B. noch einmal nach Schleswig-Holstein an den Elbe-Lübeck-Kanal reisen. Und damit wir ungehindert die Dauerbaustelle bei Bremen passieren können, wollen wir vor dem dort einsetzenden Berufsverkehr schon längst Hamburg ansteuern.

Früh am morgen am Elbe-Lübeck-Kanal

Um 04.15 Uhr bin ich wach und federe wie eine Gazelle aus dem Bett. Oder wie heißt das graue Tier mit dem Horn auf der Nase? Vorhänge und Fenster auf, frische Luft in alle Räume. „Die Beste von allen“ ist darüber nicht so recht begeistert. Klarer Fall, Reisefieber.

Ich habe inzwischen viele “Lieblingsbäume”

Um 05.40 Uhr rollen wir gen Bremen. Die BAB ist gut besucht, aber es geht voran. Bei Delmenhorst, wir nähern uns dem gefürchteten Staubereich, zwängt sich ebenso plump wie überflüssig ein 7,5-Tonner vor uns, bremst uns geschickt aus und somit haben wir bereits zu dieser frühen Stunde den obligatorischen „Quoten-Blödel“ erlebt und unserer reibungslosen Weiterfahrt nach Güster an den Prüßsee steht nichts mehr im Wege.

Panorama aus dem Isabella Campingstuhl fotografiert

08.20 Uhr. Eine gute Dreiviertelstunde vor Öffnung der Rezeption stehen wir in „pole position“ am Tor zur Freizeitwelt Güster. Wir nutzen die Zeit und inspizieren die Stellplätze am Kanal. Luna leitet derweil eine erste Bestandsaufnahme bezüglich der körperlichen Verfassung und Anzahl der Enten und Gänse am und auf dem Schifffahrtsweg ein. Stellplatz 20 sowie der Gesundheitszustand und die Gemütslage der gefiederten Freunde werden für gut befunden. Um 10.00 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch. Das soll uns mal einer nachmachen.

Die “Durchreisenden” nahmen immer mehr zu …

Am Nachmittag drehen wir unsere erste Runde um den Prüßsee im Herzogtum Lauenburg. Es hat sich einiges verändert in der Freizeitwelt Güster: die Böschungen wurden zum Teil gerodet oder stark, weil nötig, zurückgeschnitten, „dunkle Ecken“ wurde durch den Einsatz der Motorsense „erleuchtet“ und die stets offenen Tore zum Kanal mit aussagekräftigen Hinweisschildern für abwegige „Durchreisende“ versehen. Das große Tor bei der Müllentsorgungsstelle wurde komplett geschlossen. Warum wohl? In die Jahre gekommene Caravans und ihre ebenfalls sehr betagten Vorzelte sind verschwunden, neue Stellplätze wurden erschlossen und warten auf neue Mieter. Und auch manche, einst bis in den Himmel ragende, einen Dauerstellplatz sichernde und abschirmende Hecken wurde auf ein überschaubares Maß zurückgeschnitten. So verwehren lediglich noch die eine und andere Wagenburg den Blick auf den See. Damit können wir leben, denn wir kennen inzwischen viele natürlich belassene Wege und Plätze, die uns ans Ufer des Prüßsees führen.

Schade, aber wohl erforderlich

Nachdem wir die halbe Strecke zurückgelegt haben, kommen wir im Ort Güster an. Wir freuen uns auf ein oder gern auch zwei leckere Fischbrötchen. Niemand da. Die Bude ist geschlossen und zur Abrundung unserer ersten Enttäuschung stellen wir fest, dass die Bäckerei unseres Vertrauens Betriebsferien bis zum 21. Oktober macht. „Hallo? Wie kommen wir nun an „unsere“ Roggenbrötchen?“ – Gar nicht.

“Wir sehen uns im Mai 2019!”

Die Diskretion verbot es mir bis heute, über Anstand und Benehmen einiger Mitcamper zu berichten. Heute möchte ich dieses mir selbst auferlegte Schweigen einmalig brechen. Es gibt Menschen, die sich auf Campingplätzen verantwortungsvoll um die Sanitärgebäude kümmern und diese zur Freude und Annehmlichkeit der Gäste stets sorgsam und pfleglich in einem blitzblanken Zustand halten. Und es gibt Zeitgenossen, die sich darum im wahrsten Sinne des Wortes, einen Dreck scheren. In Güster begegnete mir ein Exemplar der Spezies „Holla, hier kommt der Landvogt! Nach mir die Sintflut!“ – Ich hoffe, dass das „biblische Hochwasser“ ihn eines Tages einholen wird.

Tja, war nichts mit Maquereau grillé maître d´hôtel (Makrele auf dem Rost mit Kräuterbutter) 😉

Wir machen uns auf den Weg, die „große Runde“ um den Prüßsee zu laufen. Es wird Zeit. Die Gäste, die sich zwei und drei Stellplätze neben uns einquartiert haben, kommen langsam in Stimmung. Sie scheinen etwas zu feiern haben.

Heute laufen wir einmal entgegen dem Uhrzeigersinn, denn trotz Oktober strahlen 27°C vom Himmel, die uns heute aber „hinterrücks beleuchten“ sollen. Von der Straße Am Prüßsee kommen wir auf den Moorweg, den wir, inzwischen inmitten der weiten Landschaft, bis zum Haferkoppelweg nutzen. Obwohl für den öffentlichen Verkehr gesperrt, überholen uns auf dem landwirtschaftlichen Weg Autos. Katharine Hepburn stellte einst fest: “Wenn du immer alle Regeln befolgst, verpasst du den ganzen Spaß.” Ja, und diesen lassen sich die motorisierten Angler auch nicht entgehen.

Mein Opa sagte manchmal: “Das größte Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde.”

Der Haferkoppelweg führt uns wieder an den Elbe-Lübeck-Kanal zurück. Die Sonne gibt an diesem Nachmittag alles. Und als wir Big B. wieder erreichen, stellen wir fest, dass „die von nebenan“ es dem Stern im äußeren Drittel der Milchstraße mehr als gleich getan haben. Auch sie geben (sich) alles … Vergliche man die Sonne mit einem riesigen Atommeiler, so glühen die Gesichter der drei Campingfreunde mindestens gleichwertig. Wäre es allein beim Glühen geblieben, gäbe es keinen Grund zur Klage. – Wir schweigen dennoch: “Sprechen heißt urteilen. Schweigen heißt geurteilt haben.” (Hans Lohberger).

Im sicheren Abstand zum Ufer. – Luna “zählt” wieder!

In der Taverne „Inos“ schütteln wir am Abend das ausufernde Zechgelage der „drinking buddies“ ab und lassen es uns einmal mehr gut gehen. Hätten die Wirte gewusst, dass die Oktobersonne noch so glänzt, sie hätten sicherlich die Tische und Stühle der Terrasse nicht ins Winterquartier geschickt. Aber, wer kann das ahnen? Zum Glück haben wir „unseren Tisch“ bereits von usA (unserem schönen Ammerland) aus reserviert, denn an diesem Abend „platzt das Inos aus allen Nähten“. Beim Verlassen des Lokals überlegen wir scherzhaft, ob wir unsere Plätze nicht meistbietend in der Schar wartender Gäste versteigern sollen.

“Unser Vorgarten” am Elbe-Lübeck-Kanal

Unsere Rückfahrt am Sonntag verläuft, trotz all meiner „verkehrstechnischen Bedenken“, reibungslos. Die Dauerbaustelle auf der A1 bei Bremen passieren wir entgegen meines ungebremsten Pessimismus´ in weniger als 10 Minuten. Gut, dass es den bundesdeutschen Kraftfahrer beim ersten Anzeichen zähfließenden Verkehrs sofort auf die linke, mindestens jedoch in die mittlere Fahrspur treibt. So hatten wir „auf der Lkw-Spur“ freie Fahrt und die „wechselhaften Chauffeure“ benötigten zwischen 10 und 15 Kilometer, bis sie uns auf der A28 wieder eingeholt hatten. Heute mache ich mich über sie lustig, doch vor einigen Jahren gehörte ich selbst dazu! – “Es ist ein großer Trost, andere dort scheitern zu sehen, wo man selbst gescheitert ist.” – William Somerset Maugham.

Die Thule Sunblocker waren wieder “das Thema” am E.-L.-Kanal. – Komisch, dabei gibt´s die schon etwas länger bei den Campingausstattern

Es sollte in dieser Saison unsere letzte Reise im und mit Big B. sein. Eigentlich. Wir werden uns überraschen lassen. Wenn das Wetter uns weiterhin so verwöhnt, dann geht es bestimmt noch einmal „auf Achse mit dem Fluchtfahrzeug“.

Saisonausklang

Gibt es etwas Schöneres, als an einem Freitagnachmittag gegen 16.00 Uhr auf der A 28 in Richtung Emstunnel zu fahren? Ja, die Parkplatzsuche an einem vorweihnachtlichen Wochenende in der Oldenburger Innenstadt.

Auch er kennt nun den Weg ins Emstal auswendig

Wir sind auf dem Weg ins Emsland. Der einspurige Baustellenbereich an der AS Leer-Nord ist fast erreicht und wir erleben gerade die Neudefinition des “Reißverschlussverfahrens“. Das Verfahren, das ich vor vielen Jahrzehnten unter “einer links, einer rechts” kennenlernte, ist inzwischen zur Variante “im Überholverbot noch schnell links vorbei und dann klassisch ausbremsend in die rechte Spur” ausgereift. Und es funktioniert so gut, dass es zahlreiche gedankenlose Nachahmer findet. – Nun könnten man und frau meinen, dies bringt mich auf die Palme, und … “Ja, so ist es.” – Allerdings haben wir an diesem Nachmittag den großen Vorteil: wir fahren ins Wochenende.

“Die Ems kocht.”

29. September 2018. 03.00 Uhr. Emstal. -0,4°C. – „Hallo! Ich bin wach! Wer noch?“ Luna, die momentan Scheinträchtigste aller Kleinen Münsterländerinnen zwischen Weser und Ems, beschließt, der Nachtruhe Einhalt zu gebieten. „Sternenklarer Himmel, ein abnehmender Mond. Ich muss hier raus!“ Ich nicht unbedingt, aber ich beschließe, sie zu begleiten. Was bleibt mir anderes übrig?

“Noch´n Pilz, der Herr?”

Es ist ebenso dunkel wie frostig im Zweistromland an der Sustrumer Brinkstraße. Wir zählen die Sterne und betrachten das weite Himmelszelt. Die Kälte besiegt die isolierende Wirkung meiner Jogginghose gänzlich und ich ordne den geordneten Rückzug in Richtung Big B. an.

Ein niederländischer Festungskater (Bourtange) auf seinem Posten

Luna ist „not amused“, zerrt an ihrem Lager und ihrer Decke, positioniert alles neben unserem Bett und entscheidet sich in dieser fast beendeten, aber durchaus nicht abgeschlossenen Nacht, für die direkte Nähe zu ihrem Rudel.

Wir sind Wiederholungstäter: Kibbeling vom Emmer Vishandel

Einigermaßen ausgeschlafen schlagen wir am Vormittag über die B70 und B402 unseren Weg nach Klazienaveen (NL) ein. Die beiden großen „Ks“, Kibbeling und Käse, locken uns wieder auf den dortigen Markt. Von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr bieten hier samstags diverse HändlerInnen ihre Waren an. – „Klamer Kaas“, alle tijd voor kwaliteit, versorgt uns, nach kompetenter Beratung und gebefreudiger „Versuchung“, mit „Komijne kaas no. 5“ und „Stellinger kristal“. Ein Genuss ohne Reue. Kibbeling holen wir uns beim Emmer Vishandel, al meer dan 100 jaar een begrip. Und auch hier werden wir, wie gewohnt, mit dem appetitlichsten Fisch verwöhnt.

Kibbeling ist ein holländerischer Klassiker: Frittierte, würzige Kabeljaustückchen

Über Barger Compascum und Emmer Compascum, beide Ortschaften muss man gesehen haben … oder auch nicht, geht es weiter nach Ter Apel. Hier besichtigen wir die Klosteranlage. Zwischendurch queren wir mitten in der verlassen scheinenden niederländischen Landschaft den Kanaal-Veendam-Musselkanaal, den Mussel-Aa-Kanaal und den Ruiten-A-Kanaal. Wären da nicht diese Lkw-Gebotsschilder, ich hätte diese drei Brücken niemals mit unserem Auto befahren.

Blick auf die Sustrumer Brinkstraße

Für ein wenig Lachen sorgt dann noch der Ortsname Jipsingboertange. Wobei mein persönlicher Favorit der Name Gasseternijveenschemond ist, aber in Richtung Stadskanaal fahren wir heute nicht. Doch auch in Deutschland schießen wir mit Ortsnamen wie Obersulmetingen, Mohrkirchosterholz oder Völlenerkönigsfehn namenstechnisch schon mal den Vogel ab.

Klosteranlage Ter Apel, NL

Und dann sind wir auch schon in Bourtange. Hier führt kein Weg an der Festungsanlage vorbei. Eis und Kaffee gönnen wir uns im „‘s Lands Huys“ und einige alt-holländische Leckereien werden noch schnell in der “Kommandantur” besorgt.

Das Kloster Ter Apel (1465) liegt im äußersten Südosten der Provinz Groningen an der alten Handelsstrecke von Münster/Westfalen hin zur Stadt Groningen, NL

Auf längst vertrauten Wegen fahren wir zurück ins Emstal. Der Herbst meint es gut mit uns und so sitzen wir am späten Nachmittag entspannt in der strahlenden Sonne und genießen die laue Luft und milde Wärme an der Ems.

Ein Blick in das Kloster zwischen “alt und neu”

30. September 2018. 02.00 Uhr. -0,1°C. – Nach mehreren geräuschintensiven Neuinstallationen ihres Lagers im Caravan hat es Luna abermals geschafft: Wir sind wach und ich brenne geradezu darauf, mit ihr zu dieser frühen Stunde unterm Sternenzelt zu wandeln, denn nun sitzt sie vor unserem Bett und nörgelt. Es dauert gefühlte 30 Minuten bis ich, zurück im Wohnwagen, wieder meine Betriebstemperatur erreicht habe. Luna interessiert dies herzlich wenig. Binnen weniger Minuten träumt sie bewegt von Ente, Gans & Co.

In der Bourtanger Festung

Es war wieder ein schönes, wenn auch „tierisch unruhiges“ Wochenende im Zweistromland. In diesem Jahr werden wir es wohl nicht mehr schaffen, aber in der kommenden Saison stehen wir dort wieder vor der Tür.

“Wer wagt es, im Schilf zu rascheln?”

Lesezeichen

Die Bücher, die ich “links liegen lasse”, tragen Titel wie “Mein Xxyyz”. Viele andere wecken stets mein großes Interesse. Besonders dann, wenn sie hochbejahrt sind und diese ganz bestimmte Art einer getragen-belesenen Würde ausstrahlen. Gestern begegneten mit diese Exemplare gleich kisten- und kartonweise.

Ich möchte nun keine Liste oder gar Inhaltsangaben, Beurteilungen oder Erörterungen zum Inhalt dieser weit mehr als 100 Publikationen liefern, aber aus dem Inhalt dieser Bücher einige darin vorgefundene Lesezeichen zeigen. – Und manche davon lassen sogar Rückschlüsse auf ihre einstigen BesitzerInnen zu. Doch so weit will und darf ich nicht “eintauchen”.

Aus einem Lehrbuch für Erdkunde (Steinhauff-Schmidt, Ausgabe für Mädchenschulen. III. Teil, 1911)
Aus einem Schulbuch der Schule Hogenkamp, Oldenburg
Einladung zur Elternversammlung am 19. Juni 1961
Ein Vater entschuldigt seinen Sohn vom Unterricht. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei dem Vater um einen sehr bekannten Torwart des Vfl Oldenburg von 1894
Fehlte auf keinem Plattenteller und machte auch als Lesezeichen eine gute Figur: Peter Alexander
Sommer 1940. Das Foto wurde durch Foto Henkel in der Oldenburger Gaststraße 28 entwickelt. Heute findet man unter dieser Adresse u.a. ein Brillenatelier
Ein Parkschein etwas neueren Datums
Hoffentlich brachte er seiner Besitzerin vor seiner Verwendung als Lesezeichen viel Glück
Freitag, 22. Dezember 1939. Der Geburtstag des österreichischen Opern- und Liedersängers (Bass) Franz Kalchmairs

Premiere für den Neuen (Fortsetzung)

Donnerstag, 16.00 Uhr. So, wieder zurück im Emstal. – Ich habe ab Sonntag zwangsweise pausiert. Also, nicht pausiert, sondern gearbeitet, aber das „Zelten“ ausgesetzt. Nach dem heutigen Minijob geht es sofort wieder zurück an die Ems. Begleitet vom schönsten Wetter und dem Frollein aus dem Münsterland, die „Allerbeste“ muss arbeiten, erreichen wir Sustrum. Schnell ist der zurückgelassene Big B. wieder hergerichtet und einem ersten Kontrollgang durch das „Zweistromland“ steht nichts im Wege.

Entlang der Ems

“Hui”. Es ist ein wenig „schattiger“ in dieser Nacht. Die vorprogrammierte Heizung springt häufiger an als gewohnt und die dünne Decke wärmt nicht ausreichend. Ich muss die Notfall-Wolldecke aktivieren. Und weil ich einmal wach bin, ist auch der Blick gen Sternenhimmel verpflichtend. – Donnerwetter! Ein Schauspiel ohne Gleichen. Und ich habe wieder einmal das Stativ vergessen. Wird also auch jetzt nichts mit dem Foto vom Sternenzelt.

Ich blättere in der monatlich erscheinenden Zeitschrift eines deutschen Automobilclubs. Ja, der mit den vier großen Buchstaben. Auf Seite 68 der Ausgabe 9/2018 finden sich vier Lesermeinungen zum Thema „Deutschland geht Campen“. Ich fasse diese amüsiert zusammen:

😯 Die zunehmende Zahl von Camping Neulingen schränkt die Individualität des Campens stark ein.
😯 Wer in zimmergroßen Containern inkl. eines mitgeführten halben Hausstandes reist, kauft bei Lidl und Aldi ein.
😯 In Caravans, Campern und Wohnmobilen knallen Schubladen und es plärrt der Fernseher.
😯 Caravan & Co verschärfen das Parkplatzproblem in Ballungsräumen.
😯 Sie trüben den schönen Eindruck einer ganzen Landschaft, und nun kommt es ganz dicke:
😯 Oft ergibt sich ein recht asoziales Bild ihres gesamten Umfeldes.

Ich weiß nicht, wo diese LeserInnen ihre Erfahrungen sammelten oder unter welchem Einfluss beseligender Mittel sie ihre Lesermeinungen verfassten. Ich bin geneigt zu glauben, dass ihre Sichtweise nicht auf Objektivität und Erfahrung basiert, sondern hier meines Erachtens bedenklich entrückte Eingebungen im Spiel sein könnten. – Doch: In unserer Republik herrscht erfreulicherweise Meinungsfreiheit und „Die Gedanken sind frei!“ – Frei wie die Camper!

Im ersten Licht am Dortmund-Ems-Kanal

Inzwischen haben das Frollein und ich mehrere ausgedehnte Patrouillen entlang der Ems absolviert. Die Nutrias haben weiterhin ihr Fleckchen Ems besetzt. Sie sind also der auf sie freigegeben Bejagung nicht zum Opfer gefallen. Die Eisvögel am Sielgraben und die Rallen sind ebenfalls putzmunter, aber die beiden Biber, die ich nur auf Fotos zu Gesicht bekam, gibt es nicht mehr. Sie sind im Sommer ums Leben gekommen. Das ist schade. Nun werde ich wohl auch nicht mehr auf typische Biberspuren treffen. Es sei denn, …

Sielgraben Sustrum II

Der Bestand an Enten und Gänsen scheint mir unverändert, obwohl Luna der Meinung ist, es könnten ruhig mehr sein. Ihre gestrige Bestandsaufnahme, die sie mehr schwimmend als laufend erhob, verlief jedenfalls vielversprechend und ist unter allen Umständen zu wiederholen, wie sie mir zu verstehen gab. Also werden wir uns bald wieder auf den Weg machen.

An der Badestelle. CP Emstal

Ich bin auf dem Weg zum NP-Markt meines Vertrauens in Walchum. Noch in der geschlossenen Ortschaft Sustrum werde ich von einem „Sprinter“ überholt. Wohlgemerkt ich fahre großzügige 50 Km/h, ich parke nicht. 100 m hinter dem Ortausgang bremst dieser ganz besondere Mittelsmann einer ganz besonderen Gilde hastig und biegt ab. Sicherlich in der Gewissheit, dass sein dynamisches Verhalten vollkommen in Ordnung geht. Soll ich mich aufregen? Nein, denn auf meinem späteren Weg nach Lingen erlebe ich auf der B70 drei weitere ungeniert-ahnungslose Draufgänger in gleicher Manier. Ich will mich nicht aufregen, aber davon berichten muss ich.

Ganz früh bei ganz wenig Licht mit dem Teleobjektiv “auf Anschlag” erwischt: eine Biberratte (Nutria)

Luna ist gnädig. Unser Ausflug nach Lingen und der dortige ausgedehnte Spaziergang durch den Wald lassen sie heute morgen ein wenig länger ruhen. Ein wenig. Um 07.00 Uhr ist es dann vorbei mit Müßiggang und Ruhe. Das Emstal ruft. Nicht unbedingt mich, aber das Frollein hat einen Routinedienstplan, der für heute den Vollzähligkeitsappell der Uferbevölkerung an Ems und Dortmund-Ems-Kanal vorsieht. Also: „Auf, auf zum fröhlichen Zählen.“

Die Brücke am “Durchstich”

Wir verlassen „unseren“ Platz am „Durchstich“ und pirschen unter der Brücke an der Brinkstraße in Richtung Kanal. Den Petrijünger, der bis zu den Schultern im Schilf der Ems steht, hat Luna längst entdeckt. Er uns jetzt und auch später nicht. Gebannt beobachtet er die Pose seiner Angel, die gleichmäßig im viel zu niedrigen Wasser der Ems schwebt.

Medusa. – Eine der drei Gorgonen aus der griechischen Mythologie unterwegs auf dem Dortmund-Ems-Kanal?

Am gegenüberliegenden Ufer haben sich zwei weitere Angler eingerichtet und hoffen auf den Fang des Lebens. Die „Medusa“, schwer beladen mit Containern, bahnt sich ihren Weg durch den Kanal und wird sicherlich gleich einen der Angler dazu veranlassen, seine Angel, die er zuvor mit kräftigem Wurf bis zur Mitte der Fahrrinne auslegte, einzuholen. Nicht, dass sich die Schnur in der Schraube der Medusa verfängt und sie zum Stillstand bringt.

Das “Einwohnermeldeamt” ist geöffnet

Wir haben Lunas „Einwohnermeldeamt“ am Kanal erreicht. „Leine los!“ Der Karabinerhaken ist noch nicht einmal wieder geschlossen, mein Kommando noch nicht ganz über die Lippen, da ist sie auch schon in der Uferböschung verschwunden. Ich lege auch heute Wert auf die Feststellung, dass Luna nicht jagt oder gar wildert, sie zählt und stellt die befugte Anwesenheit der Enten, Gänse und Taucher fest.

Für die beiden ersten statistischen Erhebungen genügt ihr das Waten in der Uferzone. Später zieht es sie in den Kanal. Vom Weg geht es durch die Böschung an die Uferkante. Ein Sprung ins Wasser, zurück ans Ufer, Kontrolle des Schilfgürtels, erneut ein Sprung ins Wasser, dann sichernd zurück auf den Weg. „Ja, ich bin noch da.“ Und schon beginnt der Kreislauf erneut. Es könnte stundenlang so weitergehen. Ab und zu werfe ich eine Eichel oder Kastanie ins Wasser, um die ohnehin prickelnde Spannung noch ein wenig zu erhöhen. Luna ist in ihrem Element, klatschnass und zufrieden mit dem Ergebnis ihrer heutigen Zählung. Und hätte sie nicht den Weg durch den aufgeweichten Kartoffelacker gewählt, ich hätte bestimmt 30 Minuten früher frühstücken können. Wie ruhig könnte solch ein Morgenspaziergang sein. – Und wie langweilig!

Volkszählung an der Ems. Zwar nicht gesetzlich angeordnet, aber aus Lunas Sicht erforderlich

An diesem Morgen geht alles etwas langsamer, etwas sehr viel langsamer voran. Luna liegt träumend unter dem Tisch und geht in Gedanken sicherlich noch einmal die Emstaler Populationsdichte zu Wasser und in der Luft durch. Ich komme viel später vom Duschen zurück und werde nicht, wie üblich vom Frollein überrannt, sondern nur stürmisch begrüßt. Was ist geschehen? Sollte ich sie tatsächlich geschafft haben? Sind unserer stundenlangen und kilometerweiten Spaziergänge doch nicht ermüdungsfrei an ihr vorübergezogen? Und dann bemerke ich es: Das Wetter ist heute nicht so besonders und lädt uns, statt unermüdlich durch Feld, Wald und Flur zu streifen, einmal zum Faulenzen ein. Dem werden wir nicht widersprechen. Wohlfühlsocken an, Buch raus, Radio aus. Pause! – Heute wird auch nicht bei Aldi oder Lidl eingekauft oder gar ein Parkplatz in einem Ballungszentrum besetzt.

CP Emstal

Der dritte Tag im Emstal. Zeit für den ersten Abwasch. Allerhand, was sich da angesammelt hat: ein Frühstücksbrett, ein Teller, zwei Messer, zwei Gabeln, ein Becher, ein Topf inkl. Deckel, kein Glas, denn ich trinke gern in Abwesenheit der Allerbesten aus der Flasche. [“Das macht Mann nicht!” – “Ja, ich weiß …”] Mit letzter Kraft schleppe ich meinen Abwasch zur Spüle. Außer Atem schäume, wasche, spüle und trockne ich. Nein, niemand erbarmt sich. Allein zerre ich den gewichtigen Korb über den Platz. Der Gegenschlag für meinen Müßiggang.

Im Gegenlicht

“Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?” – Wir machen uns reisefertig und verlassen das Emstal. Vorerst. Denn: “Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!”

Premiere für den Neuen

In Höhe des Parkplatzes Brinkum, zwischen der AS Filsum und der Anschlussstelle Leer-Ost der BAB 28, ereilt er mich: der streng-unnachgiebige „I³+sk“ (Ich, ich, ich und sonst keiner), ein Adlatus der Spezies „Bahn frei!“. Ich kann ihn nicht sehen, denn er nähert sich mit höherer Geschwindigkeit im „Schatten“ des Big B, schert „minimal distanziert“ hinter mir aus und „sitzt mir auf der Pelle“. Hauchdünn, denn ich bin inzwischen für einen Überholvorgang auf die linke Spur gewechselt, da ich ihn nicht heranrauschen sah.

Einfach nur innehalten, tief durchatmen, lauschen und … ankommen

„Holla, die Waldfee!“ – Wild gestikulierend, hupend und jäh beschleunigend, zieht er an mir vorbei, altert und ergraut währenddessen um Jahre. Sein Blutdruck und der Drehzahlmesser seines weiß-blauen SUVs wirbeln im roten Bereich. Ich winke ihm, um Aussöhnung bemüht, gemäßigt-ergeben zu. Sinn-, erfolg- und zwecklos. Er will sich nicht beruhigen.

Bei diesem Anblick verlieren selbst “rasende Erlebnisse” an Bedeutung

Nun könnten man und frau meinen, ich sei bestürzt. Nein, bin ich nicht. Bereits einige Jahre mit dem Caravan auf Achse, verbuche ich diesen „Platz-für-den-Landvogt-Vorfall“ unter der „Ablage, alt“. Viel mehr Sorgen bereitet mir der Umstand, dass ich stundenlang den Fendt geputzt habe und wir nun in Höhe der AS Weener (BAB 31) in einen Regenguss geraten, der jeder Beschreibung spottet. Noch besudelt-befleckter wird es dann zwischen Dersum und Walchum. Hier sammle ich die der Straße anhaftende Erde der umliegenden Maisfelder auf, die rastlose Agrarier mit ihren Traktoren auf “meinem” Weg verteilt haben. Ich sehe es tierisch-afrikanisch: Elefanten und Nilpferde wälzen sich im Schlamm, um ihre empfindliche Haut vor der Sonne zu schützen.

Wir haben uns ein wenig vergrößert

Vor lauter Murren vergesse ich, zu erwähnen, dass ich ein neues Zugpferd lenke. Wir haben uns von unserem Opel Antara getrennt und diesen gegen einen Vivaro Tourer „eingetauscht“. – Ja, nach einigen Ausflügen zu anderen Automobilherstellern, wieder ein Opel. Das ist nun Tradition. Familientradition.

“Luna!” – Ach, nein. Ich bin ja allein auf Achse …

Was für eine (Fahr-)Freude! Wir sind mit Big B. im Gefolge nun zwar knappe 13 Meter lang, halten aber einwandfrei und wie aus einem Guss, die Spur und auch das „um die Ecke fahren“ ist gar nicht so ungelenk wie anfangs befürchtet. Das Fahrverhalten unseres Gespanns ist sogar harmonischer geworden, der Kraftstoffverbrauch, trotz eines nun höherem Gesamtgewichts, gesunken, und die Windanfälligkeit bei weitem nicht so „stürmisch“, wie erwartet.

BAB 28, BAB 31, Dersum, Walsum. Unmissverständlich habe ich das Ziel meiner Reise bereits verraten: Emstal Camping. Immer wieder gern zum „Ausspannen und Runterkommen“ gewählt. Zwischen zwei Regenschauern richte ich mich ein. Die beste aller Ehefrauen und das Frollein sind nicht dabei. Ich habe Ausgang. Fotoapparat und passende Objektive befinden sich an Bord, mal sehen, was uns das Emstal an diesem Wochenende bietet.

Ein kleiner Trick. Ganz so herbstlich ist es im Emstal noch nicht

01.00 Uhr. Keine bernsteinfarbenen Augen hypnotisieren mich, um mich zu einem kleinen Spaziergang unterm Sternenzelt einzuladen. Und dennoch wache ich auf. Der Regen trommelt nicht mehr auf das Dach und ich verlassen das Bett und den Caravan, um der Frage „Weißt Du wie viel Sternlein stehen?“ nachzugehen. Allerhand sind es in dieser Nacht. Und mir wirft sich Ramírez´ Frage (exakt: Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez, Darsteller in “Highlander”, gespielt von dem unvergessenen (Sir) Sean Connery) auf: Sind es wirklich Sterne oder doch nur Nadelstiche im Mantel der Nacht? – Für den Versuch, eine auch nur rein hypothetische Antwort auf diese Frage zu finden, gehe dann aber doch lieber zurück ins Bett.

… auch so eine Art von “Suchtfaktor”

Ständig suche ich Luna während meines Rundgangs entlang der Alten Ems und des Dortmund-Ems-Kanals. Dass sie auf dieser Fahrt ins Zweistromland nicht dabei ist, vergesse ich laufend. Auch die Beste von allen ist in usA (unserem schönen Ammerland) geblieben und so finde ich mich damit ab, solo unterwegs zu sein. Vorerst, denn zurück beim Caravan will ich der Kleinen Münsterländerin einen Napf frischen Wassers an ihren Platz stellen. – Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.