Das Mitternachtssüppchen

Es ist schon eigenartig, aber in der Vorweihnachtszeit holen mich immer wieder Bilder aus einer Zeit ein, die ich im Grunde ad acta gelegt habe. Es sind Bilder, die, obwohl sie in keinem grafischen Tiefdruckverfahren entstanden sind, doch als „Stahlstich“ bezeichnet werden müssen. Nadelspitz stechen sie zu und „verletzen“ mich noch heute. Unlängst holten mich „diese Geister“, die ich nicht rief, wieder ein.

Auslöser war ein „Süppchen“. Ich wähle bewusst diese grammatische Verkleinerungsform der auf der Grundlage eines Fonds beruhenden und aus weiteren Zutaten bestehenden Speise. – Eben saß ich noch entspannt vor meinem Süppchen, da startet das „vorweihnachtliche Kopfkino“:

Wir üben neben einem großen Flugfeld an der Vechtaer Straße in der Gemeinde Großenkneten. Seit mehreren Tagen ziehen wir mit unserem hochmodernen und mobilen Waffensystem durch den Raum Oldenburg-Cloppenburg-Delmenhorst. Wir fahren in der Dunkelheit. Bauen auf, gehen in Stellung, tarnen und täuschen, kämpfen, bauen ab und ziehen weiter. Wir, das sind mehr als 100 Soldatinnen und Soldaten unter der Führung eines Stabsoffiziers.

Es geht an die Substanz und an die Nerven. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, da geht es zwar noch, aber nicht mehr so professionell wie gewohnt. Die Luft ist raus. Es bedarf keiner erweiterten Ursachenforschung „Warum?“ dies so ist.

Die Abhandlung über „Die paradoxe Wirkung von Strafe als Erziehungsmittel“ scheint er nie gelesen und schon gar nicht verinnerlicht zu haben. Also „haut er drauf“, der Herr Major. Er verteilt „Druck und EPA“ (EPA – Essenrationen (EinmannPAckungen) der Bundeswehr für das Überleben im Felde.) Ein Vorgesetzter, der „Druck und EPA verteilt“, bestraft seine SoldatInnen als Druck- und Erziehungsmittel. Dies geschieht an diesem Abend in einer lautstarken und schließlich ungerechten und damit kontraproduktiven Art und Weise. Und dann begeht er den Kardinalfehler: Er schart seine ihn anbetenden Lieblinge um sich und verlässt das Übungsszenario. Gemeinsamen speisen die Herren an diesem Abend im Kasino.

Was hat das alles mit dem „Süppchen“ zu schaffen? – Es geht gegen Mitternacht. Die Stellung ist gesichert, die Streifen patrouillieren, nicht benötigtes Personal, außer demjenigen, der selten schläft, befindet sich in Ruhe. Die (geübte) Sicherheitslage ist mehr als angespannt. Da kommt er, der Ruf des Einheitsführers! Er möchte ein Mitternachtssüppchen und dazu ein „Scheibchen“ Vollkornbrot. Im ersten Moment kein Problem, aber der Herr Major befindet sich „auf dem Gefechtsfeld“. Dorthin bringt man, auch wenn “nur” geübt wird, nicht mal eben ein „Süppchen mit Scheibchen“!

Doch. – Er soll sie auslöffeln: Personal aus dem Schlaf reißen, Doppelstreife bewaffnen, aus- und aufrüsten, in die Lage einweisen und “Auf geht´s!”. – „Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.“ – Der Herr Major weiß bis heute nicht, womit ich sein „Mitternachtssüppchen“ zierte. – Und ich hab´s vergessen.

Seltsam, im Nebel zu wandern


Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.
(Auszug: Im Nebel, Hermann Hesse, 1877 – 1962)

Schau ganz tief in die Natur, und dann verstehst du alles besser. – Albert Einstein

Es ist nebelig an diesem Morgen. Und da ich heute nicht minijobbe, beschließen das Frollein und ich, einen weiten Gang durch die Gemeinde zu unternehmen. Wir laufen die Gristeder Straße entlang, rechts neben uns das Kollmoor. Am Nordholtsweg biegen wir ab und umrunden das Nordholt. Als wir erneut die Gristeder Straße erreichen, laufen wir weiter in Richtung des Rhododendron Parks.

Der Zahn der Zeit beginnt beginnt zu nagen

Nach dem Köntjeweg überqueren wir die L825 und als wir den Rhodo-Park hinter uns gelassen haben, stehen wir auf dem Dingsfelder Weg. Wilshoren und die Halfsteder Bäke lassen wir „links liegen“ und laufen jetzt, Dingshagen und das Mansholter Holz zu unserer Rechten, nach Dingsfelde. Es ist so nebelig, wir können Kuhhorn kaum erkennen.

Dingsfelder Weg

Ich bin mir fast sicher, dass selbst so manch alteingesessene Wiefelsteder*Innen nicht unbedingt wissen, wo wir uns an diesem Vormittag aufhalten. Ich, der vor etwas mehr als 20 Jahren zugereiste (Wahl-)Wiefelsteder, habe lange gebraucht, um mir diese Namen einzuprägen.

Halfsteder Bäke

Trotz des dichteren Nebels versuchen wir es: „Schau ganz tief in die Natur, und dann verstehst du alles besser.“ (Albert Einstein)

Nordholtsweg

19. Wiefelsteder MoBa-Stammtisch

Nicht regelmäßig, aber spontan und auch schon einmal an wechselnden Orten findet seit einigen Jahren der “Wiefelsteder Modellbahnstammtisch” statt. Ob im Gasthof unseres Vertrauens (Rabe´s Gasthof) oder im Gemeindesaal der Kirchengemeinde Wiefelstede (Rudolf-Bultmann-Haus), es gibt immer “diskutable” Neuigkeiten: Modellbahnzubehör für Bergidyll und Autoverkehr, Figuren-Sets Spur H0 “die Helden von Paris”, Grasbüschel in gedeckten Farben mit 6 mm und 12 mm Länge, die Dampflokomotive Serie 82, Elektrolokomotive Serie Ce 6/8 III oder Kesselwagen für die BR 118.

BR (Baureihe) 119 und 151

“Alles, was auf Schienen rollt, kommt auf´s Gleis.” – Ob analog, digital, ob Gleich- oder Wechselspannung, ob Modellbahn-Laie, -Amateur, -Profi oder -Experte, jede und jeder kommt zum Zug.

“Emma” hatte an diesem Abend auch Zeit

Im Anschluss einige Fotos des 19. Modellbahnabends.

Die Baureihe V 200.0 im Industriedesign der 1950er Jahre war eine der ersten Diesel-Streckenlokomotiven der Deutschen Bundesbahn (DB)
“Emma” hatte ihren kleinen Fuhrpark im Anhang
Die ursprüngliche V 320 erhielt ab 1968 bei der Bundesbahn die Nummer 232 001-8
Für den Einsatz auf Nebenstrecken vorgesehen war die Baureihe 86
Märklin Transformator 30VA. Damit brachte und bringt man noch heute analoge Zugpferde auf Trab
“Betrachten wir nun diese letzten 8 Binärbits b1 b2 b3 b4 b5 b6 b7 b8 eines Loktelegramms. Die Fahrstufen selbst werden in den Bits b1 b3 b5 b7 kodiert. Die Kodierung ist kompatibel zum alten Märklin Motorola-Format.” (Auszug aus Quelle: http://home.mnet-online.de) – Deshalb fahre ich analog!

Unser “Fahrdienstleiter” und Organisator Jens hatte den 19. MoBa-Stam²tisch in den Wiefelsteder Gemeindesaal gestellt. Und wieder nahmen viele daran Platz. – “Besten Dank, Jens!”

Es passiert immer nur den anderen …

… bis man sich schließlich selbst in den Reihen dieser anderen entdeckt.

Bisher ging es immer gut. – … “tausend und eine Nacht und es hat “boom” gemacht” … (frei nach Klaus Lage)

Fast daheim. In zehn Minuten werde ich vor unserem Haus stehen. Diese Hoffnung ändert sich innerhalb weniger Sekundenbruchteile. Von links springt das Reh auf die Straße. Unsere Blicke treffen sich. Und dann ist es auch schon zu spät. Ich kann nicht ausweichen. Ich bremse. Obwohl ich nur ca. 50 Km/h fahre, gibt es einen heftigen Aufprall.

Nur ein kleines Reh …

Gefühlte tausendmal habe ich sie gelesen: Aufklärende Artikel wie “Wildunfall. So verhalten Sie sich richtig.” – Und jetzt? Ich blicke auf ein verendendes Tier. Ein Anblick, der auch den ehemaligen Berufssoldaten nicht ungerührt lässt. Die eingeschalteten Warnblinkleuchten spiegeln sich “taktvoll” im nassen Asphalt und plötzlich frage ich mich: “Wo befinden sich Warndreieck und -weste?” Natürlich liegen diese an vertrauter und leicht erreichbarer Stelle im Auto, aber ich scheine mich im ersten Schreck nicht daran zu erinnern.

“Ach, halb so schlimm. Zahlt ja die Versicherung.” – Gut gemeinterer Rat und Trost kann ganz schön …

Inzwischen stehe ich mit angelegter “gelb schreiender” Warnweste im fließenden Verkehr auf der Straße. Unmittelbar an einer unbeleuchteten Anschlussstelle zur BAB 29. Es ist fast 22:00 Uhr. Stockdunkel. Autos nähern sich. Die von mir abgesicherte Unfallstelle muss bemerkt werden! Ich erwarte im Zeitalter Speisen fotografierender, Kussmund- oder six-pack-Selbstbildnisse verschickender sowie “facebookender & whatssappender” Mitmenschen keine persönliche Unterstützung, aber Rücksicht. Mann und Frau pfeifen auf die Situation und an mir vorbei. Ich deute immer wieder auf das tote Reh in der Fahrbahnmitte, das zu bergen mir im herrschenden “(Tief-)Flugverkehr” bis jetzt verwehrt blieb. Es scheint keinen zu interessieren. Im Gegenteil, das Tier wird sogar überrollt … und es wird dennoch weitergefahren.

Aus den Fugen geraten

Die informierte Polizei rät mir, die Unfallstelle schnellstens zu verlassen und an einem sicheren Ort zu warten. Ich schleppe das Tier (ohne angelegte Gummihandschuhe; “Wo sind die überhaupt?”) an den Straßenrand, sammle Fahrzeugteile ein und fürchte dabei, besonders in den Momenten, da ich dem Verkehr den Rücken zu drehen muss, um mein Leben. Ich bin froh, als ich auf dem nahegelegenen beleuchteten Parkplatz stehe und vor dieser Schar unerbittlich-rücksichtsloser Verkehrsteilnehmer*Innen sicher bin.

Du denkst, Du bist auf alles (mental) vorbereitet …

Mir bleibt Zeit, über mein angelesenes Wissen hinsichtlich eines Wildunfalls nachzudenken. Vorausschauendes Fahren, erhöhtes Gefahrenbewusstsein, Gefahr durch Ausweichen, Unfallstelle absichern, gründliche Spurensuche am betroffenen Fahrzeug, Unfallaufnahme, Polizei, Jagdpächter, Wildschadenbeseitigung. Liest sich alles schnell und leicht verständlich in den einschlägigen Artikeln. Und jetzt? – “Wer ist der zuständige Jagdpächter in dieser Gegend, die ich nur flüchtig kenne? Ja, wo befinde ich mich eigentlich? Ist dies noch die X-Straße oder bin ich bereits auf der Y-Allee? Ist es die Gemeinde A oder B in der sich der Wildunfall ereignete?”

Unfall mit Haarwild

Es ist entspannt und immer alles ganz einfach zu verstehen, wenn man daheim im Ohrensessel bei einer Tasse Kaffee den Wildunfall-Artikel im Journal des Automobilclubs liest und sich bei ähnlichen Gedanken, wie “Ja, kenne ich”, “Na klar, so und nicht anders” sehr souverän auf der Seite der “Erleuchteten” wähnt. – Aber in der Dunkelheit, bei Nieselregen, bei instabiler Mobiltelefonverbindung und umgeben von getriebenen und eilenden Zeitgenoss*Innen sieht es dann furchterregend anders aus.

Ich klage nicht an. Ich verarbeite nur die schwere Kost dieses Abends und bedanke mich bei den beiden sehr freundlichen und hilfreichen Polizeibeamten der Dienststelle Rastede.

Fit für´s Winterquartier

Big B. bestand darauf, dass ich seinen Säureschutzmantel, der ihn vor Umwelteinflüssen bewahrt, auch bei der anstehenden großen Wäsche, nicht schädige. So habe ich denn in sorgfältiger Kleinarbeit die „potentia hydrogenii“, also die Konzentration der Wasserstoffionen, sehr überlegt dosiert. Ich könnte auch schreiben: „Ich achtete auf einen angemessenen ph-Wert“, aber das wäre nun doch etwas zu schmucklos in Anbetracht der ebenso unabwendbaren, wie unentrinnbaren heutigen Wasserspiele.

Das ist nur die kleine Leiter. Big B. fordert eine Mehrzweckleiter für große Höhen

Ich bot ihm das volle Programm: Die Premium-Wäsche. Vorwäsche mit Aktivschaum, Waschen und eine exklusive Hochglanztherapie. Dazu sanfte Zen Entspannungsmusik für positives Denken und zur Meditation. 😆

Ich verzichtete auf eine “Wachspflege”, denn unser Bianco ist uns groß genug.

„Keine Panik!“ – Sonic, der schnellste (blaue) Igel der Welt, neben Super Mario wohl mit einer der bekanntesten Videospielhelden, ertrinkt nicht in diesem Eimer

Nach 4,5 Stunden bekam ich Spülhände. – Es heißt zwar, dass diese in den wenigsten Fällen therapiebedürftig sind, aber zur Vorsicht zog ich eine innerliche Hopfenkur (0,33 l Hasseröder Premium Pils. “Männer wissen warum!”) in Betracht. Und siehe da: innerhalb kürzester Zeit bildeten sich die Falten an den Fingern komplett zurück!

Mit einem Schwamm zum gezielten Auftragen versehen, kam u.a. auch ein Pflegemittel aus dem Hause der MTS Group zum Einsatz

Fertig für die Winterpause. – Wenig später ging´s ab in die Scheune unseres Vertrauens.

Er hält keinen Winterschlaf, eher eine Winterruhe. Denn: Mitte März 2020 geht es wieder los

Saisonende

Ich habe Big B. angemeldet: Am kommenden Freitag wird er sein inzwischen vertrautes Winterquartier in einer der vielen kleinen Bauerschaften in der Gemeinde Wiefelstede beziehen. Noch steht er vor unserem Haus und wartet, nach bereits erfolgter gründlicher Innenreinigung, auf “die große Wäsche vor dem Winterschlaf”.

“Tausende haben ohne Liebe gelebt. Nicht einer ohne Wasser.” – Wystan Hugh Auden, englischer Schriftsteller

Und da wir einmal beim Reinigen und Aufräumen sind, wird auch die Festplatte des PCs einer “Säuberung” unterzogen. 2019 sind wieder einige tausend Aufnahmen entstanden, die nun in die unendlichen Weiten der externen Festplatte(n) abzutauchen drohen. Zwar geordnet nach Ort und Datum, aber wann schaut man sie sich noch einmal an?

Hörner Diek, Wiefelstede

Inzwischen habe ich mir die Software diverser Fotobuch-Anbieter besorgt und ein sehr helfendes Gespräch mit unserem örtlichen Fotografen geführt, der einen interessanten Fotodruck-Service anbietet. Da stellt sich die Frage: “Lasse ich drucken und greife auf die jahrzehntelang bewährten “analogen” Fotoalben zurück? Oder ziehe ich die online angebotenen “high quality photo print services” unterschiedlichster Anbieter vor?” – Wir werden diese Frage an den nun kommenden langen Winterabenden erörtern.

An der Ecke Langestraat/Van Echtenskanaal Noordzijde in Klazienaveen/NL findet man ihn … und den Emmer Vishandel

Zum heutigen Abschluss noch einige Motive, die mir in dieser Saison “vor das Objektiv liefen”:

Bevor die Saison im Emstal ausklang, noch schnell ein letzter Blick auf die Ems
Und im Frühjahr 2020 werde ich hier wieder stehen: Badestelle, Emstal
Aus dem idyllischen englischen Garten “schoss” ich auf das Schloss Jever
Das Frollein hat mal wieder etwas erspäht

Und dann bin ich doch noch in die “Tiefen der Externen” abgetaucht:

Im Juni 2015 am Ottermeer bei Wiesmoor
Im Juli 2015 mit dem “Flying Dutchman” (Home Car Racer 39) unterwegs in Butjadingen
Im Juni 2016 frühstückten wir bereits im Fendt Bianco: Big B.
Das war ein schwerer Tag: 13. Februar 2016. Abschied vom Flying Dutchman. Mit frischem TÜV in Westerstede

Der Nebel steigt, es fällt das Laub

Schenk´ ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden! (Auszug: Oktoberlied, Theodor Storm)

Big B. und Darth Vader im Emstal

Es ist unser zweites Wochenende in Folge im Emstal. Wir haben Big B. während der Woche allein an der Ems zurückgelassen. Er hat es gut verkraftet und wie wir von Familie Sandker erfahren, hat er auch nicht gejammert, dass er so ganz allein an der Ems ausharren musste. Naja, er ist ja auch schon groß und kein Angsthase. Nicht umsonst trägt er den Namen „Big B., der Unerschrockene“. – Obwohl, erleichtert durchgeatmet hat er dann doch, als wir ihn am Donnerstag wieder bezogen.

Über diese Brücke musst Du geh´n …

Für dieses Jahr ist es das letzte Wochenende im Emstal. Saisonschluss. Nicht nur hier, auch wir werden den Caravan nun bald in die Scheune unseres Vertrauens bringen und ihn dort überwintern lassen. Doch bis dahin ist es noch einige Tage hin und so können wir dem auf das Wohnwagendach prasselnden Regen noch ein wenig Gehör schenken. Und da sich auch der ausgiebige Niederschlag hin und wieder eine Pause gönnt, bleibt uns genügend Zeit, trockenen Fußes mit dem Frollein an der Ems umherzustreifen.

Die Ems um kurz nach acht

Die zahlreichen Angler am Seitenarm der Alten Ems haben inzwischen herbstliche Unterstützung durch eine sehr engagierte Jägerschaft erhalten. Hier und da fallen Schüsse und auch Luna kann ihre jagdlichen Gene weder verleugnen noch zügeln und erlebt sehr konzentriert und in waidmännisch-aufmerksamen Eifer Feld, Wald und Flur. In Anbetracht der scharf schießenden Weidmänner und -frauen allerdings kurz gehalten an der Leine.

Offensichtlich aufgegebene herrenlose Sache

Die Wetterlage gewährt uns viel Zeit zum Lesen. Wir sind gut versorgt und so kenne ich die letzten beiden Ausgaben der „Caravaning“, Europas großem Camping-Magazin, nahezu auswendig und belächle immer noch die beiden Artikel aus der ADAC-Motorwelt mit den Themen Elektro-Tretroller und Porsche Taycan, „dem ersten ernsthaften Tesla-Jäger“ (Zitat Wolfgang Rudschies).

“Tesla-Jäger?” – Na. klar, eine der zahlreichen Enten an der Ems trägt bestimmt diesen Namen …

Man darf die Umweltbilanz von E-Scootern hinterfragen, wird aber lange auf eine seriöse Antwort warten. Doch zurück zum tatsächlichen Gewinn der Elektromobilität: Porsche Taycan. In der „alltäglichen“ Variante verfügt der natürlich rennstreckentaugliche Sportwagen mit Elektroantrieb über 625 PS. Ich argwöhne, ich zweifle, mein Vertrauen in das märchenhafte Stuttgarter Verständnis für wahre Leistung und Entschlossenheit erlischt jäh. Dann wird meine Skepsis ausgeräumt: Es gibt den Porsche auch in der 761 PS Version. Gott sei Dank! Mit Big B. am Haken würden wir die Beschleunigung von 0 auf 200 Km/h in rund zehn Sekunden nicht halten können. Doch man muss auch bereit sein, Einbußen hinzunehmen. – Schließlich steckt die zur sicheren Entlastung der Umwelt und für einen durchgreifenden Klimaschutz geförderte Elektromobilentwicklung noch in den Kinderschuhen.

An der Brinkstraße

Inzwischen fahren wir seit einigen Jahren regelmäßig und gern ins Emsland. Wir kennen die Gegend um Sustrum gut. Heede, Dersum, Walchum, Steinbild, Kluse, Lathen, Haren. Wir haben diese Städte und Ortschaften längst besucht. Nur in Dörpen, vor „unserer“ Sustrumer Haustür gelegen, waren wir nur sehr vereinzelt. Eigentlich nie. Das muss sich ändern. Und so fahren wir über Kluse, Steinbild und die B 70 nach Dörpen. Hätten wir uns früher und engagierter um Dörpen gekümmert, so hätten wir nicht den weitläufigen Weg über die Bundesstraße gewählt, sondern würden die geradlinige Verbindung dorthin auch kennen. – Das hat man nun davon …

Panorama an der Badestelle

Wir stellen fest, dass Dörpen vieles bietet und das gefällt uns sehr. Da es aber augenblicklich regnet, lassen wir diese Eindrücke im Auto sitzend auf uns wirken und beschließen, demnächst öfter in die Hauptstraße zu kommen. Über die B 70 und B 401 erreichen wir Papenburg. Schon immer wollten wir einmal die dortige Fußgängerzone in Augenschein nehmen. Wir finden sofort einen Parkplatz. Kein Wunder, es regnet „gesättigt“ und an einem Freitag gegen 18.00 Uhr verspürt auch der entspannteste aller Emsländer kein Verlangen mehr, sich hier „einweichen“ zu lassen. Wir schon. Die Einkaufsmeile gehört uns. Doch wir haben wohl „das falsche Ende“ der Fußgängerzone gewählt: Ich fühle mich ein wenig wie in der Gegend eines schummerig-zweifelhaften Bahnhofsviertels.

Die Brinkstraße versteckt sich hinter diesem Feld

Diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, hält neben uns ein Kleinwagen aus den benachbarten Niederlanden. Ein Bär von einem Mann mit Wollmütze und winterlich bekleidet, steigt aus. Hinter ihm, in seinem Windschatten, huschen zwei sehr sommerlich gekleidete Damen aus dem Auto, um zwei anderen, ebenfalls sehr federleicht-luftig bedeckten Damen ihre Plätze in dem kaum auffallenden Fahrzeug zu überlassen. – Wer jetzt nicht kritisch wird, … hegt auch keinen Argwohn.

Am Ufer der Ems

Irgendwann zu Saisonbeginn fiel uns ein Prospekt des Caravan Centrums Emmen/NL in die Hände. Und da wir wissen: „Kamperen begint bij ons!“, so jedenfalls das Motto der niederländischen „Caravanserai“, machen wir uns auf den Weg dorthin. Auf heute nicht mehr entwirrbaren Wegen gelangen wir über Sustrumer Moor, Emmer-Compascuum und Emmer-Erfscheidenveen in die Navigatiestraat 7 in Emmen. Wir staunen nicht schlecht über das Angebot an Wohnwagen, ob neu oder gebraucht, und Wohnwagenvorzelten. Letztere rufen immer lauter nach uns. Eine Markise im Sommer ist ein wunderbarer Schattenspender. Im Herbst könnten wir uns ein Vorzelt als Schlupfwinkel vor einer ungünstigen Wetterlage inzwischen auch sehr gut vorstellen. Und so haben wir uns heute einmal Unico Voortenten & Combi-Luifels angeschaut. Da gibt es schon sehr interessante Typen des niederländischen Herstellers, aber wir haben auch noch verschiedene Kampa-Modelle ins Auge gefasst.

Van Echtenskanaal in Klazienaveen/NL

Nicht einmal einen Steinwurf von Emmen entfernt liegt Klazienaveen. Also, so dichte bei, dass man den Duft frisch gebrutzeltem Kibbelings selbst im luftundurchlässig gekapselten Auto wahrnimmt.

Sehen nicht nur gut aus …

„Da müssen wir hin!“ Ich finde den Weg mit verbundenen Augen. Allerdings hätte ich das vermeiden sollen, denn beinahe schiebe ich die niederländische vorfahrtberechtigte Autofahrerin mit ihrem Nissan Micra in die Fassade eines Schuhgeschäfts. Sie ist in diesem Fall nicht unbedingt so typisch niederländisch gelassen, sondern eher vom Donner gerührt! – Aber: Appetit kennt kein Erbarmen! Und Schuhe gefallen doch jeder Frau. [Anm.: „Nee, meine gedankenlose Aktion war komplett daneben.“]

Emmer Vishandel – 1a Kibbeling

Eine Familienportion Kibbeling inkl. doppelter Ration Sauce später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Da ist diese Lampe, die wir schon vor vielen Monaten sahen und dann nicht kauften. Später war sie unauffindbar, heute entdecken wir sie bei “Trends en Vloeren” wieder und nun wird sie bald im Ammerland leuchten. Und dann ist da dieser Käsestand auf dem Wochenmarkt in der Langestraat. Der Kreuzkümmelkäse schmeckt hier und wirklich nur hier, also allein hier und bei dieser Händlerin, nennen wir sie Frau Eisenga, am allerbesten. Punkt! – Nach unserem ausgedehnten Einkauf verabschiedet sie sich zu einer mehrmonatigen Kreuzfahrt mit „Mein Schiff“. Wir werden sie und ihren K³ (KreuzKümmelKäse) vermissen.

Blick über die Ems zum Sielgraben Sustrum II

Heute ist nicht mein Tag: Beim Ausparken in der Klazienaveener Van Echtenskanaal Noordzijde übersehe ich eine hinter einem Lieferwagen verborgene Radfahrerin. Plötzlich ist sie da und ich vernehme niederländische Kraftausdrücke, die ich mir nicht merken kann. Vielleicht begegne ich ihr im kommenden Jahr wieder, dann sollten wir uns dahingehend noch einmal austauschen. Auf der A31 wähle ich ungeachtet der erprobten Navi-Erkenntnisse völlig unkonzentriert die falsche Umleitungsempfehlung und fahre wieder in Richtung Niederlande. Anschließend verpasse ich die A31 Anschlussstelle Lathen und wir müssen über Dersum und Walchum zurück ins Emstal fahren. Allerdings, in Walchum findet sich die Ganseforthsche Bäckerei mit dem leckersten Apfelkuchen zwischen Leer und Rheine. Und da wir einmal hier sind … Später folgt dann noch meine vollkommen geistesabwesende „Ich-fahr´-noch-eben-Tanken-Irrfahrt“. Diese zu schildern erspare ich uns.

Keine Ente bleibt unentdeckt. Garantiert!

Sonntag. Letzter Saisontag im Emstal. Die Gäste brechen ihre Zelte ab. Campingmöbel werden zusammengeklappt, Markisen „ziehen sich zurück“, Vorzelte werden an der Luft für´s erste trockengewischt, Satellitenanlagen richten sich auf eine längere Empfangspause ein, CEE Leitungen werden eingerollt und Caravanspiegel montiert. Zwar sitzen an der Ems an diesem Morgen keine Angler, aber dennoch werden hier und da (Zelt-)Heringe eingesammelt. Viele Fahrradträger sind bereits beladen, Stützen werden eingeholt und Grauwasser- sowie Thetford Einrichtungen erleichtert und gespült. „Bewachende“ Deichselsicherungen sind entfernt und hier und da surrt bereits die erste Rangierhilfe. Nach und nach setzen sich Knaus, Adria, Hobby, Dethleffs, Fendt, Tabbert, Eriba, LMC und andere Caravans in Bewegung. Der Platz leert sich. NDR Kultur spielt schwere Musik. Das Laub fällt von den Bäumen und auch wir packen unsere Siebensachen und fahren zurück ins Ammerland.

Ja, es hat sehr oft und ausgiebig geregnet. Dies ist allerdings nicht das Ende einer Einbahnstraße, hier geht es in einen Seitenarm der Alten Ems

Es war wieder einmal eine schöne, abwechslungsreiche und besonders entspannte Saison im Zweistromland. – Und wie hieß es so treffend in einer ZDF-Kinderfilmserie der 1970er Jahre („Trickfilmzeit mit Adelheid“): „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“

Hinter den Bäumen verläuft der Dortmund-Ems-Kanal

Es gibt kein schlechtes Wetter, …

… es gibt nur ungeeignete Kleidung.

Anmeldung und Kompetenzzentrum “Emstal”

Der Herbst hat uns eingeholt. Jahrein und jahraus starten wir unsere Caravansaison mit Big B. im Zweistromland. Da liegt es natürlich auf der Hand, die Wohnwagensaison auch an der Brinkstraße in Sustrum ausklingen zu lassen.

Pilze können gar nicht fliegen!

Von vornherein wissen wir, dass es das Wetter an diesem Wochenende nicht gut mit uns meinen wird. Wir sind darauf vorbereitet und rollen durch den Emstunnel zur AS Dörpen der BAB 31. Die Weiterfahrt in Richtung Dörpen und Heede wird uns hier durch eine Baustelle verwehrt. Aber so weit und in diese Ortschaften wollen wir ja auch nicht. Also, Blinker links und dann doch vor den Barrieren der unmoralisch-unangekündigten Vollsperrung der B 401 gewendet. „Durch diese hohle Gasse muss er kommen, es führt kein anderer Weg nach Küssnacht“ (Friedrich Schiller „Wilhelm Tell“ (IV, 3)). Über Schleichwege gelangen wir ins Emstal. Vorbei am „Kannelloni“, über Neuheede-Siedlung und die Deichstraße mogeln wir uns auf die Heeder Straße.

Frau P. hat diesen Baum fotografisch viel besser getroffen als ich …

Wir versorgen uns im NP-Markt unseres Vertrauens und in der Bäckerei Ganseforth in Walchum mit allem, was Mann und Frau so brauchen und fallen an diesem Wochenende nicht auf die durch eine weitere Vollsperrung blockierte Ortsdurchfahrt in der Hauptstraße und eine damit verbundene “welträumige” Umleitungsempfehlung herein. Heute wählen wir „unsere“ Umgehung über „Hinter den Höfen“. Am letzten Wochenende landeten wir, auf die bereits erwähnte „U3“ vertrauend, geradewegs vor Amsterdam/NL, so glaubten wir es jedenfalls, bis wir endlich in einem grandiosen Bogen ans Ziel gelangten. – Ha, heute nicht mit uns!

… aber diesen “hat sie nicht”

Ja, auch in Sustrum regnet es hin und wieder. Wir sind per Wettersatellit informiert und fahren dennoch an die Brinkstraße. „Unfassbar!“, mag der eine denken. „Rätselhaft!“, mag die andere ihre Schlüsse ziehen. Wir sind nicht die einzigen, die es riskieren, ein uns an den Caravan fesselndes Wochenende zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal zu verbringen.

Ems

Wir halten es an diesen drei Tagen nicht mit Voltaire: „Mir sind alle Bücher zu lang“, sondern hoffen auf Aldous Huxley: „Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten“.

Luna. Irgendetwas findet sie immer

Die Sustrumer Wetterlage liefert uns an diesem Wochenende einen großzügigen Einblick in die Physik: Anhand des fast durchgehenden Regens können wir eindrucksvoll verfolgen, wie Wasser infolge der Schwerkraft in flüssiger Form zur Erde fällt.

Das Ehepaar M. aus S. beendet die Caravansaison. – “Tschüß!”

Irgendwann haben wir die Chance, Big B. niederschlagslos zu verlassen und die nähere Umgebung zu erkunden. Über die Brinkstraße gehen wir nach Sustrum, biegen kurz vor der Kirche in den Asselweg ab, überqueren den Sielgraben Sustrum II und schlagen uns querfeldein wieder zurück zur Brinkstraße. Zwischendurch suchen wir vor dem Regen Schutz unter den Bäumen am Wegesrand. „Ja, wir wissen es: Bei Gewitter niemals Schutz unter Bäumen suchen!“ Und auch der Spruch: „Eiche weiche, Buche suche“, ist absoluter Quatsch. Egal ob Eiche oder Buche, niemals unter einen Baum stellen.

Der Sustrumer Asselweg

Was mir aber mehr als Eichen und Buchen im Zusammenhang mit einem Gewitter zu denken gibt, ist der Sustrumer „Asselweg“. Wie kommt man auf den Gedanken, einen Weg, und sei er noch so abgelegen, „Asselweg“ zu nennen? In Anlehnung an das bis zu 0,5 cm kleine Landtier der Krebstier Ordnung? In Verehrung einer Frau mit dem kasachischen Vornamen Assel? Oder zur Erinnerung an den deutschen Politikwissenschaftler Hans-Günther Assel (1918-2002)? – Ich denke, ich werde es nie erfahren. Oder ich frage Herrn Bürgermeister Heinz-Hermann Hoppe.

Querfeldein vor Sustrum

Verwegen lassen wir Big B. im Emstal zurück und nehmen uns vor, am kommenden Donnerstag wieder im Emstal zu „zelten“. Mehr regnen als am vergangenen Wochenende kann es nicht und außerdem haben wir ausreichend Lesestoff an Bord. Und ich weiß, wo Familie Sandker ihr Boot versteckt hält. – „Lustig ist´s Matrosenleben, haltojo. Ist mit lauter Lust umgeben, haltojo. Bald nach Süden, bald nach Nord, haltojo. Treiben uns die Wellen fort, …“

Wenn sich die Feldmaus jetzt bewegt, nicht auszudenken … [Anm.: Sie hat sich nicht bewegt.]

“In die Gasse gehen” …

… vielleicht Städter, denen der Gang in Feld, Wald und Flur nicht immer möglich ist. Zum Glück habe wir es da sehr viel besser getroffen.

Der Kuhhornsweg “von gegenüber” gesehen

“Das Gehen mit dem Hund ist die Handlung einer Person, die mit einem Hund geht, normalerweise aus der Wohnung des Hundes und dann zurückkehrt. Sowohl Besitzer als auch Haustiere erhalten viele Vorteile, einschließlich Bewegung und Kameradschaft.” (Quelle: wikipedia) – Na, wer´s jetzt nicht verstanden hat, … der ist nicht allein!

Parklandschaft Ammerland

Direkt vor unserer Haustür mangelt es uns nicht an Gelegenheiten, abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. – Und warum erwähne ich dies heute? “Nur mal so.”

Wegbegleiter 1
Wegbegleiter 2
Wegbegleiter 3

“Ich habe noch nie ein Foto gemacht, wie ich es beabsichtigt hatte. Sie sind immer schlechter oder besser.” – Diane Arbus (geb. Nemerov, 1923-1971, amerikanische Fotografin und Fotojournalistin)

Nordholtsweg. Zwischen Gristeder Straße und Langenfurth. In Österreich und Teilen Altbayerns hätte ich nun gesagt, dass Luna wieder aus dem “Kukuruz” (Mais) auftaucht

Mindestens ein Jahr ist vergangen. Heute sind wir wieder in den Horster Büschen.

“O Täler weit, O Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen, Andächt´ger Aufenthalt.” – Joseph von Eichendorff
Und dann begegnen wir unserer “vorausgegangenen” Spur. – So können wir in unsere eigenen Fußstapfen treten

Hier noch ein paar “Anhängsel” weiterer Spaziergänge mit dem Frollein:

Im Staub geduscht wurden heute morgen die Rinder, die in ihrem “Bollerwagen” auf dem Kuhhornsweg auf Achse waren
Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. – Es blieb den beiden auch nichts anderes übrig: Der Kuhhornsweg ist augenblicklich knochentrocken und daher größtenteils eine “Sandwüste”
Um 8.00 Uhr trifft man hier nur auf wenige FrühaufsteherInnen, denen die Stille am Hörner Diek sicherlich genauso gefällt wie dem Frollein und mir
Seit vielen Wochen bewacht er seinen geheimen Schatz. – Wo? Wenn ich´s verrate, ist´s ja nicht mehr “magisch”
“Schiffe versenken” für Fortgeschrittene

Sustrum – da lebt die Gemeinschaft

… lautet die “headline” auf der Sustrumer HP.

Die Badestelle im Emstal

Auf dem NP-Parkplatz in Walchum treffen wir möglicherweise auf einen Verwandten des Wiefelsteder SUV-Parkplatzanarchisten, der es dank einer ausgefeilten Technik schafft, mit seinem Fahrzeug drei Parkplätze zu belegen. Hier in Walchum gelingt es dem Fahrer oder der Fahrerin einer etwas in die Jahre gekommenen E-Klasse, das Gefährt zur Hälfte auf dem Fahrstreifen vor der eigentlichen Stellfläche zu positionieren. Zum Glück bin ich einer der wenigen anerkannten Automobil- und Gespannlenker, dem es keine Schwierigkeiten bereitet, auch in dieser Situation die Nerven zu behalten und Darth Vader und Big B. in einem Zug und formvollendet zu wenden. – Ja, Sie sollten mich einmal sehen, wie ich, den Dreispitz mit der Linken haltend und auf einer Kanonenkugel reitend, durch die Lüfte sause.

Schon vor diesem wieder einmal einzigartigen Fahrmanöver hat die Beste von allen unser Fahrzeug verlassen, um in der Bäckerei Ganseforth „die Teilchen“ zum Kaffee am Nachmittag zu besorgen. Entgeht ihr in diesem Augenblick auch mein beispielhaftes Fahrmanöver, so gehen jetzt Kuchen und Kekse vor, und außerdem weiß sie, dass “Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen” hin und wieder zu leicht prahlerischen Erzählungen neigt.

Am Ufer der Badestelle

Die Bäckereifachverkäuferin in der Konditorei unseres Vertrauens beurteilt die ersten drei Wünsche der Besten von allen abschlägig. Keine Rumkugeln, keine Mandelhörnchen, für den Herrn Baron von M. kann es gar nicht „süßlich-haftend“ genug sein, und den leckeren Apfelkuchen von unserem letzten Besuch hat sie heute leider auch nicht parat. Eigentlich ein Grund für die Kundin, traurig zu sein, aber im Emsland ist manchmal manches anders: Die Dame hinter dem Tresen scheint, wie einst Timm Taler, auch ihr Lachen an den geheimnisvollen Baron de Lefuet verkauft zu haben (“Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen”. ZDF, 1979). Und auch am nächsten Morgen hat sie dieses noch nicht wiederbekommen.

Der Sielgraben Sustrum II einmal von “der anderen Seite”

Gegen Mittag rollen wir auf den Platz und wenig später kullert Big B. saft- und kraftlos vor unserem Stellplatz aus. Der Mover streikt. Mal wieder. Ein technisches Problem? Sicherlich nicht, irgendetwas hat der anerkannte Fahrzeug- und Gespannlenker vergessen. Aber was? Diese Frage wird später bei einem die Sinne anregenden Löwenbräu Oktoberfestbier gewissenhaft durchdacht werden müssen. Schon jetzt halte ich diese Aufgabe für so gravierend, dass es wohl nicht bei einem „Oktoberfest“ bleiben wird. – Zum Glück sind schnell freundliche Nachbarn zur Stelle und schieben uns in die endgültige Parkposition. „Asche über mein Haupt“.

Kartoffelackertrecker

Wieder und wieder gehe ich in Gedanken den Ladevorgang des Automatikladers durch: die Batterie wurde mit konstantem Strom der Stärke 8 Ampere geladen, die Phase der konstanten Ladespannung mit abnehmendem Ladestrom wurde beim vorgeschriebenen Wert erreicht und die maximale Ladezeit dank der Automatik nicht überschritten. Woran lag es, dass „Herr Truma-Mover“ bewegungslos blieb? Die Steigung lag nicht über 13%, Big B. wiegt weniger als 2000 Kg, das Funksignal wurde nicht unterbrochen, die Batterien der Fernbedienung sind nagelneu. Aber der 5 Hz-Signalton der Fernbedienung! Die Batterie. Aber die ist doch auch geladen. Ein weiteres Löwenbräu „sagt“ mir: „Suche das Fendt-Institut in Papenburg auf! Da wird Dir geholfen!“ Ernüchternd und bierernst werde ich diesen „hopfentlich“ guten Rat befolgen. – „Und dann stellt sich heraus, dass absolut nichts ist, dass ich nur vergessen habe, den Schalter „Dingsbums“ in die Stellung „YXZ“ zu bringen oder im Papenburger Institut finden sie nichts, alles funktioniert dort reibungslos und mir wird die goldene Pappnase mit Eichenlaub und gekreuzten Anschwenkhebeln verliehen.“ [Anmerkung: Beim Truma SR Mover werden die Antriebsmotoren vor der Inbetriebnahme mit einem Anschwenkhebel an die Fahrzeugbereifung geführt.]

U-Boot-Werft Sustrum

Samstagnachmittag. 16.28 Uhr. 43°C in der Sonne bei 13% Luftfeuchtigkeit. Familie Sandker meint es gut mit ihren Gästen und lässt vorsorglich eine leicht kühlende Brise durch das Emstal wehen. Rechtzeitig um die Mittagszeit wurden Prospekte und Fachzeitschriften über Klimaanlagen und Fünf-Sterne-Gefrierkombinationen an die Wohnmobilisten und Caravaner verteilt. Und sie werden genutzt: Im Schatten ihrer Markisen studieren viele den angebotenen coolen Lesestoff und kühlen so, fächernd-blätternd mit ihrer frostigen Lektüre die Nachbarschaft um ihre Armlehnstühle und Hängematten. Letztere finden sich zwar nicht auf dem Platz, aber ich halte es für reizvoll, diese als ein Symbol der Muße und des süßen Nichtstuns zu erwähnen.

16.41 Uhr. 44°C. Erste überhitzte Gäste strömen zusammen und tragen sich mit dem ehrenrührigen Gedanken, sich eigenmächtig-ordnungswidrig der Langnese-Eistruhe in der Rezeption zu bemächtigen. Der vermeintliche Aufstand schreckt mich auf. Ich erwache aus meinem Tagtraum, bringe die Rückenlehne des Isabellas in eine aufrechte Sitzposition und stelle fest: Ja, wir haben 44°C im Emstal und es ist an der Zeit, nach der Eistruhe zu schauen.

Kath. Kirchengemeinde St. Georg Steinbild. Kirche in Kluse

Gegen 22.00 Uhr sieht es dann ganz anders aus. Bereits seit einiger Zeit beobachten wir das Wetterleuchten am Himmel über der Ortschaft Sustrum. Hin und wieder “grummelt“ es gewittrig in der Ferne. Die Wetterlage wechselt bald in die Betriebsart „Blitz und Donner“. Und bevor der Regen einsetzt, haben wir Tische und Stühle verstaut und sind gerade damit beschäftigt, die Thule Omnistor einzuholen, da hören wir die Windhose auch schon „zähnefletschend“ über den Platz rollen. Die Streben der Markise sind inzwischen ungesichert und uns bleibt einmal mehr nur der beherzte Satz an die Stützen, um das Sonnensegel vor einem garantiert zerstörerisch wirkenden Salto mortale zu bewahren.

Da “braut” sich was zusammen

Wenig später sitzen wir hoch und trocken im Caravan. Nur der Vorzeltteppich muss die ganze Wucht des Platzregens über sich ergehen lassen. Ungerecht. Den ganzen Tag wird er mit Füßen getreten und dann auch noch so etwas.

Am Sonntagmorgen ist es bewölkt, aber das Unwetter hat sich längst verzogen. Die unglückliche Bäckereifachverkäuferin vom Freitag und Samstag hat heute frei. Die beste aller Ehefrauen wird an diesem Morgen von zwei offensichtlich sehr sorgenfreien und besonders heiteren Kolleginnen zum Brötchenkauf in der Bäckerei Ganseforth empfangen.

Kleine Vitaminbomben für die Gesundheit: Brombeeren … man muss sie allerdings mögen

Sonntagnachmittag. 16.00 Uhr. 21°C. Eine Temperaturdifferenz zum Samstag von 23°C. Ich erwische mich dabei, wie ich im Schatten sitzend, eine Jacke überziehe, aber ich erwische mich auch dabei, dass ich das Wetter thematisiere. Nun gut, wenn ich einmal dabei bin: in der vergangenen Nacht hatten wir 14°C im Wohnwagen. Natürlich könnten wir die Heizung zur dienlichen Erwärmung aktivieren, aber wenn man nicht wahrhaben will, dass es Herbst wird, dann vernachlässigt man diese zündende Idee gern noch ein wenig. Und verzichtet natürlich auch auf „pummeligere“ Federbetten.

Dortmund-Ems-Kanal. Lunas “Freischwimmerinnenbecken”

Der Sonntag vergeht wie im Fluge. Plötzlich dämmert es und ebenso heimlich wie heimtückisch versucht es der kleinere Bruder der gestrigen Windhose, unserer Markise ein Leid zuzufügen. Längst haben wir sein verwerfliches Ansinnen erkannt, alles verstaut und gesichert. Wir werden dann alles am Montag wieder neu aufstellen. Besser so, als den erstklassigen Schattenspender deformiert vom Wohnwagendach zu bergen.

Dortmund-Ems-Kanal. Das Revier einer nicht näher genannt werden wollenden Kleinen Münsterländerin

Luna wird langsam wieder die alte. Fast hat sie ihre Läufigkeit abgeschlossen. Erneut zeigt sie größtes Interesse am Sustrumer Tierreich, das seinerseits beizeiten eine erhöhte Alarmbereitschaft spüren lässt. Das Frollein setzt neue Schwerpunkte: War sie bis dato mehr an den Duftmarken ihrer Artgenossen und potentieller „Bewerber“ interessiert, so legt sie nun wieder einen besonderen Schwerpunkt auf Witterung und Fährten. Und da sind auch kleine, übermütige Fische, die ausgelassen und tollkühn im flachen Wasser ihre Kreise ziehen, nicht sicher. Nur Lunas Leine, gewissermaßen eine Rettungsleine, bewahrt die gedankenlosen Kiementräger vor dem abrupten Ende ihrer Kreisbahnen.

Natürlich drehen wir noch unsere Ems-/Dortmund-Ems-Kanal-Runde bevor wir packen und uns auf den Rückweg ins Ammerland machen. „Herr Truma-Mover“ streikt nicht mehr. Gewohnt verlässlich versieht er seine Dienste und führt Big B. spurgetreu an die Darth Vadersche Anhängerkupplung. Wir verabschieden uns von freundlichen Platznachbarn aus Kiel und Unna und natürlich von der ebenso freundlichen Familie Sandker. – Und weil´s wieder einmal so schön war: Am Donnerstag, 12.09. beginnt ein neues Sustrum-Wochenende.

"Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge." – Kurt Marti (1921 – 2017, ein Schweizer Pfarrer und Schriftsteller)