“13”. Eine Unglückszahl?

„WST?“ „Westerstede!“ – Wir stehen am Elbe-Lübeck-Kanal in Güster. Einmal mehr werden wir Ohrenzeugen dieses Frage- und Antwortspiels, mit dem sich die Radwanderer, die am Campingplatz Freizeitwelt Güster vorüberradeln, gern unterhalten. Oder: „Oh, Thule Sunblocker! Von Innen gespannt.“ „Ja, sehen eben doch viel besser aus als die xyz-Markisen.“

Die Wagenburg auf Stellplatz K13

Unser zum Saisonbeginn von Covid-19 stark eingeschränkter „wohnwagenreisender“ Bewegungsdrang hat uns dann schließlich doch wieder einmal an den Prüßsee zwischen Büchen und Mölln geführt. Im dritten Anlauf ist es uns gelungen. Nr. 1 scheiterte vollständig an den der Pandemie geschuldeten Reiseverboten und den Hygienebestimmungen. Nr. 2 verhinderte ein außerordentlich starker Besucherstrom am Himmelfahrtswochenende. Ja, und da bekanntlich „3x Ammerländer Recht ist“, stehen wir am 21. Juli und im dritten Anlauf auf Platz Nr. 13 in der „Komfortzone“. Nur jeder zweite Platz ist besetzt, es sei denn, ein Familienverband ist mit Gefolge angereist, dann geht es auch „Tür an Tür“. Wir sind zu dritt und nicht im Konvoi unterwegs. So sind wir zur Linken und zur Rechten von jeweils einer Freifläche „umzingelt“. Und das gefällt uns.

Am Elbe-Lübeck-Kanal

Ich könnte nun von dem Stau auf der A1 bei Sittensen, der uns eine gute halbe Stunde zum Stillstand zwang, berichten, ich könnte schreiben, dass uns die Schließung der Bäckerei Heymer in Güster sehr überraschte, ich könnte mich darüber beklagen, dass der GPS-Logger, der bis dato so exakt unsere Reiserouten aufzeichnete, plötzlich seine Dienste versagt und ich hätte an dieser Stelle die Radwanderkarte Nr. 35 „Zarrentin“ aus dem Hause Maiwald verdammen können, die uns eine Radwanderung am Schalsee nicht entlang von Land- und Bundesstraßen, sondern auf Land- und Bundesstraßen anbietet. Eine wundervolle Alternative zu Inliner-Fahrten auf Bundesautobahnen. Ja, im „Kleingedruckten“ weisen die Pocket-Karten-Anbieter darauf hin, dass es sich auch einmal um „nicht ausgebaute oder von der Fahrbahn getrennte Radwege handeln“ könne. Über solche Dinge ärgert man sich nur einmal, bevor man das Druckwerk durch den „Heereskopierer“ (Aktenvernichter) schickt. – Ich besorgte uns auch die Maiwaldschen Nr. 34 „Mölln“ und Nr. 37 „Büchen“. Wird sie das gleiche Schicksal ereilen?

Karten, die die Welt nicht braucht … 🙁

Wir geben unsere Radtour auf, fahren nach Zarrentin, finden hinter der Kirche endlich einen “angemessenen” Parkplatz für „Darth Vader“, der einen Platz für den “gemeinen Personenkraftwagen” als „unpassend“ strikt ablehnt und laufen entlang des Weges am Schaalsees zur Seefischerei. Höchste Zeit für Matjes- und Bismarkheringbrötchen. Luna verzieht sich in den Schatten und zeigt Präsenz: Enten, Blesshühner, Seeschwalben und Gänse sowie die freilaufende “Euphemia” aus Köln sind beeindruckt.

Am Schaalsee in Zarrentin

Wir waren so verwegen, den Großzecher Werder mit dem Fahrrad erkunden zu wollen. Dies geht eine Zeit lang gut, dann gebieten uns mannshohe Farne Einhalt. Ich sehe Luna nicht mehr, die eigentlich neben mir an der Leine läuft. Wir schlängeln uns durch den immer enger werdenden Weg, legen eine „Beinahelandung“ hin und entschließen uns, den Werder einen Werder sein zu lassen. – „Vorwärts! Wir müssen zurück.“

Die Pforte wurde installiert, damit die Enten nicht vom See flüchten können

Vor der angebotenen Fahrradtour des „Pocket-Karten-Anbieters“ haben wir kapitulieren müssen, so wollen wir wenigstens mit dem Auto ein Stück entlang des Sees fahren. Wir bewegen uns in Richtung Bantin, Lassahn, Hakendorf und Bernstorf. Irgendwann stellen wir fest, dass wir auf dieser Route die Bundesstraße 208 zwischen Ratzeburg und Roggendorf erreichen würden. Weit entfernt von unserem Campingplatz in Güster. Wir wenden beim Bernstorfer Binnensee und werden unseren Frust in der Taverne Inos, dem Griechen unseres Vertrauens in Güster, bei einem kühlen Dithmarscher Pilsener und einem griechischen Erfrischungsgetränk, vergessen machen.

“Glück Auf!”

Auch am dritten sehr frühen Morgen in Güster möchte das Frollein nicht darauf verzichten, zu nachtschlafender Stunde einige Meter am Elbe-Lübeck-Kanal (E-L-K) zu bummeln. Nun, von einem Spaziergang kann in diesem Fall nicht die Rede sein, Luna scheint sich den Magen verdorben zu haben. Und wenn sie sich tatsächlich einmal des Nachts meldet, dann ist durchaus Eile angesagt.

Es gab für Luna nicht viel “zu zählen”: zwei Graureiher, einige Schilfrohrsänger, keine Enten, keine Gänse, eine Möve

Am Prüßsee hat sich einiges verändert: Der sich an einigen Stellen leidenschaftlich wuchernden Natur wurde entschlossen Einhalt geboten, neue Stellplätze wurden angelegt, ältere Plätze wurden durch beherzte Formschnitte teils gelichtet und andere wiederum sind komplett verschwunden. Davon bemerkt der hier gelegentlich „wohnende“ Caravaner eigentlich kaum etwas. Es sei denn, er steht im Dialog mit den Alteingesessenen.

Der Diebsradenweg am Prüßsee. Unter diesem Namen kennen ihn wohl auch nur wenige

Zufällig treffen wir uns in der „ersten Kurve vor Siebeneichen“ am E-L-K. Nachdem uns zuvor die „Glück Auf“ auf dem Wasserweg entgegenkam, kommen wir, da uns die Besatzung so freundlich grüßte, ins Gespräch. Sie, ich nenne sie einfach Frau J. und ihr Mann sind bereits seit Jahrzehnten Dauercamper in der Freizeitwelt Güster. Natürlich kennt sie, eine echte Hamburger Deern, den Schiffer der „Glück Auf“ und seinen Decksmann beim Namen, sie kennt die Namen der weiteren Schiffe der Reederei und weiß, wann und wie oft diese von Geesthacht kommend, hier Sand laden. Und wir stellen fest, dass ihre Campingnachbarn auch mir flüchtig aus Gesprächen „auf dem Platz“ bekannt sind.

Frühaufsteher erhalten (manchmal) eine Belohnung

An dieser Stelle ist es mir wichtig festzustellen: „Deern“ ist im norddeutschen Raum eine allgemeine Bezeichnung für Mädchen. Heute macht „Sie“, als „Hamburger Deern“ aber auch deutlich, dass sie gebürtig aus Hamburg stammt. Dem Begriff Deern könnte eine negative Bedeutung zugeschrieben werden (in Form: „leichtes Mädchen“). Diese Bedeutungsverschlechterung gilt im norddeutschen Sprachraum nicht.

Prüßsee

Es ist früh am Morgen und wir haben Zeit. Viel Zeit. Also frage ich Frau J., warum die weiße Villa an der Straße Am Prüßsee immer mehr verfällt, was der freundliche Gärtner macht, den ich hier so lange nicht angetroffen habe, wie es dessen Mutter gesundheitlich geht und was es mit dem Pavillon auf sich hat, der an manchen Nachmittagen durch mehrere Damen „in Begleitung“ ihrer Rotkäppchen-Pikkolos belegt wird. – „Dat was en lang Klönsnack.“ Und nun weiß ich mehr.

Fischreiher am Ufer des Elbe-Lübeck-Kanals

Am Freitagnachmittag füllt sich die Reihe der Komfortplätze in Güster. Die wenigen noch unbesetzten Plätze sind schnell belegt. Neben uns logiert nun ein Paar mit einem in die Jahre gekommenen VW T3 „California“. Dieser verfügt über ein Aufstelldach und eine Schiebetür. Letztere sollen wir fortan kennenlernen oder treffender, zu hören bekommen. Unsere Nachbarn scheinen noch nicht sehr lange gemeinsame Wege zu gehen und auch der T3 begleitet sie sicherlich erst seit wenigen Tagen. Um mich kurz zu fassen: Wir bekommen unweigerlich eine Kurzeinweisung in die Geschichte, Ausstattung und die weitere beabsichtigte Nutzung des „Vanagons“. – Ob wir dies nun wollen oder nicht.

“Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht, die Wacht am Rhein!” Nein, es brauste (an diesem Morgen) kein Ruf wie Donnerhall! – Hier fährt die “Vaterland” gen Geesthacht

“Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.” – Thomas Mann. – Es ist nicht unser Aufenthalt, wie wir ihn uns vorgestellt haben. „Es läuft einfach nicht rund.“ Wir befreien Big B. und die Markise von den viel zu früh abgeworfenen Eicheln, die uns „Quercus“ (die Eiche) aus der Familie der Buchengewächse eimerweise tagein und tagaus prasselnd “auf´s Dach wirft”, brechen unsere Zelte ab und fahren früher als geplant wieder in Richtung Heimat. Hier stellen wir zu spät fest, dass uns die zugesagten 5% Preisnachlass dann doch nicht gewährt wurden.

“Auf Wiedersehen, Frau J.!”

„Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.“ – Kurt Tucholsky