Alle Beiträge von Ronald Stock

Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn

Bestimmte Episoden und Ereignisse kreisen immer wieder in meinem Gedächtnis. Sie wollen mich noch nicht verlassen und knüpfen so immer wieder an meine Vergangenheit an. An eine Zeit, die inzwischen mehr als 20 Jahre vergangen ist. Aber unser Gedächtnis ist leistungsfähig, selbst über „alte“ Gefühle gibt es heute noch Auskunft. Auch wenn diese Empfindungen nicht immer sehr angenehm waren, so wäre es doch falsch, die damit verbundenen, nicht immer reine Freude hervorrufenden Erinnerungen zu unterdrücken. Also, ein wenig Selbsttherapie praktiziert und vielleicht helfen mir die folgenden Fotos, mich wieder um ein weiteres Stück von einigen sehr unharmonischen Begegnungen und bitteren Erfahrungen dieser Zeit zu distanzieren. – Nein, es kostet mich überhaupt keine Überwindung und auch quälen mich diese Bilder aus der Vergangenheit nicht, denn dann würde ich sie keineswegs zeigen.

Heute undenkbar: Der Fliegerhorst verfügte über eine eigene Gärtnerei. Parole: Besondere Blumen für jeden Anlass
In sog. Kriechkellern sammelte sich nicht nur der Staub. Aufmerksame Beobachter*innen entdeckten sicherlich längst den Boonekamp „Guter Stern“
In der Schmiede
Eine der vielen Kraftfahrzeugwerkstätten
Im Keller der Truppenküche. Hm, die in der Nähe zur Alexanderstraße oder die andere?
Fred B. hatte diese ganz besondere Uhr …
Mit der Einrichtung des Bw-Fuhrparkservices wurden Dienstfahrräder immer überflüssiger und die Soldat*innen immer inaktiver im Hinblick auf ihren Stütz- und Bewegungsapparat
Nein, nicht „der Bart ist ab“. – Handwerk(er) im Zentrum der Arbeit
Ausgesetzt und vergessen. Er träumte über viele Jahre in einer Garage sicherlich von den schönen Zeiten als Cabriolet am französisch-italienischen Küstenabschnitt des Ligurischen Meeres: Der Riviera
„End of exercise. Return to normal peacetime status!“
In einem der beiden Kesselhäuser
Zwar nur Holzpritschen, dafür aber Wasser von den Wänden
Wenn man hier den Hahn zugedreht hätte, wär es nebenan ganz schön frisch geworden. – Verdient hätten sie es damals
Luftfilteranlage
Keine Mülleimer
Wer hoch hinaus wollte, stand manchmal vor verschlossener Tür
Es gab nicht nur „Künstler“, die es immer wieder schafften, im richtigen Augenblick am richtigen Ort zu sein: „Herr Oberstleutnant, ich weiss was …“
Die (damals ausschließlich nur) „Jungs“ in der Ausbildungswerkstatt waren schon sehr talentiert
Ich würde etwas dafür geben, zu erfahren, wer sich diesen Schützen und die anderen Motive um ihn herum „unter den Nagel gerissen hat“. Ich gehe sehr davon aus, dass sie sich nicht mehr an ihrem alten Platz befinden
Ein Zeuge aus der Zeit kurz nach WK II
Raum und Gebäude sind heute (im wahrsten Sinne der Worte) „Staub von gestern“
Noch ein Kesselhaus … das andere
… und auch eine weitere Truppenküche
Nach mindestens 10 Jahren muss ich der Erste gewesen sein, der diesen Raum entdeckte. Nein, nicht ganz, denn ich fand Hinweise auf eine inoffizielle „Raststätte“ der DHF

Die Aufnahmen stammen aus meiner ersten kleinen Digitalkamera, meiner „Hosentaschensony“, und aus der Zeit um das Jahr 2003+. Ich habe bewusst keine Ortsangaben gemacht, da es selbst Eingeweihten sehr schwer gefallen sein wird, diese Fotos auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände an der Oldenburger Alexanderstraße zu „verorten“. – Warum auch? Ist doch alles längst Geschichte.

Saisonausklang 2021

Es könnte der Eindruck entstehen, dass wir unsere Freizeit und den Urlaub überwiegend mit dem Caravan und ausschließlich im Emsland verbringen. Kein Wunder, ich berichte ja oft (und gern) von unseren Reisen ins „Zweistromland“ zwischen den Gemeinden Dörpen und Lathen. Für nicht eingeweihte Leserinnen und Leser: Als „Zweistromland“ bezeichne (nur) ich ein schönes „Fleckchen Erde“, das zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal (D-E-Kanal) und der Ems gelegen ist. Hier nutzen wir gern das „Emstal“ als Basis(lager) für unsere Spaziergänge entlang der Ems und dem D-E-Kanal, Fahrradtouren durch die benachbarten Gemeinden oder für Ausflüge in die angrenzenden Niederlande.

Emstal Camping

„Der schönste Platz der Örde (Erde) liegt in Bremervörde“, pflegte mein Großvater immer zu sagen. Opa kannte Sustrum nicht, daher will ich ihm gern zustimmen, könnte inzwischen jedoch seine kleine „Fehleinschätzung“ auch um weitere Orte, Städte und Länder ergänzen.

Blick auf die Rezeption

Nachdem unsere eigentliche Urlaubsplanung in diesem Jahr von einigen „Betrübnissen“ durchkreuzt wurde, schafften wir es dennoch, eine Reise nach Polen zu unternehmen sowie die bayerische Landeshauptstadt München und „unser“ Hotel in Bad Hofgastein zu besuchen.

An der Badestelle im Emstal

Und nun stehen wir wieder an der Ems. (Einem weiteren wundervollen Platz auf dieser „Örde“.) Big B. ist aufgebaut, die Fahrräder sind startklar, das Lunamobil („Dog Peppa“-Hundeanhänger) steht angekuppelt bereit und schon rollen wir entlang des Dortmund-Ems-Kanals in Richtung Steinbild. Wir fahren durch den Marinapark, werfen einen Blick auf die Hafenanlagen und entdecken neue Fereinhäuser und einen Wald- und Wiesenweg, der uns direkt nach Walchum führt. Den NP-Markt meines Vertrauens gibt es hier nicht mehr. Er wurde zwischenzeitlich „befördert“: Edeka Schneider steht dort nun in großen Lettern zu lesen. – Ein Markt, der keine Wünsche offen lässt.

Der Platz „gehört“ uns

Über kleine Wege erreichen wir durch ein Neubaugebiet den Bischofsweg und schließlich die Hasselbrocker Straße. Wir lassen den Herzogsee links liegen, denn es ist zu kalt zum Baden, und biegen in den Pottweg ein. Über Südfeld gelangen wir auf die Mühlenstraße, werden hier fast von einer ebenso groben wie sorglosen Postbotin mit ihrem „Posthorntransporter“ vom Leben zum Tode befördert, und erreichen schließlich Sustrum über die unseren Weg kreuzende Moorstraße.

„Gaaanz da hinten, um die Ecke, da liegt Fresenborg“

„Naja“, höre ich naserümpfend die eine und den anderen E-Biker spotten. „Das sind man gerade 14 Kilometer.“ Ja, richtig. 14 Kilometer während der uns Luna immer wieder neben dem Rad trabend begleitet. Das kostet Zeit, aber es liefert uns auch landschaftliche Eindrücke, die man im beschleunigten E-Bike-Turbo-Modus nicht immer entdecken kann. Luna ist eine Kleine Münsterländerin und kein Greyhound. – Ich könnte mich nun lästernd über kilometervertilgende „elektrische Fahrradfahrer*innen“ auslassen, unterlasse dies, denn „Suum cuique“ („Jedem das seine.“ – Cicero). Und außerdem: Wir e-biken ja selbst (ECO-Mode).

Herbst im Emstal

Die Saison im Emstal endet. Mehr und mehr sind immer weniger auf dem Platz. Und dann sind wir allein. Ein Umstand, den Luna auf das Höchste begrüßt: Sie patrouilliert im Emstal. Allein. Nichts bleibt ihr verborgen. Gerade noch vor unserem Caravan, ist sie im nächsten Moment am Ende des Platzes zu sehen. Und dann steht sie auch schon an der Ems und „zählt die Enten“. Sie hört mein Rufen, ich bin mir da sehr sicher, aber wenn die Pflicht ruft, ruft diese scheinbar lauter. Es ist egal. Sie fühlt sich so wohl, da lassen wir sie gerne „flitzen“.

Melde: „Alle Wasservögel vollzählig zum Appell erschienen. Keine besonderen Vorkommnisse im Aufgabenbereich!“

Und dann ist es Sonntag. Reisetag. Wir packen ein. Verabschieden uns und freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr. – „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“

….

Ich habe noch einige Fotos im Gepäck:

Haubentaucher in einem Nebenarm der Ems
„Big B.“ und „Darth Vader“ im Emstal. (Es soll ja Menschen geben, die ihre Gefährte zu Gefährten machen.)
Logenplätze an der Ems
„Die letzten Mohikaner“ im Emstal
„Oh, Tannenbaum, oh, …“
An der Badestelle
Der Weg zur Badestelle
Hier geht´s ins Emstal
Für Gesa und Robert

Camping im Zweistromland

Von der B436 kommen sie auf die A28: Ein Lkw, ein Wohnmobil und zwei Wohnwagengespanne. Und wie es ihnen die ostfriesische Freiheit gebietet, „Eala Frya Fresena“, ziehen die Friesenkinder an der Anschlussstelle „Leer-Ost“ auch wie selbstverständlich auf den rechten Fahrstreifen. Wen interessiert da der Ammerländer, der eigentlich nur im Weg ist? Ich weiche auf die linke Fahrbahn, die zu diesem Zeitpunkt noch frei ist, aus. Und komme nicht mehr „nach rechts“: Die „frei geborenen Camper“ halten keinen Abstand. Keine Lücke, keine hohle Gasse, in die ich schlüpfen könnte. Also, den ganzen Möchtegern-Konvoi überholen. Inzwischen habe ich Karl Napf (Name frei erfunden) aus dem östlichen Schwarzwald hinter mir. Lichthupe, drängeln, auffahren, „Hier komme ich!“ Ich bin endlich wieder auf und in der rechten Spur. Karl Napf, der rastlos-rasende Rastätter, nun neben mir: Wild gestikulierend dreht er gerade vollkommen durch und spielt den wilden Mann. Könnte er sich nur selbst sehen! Dann biegt der gestresste Karl nach 800 m auf die A31 in Richtung Emden ab. – Ich will es eigentlich nicht schreiben: Ein übergeschnappter Vollpfosten.

Tagpfauenauge im Emstal

Die Fahrt ins Emsland geht gut los. Es folgt noch der Betonmischer, dem ich in der 80 Km/h Zone vor dem Emstunnel ahnungslos den Weg frei mache. Er beschleunigt und fährt nun konstant neben mir. Ich sitze im Emstunnel auf der linken Spur fest. Wie verwirrt muss man sein? Nein, es handelt sich sicher um extrem schnell bindenden Beton und der nette Fahrer, vielleicht Karl Napfs Bruder(?), hat es daher etwas eiliger und nur vergessen, das Blaulicht an seiner Mischmaschine einzuschalten.

Um 10.30 Uhr rollen wir ins Emstal. Hinter der Schranke zum Campingplatz setzt sofort die Entspannungsphase ein. Vergessen sind die beiden Helden der Autobahn und auch die vom Weg abgekommene Dame auf dem NP-Parkplatz in Walchum, die mir auf ihrer Kreuz-und-Quer-Fahrt beinahe die Autotür aus der Hand fährt. – So, aller guten Dinge sind drei. Wochenende!

Hundert Mal gesehen und immer wieder schön: Am Dortmund-Ems-Kanal

Etwas aus der Übung gekommen, dauert es länger als gewohnt bis Big B. eingeparkt, ausgerichtet und aufgebaut ist. Markise ausfahren, Vorzeltteppich auslegen, Stühle, Tische und fertig. Von wegen! Das Frollein und ich reisen allein. Drinnen geht es weiter, denn die Beste von allen ist nicht mit von der Partie.

Am Dortmund-Ems-Kanal

Wir drehen unsere erste Runde an der Ems und am Dortmund-Ems-Kanal. Wir treffen eine nette Dame mit ihrem 16 Jahre alten(!) Terrier und unterhalten uns „ewig und drei Tage“. Komisch, wir kennen uns nicht, aber mit einem Hund an der Leine gibt es immer ein Thema, meistens ein tierisches. Wir ziehen weiter, drehen an der Schleuse in Düthe um und laufen den Weg zurück. Keiner von uns verspürt die leiseste Lust, entlang der Straße zurück zum Campingplatz zu laufen. Die drei Abenteuer vom Vormittag sind noch zu präsent. Wer weiß, wer und was auf der Brinkstraße auf uns warten könnte?

Kurz vor der Schleuse in Düthe

Es ist 01.48 Uhr, nein, nicht 13.48 Uhr. Wir kehren von unserer Emstalpatrouille zurück. Das Frollein meinte, es sei an der Zeit gewesen, da wir  pandemiebedingt hier lange nicht unsere Runden drehen konnten, einmal nach dem Rechten zu sehen. Natürlich gibt es nichts von Bedeutung zu berichten, allerdings habe ich eiskalte Füße bekommen. – Komisch, obwohl ich keine Socken trug.

Noch ringen meine Bäume nicht verzweifelt in kühlen Herbstnächten um ihr grünes Kleid (frei nach Hermann Hesse)

Gegen 03.30 Uhr versucht es das Frollein in dieser Nacht erneut. Ich mache ihr klar, dass sie sich bereits jetzt auf dünnem Eis bewege und sie sich gern sofort und allein auf den Heimweg nach Wiefelstede machen könne, sollte sie diesen Gedanken nicht schleunigst verwerfen. Das wirkt. Und ich liege noch ewig wach. Um 07.00 Uhr setzt das bekannt bewährte sich Recken, Strecken und nicht zu überhörende Gähnen der Kleinen Münsterländerin ein. Gut erholt steht sie neben dem Bett und mimt die Unschuldige: „Na, auch so gut geschlafen wie ich. Ach, was für ein wunderschöner Morgen! Also, wir könnten ja eine Runde drehen, oder?“ Ein herrlicher Gedanke. Ich wollte ihn ebenfalls gerade aussprechen.

Die Sonne versteckt sich noch hinter den Bäumen entlang des Dortmund-Ems-Kanals. Nebelschleier liegen auf der Ems, aus den Feldern steigen graue Nebel auf. Ja, und um die herbstliche Stimmung in Sustrum noch anmutiger zu arrangieren, erwähne ich auch, „kühler wehet der Wind“ (aus „Bunt sind schon die Wälder“ (Johann Gaudenz von Salis-Seewis)). Obwohl sich an diesem Morgen kein Lüftchen regt. Wir kehren zu Big B. zurück. Luna springt erwartungsfroh in den Wohnwagen und möchte wie gewohnt die Beste von allen begrüßen, doch dabei vergisst sie, dass wir an diesem Wochenende allein auf Reisen sind.

Irgendwo findet sich immer irgendetwas

Am Vormittag drehen wir zwei größere „Runden durch die Gemeinde“. Wir haushalten mit unseren Kräften, denn wir haben auch noch eine Fahrradtour auf unserer To-Do-Liste. Wir wollen über Sustrum ein wenig in Richtung Niederlande radeln. Wir fahren bis Sustrum Moor, dort auf der Süd-Nord-Straße nach Hasselbrock und auf der Hasselbrocker Straße über Walchum zurück ins Emstal. In etwa legen wir 22,5 Km zurück. Über die dafür von uns benötigte Zeit schweige ich, da wir uns nicht für das Bremer Sechs-Tage-Rennen qualifizieren wollen. Nur so viel: E-Bike und Hundeanhänger harmonieren.

Wie es nicht anders zu erwarten war, sorgt Luna mal wieder für Aufmerksamkeit und Gekicher: Ihr Anblick, wenn sie „aristokratisch“ aus ihrem Lunamobil schaut, muss wohl sehr amüsant wirken. Sie genießt es. Ich auch.

Am Dortmund-Ems-Kanal. Hinter den Bäumen versteckt sich der Ort Steinbild

Die letzte Nacht war sehr kurz, kalt und „benetzt“, d.h. alles war ein wenig feucht am Morgen. Und da wir am Sonntag noch am Vormittag starten wollen, packen wir unsere sieben Sachen bereits am Samstag um 18.00 Uhr zusammen. So müssen wir den orientalischen Vorzeltteppich, die schweren Wandbehänge, die zahlreichen Ölgemälde, Statuen, Skulpturen und die Lounge-Garnitur, die wir auch während eines nur kurzen Wochenendaufenthalts nie missen möchten, nicht „klamm“ verstauen.

Meine Ansprache aus der vorigen Nacht mag gewirkt haben. Luna verhält sich in der folgenden Nacht besonders ruhig. Sie verspürt kein Verlangen, etwa gegen 02.00 Uhr, einen kleinen Gang über den Campingplatz einlegen zu wollen und meldet sich erst gegen 07.00 Uhr. Das ist durchaus ok. Ich verlasse an diesem Morgen meinen mich immer wieder einholenden Albtraum aus einer Zeit da ich noch in Flecktarn und unter einem den Alkohol stark frequentierenden Kommandeur meinen Dienst versehen musste. – Den berauschten „Nachtmahr“ wurde ich los. Den immer wiederkehrenden Albtraum hoffentlich auch.

Für´s nächste Mal haben wir bereits einen Tisch reservieren lassen

Das Frollein und ich drehen nach dem Frühstück noch einmal eine Runde entlang der Ems, packen ein, hängen Big B. an den Haken und verabschieden uns für wenige Tage aus dem Emstal, denn wir kommen wieder. – Aber dann mit der Besten von allen.

Bildliche Eindrücke einer Polenreise

Während unserer letzten Reise nach Polen habe ich wieder einmal viele Fotos gemacht. Darunter sind viele Bilder von Bildern, die ich an den Stationen unserer Reise u.a. in den Städten Krakau, Kalisch, Chocz und an anderen Orten fand. Bilder, die mich begeistern, anrühren, nachdenklich, traurig und wütend machen.

In der Schule der Wiefelsteder Partnergemeinde Chocz werden die Schülerinnen und Schüler zur Sammlung gebrauchter Plastikverschlüsse aufgefordert
Vom Schüleraustausch „spricht“ dieses Poster in Chocz
Die Deckenbemalung in einer Krakauer Synagoge
Graffiti im jüdischen Viertel Krakaus
Die Außenwerbung einer Bar in Krakaus Künstlerviertel
Eine Wandbemalung im Gorzeński-Schloss in Dobrzyca
Deckenbemalung in der Ev. Kirche in Stara Kaźmierka
Der Zirkus kam nach Chocz
Altarbild in der Ev. Kirche Stara Kaźmierka
Eine Grafik im Kulturzentrum Krakau
Von Jerzy Potrzebowski (1921-1974) angefertigte Zeichnung. Auschwitz-Birkenau
Von Mieczyslaw Koscielniak (1912-1993) angefertigte Zeichnung. Auschwitz-Birkenau

 

Besuch in der Wiefelsteder Partnergemeinde Chocz

Ich wollte den zweiten Teil unserer Polenreise nicht in einem Atemzug mit unserem Besuch in Krakau und Auschwitz-Birkenau erwähnen und schreibe im Anschluss an diesen Aufenthalt nun von unserer Weiterreise nach Chocz. Wiefelstede und Chocz verbindet seit dem 7. September 2003 eine Gemeindepartnerschaft.

Ein Plakat in der Schule in Chocz: Begegnungen

Chocz (während der deutschen Besatzung 1943–1945: Petersried) ist der Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in Polen. Die Stadt liegt im Powiat (Kreis) Pleszewski und damit in der Wojewodschaft (Provinz) Großpolen und besitzt seit dem 1. Januar 2015 wieder die Stadtrechte. Zur Gemeinde Chocz zählen neben der Stadt selbst 11 weitere Ortsteile (in Klammern: die deutschen Namen während der Besatzungszeit 1943-1945): Brudzewek (Heidekrug), Chocz (Petersried), Józefów, Kwileń (Annenrode), Kuźnia (Schmiedefeld), Niniew (Langenstein), Nowa Kaźmierka, Nowolipsk, Nowy Olesiec, Piła, Stara Kaźmierka und Stary Olesiec (Erlenhof).

Landwirtschaft prägt: Sowohl Chocz als auch Wiefelstede

Während unseres Aufenthalts wohnen wir im Hotel Karczma Stara Stajnia in der Nachbargemeinde. Zawidowice (1939–1943 Tannenhof, 1943–1945 Fichtenwalde) ist ein Dorf im Landkreis Pleszew und ebenfalls in der Provinz Großpolen im Westen Polens gelegen. Zawidowice liegt ca. 10 Kilometer von Chocz entfernt.

Das Rathaus in Chocz

Wir treffen Chocz´ Bürgermeister Marian Dariusz Wielgosik und besichtigen die Stadt, Schulen sowie eine Senioreneinrichtung. Fahren dann weiter in das ca. 30 Kilometer von Chocz entfernte Dobrzyca. Hier besichtigen wir das Gorzeński-Schloss und den Park.

Gorzeński-Schloss und …
… der Park

Am letzten Tag unserer Reise besuchen wir die Evangelische Kirche in Stara Kaźmierka und die Stadt Kalisz. Auf Grund einer sehr frühen schriftlichen Erwähnung (150 n. Chr.) kann sich Kalisz eine der ältesten urkundlich belegten Städte Polens nennen.

Evangelische Kirche in Stara Kaźmierka
Evangelische Kirche in Stara Kaźmierka

Auch wenn sich unsere Fahrt auf weit mehr als 2.000 Km belief, die Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse wiegen diese Strecke auf. Es war eine informative und interessante Reise, die uns erneut zu unserem mitteleuropäischen Nachbarn führte.

Hotel Karczma Stara Stajnia in Zawidowice

Im Anschluss einige „bildliche Eindrücke“:

Im „grünen Gürtel“ um Krakau
Blick vom Wawel (Krakau). Ein 228 m hoher Hügel (Wawel) aus Kalkfelsen, der sich im Zentrum Krakaus über die Weichsel an deren linkem Ufer erhebt
Straßenmusikant vor der Krakauer Hochschule
Keine Hochzeitskutsche. In diesen Kutschen besichtigt man (und Frau) die Stadt Krakau
In einer Synagoge im jüdischen Viertel Krakaus Kazimierz
Im jüdischen Viertel Kazimierz
„Lernhilfen“ in der Schule in Chocz
Blick in einen Hinterhof in Pleszew
Der Schuster Marcinek in Kalisz („Die Legende von Dorota aus Kalisz“. Eine Geschichte um einen erbarmungslosen König, seine Tochter und den Schuster Marcinek)

Krakau und Auschwitz-Birkenau

Nach einer mehrstündigen Fahrt von Wiefelstede erreichen wir Krakau, die ehemalige Hauptstadt Polens an der Weichsel. Krakau liegt im südlichen Teil Polens, dem sog. Kleinpolen. Die Stellung als ehemalige Residenzstadt der polnischen Könige und als Bestattungsort bedeutender Persönlichkeiten verleiht Krakau seine besondere nationale Bedeutung.

König Kasimir der Große (1310-1370) ließ die Krakauer Tuchhallen im Mittelalter errichten

Doch nicht die Tatsache, dass Krakau 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und im gleichen Jahr der Krakauer Kardinal Karol Wojtyla zum Papst gewählt wurde, waren der Anlass unserer Reise. Zwar lockt uns Krakau als kultureller Mittelpunkt und „heimliche Hauptstadt“ Polens an die Weichsel, aber wir wollen uns mit einigen der grundlegenden Elemente der nationalsozialistischen Ideologie, dem Antisemitismus und der Ablehnung von Demokratie und Kommunismus befassen.

Kathedrale und Schloss auf dem Wawelhügel

Es bleibt uns ein wenig Zeit die Altstadt, die Marienkirche, den Marktplatz, die Tuchhallen und den grünen Gürtel um die Altstadt Krakaus zu besuchen. Um das jüdische Viertel am linken Ufer der Weichsel zu erkunden, trennen wir uns von unserer Reisegruppe, denn das Erreichen des Stadtteiles Kazimierz in einem sehr geräumigen, aber auch sehr großen Premiumreisebus erweist sich auf Grund der allgemeinen Verkehrssituation als aussichtslos.

In der Kupa Synagoge in Krakau
Im historischen Zentrum Krakaus, dem Kern der früheren polnischen Hauptstadt

Deutsche Truppen besetzten Krakau im September 1939. 1941 wurde die jüdische Bevölkerung in einem Ghetto zusammengepfercht. Von einst ca. 69.000 Krakauer Juden fanden fast 60.000 den Tod in den Konzentrationslagern Belzec in der heutigen Woiwodschaft Lublin, in Majdanek, in Auschwitz-Birkenau und in einem in der Krakauer Vorstadt Plaszow liegenden KZ. Der Grund unserer Reise war die räumliche Nähe Krakaus zum ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Hier wurden während der Zeit des Nationalsozialismus´ systematisch und historisch unbestreitbar Juden, Sinti und Roma, Obdachlose, Behinderte, politisch Verfolgte, sogenannte „Asoziale“ und Kriegsgefangene ermordet.

Jan Karski (1914-2000). Der Mann, der versuchte, den Holocaust zu stoppen. Widerstandskämpfer in Polen während des Zweiten Weltkrieges

Ich möchte nun allein meine Bilder sprechen lassen und nur der ehemalige Auschwitz-Häftling Primo Levi (1919-1987) soll zu Wort kommen:
„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben. Es kann geschehen, überall.“

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau wird jährlich von über einer Million Menschen besucht
Treppenhaus in einem der zahlreichen Blöcke
Ein Ding der Unmöglichkeit
Koffer der Häftlinge im Konzentrationslager  (KL) Auschwitz, Oświęcim, Polen
KL Auschwitz (Oświęcim). Schuhe der Ermordeten
Torhaus Auschwitz-Birkenau
Zyklon B. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau für den organisierten Massenmord benutzt
Eine noch vor der Befreiung des Lagers gesprengte Halle mit Verbrennungsöfen
Nur wenige Kilometer südwestlich von Kraków liegt das berüchtigte Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau ist ein zentraler Ort der Erinnerung an ermordete Juden, Sinti und Roma, Obdachlose, Behinderte, politisch Verfolgte, sogenannte „Asoziale“ und Kriegsgefangene
Gedenktafel für die Opfer des Vernichtungslagers
Wir waren vor Ort. Denn: Liefert (allein) die Präsenz des Themas in den Medien ausreichend Informationen?

Heimatmuseum Wiefelstede

An der Hauptstraße 11 in Wiefelstede liegt das Heimatmuseum. In dem ehemaligen Wohnhaus der Apothekerin Margarethe und des Schriftstellers Winfried von Wedel-Parlow werden wechselnde Ausstellungen aus den Bereichen der Kultur- und der Alltagsgeschichte sowie dem regionalen künstlerischen Schaffen angeboten. http://www.heimatmuseum-wiefelstede.com/

Im Garten des Hauses befindet sich seit kurzer Zeit ein weiterer Museumsbereich. Hier wird in einer Dauerausstellung die Handwerksgeschichte der Bauerschaften der Gemeinde präsentiert. Und diesen Bereich habe ich besucht: Ich war im Tante-Emma-Laden, beim Friseur und beim Schuster.

Kolonialwaren. Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee, eben Waren „aus den Kolonien“, boten seinerzeit der Kolonialwarenhändler und die Kolonialwarenhändlerin an
Viele Waren aus dem Bäckereimuseum des Bäckermeisters Ingo Zimmermann (1937-2014) fanden eine neue Heimat im Kolonialwarenladen des Museums
„Was darf es sein?“
Der Barbier von Sevilla? Nein, der Wiefelsteder Friseur, Frisör, Coiffeur, Hairstylist, Figaro, Haar(e)schneider, Haarkräusler, „Putzbüddel“ …
Beim Blick in den Salon dachte ich sofort an den Bruder meines Opas. Dieser betrieb jahrzehntelang einen Salon in Geestemünde (Bremerhaven)
„Einmal Fasson, Scheitel links, bitte.“
Der Schuhmacher oder Schuster
Genauso sah es einst am Arbeitsplatz „meines“ Nordenhamer Schuhmachers Heinz Wiehan aus
Ich sehe (vor meinem geistigen Auge)  Schuhmachermeister Wiehan an diesem Schuh arbeiten. Plötzlich habe ich den  so typischen Geruch von Leder, Schuhcreme und Leim in der Nase
Das Heimatmuseum mit seinem Außenbereich in der Wiefelsteder Hauptstraße. „Da muss man gewesen sein!

 

Kaum weg und schon wieder zurück

Es kam uns wie eine Ewigkeit vor. Pandemische Gründe zwangen uns monatelang zur Zurückhaltung und schränkten die Reisefreiheit aller ein. Und dann war es endlich so weit. Nein, nicht in Richtung der spanischen Baleareninseln, in den östlichen Zipfel Europas und Vorderasiens oder die Heimat von Shakespeare und den Beatles zog es uns. Obwohl geimpft, aber nicht naiv und leichtsinnig, ging es für uns einfach einmal wieder ins Zweistromland zwischen Dortmund-Ems-Kanal und der alten Ems. Nur den Caravan in die emsländische Landschaft stellen, die Seelen baumeln lassen, ein Besuch „beim Griechen“, ein Eis „beim Italiener“ in Lathen, eine Pizza in Steinbild und die eine und andere Fahrradtour unternehmen. Mehr nicht.

„Wie komme ich hier nun am besten vorbei?“ Von dieser Sorge getragen, versucht ein „Herr“ die Unfallstelle in Steinbild-Kluse egoistisch drängelnd-unsensibel zu passieren. (Oder war es einfach nur ein dummer Mensch?) Im Bruchteil einer Sekunde kam es zuvor zum Unfall: Ein gebrochenes Fußgelenk, zahlreiche Abschürfungen, Prellungen, Stauchungen und etliche, später erkannte Verletzungen sind das Resultat. Die „Beste von allen“ liegt am Boden, ich versuche sie zu beruhigen und irgendwie in eine aufrechte Position zu bringen. Zwei freundliche holländische Damen helfen, die Straße zu räumen. Der weiterhin unengagierte „Herr“ wird jetzt fordernd ungeduldig und ich bin zu höflich, zu angespannt und zu beschäftigt, ansonsten hätte ich ihm in diesem intensiven Moment gern „dynamisch-nachdrücklich“ demonstriert, „wo der Barthel den Most holt“.

Für ein Foto reichte die Zeit dann doch

Auf Augenhöhe

Eigentlich habe ich mir heute morgen vorgenommen, einige Fotos „in Augenhöhe“ aufzunehmen. Aber … kaum habe ich die ersten Bilder gemacht, da meldet sich das Frollein zu Wort: „Ihr sprecht doch immer davon, dass Ihr kommunalpolitisch die Bürgerinnen und Bürger „abholen“ oder „mitnehmen“ wollt. Ich weiß, damit signalisiert ihr, dass Bitten, Anträge, Beratungsergebnisse, Beschlüsse und Bilanzen transparent dargelegt, begründet und erläutert werden sollen. Doch jemand der „abgeholt“ oder „mitgenommen“ werden soll, diese Person steht doch irgendwo (herum) und wartet auf etwas. Warum? Wenn ihr von Anfang an Öffentlichkeit schafft, weiß jeder worum es geht und muss nicht abgeholt werden. Sie oder er ist von Anfang an dabei und wird euch begleiten oder sich eine Alternative suchen.“

Ich wollte Dinge in Augenhöhe mit der Kamera einfangen. Zwei, drei Aufnahmen glückten mir, dann …

Heinz Rühmann soll einmal gesagt haben: „Natürlich kann man ohne Hund leben, aber es lohnt sich nur nicht.“ Ich gebe ihm recht: „Welche „Befunde“ würde ich versäumen!“

Luna. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund

Wenn sie wüssten

Was würde wohl der einstige Lehrer U. aus Moorsee, der Bauerschaft im Ortsteil von Abbehausen in der Gemeinde Nordenham/Landkreis Wesermarsch denken, wenn er wüsste, dass ich eines seiner Bücher, die vor mehr als 20 Jahren auf verzweigten Pfaden den Weg zu mir fanden, noch heute zur Hand nehme? Und würde sich der ehemalige Heidelberger Professor und Sprachwissenschaftler M. freuen, dass der „Kleine Pauly“, ein Lexikon der Antike aus seinem Besitz stammend, immer noch zu meiner Lieblingslektüre gehört? – Die einen lesen Erzählungen und Romane, ich tauche gern in Sach-/Fachbücher und Lexika ab. – Das „warum?“ zu erläutern, wäre eine weitere, eine ganz andere Geschichte.

Über und über mit Tinte „verkleckst“ und damit (m)ein wichtiger Zeitzeuge: Eklogen

Und vielleicht wären die beiden Herren ebenso begeistert wie ich, dass ihre ihnen einst so vertrauten Bücher von mir oft genutzt werden, um heute u.a. einer in Kabul geborenen deutschen Schülerin Friedrich Schillers „Die Bürgschaft“ näher zu bringen? – Eines der Bücher ist 143 Jahre älter als „meine“ Schülerin!

Jede, jeder, jedes. Alles, was in der Antike Rang und Namen hatte, der Kleine Pauly kennt´s

Ich jedenfalls freue mich sehr über „das Vermächtnis“ der Akademiker.

Natürlich, nicht jede Schülerin und jeder Schüler geraten bei der Bearbeitung der Schillerschen Bürgschaft in Freudentaumel. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Heute hole ich diese einst „verweigerte“ Freude aber mit Vergnügen, wenn auch aus anderer Motivation, nach.

„Kennst Du die Kurzform der Bürgschaft?“ Die Lieblingsfrage meines Opas. Und dann folgte seine ganz persönliche (humorvolle) Interpretation dieser Ballade