De Pingsttour

„To Pingsten, ach wie scheun“ ist wohl eines der bekanntesten Lieder des „St. Paulianer Jungen“ Heinrich „Hein“ Köllisch (1857-1901). Seinem 1894 eröffneten Lokal, einem „Pläseerlokol“, wie man es damals nannte und das er auf dem Hamburger Spielbudenplatz betrieb, gab er den Namen „Köllisch´s Universum“. Nun habe ich Hein natürlich nie persönlich kennengelernt, aber mein Großvater kannte alle seine Lieder: „„De Pingsttour“ von Heinrich Köllisch“. So kündigte er stets diesen plattdeutschen „Schlager“ an, wenn er ihn zu den verschiedensten Anlässen spontan vortrug. Er, Jahrgang 1898, kannte alle Köllischen Lieder auswendig. – „To Pingsten, ach wie scheun, wenn de Natur so greun, un all´ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!“

Ems. Sielgraben Sustrum II. Meine gefühlte 1001. Aufnahme  an dieser Stelle

Es liegt auf der Hand, dass mir dieses Lied zu Pfingsten immer wieder in den Sinn kommt. Ich höre meinen Opa singen, erinnere dabei sein verschmitztes Lächeln, wenn die besungene Pfingsttour auf Grund einer plötzlich einsetzenden, sehr ungünstigen Wetterlage so gründlich ins Wasser fällt und denke: „Dat is een wohre Freid!“

Eine Sumpf-Schwertlilie, auch Wasserlilie genannt

Eine wahre Freude ist es auch, wieder einmal im Emstal zu sein, im neuen, diesmal 100%ig aufgebauten Kampa-Vorzelt zu sitzen und während mich Luna „bewacht“, sie hat ihren Kopf auf meine Füße gelegt, diese Zeilen zu schreiben. Die Sonne strahlt am Himmel, die Gäste auf dem Campingplatz eifern mit ihr um die Wette und gleich werden wir gemeinsam mit der „Besten von allen“ zu einem Gang entlang der Ems aufbrechen. – „Mensch , was willst Du mehr?“

Ein Blick aus einem Seitenarm der Ems

„Es gehört sich nicht bei manchen Dingen zu sehr ins Detail zu gehen. Doch ich erlaube mir eine Ausnahme: Duschen“, schrieb ich vor einigen Tagen. Und nur ein letztes Mal will ich lästern: Heute morgen traf ich den Terminator. Er muss es gewesen sein! Gleich nebenan, eine Duschkabine weiter, pflegte er seinen Astralkörper unter den aus den Düsen eines angsterfüllten „El Gordos“ heraussprudelnden Fluten. Ich habe den Terminator nicht gesehen. Keiner könnte so maskulin duschen wie er: Rumms! Die Tür wird erbarmungslos in die Schlösser gezwungen. Peng! Die Duschutensilien, sicherlich Scheuerpulver in gröbster Körnung, eine Stahlbürste und weitere kosmetische Arbeitsgeräte, wie Topfreiniger und Stahlwolle, die nicht fehlen dürfen, werden männlich abgelegt. „Wasser marsch!“ Eine bis dato sehr höflich schaffende Armatur verliert all ihr Selbstbewusstsein und steht dem Terminator unterwürfig zu Diensten. Zum Abschluss lässt es sich „Arnie“ nicht nehmen, noch einmal so richtig „tiefgründig sein Näschen zu schnauben“ und … – Hier gebieten meine Manieren einer weiteren Schilderung Einhalt. Der Terminator. Er muss es gewesen sein.

Kirche in Steinbild. St. Georg

Europas großes Camping-Magazin testet und vergleicht in seiner diesjährigen Mai-Ausgabe Campingstühle. Da mich permanente Tests von Plug-in-Hybrid SUV, der heutige „mit der Kraft der drei Herzen“ (Benziner, Front-E-Motor und Heck-E-Motor) nun so gar nicht interessieren, suche ich nach unseren Isabellas. Auf Seite 41 finde ich „Loke“. „Ein hochwertiger Stuhl mit kleinem Schönheitsfehler: große Schraube sichtbar“ (Zitat Caravaning). Ja, das geht ja nun gar nicht! Dieser Stuhl ist durch eine sichtbare große Schraube missgestaltet! Und er knirscht beim Aufbau! Schnellstens klappe ich die „Verlierer“ zusammen, verstaue sie vor ihrer nun unwiderruflichen Entsorgung im verborgensten Winkel des Caravans und hoffe, dass niemand unseren bestürzenden Fehlkauf entdeckt. Seitdem stehen wir im Vorzelt. – Brauche ich solche Tests? „Nein.“

Die MS Springer. Sie “stand schon in der Zeitung”: Westfälische Nachrichten, 2012. “Zwangspause im Eis: Kanäle frieren zu – Schiffe liegen fest”

Komisch. Immer wenn wir unsere Runde Emstal-Steinbild-Düthe-Emstal drehen, treffen wir Georg um 11.55 Uhr. Ich spreche in Rätseln. Die Kirche in Steinbild ist die St. Georg Kirche. Ihre Turmuhr zeigt tatsächlich jedes Mal „fünf Minuten vor Zwölf“, wenn wir die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal überqueren. Nein, die Uhr steht nicht. Es ist reiner Zufall. Oder himmlische Fügung?
Siegfried Lenz war ein großer Schriftsteller. Seine Romane und Erzählungen begeisterten mich bereits als Schüler und nehmen heute ca. 1,50 m in meinem Bücherregal ein. Als stets „blanker“ Gymnasiast konnte ich mir diese Bücher zu einem Stückpreis von damals 30-35 Deutsche Mark aus dem Hoffmann und Campe Verlag nicht leisten. „Es gab sie seinerzeit auch als dtv-Taschenbuchausgaben!“ Ja, gab es. Aber Siegfried Lenz wurde und wird von mir nicht im „Maßstab H0“ gelesen. Hoffmann und Campe muss es schon sein.

Ein Seitenarm der Ems

Nach und nach habe ich heute fast alle Lenzschen Werke erworben. Dazu zählt auch das 2015 in 1. Auflage erschienene Buch „Gespräche unter Freunden“, das mir „die Beste von allen“ schenkte. Siegfried Lenz im Gespräch mit Schriftstellern, Literaturkritikern, Journalisten und Freunden. Ich bin heute davon überzeugt, dass Manfred Durzak, der sich 1976 mit Siegfried Lenz unterhielt, dabei eine ganz bestimmte, sich selbst inszenierende Rolle einnehmen wollte und werde, auch wenn es mir schwer fällt, dieses Gespräch von Anfang bis Ende aushalten und lesen, aber ich freue mich jetzt schon umso mehr auf die Unterhaltung mit Loki Schmidt aus dem Jahr 2008. Titel: „Eine Freundschaft“.

Der DEK (Dortmund-Ems-Kanal) bei Steinbild

Auch wenn meiner Klasse und mir keiner unserer Deutschlehrer bis zum Abschlussjahr 1977 Siegfried Lenz im Unterricht tiefgreifender vorstellte, so erinnere ich mich unwillkürlich an meine Deutschlehrerin Frau Gisela B. (1939-2014). Sie unterrichtete nicht nur das Fach Deutsch, sie war auch eine Künstlerin. Eine „richtige Künstlerin“: Geistreich, bildend, aufgeschlossen, kreativ, ideenreich, aufbauend. Mit ihr besuchten wir Kunstausstellungen. Und sie war es, die uns die Bertold Brecht Parabeln um „Herrn Keuner“ vorstellte. In einem ihrer Unterrichte hielt ich ein Referat über „meinen“ Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz. Zeitvorgabe: 20 Minuten. Ich brauchte die ganze 45minütige Unterrichtsstunde und die große, die heilige Pause von 20 Minuten. Niemand verließ den Klassenraum und trotz meiner eindeutigen Zeitüberschreitung stand Frau B., ihrer Unterrichtsstunde beraubt, auf und spendete mir Beifall. – Das hat nun nichts mit Camping, Caravan und „auf Achse sein“ zu tun, ist aber eine sehr schöne Erinnerung an meine Schulzeit und, ich gestehe, auch heute noch Balsam für meine Seele.

Kein Biber, aber eine Biberratte (Nutria)

Viele oder besser alle (weiblichen) Stechmücken scheinen den „BLV Tier- und Pflanzenführer für unterwegs“ nicht zu kennen. „Sie stechen vor allem in der Dämmerung und bei trübem, schwülwarmen Wetter“, heißt es dort auf Seite 326. Gut, vielleicht ist Culex pipiens (die Stechmücke) in ihrer Lektüre noch nicht so weit vorangeschritten oder sie kann doch nicht lesen. Auf alle Fälle spende ich der stechenden Damenliga dieser Zweiflügler bei meinen Streifzügen durch den Wald bei jeder Wetterlage und unter allen Lichtverhältnissen stets ausreichend „Säugerblut“. Auch das Frollein ist nicht begeistert. Unsere gefiederten Freunde bräuchten eigentlich nur mit geöffnetem Schnabel vor uns herfliegen und schon hätten sie Proviant für die nächsten zwei Tage gesammelt. Doch typisch, wenn man sie braucht, betreiben sie gerade Gefiederpflege oder singen von ihrer Warte.

Haubentaucher mit Jungem im Kielwasser

Wir verbergen uns in einer Wolke aus Stechmücken und warten am alten Seitenarm der Ems auf das, was da kommt. Auf der gegenüberliegenden Uferseite kontrolliert ein Trupp Stockenten die „Baumhöhlen“ unter den leicht über dem Wasser schwingenden Zweigen der Silberweiden. Diese sollen bis zu 200 Jahre alt werden. Na, ich bin darauf gespannt, sollte ich so um das Jahr 2200 noch einmal ins Emstal kommen, wie sie sich bis dahin entwickelt haben.

Luna hat den Kormoran längst im Visier

Wir werden belohnt. Ein Paar Haubentaucher macht das, was es so gut beherrscht: Es taucht 10 m vor uns auf. Obwohl wir uns mitten in der Brut- und Setzzeit befinden, führen sie keine Jungen. Heute beschäftigen sie sich mehr damit, nach kleinen Fischen und Krebsen im seichten Wasser der Ems zu suchen. Es ist schwer, sie mit der Kamera zu erwischen. Ich kniee auf den scharfkantigen Planken eines alten Bootsanlegers und stütze mich an einer „ehrwürdigen“ Bohle ab, um die Fotos nicht zu verwackeln. Der Steg kippelt und ich bin mir augenblicklich darüber im Klaren, dass ich sehr schnell den beiden Haubentauchern folgen könnte.

Navigationsgerät ohne GPS für die AHK

Luna interessiert sich nicht die Bohne für die beiden Wasservögel. Das ist sehr ungewöhnlich, denn meistens ist sie in solchen Situationen nicht zu halten. Vielmehr richtet sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Strauchwerk zu unserer Rechten. Nein, es ist nicht der Biber, dem ich schon seit Jahren auf der Spur bin. Es ist eine Biberratte, eine Nutria, die sie entdeckt hat. Vollkommen gleichgültig zieht diese an uns vorüber und zur Mitte des Seitenarms. Sie ist eine der wenigen, der es gelang, der Bestandspflege durch die örtliche Jägerschaft zu entkommen. Mit List und Tücke mag ihr dies gelungen sein, denn ihrer Größe nach zu urteilen, ist sie „ein alter Hase“.

Spätestens jetzt sollte die Maus ihren Rückzug antreten – Sie tat´s

Einen Abend später stelle ich fest, dass die Nutria nicht allein ist. Ein zweites Tier scheint am gegenüberliegenden Ufer sein Revier zu haben. Wie in stiller Absprache begegnen sich die beiden Nager in der Mitte des alten Seitenarms der Ems als sie „die Seiten wechseln“. Und die Nachwuchsfrage der Haubentaucher klärt sich am frühen Pfingstsonntag. Ich entdecke einen Vogel mit seinen zwei Jungen im Schilf an der Emstaler Badestelle. Während ihrer morgendlichen Unterrichtsstunde scheinen sie sich dem Thema Tauchen zu widmen. Jedenfalls gelingt es mir nicht, das Trio zusammen zu fotografieren. – Einer „fischt immer im Trüben“.

Sustrum ist eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Lathen im Landkreis Emsland/Niedersachsen

Wir sind sehr froh, dass wir nach längerer Pause wieder in „unser Emstal“ reisen können. Das alles ist natürlich nur möglich, da sich Familie Sandker im Vorfeld umfangreich und sehr gewissenhaft Gedanken gemacht hat und verantwortungsbewusst Vorkehrungen zu unserer aller Gesundheit traf. Die von ihnen erarbeiteten „Verhaltensregeln auf dem Campingplatz“ und „Sonderinformationen für den Aufenthalt“ sorgen dafür, dass wir einen erholsamen und sicheren Aufenthalt auf ihrem Platz verbringen dürfen. Diese Covid-19 geschuldeten Spielregeln einzuhalten ist Ehrensache. Wir hoffen, dass wir uns so „step-by-step“ bald wieder „zwangloser“ bewegen können.

Auf einer Frühlingswiese steht der alte Löwenzahn. Das Haupt ergraut, vom Wind umweht, wie Weisheit wider Wahn. (Horst Engel)

Wir freuen uns auf unseren nächsten Besuch in Sustrum, denn “Beim Abschied wird die Zuneigung zu den Dingen, die uns lieb sind, immer ein wenig wärmer.” – Michel Eyquem de Montaigne.

Himmelfahrt – 39 Tage nach Ostersonntag

Big B. hat seine behördlich vorgeschriebenen Prüfungen inkl. der Dichtigkeitsinspektion erfolgreich bestanden. Der Besuch beim Fendt-Händler verlief aus der Sicht des Caravans unkompliziert. Ich hätte mir vor Ort, die Covid-19-Krise und die damit verknüpften Hürden nicht aus meinem Bewusstsein verdrängend, ein wenig Kundenorientierung gewünscht.

An der Ems

Wir alle leben augenblicklich in der Zeit der Kontaktbeschränkungen, in einer virenbelasteten Zeit in der zu große menschliche Nähe nicht empfehlenswert ist. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn man mir bei der Abholung unseres Caravans ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt und nicht zwei Telefonate während unseres bereits begonnenen Gesprächs geführt worden wären.

Wir halten in dieser Zeit Abstand. Abstand im Sinne einer physischen Distanz. Freundlichkeit unterliegt meiner Meinung nach keinen Beschränkungen. – So, Schwamm drüber: Hauptuntersuchung und Gasprüfung sind abgeschlossen. Die vertragshändlergebundene Dichtigkeitsinspektion kann in und von jeder Fendt Werkstatt durchgeführt werden, sagt mir ein Brief aus Mertingen.

“Darth Vader” durch den “verregneten” Thule Sun Blocker gesehen

Inzwischen stehen wir an der Ems. Nach einigen Reihenfolgefehlern beim Aufbau gelingt es mir schließlich, Big B. auszurichten, aufzustellen, anzuschließen und sein äußeres Erscheinungsbild herzurichten. Die „Beste von allen“ sitzt längst gelangweilt im Caravan, den sie bereits eingerichtet und landfein gemacht hat. – „Ich will nicht drängen, aber es wird langsam dunkel, Herr Stock.“

Blick zur Brinkstraße

Luna ist hellauf begeistert. Seit unserer Ankunft im Emstal ist sie unaufhörlich mit einer Bestandsaufnahme beschäftigt: Welche bekannten Hunde sind vor Ort? Sind die Enten und Gänse gut über den Winter gekommen? Wie geht es den Nutrias an der Ems? Warum hat sich noch kein Reh gezeigt? Warum rufen die Fasanenhähne nur aus ihrer weit entfernten Deckung und verstecken sich? Diese Memmen! – Wir hoffen, ihre Fragen werden bald beantwortet.

Ein richtiges Fahrrad: Ohne E-Motor

Freitag, 22. Mai. Der Tag danach. Gestern war „Himmelfahrtstag“. Hier und da ließ sich schon einmal eine voll des süßen Mostes berauschte Seele vernehmen, aber die eigentlichen „Himmelfahrtskommandos“ blieben aus. Es ist müßig, es erneut zu erwähnen, aber auch hier hat Covid-19 seine Viren im Spiel. Und vielleicht waren es auch die 31°C, die uns am Nachmittag in den Schatten trieben.

Die Nachbarn aus “DU”

„Warum haben wir kein Wasser mehr an Bord?“ Die Pumpe pumpt „ins Leere“, der Wasserhahn möchte, kann aber nicht. Sein gequältes „Würgen“ sagt uns, dass er könnte, wenn er hätte. Aber es geschieht nichts. 25 Liter Wasser wurden über Nacht entführt. Nein, wurden sie natürlich nicht! Wenn das Ablassventil der Therme auf „Entleeren“ steht, dann wählt das nasse Element immer den Weg des geringsten Widerstandes. In diesem Fall den gradlinigen ins Erdreich.

Grün

Gegen Mittag erdreisten sich einige Regenwolken, sich ungeniert am Himmel zu zeigen. Und sie halten, was sie versprechen: Es plätschert. Dies zu verhindern, helfen auch keine an der Markise angebrachten, Sonnenschein einfordernde Thule Sun Blocker. Es sind jeweils nur kurze Schauer, die uns erreichen. Allerdings eine Begegnung mit ihnen im Freien wäre nicht unbedingt das, was man sich wünscht.

Rechts um die Ecke geht´s nach Steinbild

Inzwischen konnten wir einige drängende Fragen des Frolleins beantworten: Dino, der Kleine Münsterländer, ist auch im Emstal. Die Enten und Gänse haben den milden Winter gut überstanden. Vielen der vermehrt auftretenden Nutrias ging es „an den Kragen“. Die Rehe halten sich weiterhin bedeckt und die halbstarken Fasanenhähne sich strikt an die Kontaktbeschränkungen.

Big B. “unter Segeln”

Ich habe meine ganz private Caravaner-Weiterbildung abgeschlossen. Nach dem Wasserverlust am ersten Tag habe ich mir noch einmal das Thema: „Die Truma Therme. Aufbau, Pflege und Wartung“ verordnet. Und schon gesellt sich diese arglistig-gefährliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zu mir. Beim Studium des geschriebenen Wortes ist mir alles vollkommen klar. „Ja, logisch! So und nicht anders!“. Aber in der Praxis kommt der „Experte“ dann ins Grübeln. – Gut, dem habe ich ja nun endgültig vorgebeugt. Dachte ich.

Vom Menschen geschaffen und doch Natur

„Wo in aller Welt sind ca. fünf bis sechs Liter Wasser geblieben?“ Gestern füllte ich die Anlage komplett auf. Die Füllstandsanzeige zeigte eine durchgehende „grüne Straße“. Alle Absperrhähne sind geschlossen, die Therme einsatzbereit und „wasserdicht“. Der „Experte“ fasst sich kurz: Nach meinem selbstlosen Einsatz habe ich die Leitung entlüftet. Wasser füllte die Therme und die Leitungen, um dann sprudelnd und lustig plätschernd, die Anlage durch die beiden Wasserhähne harmonisch fließend zu verlassen. Und hätte der „Experte“ auch das Kleingedruckte gelesen, so hätte er sich die ganze Aufregung um einen potentiellen „Sickerverlust“ erspart. – Der „Profi“ hat nun einen Spickzettel „Die Truma Therme. Aufbau, Pflege und Wartung“ neben dem „Wasserreservoir“ angebracht. Nicht für sich, aber für alle Fälle. Je nachdem, wenn mal jemand kommt und fragt.

Piraten?

Im Nachbarort gibt es einen Imbiss, der nicht nur einen Außerhausverkauf anbietet, man kann auch auf der Terrasse sitzen und sich Pommes, Burger & Co. schmecken lassen. Eigentlich wollten wir zum Italiener nach Kluse, aber der „darf nur Außerhaus“ und öffnet um 16.30 Uhr. Es ist Mittag und wir fahren nach Walchum zum Dorfgrill. Ich bestelle mir einen „Manta-Teller“ oder auch die „Manta-Platte“. Wer kennt diesen „opelanischen Leckerbissen“ nicht, der seit dem inzwischen in die Jahre gekommenen Film „Manta, Manta“ in jedem Imbiss, der etwas auf sich hält, bestellt werden kann. Und als ebenfalls in die Jahre gekommener ehemaliger Opel Manta Fahrer, der seine automobilen Anfänge nicht leugnet, liegt es ja wohl auf der Hand, was gegessen wird: Currywurst, Pommes, Mayo.

Keine Bewegung, die sie nicht registriert

Ist es Zufall oder Prophezeiung? Auf alle Fälle ist es wahr! Ein metallicblauer, tiefergelegter, ohrenbetörend röhrender, aber ohne den obligatorischen Fuchsschwanz an der Antenne, blitzblanker Opel Manta B rollt vor den Dorfgrill. Zwei junge Männer in Schrauberkluft winden sich aus den Hosenträgergurten, bestellen acht Portionen des bereits erwähnten „verpflichtenden Gerichts“ und spotten, vor dem Imbiss wartend, über Autofahrer, deren Limousinen gern mit dem Anfangsbuchstaben unseres Alphabets benannt werden. Je nach Größe des Fahrzeugs endet die Typenbezeichnung dieser Modelle mit einer „Eins“ bis „Acht“. Ganz besondere Exemplare dieser Typen werden von einer Firma mit dem Namen „Mönch“, „Klosterbruder“ oder so „abtlich“, äh, ähnlich veredelt. Würde ich den beiden Schraubern erzählen, dass ich mit „ihrem“ Manta schon zu Beginn der 1980er Jahre durch El Paso, Texas, Cuidad Juarez, Mexiko und viele weitere Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika gefahren bin und was ich dabei erlebt habe, ich glaube, wir hätten Gesprächsstoff bis Pfingsten 2022.

Grüne Stinkwanze. Ja, sie heißt tatsächlich so

Nun haben wir es doch getan: Wir haben uns ein Vorzelt gekauft. Ein Kampa Motor Rally AIR PRO Drive-Away. „Ach ja,“ denkt da der eingefleischte Caravaner. „Ein aufblasbares Vorzelt. Doch, Moment mal! Das ist aber für Wohnmobile konzipiert. Was soll das an einem Fendt Caravan?“ So, wir wurden ertappt. Doch umgehend die Erklärung: Unsere Markise sitzt an der Seitenwand. Die Kederleiste ist zwar zugänglich, aber der 4,5 m lange Markisenkasten verhindert das „nahtlose Anflanschen“ eines „normalen“ Vorzeltes. „Ja, man könnte aber doch …“ Ja, könnte man, aber nicht in unserem Fall. Wir haben einige Alternativen interessiert getestet und landeten schließlich überzeugt beim „Drive-Away“.

Am Tag als der Regen kam

Rechtzeitig vor dem großen nächtlichen Wolkenbruch steht unser Kampa. Rechte Winkel und korrekte Abstände, Standortwahl und Verankerungsreihenfolge ein wenig zu leichtfertig übergehend, ich schreibe nicht ignorierend, steht ein optisch etwas „verdrossen wirkendes“ Vorzelt vor uns. Natürlich wurde es von mir bewusst so aufgestellt. In Erwartung der schweren Regengüsse wollte ich ein ausreichendes Gefälle für die Wassermassen schaffen. Dass das Dach der hinteren Schleuse dadurch nicht ausreichend gespannt ist und sich hier ein mittleres Binnengewässer bildet, verschweige ich an dieser Stelle. Es war ja nur ein erster Probeaufbau. – Uih, da hinter kommt die nächste Regenwand.

Das neue Kampa Vorzelt. – En beten scheef hett Gott leef!

Es gehört sich nicht bei manchen Dingen zu sehr ins Detail zu gehen. Doch ich erlaube mir eine Ausnahme: Duschen. Ich mache mir einen Spaß daraus, den Duschköpfen auf unseren Campingplätzen immer wieder einmal einen Namen zu geben. Nein, ich habe keine berauschenden Mittel zu mir genommen. Ich bin so. Da finden sich zum Beispiel „El Gordo, der reichlich Ausschüttende“, „El Ninyo, der kleine, bescheidene Sprühkopf“, „Caruso, der Sänger“, „Salt ´n Pepper, der die Augen reizende Brausekopf“ oder „Tsunami, die alles überflutende Dusche“ in meiner erdachten Sammlung. „Und was ist daran anzüglich?“ An den Namen nichts, aber die Höhe, aus der mich die Kameraden jedes Mal begrüßen, zeugt immer wieder einmal von einem Rechenfehler mancher Camper hinsichtlich ihrer „Vermessenheit“. „Hallo, nun komm´ auf den Punkt!“

Am Dortmund-Ems-Kanal

Ich bin für meine Größe ein wenig zu schwer. Halte aber mein Gewicht seit Jahren, was sich u.a. darin zeigt, dass ich immer noch in die Bettwäsche des vergangenen Jahres passe. Mit 186 cm Länge bin ich nicht der Kleinste auf den Plätzen unserer reisenden Unternehmungen, aber stets fange ich die Duschköpfe an ihren variablen Halterungen in schwindelnden Höhen ein und ziehe sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Ok, es mag ja sein, dass vor mir immer wieder einmal Spieler der deutschen Basketball Nationalmannschaft geduscht haben. Nur gesehen habe ich noch nie einen von ihnen.

Der “Kleine” durfte auch am Vatertag auf Tour

Es regnet im Emstal. Wir sitzen im Trockenen. Kampa sei Dank. In der Ferne schlägt der Sustrumer „Big Ben“, er ist weder verwandt, noch verschwägert mit unserem Big B., zur 11. sonntäglichen Stunde. Zeit für einen Frühschoppen. Natürlich nicht! Damit warten wir noch drei Minuten. Es ist vielmehr an der Zeit, das Kampa unter die Lupe zu nehmen. Wo hat der ansonsten so talentierte Kampa-Aufsteller unachtsam gehandelt, wo hat er Abstände vernachlässigt, Gurte nicht fest genug angezogen, Heringe vergessen, Bodensenken übersehen, Stolperfallen eingebaut und sonstige Anleitungen und Camper Gebote eigenmächtig vernachlässigt? Ich werde mich hüten, diese hier aufzuzählen und schreibe, solche „Unzulänglichkeiten“ strikt verneinend, schlicht und ergreifend: „Keine.“ – Die Beste von allen blickt mir dabei über die Schulter und lacht. Warum?

Rettung in letzter Minute

Es regnet im Emstal. Wir saßen im Trockenen. Kampa trifft keine Schuld. Dem ansonsten so talentierten Kampa-Aufsteller war eine moosgepolsterte „klitzekleine“ Bodensenke entgangen. Sie entwickelte sich während des heutigen „kleinen Regenschauers“ innerhalb von nur vier Stunden zu einem Badesee mittlerer Größe. Höckerschwäne, Graugans, Stockenten und Gänsesäger geben sich hier inzwischen ein Stelldichein. Über allen kreist mit langgezogenem „hijäh“ ein Mäusebussard. Er wird den Jungvögeln nichts anhaben können, denn Luna beaufsichtigt die Kulisse. – Andere müssen für dieses Schauspiel in die freie Natur. Wir campen.

Es ist Montag. Wir müssen nach Haus. Home Office und Online Schooling rufen. Aber wir kommen wieder: Fortsetzung folgt. – “De Pingsttour”.

2WM+1MK+1A-O=2,80

“Sind wir noch ganz dicht?”

Morgen werden wir eine Antwort auf die Frage: „Sind wir noch ganz dicht?“ bekommen. Big B. steht ein wenig angespannt-friedlos auf der Auffahrt und wartet auf seinen Termin bei Dr. Fendt in Papenburg. Wir wollen ihm und uns den Alptraum aller Caravans und deren Besitzer ersparen: Unbemerkte Lecks, durch die Wasser zwischen Außenhaut, Dämmung und Innenwand dringen könnte.

Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, Kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt

Und wenn wir einmal vor Ort sind, können wir auch gleich die längst fällige Hauptuntersuchung und die Gasprüfung nachholen. Covid-19 ist schuldig. Hätten wir alles längst erledigen können, wäre da nicht dieser Coronavirus, der meinte, sich grenzüberschreitend auf Reisen machen zu müssen. Dieser kleinste, auf lebendem Gewebe gedeihende Krankheitserreger hat die Welt bereits lange im Griff, aber ich werde hier keine Ursachenforschung betreiben, warum ihm dies gelang.

Weitblick. Nicht jedem ist er gegeben …

Ich will endlich mal wieder „auf Achse“. Und sei es auch nur in die Werkstatt. Ich will keine Verschwörungstheorien hören, keine faktenresistenten Verschwörungstheoretiker treffen, keine verschrobenen Weltbilder skizziert bekommen und die Chance in Papenburg auf den geistesabwesenden Weltverschwörungs-Blogger Ken Jebsen (KenFM) zu treffen, erachte ich ebenfalls als sehr gering.

Gut, ein Eimerchen Farbe und dann …

Und da wir schon einmal ganz nah an „unserem“ Platz im Emsland sind, werden wir die dortige Lage sondieren und buchen. Und wenn ich dann vielleicht gelöst (und ggf. mit Mundschutz) im „Isabella“ sitze und freudetrunken unser neues Kampa-Vorzelt betrachte, dann habe ich ausreichend Zeit und denke an den französischen Diplomaten und Schriftsteller François VI. de La Rochefoucauld:

“Man findet Mittel, den Wahnsinn zu heilen, aber keine, um einen Querkopf einzurenken.” – François de La Rochefoucauld.

Ein Tanz in den Mai

Vor Covid-19 tanzten wir in den Mai, entließen unsere Allerliebsten zur Walpurgisnacht gen Brocken (hoffentlich liest meine Allerliebste diese Zeilen nicht!) oder bereiteten uns auf den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse vor. Und für diese wichtige Vorbereitung, einen plausiblen Grund muss es ja geben, wollte ich mir in meinem “jugendlichen Leichtsinn” noch schnell eine, zwei oder gern auch drei Flaschen Maibock im Getränkemarkt meines Vertrauens kaufen.

Die waren heute angesagt!

Den Minijob beendet, den Mundschutz bereits vorfreudig und fachgerecht angelegt, irgendwie den völlig überfüllten Parkplatz erreicht und auch tatsächlich eine Parklücke neben einem absolut “aus der Spur geparkten” SUV ergattert, schaffe ich es, das Auto so einigermaßen korrekt abzustellen. Ich reihe mich in die Schlange der Wartenden ein, bekomme einen desinfizierten Einkaufswagen anvertraut, tausche mein Leergut gegen einen Kassenbon und mache mich auf die Suche nach dem Getränk meiner Begierde.

Ja, wahre Begierde, denn ich habe richtig “Bock auf (Mai-)Bock”. Doch was muss ich feststellen!? Natürlich finde ich in einem Getränkemarkt kein Mehl, keine Hefe, kein Toilettenpapier oder Nudeln, aber hier und heute auch keinen einzigen Maibock! Ich treibe desillusioniert mit einer Kiste Mineralwasser auf der Einkaufskarre im Strom der weiteren Kund*Innen in Richtung Kasse. Bezahle und verlasse frustriert und unter leisem, aber (un-)gehörigem Fluchen und nicht gerade milden Verwünschungen gegen den Kunden, der mir die letzte Flasche Maibock vor der Nase aus dem Regal wegschnappte, den Markt. Was für eine Schei … benreinigerflüssigkeit!

Ohne Worte

Daheim schnappe ich mir den nächsten Besen und folge der Allerbesten in Richtung Harz. – Gut, dies alles ist maßlos übertrieben, aber was gibt man nicht alles aus Übermut und (mai-)bockiger Enttäuschung von sich (preis).

“Kommt gut in den Mai, lasst es Euch gut gehen, bleibt gesund und munter!”

Nachts sind alle Katzen grau

Im Dunkeln sieht für das menschliche Auge alles gleich oder zumindest ähnlich aus. Nun werde ich keinen Vortrag über die zwei Arten unserer Sehzellen halten. „Zapfen und Stäbchen“ vernachlässige ich, denn ich bin kein Facharzt für Augenheilkunde, sondern möchte „nur mal eben“ vier Fotos aus der Wildkamera zeigen:

Nachbarschaftskatze “Mia” hat es sofort bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt: Infrarotblitzlicht
Noch ein letzter prüfender Blick und weg ist sie
Er erkundete erst einmal das Nahrungsangebot an frischen Haselnussstrauchblättern und -trieben. “Haselnussstrauchblätter”, was für ein Wort! Fast so schön wie: “Haselnussstaudengertleinfrühlingsknospen”
Um “kurz nach 9” schaute er zum ersten Mal vorbei. Um 3.00 Uhr wurde dann ausgiebig gefrühstückt

Damit wir nun nicht nur schwarz/weiß sehen, zum Abschluss noch ein wenig “buntes Treiben” vor der Kamera.

Und er schaute auch vorbei: Ein Grünspecht. Wir erinnern uns: Vogel des Jahres 2014

“Alle Erinnerung ist Gegenwart” – Novalis

Eigentlich wären wir jetzt sehr gerne auf diesem ganz besonderen und idyllischen, in der schönen Natur des Emslandes gelegenen Campingplatz. Nur wenige Meter vom Emsufer entfernt hätten wir unsere Zelte aufgeschlagen, die kleine Badestelle besucht und am Altarm der Ems nur Augen und Ohren für das immer wieder reizvolle Naturerlebnis an der Sustrumer Brinkstraße gehabt. Eigentlich. Was hindert uns daran, in dieses Erlebnis „einzutauchen“?

12. August 2015. Zum ersten Mal im Emstal. Die griechische Nationalflagge (Handtuch) ist gehisst: “Ouzo ist gekühlt!” – “Όταν λείπει η γάτα, χωρεύουν τα ποντίκια.” (“Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf den Tischen.”)

Covid-19 (Coronavirus Disease 2019) ist schuld! – Scheinbar trat im Fischmarkt von Wuhan das Coronavirus zunächst bei Personen auf, die dort tätig waren oder sich dort als Besucher aufgehalten haben. Eine Übertragung, so glaubt man, kann dort auch über auf diesem Markt angebotene Wildtiere erfolgt sein. Und so breitete sich das Virus zunächst in China und dann auch außerhalb Chinas aus.

13. August 2015. Ein Foto am ersten Morgen (06.45 Uhr) an der Ems. Spätestens jetzt stand fest: “Wir kommen wieder!”

Die Frühlingsstimmung verleitet immer wieder Menschen dazu, die Virusgefahr zu unterschätzen. Covid-19 und die davon ausgehenden Gefahren sind im Bewusstsein Einzelner noch nicht angekommen.

2015. Angler mit “Seehund” auf der Ems

Einzelne Staatslenker hingegen überschätzen sich und ihre Machtbefugnisse und lassen befürchten, dass Covid-19-Gefahren nie in ihrem Bewusstsein ankommen werden. Nicht, dass man sie nicht informiert hätte, das Problem mag hier eine innere und ganz individuelle mentale Enge hinsichtlich ihres Geistes, Scharfsinns, Verstandes, Denkvermögens und ihrer Begabung sein.

2015. Ich hatte so eine gewisse “verklärt-romantische” Vorstellung vom Caravaning: Kein Schnickschnack, Transistorradio, Lesen. Auf keinen Fall: DVD, Internet, TV, iPhone  … naja, damals …

Und es ändert nichts an der Tatsache, dass wir, alle von gesundem Menschenverstand geprägt, unsere Caravans und Wohnmobile erst einmal stehen lassen und die Erinnerungen an vergangene „Fahrten mit dem Fluchtfahrzeug“, z.B. ins Emstal, aufleben lassen. – Apropos Menschenverstand: Wollen wir davon noch schnell ein wenig „über den großen Teich“, in Richtung des flächenmäßig größten Landes unseres Planeten und in den südlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents schicken? Dort leben, schalten und walten, ich vermeide das Wort „regieren“, Herren, „die können´s brauchen“.

2016. Freie Sicht für freie Münsterländer(innen)

„So, nun Erinnerungen aktivieren und zu Dir, mein liebes Emstal“:

2015. Einer meiner ersten Blicke von der “Brücke am Durchstich”
“Eines Tages …, mein lieber Robert!”
2016. Nach dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) kam “Big B.” (Fendt Bianco Selection). Soweit zu meinem ursprünglichen Gedanken vom “schlicht-einfachen” Campen …
Mai 2017. Gern gesehene Tiefflieger über der Ems
2017. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal gen Steinbild
2017. Es wird herbstlich im Emstal
2018. “Auf die Bäume … – Der Wald wird gefegt!”
2018. Am Dortmund-Ems-Kanal mit der Düther Schleuse im Rücken
2019. “Das Ziel der Urproduktion ist die zielgerichtete Herstellung pflanzlicher oder tierischer Erzeugnisse auf einer zu diesem Zweck bewirtschafteten Fläche.” – Ja, so sehe ich es auch
2019. Das Kompetenzzentrum an der Sustrumer Brinkstraße
2019. Luna. Ruhender “Wachhund”. Emstal: Tiefenentspannung nicht nur für Zweibeiner
2019. Wenn wir jetzt ganz still sind, hören wir den Gesang der Nachtigall

Und wenn alles kontrolliert, wohl bedacht und diszipliniert so läuft wie bisher, vielleicht stehen wir bald wieder vereint an der Ems und freuen uns, dass wir uns, hoffentlich gesund und munter, wiedersehen. – “Seid alle herzlich gegrüßt aus usA (unserem schönen Ammerland)!”

“Quer durch den Garten”

Das Ostereiersuchen fiel in diesem Jahr Covid-19 zum Opfer. Also greife ich wahllos in eines der Regale, “schnappe” mir irgendeine Fliegerhorst-Oldenburg-Foto-DVD und lasse mich militärhistorisch überraschen: “Gebäude III, 2003/04. 542 Aufnahmen”.

Keine Bange! Ich zeige nur einige wenige. Ohne inneren Zusammenhang und “nur mal eben so”.

Ein bereits im September 2004 langsam, aber sicher in sich zusammenfallendes Feldhaus hinter dem Bürogebäude 19

Zu diesem Feldhaus (s.o.) führte ein schmaler Steg über einen kleinen Teich. Die Legende berichtet von interessanten Gegenständen, die “Mann” nach geselligen Abenden aus dem Wasser fischen musste. Tatsächlich sollen Gäste das Feldhaus “kopfüber” betreten haben. – Wenn Sie wissen, was ich meine.

Gebäude 105. Ein Bürogebäude aus dem Jahr 1948

Auf dem Weg zur Westwache, die “den Weg zur “Englischen Siedlung” freigab”, kam man nicht nur an der auf dieser Aufnahme “unsichtbaren” Tankanlage, sondern auch am Gebäude 105 vorbei.

Gebäude 109 (rechts) und Gebäude 103 (Truppenküche, Mannschaftsheim (Heimbetrieb, Kantine))

In den 1980er Jahren traf ich mich mit meinem Bruder, der in der LwWerft 61 seinen Dienst als Grundwehrdienstleistender versah, noch in der Truppenküche und Kantine (Geb. 103). In den 2000er Jahren rollten mein Sohn und ich auf unseren “Inlinern” durch die inzwischen aufgegebene und dem Verfall preisgegebene Liegenschaft. Mein Sohn im Rahmen eines “Truppenbesuchs” und ich im Zuge der dienstlich befohlenen Sportausbildung. Unterrichtthema: “Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit”.

Gebäude 120. “Bürogebäude”. 1959

Hätte dieses Haus sprechen können! – “Männlichkeitsrituale oder die Suche nach der männlichen Identität” könnte ich meine autentische Kurzgeschichte, die ich aus den bunten Erzählungen heutiger “Ur-Reservisten” sprießen ließe, betiteln. – Könnte ich, werde ich aber nie.

Gebäude 152. MMS. Munitionmontageschutzgebäude. 1988

Da wir den gültigen Sperrzonenausweis nicht zur Hand haben, bleibt uns nur der “Blick aus der Ferne” auf das Geb. 152.

Geb. 152. MMS

Die Tankanlage 1 (Bild unten) in der Nähe der Hauptwache an der Alexanderstraße. Über Ofenerdiek rollten die Züge auf der “Braker Bahn” nach Oldenburg.

Ein Blick von der Tankanlage 1 in Richtung Shelter 16 und 17

Im Jahr 2004 stieg ich um 08.15 Uhr über den Zaun. Diese Anlage hat mich vom ersten Tag an interessiert. – Modellbahner. Typisch.

Hier wurde “abgefüllt”

Natürlich verlief die Nato-Pipeline zwar “über” den, aber hier doch unterirdisch, ehemaligen Fliegerhorst Oldenburg in Richtung Wilhelmshaven.

Pumpenhaus. Geb 168. 1961

Und da sich gegen Ende des FlgH OL viele nicht gerade sehr oder besser überhaupt nicht für die Historie des Fliegerhorstes interessierten, hatte ich die Chance, die Post der Royal Air Force an den Manager des ASTRA Cinemas zu finden.

Fundsache

Das ehemalige ASTRA Cinema und spätere Truppenkino (Geb 171) auf dem Fliegerhorstgelände. Daneben befand sich das Freibad (Geb. 71). In den letzten Jahren des Fliegerhorstes konnten sich darin wenigstens noch die Diensthunde abkühlen. Alles inzwischen Geschichte.

Geb. 171 Truppenkino. 1947. Wer hat´s gebaut? Die Royal Air Force

Der Lokschuppen (Geb. 173) aus dem Jahr 1963 ist die heutige Endstation für die bildliche Rundfahrt über das ehemalige Fliegerhorstgelände. – 1963. Wir erinnern uns: John F. Kennedy wird in Dallas aus einem Hinterhalt heraus ermordet. Ludwig Erhardt löst Konrad Adenauer ab. Vorher unterzeichnet Adenauer aber noch den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

Geb. 173 und Geb173a. Beide aus dem Jahr 1963

Es ist seltsam, aber ich erinnere mich an den Moment jeder einzelnen Aufnahme, die ich hier zeige. Genauso geht es mir bei den “Bildern” aus meinem FlgH-OL-Archiv. – Und ganz besondere, frühere Moleskin-, später Flecktarn-Situationen aus meinen Oldenburger Jahren von 1992 bis 2006, begleiten mich hin und wieder noch einmal im Geiste. – “Es sind nicht alle Menschen liebenswert.” Sigmund Freud. (Das Unbehagen in der Kultur (1930)).

Texas. The Lone Star State

Freitag vor Ostern. Karfreitag. Wir gedenken und pflegen die Erinnerung. – Und en passant wecke ich beim „Durchstreifen“ meiner Bücherregale auch frühere Erlebnisse und Erfahrungen, die keinen inneren Zusammenhang zum christlichen Karfreitag besitzen: Texas. The Lone Star State.

The Lone Star State. Texas.[ Quelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28388337]

Mir fällt eine Druckschrift des „State Department Of Highways And Public Transportation“ in die Hände. Ein Heft, das wir seinerzeit erhielten, wenn wir für einen US-Lehrgang an die Raketenschule der Luftwaffe in Fort Bliss, Texas (RakSLw USA) kommandiert oder versetzt wurden. – Uih, das ist bereits eine ganze Zeit her, dass ich das „Raketeninstitut der Bundeswehr“ zum ersten Mal besuchte. – Internetradio an. 100.3 The Wolf. Und Eric Church “Drink In My Hand” gehört. (Obwohl ich nie ein Country & Western Freund gewesen bin. Aber heute.)

Ich beginne zu blättern (und lasse die nicht dienstlichen, sondern freizeitorientierten Fotos daraus „sprechen“):

Der San Antonio River Walk. Hier kann man sich treiben lassen
Einst eine spanische Missionsstation: The Alamo (span. Die Pappel) in San Antonio. Heute DIE texanische Gedenkstätte. Damit unvergesslich verbundene Namen: William Travis, James (Jim) Bowie und Davy Crockett
River Walk San Antonio
Der Leuchtturm Port Isabel aus dem Jahr 1853. Ein Muss für Fotografen. – Eigentlich geht es mir aber um die geparkten Autos: Die Straßenkreuzer, die wir seinerzeit bevorzugten. Besonders die beiden links abgestellten Modelle: 5 Liter Hubraum und V8 mussten es schon sein
Wer da nicht dabei war, der war nicht in Texas. Also, jedenfalls nicht so richtig
Kein State National Park ohne “Aussichtsfelsen”
Einfach nur geradeaus. Und in Arizona geht es noch viel weiter und “geradeausser” in Richtung Sonnenuntergang
Amerika ohne Vergnügungspark? Never ever! Six Flags in Arlington
“Wet And Wild Waterworld” Ein weiterer Freizeitpark
Drastische Strafen zur Vermeidung der Umweltverschmutzung. Schon in den 1980er Jahren
Der Urheber und Herausgeber dieser “Texas-Broschüre” und der von mir hier gezeigten Fotos
Meine “Eintrittskarte” vom 24. Februar 1996

Maskenball

Covid-19. Pandemie. Situation in Deutschland. Risikobewertung. Infektionsschutz. Maßnahmen und Strategie(n). Kaum ein anderes Thema beherrscht die Schlagzeilen der Medien und diszipliniert Bürgerinnen und Bürger mehr als dieses Virus.

Was habe ich zu diesem schwierigen Thema Sinnvolles und Nutzbringendes zu sagen? Nichts. Aber ich möchte eine Geschichte erzählen:

Irgendwann und irgendwo im Nordwesten Niedersachsens übte regelmäßig und „einheitlich“ eine Truppe den (militärischen) Ernstfall. Taktische (und technische) Überprüfungen gehörten in steter Folge zu den allgemein- und fachspezifisch-militärischen „Geselligkeiten“ der Flugabwehrraketenbataillon-26-Truppe an der Rodenkircher Molkereistraße 21 und den Stellungsbereichen am Lockfleth bei Sürwürden und Rodenkircherwurp, letzterer eigentlich mehr auf dem Gebiet des Schweierfeldes gelegen.

Diese Übungen und Überprüfungen durch „check-teams“ aus deutschen Landen und den Staaten der Natopartner, brachten es mit sich, dass (damals ausschließlich) „Mann“ Stunden unter ABC-Vollschutz verbrachte. Hatte „Er“ seine Schutzausstattung erst einmal angelegt, waren die nötigen Meldungen abgesetzt, alle erforderliche Maßnahmen ergriffen und kehrte so langsam, aber stetig Ruhe in den Bereichen ein, dann nickte der eine oder andere schon einmal ein und bemerkte dabei nicht, dass ihm „hilfreiche Kameraden“ mit dem Edding® 2000 die Sichtfenster der ABC-Schutzmaske „verdunkelten“. Andere kamen zum Nachdenken. Es ist nicht meine Absicht, diese „in Ruhe befindlichen“ Kameraden einer mangelnden Verantwortung, Einstellung und abwesendem Engagements zu bezichtigen!

Ich dachte in solchen Situationen, meistens hielt ich mich dann in „innerer Einkehr“ in der ACO-Zelle (taktisches Koordinierungszentrum), beim FüNaSi (Einsatzplanung der örtlichen Bodenverteidigungskräfte) oder „im Bunker“ unter dem TB-IFC (Technisches Büro Feuerleitbereich NIKE) auf, an „all´ die anderen, die da draußen sind“, die Zivilbevölkerung, die dem „Fallout nach einer Kernwaffenexplosion“ schutzlos ausgeliefert war und auch heute noch wäre. Da zogen dann die Gesichter der Familie, von Freunden, Nachbarn, dem Team “meines” Supermarktes und guten und flüchtigen Bekannten an meinem geistigen Auge vorbei.

Heute setzen wir uns als „Schutzmaßnahme“ mit dem Anlegen und Tragen eines Mundschutzes auseinander. Und diesen gibt es, wie damals eine ABC Schutzmaske inkl. Ersatzfilter, nicht einmal in ausreichendem Maße für das medizinische und pflegerische Personal in Krankenhäusern sowie in den Senioren- und Pflegeheimen. – Nun werden die Baumärkte wieder geöffnet. Und sofort schießt mir dieser alte Bw-Spruch in den Kopf: „Was, “Maske”, hast Du nicht? Dann schnitz´ Dir eine!“ – Stimmt! Im Baumarkt gibt es alle Einzelteile.

“Bunte Vielfalt”. Auch und gerade in der Covid-19-Krise

BARF – On The Road Again

Geringfügig beschäftigt helfe ich in einem örtlichen Unternehmen, eine reiche Auswahl an frischem Fleisch und fleischigen Knochen für Haustiere zu produzieren und bereitzustellen. Das äußerst umfangreiche Sortiment, neben Rind und Geflügel führen wir auch Schaf- und Pferdefleisch, ist gefragt und so sorge ich auch einmal monatlich dafür, dass die natürliche Nahrung für Hunde und Katzen mit rohem, naturbelassenem Fleisch und Knochen auch über die Grenzen des Ammerlandes hinaus an interessierte Frauchen und Herrchen gelangt.

So sieht´s aus. Pfotenfutter & Krallenkrams hat´s

Die Rückbesinnung auf die ursprüngliche Ernährung ihrer Haustiere danken diese mit einem intakten Immunsystem, einer nur geringen Zahnsteinbildung und nur wenigen Fällen von Zahnfleischbluten. Und oftmals bessern sich Fellprobleme wie von selbst. Dafür und darum minijobbe ich “an der Frischfleischtheke für Ihr Haustier” in einem BARF-Shop in Wiefelstede.

Zunächst stand „BARF“ für „Born-Again Raw Feeders“ (wiedergeborene Rohfütterer), heute geht es um „Bones And Raw Food“ (Knochen und rohes Futter). Nun könnte ich noch ausgiebig über den Veterinärmediziner und Autor Dr. Tom Lonsdale, er setzte 2001 mit dem Buch “Raw Meaty Bones: Promote Health” (Rohe fleischige Knochen: Gesundheit fördern) einen Meilenstein, berichten. Doch mitteilen möchte ich mich zu meinen „Abenteuern“ auf einer Liefertour während der Covid-19-Krise.

Immer frisch zubereitet. – Unmögliches wird sofort erledigt. Wunder dauern etwas länger

08.30 Uhr. Eigentlich bin ich startklar. Eigentlich. Noch schnell die Zutaten für eine 30 Kg „Spezialmischung Katze“ (mageres Rindfleisch, Rinderherz ohne Kappe, -leber und ein Hauch an Hühnerhälsen) durch den Fleischwolf geschickt. Der Einfüllschacht lacht über diese Menge und der Schneidsatz beschwert sich in Anbetracht dieser Kleinarbeit über die Ruhestörung. – „Ruhe im Schneidsystem! Der Kunde ist König!“

Ich rolle vom Hof, erreiche die A28, verlasse diese an der AS Leer-Ost und beginne meine Tour durch Ostfriesland und das Emsland. Spätestens in Höhe Leer sowie links und rechts der B70 oder B438 wäre sonst ein reges Treiben auf Land- und Bundesstraßen zu vermelden. Und heute? Es ist nicht viel los. Im Vergleich zu anderen Werktagen herrscht hier „Ruhe im Karton“. Nun, was es mit diesem ominösen Karton auf sich hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es waltet tatsächlich eine Flaute.

Am Umländer Wiekkanal

Trotz geringer Fahrzeugbewegungen gibt es sie natürlich weiterhin: Die rasend-schaffenden Macher. Da zischen auf der A28 schon einmal zwei Wiesbadener Kleintransporter einer US-amerikanischen Autovermietung an mir vorbei. Der Name erinnert mich immer an eine Science-Fiction-Serie aus den 1960er Jahren. Es gab so ein Raumschiff mit dem Namen „Enterprise“. – „Sicherheitsabstand“ 25,40 m bei „terrestrischen Warp 2“ (geschätzten 130 Km/h).

Oder der unbeirrt tieffliegende Fachmann für Laminat und Parkett aus … oh, jetzt habe ich den Ort vergessen. Sicherlich hat er einen wichtigen und unaufschiebbaren Termin im Aschendorfer Obermoor.

Freie Bahn verlockt zur Tieffliegerei

Kurz hinter Esterwegen geht es über Clemenswerth und Kuhdamm zur B401. Die Küstenkanalstraße bringt mich nach 40 Kilometern über Oldenburg zurück ins Ammerland. Noch in der Samtgemeinde Hümmling fahrend, “freue” ich mich bereits in dieser Grundmoränenlandschaft unseres Norddeutschen Tieflandes auf die „interessanten Verkehrsteilnehmer“, die mir auch heute auf der B401 begegnen werden. Irgendwer ist immer dabei, der, sich und andere verantwortungslos in große Gefahr bringend, die atemberaubendsten Drängler-Lückenspringer-Überholmanöver auf den Asphalt legt. – “Die Dummheit ist meist der Bosheit Schwester.” – Sophokles

Coole Taler

„Blinker rechts“ und trotz langer Einfädelspur auf die Küstenkanalstraße. Dennoch mein sichernder Blick nach links. Mit geschätzten 140 Km/h ist der „linke“ VW Golf da und auch schon wieder weg. – “Glück kommt nie zu spät”, scheint mir der englische Dichter Michael Drayton (1563 – 1631) ins Ohr zu flüstern.

Ich erreiche wohlbehalten meine Wirkungsstätte im Gewerbegebiet an der A29, stelle den Renault ab, räume den mobilen Kühlraum auf und aus und freue mich, dass ich einmal mehr den „BARFern“ zwischen Wilhelmshaven, Aurich, Leer, Papenburg, Sögel und Oldenburg ihre Bestellungen ausliefern konnte. Ich beschließe, die heutigen Begebenheiten in Würdigung des steten Gefährungspotentials auf deutschen Straßen der Nachwelt zu erhalten. – “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut; denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen!” – Johann Wolfgang von Goethe