Das Frollein in Öl

Ein Unikat. Muss Mann haben! – Ein Künstler aus einer parlamentarischen Republik in Mitteleuropa hat das Frollein gemalt. Ich bin begeistert!
„Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.“ – Marie von Ebner-Eschenbach

Just in case the artist finds my article: a loosely translation in English

One of a kind. I have to have it! – An artist from a parliamentary republic in Central Europe has painted our „young Lady“. I am extremely happy!
„The blue print shows the talent, the performance proofes the artist.“ – Marie von Ebner-Eschenbach

Thank You, Robert!

Auferstanden aus Ruinen

Am Wiefelsteder Hörner Diek, dem momentan zur vollkommenen Kulisse einer Mondlandschaft nur die Schwerelosigkeit fehlt, regt sich langsam die fast erschlagene Natur. Der „Diek“ hat sich noch nicht erholt, befindet sich aber schleichend auf dem Weg einer ersten Besserung. Wasservögel trauen sich wieder an und in die Funktionsbecken. Wenn dann auch noch irgendwann die hier einst nistenden Eisvögel zurückkehren, wäre es noch erfreulicher.

Überleben bei Gefährdung: Deckung aufsuchen. Nur wo?
„Also, wenn Sie mich gefragt hätten …“ – „Hat uns aber niemand, Luna!“

So, nun soll es auch genügen: ich habe genug geschimpft. Interessieren wird es ohnehin keinen mehr und bewirken schon gar nichts. – „Aber ich bin meine Verärgerung losgeworden!“

Hätten sie nach dem Kahlschlag wenigstens aufgeräumt! Hier sieht´s aus „wie bei Hempels unter´m Sofa“!

[Anm.: „Auferstanden aus Ruinen” war der Titel der Nationalhymne der ehemaligen DDR (Deutschen Demokratischen Republik). Der Text dieser Hymne stammt von Johannes R. Becher, die Melodie komponierte Hanns Eisler.]

FlgH OL Splitter

Am 17. Juni 2004 habe ich auf dem Fliegerhorstgelände an der Alexanderstraße in Oldenburg mal wieder das Geb. 99 fotografiert. Einige Jahre später wurde dieses wegen Einsturzgefahr abgerissen.

Startbahnkopf „28“ im Oscar-Bereich (Osten) des einstigen Fliegerhorstes. Gebäude 210 (erbaut 1970) und Shelter (Flugzeugschutzbau) 12 sind dargestellt. Es fehlen u.a. Geb. 51, 190, 191, 215

Mit „99“ verschwand dabei auch ein von Hand und mit großem Fleiß großflächig angefertigter Fliegerhorstplan aus der Historie des einstigen Nato-Flughafens. Durch Zufall konnte ich einen Splitter dieses Werkes (auf Spanplatte) aus den Trümmern bergen. Und ich denke, dies ist das einzig „überlebende“ militärgeschichtliche Fragment aus dem 1956 errichteten Gebäude.

Die Shelter 15 – 19 im Sierra-Bereich (Süden)
Die Start- und Landebahn bildete die „Grenze“ zwischen Osten und Süden. Damit es etwas bildlicher wird: dieser Bereich lag in „Towernähe“, das Tanklager (Geb 166), das per Bahn über die Alexanderstraße „bedient“ wurde, befand sich in der weiteren Verlängerung (nach rechts) der „Flight“

Anmerkung: In Notfällen (Startabbruch, Fehllandung, technische Störung) brachte die Flugzeugfanganlage (gelbe Rechtecke bei „28“ auf dem letzten Foto) Flugzeuge auf kurzer Strecke zum Stillstand.

Funktionsbecken am Hörner Diek

„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“ – Albert Schweitzer.

Hinter der Baumreihe verläuft der Kuhhornsweg: der Dog-Walker-Highway-No. 1 von der Gristeder Straße zum Dingsfelder Weg

Am 8. Apil 2017 bezeichnete ich den „Hörner Diek“ als Nahabholzungsgebiet, vermutete, dass die „Funktionsbecken“ zur Filmkulisse werden sollten („Hier sangen früher Vögel“) und durchstreife nun täglich suchend „mein Naherholungsgebiet“ vor der Haustür.

„Wer wagt es, sich gen Himmel zu recken?“

Im leichten Nieselregen entdeckte ich heute das erste Grün, das sich sein Territorium zurückerobern will. Bleiben ihm wieder zehn Jahre?

… dann doch lieber erst einmal vorsichtig im Verborgenen grünen

Es wird sicherlich und notwendigerweise ein erneuter Rückschnitt der Bäume und Sträucher zur Aufrechterhaltung der Funktionstüchtigkeit der Regenrückhaltebecken (Funktionsbecken) kommen. – Vielleicht ein wenig „dezenter“ und im Sinne einer sanften, aber gründlichen Rasur?

„Ich habe heute ein paar Blumen nicht gepflückt, um dir ihr Leben zu schenken.“ – Christian Morgenstern

Sustrum. Eine Bildergeschichte

Der Austausch eines gerissenen Schraubringes, der die Überwinterung 2016/17 in „unserer“ Hasseler Scheune nicht verkraftete, sorgt am Big B.´schen Wassertank für ein wenig mehr Arbeit und „nötigt“ der gewissenhaften Fendt-Caravan Sach- und Fachkraft eine ausführliche und sorgfältige Probefahrt in Begleitung der besten aller Ehefrauen und des „Frolleins“ ab. Genauer: eine umfangreiche Probefahrt mit mindestens zwei Übernachtungen. – Zu unserer großen Überraschung finden wir uns dann auch an der Ems in Sustrum wieder. – „Nein, wer hätte das gedacht!“

Big B. vor Anker im Emstal. Kann man in einem Tal ankern? Ja, Big B. kann´s

Wirft unsere Testreihe auch keine negativen Auffälligkeiten sowie weiterführende Fragen auf, so will ich unser Erlebnis mit einem „Traummann“ im Emstunnel auf der A31 in Höhe der AS Jemgum nicht verschweigen: verlässt man diese segensreiche verkehrstechnische Einrichtung beim Großsoltborger Sieltief, so geht es bergauf. Unerbittlichen Gesetzen der Physik folgend, verlangsamt sich die Fahrgeschwindigkeit eines Automobils an der schiefen Ebene. Es sei denn, der Automobilist tritt beherzt auf´s Gaspedal oder hat die Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat®) eingeschaltet.

Da hüpft das Herz bereits beim Abbiegen von der Brinkstraße

Beide Alternativen hat Thijs van den Heuvel aus einer beliebigen der 12 provincies der Niederlande nicht in Betracht gezogen. 80 Km/h rollend, holen wir auf, ihn ein und, um nicht an der Steigung „zu verhungern“, überholen. Schnell sind wir auf Augenhöhe und Thijs bemerkt jetzt: „Da stimmt etwas nicht!“ – Ich „höre“ förmlich seine Gedanken durch die geschlossenen Scheiben unserer Autos.

„Na, dann mal los! – Hi, ho Silver! Away!“ 66, 69, 73, 78, 80, inzwischen passieren wir die „Aufhebung aller Streckenverbote“, 85, 88, 95, 100 Km/h. Thijs hält vehement mit. Er zwingt seinen Citroën zu Höchstleistungen und nach gefühlten 3,2 Km hat er uns rechts überholt. Wir können wieder in die rechte Spur wechseln und nehmen nun die freundliche, wenn auch oberflächlich-laienhafte Gebärdensprache der sich bis dahin hinter uns in Geduld übenden, uns nun aber rasch überholenden, heiter-frohgemuten Verkehrsteilnehmer entgegen. So wurde Thijs (Anm.: dieser Name ist frei erfunden) zu unserem „(Alb-)Traummann“ am Samstag vor dem 1. Mai. – Um der Wahrheit Genüge zu tun: Thijs van den Heuvel ist nicht allein! Er hat so manche Geschwister in ganz Europa. Ein Bruder lebt z.B. zwischen Dersum und Heede/Emsland.

NP-Markt und die Ganseforthsche Bäckerei in Walchum

Der Worte sind genug geschrieben. Es folgt eine Bildergeschichte unseres jüngsten Ausflugs ins „Zwei-Strom-Land“ zwischen Ems und Dortmund-Ems-Kanal.

Noch ahnen wir nicht, dass sich der Wind drehen wird, Böen bis 63 Km/h für Stimmung sorgen werden und wir schließlich Big B. in den Windschatten manövrieren
„Wenn früh am Morgen die …“ Brinkstraße ins Licht der aufgehenden Sonne taucht
Sustrum. Etwa in der Bildmitte „Big Ben“ der St Nikolaus Kirche
„Der Durchstich“ an der Brinkstraße
Blick von der Landzunge bei Sustrum auf Ems/Dortmund-Ems-Kanal
Auf dem Weg zur Düther Schleuse
Er ist noch da! Aber wo? – „Justin Bieber“
Wieder einmal auf der Lauer nach dem Biber traf ich auf diese Nutria. Warum ist dies kein Biber? Biber tauchen beim Schwimmen tiefer ein, die Ohren verraten die Nutria und die graue Schnauze ebenfalls
… und diese Nutria, die bestimmt 60 cm Länge zu Wasser brachte. Ehrlich!
Hochseefischereiflotte Emstal
Ihr entgeht nichts. Hier hat sie gerade wahrgenommen, dass in 150 m Entfernung ein Marienkäfer mit seiner Flügeldecke an ein zartes Haselnussblatt gestoßen ist
… und wenn Du ganz leise bist, den Hund davon überzeugen kannst, einmal das Federvieh nicht zu beachten, dann …, … ja dann …, dann hörst Du nur die Vögel zwitschern und das Wasser gegen den Steg und ans Ufer plätschern
Gefährlich! Schmetterling legt sich mit Löwenzahn an
Der Blick von der Badestelle. Eigentlich sollte ich dieses Bild nicht zeigen und wie den Ort für mich behalten
Auch „Ahörner“ sonnen sich hin und wieder
„Das Boot“. Ohne könnte ich mir die Ems bei Sustrum (Sielgraben Sustrum II) nicht denken
„Ich höre das Gras wachsen!“ – Luna von der Otterbäke zu Dringenburg-Tessa, auch: das Frollein. Ihren von mir frei erfundenen Adelstitel verschweigt sie gern
„Hallo? Wer braucht denn so etwas?“ – Natürlich niemand, nur für den Fall, dass …

Zu Besuch bei Frau Antje

Bereits in den 1950er Jahren war das „Kaasmeisje“ (Frau Antje) die Symbolfigur der niederländischen Molkereiwirtschaft. Grund genug, einmal in die Niederlande aufzubrechen. Um es vorweg zu nehmen: wir haben Frau Antje nicht angetroffen!

Kibbeling gibt es an der Ecke Vennen/Burgemeester Schönfeldplein in Winschoten. Die Leckersten …

Dafür besuchten wir in Midwolda „Camping de Bouwte“ am Oldambtmeer. Die kurze Anreise von knapp 90 Kilometern war dann auch keine Strapaze für nur eine Übernachtung „vor den Toren“ Winschotens.

Auf der grünen Wiese

Das Wetter machte uns für Exkursionen in die Natur einen kleinen Strich durch die Rechnung. Doch auch kurze Reisen rechtfertigen durchaus den Besuch eines Gasthauses.

Unter „coffeeshop“ versteht man in den Niederlanden nicht nur ein Cafe …

Allein 18 verschiedene Schnitzelgerichte gibt es in der Gasterij Smits. Und nach einem Bummel durch Winschoten und einer leckeren Portion Kibbeling ist das Groninger Schnitzel (met gebakken ui, champignons, paprika, spek en kaas) in der XL-Version in Smits´ Schnitzelwereld eine Herausforderung.

Ach ja, das Angebot an Ausflügen in die Natur ist reich, aber an diesem Wochenende hieß es für uns einfach mal nur: „Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ – Winston Churchill.

Da konnten wir nicht nur vorbeigehen

Wer nicht wirbt … hat freie Sicht

Veranstaltungshinweise werden in Wiefelstede (Ort) durch die Entschlossenheit und Tatkraft des HHWs (Handel und Handwerk Wiefelstede) seit nunmehr einigen Jahren an den Ortseingängen plakativ und geordnet angeboten. Vereine und Interessengruppen nutzen diese Möglichkeit intensiv, um ausdrucksvoll für ihre Veranstaltungen zu werben.

Daneben gibt es aber auch die „Feld-, Wald- und Wiesenbeschilderungen“, die sich vornehmlich an den Bäumen und Lichtmasten der Wiefelsteder Haupt-, Kortebrügger-, Oldenburger Land- und August-Hinrichs-Straße tummeln.

Ich zeige bewusst diese sehr geordnet angebrachte Plakatierung, um nicht zu provozieren. Aber es gibt da „Dinger“, die spotten jeder Beschreibung …

Örtliche Bushaltestellen und schrittweise auch Zäune an Spielplätzen mutieren inzwischen auch zum „Schilderwald“. Brauchen wir Hinweise auf eine Kartbahn inmitten der Wildeshauser Geest? Sind Tipps zu Veranstaltungen, die zeitlich in weit(est)er Ferne liegen und regelmäßige Terminbekanntgaben für einen professionell organisierten Trödelmarkt in einer benachbarten kreisfreien Stadt so wichtig, dass man damit das Ortsbild belastet und Bäume belagert? Ich denke: „Nein!“ und würde, wäre dies so einfach und legal, den Schilderwald sehr gern und spontan lichten. – Oder brauchen wir diese „Werbungskosten“ zur Erhaltung und Sicherung der kommunalen Einnahmen?

Güster am Elbe-Lübeck-Kanal

Ostern steht vor der Tür. Die Regenwahrscheinlichkeit für das lange Wochenende ist groß. Big B., gerade aus dem Emsland zurück, steht schon wieder aufgerüstet bereit. Unsere Reisewahrscheinlichkeit für dieses Wochenende ist ebenfalls beträchtlich.

Thule Rain Blocker an Omnistor 5200 inkl. einer Regenwahrscheinlichkeit, die nicht von „schlechten Eltern“ ist

Karfreitag 9.35 Uhr. Wir machen uns auf den Weg an den Elbe-Lübeck-Kanal. Es zieht uns einmal mehr an den Prüßsee nach Güster. Wir kommen gut voran und wenn alles klappt, stehen wir um 11.30 Uhr am Kanal. Um 12.30 Uhr steht Big B. mit ausgefahrener Markise und den neuen Rain Blockern „geschniegelt und gebügelt“ auf Platz 24. Pünktlich setzt der Regen ein und trotz anfänglicher unsicher-nachdenklicher Blicke auf die Thule Omnistor 5200, ich stehe immer noch „unter Schock“ nach dem Markisen-Kollaps im vergangenen Herbst, glaube ich nun fest an die Stabilität des Schattenspenders bzw. momentanen Regenschutzes und lasse meine Befürchtungen mit und in den rasch über uns hinweg ziehenden Regenwolken sausen.

Bei jedem Wetter einen Blick und Besuch wert: Elbe-Lübeck-Kanal bei Güster

Eine alte Bauernregel, die ich gerade erdichtet habe, besagt, dass es zwischen einzelnen Regenschauern vorherrschend trocken ist. Wir machen uns diese Weisheit zu eigen und uns auf den Weg zur kleinen Prüßsee Runde. Luna gibt zu bedenken, dass dabei zu wenige Uferstellen, an denen sie ihre lang vermissten gefiederten Freunde aufsuchen kann, am Wegesrand liegen. Ihre Begeisterung schwindet weiter als wir sie daran erinnern, dass wir uns in der Brut- und Setzzeit befinden und z. Zt. nicht nur Kleine Münsterländer in der freien Natur an der Leine geführt werden. Schnell stellen wir dann auf unserem Weg fest, dass wir die einzigen sind, die diese Tatsache verinnerlicht haben. Später läuft Luna entfesselt neben uns her. Was auch immer darunter verstanden werden kann.

Graugänse mit Gössel (Küken)

Ich hatte mir vorgenommen, mit Luna zum Brötchenholen nach Güster zu laufen. Das wechselhafte Schauerwetter, um es diplomatisch zu formulieren, macht uns einen Strich durch die Rechnung. Also, ab ins Auto und zum Bäcker gefahren. Haben wir mit dem Wetter bisher kein Glück gehabt, hier klappt es mit dem schnellen Einkauf. Zwischen den österlichen Kundeninvasionen am Brötchentresen stehe ich kurzfristig allein im Laden. Schnell sind die Roggenbrötchen und das Hamburger Abendblatt gekauft und zurück geht es an den Elbe-Lübeck-Kanal. Die beste aller Ehefrauen hat das Frühstück vorbereitet und bei prasselndem Regen schmecken Kaffee und Brötchen doppelt gut.

Zwischen den Schauern

Das Wetter ändert sich überhaupt nicht und so bleibt ausreichend Zeit für physikalische Caravan-Experimente. Welche Temperatur und welche Luftfeuchtigkeit herrschen in Big B´s Kühlschrank oder dem Gefrierfach und unterscheiden sich diese merklich von der augenblicklichen Außentemperatur. Ja, es gibt einen Unterschied: vor dem Caravan ist es kälter. – Und der Temperaturfühler hat den Aufenthalt im Gefrierfach nicht ganz schadlos überstanden, aber „überlebt“.

Auf der Suche nach Nils Holgersson

Auf dem Kanal tragen die Wasservögel Ölzeug und Südwester, ein Schwarm Graugänse fliegt, ausgestattet mit Pudelmütze und Wollschal, in Richtung Teneriffa davon. Auch um uns herum lichten sich die Reihen. Wir halten durch! Wenigstens bis morgen. Habe ich mir auch drei derbe Zeckenbisse eingefangen, der heutige Besuch bei „unserem“ Griechen ist obligatorisch. Der wird nicht abgesagt.

Es gibt immer wieder Camper, die haben ein Händchen für die passende Deko

Wir nutzen die kurzen Pausen zwischen den Regenschauern, trocknen die Markise und, welche Ironie des Schicksals, die Rain Blocker. Ein kräftiger Wind kommt auf und hilft uns bei der „Trockenübung“. Einige leichtsinnige Dauercamper hilft er auf die Sprünge: ihr Partyzelt will sich plötzlich in Richtung Kanal verabschieden. Was zeichnet den souveränen Dauercamper aus? Während fünf Damen und Herren sich energisch gegen den Wind stemmen und um ihr „abgehobenes Wigwam“ bemühen, erfüllt ein weiterer Mann die erste Bürgerpflicht und bewahrt die vollkommene Ruhe. Mit einer Flasche Bier in der linken Hand, dreht er, in stoischer Ruhe, mit der Rechten die Würstchen auf dem Grill.

Dauerparker

Wir beenden unser „Wochenende am Kanal“ mit einem Besuch in der Taverne Inos in Güster. Und wieder einmal werden wir nicht enttäuscht. Der lukullische Grund für einen Besuch der Gemeinde im Kreis Herzogtum Lauenburg.

„Hallo? Ist es nicht von Interesse, dass meine Pfote wieder gut verheilt ist? Zumindest haben es die Schwäne bemerkt!“

Sustrum. Warum? Darum!

Ein defekter Verschlussring für die Wasserstandssonde, ein Ersatzteil, das es nur beim Fendt Vertragshändler des Vertrauens in Papenburg gibt, „zwingt“ mich zum Aufbruch ins Emsland. Das lange Osterwochenende steht vor der Tür, ich habe seit heute „Osterferien“, die beste aller Ehefrauen hat es nicht so gut, sie muss „die Firma am Laufen halten“ und das Frollein ist immer noch durch ihre verletzte Pfote „bewegungsgehemmt“. Ganz allein mache ich mich auf den Weg.

Und wieder habe ich keinen Termin mit der Natur vereinbart …

Über Ostern wollen wir drei an den Elbe-Lübeck-Kanal. Durch meinen spontanen und uneigennützigen Aufbruch ins Emsland „rette“ ich quasi unser langes Wochenende in Schleswig-Holstein. Diese Entschlossenheit muss belohnt werden. Und da ich zufällig auch Big B. am Haken habe, kommt mir der Besuch im Emstal, da es ja nur „um die Ecke liegt“, sehr gelegen.

Einmal mehr: die Ems

B70. Zwischen Papenburg und Herbrum, kurz vor einer 70er-Zone, ich fahre noch 100 Km/h, überholt mich ein Düsseldorfer Tiefflieger. Augenscheinlich noch im Karnevalstaumel schneidet er mich, schert erbarmungs- und rücksichtslos ein und bremst, diese rheinische Frohnatur, meinen Rosenmontagszug aus. Gebremste, aber heute immerhin knappe 1,569 t Big B. helfen mir den Begriff der „Schiebung“ am praktischen Beispiel zu verstehen. – „Du alter A … schermittwoch!“, möchte ich rufen, unterlasse es aber, da mir in Gedanken noch weitaus bessere Titulierungen einfallen.

Frühmorgendlicher Blick nach Steinbild

Wenige Kilometer später steht der Bajazzo in der Linksabbiegerspur zum Dörpener Industriegebiet an der roten Ampel. Ich möchte anhalten, aussteigen und ihn „ans Herz drücken“, doch dann denke ich: „Das hat er nun wirklich nicht verdient!“

„In die Luft gegangen“

Es folgt der obligatorische Einkauf im Walchumer NP-Markt und der Bäckerei Ganseforth bevor ich im Emstal eintreffe. Schnell ist der Bianco in Stellung gebracht. Und jetzt? Warum ist das „Innenleben“ des Wohnwagens noch nicht hergerichtet? Wo ist die Lademeisterin? Muss Mann hier alles allein machen? – Ja, Mann muss!

„Das andere Ufer“ der Alten Ems

Das kostet natürlich Zeit. Mehr Zeit als ich, verwöhnt wie ich bin, glaube. So muss der fast ausnahmslos vegetarisch lebende „Burgenbauer“, der sich irgendwo im Emstal niedergelassen hat, noch ein wenig warten, bis ich ihn mit der Kamera in der Flusslandschaft besuche. Ich habe seine Biberburg zwar noch nicht gefunden, aber eindeutige Bissspuren an Bäumen, Zweigen und Trieben, haben mir seine Anwesenheit verraten. Ich werde ihn finden. Nur nicht mehr heute, denn es dämmert bereits, mir ist kalt, es regnet und außerdem ist morgen auch noch ein Tag.

Die ihr vor mir, schöne Schwäne, Auf der Wogen Flut euch wiegt, Silbern schimmert eu’r Gefieder, … – Graf Adolf Friedrich von Schack

Big B.´s Kühlschrank kann mit drei Energiearten betreiben werden: Netzspannung (220 V), Gleichspannung (12 V) und Gas. Stellt man den Energiewahlschalter vor Fahrtantritt aber versehentlich auf „Gas“, statt auf Gleichspannung (12 V), dann führt dies u.a. zu „Materialveränderungen“ im Gefrierfach. Da helfen dann auch strikt eingehaltene 12 Stunden „Vorkühlzeit“ vor der Einlagerung der Lebensmittel nicht mehr viel. Allerdings erspart mir mein Bedienungsfehler, mich eingehender mit der Thematik des Abtauens des Bordkühlschranks auseinander setzen zu müssen. – Irgendwas ist immer! – „Gute Nacht!“

Die nun zur Bordausstattung zählende satellitengestützte Wetterstation verrät mir um 7.00 Uhr, dass knackige 5,4°C im Emstal herrschen. Und da ich über Nacht die Heizung auf erfrischende 14°C stellte, ist es im Big B. nur unwesentlich wärmer. Apropos Nacht. Die größten nächtlichen Plaudertaschen an der Alten Ems scheinen die Stockenten zu sein. Das Aufstehen (sich in die Luft erheben), Abstreichen (Wegfliegen) und Einfallen (sich niederlassen) dieser Wildenten an der Ems kann nicht lautlos geschehen. Es stört mich nicht, schließlich habe ich mich in ihrem Wohnzimmer einquartiert.

Ein Biber?

Um 7.15 Uhr stehe ich am Dortmund-Ems-Kanal und glaube meinen Augen nicht zu trauen! Auf alle Fälle größer als der (knapp kaninchengroße) Bisam, vielleicht sogar größer als die bis zu 8 Kilogramm schwere Nutria, schwimmt vor meinen Augen ein Nager aus der Uferböschung ins offene Gewässer. Ich kann ein typisches Kennzeichen, den abgeplatteten Schwanz (Biberkelle), nicht einwandfrei erkennen. Ich wünsche es mir, aber ich wage es nicht, zu behaupten, ich hätte den Biber an der Alten Ems gesehen.

„Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.“ – Jean Paul

Das mir gegenüberliegende Ufer der Alten Ems hat mich schon immer interessiert. Ich habe bereits zwei gescheiterte Expeditionen durch die Niederung des Seitenarms hinter mir und werde heute den dritten Versuch unternehmen, ans andere Ufer zu gelangen. Wieder folge ich einem Wildwechsel. Heute lasse ich mich nicht ablenken, um nicht wieder an der Düther Schleuse zu enden. Ich komme gut voran, habe den Blick viel zu lange am Boden und werde jäh durch den morschen Ast einer Weide, den ich mir quasi „ins Auge laufe“, gestoppt. Das schmerzt. Mein Auge tränt, aber ich will es heute schaffen. Schließlich stehe ich der Badestelle des CP Emstal gegenüber. Um mich herum Bäume, Sträucher und in 15-20 m Entfernung ein riesiges Feld. Wäre ich nicht dem Wildwechsel gefolgt und hätte des Öfteren einmal nach oben geschaut, der morsche Ast wäre nicht in meinem Auge gelandet und die Expedition in die Niederung der Alten Ems wäre ein Spaziergang geworden. – Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Nach meiner Rückkehr ins „Basislager“ spüle ich mein Auge unter der Dusche. Es gelingt mir die Splitter heraus zu spülen und Familie Sandker leistet, als sie mein „Matschauge“ bemerkt, sofort Erste Hilfe.

Bibers Unterschlupf?

Am nächsten Morgen suche ich die Stelle auf, an der ich tags zuvor den Nager entdeckte. Heute stehe ich auf der anderen Uferseite der Ems und versuche, das Tier mit dem Fernglas aufzuspüren. Vergebens. In der Uferböschung entdecke ich zwar einen „Trampelpfad“ und einen „Rastplatz“ in der Nähe des gestrigen Treffpunkts, aber nicht mehr. Nur einige Entenpaare und zwei Blesshühner lassen sich desinteressiert in Ufernähe treiben. Offensichtlich wollen sie mir nicht behilflich sein, dabei will ich doch nur fotografieren.

Einmal so richtig „von oben herab“ …

Unerwartet bietet sich mir die Möglichkeit zum Aufstieg. Eine Chance, die ich natürlich nicht ausschlage. Mit dem Steiger, einer Hubarbeitsbühne, geht es steil nach oben. In luftiger Höhe schwenke ich die Kamera einmal in die Runde und atme erleichtert auf, als wir den Boden wieder sicher erreichen. Den totalen Überblick zu besitzen, ist bestimmt sinnvoll und nützlich, dann aber doch lieber mit beiden Füßen auf festem Untergrund. Nee, ist nicht mehr weit her mit meiner Höhenfestigkeit.

Der Schriftsteller Helmut Walters sagte: „Mit jeder Sprosse, die man erklimmt, schwankt die Leiter mehr.“ – „Dies gilt auch für Hubarbeitsbühnen ohne Sprossen“, sage ich.

Am Nachmittag möchte ich noch einmal meinen NP-Markt des Vertrauens in Walchum besuchen. Bei meinem ersten Besuch vor zwei Tagen beschlich mich so ein fremdartig-seltsames Gefühl, das mir sagte: „Hier hat sich etwas verändert. Hier herrscht eine ganz andere Stimmung. Es liegt etwas in der Luft.“ Ja, und dann erkenne ich es. Es liegt zwar nichts in der Luft, steht aber in den Gängen: verpackte Ware. Sie wartet darauf, in die Regale sortiert zu werden. Aus manchen Regalen und Kühltruhen leuchten 20-, 30- und 50%-Prozent Etiketten an einigen Waren, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht haben. Die MitarbeiterInnen sind vor Ort, vermeiden aber einen Blickkontakt, wollen nicht so recht angesprochen werden und ich weiche inzwischen einem zweiten Rollcontainer aus, der dieses Mal herrenlos vor den Kühlregalen steht. – Ich komme wieder, werde vergleichen und berichten. Nicht nur über die Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis der Waren.

16.23 Uhr. Sage und schreibe 10°C im Emstal. Gut, wir haben April. Dafür regnet es nun auch schon seit mehr als einer halben Stunde. Rechtzeitig mahnte mich meine innere Stimme, die Markise einzufahren, Tisch und Stühle unterzustellen. Und nun? Nun sitze ich bei einem würzigen Klassiker im Frühjahr (Maibock) und überlege, ob ich noch einmal losschwimme und einige (Unterwasser-)Aufnahmen mache. Während ich diesen Satz schreibe, blickt mich eine entrüstete Sony Alpha 77 nebst 18-270 mm Objektiv an und ist versucht, mir die Frage zu stellen: „Ist noch alles klar?“ – Gut, dann eben nicht.

Weiden. Vom Zwergstrauch bis hin zur 30 m hohen Weide ist alles dabei

18:41.38 Uhr. Der nicht enden wollende Regen endet abrupt, wie er begann. Zwischenzeitlich habe ich zum wiederholten Male einige Erzählungen Heinrich Bölls gelesen: „Abenteuer eines Brotbeutels“, „Die Waage der Baleks“, „Schicksal einer henkellosen Tasse“, auch die „Bekenntnisse eines Hundefängers“. Es ist schon merkwürdig, aber bei jedem, auch wiederholten Lesen dieser zwischen 1950 und 1953 veröffentlichten Erzählungen, lese ich eine für mich neue Erzählung. Ich kann mir die Inhalte der Heinrich Böllschen Erzählungen nicht merken. Sie „rauschen“ an mir vorbei. Das hat der Literatur-Nobelpreisträger sicherlich nicht verdient, doch was soll ich machen? Ich kann sie nicht verinnerlichen. „Der Engel schwieg“. 1992, 40 Jahre nach seiner Entstehung veröffentlicht, steht immer noch ungelesen in meinem Bücherregal.

Ganz anders geht es mir mit Siegfried Lenz, dem meiner Meinung nach bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwartsliteratur. „Der Mann im Strom“, „Jäger des Spotts“, „Die Erzählungen 1949-1984“, „Lehmanns Erzählungen oder So schön war mein Markt“ sowie „So zärtlich war Suleyken“, um nur einige zu nennen. Ich kenne und besitze (fast) jeden seiner Romane, jede seiner Erzählungen, inklusive der Zeichensetzung, habe ich in mich aufgenommen. Und noch heute kann ich mich schwarzärgern, dass einer meiner bequemsten und kraftlosesten Deutschlehrer einst die Ehre zu Teil wurde, Siegfried Lenz nach einer Veranstaltung der Goethe Gesellschaft mit dem Auto aus der Wesermarsch nach Hamburg zu fahren. – Womit hatte er das verdient? Der Lehrer? Nein, Siegfried Lenz!

Er war an diesem Nachmittag mehr zu hören als zu sehen: Fasan

19:19.10 Uhr. Es regnet erneut. Ich lege ein Hörbuch ein: „So zärtlich war Suleyken“. Ich werde synchron mitsprechen. – „Mein Großvater, ein Herrchen von, sagen wir mal 71 Jahren, hatte sich gerade das Lesen beigebracht, als die Sache losging. Die Sache, darunter ist zu verstehen …“ (So beginnt „Der Leseteufel“).

Und dann sind die Tage im Emstal erst einmal wieder vorüber. Auf der A31 schmiede ich bereits neue Pläne für einen erneuten Besuch. Dann wieder gemeinsam mit der besten Ehefrau von allen und dem „Frollein“! – „Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte.“  – Bertolt Brecht.

Morgengrauen

Entlang des Zaunes zur Abwasserreinigungsanlage (Am Brinkacker)  betreten wir an diesem Morgen den „Hörner Diek“.  Das „Frollein“ (unsere Kl. Münsterländerin Luna) hat die Nase am Boden und verschafft sich einen Überblick vom „tierischen Treiben“ der vergangenen Nacht im Wiefelsteder „Nahabholzungsgebiet“.

Hätte ich ungeachtet des Verbots, den „Hörner Diek“ während der „Forstarbeiten“ zu betreten, gehandelt, hätte ich erkannt, warum einige wenige Bäume verschont blieben

Wir sind Zaungäste*. Wir betrachten aus der Distanz und haben dennoch keinen Abstand zu dem Geschehenen.

Trassenband ist schnell besorgt …

Und da wir die Situation mit und aus erwähntem Abstand betrachten, sind wir in der Lage, das sich uns auch heute morgen bietende Bild genauer wahrzunehmen. Wir stellen fest, dass der Standort des Zaungastes auch von Vorteil sein kann.

Früher sangen hier Vögel

Es lässt sich nicht mehr rückgängig machen, was hier „entforstend“ geschah. Suchen wir also Hoffnung in der Volksweise (18. Jh.) „Alles neu macht der Mai“ von Hermann Adam von Kamp. – JA, ich bin entsetzt über diesen „mit Rücksichtslosigkeit und Härte“ durchgeführten Kahlschlag! Und ich bin nicht der Einzige.

Aus dem geschlagenem Holz könnte man vielleicht einen neuen Steg bauen …. Auch wenn dieser sehr idyllisch daherkommt, er ist brüchig

[* In meinem Text habe ich mich z.T. an den Klappentext zu Siegfried Lenz´ 2008 in der 5. Auflage im Hoffmann und Campe Verlag erschienenen Erzählungen „Zaungast“ angelehnt.]

Nun singt das Rotkelchen im benachbarten Hörner Esch