Tierisches Philosophieren

„Wenn ich recht überlege, so ist doch „das, was mit dem Verstand nicht zu erfassen ist“ irrational, oder?“ „Ja, liebe Luna. Dinge, die wir den Gesetzen der Logik nicht unterwerfen können oder die unvernünftig sind, bezeichnen wir als „irrational“.“

Ich weiß, was nun folgt. Heute morgen fand ich in Lunas Bett ein philosophisches Wörterbuch aus dem Alfred Kröner Verlag in Stuttgart. Druck 1920. Ein etwas an- und abgegriffenes Exemplar. Kein Wunder, mit 100 Jahren auf dem Buchrücken. Sofort argwöhne ich, dass es heute zu einem nachdenklich-tiefgründigen Gespräch kommen wird.

„Und ein Gedanke, der den tatsächlichen Verhältnissen, also der „Wahrheit“, nicht entspricht oder den logischen Gesetzen widerspricht und dennoch für wahr gehalten wird, ist ein Irrtum“, folgert das Frollein. Ich täusche Nachdenklichkeit und angebliche innere Versenkung vor. In Wirklichkeit schaue ich hilfesuchend um mich. „Wo ist er, der Nietzsche, der Hegel, der Kant, der Schopenhauer, der mich aus dieser philosophischen Katastrophe führt?“ Na, klar! Bei diesem Wetter lassen sie mich allein auf dem Dingsfelder Weg und im Regen stehen. Sie tummeln sich lieber im Bücherregal in meiner „Schreibstube“.

“Ammerlandschaft”. In sich versunken über dies & das nachdenken, z.B. über “irrationale Irrtümer”

„Gibt es also einen „irrationalen Irrtum“? Ich verstehe darunter einen nicht korrigierten, der Wahrheit nicht entsprechenden Gedanken, der nicht beseitigt werden kann, da er mit dem Verstand nicht erfasst wird?“ Spontan will ich antworten: „Ja, so etwas mag in den Köpfen der amerikanischen Staatsbürger existieren, die seinerzeit Donald Trump zum  US-Präsidenten wählten.“ Ich verzichte sofort darauf, denn ich möchte Politik nicht in irgendwelche philosophischen Denkübungen aufgenommen wissen.

(Auch) Der Weg ins Dorfcafe nach Hösseringen ist zu weit …

Mir schießen zu Lunas Frage Begriffe wie das Versäumnis der Irrtumsvermeidung, der Selbsttäuschung, des Wunschdenkens und der Willensschwäche durch den Kopf. Irrtum und Täuschung lassen sich vermeiden bzw. auflösen, wenn wir sie erkennen. Aber wie verhält es sich bei der Willensschwäche, dem Wunschdenken und der Selbsttäuschung? Wie bringe ich diese Dinge zusammen? – Der Dingsfelder Weg scheint unendlich und die deutschen Denker sind weiterhin unerreichbar für mich.

“Wildkaninchen als letzte Rettung”

Ich halte auch heute Lunas Überlegung für sehr interessant, ziehe aber mangels Wissen dessen ungeachtet die Notbremse: „Liebe Luna, ich denke bei einem „irrationalen Irrtum“ haben wir es eher mit einem Pleonasmus, einem doppelt gemoppelten Begriff, wie „alter Greis“, zu tun. Obwohl, wenn ich weiter überlege, dann … Oh, sieh mal, ein Wildkaninchen!“

Ich dachte nicht nur, ich stehe (allein) im (philosopischen) Wald

Ja, ich weiß, das war feige. – „Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.“ Marie von Ebner-Eschenbach

Granatjäger 2000

“Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt
Ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus
Und sie legen im weiten Bogen die Netze aus”
Rudi Schuricke, Ende der 1940er Jahre

Damals stachen wir mit der Möwe in See

Es war nicht vor Capri, es war nicht die rote Sonne, die im Meer versank und die bleiche Sichel des Mondes blinkte an diesem Julitag im Jahr 2000 auch nicht, aber wir fuhren zum Fischen.

Die Ruhe vor dem Sturm. … dem Sturm auf die Krabben, Granat, Nordseekrabben.

Die italienische Felseninsel Capri, im Golf von Neapel gelegen, ist auch heute noch gute 2.000 Straßenkilometer von der Butjadinger Halbinsel an der Nordseeküste entfernt. Und ich bezweifle, dass die Fischer, die Rudi Schuricke im weiten Bogen ihre Netze auslegen ließ, auch nur halb so viel Spaß hatten wie wir an diesem sonnigen Tag zwischen Jadebusen und Wesermündung.

Ins Netz gegangen

Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik

„Kallax“, früher „Expedit“, einem schlichten Regal aus dem Hause eines multinationalen Einrichtungskonzerns, ist es zu verdanken, dass mir eine Festschrift der Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik (BAkWVT) in die Hände fällt. „Wieder in die Hände fällt“, muss ich schreiben, denn vor inzwischen sehr vielen Jahren kam auch mir die dienstliche Verpflichtung zu, das einstige Bildungsinstitut der Bundeswehr mit Sitz in Mannheim zu Schulungszwecken zu besuchen: Qualitätsmanagement (QM) nebst Kosten- und Leistungsverantwortung (KLV).

Festschrift „40 Jahre Akademie“

Der Seminargedanke lautete annähernd: „Das bestmögliche Produkt anbieten“. Mir hatte man damit gar keinen Gefallen getan, aber wer fragte mich? Im Gegenteil, man war froh, einen Staatsbürger in Uniform gefunden zu haben, der mittels Befehl und Gehorsam herhalten musste, sein Wirtschaftlichkeitsbewusstsein gestärkt zu bekommen, um dann die Kreativität der Soldat*Innen systematisch für Einsparungen und Verbesserungen zu nutzen.

Und dann fällt mir heute diese Festschrift „40 Jahre Akademie“ beim Umräumen meiner inzwischen etwas kräftiger angewachsenen Bibliothek in die Hände. Ich bin seinerzeit nur wenig später als das 2001 begangene Jubiläum vor Ort in der Seckenheimer Landstraße 8-10 in Mannheim gewesen. Diese Verspätung hinsichtlich des Ehrentages ist auch nicht der Anlass zu meiner heutigen kurzen Geschichte.

Mein “Meilenstein” wurde später (nicht) in die Abschlusschronik (2012) der Akademie aufgenommen

Meine damalige Verspätung zum Lehrgangsantritt in Mannheim kommt mir ungebremst wieder in den Sinn: 560 Kilometer bis zur Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik liegen vor mir. Ich starte mit einem großzügigen Zeitpolster in Richtung Mannheim. Es läuft wie am Schnürchen. Ich komme problemlos voran. „Kreuz Mannheim“, BAB 6, BAB 656, Freudenheim, Fahrlach, Oststadt, Neuhermsheim. “Wo bin ich?” Ich kreuze den Neckar mal von links nach rechts und dann wieder entgegengesetzt. Ich habe mich verfahren! Noch nie habe ich mich auch nur zu irgendeinem Seminar oder Lehrgang verspätet. Aber heute!

Mit 1,5 Stunden „overtime“ melde ich mich bei meinem Hörsaalleiter. Der Leitende Direktor Herr Dr X. hört mich an, mir aber nicht zu. Ich muss beim zuständigen Lehrstabsoffizier vorsprechen. – Klopf, klopf. „Herein.“

Irgendwann bemerkte ich, dass ich die “überarbeitete” Ausgabe der BAkWVT-Festschrift “gefunden” hatte

Ich schreibe nicht, dass es die nicht objektive, vielleicht sogar von negativen Gefühlen bestimmte Meinung, die sich der Herr Oberstleutnant ohne Prüfung der Tatsachen voreilig über mich gebildet hat, ist, dass er mich ein wenig missgestimmt begrüßt. Auf alle Fälle lasse ich ihn natürlich ausreden und erwidere dann: „Ja, Herr Oberstleutnant, ich setzte mich vor 8 Stunden mit dem Vorsatz ins Auto, verspätet in Mannheim anzukommen. Allein aus dem Grund, um Sie zu verärgern.“

Sendepause. Schnappatmung. Ich merke, dieser Satz geht nach hinten los. Der Mann versteht meine humoristisch gemeinte Zweideutigkeit nicht. Ich kann die Situation versöhnlich bereinigen und darf am Unterricht teilnehmen. – Am dritten Unterrichtstag an der BAkWVT denke ich reumütig: „Hättest Du nur nicht …“

“Astern blühen schon im Garten, …

… schwächer trifft der Sonnenstrahl”
(aus: Herbst, Detlev von Liliencron)

Unser morgendlicher Routinegang an der Ems

Seit einigen Tagen scheint die Sonne in Strömen. Nicht gerade die richtige Witterung, um die Campingsaison im Emstal ausklingen zu lassen. Auf dem Weg nach Sustrum schalten wir die beiden Außenventilatoren ein, um die plätschernden Sonnenstrahlen von der Windschutzscheibe zu wischen. Wir kommen gut voran, denn wir reisen ohne Big B. am Haken. Er steht noch an der Ems und hat die vergangenen vier Tage ohne uns hoffentlich gut verkraftet. – Er kann ja so sensibel sein.

Und wenn sich die Sonne zeigte, dann …

Eine fünf Kilometer lange und einspurig geführte Baustelle vor dem Emstunnel kann uns nicht erschrecken. Im Gegenteil: Den Abschnitt der BAB 28/31 zwischen Leer-Ost und dem Emstunnel einmal ohne Baustelle zu erleben, würde uns völlig aus der Bahn werfen. Wir kennen diese Strecke ohne Fahrbahnverengung, Geschwindigkeitsbegrenzung und Baustellenfahrzeuge gar nicht und dächten, wir hätten uns verirrt.

Wir fahren ins Emstal ein

In Walchum ergänzen wir unsere Vorräte im NP-Markt und starten durch ins Zweistromland zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal (DEK). Das Emstal schließt an diesem Wochenende seine Pforten. Wir wollen hier mit den letzten Gästen noch einmal ein paar ruhige Tage verbringen und freuen uns, dass wir Big B., der seit dem vergangenen Wochenende hier auf uns wartet, nur aufheizen müssen.

Fast völlige Ruhe, … wenn die Vögel nicht wären 🙂

Wir zupfen ein wenig am Vorzelt, richten eine Leine hier, einen Hering dort und sind angekommen. Luna versteht es nicht so recht, dass wir bei strömenden Regen nicht gleich zur großen Entdeckungsrunde aufbrechen wollen, nimmt dies aber gelassen hin, bis die letzten Tropfen auf das Dach unseres Caravans „dröppeln“. – „So, ich wäre dann soweit.“ In freudiger Erwartung steht sie an der Tür und drängt uns ins Freie.

“Maus voraus!”

Wir entscheiden uns für den Gang „Ems-DEK-Schleuse-Brinkstraße-Emstal“. Die Strecke ist sehr gut zu bewältigen, bei erneut einsetzendem Regen wären wir durch die Bäume entlang des Kanals und später der Brinkstraße geschützt und außerdem findet das Frollein hier ausreichend Gelegenheit, die Uferzone des Kanals auf neue Anlieger zu überprüfen. Ein Kormoran ist von dieser statistischen Ergebung nicht angetan und entzieht sich seiner Registrierung durch Flucht. Die Enten sehen dem Ganzen inzwischen gelassen entgegen, schwimmen in Richtung Fahrrinne und quaken. Ich meine darin ein höhnisches Gekicher zu erkennen, aber das würde ich Luna niemals verraten.

Ein neuer Kandidat “für´s Schiffe versenken”? – Der Vorgänger lag bis vor einer Stunde auf dem Grund der Ems

Das Wetter lässt es nicht zu, dass wir mit den Fahrrädern auf Tour gehen. Da muss dann eben Darth Vader, unser Zugpferd, herhalten. Wir fahren nach Dörpen, Lathen, Walchum und ein wenig in Richtung Haren/Ems. Die stetig zunehmenden Corona-Infektionsfälle lassen uns aber von einem Bad in der Menge Abstand nehmen. Nur in Lathen können wir es uns nicht verkneifen, die Eisdiele Venezia und den örtlichen Baumarkt zu besuchen. Der Heim- und Handwerkerparkplatz ist um 13.30 Uhr sehr übersichtlich besetzt. Also, hinein ins Paradies der Bastler und der, die sich für solch eine routinierte, sach- und fachgerechte Koryphäe halten. Ich gehe ja nur hinein, weil mich die vormontierten Badmöbel zur bequemen Selbstinstallation interessieren. Für eben diesen von Eigeninitiative geleiteten Einbau würde sich dann bestimmt auch in meinem Fall ein qualifizierter Handwerker finden lassen, der die Selbstinstallation für mich erledigt.

Auf dem Jüdischen Friedhof in Lathen

Die Beste von allen hat längst die Haushaltswaren im Visier, während ich noch nicht einmal die Metabo Kreis-, Kapp-, Gehrungs- und Säbelsägenabteilung erkundet habe. Geräte, die in keinem Haushalt fehlen dürfen. Angenommen, man möchte kurzentschlossen einen Steg bauen und besitzt keine Kapp- und Gehrungssäge. Ja, wie in aller Welt soll das funktionieren? Gar nicht! Zum Glück nennen wir keinen See unser Eigen, so dass sich die Frage nach einer privaten Landungsbrücke auch nicht stellt. – Ich flaniere daraufhin weiter zur Haushaltswarenabteilung. – „Oh, Flaschenöffner!“

Emstal Camping

Samstag. 16.40 Uhr. Es regnet seit 30 Minuten nicht mehr. Sollten wir tatsächlich das Vorzelt am morgigen Sonntagnachmittag trocken verpacken können? Eine tollkühne Vermutung!

In Feld, Wald und Flur an der Ems

Wir sind mit die letzten Gäste im Emstal. Die Schranke bleibt seit heute geschlossen. Auf dem ohnehin sehr ruhigen Platz breitet sich eine Stille aus, die jetzt nur durch die schnatternden Enten auf dem alten Seitenarm der Ems, dem Klopfen der Grün- und Buntspechte und den immer wieder einmal über den Platz rauschenden Wildgänsen unterbrochen wird. Eine Ringeltaube, unsere größte heimische Taube, kann dies nicht mehr erleben, denn sie wurde am frühen Morgen von einem Bussard geschlagen. Luna ist sofort zur Stelle und untersucht den „Unfallort“. Wir kommen zu der Entscheidung, dass es sich um die Taube handeln muss, die das Frollein schon gestern entdeckte und die bereits zu diesem Zeitpunkt körperlich sehr geschwächt auf uns wirkte.

Dafür lohnt sich frühes Aufstehen

Luna genießt die „freie Bahn“ im Emstal. Kaum sind wir von einem Rundgang zurück, sind ihre Pfoten gereinigt und das Frollein wieder aufgehübscht, steht sie auch schon an der Tür und scheint zu sagen: „So, genug ausgeruht. Wir können dann ja wieder aufbrechen.“ Da hilft dann nur das „Übersehen“ ihrer nun folgenden schauspielreifen Vorstellung: Anstoßen mit der Schnauze, ein wenig Quengeln, den Kopf auf das Knie gelegt und dann der schon so oft erwähnte Kleiner-Münsterländer-Elend-Leid-und-Gram-Verzweiflungs-Blick. Hilft das alles nicht, dann lässt sie sich „Rumms!“ zu Boden fallen und macht sich mitten im Wohnwagen breit. – „Das habt Ihr nun davon!“

Ein Roter Fliegenpilz (Amanita muscaria). Ebenso rot wie giftig

12.41 Uhr. Keiner weiß, woher der Himmel das Wasser nimmt, das er uns augenblicklich wieder einmal schickt. Eigentlich wollen wir längst unsere Zelte abbrechen, aber unter diesen meteorologischen Widrigkeiten fällt es uns nicht schwer, einen und gern auch mehrere Gründe zu finden, warum wir dies noch nicht machen. Ob wir nun alles nass oder triefend nass verpacken, ist vollkommen egal. Wir werden es nicht verhindern können. Aber dass wir selbst dabei auch noch „baden gehen“, wollen wir gern vermeiden.

Ein Gruß an Marlene P. “Ich weiß, Du hast ein schöneres Foto “geschossen”, aber ich arbeite daran …

Und dann ist es so weit: Der Regen setzt aus. Sogar diesem hellen Licht am Himmel, früher nannten wir es „Sonne“, gelingt es, ein wenig „Herbstzauber“ auf dem Platz zu verbreiten. Ungeachtet der nun sichtbaren intensiven Blattverfärbung an den Bäumen und Sträuchern, stürzen wir aus dem Caravan. Vorzelt, Vorzeltteppich, die Isabellas (Klappstühle), Tisch und dies & das werden gefaltet, geklappt und verstaut. Wir sind fertig! Ja, das Zubehör ist auch verpackt.

Das Emstal. – “Wir sehen uns 2021 wieder!”

„Alles hat ein Ende.“ Nein, nun folgt nicht: „nur die Wurst hat zwei“. – Die Saison 2020 ist für uns beendet, aber wir freuen uns schon heute auf den Neustart in 2021. – „Bis dahin! Man sieht sich!“

“Der Herbst …

… ist immer unsere beste Zeit.” – Johann Wolfgang von Goethe

Eigentlich wollten wir bereits am Vormittag nach Sustrum aufbrechen, aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und so stehen wir erst um 15.30 Uhr vor der Rezeption im Emstal und freuen uns, wieder einmal hier zu sein. Wir, das sind das Frollein und ich. Die Beste von allen vertritt akkurat die Interessen der Möbelbranche und hat uns für dieses Wochenende frei gegeben. Wir werden uns die Beine an der Ems vertreten.

Campingplatz Emstal • Brinkstraße 14 • 49762 Sustrum • Tel. 05939 9599860 • info@campingplatz-emstal.de

Wir erreichen unseren Stellplatz und noch ahne ich nicht, dass ich heute einen neuen Rekord im Aufbau unseres „Zeltlagers“ aufstellen werde. Das Vorzelt soll uns vor Wind und Wetter schützen. Die Markise und ihre diversen Anbauteile bleiben an diesem Wochenende arbeitslos. Ich dagegen kann mich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. 32 Kg Kampa Zeltbahn wollen in die Kederleiste eingefädelt werden. Die ersten Zentimeter sind kein Problem. Doch dann geht es in luftige Höhen. 2,60 m wollen erreicht werden. An Aufstiegsmöglichkeiten mangelt es mir nicht. Ich habe einen dafür bestens geeigneten Tritt im Gepäck. Nur, wie bringe ich 32 an meinen Armen zerrende Kilogramm in einem Rutsch in Position? Gar nicht. Also, zumindest nicht in einem Rutsch.

Die Ems

Stück für Stückchen fädele ich das Zelt in die Leiste ein. Es sind nur ca. 2,50 m, die ich bändigen muss, aber diese haben es in sich. Dann, ja dann habe ich es geschafft. Mein kontrollierender Blick sagt mir sofort: „Das war gar nichts!“ Irgendwann hat sich eine Schlaufe gebildet, die aus der Reihe tanzt, d.h. sie hat sich an der Kederleiste vorbeigemogelt. Also, das ganze noch einmal von neuem. Das komplette Vorzelt wieder aus der Führung ziehen, das angegriffene Nervenkostüm auf Neustart gesetzt und los geht´s.

Auf dem Weg von der Schleuse in Düthe

Es gelingt mir, das Kampa „aufzuhängen“. Nach einer ersten groben Ausrichtung des Zeltes geht es ans Aufpumpen. Ja, Gestänge waren gestern, heute pumpt man. Ich bin dankbar, dass ich in meinem ersten Leben als Rudersklave auf einer römischen Galeere zwangsverpflichtet gewesen sein muss. Die Pumpe und meine Muskulatur arbeiten einwandfrei, ich richte zwischendurch immer wieder einmal das Zelt aus. Zupfe hier, schiebe da und wackle dort. Und „schwups“ steht das „Luftschloss“ in seiner ganzen Pracht vor mir. – Es ist inzwischen 17.45 Uhr. Doch, wer hat mehr Zeit als ich, der Ruhestandsbeamte im 11. Ausbildungsjahr?

Es fällt ihr sehr schwer: An der Leine

Luna interessiert das alles nicht. Sie ist zu sehr damit beschäftigt, das Tunnelsystem einiger Feldmäuse hinter dem Wohnwagen freizulegen. Die kleinen Nager scheinen ihr Domizil verlassen zu haben, aber das Labyrinth muss erkundet werden. Dementsprechend sieht das Frollein aus. Mausgrau und sandig wie eine Baggerschaufel.

Auf dem Weg zur Schleuse in Düthe: Eiltank 66

Das Zelt steht, der Hund ist gereinigt und gefüttert, der Flurschaden eingeschlichtet und ich freue mich auf ein kühles Erfrischungsgetränk im Caravan. „Hallo? Wie sieht es denn hier aus!“ Nichts steht an seinem Platz. Kein Wunder, wir reisen solo und da ist nun mal nichts mit „sich ins gemachte Nest hocken“. Radio und Fernsehgerät sind schnell aufgebaut und in Betriebsbereitschaft. Doch: „Wo liegen noch einmal die Tischdecken, die Sets und …?“

An der Brinkstraße

Ich bin ein wenig geschafft und so beschränkt sich der Abendspaziergang auf eine kleine Platzrunde und den obligatorischen Kontrollgang zur Brücke an der Brinkstraße. „So viel Zeit muss sein“, meint Luna. Es herbstet an der Ems und somit tummeln sich Heerscharen von Enten auf dem Wasser. Ganz großes Kino für das Frollein. Sie entwickelt eine Zugkraft, die jedem Dieselross imponiert hätte.

Wer hat die dicksten Kartoffeln?

Wieder im Wohnwagen bin ich zu müde zum Lesen. Ich überlasse es Siegfried Lenz, mir seine masurischen Geschichten „So zärtlich war Suleyken“ zu erzählen. Irgendwann zwischen den Episoden über Hamilkar Schaß und dem schönen Alec wollen mir die Augen zufallen. Wir raffen uns auf und gehen noch einmal „für kleine Mädchen“. Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. – Schön, aber ich bin zu müde. Morgen ist auch noch eine Nacht.

Ein Nistkasten, wie ich ihn noch nie gesehen habe

Die Geschichte wiederholt sich: „Freitagmorgen. Zuverlässig macht das Frollein gegen 7.15 Uhr auf sich aufmerksam: Strecken, Fellpflege, Schütteln, ein wenig „quakiges“ Meckern, ein theatralisches Winseln, leicht überzogenes Gähnen, erneutes Kratzen mit dem Hinterlauf und wiederholtes Schütteln. Dann hat sie es wieder einmal geschafft und wir brechen zu unserem ersten „Gang durch die Gemeinde“ auf.

Mensch, was willst Du mehr?

Auf der Brinkstraße nimmt uns ein silberfarbener Kleinwagen ins Visier und mit weitaufgerissenen Augen gelingt es dem sicherlich noch schlaftrunkenen Fahrer, uns in einem wilden Manöver auszuweichen. Er winkt verlegen und ist weg. Auf dem Rückweg fragt mich eine Autofahrerin nach dem Weg. Sie will nach Steinbild. Ja, da bin ich im Bilde. Aber sie will mir nicht so recht glauben, zu sehr ist sie von ihrer „Abkürzung“ überzeugt. Ihr Navigationsgerät hat sie erst gar nicht eingeschaltet. An meiner Empfehlung zweifelnd fährt sie weiter in Richtung Fresenborg. Gut, das liegt auch an der Ems, aber eben in der anderen Richtung.

Wir haben die “Barrikade” überwunden …

13.00 Uhr. Beginn der Mittagsruhe im Emstal. Ja, eben für wenige Minuten die Augen schließen, die Augenlider auf innere Verletzungen absuchen und das verdächtige, nächtliche Geräusch aus der Matratze exakter lokalisieren. 13.20 Uhr: Strecken, Fellpflege, Schütteln, ein wenig „quakiges“ Meckern, ein gekünsteltes Winseln, leicht überzogenes Gähnen. – „Ja, Luna, wir brechen auf.“

Naturcamping

Entlang der Ems erreichen wir Steinbild, überqueren die Brücke und laufen auf der anderen Uferseite zurück zur Schleuse in Düthe. Natürlich begegnen wir der Dame vom Morgen nicht. Sie ist ja in Fresenborg.

Luna beobachtet mit größtem Interesse ein abgeerntetes Maisfeld an der Brinkstraße. Irgendetwas muss da sein. Ich sehe es nicht, aber das Frollein. Und weil es eine willkommene Abkürzung zum Campingplatz ist, laufen wir über den Acker. Laufen? Die Kleine Münsterländerin zerrt mich über den Acker. Ich lasse es geschehen. Vielleicht ermüdet sie diese Arbeit. – Wer´s glaubt, wird selig.

Ja, ganz allein aufgebaut

09.49 Uhr. Tag der Deutschen Einheit. Ein leichter Wind weht durch das Emstal, der Himmel steht komplett unter Wolken. Und es will einfach nicht hell werden. Alles grau in grau. Den Radiostationen, die ich hier empfange, ist plötzlich eingefallen, etwas zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung zu bringen. Ich will nicht sticheln, aber für mich grenzt das an einen termingebundenen schmeichelnden Pflicht-Programmpunkt. – Keine Frage: Es ist gut, dass die einstige Sowjetzone, die unter dem Einfluss der russischen Besatzungsmacht zu einem deutschen Teilstaat, der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik wurde, wieder eine Einheit mit der Bundesrepublik Deutschland bildet. Auch wenn dies nach drei Jahrzehnten manche immer noch oder bereits wieder anders sehen.

Die Sustrumer “Parkstraße”

Erst werde ich leicht angestoßen, dann legt mir das Frollein den Kopf auf das Knie. Mit ihrem unverwechselbaren und unnachahmlichen Wenn-Wir-Jetzt-Nicht-Losgehen-Sterbe-Ich-Blick, sagt sie eigentlich alles. Gut, das Vorzelt, das ich noch wind- und wetterfester machen möchte, kann warten. Kann warten? Nein, bei diesem Blick muss es warten.

“Leine los!”

Wir laufen entlang der Brinkstraße in Richtung Sustrum. Auf den Äckern ist die Kartoffelernte in vollem Gang. Es ist sehr interessant, zu beobachten, mit welcher Präzision die Maschinen über die Felder manövrieren. Technik hin, Technik her. Für Luna ist es wesentlich entscheidender, dass da ein Hund mitwirkt. Unermüdlich läuft dieser vor einem Trecker. Er weiß genau, wann es an der Zeit ist, den Rückweg anzutreten, weil die Zugmaschine demnächst wenden wird. Dieses Spiel wiederholt sich von Bahn zu Bahn, die der Traktor zurücklegt. Luna kann es nicht fassen. Auf das Doppelte ihrer Größe angewachsen, steht sie in der Leine und am Feldrand und scheint entrüstet zu fragen: „Was macht der auf meinem Territorium?“

“Nur ein Foto. Ich hab´ doch keine Zeit!”

Wir laufen weiter durch die Felder. An einem Sielgraben warten wir auf die Eisvögel, die hier eigentlich regelmäßig anzutreffen sind. Sie sind sehr kamerascheu. Ich habe sie noch nie „erwischt“: Wenn sie nicht zu weit entfernt waren, so flogen sie immer schon auf, bevor ich den Auslöser betätigen konnte. Heute ist es besonders entmutigend, denn sie sind nicht da. Und dann hat da auch noch jemand ein Tor, nein, einen Zaun, eine Barrikade, eine Schanze aufgestellt. Der Weg scheint uns verbaut. Von wegen! Gewohnheitsrecht, wir laufen hier seit sechs Jahren! So schnell könnte der „Wegelagerer“ gar nicht „Stopp!“ sagen, wie wir sein Hindernis übersteigen und respektlos umgehen.

17.21 Uhr. Wir haben inzwischen gefühlte 35 Kilometer durch das Emstal zurückgelegt: Die Brinkstraße rauf und runter, das Emsufer sowohl auf der linken, als auch der rechten Seite zwischen Sustrum und Steinbild erwandert und den Campingplatz inklusive des Seitenarms der alten Ems im Detail inspiziert. Und nun? Abwasch. Welch knappes Wort für so viel Geschirr. – Luna hat keine Zeit. Zu sehr ist sie mit Wald-, Feld- und Wühlmaus beschäftigt. Ganz zu schweigen von Graureiher, Höckerschwan und Graugans.

“13 Stockenten, 4 Blässhühner, 3 Graureiher, 2 Graugänse, eine Nilgans, ein Kormoran. Ja, alle da.”

Sonntagmorgen im Emsland: Ich habe unzählige Heringe im Boden versenkt, Sturmbänder gespannt, Schüre und Leinen gesichert: Das Vorzelt wird überleben, d.h. es wird die kommenden drei Tage ohne uns bestehen und standhaft bleiben.

Nur eine kurze Unterbrechung und dann sind wir wieder zurück. Rechtzeitig zum Saisonende im Emstal.

Auf Lüneburger Heide

Auf Lüneburger Heide,
Da steht der alte Stein,
Daneben die alte Eiche,
Sie mag wohl tausendjährig sein.
– Gottfried Keller (1819-1890)
(Auf Lüneburger Heide, 1. Strophe)

Raubkammer, Große Heide, Trauen, Lager Trauen, Faßberg und natürlich Munster, Munster Heide und einige andere klingende Namen im, am und um den Truppenübungsplatz Munster Lager lassen nicht unbedingt jedes soldatische Herz höherschlagen. Nach heute zahlenmäßig nicht mehr zu erfassenden Lehrgängen in Faßberg, Einsatz- und Verlegeübungen und weiteren Aufenthalten im grünen Dreieck zwischen den Städten Celle, Walsrode und Lüneburg, „zelten“ wir für ein langes Wochenende in Hösseringen. Südlich von Suderburg endet hier das Straßennetz. Jeder weitere Schritt bringt uns nicht in Gefahr, aber weiter in den Naturpark Südheide.

Der Hardausee bei Hösseringen am Nachmittag

Es gibt sie also, die „Wiederholungstäter“. Waren militärische Lehrgänge und Übungen nicht ausreichend, so packt man seine Siebensachen und geht ausgezeichnet Campen in der Lüneburger Heide: Camping Hardausee. Wir sind auch aus Sicht der Caravaner „Wiederholer“: Unser erster Besuch bei Familie Köllner liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Und wie es der Zufall will, ergattern wir auch jetzt den Platz in der Pappelallee, den wir im vergangenen Juli belegten. Groß ist er. Big B. (unser Fendt) mit seiner überreichlichen „Markisenlandschaft“ inkl. Sun Blocker und Darth Vader (unser Zugpferd, der Vivaro) kommen sich mit den beiden Fahrrädern und dem Lunamobil (Fahrradanhänger des „Frolleins“) nicht ins Gehege. Im Gegenteil, das Schlauchboot, das wir nicht besitzen (und auch nie werden), fände auch noch Platz.

Hardausee

Wir entscheiden uns für die Markise und lassen das Vorzelt ruhen. Der leichte, aber kühle Wind aus Richtung Südheide dagegen ruht nicht. Wir sonnenbaden zwar in 21°C, doch die kühle Brise aus Richtung Celle und Lachendorf lässt uns bald das Lachen vergehen. Aber wir stehen, mit roten Nasen und in Wolldecken verpackt, zu unserem Entschluss. Aus dem Vivaro vernehme ich ein leises Kichern: Es ist das zusammengerollte nagelneue Vorzelt. Luna findet das alles toll.

Maisernte in Hösseringen. Und von wo kommt der Traktor? Richtig, aus dem Emsland

Um uns herum weitere Hunde, die es sich nicht verkneifen wollen, ihre bellenden Kommentare zu allem und jedem, gern auch schrill und mehrstimmig, über den Platz „quieken“ zu lassen. Das Frollein bemerkt, dass wir von diesem Gekläffe in unseren Isabellas (den Klappstühlen) ein wenig genervt und inzwischen fast dem Kältetod ausgeliefert sind. Sie rettet die Situation: „Ist es nicht langsam einmal an der Zeit, den Hardausee zu umrunden? Ich denke, ich bin den Enten einen Besuch schuldig.“ Gesagt, getan.

Leichter Nebel auf dem Hardausee und bei 3°C kalte Finger …

Luna legt sich ins Zeug. Alle Muskeln angespannt, drängt sie ans Ufer, momentan nur ein bestimmtes Geräusch „fest im Blick“, entdeckt sie ihre erste „Ente“. Sie hat ihre Beute lokalisiert. Allerdings ist diese Ente eine Schwimmerin. Vor Lunas Augen noch verborgen, habe ich bereits die tizianrote Haarpracht der Badenden entdeckt. In einer extravaganten Mischung aus Brustkraulen und -schwimmen planscht die mutmaßliche Ente durch das Wasser vor einem Schilfgürtel. Ja, es klingt in der Tat wie ein flüchtend-platschender Wasservogel. Würde ich Luna nun von der Leine lassen … das will keiner erleben!

Das ist so ein Moment, der die kleinen, mitunter auch nervenden “Nebensächlichkeiten” während einer Reise sofort vergessen lässt

Im seichten Wasser einer kleinen Bucht lassen sich zahlreiche kapitale Karpfen dicht unter der Wasseroberfläche treiben. Es sind bestimmt 25 bis 30 Prachtexemplare. Am gegenüberliegenden Ufer warten im Schatten der Birken drei bis vier Angler vergeblich auf den ersten Biss. Wir könnten ihnen einen Tipp geben, aber wir sind ja keine Plaudertaschen.

Campen in der Lüneburger Heide

Gegen 7.15 Uhr brechen das Frollein und ich zu einer morgendlichen Hardausee-Runde auf. Drei Rehe kreuzen unseren Weg. Luna vernachlässigt sie, da sie zu sehr mit der Fährte eines potentiellen „wilden Tieres“ beschäftigt ist. Wir entdecken auf den Feldern den ersten Raureif und frühe 3°C „knabbern“ an meinen Fingern. Ich schaffe es trotzdem, das eine und andere Foto zu schießen. Nein, die drei Rehe habe ich nicht erwischt, die waren auch zu weit entfernt. Ich begnüge mich mit dem vom Hardausee aufsteigenden Nebel.

Die Ilmenau, linker und südlicher Nebenfluss der Elbe, bei bzw. in Uelzen

Campen unter Corona ist anders als gewohnt. In einer längeren Schlange stehen wir mit dem „Schnutenpullover“ (schleswig-holsteinisch für Mundschutz) und dem nötigen Kleingeld in der Hand vor dem kleinen Bäckerladen auf dem Campingplatz. Es ist vielen noch zu früh, viel zu früh. Mundfaul warten wir, bis wir an der Reihe sind. Wenn die wüssten, dass wir bereits vier Kilometer abgespult haben, diese Softies. (Eigentlich würde ich lieber „Weicheier“ schreiben.)

Stolpersteine vor dem Haus Brückenstraße 5 in Uelzen

Wir wollen nach Uelzen. Nein, nicht zur 200 Jahre alten Bockwindmühle Auguste, im Handwerksmuseum Suhlendorf und auch die schon 1339 urkundlich erwähnte ehemalige Wassermühle in Oetzmühle steht nicht auf unserem Programm. Der Uelzener Bahnhof soll es sein. Nicht irgendein Bahnhof. Nein, der Hundertwasser-Bahnhof. Ich war bereits 2001 einmal dort und habe ihn, dieses künstlerisch gestaltete Kleinod, in bester Erinnerung. Hätte ich ihn doch nur in dieser bewahrt! Von außen betrachtet, ahnen wir nicht, was uns im Bahnhof erwartet. Werbebanner, riesige Mülleimer, Kunststoffwannen, diese roten E2-Dinger aus der fleischverarbeitenden Industrie, Covid-19 geschuldetes weiß-rotes Trassenband und ineinander gestapelte Stühle scheinen hier die aktuelle ästhetische Installation zu sein. Friedensreich Hundertwasser hätte energisch widersprochen. Da bin ich mir sehr sicher.

Meister Bruno trifft den Nagel auf den Kopf

Tja, und wenn man erst einmal etwas findet, das Anlass zur Empörung gibt, dann gesellen sich schnell weitere Dinge dazu. Ich verzichte darauf, diese uns irritierenden Makel aufzuzählen und deute an: Uelzen scheint mit der Unterhaltung seines historischen Stadtkerns und seiner Fußgängerzone ein wenig in Verzug geraten zu sein. Über den Wochenmarkt gehen wir zu unserem Auto. Wir kommen mit einer sehr freundlichen Käseverkäuferin ins Gespräch. „Nur mal so“ probieren wir hiervon und kosten davon. Und verlassen mit zwei stattlichen Stücken Käse im Gepäck den Wochenmarkt und Uelzen.

Hundertwasser-Bahnhof-Uelzen

Von vergangenen Reisen wissen wir von der italienischen Eisdiele Dolomiti in Bad Bodenteich. Pistazieneis mit frischer hausgemachter Erdbeersoße und ein Walnussbecher mit kandierten Nüssen und einem Schuss 18%igem Likör sind die wahren Gründe unserer Fahrt. Natürlich könnte ich schreiben, dass wir die alte Ritterburg, die Wassermühle und die in der Nähe gelegene malerische Feldsteinkirche besuchen wollen, die von der bewegten Vergangenheit des Ortes zeugen, aber das wäre nicht ehrlich. Anlass zu unserer Fahrt sind in erster Linie eisige, italienische Erinnerungen und erst dann die Burg.

“Friedensreichs Bahnhof”

Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in die Gaststätte Buss auf dem Campingplatz am Hardausee. Es ist Samstagabend, es ist viel los. Wir haben Zeit und Gelegenheit unser frisch gezapftes Dithmarscher Pilsener zu trinken. Zuhause sind es meist ein Jever-, Bitburger-, Veltins- oder gern auch ein Hasseröder Pilsener, aber unterwegs in Richtung Elbe, in Schleswig-Holstein oder beim Griechen unseres Vertrauens in Güster (ja, auch in Schleswig-Holstein) muss es ein Dithmarscher Pilsener sein. Warum weiß keiner so genau, es gehört einfach dazu.

Innehalten

In abgeklärter Voraussicht bestellen wir kein üppig-aufwändiges Gericht. Der flinke Kellner ist bemüht, rastlos, aber allein und im Laufschritt hetzt er zwischen Gästen, Tresen und Küche umher, auch Koch und Küche sind im Stress, einige Gäste begehren bereits ein wenig auf. Da bestellt man etwas „Leichtes“. Also, etwas in der Küche leicht und zeitlich unkritisch zu händelndes: Die (Opel) Mantaplatte. Currywurst, Pommes und Salat. Und siehe da, ruckzuck stehen zwei beachtliche Portionen vor uns auf dem Tisch. Beflissentlich übersehen wir die verdrossenen Blicke der bereits vor uns und somit länger wartenden Gäste. Und wenn diese wüssten, dass wir für vier Dithmarscher Pilsener der Kaliber 0,3l und 0,4l und die beiden „Platten“ 22,40 Euro (ohne Trinkgeld) zahlen werden, könnte es sein, dass sie uns folgen. Nicht nur mit ihren hungrigen Blicken.

Die Burg in Bad Bodenteich

Sonntagmorgen. Zuverlässig macht das Frollein gegen 7.00 Uhr auf sich aufmerksam: Strecken, Fellpflege, Schütteln, ein wenig „quakiges“ Meckern, ein theatralisches Winseln, leicht überzogenes Gähnen, erneutes Kratzen mit dem Hinterlauf und wiederholtes Schütteln. Dann hat sie es wieder einmal geschafft und wir brechen zu unserem ersten „Gang durch die Gemeinde“ auf. Heute geht es nicht direkt an den Hardausee. Wir wählen den kleinen Umweg um das noch nicht abgeerntete Maisfeld. Zur großen Begeisterung der Kleinen Münsterländerin finden sich auch hier genug frische Spuren der einheimischen Feld-, Wald- und Wiesenbewohner. Ab und zu gestattet sie mir eine Pause, um das eine oder andere Foto zu machen. Lange stelle ich ihre Geduld allerdings nicht auf die Probe, denn beide Akkus im battery-pack der Kamera sind leer. Ein letztes Foto des im Frühnebel schlummernden Sees und „Ende der Vorstellung“. Sehr entspannt, da „vollständig spannungslos“, kehren wir um.

Der Brümmerhof im Museumsdorf Hösseringen

Wir treffen auf die Warteschlange vor dem „Kleinen Laden“ auf dem Campingplatz. Die ersten Camper versorgen sich mit Brötchen und Brot. Manche lächeln, andere nicht. Sicherlich sind letztere diejenigen, die heute abreisen. Wir bleiben noch. Wir haben ein langes Wochenende geplant und können getrost mit dem Brötchenkauf warten. Dann ist die Schlange vor dem Bäcker auch viel länger und manchmal die Kundinnen und Kunden lustiger und gesprächiger als dies im Augenblick der Fall zu sein scheint. Ja, ich verwickle die Menschen gern in ein lockeres Gespräch. Oft reicht dazu nur eine kleine scherzhafte Bemerkung. Eine oder einer „steigt immer darauf ein“. Meistens.

“Chill-Out-Zone” im Brümmerhof

Die Brötchenbestellung am Hardausee wird per zuvor vergebener Nummer abgewickelt. Und wenn man sich statt „mit der Zehn“ mit der Angabe: „Ronald Stock, Pappelallee 7, Hösseringen, Lüneburger Heide, Deutschland“ vorstellt, kann man Gelächter ernten oder aber am darauffolgenden Tag (unbeabsichtigt) auf der Campingplatzkleinerladenbrötchenbestellliste vergessen worden sein. Ein Wagnis, das ich für eine Blödelei gern in Kauf nehme. – „Wenn Du Dich nicht allzu ernst nimmst, kannst Du Dich besser wahrnehmen.“ Michael Marie Jung.

Nicht nur Schüsseln und Holzlöffel auf dem und bei Tisch. Es ging auch so

Nur die Gipfel des Blauen Berges (129 m) und des Lüß-Berges (130 m) in unserer unmittelbaren alpinen Nachbarschaft überragen die Höhe (122 m), die wir bezwingen müssen, um das Museumsdorf Hösseringen zu besuchen. Was nimmt der historisch interessierte Mensch nicht alles auf sich, um einen Einblick in die Vergangenheit zu erlangen? Zwei Einblicke genügen mir dann auch, um festzustellen, dass ich über meine späte Geburt sehr erfreut und meinen Eltern spätestens heute sehr dankbar dafür bin. Offene Feuerstellen, Hund, Katze, Maus und das liebe Vieh quasi im Wohnzimmer, das man sich mit allen Familienmitgliedern teilte. Und wenn man nicht gerade damit beschäftigt war, den Lebensunterhalt in eigener Produktion zu sichern, dann hütete man die Ziegen oder Heidschnucken und schützte die Hühnerschar vor dem unbefugten Zugriff durch Fuchs, Marder & Co. Dafür gab es kein fließendes Wasser und das „Badezimmer“ fand man des nachts und bei Wind und Wetter im Vorgarten. Nein, danke. Der historische Landtagsplatz in der Hösseringer Heide kann zur Änderung meiner Meinung auch nicht mehr beitragen.

Und wo ist der clevere Backofen mit Selbstreinigung? Wo die Keramikspüle? Wie kochten sie ohne Umluft oder Ober- / Unterhitze? – Fragen über Fragen

Gegen 15.00 Uhr kehren wir in die Pappelallee zurück. Von unseren bisherigen Nachbarn aus Winsen/Luhe haben wir uns am Vormittag verabschiedet. Jetzt steht ein funkelnagelneuer Fendt Diamant inkl. fabrikneuem Isabella Vorzelt auf der Nr. 8. Beide Nachbarn sind in die Aufbauanleitung ihres Vorzeltes vertieft. Nur ihre Nele, eine weitere sehr egoistisch-kleindenkende Schöpfung der Kategorie quiekender Hunde, „macht einen auf dicke Hose“.

“Ein Loch ist im Eimer!” Insider wissen, dass er nicht dem Medium-Terzett aus Osnabrück gehört

Die ebenfalls frisch angekommenen Nachbarn aus Ostfriesland verstehen sich mit den niederländischen Anrainern auf Anhieb so gut, dass dies niemandem in der Tannen- und Pappelallee entgehen könnte. Schön ist sie, diese grenzen- und bedenkenlose Verständigung, nicht.

Ich hätte mich hier einschließen lassen können: Dorfcafe in Hösseringen

Inzwischen studieren „die auf der acht“ in gleichem Lärmpegel wie die Ostfriesland-Holland-Connection einen Fendt-Prospekt: “Sonderausstattung Diamant-Paket. 50 Jahre Fendt-Caravan”. Dieser scheint so interessant zu sein, dass auch die Nachbarn es erfahren müssen. Dies glauben zumindest die beiden „Diamanten“. Wir sind nicht gereizt, wir sind “totally annoyed” (total genervt). Zum Glück haben wir am Abend einen Tisch beim Griechen im Nachbarort reserviert. Hier werden wir uns von der nervlichen Kraftprobe am Nachmittag erholen.

Das Lokal ist gut besucht. Keine Sorge: Wir haben reserviert. Telefonisch. Im Garten des Lokals werden wir spontan von zwei weiteren hysterisch-hitzköpfigen Schöpfungen der Gattung Hund begrüßt. Luna bewahrt die absolute Ruhe. Und ich habe eine neue Taktik entwickelt: Ich bleibe mit dem Frollein in angemessener Entfernung vor dem Tisch der unaufhaltsam bellenden Heulbojen stehen und lasse Herrchen und Frauchen die Situation bereinigen. Ich weiß, dass ihnen dies nie und nimmer gelingen wird. Und erst, wenn auch der letzte Gast erfährt, von welchem Tisch dieser charakterlose Tumult ausgeht, gehen wir weiter. Ja, das mag sehr unfair sein, aber wer seine Hündchen „eine große Schnauze“ riskieren lässt, muss damit leben können.

Es ist schön, wenn die ganze Familie Zeit und Gelegenheit findet, gemeinsam und generationenübergreifend ein Lokal aufzusuchen, sich austauschen kann und dabei einen wundervollen Abend verbringt. Viel zu selten sind diese Momente im Kreis der Lieben geworden.

Nun mag es sein, dass ich irgendwann irgendetwas versäumt oder übersehen habe: Bestimmen heute die jüngsten Familienmitglieder die Sitzordnung und das Gesprächsthema? Muss die Verwandtschaft stets alles leidenschaftlich bewundernd als „Super!“ und „Gaaanz toll!“ beurteilen, was die jüngsten Erdenbürger fortwährend und ungehindert, da durch dieses überzogene und lächerliche Lob ständig ermutigt, „vom Stapel lassen“? Muss in endlosen Diskussionen erläutert werden, warum der freundliche Ober die Micky Mouse Teller nicht vor Muttis Salat serviert hat? Obwohl der anstrengende Matt-Eagle und seine überdrehte Schwester Cinderella-Melodie, beide Vornamen sind fiktiv, doch solch einen Hunger haben! Die geistesabwesenden Eltern antworten nur mit einem müden „Ja, ja“, da sie zu sehr damit beschäftigt sind, ihre WhatsApp-Stati zu aktualisieren. Ich suche nach dem Kamerateam, das hier und heute eine Folge einer Doku-Soap aufzeichnet. Titel: „Mit Verrückten speisen“.

Ein peinlich berührter Großvater ist ganz bestimmt kein Spielverderber, da anscheinend nur er es verinnerlicht hat, dass sich die durcheinanderkrakelende Familie in einem Restaurant und nicht in einer Kindertagesstätte befindet. Aus diesem Grund mag er es ablehnen, mit den Enkelkindern um den Tisch herum Fangen zu spielen. – Unser Essen war sehr appetitlich, frisch zubereitet und reichhaltig, das Taverna-„Der Grieche“-Team um Frau Kotzagkiozes war sehr engagiert, stets freundlich und zuvorkommend. Leider blieb unsere erhoffte Erholung vom Nachmittag durch die Turbulenzen am Nachbartisch auf der Strecke.

Das Hygrometer (Anzeige >100%) hatte an diesem Morgen frei

Es kann der Eindruck entstehen, dass unser verlängerter Wochenendausflug in die Lüneburger Heide „ein Schuss in den Ofen“ war, da ich mich immer wieder einmal über das eine und andere beklage. Nein, so ist es bestimmt nicht. Natürlich haben wir bedauernswerte Erfahrungen gesammelt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse werden dazu beitragen, kommende Fahrten unter neuen Gesichts- und Schwerpunkten zu planen. Ich sehe es ähnlich wie Thomas Carlyle: “Die Erfahrung nimmt ein furchtbar hohes Schulgeld, aber sie lehrt wie sonst keiner.”- Also, auf zu neuen abenteuerlichen Fahrten!

Die Natur erobert die Uelzener Innenstadt

In der Lüneburger Heide zeigte es sich besonders: Luna, unsere Kleine Münsterländerin, der kleinste Vertreter der deutschen Vorstehhundrassen, wird auf Anhieb als solche erkannt. – Edmund Löns, der jüngere Bruder des Dichters Hermann Löns, begann zwischen 1902 und 1907 mit der Reinzucht unter dem Namen Heidewachtel.

Da spricht der Stein zur Eiche,
Als wacht’ er auf vom Traum:
“Ging nicht vorbei die Freiheit?
Wach’ auf, wach’ auf, du deutscher Baum!”
Gottfried Keller
(Auf Lüneburger Heide, 3. Strophe)

Der 280er

Eine Geschichte ohne Fotos. Zur freundlichen Erinnerung an Joachim Anton H. und einzig für das “geistige Auge” bestimmt.

Heute kam mir ein Mercedes-Benz 280 S entgegen. „Schön“, denken der eine und die andere: „Und warum ist das so besonders?“ – Es handelte sich um einen Typ W 108, der gern als „die alte S-Klasse“ bezeichnet wird, obwohl besagte Klasse zur Zeit der Fertigung dieses Typs (1967–72) noch gar nicht vom Band gelaufen war. – (Zitat) Mercedes-Benz bezeichnet die Modelle W 108/109 als „die eigentliche Geburtsstunde der S-Klasse“, auch wenn man sie damals noch nicht so nannte (Zitatende, wikipedia).

Besagter Mercedes 280 S, wenn auch noch nicht eine S-Klasse, so doch ein 6-Zylinder-Oberklasse-Modell mit einem Hubraum von 2778 cm³ und seinerzeit 140 PS, weckte sofort Erinnerungen in mir:

2./Flugabwehrraketenbataillon 26 NIKE, Chorengelshellmer/Sürwürder Hellmer, Lockfleth, Feuerleitbereich und Joachim (1954 – 2020), “nick name”: Jochen. – Jochen fuhr dieses W-108er-Modell. Und er wäre nicht Jochen gewesen, hätte sein 280er nicht auch bereits damals über besondere Ausstattungsmerkmale verfügt wie ein Automatikgetriebe, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, eine Standheizung und … nun kommt´s: Am rechten Kotflügel des tiefschwarzen „Mafiaschlittens“ befand sich die Halterung für einen Stander. Bestimmte Amtsinhaber und Würdenträger besitzen die Berechtigung zum Führen von Standarten … und der damalige Herr Oberfeldwebel J. – „Wer, wenn nicht er?“

Ich will mich auf keinen Fall über Jochen lustig machen. Im Gegenteil! Ich erinnere mich oft und dies sehr gern an unsere gemeinsamen Jahre während der 1980er. „So manches Ding“ haben wir uns da hin und wieder geleistet. Nein! Wir haben uns niemals rechtswidrig verhalten und selbstverständlich auch keine Straftaten begangen.

Wir haben vielleicht einmal mehr als gewöhnlich, auch gegenüber den uns anvertrauten Soldaten, „Fünfe gerade sein lassen“ und bestehende Dienstvorschriften mit ein wenig mehr Freigeist interpretiert, als dies im Sinne realer Anweisungen gedacht war. – „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?“

„Was hat das alles mit dem Mercedes-Benz 280S zu schaffen?“ – Es ist die Brücke, die dieses Fahrzeug meinen Gedanken an Jochen schlug. Und da fällt mir die eigentliche Geschichte ein:

Es soll einmal zwei Soldaten gegeben haben, die wenig bis gar keinen Gefallen an einer Disziplin des Soldatensportwettkampfs fanden. Um dem eigentlich allgemein sehr unbeliebten 5000m-Lauf ein wenig mehr Attraktivität zu verleihen, machte sie sich daran und vermaßen selbstlos, um eine Alternative zu den monotonen 12,5 Runden auf dem Sportplatz an der Molkereistraße 21 zu schaffen, parallel zum Alser- und Hakendorferwurp entlang des Lockfleths eine Ausweichstrecke. Schnell waren die erforderlichen Streckenmarkierungen inkl. Wendemarke auf den Beton gesprüht. An eben dieser Wendemarke nahm ein Posten Aufstellung und erfasste die hier den Rückweg antretenden Sportler. Ich darf Sportler schreiben, denn Sportlerinnen gab es erst ab dem 1. Januar 2001 in den Kampfverbänden. Gut, einige gab es davor bereits in den Disziplinen MilPhys, -San und -Geo.

Die 5000er-Läufer starteten am Tor zum Feuerleitbereich. Der Tor- und Schließerposten erfasste schriftlich den Start und späteren Zielleinlauf. An der Wendemarke wurde die „körperliche Anwesenheit“ quittiert. Fertig!

Mindestens zweimal patrollierte der tiefschwarze Mercedes auf der Laufstrecke, hielt stets außerhalb der Sichtweite zur Wendemarke und dem Tor- und Schließerposten. Eben dieser Mercedes verfügte neben all seiner luxuriösen Ausstattung über einen sehr geräumigen Kofferraum. Ohne weiteres hätte ein zuvor am Tor FLB gestarteter Sportler dort hinein huschen können, vor der Wendemarke diesem entschlüpfen, um sich nach dem dortigen „Vollzähligkeitsappell“ wieder … usw. Doch das ist natürlich rein spekulativ.

Ich bleibe im Konjunktiv: WER in aller Welt hätte das getan?

Weg! – Von diesem an keinen anderen Ort

In der Nordwest-Zeitung Nr. 209 vom 7. September 2020 heißt es u.a. auf Seite 17: „Alte Wege und innovative Dächer. Fliegerhorst Das ist so besonders an der Planung des neuen Stadtviertels“ (von Ellen Kranz).

Es steht nicht in meiner Absicht, mit einem Blick nach Oldenburg, diesen Artikel anzugreifen oder zu kritisieren. Aber ich war ein wenig geschockt, als ich den „Sandkasten“ an der Alexanderstraße 461 sah, den Torsten von Reeken fotografisch einfing. Fast alles ist weg. Historische Gebäude wie die Villa Wehnelt, das Truppenkino, das Freibad, viele Unterkunftsgebäude, Werkstätten, Lager usw. wichen der Kampfmittelsondierung.

Der ehemalige Fliegerhorst, wo ich einen Teil meiner Dienstzeit (ca. 16 Jahre) verbrachte, wird einmal über begrünte Dächer und regenerative Energien verfügen. Das ist gut so. Schön, dass hier bald bis zu 3.000 Menschen wohnen werden.

Weniger gefällt mir, auch wenn wir (Soldat*Innen) es bereits während der militärischen Nutzung der Liegenschaft zumindest ahnten “das da was ist”, dass erst mit der Planung des neuen Stadtviertels eine Kampfmittelsondierung erfolgte. Damit ließ man sich Zeit bis zur Schließung des Fliegerhorstes. Auch wenn wir seinerzeit über stählerne militärische Kopfbedeckungen verfügten, so wäre es doch ganz nett gewesen, uns zu informieren. Britische Luftbildaufnahmen längst vergangener Angriffe auf den Fliegerhorst gab und gibt es zur Genüge.

Es fehlen noch weitere Gebäude: der Lokschuppen und mindestens acht Unterkünfte sowie die Gebäude der Betriebsgruppe (StOV)

Da ich nicht ohne weiteres das originale NWZ-Foto verwenden darf, habe ich „mal eben“ eine an die Aufnahme angelehnte Skizze angefertigt. Die mit gelbem Textmarker versehenen Gebäude sind noch vorhanden. Alles weitere (in diesem Ausschnitt) fiel dem Zahn der Zeit bzw. der Baggerschaufel zum Opfer.

Ich habe alle “Abwesenden” noch vor Augen und könnte zu fast jedem Gebäude eine Geschichte erzählen Aber wen interessiert das heute?

“Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen.” – Voltaire

An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand

Es ist lange her, dass wir unsere alte Heimat an der Wesermündung, das „Heim der Blitze“ (Pleccateshem), besuchten. Erwähnt wurde Blexen bereits im Jahre 789 im Zusammenhang mit dem Tod des Bischofs Willehad. Er, der als Missionar in Friesland und im Gebiet der Sachsen aktiv war, verstarb hier an einem heftigen Fieber.

Ein Blick über die Weser: Bremerhaven

1998, Blexen war inzwischen nicht mehr durch den Fluss Heete vom Festland abgetrennt, verließen wir die einstige Insel an der deutschen Nordseeküste. Die Weltpresse nahm davon keine Notiz und so leben wir seitdem unbemerkt und -auffällig im Ammerland.

Segler vor dem Blexer Fähranleger

Auch heute bemerken die knapp 2.800 Bürgerinnen und Bürger des Nordenhamer Stadtteiles es nicht, dass wir mit unseren Fahrrädern, das Lunamobil inklusive der darin ruhenden Kleinen Münsterländerin im Schlepp, den Deichsicherungsweg parallel zur Titanstraße in Richtung des Segelflugplatzes Blexen befahren. Später werden wir das „Heim der Blitze“, oh, wie hast Du Dich verändert, über Am Rhynschloot, Fährstraße, An der Papenkuhle und die Lunestraße wieder verlassen. Wir parken am Fähranleger in Blexen. Nein, nicht auf einem kostenpflichtigen Platz, die Ehemaligen kennen sich aus.

Zeitzeugen (auch) der “dunklen Vergangenheit”: Die einst künstlich angelegten Inseln Langlütjen I und Langlütjen II in der Wesermündung

Ein Besuch der Wesermarsch und speziell der Butjadinger Halbinsel ohne Nordseekrabben geht gar nicht. „Nordseekrabbe“. Da habe ich ein Thema angeschnitten. „Nordseegarnele“, „Sandgarnele“, „Strandgarnele“ oder „Krabben“ höre ich beharrliche Urlauberinnen und Urlauber, Besucherinnen und Besucher der Wesermündung und Nordseeküste rufen. „Krill!“, ruft ein in seiner Zuordnung vollkommen daneben liegender Herr X. aus Nordrhein-Westfalen. „Pustekuchen!“, entgegnen wir und bestehen auf „Granat“. Um zu einer vollständigen namentlichen Verwirrung beizutragen, könnten wir nun noch „Porre“ und „Knat“ anbieten, aber das sparen wir uns.

“Mein Schiff”, Dein Schiff, unser(e) Schiff(e)

Erst vor wenigen Stunden der Nordsee entrissen, bekommen wir bei den „Fischern unseres Vertrauens“ die frischen und so schmackhaften Krabben, Granat, Garnelen, Nordseekrabben, Strand- und/oder Sandgarnelen. – „Nein, keinen Krill, Herr X. aus NRW!“

Die Ostseite des Alten Hafens in Bremerhaven. Heute: Das Columbus-Center

Dem Randmeer des Atlantischen Ozeans (Nordsee) und uns ist es so ziemlich egal, wie „die anderen“, unsere Granat nennen. Jetzt geht es nur noch um den reinen (Hoch-)Genuss. Ja, die Meeresbewohner müssen zuvor noch, je nach Talent und Geschick teilweise mehr oder weniger zeitaufwändig, gepult werden, aber dann …

… lasse ich die Fotos sprechen:

Mit viel Glück findet man beim “Granatpulen” hin und wieder eine volle Flaschenpost
Eine Stunde und eine Flaschenpost später: Die Beute
(M)Eine Variante Granat zu “erleben”

Vielen Dank an “unsere Fischer” Franz und Thomas. Es war wieder einmal ein lukullisches Erlebnis “erster Kajüte”!

Vedersø Klit – DK

In einer Sache irrt sich Herr TomTom, die Majestät der Navigationsgeräte: Wir hätten bereits vor Holstebro die (dänische) A18 an der Anschlussstelle 20 verlassen sollen. So wären wir in einem Halbkreis „unter“ der dänischen Handelsstadt (handelsby) gefahren und hätten uns die Fahrt durch das Zentrum erspart. Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Als „handelsby“ bezeichnen die Dänen eigentlich jede Stadt in der man einkaufen kann. Der „Titel“ hat also nichts mit Hanse, Handel, mittelalterlichen Koggen oder den seinerzeit gern als „Pfeffersäcken“ bezeichneten hanseatischen Kaufleuten zu tun.

Wohnhaus mit Malven vor der Hauswand. Dieses Foto darf bei einem Dänemarkurlaub nicht fehlen

Und während ich hier schon wieder den Oberlehrer mime, fahren wir längst auf der B16 in Richtung Ulfborg. “Diese kleine Stadt hat eigentlich nichts zu bieten”, aber wir wollen ja auch nach „Vedersø Klit, wo das touristische Geschehen brummt“, so schreibt es Roland Hanewald in seinem Handbuch für individuelles Entdecken.

Ein “Minihafen” irgendwo am Strand des Nissum Fjords, südwestlich von Bækmarksbro

Wir sind Gäste in der Region Mittleres Westjütland und halten uns natürlich an die außerorts vorgeschriebenen 80 Km/h. Das skandinavische Zusammengehörigkeitsgefühl gestattet es im selben Moment einem Schweden, uns mit gefühlten 120 Km/h im Tiefflug zu überholen. Warum erwischt man mich in Ostfriesland bei einer Geschwindigkeitsübertretung um 7 Km/h und übersieht diesen rasenden nordeuropäischen parlamentarischen Monarchisten? – “Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.” Carmen Sylva.

Die Kirche in Vedersø. Der Pastor und Dichter Kaj Munk liegt hier außerhalb der östlichen Mauer des Chors begraben

Über Staby und Husby erreichen wir nach wenigen Kilometern unser Ziel im Bækbyvej. Noch fällt uns nicht auf, dass in Vedersø Klit alle Ferienhäuser gemauerte Fundamente und Strohdächer haben müssen. Noch weniger bemerken wir in den Ausläufern der Husby Klitplantage, des Husby Dünenwaldes, dass die Häuser mit ihren Giebeln in Ost-West-Richtung liegen müssen. Gut, in Dänemark begnügt man sich mit einer biederen „Ost-West-Richtung“, in Deutschland wäre diese flüchtige Angabe durch eine exakte Gradzahl unter strenger Beachtung der Meridiankonvergenz (sehr lässig erklärt: die Abweichung von geographisch Nord und magnetisch Nord) fest- und vorgeschrieben.

… und die Kirche in Staby. Man nimmt an, dass diese Kirche, mit ihrer ungewöhnlichen Apsis, im 12. Jahrhundert errichtet wurde

Auto ausräumen, Haus einräumen, Zimmer und Betten beziehen, Fahrräder startklar herrichten. Fertig! Fertig? Noch lange nicht! Der Einkauf lang entbehrter dänischer Lebens- und Genussmittel steht auf der Agenda. Und wo gibt es diese? Natürlich in Ulfborg, in der Harbogade 17. Der ABC Lavpris, billigst på hele indkøbet (preiswert beim gesamten Einkauf), straft den sehr erfahrenen und sachverständigen Autor Roland Hanewald (Zitat: Diese kleine Stadt hat eigentlich nichts zu bieten.) in dem Punkt der “versorgungstechnischen Kompetenz” Lügen. 5.000 Artikel zu Discountpreisen warten auf uns! Uns, also mir, reichen für´s erste: Tuborg Øl und „Giraf“ (Bier aus dem Hause Carlsberg mit 10Vol%). Gut, es kommen auf Protest der besten aller Ehefrauen dann doch noch einige ebenso wichtige Lebensmittel dazu: Grovhakket Leverpostej, diese dänische Leberwurst, die scheinbar nur für deutsche Touristen hergestellt wird. Die will ich haben! Sie ähnelt ein wenig Lunas Dosennahrung und kann nur mit einer Unmenge an gerösteten Zwiebeln gegessen werden. Noch nie sah ich eine Dänin oder einen Dänen, die bzw. der diese „Spezialität“ kaufte. Makrel salat, BUKO RejeOst (Schmierkäse), Kløver Sødmælksyoghurt Jordbær (Erdbeerjoghurt), Toms Guld Barre (Schokolade) und Kartoffel Chips med smag af havsalt. – Wer allerdings die 0,35 l Flasche Aalborg Taffel Akvavit in den Einkaufswagen legte wird für immer ein Rätsel bleiben.

Am Herrenhaus Nørre Vosborg bei Vemb

Für den ersten Tag haben wir uns eine leichte Fahrradtour ausgesucht: „Rund um Vester Husby“. Eine wirklich tolle Tour durch schöne Dünenlandschaften und herrliche Waldgebiete. Nur eben „unseren“ Bæksbyvej in Richtung Husby fahren, abbiegen auf den Græmvej und ab geht das Fahrraderlebnis. Unauffindbar ist für uns der Weg durch den Wald, entlang am See zur Kirche in Husby. Wir landen an einer vielbefahrenen Kreuzung und schauen in die Röhre. Also, zurück und den Weg durch den Wald, der ja irgendwie vom Bæksbyvej abzweigen muss, gesucht. Fehlanzeige. Wir gestalten uns spontan unser eigenes ultimatives „Rundt om Vester Husby“-Erlebnis. Tatsächliches fahren wir plötzlich auf dem Raketvejen durch die Dünen in Richtung Strand. Und das alles ohne Radwanderkarte.

Am “Fjord der Vögel” (Vest Stadil Fjord Mellem Dyb). An diesem Tag ohne Vögel, ohne Aussichtsturm. Wir haben diesen jedenfalls nicht gefunden

Auf einem der vielen Parkplätze am Strand stellen wir unsere Räder ab. Natürlich trägt auch dieser kleine Strand seinen eigenen Namen, aber sich diesen zu merken überfordert mein Erinnerungsvermögen. Ich erinnere mich nur noch an „die (gefühlt) höchste Düne der Welt“, die wir erklimmen müssen, um das Wasser zu sehen. Die beste aller Ehefrauen hat mittels der tierischen Zugmaschine Luna inzwischen den Gipfel erreicht. Ich mache weiterhin zwei winzige Schritte nach vorn um danach mindestens 2,40 m „talwärts“ zu treiben. Also drehe ich mich um und laufe die Düne im Rückwärtsgang hoch. So nähere ich mich zügig dem Gipfel, da ich ja nun nicht mehr rückwärts bergab gleite, sondern bergauf. Tja, diesen Tipp gab mir einst der Baron Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. – Auf sein Wohl trinke ich abends ein Carlsberg Giraf und einen ihm gebührenden Aalborg Taffel Akvavit.

Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Während unserer nächsten Radtour besuchen wir das Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“ sowie die Kirchen in Verdersø und Staby. Kaj Munk (1898-1944), der eigentlich Kaj Harald Leininger Petersen hieß, war ein dänischer Pastor, Schriftsteller, Gegner Hitlers und christlicher Märtyrer. Er wurde von einem SS-Kommando verhaftet und im Forst Hørbylunde vor Silkeborg erschossen. Dies war die erste Terroraktion der sog. Petergruppe unter Führung des deutschen SS-Hauptsturmführers Otto Schwerdt, alias Peter Schäfer (1914–1975). Die Gruppe ist für etwa 50 weitere „Ausgleichsmorde“ verantwortlich.

Der dänische Pastor Kaj Munk (1898-1944)

Das jütländische Heidegebiet Hjerl Hede ist nur etwa 60 Kilometer entfernt. Im gleichnamigen Freilichtmuseum, das sich auf einem Gebiet von mehr als 20 Hektar erstreckt, besichtigen wir alte landwirtschaftliche Gebäude, weichen den frei umherlaufenden dänischen Landgänsen aus und sehen schwarzbunte Landschweine und graubunte Rinder. Besonders haben es Luna dabei die braunen Landhühner angetan. Kurz, wir erleben das Leben wie einst auf dem Lande und kaufen uns in der alten Bäckerei Brot und Kuchen.

Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Den Ort Thorsminde (Thors Gedenken) besuchen wir an einem Nachmittag an dem wir einfach einmal ins Blaue fahren. Wir könnten uns hier in der Nørgaard Fisk og Røgeri mit frischem Fisch eindecken, können es aber auch lassen, denn jeder Kutterhafen an der deutschen Nordseeküste verbreitet mehr Charme als dieser 1972 eingeweihte Fischereihafen.

Im Hafen von Ringkøbing

Auf unserem Rückweg machen wir einen Abstecher nach Felsted Odde am Felsted Kog, einer Bucht im Nissum Fjord. Hierhin fährt man, wenn … Ja, wann und warum eigentlich? Ich kann es nicht sagen. Allerdings fuhren wir dorthin, um auf dem Heimweg aus dem „Niemandsland“ Brennholz für den Kamin zu kaufen.

Das Frollein in ihrem “Lunamobil”

Gut, es war reiner Zufall, der uns diesen Stand finden ließ. „Brennholz im August?“ „Ja, bei 16°C eine (an-)zündende Idee am Abend.“ – Übrigens: Ein Sack Brennholz/30 dän. Kronen. Portokosten für eine Briefmarke (Ansichtskarte)/30 dän. Kronen. Wenn man bedenkt wie lange ein Sack Feuerholz brennt, dann … „Nein, wir verschicken weiterhin sehr gern Kartengrüße an unsere Lieben, die nicht online sind.“

Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Hannes Wader sang 1972: „Heute hier, morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort.“ Gerade erreicht uns die Nachricht unseres Vermieters: „Am Wochenende werden wir die größten An- und Abreisetage haben und daher möchten wir Ihnen die Heimreise mit dieser E-Mail, so gut wir können, erleichtern. Am Samstag wird nämlich die Landstraße bei Søndervig wegen des Bauvorhabens Lalandia gesperrt. usw. …“ – Das ist sehr nett und vorausschauend gemeint, aber wir haben Mittwoch, noch mindestens zwei Tage Ferien vor uns und eigentlich ist es uns sehr egal, ob und wann wir uns in die panikartige Flucht gen Deutschland einreihen müssen.

Hjerl Hede – Im Sulenhof

Auf unserem wetterbedingten Ausflug nach Ringkøbing, der dänische Himmel bietet uns nieselregnend die Stirn, passieren wir das Bauvorhaben Lalandia (Badepark mit der (geplant) größten „Badeanstalt“ (heute heißt so etwas Aquadome) Nordeuropas). Es gibt Lalandia bereits in Rødby auf der dänischen Insel Lolland und in Billund, der „Legostadt“. Gut, wenn es dem Tourismus dienlich ist, dann können sie ja mal experimentieren und hoffentlich “nicht baden gehen”. – Wir werden Dänemark dann sehr gern und wie gewohnt, an der unseres Erachtens doch “hyggeligeren” Ostseeseite besuchen.

Hjerl Hede – Blick auf die Bockmühle. die Kirche und den Kvostedhof

Wir wählen die Fahrradtour „Östlich von Ulfborg“: En Cykeltur Øst For Ulfborg. “Sie führt durch Forstgebiete mit fantastischer Natur, offener Heidefläche und artenreicher Fauna.” Soweit der verheißungsvolle Text zu unserer heutigen Fahrradtour, die wir an der Ulfkær kirke, die im Jahr 1900 errichtet wurde, im Ringkøbingvej beginnen. Wir nehmen die Räder am Ferienhaus „huckepack“, starten erst in Ulfborg und sparen so gute 18 Km. Während unserer Tour passieren wir auch das Ulfborg Skyttecenter (Google bezeichnet es als „Schützenverein“) im Filsøvej. Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass es sich hier um eine rein militärisch genutzte Standortschießanlage des dänischen Heeres handelt. Kein „Schützenverein“ besitzt auch nur im Entferntesten die Möglichkeiten, ein so ausgedehntes Areal zu hüten.

Hjerl Hede – Beim Schildermaler

Unsere Radwanderkarte ist in ihrem Maßstab ein wenig groß geraten, die Strecken werden oft „schwärmerisch“ beschrieben und die Wege sind zwar befestigt, doch ein verwöhnter Radler erwartet dann doch ein wenig mehr „Harmonie in der Streckenführung“. Und wenn dann auch noch das Pilze- und Beerensuchen am Wegesrand in Aussicht gestellt wird, dann spüre ich das Gewicht des Bären, den man mir hier aufbinden will.

Hjerl Hede – Die Wassermühle

Auf dem Rückweg besuchen wir noch einmal das Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“. Inzwischen ortskundig, wählen wir den malerischen Weg durch Felder und Wiesen von Staby über Vedersø Kær, Vedersø und Hug. Vor uns liegt das einstige Pfarrhaus am Nørresø. Die beste aller Ehefrauen besucht noch einmal das Museum und das Frollein und ich finden einen Weg zum See. Hier mag der dänische Pastor und passionierte Jäger einst mit seinen Hunden zur Entenjagd aufgebrochen sein.

Im Schilf hinter dem Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“

Wir haben uns in dieser Woche am dänischen Nordseeküstenstreifen zwischen Ringkøbing und Thorsminde aufgehalten und vieles gesehen und einiges, nicht nur mit dem Fahrrad, erfahren. Gesehen haben wir während unserer Ferie med hond die Kirchen von Staby und Vedersø, wir waren im Freilichtmuseum in Hjerl Hede, besuchten das Herrenhaus Nørre Vosborg, kauften im ABC-lavpris in Ulfborg ein, tankten bei OK (1,14 Euro/L Diesel) mit der Maestro Karte, machten uns auf zum Fjord der Vögel, waren am „Ende der Welt“ in Felsted Odde und einem weiteren „anderswo gelegenen“ kleinen Hafen am Nissum Fjord irgendwo bei Nørby Gårde, wir besuchten wiederholt das Pfarrhaus „Kaj Munks Præstegård“, bummelten durch Ringkøbing und versorgten uns mit den kleinen Dingen, die das Leben so lebenswert machen, beim Kaufmann Let Køb am Campingplatz in Vedersø Klit. Am letzten Abend besuchen wir heute das Restaurant Havtorn und werden uns die Fischgerichte schmecken lassen.

Das Herrenhaus Nørre Vosborg. Unter anderem wohnte H. C. Andersen hier vom 5. bis zum 20. Juli 1859. Seine Erzählung “Eine Geschichte aus den Dünen” entstand hier, ebenso wie einige seiner berühmten Scherenschnitte

Am morgigen Samstag geht es zurück. Und da der gefürchtete Bettenwechsel in Dänemark stets für übervolle Autobahnen und endlose Staus an den Grenzübergängen sorgen wird, werden wir unseren Ferienhausschlüssel „auf den letzten Drücker“ übergeben, die noch offene Stromrechnung begleichen und uns „querfeldein“ auf den Heimweg machen.

Hjerl Hede – Der Pfarrhof

In Søndervig wird die Straße gesperrt sein und der An- und Rückreiseverkehr durch den kleinen Ort geleitet werden. Ohne uns. Viele werden somit zur Autobahn in Richtung Holstebro oder Herning strömen, um sich dann in einer Art stetig anfahrend-bremsender Polonaise in Richtung Flensburg zu bewegen. Auch ohne uns.

Hjerl Hede – In der Kirche

Wir werden im ersten noch zu erwartenden dichteren Verkehr entlang einer gedachten Linie über Skjern, Grindsted, Vejen und Vojens nach Haderslev aufbrechen. Hier gibt es, so lange wir denken können, bei „Grethe“ die leckersten Hot Dogs. Über Aabenraa geht es dann in Richtung Deutschland. Und mit etwas Glück, ist die „touristische Stampede“ dann abgeebbt und wir werden hoffentlich entspannt, gestärkt und zufrieden in Richtung Wiefelstede, usA (unser schönes Ammerland) rollen.

Vedersø Klit

Und so ist es dann tatsächlich verlaufen: Die Idee, Dänemark „querfeldein“ in Richtung Grenze zu verlassen, war genau richtig. Wir kamen sehr gut voran und ein vollbepackter und mit Fahrrädern “gespickter” “Darth Vader” dankte es mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,7 l/100 Km.

“Christian Vollstedt er et familiedrevet slagterdynasti, som blev grundlagt tilbage i 1862.” – Nach spätestens einem Hot Dog übersetzt man den Text spielend ins Deutsche: “… eine familiengeführte Metzgerdynastie, die bereits 1862 gegründet wurde”

In Haderslev ließ uns „Grethe“ im Stich. Ihr Hot Dog Stand öffnet nur werktags und schließt am Freitag um 15.00 Uhr. Wir wichen an diesem Samstag auf „Christian“ in der Haderslever Fußgängerzone aus. Komisch, hier schmeckten uns die Hot Dogs genauso gut wie bei der „treulosen Grethe“.

Unser dänischer “Cross-Country-Plan”. Die Fahrt war viel interessanter als die montone Autobahnroute

Nach einem kleinen Abstecher nach Diernæs und Aabenraa fuhren wir störungsfrei zur Grenze. Dort erhielten die Einreisenden nach Dänemark sofort unser größtes Mitgefühl: Der Verkehr auf der A7 staute sich fast bis zur Anschlussstelle 5 „Schleswig/Schuby“ zurück.

Hjerl Hede – Die Meierei

12 Km Stau vor dem Elbtunnel in Fahrtrichtung Hannover/Bremen. Wir verließen die A7 bei HH-Schnelsen-Nord, um diesem „Elend“ auszuweichen. In Hamburg erwischte es uns dann auf dem Heidenkampsweg: Länger als eine Stunde erlebten wir hier im automobilen Großverband die Baustellen inkl. gesperrter Fahrbahnen. – „Der Weg ist das Ziel.“ Konfuzius´ weise Worte halfen uns in dieser Situation allerdings auch nicht so recht weiter.

"Als ich noch ein kleiner Junge war, erzählte man mir, jeder könne Präsident werden. Ich fange an, es zu glauben." – Clarence Darrow (1857 – 1938)