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März 2006

Vor der 1936 erbauten Halle 5 auf dem ehemaligen Fliegerhorst Oldenburg hatte die 4. Staffel der an der Alexanderstraße zwischenstationierten Flugabwehrraketengruppe 24 ein Waffen-system PATRIOT aufgestellt.

Multifunktionsradargerät

Im März 2006 stand vor eben dieser Halle, ganz in der Nähe des Towers, das bodengestützte Kurzstrecken-Flugabwehr-raketensystem (bis zu Mach 4,1. “Ein wenig” schneller als ein Ferrari SF90 Stradale) zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen.

PATRIOT Startgeräte

2021 finde ich diese Aufnahmen bei der Durchsicht einer meiner Foto-Festplatten und denke mir: „Zeig´ sie.“

Ein (letzter) Blick auf Shelter 18

Und natürlich sind diese Fotos auch mit einer kleinen Geschichte verbunden: Die Luftwaffe verlässt 2006 den Fliegerhorst und zieht in Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Die 2./Flugabwehr-raketenbataillon 26 zog einst aus Friedrichsfeld (bei Varel) nach Rodenkirchen (Wesermarsch), wurde hier zur 4./Flugabwehrraketengruppe 24, um dann von der Molkereistraße in „Roonkarken“ auf den Oldenburger Fliegerhorst umzusiedeln. Und 2006 laufen bereits die Umzugsvorbereitungen nach Böhlendorf/Bad Sülze/Mecklenburg-Vorpommern auf Hochtouren.

Feuerleitstand

Ich war, mit meiner damaligen „Hosentaschenkamera“ inkl. Fotografiererlaubnis für die militärische Liegenschaft bewaffnet, auf dem Weg zum Stabsgebäude als mir das Waffensystem vor das Objektiv kam. Zu diesem Zeitpunkt wusste keiner so recht, was ihn im Landkreis Vorpommern-Rügen erwarten wird. – Ich auch nicht, aber ich zog ja auch nicht mit, denn ich ging nach Diepholz. Darüber war ich mehr als froh. Nach 13 Jahren „FlaRak“ bei „26“ und 16 Jahren „24“ freute ich mich auf meine neuen Aufgaben im „Viereck Damme, Diepholz, Lohne, Vechta“ und später in Upjever bei den „Obis“ (Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“).

Im Hintergrund das Towergebäude (Geb. 21, erbaut 1961)

[Bei der hier gezeigten Aufstellung handelt es sich um eine Aufstellung zu Lehr- und Demonstrationszwecke. Im “richtigen Einsatz” in Feld, Wald und Flur sah das Ganze schon wesentlich “kriegerischer” aus. Wenn man uns denn gesehen hätte: Wir waren ja getarnt und “reisten” überwiegend in der Nacht … 😉 ]

Radar, Stromerzeugungsanlage und “Bekämpfung-, Feuer-, einfach”

Irgendwo dahinten

… steht Big B. in der Scheune unseres Vertrauens und wartet darauf, wieder mit uns auf Reisen zu gehen. Tja, das kann unter Umständen noch ein wenig länger dauern.

Fast fünf Monate im Winterquartier. Es wird Zeit!

Natürlich haben wir beim Fendt-Händler schon einen Termin zur jährlichen technischen Durchsicht vereinbart, aber das bedeutet nun immer noch nicht: “Leinen los!”

“Handwäsche, bitte.” – Die große Wäsche rückt näher

Wenn auch noch nicht der erste Reistag, so ist es doch ein ausgiebiger Waschtag, der demnächst auf dem Programm steht.

eBay Kleinanzeigen – Nie Langeweile

Eigentlich suche ich in den Kleinanzeigen nach Büchern, aber … gerade entdeckt und für unbekümmert befunden:

„Unser Sohn verschenkt seinen Brustbeutel. Er ist schwarz mit gelbem Aufdruck (die Fotos täuschen, kommt bestimmt vom Blitz!) Wie auf den Fotos ersichtlich, fehlt das Lederband zum Umhängen. Abholung in „xyz“, natürlich Nichtraucherhaushalt und keine Haustiere. Unser Sohn würde sich über eine Packung Toffifee freuen.“

Also, … „Unser schwarzer Sohn mit gelbem Aufdruck, dem das Lederband zum Umhängen fehlt, verschenkt aus Freude auf eine Packung Toffifee seinen Brustbeutel aus einem natürlichen Nichtraucherhaushalt ohne Tiere.“  – Ja, den möchte ich geschenkt haben. Wen? Den Sohn? Den Brustbeutel? Ach nein, geschenkt wäre ja ohne Gegenleistung. (Es wäre “Kindermund”, wenn der Sohn diese Kleinanzeige geschrieben hätte, aber …)

Mit Magellan durch Feld und Wald

„Weißt Du?“, beginnt Luna zwischen dem Dingsfelder Weg und der Gristeder Straße ein Gespräch, das, ich ahne es bereits, uns zurück in die Geschichte führen wird. „Vor fast auf den Tag 500 Jahren fand der Portugiese Fernão de Magalhães auf den Philippinen den Tod. Er war zuvor mit fünf Karavellen zur ersten Weltumseglung aufgebrochen. Nachdem er die brasilianische Küste erkundet hatte, entdeckte er noch die nach ihm benannte Wasserstraße zwischen Feuerland und dem südamerikanischen Festland.“

Es war bedeckt zwischen Kuhhorn, Eggehorst und Kollmoor. Ein wenig trüb. Daher gibt es heute schwarz/weiße Eindrücke von unserem Gang durch Feld, Wald und Flur

„Auf der Nordwestfahrt durch das damalige Mare Pacificum erreicht er die Philippinen. Und wird dort erschlagen.“ Mein historischer Konter kommt nicht von ungefähr: Vor wenigen Tagen habe ich mit einigen Kindern die Entdeckungen und Eroberungen der frühen Neuzeit besprochen. Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Amerigo Vespucci und eben der Portugiese Fernão de Magalhães (vielen unter dem Namen „Magellan“ bekannt) verweilen noch in meinem Kurzzeitgedächtnis. Also: „Vorsicht, Fräulein Luna!“

Auf der Grenze Mansholter Holz und Kuhhorn steht dieser Schuppen. Der Zahn der Zeit nagt inzwischen an ihm

„Ja, dass Juan Sebastián Elcano nach diesem tragischen Vorfall die Fahrt mit seinem Schiff westwärts fortsetzt, dabei Borneo, die Molukken und Timor berührt, später noch Afrika umfährt und schließlich mit 18 Überlebenden am 6. September 1522 wieder Spanien erreicht. Bemerkenswert!“ – Wer in aller Welt war Juan Sebastián Elcano? Ich suche den Strohhalm, an dem ich mich umgehend aus meinem “historischen Elend” schwingen kann.

Am Kuhhornsweg

„Mit dieser ersten Weltumsegelung wurde die Kugelgestalt der Erde praktisch demonstriert, liebe Luna.“ Das ist, wenn auch korrekt, doch ziemlich mager und ich bemerke Lunas verstohlen triumphierendes Grinsen um die Lefzen. Immerhin besitzt sie jetzt so viel Anstand, mich nicht vollkommen zu beschämen.

Kurz hinter der Halfsteder Bäke am Kuhhornsweg

Was habe ich während unseres heutigen Morgenspaziergangs durch Feld, Wald und Flur gelernt? Ich muss mein Kurzzeitgedächtnis trainieren und „Der große Plötz (Auszug aus der Geschichte)“ wird zukünftig einen höheren Platz in meinem Bücherregal bekommen. Gerade so hoch, dass Kleine Münsterländerinnen ihn nicht erreichen.

“Im Eggehorst, im Eggehorst ist Holzauktion.” – Nein, ist sie nicht, aber es klang so schön

„Du? Ist es nicht schade, dass die Verdichtung der gasförmigen Materie zum flüssigen Glutball und die Erstarrung der Erdkruste in erdgeschichtliche Bereiche ohne jede Dokumentation fallen?“ „Luna!“ – Sie hat tatsächlich auch die Grundlagen der Erdgeschichte im „Plötz“ gelesen.

[Es mag wohl ein wenig verwunderlich anmuten, was ich mir einfallen lasse, um einige Fotos unseres heutigen Spaziergangs zu zeigen.]

Gebäude 23

Es ist schon komisch, immer im Februar erinnere ich mich an das Gebäude 23 auf dem ehemaligen Fliegerhorst Oldenburg an der Alexanderstraße. Sicherlich hängt dies damit zusammen, dass man mir seitens der Flugabwehrraketengruppe 24 (FlaRakGrp 24) am 4. Februar 2003 “die Torte “Aufbau einer Militärgeschichtlichen Sammlung” entgegen warf”.

Geb. 23 an der Zufahrt zur einstigen Sperrzone

Genau darauf hatten die einstige “Heimbetriebsleiter-Villa” und ich ganz sicher nicht gewartet. Um sofort mögliche Irritationen zu vermeiden: Das Haus 23 erfuhr nach seiner Errichtung im Jahre 1944 so manche Nutzung. Ob zur Zeit der Royal Air Force Germany (1951-1957) oder während der Ära der Fliegenden Verbände der bundesdeutschen Luftwaffe (1957-1993). Viele werden sich an eine Nutzung durch den Deutschen Wetterdienst erinnern, aber da ist mehr, viel mehr, in den Räumen dieses Einfamileinhauses los gewesen.

Im “Herrenzimmer” des Einfamilienhauses sammelte ich erste geschichtsträchtige Dokumente

Am Tag der offenen Tür der Flugabwehrraketengruppe 24 (18. August 1996) wurde es zum “Haus der Geschichte” befördert. Welch klingender Name. Danach geriet es in Vergessenheit. Sieben Jahre später sperrte ich es wieder auf. Inzwischen vom Fernwärmenetz und der Energieversorgung abgeklemmt, bot sich mir sofort ein historischer Anblick: Die Kameraden vom Tag der offenen Tür hatten ihren Müll gedankenverloren zurückgelassen.

… und dann ging das Haus wieder ans Netz. “Wasser, Elektrizität und Wärme marsch!”

Ich will keine “ollen Kamellen” hervorkramen, aber da sind so viele Erinnerungen an die zahlreichen Begegnungen im “Haus der Geschichte”. Auch wenn diese oft überhaupt nichts mit der Historie der FlaRakGrp 24 zu tun hatten, so war es wohl hilfreich für den einen oder die andere, sich in “meinen Räumen”, die heute längst Geschichte sind, da das Haus dem Erdboden gleich gemacht wurde, z.B. zu Gesprächen mit dem Militärpfarrer oder dem Sozialdienst zu treffen oder einfach “mal eben” mich zu besuchen, weil “der Schuh oder besser, der Kampfstiefel drückte”.

Der Tisch war Liegenschaftsgerät. Alles weitere gehörte zu meinem ganz privaten “militärhistorischen Hausstand”

Eigentlich hatte man sich gedacht, mich mit diesem “Dienstposten Museumsdirektor” so kurz vor meiner Pensionierung auf´s militärische Abstellgleis zu schieben. Parallel war ich zwar noch damit betraut, mich um die Kostenleistungsveranwortung (KLV) und das Vorschlagswesen zu kümmern, doch “Controlling” war hier eigentlich genauso ein “Rohrkrepierer” wie der Aufbau einer Militärhistorischen Sammlung für die FlaRakGrp 24: Beides interessierte seinerzeit kein “weibliches Hausschwein”.

Es gab auch einen Zugang durch den Keller. Der Parkplatz war nicht einsehbar. Ideale Voraussetzungen für vor der Öffentlichkeit verborgene Besuche gespräch- oder ratsuchender …

So kam es nur darauf an, wie ich die Zeit sinnvoll gestaltete. “Man muss nicht nur mehr Ideen haben als andere, sondern auch die Fähigkeit besitzen, zu entscheiden, welche dieser Ideen gut sind.” – Linus Pauling

Eines versichere ich: “Ich hatte nie auch nur für eine Sekunde Langeweile.”

Etwas mehr zum “Haus der Geschichte”, das heute Geschichte ist:
Gebäude 23

Tapetenwechsel

“Ich brauch’ Tapetenwechsel, sprach die Birke,
und macht’ sich in der Dämmerung auf den Weg.”
Hildegard Knef (1925-2002)

Blick zurück am Dortmund-Ems-Kanal. “Rechts um die Ecke” liegt Steinbild

Einen Tapetenwechsel. Ja, den brauchten auch wir und machten uns, statt in der Dämmerung, am frühen Nachmittag auf den Weg ins Emsland. In „unser“ Zweistromland. Dieses Fleckchen Erde zwischen der Ems und dem Dortmund-Ems-Kanal (D-E-Kanal). Eine vorübergehende Veränderung der gewohnten Umgebung zwischen den Feiertagen kann nicht schaden. Etwas Bewegung nach Gänsekeule und anderen „Snacks“ ist da mehr als willkommen. Und warum nun gerade ins Emsland? Weil wir hier, am Wasser der Ems, Weite und Ruhe finden und lange Gespräche führen können. Ja, das alles gibt es in unserem schönen Ammerland auch, aber …

Die ist neu! Eine Informationstafel am Wegesrand zwischen Steinbild und Düthe

Wir parken an der Kirche in Steinbild. Spätestens seit der Ortsdurchfahrt in Walchum hat das Frollein die vertraute Witterung aufgenommen und sitzt in freudiger Erwartung zwischen uns. Ihre Nase dicht vor den Lüftungsdüsen, hat sie längst die Fährten aller Hasen, jedes Fasans und nicht zu vergessen, der gesamten Entenpopulation im Umkreis von 2,753 Km aufgenommen.

“Die Wanne ist voll.” Schleusenbecken in Düthe

Mit dem 3-Uhr-Glockenschlag der St. Georg Kirche brechen wir auf. Wir laufen parallel zur Fresenburger-/Steinbilder Straße in Richtung Düther Schleuse. Luna wittert Morgenluft. Bisher engten wir sie in ihren Bewegungsdrang ein, aber nun, seitdem wir uns entlang des D-E-Kanals „in der Wildnis bewegen“, heißt es: „Leine los!“ Und als sie darf, fliegt sie „wie ein geölter Blitz“ davon.

Und wenn sich die Sonne zeigt, dann verstecken sich die winterlichen Grautöne

Groß ist die Wiedersehensfreude. Zumindest bei Luna. Die Enten brechen spontan zum gegenüberliegenden Ufer auf. Was lernen wir daraus? Enten verfügen über die Fähigkeit, ihre im Langzeitgedächtnis vorhandenen Erinnerungen abzurufen und sind auch in den Wintermonaten sportlichen Aktivitäten gegenüber nicht abgeneigt. Luna zeigt dafür Verständnis und widmet sich spontan dem Lebensraum Unterholz.

“Blaue Stunde” an der Ems. Im Hintergrund St. Georg in Steinbild

Wir sind zurück in Steinbild und „kaffeesieren“ im Auto. „5 Uhr“, sagt uns St. Georg. Es geht zurück nach Wiefelstede, aber wir kommen wieder. Spätestens im kommenden Frühjahr. Dann mit Big B. am Haken.

Auch in Sustrum scheint es viel geregnet zu haben. Vielleicht? Bestimmt!

2014. Auf neuen Wegen

Um bei meinen Fotosafaris durch die norddeutsche Tiefebene ein Dach über dem Kopf zu haben, überlegte ich in 2014 hin und her. Ich wollte unabhängig von Wind und Wetter sein, die Zeit bis zum Sonnenuntergang nicht auf einer Parkbank oder im Auto verbringen und, falls es mir an einem Ort besonders gut gefällt, auch einmal eine spontane Übernachtung einplanen können.

Mich begleiteten in diesem Sommer die verwegensten Ideen: Unter anderem wollte ich mir einen dreirädrigen italienischen Klein(st)transporter zulegen. Mit dem Frollein (Luna, der Kleinen Münsterländerin) und im Schlafsack auf der Ladefläche „der Biene“ (ein Ape aus dem Hause Piaggio) meinte ich, eine Lösung gefunden zu haben.

Dann erinnerte mich “die Beste von allen”, meine Ehefrau, an mein tatsächliches Lebensalter und die einst berufsmäßig und somit „befohlenen“ Übernachtungen zu jeder Jahreszeit in Feld, Wald, Flur und oft auch in unmittelbar dem Abriss entgegenblickender Liegenschaften meines einstigen militärischen Arbeitgebers. Diese Erinnerung ließ mich schnell zur Vernunft kommen.

Eine unserer ersten Ausfahrten führte uns “auf die andere Seite”: Wir überquerten die Weser

Ich traute mich an einen kleinen Wohnwagen heran. “Die Beste von allen” ließ mich gewähren. Er wurde unser „Flying Dutchman“, der “Fliegende Holländer”. Der Caravan (Model 1998) stammte ursprünglich aus den Niederlanden, daher benannten wir ihn nach der Wagnerschen romantischen Oper. Der Name „Kapitän Bernard Fokke“, dessen Geschichte diese Oper behandelt, klang zwar auch gut und erschien uns durchaus angebracht, aber der „namentliche Spaßfaktor“ wäre dabei vielleicht auf der Strecke geblieben.

Als originale Deichkinder durften wir 2014 einen Ausflug nach Fedderwardersiel nicht auslassen. Ich habe heute noch den Geruch der frischen Matjesbrötchen, der sich beharrlich im Wohnwagen hielt, in der Nase

Spaß brachte uns das Reisen mit dem Flying Dutchman auf alle Fälle. So viel Spaß, dass wir heute mit einem modernen Dickschiff reisen. Aber den Fliegenden Holländer werden wir nie vergessen.

Lass´ Blumen sprechen

Alle Jahre wieder. Wir verteilen hier und da, also, nach dem Zufallsprinzip, Weihnachtssterne im Ort und der Gemeinde. Ich betreue wieder meinen angestammten Bezirk und finde auch in diesem Jahr dankbare Abnehmer*Innen. Unter anderem ist auch eine Seniorenwohnanlage im Ortskern wieder das Ziel meiner “Sternfahrt”.

Ich gebe hier den ersten Stern ab, wende meine beladene Schubkarre und schiebe diese weiter in Richtung Frau R., der ich in diesem Jahr ein Exemplar zugedacht habe. Dabei passiere ich drei Wohneinheiten, die ich nicht ansteuere. Kaum daran vorbei, wird eine Tür aufgerissen. „Ich will auch einen Stern haben!“, ruft mir eine hörbar erregte Dame hinterher. Allerdings habe ich bereits bei Frau R. geklingelt, bin mit ihr ins Gespräch vertieft und übergebe ihr einen Weihnachtsstern mit den passenden, vorweihnachtlich einstimmenden Worten.

Jetzt erreicht mich die andere Dame. Ungeachtet meines noch währenden Gesprächs mit Frau R. wiederholt sie, nun noch lauter fordernd und vehement auf ihr vermeintliches Recht pochend, ihr unmittelbares „Anrecht auf einen Weihnachtsstern“. Um des lieben Friedens willens bekommt sie eines der wunderschönen Exemplare von mir ausgehändigt. Und ich naiver Mensch denke, sie nun „ruhig gestellt“ zu haben. – Von wegen!

Der Weihnachtsstern. Auch als Poinsettie oder Euphorbia pulcherrima bekannt. Eine der beliebtesten Zimmerpflanzen. Ursprünglich stammt sie aus Mexiko

Inzwischen ist eine weitere „vernachlässigte“ Nachbarin vor ihrer Haustür erschienen und dieser wird umgehend durch die „reizende Dame“ folgendes mitgeteilt: „Da geht DER an unseren Türen vorbei! Reagiert nicht einmal auf meinen Anruf! DER wäre doch tatsächlich so verschwunden!“

Inzwischen steht diese „Dame“ wieder vor mir, fordert nun auch einen Weihnachtsstern für die Nachbarin und begleitet ihr unverschämtes Auftreten mit den Worten: „Und da (sie zeigt auf eine weitere Haustür) kommt auch einer hin!“

In stoischer Ruhe, nur der Herr weiß, woher ich diese nehme, erkläre ich der Dame, den Sinn und Zweck sowie den „workflow“ unseres alljährlichen Adventsbrauches.

Solch ein unverschämtes Benehmen ist mir noch nie untergekommen! – Doch es gibt immer ein erstes Mal.

Das Covid-19 gerüttelte Jahr neigt sich seinem Ende entgegen, wir kommen zur Ruhe und Besinnung und üben Nachsicht und Gelassenheit. – Wenn´s manchmal auch sehr schwer fällt!

Die Wallbox. Keine Bastelanleitung

Als Ammerländer wurde ich sofort hellhörig, als mir jüngst das Wort „Wallbox“ unter die Augen kam. Sofort dachte ich an die in unserer Region stark vertretenen, von Gehölzen bewachsenen und meist künstlich angelegten Erdwälle: Die Wallhecken. Doch welche Aufgabe nimmt in diesem Zusammenhang eine „Wallbox“ wahr?

Eine „Wallkiste“, eine „Wallschachtel“, ein „Wallkasten“, ein „Wallbehälter“, eine „Wallloge“, ein „Wallpostfach“? Ich ließ meine nicht geringfügigen Englischkenntnisse spielen und kam doch zu keiner Lösung. Handelt es sich etwa um eine kastenförmige, auf Wällen eingerichtete Nisthilfe für unsere bodenbrütenden gefiederten Freunde wie den Kiebitz, die Waldohreule, den Flussregenpfeifer, das Rebhuhn oder gar den Wachtelkönig? Aufmerksam las ich in dem Artikel in der Zeitschrift eines sehr großen deutschen Automobilclubs weiter. Und spätestens jetzt hätte ich aufmerksam werden müssen, hätte ich gedanklich umschwenken müssen. Warum in aller Welt sollte sich ein Automobilclub Gedanken um Nisthilfen machen?

Ich nehme die Lösung vorweg: Eine „Wallbox“ ist eine (nun orthographisch eindeutiger geschriebene) „wall box“, eine Wandladestation, eine Ladestation für Elektroautos! – „Bequemes Laden zu Hause – eine Wallbox für das Elektroauto macht’s möglich!“

Im Hintergrund eine Ammerländer Wallhecke. Ohne Wallbox

Warum braucht das elektromobile Deutschland eine Wallbox? Eine Wandladestation ist die sicherste, schnellste und komfortabelste Lademöglichkeit zu Hause. Eine Haushaltsteckdose ist für das regelmäßige Aufladen von Elektroautos nicht zu empfehlen, weil sie nicht für langes Laden unter hoher Last konzipiert ist.

Maximale Sicherheit bietet nur und ausschließlich eine Wandladestation, äh, ich bitte um Vergebung, eine „Wallbox“. „Na, dann man nix wie her mit diesem elektro-energetischen Helfer“, höre ich die Elektromobilpilot*Innen begeistert rufen. “Nein, nein, nein”, so einfach können wir es uns nun auch nicht machen. Und diese banale Bezeichnung „Elektro-energetischer Helfer“ geht schon einmal gar nicht. Es sollte dann doch so in Richtung eines Titels wie „electro-energetic assistance device“ gehen. Oder noch besser die Kurzform: „EEAD“ oder für die mathematisch Begeisterten unter den Freunden der Anglizismen: „E²AD“.

Aber selbst wenn wir es bei der den einen oder die andere verunsichernden Bezeichnung Wallbox belassen, so einfach ist das dann alles auch nicht. Gilt es doch vorausschauend-sicherheitsbewusst geeignete Schutzeinrichtungen gegen Gleich- und Wechselstromfehler zu schaffen. Und welcher Anbieter liefert „grünen Strom“ zum günstigsten Tarif? Die Frage zur Ladeleistung und dem Bedienkomfort der zukünftigen Wandladestation wurde bis dahin überhaupt noch nicht gestellt. Soll es eine ein- oder dreiphasige Anschlussbox werden, die beim Netzbetreiber angemeldet werden muss? Wie ist es mit der Zugangssicherung? Schlüsselschalter oder Kartenleser? Muss der Elektriker des Vertrauens eventuell einen separaten FI-B Gleichstromfehlerschutz (Anm.: Zusatzschutz bei Isolationsfehlern) einbauen?

Seit Jahren ist in Europa der Typ-2-Stecker Standard. Typ-2 lässt vermuten, dass es auch (noch) einen Typ-1-Stecker geben wird. Welchen Stecker brauche ich? Na, auf alle Fälle werde ich mir ein Adapterkabel Typ-1-auf-Typ-2 zulegen. Und da ich immer über alles informiert sein will: Auf meine Box werde ich selbstverständlich über Internet, Bluetooth oder WLAN zugreifen können und die so erweiterten Funktionen genießen.

Ich sehe mich schon den integrierten Stromzähler ablesen, Ladestatistiken aufstellen, die Stromstärke verändern, die Ladezeiten programmieren und günstigste Tarifzeiten festlegen. Und besäße ich eine Photovoltaikanlage, ich würde „meinen Überschuss“ direkt ins Fahrzeug laden. – Als Person, die sich nicht nur darum bemüht, die deutsche Sprache von fremdsprachigen Einflüssen weitestgehend freizuhalten, sondern auch für anspruchsloses Design (Ups! – Gestaltung) und Handling (Ups! – Handhabung) eintritt, würde ich aber wohl doch bei einer ungesteuerten Wandladestation landen.

Nun könnte man meinen, alle Überlegungen seien, wenn hier auch in ungestümer Reihenfolge, abgeschlossen. Noch lange nicht: Je nach Hersteller und Modell sind die Bordladegeräte entweder ein-, zwei- oder sogar dreiphasig ausgelegt. Es gibt zum Teil große Unterschiede bei ihrer technischen Ausführung, sogar bei Wallbox-Modellen auf gleichem Preisniveau.

Natürlich kann ich eine Wandladestation nicht selbst installieren. Das ist unzulässig. Und wenn ich in einem Mehrfamilienhaus lebe, mich nach unendlichen Überlegungen und Vergleichen für ein Modell entschieden habe, so heißt das noch lange nicht: „Es ist so weit! Elektronenfluss marsch!“ Weitere Herausforderungen sind zu meistern. Ist der gemeinsame Hausanschluss überhaupt für die erhöhte Stromnachfrage ausgelegt? Und dann ist da noch der Herr Adeodatus Miesepeter, der einzige Elektromobil-Gegner in der Mieter-/Eigentümergemeinschaft. Er kann die Stromaufrüstung im Mehrfamilienhaus für alle ausbremsen.

Nach einstimmiger Eigentümerbefragung: Vier Entnahmestellen für Weidestrom. Einphasig

So, ich will hier enden, denn an der örtlichen Tankstelle ist der Dieselpreis gerade beträchtlich gesunken.

Nikolaus in der Kaserne

Irgendwann zum Jahresende im Ausklang der 1980er Jahre trat die “Mutter der Batterie” an mich heran. Gesucht wurde ein Nikolaus. Lage, Auftrag und Durchführung waren schnell erklärt und verinnerlicht und bevor ich mich versah, trug ich das „Kostüm, Jahresausklang, rot-weiß, kunstpelzbesetzt“.

Standesgemäß reiste ich als „Abt aus dem Kloster von Sion“ an. In einer Kutsche umrundete ich, Glocke schwingend, das Küchengebäude der Stadland-Kaserne. Schnell erblickte ich die „höchstens“ sechs bis acht Kinder, wie sie mir mein „Spieß“ angekündigt hatte.

In seiner sittsam-bescheidenen Art hatte er mir allerdings die zusätzlichen 28 Kinder, die sich himmelhochjauchzend und mit roten Wangen ihre kleinen Nasen an den beschlagenen Fenstern des Speisesaales plattdrückten, verheimlicht. Ich wähnte mich bis dahin gut vorbereitet. Hatte ich doch im Vorfeld mit einigen Elternpaaren, es waren tatsächlich dieser nicht mehr als sechs gewesen, Details über die „Großtaten und Späße“ der Kleinen aus dem ausklingenden Jahr besprochen. Ich war angesichts der “höchstens sechs bis acht Kinder” ein wenig überrascht. Aber wir alle wissen: Es gibt nichts, was der Nikolaus nicht bewerkstelligt.

Keiner hatte mich darauf vorbereitet, dass wir samt Kutsche und Pony den Speisesaal erobern werden. In akkurater Millimeterarbeit bugsierte uns der Kutscher durch die doppelten Schwingtüren des Gebäudes. Er beruhigte erst den Nikolaus, dann den „Mustang“ als dieser auf dem ebenso glänzenden, wie glatten Boden, trotz ausgelegter Gummimatten, ins Schlingern zu geraten drohte und parkte die Kutsche inmitten einer aufgeregten Kinderschar und inmitten der Truppenküche.

Eh ich mich versah, stellten sich die Kinder in Reih´ und Glied vor der Kutsche auf. Das Pony wurde ausgespannt, ich kramte ein dem Anlass entsprechend geschmücktes, altes Wachmeldebuch unter der Sitzbank hervor. Los ging´s: Gedichte wurden aufgesagt, Weihnachtslieder angestimmt. Ich hatte mit den Elternpaaren der unvermutet nun ca. 35 Kinder zuvor abgesprochen, dass sich die Eltern des jeweiligen Kindes, das sich zu mir in die Kutsche setzte, durch flüchtiges und „vorweihnachtlich geprägtes“ Kopfnicken bemerkbar machten. So konnte ich die Seite mit dem jeweiligen persönlichen und durchweg sehr liebevoll verfassten Spickzettel über die Husarenstücke, „Heldentaten“, Mutproben, Wagnisse und Streiche der Kleinen aufschlagen.

Freude, Verblüffung und Überraschung bis hin zur Sprachlosigkeit stand den Kindern ins Gesicht geschrieben. „Woher weiß er, dass ich nicht gern mit dem Füller schreibe/den Sessel mit einer Kerze fast abgebrannt habe/den Teppich mit Schuhcreme verschönert habe?” – “Gibt es diesen sagenhaften „Wälzer unserer Sünden und Streiche“ tatsächlich?“

Dann wurde ich Ohrenzeuge eines Dialogs, bei dem ich mir das Lachen kaum verkneifen konnte. Ich muss erklären: Ich trug zu dieser Zeit einen Vollbart. Damit dieser den weißen Bart des Nikolauses nicht „überschattete“, hatte mir die Kantinenwirtin Weihnachts-Schneespray „zu Tarnzwecken“ überlassen. Perfekt für die Erstellung von Schneeeffekt-Mustern auf Fenstern und Glastüren, eignete sich dieser Schnee (fast) vorzüglich zur Kaschierung meines dunklen Bartes. Nur ein hartnäckiger Wirbel ließ sich nicht verbergen. Diesen bemerkte eines der Kinder. Es ergab sich folgendes Gespräch: 1. Kind: „Du, der Nikolaus hat gar keinen weißen Bart.“ 2. Kind: „Was? Ehrlich?“ „Ja, sieh mal genau hin!“ „Tatsächlich!“ „Aber nix verraten! Sonst gibt es keine Geschenke!“

Es gab sie doch und ich habe sie an diesem Tag sehr gern verteilt.