Dänemark – Det er dejlig

Wenn früh am Morgen der Wecker tobt, dann geht es nicht immer „auffe Abeit“, dann geht es mit Big B. auch schon einmal auf Tour. Und in diesem Fall sogar auf Fernreise. Unsere zweite FRCF (Fendt Reisecaravanfahrt) über die bundesdeutsche Grenze. Wir haben wieder reserviert: Vikær Strand Camping in Haderslev, Dänemark.

Vikær Strand Camping, Dundelum 29, 6100 Haderslv, Dänemark

Am vergangenen Wochenende wollten wir mal eben nach Hildesheim und fanden uns in einem 12 Km langen Stau bei Bremen wieder. Damit es heute reiselustiger und reibungsloser verläuft, wählen wir die landschaftlich reizvolle Strecke um Bremen herum: durch den Wesertunnel und „über´s Land“ zur Anschlussstelle Zeven der BAB 1.

Morgens um sieben … ist die Welt auch in Ordnung

Es ist Himmelfahrt. Wir treffen schon kurz hinter Wiefelstede auf einen „dörflichen Charakter“, der uns mit seinem abgekämpften Viehanhänger im Schlepp und aus einer Nebenstraße rumpelnd, um 06.45 Uhr ebenso ungestüm wie schlaftrunken-gleichgültig zu einem couragierten Abbremsen im XXL-Stil zwingt.

Darf bei keinem Dänemark Urlaub fehlen: das obligatorische Rapsfeldfoto

Wir schlängeln uns auf der A7 durch nicht enden wollende Baustellen an Hamburg vorbei, werden von bedenklich angsterfüllten Fahrerinnen und Fahrern, die sich auf „ihrem“ 2,10 m breiten linken Fahrstreifen überhaupt nicht wohl fühlen, diesen zu verlassen sich jedoch deutlich weigern, bedrängt und in die Enge getrieben und werden schließlich, es ist eigentlich ein Lkw-freier Feiertag, von einem erkennbar intellektuell entkräfteten Brummifahrer attackiert. Es besteht kein Überholverbot, wir fahren mit 60 Km/h in der linken Spur, die sich in 700 m verjüngen wird, auf den Grenzübergang zu. Das will dieser Kapitän der Landstraße verhindern. Schon von weitem sehen wir ihn Schlangenlinien fahrend andere Verkehrsteilnehmer in Richtung des Mittelstreifens abdrängen. Dann sind auch wir an der Reihe. Ich fasse mich kurz: wir lassen uns nicht „ablenken und verleiten“ und werden uns auch weiterhin partnerschaftlich gegenüber Lkw FahrerInnen verhalten.

Lunas “Badesachen”, die später zum Einsatz kommen werden

Wir sind in Dänemark. Endlich! Nach 399,26 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 74,4 Km/h gefahrenen Kilometern sind wir in der Kommune Haderslev angekommen. Ja, unsere maximale Geschwindigkeit betrug, um diesen Schnitt zu halten, 112 Km/h. Aber da uns dies nicht erlaubt ist, ist unser „Aufzeichnungsgerät“ (GPS Logger) sicherlich durch Erdstrahlen abgelenkt worden. Was sonst könnte die Ursache sein?

Dundelum. Nein, kein Kinderreim, so heißt die Straße

„100 Km/h“ dürfen wir mit Big B. im Schlepp in Deutschland fahren. In Dänemark gilt dies nicht. Für Wohnwagengespanne heißt es hier vom Gesetzgeber: auf Schnellstraßen(!) und außerorts 70 Km/h. Und auf dänischen Autobahnen, trotz unseres bundesdeutschem ge- und besiegeltem „100 Km/h Stickers“ am Fendtschen Heck, sind 80 Km/h das Höchste der Gefühle. Nur wenn man eine dänische Plakette, erhältlich in dänischen Prüfstellen, „fährt“, dann darf man, wenn man will. – Uns haben sie nicht mit „100 Sachen“ in flagranti ertappt. Und wenn, dann wäre es richtig teuer geworden, verriet mir unser dänischer Bekannter Eric aus Starup.

Eine leichte Steigung. Mit dem Lunamobil samt Insassin im Schlepp sieht´s dann ganz anders aus!

Am Vikær Strand schließt sich um 12.00 Uhr die Schranke zur Mittagsruhe. Wir stehen nach einer „kleinen verkehrsbedingten Umleitung“ in Aabenraa um 11.58 Uhr auf unserem Stellplatz 239. Ein „plads med havudsigt“, d.h. wir stehen in Reihe 1 am Strand. Einrichten und Aufbau gehen wie gewohnt schnell von der Hand und schon gibt es Bockwurst und Kartoffelsalat. „Die Beste von allen“ hat mal wieder an alles gedacht.

“Wer wagt es, mich beim Sonnenbaden zu stören?”

Luna ist ein wenig verschnupft: sie liegt angeleint vor unserem Wohnwagen. So wollen es die Platzordnung und die dänischen Behörden. Ein wenig frustriert beobachtet sie die fünf Artgenossen, die stürmisch und „Leinen los!“ in die Fluten der Diernæs Bugt sprinten. – „Warum die und ich nicht?“ „Luna, es wird sie immer geben: die mit der Extrawurst.“

Ein ahnungsloses dänisches Kaninchen. Längst erkannt und im Visier des angeleinten Frolleins

In der Ferne grummelt sich ein heranziehendes Gewitter so einiges in die geschlossene Wolkendecke. Der später einsetzende Regenguss erwischt uns nicht unvorbereitet: alles ist hoch und trocken verstaut. „Na, gut!“ höre ich das Gewitter sprechen, „dann eben Blitzschlag!“ Und „zack“, ist der Strom weg. – „Ha, ha!“, wir sind autark!

Grethe´s Pølser. Nun unter der Leitung von Cartsen Dyeremose

Nach dem Begrüßungsdonnerwetter lacht die Sonne. Wir haben strahlendblauen Himmel und bestes Wetter. Weht auch gegen Abend ein kühler Wind aus der Diernæs Bucht, so reicht es bereits für den ersten leichten Sonnenbrand.

Sie steht immer noch: die Brücke am Strand

Auf den Fahrrädern erkunden wir die nähere Umgebung um Diernæs. Das Frollein an der Leine und das „Lunamobil“ (Lunas Trixie-Hundeanhänger) im Schlepp, Caravaner können eben nicht ohne Anhänger aufbrechen, fahren wir auf dem Bræråvey zum Slivsø und weiter nach Sønder Vilstrup. Auf uns aus alten Zeiten noch gut geläufigen Schleichwegen gelangen wir zurück an den Diernæs Strand und suchen hier nach „unseren“ Ferienhäusern, die wir Ende der 1980er Jahre immer wieder einmal gemietet hatten. Die kleine Brücke über diesen schmalen Graben zwischen der Sommerhaussiedlung und dem Campingplatz gibt es auch noch, so können wir auf direktem Weg zurück zum Vikær Strand Camping fahren. Big B. freut sich, dass wir zurück sind. – So ein Caravan ist schließlich auch nur ein Mensch.

Die Kirche in Hoptrup

Es freuen sich auch Irene und Eric, die wir, nachdem wir sie vor ca. 30 Jahren zum letzten Mal sahen und sprachen, in Starup besuchen. „Nur eben auf eine Tasse Kaffee“ wollen wir die beiden treffen und dabei „ein wenig“ über die alten Zeiten sprechen. Nach knappen vier Stunden brechen wir dann wieder in Richtung Campingplatz auf und stellen während der Rückfahrt fest, dass wir bei weitem nicht alles mit ihnen besprochen haben.

Der Feld-, Wald- und Wiesenweg

Zwischen sieben und acht Uhr drehen das Frollein und ich jeden Morgen unsere Runde. Entlang der Straße nach Dundelum haben wir einen Feld-, Wald- und Wiesenweg gefunden, der uns direkt zum Havveyen in Richtung Diernæs Stranden führt.

Diese Werbung kennen wir noch aus den “gute, alten Søstjernen-Imbisszeiten” der 1980er Jahre

Hinter dem einstigen Imbiss „Søstjernen“, der sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem noblen Restaurant mit erforderlicher und frühzeitiger Tischreservierung gewandelt hat, suchen wir uns jedes Mal eine neue Gasse durch die Sommerhaussiedlung, um zum Vikær Campingplatz zurückzukehren.

… der Feld-, Wald- und Wiesenweg

“Ohh, Hamburg meine Perle, du wunderschöne Stadt. Du bist mein zu Haus, du bist mein Leben, bist die Stadt auf die ich kann, auf die ich kann.” (“Hamburg (Meine Perle)” Songtext: Lotto King Karl) klingt es am Samstag laut über die Bucht. Nach mehr als 54 Jahren ist der HSV erstmals aus der Bundesliga abgestiegen und wir denken, dass ein wahrer HSV-Fan mit diesem Lied seinen Kummer über den Abstieg des Hamburger Sportvereins zum Ausdruck bringt. Ein Moment, der auch dem absoluten Fußballlaien unter die Haut geht. Anders reagieren an diesem Tag die schwach an Seele und Geist ausgerüsteten Chaoten in der Hansestadt. Aber dies soll hier kein Thema sein.

Am Strand von Tormaj

Am Strand von Tormaj sammeln wir Rollholz, auffällig schöne Steine und genießen den Blick auf die Bucht. Luna ist völlig aus dem Häuschen und weiß nicht so recht, ob sie den Fährten entlang der Steilküste folgen, uns beim Holzsammeln helfen oder doch lieber ein Bad in der Ostsee nehmen soll. Allerdings sind da dann auch noch diese kleinen Seesterne, die sie noch nie probiert hat. Um noch einmal auf die auffällig schönen Steine zurückzukommen: nachdem wir uns daran erinnern, dass wir einen Pkw und keinen Muldenkipper fahren, lassen wir die gefühlten 564 Kg „Kieselsteine“ am Strand zurück. Aber die vier Raummeter Treib- und Rollholz kommen mit!

Tormay Stranden “Kieselsteine” und Rollholz en masse

Am dritten Tag sind unsere Vorräte zwar nicht aufgebraucht, aber wir brauchen etwas typisch Dänisches auf den Tisch. Unser einstiger Lieblingsdiscounter hat sich in Westdänemark inzwischen rar gemacht. „Superbrugsen“ gibt es in Rødekro und Løjt Kirkeby. Dorthin sind uns heute die Entfernungen zu groß und so landen wir in Haderslev bei Lidl. Auch hier gibt es diesen einzigartigen Jordbæryoghurt (Erdbeerjoghurt), diese unvergleichliche Leverpostej (was es auch immer sein mag, es schmeckt wie Leberwurst), den köstlichen Rejeost (ein Schmelzkäse mit Krabbenfleisch), die Gaardmand skrabeæg von glücklichen dänischen Hühnern und das 7,9 Vol% Strong Beer. Letzteres nach dem deutschen Reinheitsgebot und in Deutschland für Lidl Dänemark gebraut. Naja, wir leben in Europa, da kann es auch in Dänemark schon mal ein deutsches Bier sein. Natürlich darf Gemüse nicht fehlen: Radiser und Forårsløg (Frühlingszwiebeln) sorgen für Gesundheit beim Camping. Und wer hat den „Jagdstolz Bitter“ unter die Packung mit dem Basissalat in den Einkaufswagen gelegt? – Wir werden es nie erfahren.

Vilstrup Kirke

Mit dem Lunamobil im Schlepp brechen wir wieder nach Sønder Vilstrup auf. Wir wollen uns noch einmal die Kirche, die wir bei unserem letzten Besuch vor vier Jahren nur im strömenden Regen sahen, anschauen. Schon von der Hauptstraße sehen wir das eindrucksvolle weiße Gebäude. Die Dannebrog (offizielle dänische Nationalflagge) weht vor dem Glockenturm der Vilstrup Kirke. Ein eindrucksvolles Bild, von dem wir sofort einige Aufnahmen machen. Und als wir dies erledigt haben, wird die Flagge auch schon eingeholt. Glück gehabt, so etwas sieht und fotografiert man nicht alle Tage.

Vilstrup Kirke

Wir haben uns auf unseren Aufenthalt im Vikær Strand Camping vorbereitet. Wir haben den Lageplan studiert, über google maps den Platz aus der Vogelperspektive betrachtet und Bewertungen in einschlägigen Foren gelesen. Wir wissen, dass man nicht alles uneingeschränkt glauben darf und soll, uns unsere eigene Meinung gebildet und haben dann gebucht. Wir kennen die Gegend um die 700 Jahre alte Stadt Haderslev von unseren früheren Besuchen. – „Ja, nun lass´ die Katze aus dem Sack!“ höre ich die LeserInnen rufen.

Slipanlage Vikær Strand Camping

Also: Ein Stellplatz direkt am Strand mit einem ungehinderten Blick auf die Bucht von Diernæs hat zweifelsohne seinen fernblickenden Reiz. Liegt dieser Stellplatz allerdings an der Straße zur Slipanlage des Platzes, dann kommt „Leben in die Bude“. Besonders an langen Wochenenden wird diese Straße für großen Menschenmengen mit und ohne ihre vierbeinigen Begleiter zur Flaniermeile zwischen der Rezeption und eben diesem „Bootssteg“. Am Freitag und Samstag können wir uns des Gefühls, die komplette dänische Fischereiflotte nebst bundesdeutscher Fischereigenossenschaftler wurde in Vikær zu Wasser gelassen, nicht erwehren. Halten sich auch alle, selbst bundesdeutsche AutofahrerInnen mit und ohne Bootstrailer, an die vorgeschriebenen 10 Km/h, so neigt eine trockene Schotterstraße dennoch zu einer aktivieren Staubentwicklung und das stete Knirschen des Schotters überträgt sich irgendwann auf meine Zähne. Hunde an flexiblen Endlosleinen, die überall herumschnüffeln dürfen, weil ihre HalterInnen den ungezügelten Bewegungsdrang auf abgelegene Terrain stets sehr stoisch beurteilen, bringen irgendwann auch das gelassenste Frollein in Fahrt.

Wir suchten nach eine neuen Lampe für unsere Küche. Diese hing uns allerdings zu hoch

Es fällt auch mir nicht auf Anhieb leicht, aber, wenn man die Ruhe und Gelassenheit der dänischen Camper annimmt, „fünfe auch einmal gerade sein lassen kann“, es annehmen kann, dass auch am Sonntagmorgen der Rasen gemäht wird, wer hätte dies bisweilen nicht selbst gern einmal auf der eigenen Scholle getan, wem der bunte Mix aus Männlein und Weiblein in den Sanitärgebäuden nicht in Bedrängnis bringt und wer es erkannt hat, dass dänische Gespräche und Unterhaltungen für „des Michels Ohren“ ein wenig lebhafter und vernehmlicher geführt werden, der ist in diesem Winkel unserer Erde gut aufgehoben.

Was andere können, können …

Beim nächsten Mal verzichten wir dann auf den „plads med havudsigt“ und buchen einen Stellplatz auf der grünen Wiese. Wir haben da schon einen ins Auge gefasst. Übrigens: am Sonntag ab 16.00 Uhr herrscht abrupt Grabesstille am Strand und auf den Wegen, denn auch die Dänen müssen am Montag wieder arbeiten. Zumindest außerhalb der Ferienzeit.

Kalvø

Die Kraftstoffvorratsanzeige (so der Bundeswehr Sprachgebrauch für Bezinuhr) zeigt nicht nur “Nichts” mehr an, sie schreit um Hilfe. Bevor wir nach Kalvø aufbrechen, sorgen wir für Abhilfe. Und siehe da, es sind doch tatsächlich noch „gute 3,5 Liter Diesel an Bord“! Warum die Aufregung?

Muss man mögen. Und wenn, dann …

Eine Bucht neben unserem „Meerbusen“ liegt die Genner Bugt. Hier wollen wir uns den kleinen Ort, besser das kleine Fischerdorf, Kalvø ansehen. Es ist schnell erreicht und auch erkundet, so fahren wir weiter nach Haderlev. Hier findet sich seit Jahren am Teaterstien 2 der Imbiss „Grethes Pølser“. Für uns die erste Adresse, wenn es um Hot Dogs geht. Bevor wir in die Fußgängerzone zu „Imerco Home Butikker“ aufbrechen, hier haben wir schon vor Jahren unsere „yndlingsbutik“ (Lieblingsgeschäft) für Haushaltswaren entdeckt, heißt es allerdings „Hot Dog fassen bei Grethe!“ Wieder enttäuscht uns Grethe nicht und auch Imerco hat erwartungsgemäß „Dies & Das“ für den „Außenhandel“ nach Wiefelstede in den Regalen stehen.

Kalvø

Nach fünf Tagen in Dänemark heißt es für uns schließlich „Leinen los und Segel setzen!“ Es geht zurück nach usA (unser schönes Ammerland). Und wenn wir allein an den uns erwartenden Baustellenverkehr vor, um und hinter Hamburg denken, dann könnten wir sofort noch eine Woche Vikær Strand Camping dranhängen, aber auch dann werden sie immer noch auf der A7 „buddeln“.

Dänemark: Det er dejlig. (Es ist schön.)

“Auf Wiedersehen!”

Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Am 25. Mai 2018 ist die EU-weit geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für alle verbindlich. Bis dahin müssen Abläufe und Webweiten angepasst sowie Informationen ergänzt werden.

Grundsätzlich sind alle Vorgänge betroffen, bei denen personenbezogene Daten erhoben, gespeichert und verarbeitet werden. Andernfalls kann großer „Ärger ins Haus stehen“. Um diesen zu vermeiden, wurde mein blog überarbeitet und mit der DSGVO in Einklang gebracht.

Und was hat sich nun auf meinen Seiten geändert? Unter anderem wurde z.B. die Kommentarfunktion deaktiviert, weil sie eine Verarbeitung persönlicher Daten umfasst. Und sollte jemand bemerkt haben, dass sich das Schriftbild meines blogs leicht verändert hat, so ist dies eine Folge der im Interesse des Datenschutzes durchgeführten Änderungen.

Ich erspare uns nun die Debatte, wer uns das alles eingebrockt hat und freue mich weiterhin über zahlreiche, auch kommentarlose, Besuche unter www.ronald-stock.de

Kampftag der Arbeiterklasse – 1. Mai

Wir wissen, dass das Wetter am kommenden (1. Mai-) Wochenende mehr als bescheiden werden wird und starten trotzdem durch. Samstag bleibt es, wie es die unbestechliche Wettersoftware ankündigt, trocken. Am Sonntag setzt der Regen ein. Auch hier behält die meteorologische Internet-Weissagung Recht. Und da wir inzwischen in der Umsetzung solcher Wetterorakel bewandert sind, haben wir rechtzeitig reagiert und sitzen bei 13°C nahezu entspannt und ein wenig abgekühlt, unter der beizeiten schräggestellten Markise.

Die Sustrumer Brinkstraße. Ruhe herrscht im ersten Morgenlicht. – Und dann kommen die eiligen PendlerInnen …

Gleichmäßig fließt das Regenwasser von der Omnistor 5200 (Markise) ab, platscht auf die „Peggy Pegs“, einer Art „Bodenstation“ für die Stützen der Markise und flutet die Solarleuchte, die zu entfernen, ich vergaß. Letztere ist laut Herstellerangaben allerdings wasserdicht. “Ob es stimmt?” – Selbst ein einst renommierter Automobilhersteller mit Sitz in Wolfsburg versprach seinerzeit seiner weltweit übervorteilten Kundschaft, blitzsaubere Dieselaggregate zu liefern.

Ihm schwant nichts Böses. Warum auch?

Vor 30 Jahren weihte mich mein Schwiegervater in die Geheimnisse des Angels ein. Der passionierte Jäger verriet mir seine Tipps & Tricks, „den Fang des Lebens“ an den Haken zu bekommen. „„Leise sein“ ist dabei die Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu angeln!“, erklärte er mir.

Eines meines vielen Fotos von der Brücke am “Durchstich”

07.30 Uhr. Luna und ich kontrollieren das Ufer der Ems. Wir nähern uns den ersten bevorzugten Angelplätzen an der Brinkstraße. Schon von weitem hören wir russisch sprechende Petrijünger, die am gegenüberliegenden Ufer ihre Zelte aufgeschlagen haben. „Jede durch unüberlegtes Herumlaufen erzeugte, auch noch so leichte Erschütterung des Bodens wird einen Fisch vertreiben“, flüsterte damals mein Schwiegervater. Diese beiden Angler dagegen unterhalten sich lebhaft und laut, laufen hin und her und würden sie dabei noch singen, tanzen und Balalaika spielen, könnte man an einen vorzeitigen Frühschoppen denken.

Ist Angeln ein Sport? Oder Unterhaltung?

03.52 Uhr. Die Welt geht unter. Ein Gewitter mit allem, was eine solche Unwetterlage bieten kann, geht über dem Emstal nieder. Wir bekommen kräftig etwas auf´s Dach, denn Hagel schlägt auf das selbige, Blitze begleiten das emsländische Donnerwetter, das langsam in Richtung Haren davonzieht. Später hören wir in den Nachrichten, dass es leider auch zu einigen Brandschäden im Emsland kam. Wir waren durch das kenntnisreiche Internet rechtzeitig vorgewarnt und haben beizeiten „unsere sieben Sachen“ verstaut und die Markise eingerollt.

“Die Brücke am CP Emstal”

Als aufmerksamer Leser eines großen europäischen Camping-Magazins ist mir natürlich nicht entgangen, dass es seit kurzem ein elektronisches Stützsystem für Caravans gibt. Modelle bis zu 2,5t bringt diese Neuheit problemlos und „eine Evolutionsstufe voraus“, an dieser Stelle würde ich gern über die Auslegung und den Wortsinn des Begriffes Evolution philosophieren, per Fernbedienung in Position. Ab 1.390,00 Euro könnten auch wir Big B. schnell und ohne großen Aufwand umrüsten. Könnten wir, wenn ich nicht schon so ein irritierend-prahlerisches Empfinden bei der Nutzung unseres neuen Akkuschraubers zum Ausfahren der Stützen hätte. Und warum erwähne ich sie dann? Weil ich sie im Emstal an einem nagelneuen und bestausgestatteten Wohnwagen der Nomad-Klasse entdeckte. Leider zu spät, um diese „vorausgeeilte Evolution“ im Einsatz zu erleben, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Schwäne, Haubentaucher, Buchfinken, Enten! Um wen soll ich mich denn noch kümmern?

Ich muss mich beeilen, meine heutige Erzählung in den Laptop zu hämmern. Die beste aller Ehefrauen hat vor zwei Tagen „Ostfriesenblut“ geleckt (ein Kriminalroman des Autors Klaus-Peter Wolf) und steht, gemeinsam mit der Kriminalhauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, kurz vor der Auflösung des erbarmungslos-gewalttätigen Falles. Wir wollen zu unseren niederländischen Nachbarn kutschieren und ich habe noch nicht einmal die landschaftlich reizvollste Strecke herausgesucht. – Zu spät: der Fall ist gelöst! Es war, so viel sei verraten … nicht der Gärtner.

In Gedenken an Peter Lustig: Löwenzahn

Als alter Hollandfahrer lenke ich uns natürlich auch ohne große Vorbereitungen nach Winschoten. Walchum-Sellingen-Vlagtwedde-Winschoten. Nichts einfacher als das! Nur, der „alte Hollandreisende“ hat mal wieder nicht bedacht, dass am Montag fast alle Geschäfte in den Niederlanden erst ab 13.00 Uhr öffnen. Und da schaut man dann um 11.30 Uhr ganz schön dumm aus der Wäsche. Auch wenn mir dies zum wiederholten Male widerfährt, ich bin mir sicher, es war nicht das letzte Mal.

“Kannst´ mir mal ´nen Euro pumpen?”

Nun ist das Wetter nicht gerade so einladend, dass wir die 1,5 Stunden bis zur Ladenöffnung warten wollen. Aus lauter Verzweiflung und damit wir wenigstens ein wenig Beute mitnehmen können, kaufen wir bei Aldi in Winschoten „Oud Hollandsche Koffiekoek“ und „Heerlijck Banket Stroop Wafels Met Roomboter Bereid“. Letztere haben „nur“ 183 kcal pro Keks (40g). So lohnt sich unser Besuch schon allein hinsichtlich der in Aussicht gestellten „Energiezufuhr“. Und auch die „Koffiekoek“ sind nicht ohne, denn sie bringen es pro Keks (19g) ebenfalls auf gehaltvolle 93 kcal.

Wildkamera. Und wenn die Batterien ok gewesen wären, dann hätte sie auch Bilder gemacht …

Es beginnt zu regnen und wir eilen zu unserem Auto und aus der Stadt. Dass auch der Winschotener Fischhändler mit dem leckeren Bratfisch nicht geöffnet hat, versetzt uns einen weiteren moralisch-kulinarischen Tiefschlag.

Panorama. Nein, nicht das älteste deutsche Politmagazin. Einfach einmal schöne Aussichten

Wir fahren über Bourtange zurück in Richtung Dörpen. „Die Beste“ googelt fleißig nach „lecker Fisch und -lokal“. Leider wird ihr aber einzig ein Restaurant in Papenburg empfohlen. Nur liegt Papenburg schon gar nicht an oder auf der Route unseres Rückweges und auch nicht in den Niederlanden. So sitzen wir dann in der Walchumer Hauptstraße 6 in einem sehr gepflegten und sauberen Imbissbetrieb und essen „lecker Currywurst mit Pommes rot/weiß“. Beim Blick in die Karte entdecke ich hier niederländische Frikandel und Frikandel Spezial. Also, wenn es mal wieder nicht mit den holländischen Öffnungszeiten jenseits der grünen Grenze harmoniert, uns aber der Sinn nach etwas Niederländischem steht, hier wird uns geholfen. Dabei werde ich vor Ort fragen, was eine „Joppiesauce“ ist und mir vielleicht doch ein Diplomaten-Schnitzel mit Spiegelei oder den Dorf-Grill-Burger Spezial oder den XXL-Cheeseburger oder ein Hubertusschnitzel oder den Chefsalat mit Hähnchenfleisch bestellen. – [Nachtrag: „Joppiesaus“ ist eine Sauce aus Mayonnaise, Zwiebeln und Currygewürzmischung. Die (natürlich) aus den Niederlanden stammende Soße wird zu Pommes frites und verschiedenen Snacks gegessen. Als „Patatje Joppie“ bestellen sich die NiederländerInnen ihre „Pommes mit Joppiesauce“. (Quelle: wikipedia)]

Ich ging im Urwald vor mich hin, wie schön, dass ich im Urwald bin. Und an den Bäumen, Blatt für Blatt, hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat! (Heinz Erhardt)

Auch wenn das Wetter rund um den “Tag der Arbeit” nicht so wollte, wie wir es uns gewünscht hätten, es war wieder sehr erholsam und schön in “unserem” Emstal. Inzwischen wächst der Kreis der Camper, die wir “besser als nur flüchtig kennen”, beständig. Und die “(Reise-)Geheimnisse”, die wir bekommen und austauschen, sind eine große Bereicherung für unsere nächsten “Fahrten mit dem Fluchtfahrzeug”.

Zwischen Kirschlorbeerhecken

… haben wir mit unserem Big B. noch nicht gestanden. Wo kann man diese Erfahrung besser machen als in … Na, wo wohl?

06.15 Uhr im Emstal. Noch einmal umdrehen und das lange Wochenende genießen, wäre eine Möglichkeit, den Tag zu beginnen. Die Alternative dazu bietet mir das Paar bernsteinfarbener Augen, das mich durch die Bettdecke hypnotisiert und mir unmissverständlich sagt: „Aufstehen!“

Die “Piste” der Brinkstraße zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal. Hier demonstrieren “Gladiatoren der Landstraße” hin und wieder ihr fahrerisches … Unvermögen

Schlaftrunken taumele ich dem Frollein hinterher. An diesem noch jungen und ebenso frischen Morgen fällt es mir schwer, „die Spur zu halten“, denn Luna treibt es, mich im Schlepptau, an die Ems. Klar, wohin sonst? Schließlich ist es ja auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her, dass wir hier waren. – Es sind mindestens zwei Wochen vergangen.

„Na, seid ihr auch alle da?“ – Ich habe keine Chance. Am Ende der Leine stolpere ich hinter der suchenden und „begrüßungsfreudigen“ Kleinen Münsterländerin durch das Emstal. Der Mäusebussard dreht seine Runden, die Stockenten stoben aus der Uferböschung, ein Grünspecht verspottet mich mit seinem lachenden Gesang, die Nutria taucht im Seitenarm der Ems ab und scheint sich so ihre Gedanken über dieses zügellose Duo zu machen. Ich glaube, ein niederträchtig-höhnisches Gelächter aus ihrer Richtung zu vernehmen.

Nicht seltsam, aber sehr kühl im Nebel zu wandern

An der Badestelle erwarten uns zwei Austernfischern. Sie scheinen meine Fotos der Teichmuscheln, die ich bei unserem letzten Besuch machte, im Internet gefunden zu haben. Drei Nilgänse zählen ebenso zu den Neuankömmlingen im Zweistromland zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal.

Inzwischen bin ich wach und habe souverän die Führung übernommen. Wir nähern und der Schleuse in Düthe und kehren zurück zum Emstal Camping. Auf der Brinkstraße kommt uns gegen 07.00 Uhr die „Quotenraserin“ entgegen. Mit ihrem kleinen italienischen 500er Matchbox-Auto schlägt sie in allerletzter Sekunde einen Haken um das Frollein und mich und saust in Richtung Fresenburg davon. Sicherlich ist sie Lehrerin oder Kindergärtnerin und wird am heutigen Morgen ihren Schützlingen die Gefahren des Straßenverkehrs anhand ausgewählter Fallbeispiele darlegen. Es wird ein anschaulicher Unterricht werden. – Eines Tages wird sie in ihrem mediterranen Schuhkarton vor meinem Auto stehen. Ich werde nichts sagen, mir nichts anmerken lassen, aber dann: „Zack!“, werde ich das Gebläse des „Rüsselsheimers“ auf Maximum aufdrehen! Oder die Scheinwerferwaschanlage auf „Fluten“ einstellen! – „Sie wird schon sehen, was ihr das heutige Manöver eingebracht hat!“

Und das war am Freitag nur der Anfang

Es mag die Allergietablette gewesen sein, die ich einnahm und die mich den ganzen Tag in den Isabella (Campingstuhl im „Original Danish Design“) zwang. Kaum saß ich, schlief ich. Und träumte von Nutrias, Enten, weißen Fiat 500 und, wie seltsam, von einer Scheinwerferwaschanlage in deren Fluten Kleinwagen davongerissen wurden, um schließlich darin zu versinken.

19.00 Uhr. Die beste aller Ehefrauen steht vor uns. Auch sie hat Wochenende. Wir Grillen. Dabei trinken wir Jever Pilsener. Friesisch-herb, alkoholfrei und auch nicht. Wer nun welches Jever trinkt, wird nicht verraten. Und es gibt Rispentomaten: Ein Geschenk der freundlichen Platznachbarin. – Na, das is(s)t doch was, oder?

Immer wieder ein anderes Bild bietet sich an der Ems / dem Dortmund-Ems-Kanal

06.30 Uhr. Luna hat ausgeschlafen und meldet sich zu Wort. Sie muss nicht müssen. Weder noch. Bei diesem morgentlichen Ritual geht es ihr rein und allein um die „Runde an der Ems“. – Und ich habe wieder das große Los gezogen!

Es ist noch etwas kühler als am gestrigen Morgen. Deshalb habe ich auch heute die Jacke im Big B. gelassen. Eigenes Verschulden. In der aufgehenden Sonne lässt es sich ganz gut aushalten, aber wenn wir in eines der kleinen Nebelfelder am Dortmund-Ems-Kanal geraten, dann heißt es: „Schritt aufnehmen!“ Und sehen, dass wir durch die „Kaltfront“ kommen.

Am Sustrumer Sielgraben

Seit wir am Freitag die Thule Sun Blocker an der Markise aufgezogen haben, fragen immer wieder Interessierte nach, wo es die denn wohl gäbe. Komisch, wir fahren seit zwei Jahren mit den „Vorhängen“, die wir auch als Rain Blocker „im Sortiment“ haben, durch die Gegend und treffen immer wieder auf Nicht-Eingeweihte. Erste Gedanken an eine mobile Thule Rain-/Sun Blocker Vertriebsstelle kommen mir in den Sinn. Und schnell verfliegen diese wieder. Ich bin doch nicht der „König von Thule“. So, nun konnte ich diese Wortspielerei auch an die LeserInnen bringen. Aber ich will noch kurz bei der Sache bleiben: die Sunblocker scheinen gefragt zu sein. Inzwischen kosten sie beim Campingausstatter Fritz B. und einem niederländischen Vrijetijdsmarkt in Winterswijk je nach Ausführung und Modell zwischen 77,00 und 177,00 Euro. Uih, da haben wir ja noch einmal Glück gehabt! – Obwohl … wir brauchen noch ein Seitenteil, das inzwischen 139,00 Euro kostet.

05.45 Uhr. „Nein, Luna!“ 07.30 Uhr. „Ok, wir ziehen los.“ Diesmal mit wärmender Jacke, aber aus Rücksichtnahme auf die Nachbarn will ich die Autotür nicht “knallen” und marschiere in Latschen und natürlich ohne Socken mit dem Frollein in Richtung Sustrumer Sielgraben. Die “dicken Botten” bleiben im Auto. Auf der Brücke an der Brinkstraße begegnet uns das erste und einzige Auto an diesem Morgen. Schrittempo und ein freundlicher Gruß. Der Fahrer scheint mit der verwegenen Fiatpilotin vom Vortag weder verwandt, noch verschwägert zu sein.

Nicht über sieben, sondern nur über eine Brücke musst Du gehen …

Ohne Socken und in „Crocs“ läuft es sich auf der Brinkstraße und dem landwirtschaftlichen Weg zum Sielgaben um kurz nach ½ 8 noch relativ gut. Dies ändert sich dann blitzartig im fast kniehohen Gras entlang des Grabens in Richtung Ems. Innerhalb weniger Minuten spüre ich meine Zehen nicht mehr, die Durchblutung meiner Waden scheint wenig später aussetzen zu wollen und nach einer Viertelstunde erwarte ich die ersten erfrorenen Extremitäten. Doch so weit soll es dann nicht kommen: Luna hat sich für eine der vielen Fährten (Hase?) entschieden und schleift mich in leichter Seitenlage mehr hängend als liegend mitsamt meiner durch die Bodenwellen beständig in die Höhe geschleuderten Kamera durch das feuchte Gras. Auch eine Art, wach zu werden! Es gelingen mir dennoch zwei lohnende Schnappschüsse des meine Schleifspur kreuzenden Rehwildes.

Die Entschädigung für “tiefgekühlte” Füße

Während die beste aller Ehefrauen ein Modehaus in Lathen aufsucht, nutze ich die Gelegenheit, um im Baufachmarkt Schlichter nach dem Rechten zu sehen: Ja, es ist alles in Ordnung. Die Regale sind gut gefüllt, das Sortiment groß und wie gewohnt, qualitativ hochwertig. Eisenwaren, Elektromaschinen, Werkzeuge und Gartengeräte warten aufgereiht in Reih´ und Glied auf ihre neuen Meister. Die Zeit vergeht im Nu und ich mache mich auf den Weg zurück zur Kirchstraße, um die „Beste von allen“ abzuholen. Meine Kleidung: Bergstiefel (heute: outdoor Schuhe), bestens geeignet für Expeditionen bis über 8000 m, extreme Hochtouren in kombiniertem Gelände und anspruchsvolle Westalpentouren sowie die kurze Arbeitshose (heute: e.s. active shorts) mit Sicherheitstasche, Hammerschlaufe, Zollstocktaschen, Stiftefächern und Pattentaschen mit Klettverschluss scheinen nicht ganz dem Chic eines modebewussten Kunden des Hauses zu entsprechen. Ich werde (wirklich!) sehr freundlich begrüßt, aber doch mit gewissem Argwohn betrachtet. – Warum nur?

Natur pur! – Wir haben sie einmal mehr und ohne vorherige Verabredung im Emstal erlebt. Dabei nette Menschen kennengelernt, an dieser Stelle: „Viele Grüße an den unteren Niederrhein!“ und freuen uns nun auf die nächste Fahrt „mit Sack und Pack“ ins emsländische Zweistromland.

Die Untermieter sind zurück

Die Wildkaninchen waren in den vergangenen Jahren hartnäckig, das Rehwild eher vorsichtig. Seit unser “Frollein” mehr wach und konzentriert, als höflich-zuvorkommend den Garten überwacht, zogen es die Rehe in den letzten beiden Jahren vor, das Weite zu suchen. Nun sind sie wieder zurück. – Und Luna kontrolliert wieder regelmäßig “ihr Grenzgebiet”.

“Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, …” (“Der Taucher”, Friedrich von Schiller)

Osterausflug 2018

Ostern 2018. Unser offizieller Saisonstart. Wir fahren nach Schleswig-Holstein. Wir haben reserviert. Rechtzeitig und telefonisch. Das „Zugpferd“ war zur Inspektion in der Werkstatt unseres Vertrauens. Big B. ist erfolgreich hauptuntersucht, auf Dichtigkeit inspiziert und auch seine Gasanlage wurde auf Herz und Nieren geprüft.

Wir heben ab: Saisonstart 2018

Die Außentemperatur konzentriert sich auf und um den Gefrierpunkt und beabsichtigt auch nicht, diese Region in absehbarer Zukunft zu verlassen. So deute ich das nicht unbedingt sanft rüttelnde „Nebengeräusch“, das uns seit unserer Abfahrt vor fünf Minuten begleitet, als „frostige Materialunbeweglichkeit“ des Caravans. – Eine eiskalte Fehleinschätzung.

Ostern 2018 begann ein wenig “verfremdet”

Technischer Halt an der nächsten Bushaltestelle: Ich habe das Bugrad vergessen! Nachlässig festgesetzt nimmt es immer wieder Bodenkontakt auf und läuft dabei selbstverständlich heiß. Es erhitzt sich über und angesichts meiner Achtlosigkeit so stark, dass sich die Nabe auflöst und sich das „Innenleben“ des Rades in seine Bestandteile zerlegt. – „Wie kann man nur?“, schüttelt der erfahrene Camper sofort und ungläubig sein weises Haupt. „Ja?“, das überlege auch ich und versuche diese vorwurfsvolle Anfrage kleinlaut mit: „Hier siegte die Vorfreude auf die erste große Ausfahrt über die Sorgfalt“, zu beantworten.

Hernia umbilicalis. “Nabelbruch”

Schnell haben wir einen „Plan B“ parat und lassen uns durch das nahezu dahingeschmolzene Bugrad nicht aufhalten. Dafür sorgt schon bald ein unfallbedingter Stau auf der A1 bei Stuhr. „Von drei auf zwei auf eins.“ Es wird immer enger auf der BAB und die Zeit, sie rennt im Sauseschritt. Um 13.00 Uhr ist Mittagsruhe am Elbe-Lübeck-Kanal. Es sieht so aus, dass wir bis 15.00 Uhr warten werden müssen, um auf den Platz zu kommen. In Hamburg-Stillhorn wird diese Befürchtung wegen „Überfüllung“ der BAB immer wahrscheinlicher und auf der A24 bei Schwarzenbek/Grande im zähfließenden Verkehr zur besiegelten Tatsache.

“Immer mit der Ruhe!” – Diese beiden hatten sie weg

Mein vollkommen unsinniger Fluchtversuch von der A24 an der Anschlussstelle (AS) 6 endet „in the middle of nowhere“. Nach einem abenteuerlichen Wendemanöver an und um die Kirche in Möhnsen, stellen wir uns an eben dieser AS 6 wieder hinten an, ergeben uns in unser bevorstehendes Schicksal und stehen weit mehr als eine halbe Stunde zu spät in Güster vor der vorübergehend verschlossenen Schranke zur Freizeitwelt.

Es ging Ostern zwar nicht um die Wurst, aber …

Widrige Umstände „überzeugen“ uns dann davon, unsere Pläne für Schleswig-Holstein um 14.17 Uhr zu verwerfen. „Nicht für immer, wir kommen wieder!“ – Dies ist dann aber der Moment, da „Plan C“ ins Spiel kommt. Er lautet: „Emstal!“

Fiete, acht Monate, sehr niedlich und aus dem Norden Nordrhein-Westfalens

Nach knapp 10 Stunden Fahrt, Stau, stockendem Verkehr, der Prozession durch vier Bundesländer (Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein), 578 Kilometern und einem für 1,46 €/L Diesel „Volltanken, bitte!“ auf der A28 an der Tankstelle/Raststätte Hasbruch, stehen wir um 18.45 Uhr in Sustrum auf dem CP Emstal. Wir bekommen einen „so-wie-du-reinfährst-kannst-du-auch-wieder-rausfahren-Platz“ für unseren „flügellahmen“ Big B. und Herr Sandker weiß Rat und hat Rad. Ein Bugrad, das er uns freundlicherweise ausleiht. Schnell sind alle Verkehrsstörungen dieses Karfreitags vergessen.

“Unser” Kompetenzzentrum an der Brinkstraße

Über Düthe und Fresenburg fahren wir nach Lathen. Mir ist kein Weg zu weit, wenn es darum geht, der besten aller Ehefrauen eine all-in-one Lösung für die Kontaktlinsen zu besorgen. In Lathen angekommen, entscheiden wir, der vorösterlich stark belasteten Verkehrssituation gehorchend, dass „die Beste“ ihre all-in-one-Flüssigkeit, unvermittelt und mühelos aus dem Auto gleitend, persönlich, also unter vier Augen, beim Optiker erwirbt und mir die äußerst heikle Parkplatzsuche überlässt. – „Welch´ Glückes Geschick!“ Der örtliche Baumarkt Schlichter liegt rein zufällig „um die Ecke“ in der Bahnhofstraße 14-18. Nur er verfügt über gebührende Gelegenheiten, ein Fahrzeug korrekt, gefahrlos und geschützt abzustellen.

Auf und an der Ems ist irgendwie immer etwas los. Die Isabel legt sich in die Kurve

Viel zu früh findet mich meine Gemahlin in der Werkzeugabteilung der GmbH & Co. KG. Gerade vergleiche ich das reichhaltige Angebot an Akku- und Schlagschraubern, Bohrmaschinen und Winkelschleifern, die mir ein verantwortungsbewusster Verkaufsrepräsentant, der meine handwerklichen Fertigkeiten kennt, niemals aus freien Stücken und unbeaufsichtigt an die Hand geben würde. Ich habe Mühe, den so lange und schmerzlich vermissten 1000 Kg Scherenwagenheber und das unbedingt benötigte Universalschmierfett sowie die neue, Ton in Ton gehaltene Kehrgarnitur „Profi“ mit der Rechten zu halten. Da steht die beste Ehefrau unvermittelt neben mir. Sie lacht. Sicherlich freut sie sich über die neue all-in-one-Lösung. Oder war es dann doch die befreiende Freude und ersehnte Errettung durch den entsetzt-fassungslos herbeirennenden Angestellten des Schlichter Baumarktes, der sein Werkzeugsortiment vor mir schützen will?

Wenn früh am Morgen …

Zurück im Emstal werden die Kontaktlinsen gepflegt und „neu eingelegt“. Das alte Kontaktlinsenbehältnis wird in einen dieser großen, grauen Container entsorgt und fortan nimmt ein neues Modell seinen Platz im Big B. ein. Ostersonntag 10.45 Uhr. Ein nicht näher genannt werden wollender Camper taucht in die Restmüllcontainer an der Brinkstraße ab. Hin und wieder zieht er sich am „Beckenrand“ hoch, schnappt nach Luft, um dann wieder in einer Woge aus weißen Mülltüten zu verschwinden. Warum? Er sucht nach Kontaktlinsen, die die beste aller Ehefrauen versehentlich mit dem ausrangierten alten Behälter dem Recycling zugeführt hat. Betroffen bis irritiert blickenden Gästen erklärt dieser Tauchsportler mit gesenktem Kopf und dabei eine Hand vor seine Augen haltend, er wolle sein Taschengeld durch die Suche nach Pfandflaschen aufbessern. – Nur Herr Sandker und ich kennen diesen „Wassersportler“ persönlich.

Es gibt da diese gewisse Stunde an der Ems …

Sobald wir nach dem Aufwachen auch nur zwei Worte wechseln, steht das Frollein vor unserem Bett und macht sich, falls wir sie ignorieren, durch ein leises, aber nachdrücklich-unmissverständliches Knurren bemerkbar. Übersetzt heißt dies: „Auf geht´s! Der frühe Münsterländer fängt den Wurm!“ Da Luna immer noch nicht die Uhr lesen kann, ist es ihr auch relativ einerlei, welche Stunde der Sustrumer Big Ben geschlagen hat. Hauptsache es geht los. – Und zwar sofort.

Noch so eine “blaue Stunde”

Bei sportlichen -0,8°C finde ich uns am Ufer der Ems wieder. Noch hängt der Rauch des bereits vor zwei Tagen erloschenen Osterfeuers uns entgegenkommend in der Luft. Beleidigt, fast erniedrigt, trabt das Frollein neben mir. Wir schreiben den 2. April. Brut- und Setzzeit: Leinenpflicht in Feld, Wald und Flur bis zum 15. Juli. Nur die Ruhe, wir werden eine vertretbare und gelöst-erträgliche Leine-los-Lösung finden. Und schon bietet sich die erste Gelegenheit: ein Stockente scheint sich drei, vier Meter vom Ufer entfernt, gleichsam des Lebens überdrüssig, ertränken zu wollen. „Luna, voraus zur Rettung!“ Kometengleich prescht das Frollein voran und kann die Ente in letzter Sekunde von ihrem Versuch, freiwillig aus dem Leben scheiden zu wollen, abbringen. Erleichtert und dankbar quäkend hebt diese ab und fliegt davon.

Kein Foto vermag es, diese “gewisse Stimmung” 1:1 wiederzugeben

Als wir uns der Stelle nähern, an der wir vor weinigen Tagen auf drei Nutrias stießen, ist Luna längst wieder an der Leine. Nutrias „sind nicht ohne“, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob das Frollein es nicht doch mit den drei Musketieren aufnehmen würde.

“Angeln: stundenlang geduldig an einem Fleck lauern, bis man nichts gefangen hat.” (unbekannt)

Vor dem in der Mittagsruhe einsetzenden leichten ostermontäglichen Regen haben wir bereits unsere Siebensachen gepackt und verstaut. Die beste aller Ehefrauen fahndet noch gemeinsam mit der Hauptkommissarin Kathrin Klaasen nach dem „Ostfriesenkiller“ (Anm. ein Kriminalroman des Autors Klaus-Peter Wolf), Luna liegt unter „ihrem“ Tisch und lässt den letzten Ems-Spaziergang dieser Reise noch einmal Revue passieren und ich hypnotisiere durch die Scheibe des Backofens den dort garenden original bayrischen Leberkäse. Sie sind lese- und abenteuerhungrig. Ich mal wieder ausgehungert.

“Schon wieder ein Ente in Lebensgefahr?”

Inzwischen ist das „überhitzte“ Bugrad gegen die freundliche Leihgabe ausgetauscht. Ich habe es tatsächlich ohne größere Flurschäden anzurichten und Blessuren an Leib und Seele geschafft! In der kommenden Woche werde ich ein neues, höchstwahrscheinlich thermostabiles, Rad besorgen und dann in einem euphorischen Freudentaumel feststellen: „Das Emstal ruft! Die rollende Leihgabe muss zurückgegeben werden!“ – Ich habe auch schon einen sehr interessanten Reiseweg ins Auge gefasst: Wiefelstede-Hildesheim-Amsterdam-Papenburg-Sustrum. Schließlich gilt es die österlichen 578 Kilometer zu übertreffen. – Keine Sorge! Ich schaff´ das!

Auch sie brauchten keinen Termin mit der Natur zu vereinbaren

Saisonstart 2018

Dichtigkeitsinspektion, Gasprüfung und Hauptuntersuchung erfolgreich bestanden! – Drei gute Gründe, Big B. nach diesem “Prüfungsstress” zu belohnen.

Campingplatz Emstal. Die ersten naturverbundenen Gäste ließen zum Saisonstart nicht lange auf sich warten

Und so fahren er und ich “allein zu zweit” ins Emsland und lassen im Zweistromland zwischen Dortmund-Ems-Kanal und der Ems die Seele(n) baumeln.

Für den “Freisitz” unter der Markise war es noch zu “schattig”, aber das wird sich ändern

“Die linden Lüfte sind erwacht, sie säuseln und wehen Tag und Nacht, sie schaffen an allen Enden.” – Ludwig Uhland (“Frühlingsglaube”).

Ems und Dortmund-Ems-Kanal begegnen sich in Sustrum

In Sustrum säuseln diese linden Lüfte bei bis zu 2°C über das Land. Auch der sonntägliche Wechsel auf die “befohlene” Sommerzeit hat vorläufig keinen positiven Einfluss auf die sanft wehenden Frühlingslüfte.

Fischer Fritzes Fischerboot?

Doch was kümmern uns Temperaturen und Windverhältnisse: wir sind wieder “auf Achse”. – Allein das ist es, was zählt.

Da! Der Beweis! Justin Biber war hier. – Denkste ….

Früh am Morgen lege ich mich einmal mehr auf die Lauer und hoffe auf ein Treffen mit “Justin Biber”. Erste frische Indizien lassen mich auf eine Begegnung hoffen.

Eine Nutria auf Patrouille

Ich entdecke eine Stellvertreterin am Ufer der Ems und freue mich über dieses Zusammentreffen.

… und beim Frühstück

Na, wenn es in dieser Saison fotografisch so weiter geht, bin ich (durch das) objektiv gesehen, mehr als zufrieden.

Winterruhe der Natur

Ich schreibe lieber “Winterruhe”, als einmal mehr von Frost zu sprechen. Dennoch lässt sich nicht verhehlen, dass es heute morgen mit -1,6 °C recht “prickelnd” am Hörner Diek war.

Eine der drei “aufgeständerten Konstruktionen” (Brücken) im Bereich des Hörner Dieks

Ostwind. Nicht der Wind auf dem Saturnmond Titan, sondern ein aus östlichen Richtungen kommenden Wind, sorgte heute für einen dementsprechenden “wind chill factor”, den Luna und ich bereits vor unserem Start in den Morgen, mit der fast jedem geläufigen Gleichung Twc = 13.12 + 0.6215 · T – 11.37 · Vw0.16 + 0.3965 · T · Vw0.16 berechnet hatten.  – Kurz: es war ar … ktisch kalt.

Grenzenlos optimistisch haben wir bereits Big B. aus dem Winterschlaf geweckt und sind immer noch so positiv gestimmt, am kommenden Wochenende aufzubrechen. Wohin? Na, da lassen wir uns einmal überraschen!

“Er” bestand darauf, dass wir die Heizung einschalten. 18°C haben wir ihm gewährt

-11 gefühlt -17

-11°C und 51% Luftfeuchtigkeit. Ostwind!

Dog-Walker-Highway No 1: der Wiefelsteder Kuhhornsweg

“Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl.” – Andreas “Andy” Möller, ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger -trainer.

Wir hatten heute morgen ein Gefühl von -17°C! – Es dauert sehr lange, bis ich beide Hände in den Jackentaschen vergrabe. Heute morgen habe ich sie gar nicht erst aus den Taschen genommen.

Eigentlich schade, dass Fotos keine Außentemperaturen erleben lassen

Der Ostwind bescherte uns vom Möllerschen Feeling her ein äußerst schneidiges Erlebnis. Da war es auch kein Trost, dass die Regenwahrscheinlichkeit heute bei nur einem Prozent lag.

Frühe

“Im Osten graut’s, der Nebel fällt,
Wer weiß, wie bald sich’s rühret!”
(aus: “Frühe” – Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff )

Fast unauffällig fügt sich die auf die Eisfläche geworfene Flasche in die pausierende Lachmöwenschar ein. Hier erkannte jemand, was der Natur an den Regenrückhaltebecken fehlt …

Es erübrigt sich, zu berichten, dass wir heute morgen wieder einmal den Hörner Diek “heimgesucht” haben.

Erste Anwesenheitskontrolle an der Bäke: “… vier, fünf, sechs! Ja, alle da!”

An vertrauter Stelle trafen wir auf den Graureiher, die Enten erwarteten uns bereits im Schilfgürtel, nur der Eisvogel wollte sich noch nicht zeigen. – Vielleicht war´s ihm zu eisig?

(Fast) “Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …” [Johann Wolfgang Goethe – “Vom Eise befreit …” (Monolog des Faust)]

In der Ferne sahen wir Günter und Falk ihre Runde drehen und das “Frollein” war u.a. sehr damit beschäftigt, für “Ordnung” an der Uferböschung der Funktionsbecken zu sorgen.

"Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt." – Georg Christoph Lichtenberg