Das Jahr fängt gut an

Big B. schlummert in seinem Winterquartier und wir zählen die Tage bis zum Saisonstart 2017. Was machen wir, wenn wir gerade einmal nicht zählen? Preisausschreiben lösen und hoffen.

Hauptgewinn: eine superschlanke Kompressor-Kühlbox, die wirklich in jeder Nische Platz findet. Und das bei einem akzeptablen Fassungsvermögen

Wir sind unbekehr- und -belehrbar. Wir haben noch nie so richtig gewonnen, machen aber immer wieder einmal mit. Und jetzt! Doppelschlag: erst gewinnen wir zwei Freikarten für die Oldenburger „Caravan Freizeit Reisen“ und dann eine WAECO coolfreeze 25 CDF (Kühlbox für den Caravan). So kann´s weitergehen. – „Heureka!“ um es mit Archimedes´ Wort zu sagen.

4½ Jahre

… waren wir konzentriert „auf der Pirsch“. Heute liefen sie uns erstmalig vor das Objektiv: Wildschweine. – Wir sind eben geduldig-zähe „Fotojäger“.

Aus dem Unterholz auf´s freie Feld
Schwarzwild in schwarz/weiß
Wir haben es lang und „jagdlich orientiert“ geübt. Und dann haben wir sie „erwischt“: die Rotte (den Zusammenschluss mehrerer Wildschweine)

Die Reise nach „Hedwig Holzbein“

Luna nimmt sich eine Auszeit in Dingsfelde: Wellnessurlaub in Conzes Pfotentreff. Big B. hat sich in Hassel in Jürgens Scheune „wintereinquartiert“ und wir, von beiden guten Geistern verlassen, rollen auf der A7 in Richtung Schleswig. Längst haben wir die Freie und Hansestadt Hamburg hinter uns gelassen. Apropos frei, nix ist´s mit „freier Fahrt für freie Bürger“! In und um Hamburg herum wird gebuddelt, was Bagger und Radlader hergeben. Wir wussten, warum wir in diesem noch wenige Tage währenden Jahr den „caravanischen“ Besuch bei unseren dänischen Nachbarn auf die lange Bank schoben. A7, Elbtunnel, Hamburg sind augenblicklich nichts für schwache Nerven. Gern hätten wir den in unserem Auto integrierten und vollautomatischen „CE-Modus“ gewählt, aber „das Emstal hat zu“. – An dieser Stelle: „Viele Grüße an Familie Sandker!“ (CE = Campingplatz Emstal bei Sustrum/Emsland)

Den St.-Petri-Dom zu Schleswig im Hintergrund, liegt der Schleswiger Stadthafen noch im Winterschlaf

Nach endlosen Baustellen zwischen Hamburg und Rendsburg, flüchten wir an der Anschlussstelle Schleswig/Jagel von der A7. Im Abbiegen winken wir ein letztes Mal Bob, dem Baumeister, der uns andauernd und dabei wechselnd vom Stand- und Mittelstreifen der BAB grüßte, zu. Wir werden ihn nicht vermissen.

Da zeigte er sich: der rote Punkt am Himmel. In SH selten gesehen. Früher nannten ihn die Menschen „Sonne“

Wir nähern uns dem Ziel unserer Reise und dem Ende des Ostseefjords Schlei, denn hier liegt Schleswig.

Der Schleswiger Stadthafen

Wo logiert der Hobby-Modelleisenbahner, wenn er mit der besten aller Ehefrauen, aber ohne Big B. auf Achse ist? Richtig! Im „Alten Kreisbahnhof“ in Schleswig. Auto abstellen, Zimmer beziehen, durchatmen und auf geht´s zum Stadtrundgang durch Schleswig.

Anfangs sehr fußgängerzonenorientiert, geraten wir schnell in die Historie des kulturellen Zentrums des 16. und 17. Jahrhunderts. Der St. Petri Dom befindet sich quasi vor unserer (Hotel-)Haustür, einen Steinwurf entfernt liegt die alte Hofapotheke und die Fischersiedlung Holm finden wir „um die Ecke“. Ohne den Stadthafen gibt es mindestens zwölf Sehenswürdigkeiten, die Mann und Frau gesehen haben müssen. Wir haben ausreichend Zeit und werden sie nacheinander abarbeiten. Morgen. Und dann sind da noch diverse Campingplätze an der Schlei und der Ostsee, die wir in Augenschein nehmen wollen. – „Im Hotel sind wir (gern) zu Gast. Im Wohnwagen sind wir daheim.“

Die Schleswiger Kreisbahn war ein Teil der Verkehrsbetriebe des Kreises Schleswig. Heute ein Hotel: der Schleswiger Kreisbahnhof

Als überzeugte Caravaner nehmen wir uns die friesisch-ammerländische Freiheit, den Schleswiger Stadthafen, der durch die Touristinformation als idyllischer Ankerplatz für Sportbootfahrer und Wohnmobilisten angepriesen wird, aus Sicht der Wohnwagenmobilisten in Augenschein zu nehmen. Wir werden als solche nicht erkannt, fallen auch nicht durch atypisches oder gar kurioses Verhalten auf und unbemerkt und -beobachtet schieße ich einige Fotos im idyllischen Hafen der Freizeitkapitäne zu Land und zur See. – Vor meinem geistigen Auge sehe ich ein rundes, rot gerändertes Verbotsschild mit dem Bild eines „durchgestrichenen Caravans“ und den Text: „Wir müssen leider draußen bleiben!“

In der Plessenstraße. Hinweis auf das Baugeschäft und Sägewerk Heinrich Landsmann

Den Abend verbringen wir auf „Gleis 9“ des ehemaligen Schleswiger Kreisbahnhofs. Schon das Bild eines im wahrsten Sinne des Wortes zugigen und winterlichen Bahnsteigs vor Augen, korrigiere ich mich und mache aus dem „auf“ ein „im“. Also, nicht mit hochgeschlagenen Mantelkragen auf dem Bahnsteig stehend, sondern in netter Atmosphäre am Tisch im hoteleigenen Restaurant „Gleis 9“ sitzend, lassen wir den Tag geschmackvoll ausklingen. Womit? Fischerteller „Gleis 9“. Filet von Dorsch, Scholle, und Seelachs. Gebraten mit Senfsauce, dazu knackiges Gemüse vom Markt und Butterkartoffeln. Und Hirschgulasch aus der Keule, dazu Rotkohl, Spätzle und Preiselbeerbirne. – Es schmeckt genauso gut, wie es sich liest.

Ein Besuch des Schleswiger Doms ist obligatorisch

„Ja, guten Abend, meine Damen und Herren, ich möcht´ mich kurz vorstellen – mein Name ist Holm, Herr Holm für Sie …“ – Nein, mit Dirk Bielefeldt, dem deutschen Schauspieler und Kabarettisten, der durch die Rolle des Polizisten Herr Holm bekannt wurde, haben wir uns nicht getroffen. Wir besuchen die Fischersiedlung „Holm“, die auf einer kleinen Insel zwischen der Schleswiger Altstadt und der Schleswiger Freiheit gelegen, ca. um das Jahr 1000 gegründet wurde. Die heutige Schleswiger Freiheit kenne ich noch als Kasernenanlage „Auf der Freiheit“: 1933 bis 1937 als Seefliegerhorst für die Wehrmacht erbaut und ab 1957 bis 2004 von der Bundeswehr genutzt.

Das Fischerdorf Holm

Wir machen uns auf den Weg und folgen den Spuren von Fischern, Nonnen und aristokratischen Damen des Holsteiner Adels, d.h. wir besuchen endlich das nun schon so oft von mir erwähnte Fischerdorf Holm, den Friedhof der Holmer Beliebung und das St.-Johannis-Kloster. In letzterem besaßen unverheiratete Adelsdamen ein lebenslanges Wohnrecht. Die von Bülows, ein Uradelsgeschlecht mit Zweigen in den Niederlanden und Dänemark, die Kleists und viele andere Adelsfamilien haben hier so manche Tante untergebracht.

Das St.-Johannis-Kloster vor Schleswig gilt als besterhaltene Klosteranlage Schleswig-Holsteins

Stets auf der Suche nach halbwegs brauchbaren Unterkünften für das Personal des Flugabwehrraketen (FlaRak)-Systems PATRIOT, war ich irgendwann auch einmal in der einstigen Schleswiger Kasernenanlage „Auf der Freiheit“. Patrioten sind mobil und überall im Einsatz. Damals übten wir verstärkt den mobilen Einsatz in Schleswig-Holstein. Kaum eine S-H-Kaserne in der ich nicht vorsprach und um Kost und Logis für bis zu 130 SoldatInnen bat.

Eine „ewige Baustelle“?

Ich will heute noch einmal auf das Gelände, das inzwischen mehr und mehr einer riesigen Wohnanlage weicht. Immer noch sind hier aktive Baustellen beheimatet. Ich erkenne zwei, drei alte Gebäude aus den (Bau-)Jahren 1933 bis 1935 wieder, vermisse das ehemalige Wachgebäude und erinnere mich kurz an „persönliche Begegnungen der menschlich eher unerträglichen Art“ und schon sind wir wieder im „zivilen Teil“ der Stadt Schleswig angekommen. Ich denke kaum noch, dann aber nicht bedenkenlos an meine „patriotische Einsatz- und Verlegereistätigkeit“ für die FlaRak-Truppe. Auch die Schleswiger Freiheit scheint sich nur knapp an ihre militärische Vergangenheit zu erinnern. Und auch das ist gut so.

Eine kleine Chronik zur Geschichte der „Kaserne Auf der Freiheit“ findet sich unter: http://www.alte-schleihalle.de/auf-der-freiheit/#x

Irgendwie scheint sich die Ostseefjord Schlei GmbH nur bedingt mit der sehr breiten Spanne von „Camping“ befasst zu haben. So lautet ein Titel ihrer Publikationen „Camping- und Wohnmobilstellplätze an Schlei und Ostsee“. Wir sind Caravaner und nach unseren jüngsten Erfahrungen mit dem Schleswiger Stadthafen machen wir uns nun auf den Weg, auf uns zugeschnittene Wohnwagenstellplätze im Einzugsgebebiet der Schlei zu finden und zu erkunden. Naturcamping an der Schlei ist unser Schwerpunkt. In Goltoft/Hellör erfahren wir eines von mehreren Naturerlebnissen. Nach kurzer Rücksprache mit den Inhabern dürfen wir, trotz der Saisonpause, das Gelände „auskundschaften“.

Kappeln Nordhafen

Wir fahren weiter nach Kappeln. Über die B201 wollen wir in den Nordhafen. Und da war sie auch schon, die Kreuzung „Am Hafen“. Vorbeigefahren. Über die Schleibrücke. In einem etwas sehr atemberaubend-abenteuerlichen Manöver wenden wir an der Kreuzung B203/Eckernförder Straße. Sollten wir geblitzt worden sein, die Aktion und das Foto sind das potentielle „ticket“ wert.

Leere Fischkisten im Kappelner Nordhafen

Wir parken im Nordhafen und halten nahezu zeitgleich je eines der leckersten Fischbrötchen in Händen. Brötchen so etwas von knusprig. Fisch (Matjes und Bismarkhering) so etwas von frisch, beide Fische haben die Küche des Lokals nach ihrer Ankunft nur einmal verlassen: im Brötchen und direkt in unsere Hände. – „Es ist besser, zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat.“ (Giovanni Boccaccio)

„Die vorzüglich kräftigen Menschen, welche ausschließlich Fischerei betreiben, weichen in ihren Beschäftigungen, ihren Sitten und ihrer Lebensweise von den übrigen Bewohnern der Stadt ab. Sie bilden nicht nur durch ihre zünftige Verfassung, sondern auch durch ihre Privatverhältnisse einen ganz abgeschlossenen Verein …“. So hieß es einst in einer Beschreibung über die Holmer. (Quelle: http://www.holmer-beliebung-sl.de/start.htm)

Um unseren Hochzeitstag, eben diesen Hochzeitstag, der zwischen der Satin- und Jadehochzeit liegt, gebührend zu feiern, gehen wir auf die Suche nach einem dem Anlass entsprechenden Lokal. Es gibt viele in Schleswig. Wir entscheiden uns anfangs für das falsche Restaurant. Nach dem Betreten machen wir „Abteilung kehrt!“ und finden das italienische Ristaurante Roma im Stadtweg. Obwohl nahezu ausgebucht, hat Inhaber Vittorio G. sofort einen Platz für uns.

Holm

Am Silvestermorgen brechen wir in Richtung usA (unser schönes Ammerland) auf. Wir meiden die BAB und wählen den kleinen Umweg über Eckernförde-Kiel-Malente-Eutin zur A1. Wir suchen weiterhin nach interessanten Campingplätzen für Wohnwagenmobilisten. In der Holsteinischen Schweiz werden wir nach einigen herben Enttäuschungen entlang unserer Route fündig. – Schau´n wir mal, vielleicht besuchen wir in diesem Sommer auch einmal Eutin.

Der Schleswiger Dom ist heute Zentrum einer großen Gemeinde

Nicht viel los auf der BAB. Wir sind sehr zügig wieder daheim und nehmen ein völlig erschöpftes Frollein aus ihrem Wellnessurlaub in Empfang. „Schön, dass Ihr zurück seid,“ scheint sie sagen zu wollen, sackt auf ihrem Lager zusammen und schläft den Schlaf der Gerechten. Später verzichtet sie sogar auf ihr Abendmahl. Das will etwas heißen!

Die Kunstfertigkeit Kaffeegenuss zu zelebrieren

Wenn der Wasserkessel meiner Oma ein Loch hatte, dann ging sie zum Kupferschmied oder zum Kesselflicker, um das gute Stück reparieren zu lassen. So wurde dem verderblichen Werk des Kesselsteins, einer „versteinerten“ Ablagerung an den Wänden des damals nahezu unverzichtbaren Küchengerätes, Einhalt geboten. Und bevor Opa „wie ein Kesselflicker schimpfen oder gar fluchen“ konnte, floss bereits wieder kochendes Wasser durch den Kaffeefilter, über das Kaffeemehl und in die vorgewärmte Kanne. Der Filterkaffee, dieses koffeinhaltige Heißgetränk, das auch heute aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen „destilliert“ wird, war fertig.

Fester und traditioneller Bestandteil des Kaffee Zubehör-Sortiments: die Filtertüte

Das anregende Getränk, das in Anlehnung an seine Ursprungsregion Kaffa gemeinhin als Kaffee bezeichnet wird, lässt viele am Morgen erst so richtig aufwachen. Die Entdeckung, dass die Kaffeemaschine unangekündigt ihren Geist aufgab, kann da leicht zum Albtraum werden. Zum Glück gibt es auch löslichen Kaffee: Wasser erhitzen, genügend Kaffeepulver in einem Messbecher, das heiße Wasser auf das Kaffeepulver, den Kaffee ziehen lassen. Oder besser: stehen lassen! Denn wer trinkt löslichen Kaffee?

Im Handumdrehen ein besonders aromatisches Geschmackserlebnis. Bei uns natürlich nur als „Inspiration beim Backen“, was sonst?

Oma besaß eine Kaffeemühle. Darin mahlte sie den gerösteten Kaffee. Im Krieg (1939 bis 1945) röstete sie frische Bohnen schon einmal des Nachts in einer Pfanne. Warum mitten in der Nacht? Damit nicht alle Nachbarn „zufällig“ vor der Tür standen. Einige waren es aber doch: die witternden Schlaflosen.

Oma und Opa tranken Filterkaffee. Wir hatten irgendwann eine Kaffeemaschine, die uns vollen Kaffeegenuss und optimale Kaffeetemperatur bescherte. Später glitten wir in Richtung Pad-Kaffeemaschine ab, der eine Kapselmaschine im retro-modernen Design folgte. („Wir produzieren 4000 Tonnen Kaffeekapsel-Müll“ Birger Nicolai am 08.01.2014.)

Heute besitzen wir einen Kaffeevollautomaten. Früher tranken wir „Kaffee“. Heute haben wir die Qual der Wahl zwischen Arabica, Robusta, Liberica und Maragogype. Auf den „Katzenkaffee“ Kopi Luwak haben wir, wie auch auf „Blümchenkaffee“, gern verzichtet. Und Muckefuck kommt nicht ins Haus, geschweige denn in die Maschine!

Oma und Opa tranken, wie zuvor (nostalgisch) erwähnt, Filterkaffee. Und war der Wasserkessel zur Überarbeitung beim Kesselflicker, dann wurde das „Gewässer“ in einem Topf zum Kochen gebracht. Ein Stromausfall war völlig uninteressant, da Oma die Kaffeemühle von Hand bediente. Und das Wasser erreichte seinen Siedepunkt klassisch auf dem Gasherd.

Willkommen im „drunter & drüber“ der Bedienungsanleitungen

Heute stehe ich vor unserem Kaffeevollautomaten aus Trevisio, blicke auf die Bedienblende, achte auf Kontrolllämpchen und habe den Sinn ihres dauerleuchtenden und/oder blinkenden Schauspiels verinnerlicht, ich habe zu allem Überfluss einen Enthärterfilter in die Maschine eingesetzt, bestimme Kaffeemenge und -stärke, habe das Mahlwerk und die Temperatur optimal eingestellt, habe mich mit den Handgriffen zur Reinigung der Abtropfschale, der Kondenzwasserschale, des Wassertanks, der Ausgüsse des Kaffeeauslaufs, des Kaffeepulvereinfüllschachtes und der Brüheinheit ehrgeizig und verlässlich vertraut gemacht. Ich habe die Wasserhärte programmiert und mich mit dem Entkalken der Maschine befasst. Ich beachte die grundsätzlichen Sicherheitshinweise und komme schließlich sogar dazu, eine „vollautomatische“ Tasse Kaffee oder einen Espresso zu trinken!

„Der Kaffee ist fertig, klingt das net unheimlich zärtlich? Der Kaffee ist fertig, klingt das net unglaublich lieb?“ (Peter Cornelius. Einer seiner vielen Songs trägt den Titel: „Treib mi net zum Wahnsinn, Liebling“)

14. Wiefelsteder Modellbahnstammtisch

Der nächste Wiefelsteder Modellbahnstammtisch kommt bestimmt! Und zwar noch in diesem Jahr und er ist bereits unser 14.  – Vielen Dank für die stets zuverlässige Planung und Organisation an unseren „Fahrdienstleiter Jens“, der als nächsten Stammtischtermin Donnerstag, 29. Dezember 2016 ab 18.00 Uhr fahrplanmäßig vorbereitet hat. Der MoBa-Stammtisch findet wie immer im Gasthof unseres Vertrauens, Rabes Gasthof in der Hauptstraße in 26215 Wiefelstede, statt.

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„Abb. 655. Elektrisches Umstellspill der Firma Unruh & Liebig, Leipzig-Plagwitz“ Quellenangabe für die beiden in diesem Eintrag verwendeten Fotos: „Die Eisenbahn in Wort und Bild. Band 1“ Regierungs- und Baurat i.R. Franz Czygan. Verlag Heinrich Killinger, Nordhausen am Harz, um 1930

Wer „nur mal eben“ und spontan reinschauen möchte, wer diesen charakteristischen „Kohlebürsten-Öl-Schienenabrieb-Dampföl-Modelleisenbahn-Geruch“ noch einmal in der Nase haben möchte, wer sein wohl gehütetes „Schätzchen“ oder das diesjährige Weihnachtsgeschenk rollen sehen möchte, wer einfach nur neugierig geworden ist oder zwischen den Feiertagen noch nichts geplant hat, ist herzlich willkommen.

Allgemeine Grundausbildung 1977 – Teil II

Nachdem ich mich, angeregt durch zwei „Bundeswehr Lebensläufe“, die ich im Internet fand, an meine Grundausbildung im Luftwaffenausbildungsregiment 5 (LwAusbRgt 5) in Goslar erinnerte, fallen mir immer weitere Begebenheiten ein, die ich auf dem ehemaligen Fliegerhorst, in der erweiterten Nachbarschaft zur Kaiserpfalz am Fuße des Rammelsbergs, erlebte. Es war nicht immer amüsant.

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Damals noch als Schmuckblatt mit Deckblatt, persönlicher Unterschrift, Dienstsiegel und Kordel. Und nicht wie heute „Maschinell erstellter Bescheid. Ohne Unterschrift gültig.“

Vielleicht eine weitere Geschichte? Oder zwei? – Der bereits in meiner letzten „Erlebniserzählung“ erwähnte  Obergefreite UA (Unteroffizieranwärter) und Hilfsausbilder, der selber seine Grundausbildung in der benachbarten 10. Kompanie und den anschließenden Unteroffizierlehrgang zum 30. Juni 1977 abgeschlossen hatte, führte unsere Kompanie über den Fliegerhorst. – Vielleicht wirft sich die Frage auf, wie kann ein Soldat, der im Sommer 1977 erst ein halbes Jahr bei der Bundeswehr dient, als OGefr UA auftreten? Er war ein Eignungsübender (unter Vorbehalt verpflichteter Soldat auf Zeit (SaZ)), der auf Grund seiner beruflichen Vorbildung und weiterer Kriterien, die er erfüllen musste, bereits im höheren Dienstgrad eingestellt worden war. Wir nannten diese Kameraden auch „Neckermannobergefreite“. – Eben dieser Obergefreite führte nun die beiden Züge der 9. Kompanie durch die militärisch umschlossene Anlage. Oft war es ihm in den Sinn gekommen, uns wegen Nichtigkeiten „in die Botanik zu schicken“: „9. Kompanie! Achtung! Nach hinten wegtreten! Marsch! Marsch!“ Irgendwann wurde ihm dieses „Manöver“ zu langweilig und er befahl: „9. Kompanie! Ein Lied!“ Ich kürze nun das militärisch-formaldienstlich erforderliche Procedere ab und „übergebe“ die 9. Kompanie, inzwischen singend, an die geneigten Leserinnen und Leser. „Goldtransport“ lautete der uns befohlene Titel des Liedes. Marsch und Gesang stellten und stellen hohe Anforderungen an die formaldienstliche Disziplin der Truppe. Wir waren inzwischen nicht nur ausgebildete Rekruten und Sangesbrüder, wir waren ebenfalls in der Lage und willens, dem Lied auch ohne Instrumentalbegleitung den richtigen Sound zu verleihen. Die Rotten (milit., Reihen in dreigliedriger Antreteordnung) eins bis sechs, also immerhin 18 Soldaten, agierten dabei als die nicht vorhandene Militärmusikkapelle. Weit und breit kein Vorgesetzter in Sicht, der Obergefreite allein auf weiter Flur mit über 130 Soldaten, die sich gerade einstimmten, ihm hier und jetzt für seine zuvorkommende Behandlung der vergangenen Wochen ein Ständchen zu bringen. Der arme Kerl wurde wahnsinnig! Wir „überhörten“ seine Kommandos, schwenkten in Formation und musikalisch beschwingt in Richtung Kompaniegebäude, stoppten in Hörweite zur „9ten“ abrupt die Musikkapelle und den Gesang und marschierten tadellos und „fromm“ zum nur noch gehauchten „links, zwo, drei, vier“ und einem den Tränen nahen Hilfsausbilder zur Unterkunft. „Abteilung halt! Links um! Rührt Euch!“ führten wir eigenständig aus, denn der Obergefreite hatte das Gebäude bereits vor uns aufgesucht. – Er ging aber nicht petzen!

Und dann war da der Stabsunteroffizier Donald X. Vollbärtig, bärbeißig, grantig, düster und uns Rekruten gegenüber an sieben Tagen der Woche missmutig „aufgelegt“. Sein „ganz besonderer Freund“ war Flieger (Flg) T. Immer fand er einen Grund, dem ebenso muskulösen wie pfiffigen Kameraden „eins auszuwischen“. Dann war die Runde an T.: dem „Grantler“ war sein Armband in den Abfluss des Waschraums in der 1. Etage gefallen. Zu blasiert, es persönlich zu retten und bergen, übertrug er diese Aufgabe an den Flg T. und verließ den Raum. Ruckzuck war der Bodenablauf geöffnet, das Armband fand sich im integrierten Geruchsverschluss. T. hob es an, hielt es über den nun offen liegenden Abfluss, ließ es hineinfallen und meinte: „Schade, aber das Teil hat er bestimmt gemeint.“ Zur Sicherheit goss er noch einen Eimer Wasser hinterher.

Warum das alles? Vielleicht, weil es nicht angebracht war, uns seitens des Stammpersonals wie „dumme Gören“ zu gängeln? „Drehen Sie das Gesicht zur Wand. Sie sind müde! Sie schlafen!“ hieß es, wenn beim abendlichen Abmelden der Stuben, sich die Soldaten in den Betten nicht schlafend stellten. War es erforderlich, die unteren Enden der Tisch- und Stuhlbeine mit einem Messer abzuschaben und wegen des unweigerlich herabfallenden Schmutzes Nachdienste anzusetzen? Mussten außen liegende Fensterrahmen zum Mauerwerk hin auf Verschmutzungen überprüft werden? Mussten Spinde zur Wand gekippt werden und nachdem ein weiterer Ausbilder gegen die Sockelleiste trat, ein Nachreinigen angesetzt werden, weil sich „immer noch Dreck unter den Spinden befand“? Mussten Trainingsanzüge „auf links gezogen werden“ und die in den Nähten der Ärmel und Hosenbeine vorgefundenen „Wollmäuse“ Anlass zu üblen Schimpftiraden geben?

Die Kleiderstangen in den Spinden waren aus Metall. Schob man die Bekleidung samt Kleiderbügel einmal kräftig von links nach rechts, dann färbte die Kleiderstange trotz vorheriger Reinigung die prüfenden Zeige- und Mittelfinger des Ausbilders schwarz. Unvermeidbar. Rot wurden diese hingegen, wenn man zuvor mit einem Messer eine Scharte in die Kleiderstange schlug. – Habe ich mir berichten lassen.

Das Waffenreinigen am Donnerstag erforderte grundsätzlich eine zweite, wenn nicht sogar dritte Vorstellung des Gewehrs G3, das wir von Montag bis Donnerstag in unserem Bekleidungsspind zu verwahren hatten. Also ging man das erste Mal nach angemessener Wartezeit und mit der noch nicht gereinigten Waffe los und nutzte den so gewonnenen Freiraum zuvor für einen „Plausch unter Kameraden“. Stiller(!) Jubel brach jedes Mal aus, wenn der „rohe“ Pflegezustand des Gewehres dann bereits bei der ersten Vorstellung akzeptiert wurde.

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Maschinell erstellt und ohne Unterschrift gültig

„Die Allgemeine Grundausbildung ist eine Zeit, durch die musst Du durch.“ So die Worte meines Schulfreundes Ingo, der Goslar drei Monate vor mir „überlebt“ hatte. Ich breche auch heute nicht in Jubel aus, denke ich an die Zeit in der 9. Kompanie zurück, aber auch ich überlebte die „Grundi“ und bin heute, nach 33 Jahren Dienst in der Bundeswehr, inzwischen „Ruhestandsbeamter im sechsten Ausbildungsjahr“. – „Nur wer Menschen liebt, kann Menschen führen!“

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Die Presse schwieg am 31. Mai 2010 zum Ende meiner Dienstzeit  😉  Dafür standen Ende Mai 2010 Lena Meyer-Landrut und ihr Hit „Satellite“ im Mittelpunkt

Allgemeine Grundausbildung 1977 – Teil I

Der Wohnwagen steht im Winterquartier, es wird früh dunkel, ich habe Zeit zum Lesen und Gedanken-kreisen-lassen.

Heute fand ich auf einer Internetseite der Bundeswehr zwei Berichte ehemaliger Soldaten. Sie skizzieren darin ihre „Zeit beim Bund“. Zwei Offiziere im Dienstgrad Oberst. Inzwischen sind beide a.D., außer Dienst, pensioniert. Beigefügte Fotos zeigen sie u.a. im Kreise „der Generalität“, von Ministern oder beim Schachspiel mit russischen Stabsoffizieren. Ihr Truppenalltag? Vielleicht.

„Was man vergisst, hat man im Grunde nicht erlebt.“ (Ernst R. Hauschka) – Vor einigen Tagen stieß ich im WorldWideWeb beiläufig auf die Seite meiner Grundausbildungseinheit in Goslar. 1977. Im Stadtteil Jürgenohl am Jägerpfad fand ich den Fliegerhorst, der für die kommenden drei Monate mein vorübergehender „Lebensmittelpunkt“ wurde. Frisch aus der Schule, das Reifezeugnis noch druckfrisch daheim liegend, stand ich an einem Freitagnachmittag mit meiner braunen, prall gefüllten Karstadt-Kunstlederreisetasche vor dem Kompaniegebäude. Na, dann man los!

Ich hatte kaum die Eingangstür erreicht, da wurde ich auch schon vernehmbar in Empfang genommen. Ein Obergefreiter, ich lernte seinen Dienstgrad erst später kennen, machte mir unmissverständlich klar, wer hier augenblicklich das Regiment führt. Vor lauter Schreierei verstand ich keines seiner Worte. In einer Entfernung von 40 m vielleicht, aber nun stand ich ihm direkt gegenüber. Als er seine phonreiche Vorstellung beendet hatte, erfuhr ich durch behutsames Nachfragen, dass dies meine Einheit sei und was ich zu tun hätte.

Das Gebäude war in der linken oberen Ecke des Fliegerhorstes gelegen. Ich kannte weder Karte noch Kompass und deshalb lag die Kompanie erst einmal in der „linken Ecke“. Von unserem Zimmer, später erfuhr ich durch den hilfsbereiten Obergefreiten, dass dieses Zimmer ab sofort eine Stube sei, blickte ich in einen Wald. Ich ahnte nicht, dass ich durch diesen Forst bald dienstlich und regelmäßig zur Stiftskirche St. Georg laufen würde.

Ich bat den zuvorkommenden Stammsoldaten noch um einen zweiten Zimmerschlüssel, da wir unser neues Zimmer ja mit vier Rekruten teilen mussten. – Uih! – Gleich 2× hatte ich mich erdreistet „Zimmer“ statt „Stube“ zu sagen. „Stubenschlüssel! Stubenschlüssel!“ korrigierte ich und konnte den Herrn Obergefreiten gerade noch aus seiner bereits einsetzenden Schnappatmung holen und vor dem drohenden Atemstillstand bewahren. Er dankte es mir in keinster Weise. Und den zweiten Stubenschlüssel gab es natürlich auch nicht.

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Mein Wehrpaß, dann kam die EDV

Wir waren zwar noch nicht eingekleidet, hatten unsere Stuben kaum betreten, da „bat“ man uns vor das Gebäude zu treten. „Kompanie! Türen auf! – Vor dem Gebäude antreten! Marsch! Marsch!“ Schon begann man, uns auf den Dienst in den Streitkräften vorzubereiten. Na, das ging ja flott! Apropos „flott“. „Marsch! Marsch!“ bedeutet im Sprachjargon der Streitkräfte „ganz besonders flott!“ „Die Füße berühren propellerartig den Boden!“ Das wusste bis dato keiner von uns. Wir lernten es aber sehr schnell. Wie? Soviel sei verraten: es hatte auch etwas mit Lautstärke zu tun. Der bereits aus dem Physikunterricht bekannte Zusammenhang zwischen Lautstärke und Schalldruckpegel wurde uns während der kommenden Wochen am praktischen Beispiel noch einmal gründlich, nicht vor Augen, aber ans Trommelfell geführt.

„Thank God it’s Friday“. Der 1. Juli 1977 war ein Freitag. Das Wochenende stand vor der Tür. So auch in Goslar. Allerdings unterschied sich unsere Wochenendaktivität ein wenig vom Bundesdurchschnitt.

Im Sportanzug, mehr gab die Bekleidungskammer an diesem Freitag nicht her, traten wir an, ein und heraus. Wir bekamen unsere ersten Lektionen im Formaldienst und wenn wir nicht marschierten, dann rannten wir in das Gebäude hinein oder mussten es „Marsch! Marsch!“ verlassen. Auch das Kommando „Kompanie! Achtung! Nach hinten wegtreten! Marsch! Marsch!“ zählte bald zu unserem Formalausbildungsrepertoire.

1977 war ich durchtrainiert und urkundenüberhäufter Leichtathlet des SV Nordenhams. Ich hatte „kein Gramm Fett auf den Rippen“ und verlor dennoch in den 12 Wochen meiner Grundausbildung 7 Kg an Körpergewicht. Ich schreckte zusammen, wenn in der Rudi Carellschen Quizsendung „Am laufenden Band“ dieser Buzzer für eine falsche Antwort ertönte, denn in der 9. Kompanie war das das Signal für „Alarm!“

„Alarm!“ ging ja noch, aber „Verpackungsalarm!“, da „boxte der Papst im Kettenhemd und Stulpenstiefeln“, da „ging der Punk ab“. Naja, Mitte der 1970 lebte sich die Punkszene zwar bereits in New York und London aus, aber ob sie auch Goslar schon erreicht hatte, wage ich trotz der Präsenz der Diskothek „Ricardo“ oder des „No. 1“ in Oker stark zu bezweifeln.

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Und dann war Schluss mit den handschriftlichen Eintragungen

Den größten Fehler, den man im Alarmfall begehen konnte, war der, zu schnell zu sein. Warum? Weil man dann zusätzlich zur Hetze und dem künstlich erzeugten Stress auch noch den Ausbildern bei irgendwelchen überflüssigen vorbereitenden Arbeiten und Maßnahmen helfen musste. Diesen Fehler beging ich nur einmal. Und scheute mich nicht, meine Erkenntnisse dem Rekruten-Kameradenkreis mitzuteilen. Das ist in gewisser Weise unkameradschaftlich gewesen, Ausbilder und Stammpersonal zählen auch heute noch nach §12 Soldatengesetz (SG) zum Kameradenkreis.

Kameradschaft bedeutet in der soldatischen Gemeinschaft die Pflicht jedes Soldaten, seinem Kameraden unter allen Umständen – auch unter Lebensgefahr – beizustehen. Dumm war nur, dass diese Pflicht gern aus der Sicht von „oben nach unten“ gefordert wurde. Wir Rekruten standen damals mehr am unteren Ende der Nahrungskette.

Unser Chef Hauptmann (Hptm) R. wurde überwiegend durch seinen Stellvertreter Leutnant (Lt) W. vertreten. Lt W. bekam eines Tages einen Leutnant der Reserve (Lt d.R.) an die Hand befohlen. Dieser wehrübende Reservist, der bis vor kurzem noch als Reserveoffizieranwärter und als Mannschaftsdienstgrad seinen Dienst versah, lebte sich so richtig an uns aus. Nicht lange, dann bekam er vor Heiserkeit kein Wort mehr heraus. Angespornt durch das „unterirdische Verhalten“ des wehrübenden Cholerikers, sah der anfangs erwähnte Obergefreite (OGefr) seine Chance, uns in seiner Funktion als Hilfsausbilder, zu malträtieren. (S)Ein Irrtum.

Besonders tat sich ein Stabsunteroffizier (StUffz) W. hervor. Betraut mit der Waffenkammer (WaKa), liebte er es, uns „in numerischer Reihenfolge“ vor der WaKa antreten zu lassen. Numerisch, nach den laufenden Nummern unserer Waffenkarten „sortiert“, standen wir entlang der Wand im unteren Flur vor seinem Reich an. Und wehe es ging ihm nicht schnell genug. Dann hieß es „Auf die Stuben wegtreten! Marsch! Marsch!“ Und das Spiel begann von vorn.

Einmal in richtiger Reihenfolge angetreten merkten wir uns unseren Vordermann. Wir wussten auf welcher Stube dieser wohnt und wir hatten uns eingeprägt vor welchem Abschnitt der Wand im unteren Flur wir in „Ausgangsposition“ standen. Beim nächsten „Antreten vor der Waffenkammer“ liefen alle auf den Flur, laut auf der Stelle tretend sortierten und formierten wir die numerische Reihenfolge und stürmten los, um im unteren Flur auf die anderen Rekruten zu treffen, die bereits vorsortiert auf uns warteten. Das klappte wie am Schnürchen und ich denke, der 1. Waffen- und Geräteverwalter ist nie hinter unseren Trick gekommen. Dazu fehlte es ihm an … Zeit.

Das gleiche Spiel, spielte auch der Rechnungsführer (ReFü) mit uns. Und wir mit ihm. Nur mit dem feinen Unterschied, das wir nun in alphabetischer Reihenfolge antraten. Ließen wir keine Lücken zu den Bürotüren im Geschäftszimmertrakt, dann, ja dann hieß es: „Auf ein neues!“ Wurde während des Wartens in alphabetischer Reihenfolge gesprochen, so musste sich der Ertappte hinten anstellen. Trieb man dieses Spiel lange genug, war die befohlene ABC-Reihenfolge wieder aufgehoben und es hieß. „Ja, was wohl?“ – Nur waren wir Rekruten kasernenpflichtig und wohnten ohnehin in der Unterkunft. Der Rechnungsführer wollte aber irgendwann einmal nach Hause.

Ernennung zum Unteroffizier (Uffz). Der Obergefreite Unteroffizieranwärter (OGefr UA) Sch. wurde befördert und dieses Ereignis kräftig im Kreise der Ausbilder begossen. So stark begossen, dass sich der frisch gebackene Unteroffizier genötigt sah, seinen Mageninhalt einem Urinal anzuvertrauen. Warum auch nicht? Toilettenbecken wäre zu einfach gewesen. Tags darauf Revierreinigen. Der junge Uffz befiehlt tatsächlich „einem von uns“, sein „Erbe des vorangegangenen Abends“ zu entfernen. Er hatte diese Rechnung allerdings ohne den Zeugen gemacht, der ihn zuvor beobachtet hatte.

Uffz Sch. reinigte schließlich wenig willensstark, aber eigenständig. Und wir fanden, oh wundersame Fügung, plötzlich die Mülleimer unserer Stuben auf einigen Betten entleert vor. Das war weniger tragisch, denn diese Behältnisse haben in der Grundausbildung eigentlich ohnehin nur die Funktion geleert werden zu müssen. Sie waren somit (fast) klinisch rein.

Ich wagte es, meinen Kompaniefeldwebel mit der Anrede „Herr Hauptfeldwebel K.“ anzusprechen. In dem darauffolgenden Donnerwetter erfuhr ich, dass es „Herr Hauptfeldwebel“ oder „Hauptfeldwebel K.“ heißt. „Merken Sie sich das ein für allemal!“ – Herr Hauptfeldwebel K. monierte später während eines Stubendurchgangs das „playmate of the month“, das wir an die Innenseite der Tür zum Putzspind gepinnt hatten. „Kleben Sie gefälligst die unteren Extremitäten der Dame ab!“ Gesagt, getan. Beim nächsten Stubendurchgang fand Hauptfeldwebel K. die attraktive Dame mit einem Heftpflaster an den Füßen vor. Ich erspare mir weitere Ausführungen.

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Warum sie meine Auricher Fähig- und Fertigkeiten strichen, weiß nur …

Insbesondere durch Ausnutzung dienstlicher Machtbefugnisse getroffene Maßnahmen, durch die uns unnötig Schwierigkeiten bereitet wurden, standen bei drei, vier Ausbildern stets auf ihrer „to do list“. Ich habe noch alle Namen parat, aber die sollen „Geschichte“ sein und bleiben.

Freitagvormittag. Wir kommen vom Waldlauf zurück, treten vor dem Kompaniegebäude an und werden auf die Stuben befohlen. Zuvor hatte ein Ausbilder das Gebäude komplett mit 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril, besser und geläufiger als „CS“ oder Tränengas bekannt, kontaminiert. Was sich daraufhin in dem Gebäude abspielte war schmerzhaft, qualvoll und niederträchtig, denn ahnungslos waren wir in die Falle gelaufen.

Es kam wie es kommen musste. Tage später, wir treten einmal wieder „Marsch! Marsch!“ vor dem Kompaniegebäude an, ist der diensthabende UvD (Unteroffizier vom Dienst) kein anderer als der Reizgas verabreichende Soldat vom Freitag der vergangenen Ausbildungswoche. Schicksal? Unglück? Karma? Beim Heraustreten aus dem UvD-Zimmer trifft ihn die Faust des vorbeieilenden Fliegers (Flg) T. so unglücklich, dass er „schlagartig“ zu Boden geht. Auch in diesem Fall erspare ich mir weitere Ausführungen zu den darauffolgenden strengen Maßnahmen, die am Ende jedoch im Sande verliefen. Sich quasi verflüchtigten. Wie Tränengas.

„Wenn Sie den StUffz W. wecken, dann treten Sie nach dem Anklopfen aus dem Türsturz und stellen sich seitlich hinter die Wand. Bei dem weiß man nie.“ Mit diesen Worten schickte ein Ausbilder den Gefreiten vom Dienst (GvD) zur Stube des Stammsoldaten. Monate später. Ich bin längst in meine Stammeinheit versetzt, bekomme ich ein Fernschreiben in die Hände. Als „Besonderes Vorkommnis“ bezeichnet man u.a. Straftaten, die durch Bundeswehrangehörige verübt werden. Zwei Stammsoldaten aus meiner Grundausbildungseinheit hatten eine Tankstelle überfallen. Einer der beiden: W.

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Ja, Grenzen habe ich hin und wieder überschritten. Besonders und gern, wenn es ungerecht und unsachlich wurde. Schließlich die Altersgrenze

So begann sie, meine Zeit beim Bund. Vielleicht bringe ich sie einmal zu Papier. – Nein, ich mache Spaß!

Vorweihnachtliche Modellbahnnische

Ich gehöre der Generation an, die sich in der Vorweihnachtszeit die winterlich rot verkühlte Nase an der Schaufensterscheibe des örtlichen Spielwarengeschäfts plattdrückte. Warum? Weil dort eine Modelleisenbahn ihre Runden drehte. – „Kenne ich: „Railroad Tycoon“. Das Computerspiel, das den erfolgreichen Aufbau einer Eisenbahngesellschaft zum Inhalt hat! Eine Wirtschaftssimulation.“

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aus: „für die Freizeit … Faller“. 1960/61

„Nein, es ging schlicht und einfach um die maßstäbliche Nachbildung einer echten Eisenbahn. Nur im viel kleineren Format 1:87 (HO)“

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aus: „Jahreskatalog 1962/63“. Faller

Wirtschaftssimulation? Liebe smartphone- und iPhone/iPad infizierte „Generation Head Down“, wir spielten seinerzeit, wir ahmten nach und konnten loslassen, um im Garten auf Bäume zu klettern oder „Cowboy und Indianer“ zu spielen. Wir fühlten und erlebten. Unter einem Spiel verstanden wir noch nicht „den subjektiv wahrgenommenen, durch ein Produkt und marketingpolitische Maßnahmen vermittelten Beitrag zur Lebensqualität“.

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aus: „Jahreskatalog 1961/62“. Faller

Nun will ich nicht „9×klug“ daher schreiben, denn zu meiner Zeit, vor ca. fünfzig Jahren hätte sich dieser Text dann aus „belehrender Sicht“ in etwa so gelesen: „Ja, ich gehöre der Generation an, die sich in der Vorweihnachtszeit die winterlich rot verkühlte Nase an der Schaufensterscheibe des örtlichen Spielwarengeschäfts plattdrückte. Warum? Weil dort Brummkreisel, Blechspielzeug und Mundharmoikas ausgestellt waren.“ – Modelleisenbahn? Liebe Taschenrechner-Generation, wir spielten „Inne mine, mu, und aus bist du“ oder das „Hölzchen-Versteckspiel“. Wir fühlten und erlebten. Wir spielten wahrhaftig und „hockten nicht im Haus“, um uns mit einer Spielzeugeisenbahn, die dazu auch noch neuzeitlich elektrisch betrieben wird, zu vergnügen.

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aus: „Flugzeug-Modell CONVAIR 440 Metropolitain 1:100“. Faller

Wie komme ich auf diese schrägen Gedanken? – „Schuld allein“ hat mein MoBa-Mitstammtischler Karl-Heinz, den ich heute als „Nischenmodelleisenbahner“ auf einer vorweihnachtichen Ausstellung in Leuchtenburg besuchte und der mich mit Faller-Modell-Bausatz-Katalogen aus den 1960er Jahren versorgte. – Darin stöbernd kommt Mann auf die „wildesten“ Ideen …

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FALLER-Modellbau. Zauber einer Welt im Kleinen. Jahres-Katalog 1961/62. Damaliger Katalogpreis 0,60 DM

Da wurden viele Erinnerungen wach. – „Vielen Dank, Kalle!“

2014 – Der erste Ausflug …

… als Wohnwagennovizen führte uns am 8. Juni 2014 in den Landkreis Cuxhaven. Damals waren wir noch mit dem Fliegenden Holländer auf Achse. Wir unternahmen einfach einmal eine Testfahrt am Pfingstsonntag.

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Altluneberg, ein Ortsteil von Wehdel, gehört zur Gemeinde Schiffdorf und liegt 15 Km vor der Seestadt Bremerhaven

 

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10 Tage später „hingen wir in einer Wand“ des Wiehengebirges. „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ – Vincent van Gogh