14. Wiefelsteder Modellbahnstammtisch

Der nächste Wiefelsteder Modellbahnstammtisch kommt bestimmt! Und zwar noch in diesem Jahr und er wäre dann bereits unser 14.  – Vielen Dank für die stets zuverlässige Planung und Organisation an unseren „Fahrdienstleiter Jens“, der als nächste Stammtischtermine Mittwoch, 28. Dezember oder Do., 29. Dezember 2016 jeweils ab 18.00 Uhr in Vorbereitung hat. Was steht bereits heute fest? Der MoBa-Stammtisch findet wie immer im Gasthof unseres Vertrauens, Rabes Gasthof in der Hauptstraße in 26215 Wiefelstede, statt.

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„Abb. 655. Elektrisches Umstellspill der Firma Unruh & Liebig, Leipzig-Plagwitz“ Quellenangabe für die beiden in diesem Eintrag verwendeten Fotos: „Die Eisenbahn in Wort und Bild. Band 1“ Regierungs- und Baurat i.R. Franz Czygan. Verlag Heinrich Killinger, Nordhausen am Harz, um 1930

Wer „nur mal eben“ und spontan reinschauen möchte, wer diesen charakteristischen „Kohlebürsten-Öl-Schienenabrieb-Dampföl-Modelleisenbahn-Geruch“ noch einmal in der Nase haben möchte, wer sein wohl gehütetes „Schätzchen“ oder das diesjährige Weihnachtsgeschenk rollen sehen möchte, wer einfach nur neugierig geworden ist oder zwischen den Feiertagen noch nichts geplant hat, ist herzlich willkommen.

Den „richtigen“ Termin gebe ich rechtzeitig bekannt!

Allgemeine Grundausbildung 1977 – Teil II

Nachdem ich mich, angeregt durch zwei „Bundeswehr Lebensläufe“, die ich im Internet fand, an meine Grundausbildung im Luftwaffenausbildungsregiment 5 (LwAusbRgt 5) in Goslar erinnerte, fallen mir immer weitere Begebenheiten ein, die ich auf dem ehemaligen Fliegerhorst, in der erweiterten Nachbarschaft zur Kaiserpfalz am Fuße des Rammelsbergs, erlebte. Es war nicht immer amüsant.

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Damals noch als Schmuckblatt mit Deckblatt, persönlicher Unterschrift, Dienstsiegel und Kordel. Und nicht wie heute „Maschinell erstellter Bescheid. Ohne Unterschrift gültig.“

Vielleicht eine weitere Geschichte? Oder zwei? – Der bereits in meiner letzten „Erlebniserzählung“ erwähnte  Obergefreite UA (Unteroffizieranwärter) und Hilfsausbilder, der selber seine Grundausbildung in der benachbarten 10. Kompanie und den anschließenden Unteroffizierlehrgang zum 30. Juni 1977 abgeschlossen hatte, führte unsere Kompanie über den Fliegerhorst. – Vielleicht wirft sich die Frage auf, wie kann ein Soldat, der im Sommer 1977 erst ein halbes Jahr bei der Bundeswehr dient, als OGefr UA auftreten? Er war ein Eignungsübender (unter Vorbehalt verpflichteter Soldat auf Zeit (SaZ)), der auf Grund seiner beruflichen Vorbildung und weiterer Kriterien, die er erfüllen musste, bereits im höheren Dienstgrad eingestellt worden war. Wir nannten diese Kameraden auch „Neckermannobergefreite“. – Eben dieser Obergefreite führte nun die beiden Züge der 9. Kompanie durch die militärisch umschlossene Anlage. Oft war es ihm in den Sinn gekommen, uns wegen Nichtigkeiten „in die Botanik zu schicken“: „9. Kompanie! Achtung! Nach hinten wegtreten! Marsch! Marsch!“ Irgendwann wurde ihm dieses „Manöver“ zu langweilig und er befahl: „9. Kompanie! Ein Lied!“ Ich kürze nun das militärisch-formaldienstlich erforderliche Procedere ab und „übergebe“ die 9. Kompanie, inzwischen singend, an die geneigten Leserinnen und Leser. „Goldtransport“ lautete der uns befohlene Titel des Liedes. Marsch und Gesang stellten und stellen hohe Anforderungen an die formaldienstliche Disziplin der Truppe. Wir waren inzwischen nicht nur ausgebildete Rekruten und Sangesbrüder, wir waren ebenfalls in der Lage und willens, dem Lied auch ohne Instrumentalbegleitung den richtigen Sound zu verleihen. Die Rotten (milit., Reihen in dreigliedriger Antreteordnung) eins bis sechs, also immerhin 18 Soldaten, agierten dabei als die nicht vorhandene Militärmusikkapelle. Weit und breit kein Vorgesetzter in Sicht, der Obergefreite allein auf weiter Flur mit über 130 Soldaten, die sich gerade einstimmten, ihm hier und jetzt für seine zuvorkommende Behandlung der vergangenen Wochen ein Ständchen zu bringen. Der arme Kerl wurde wahnsinnig! Wir „überhörten“ seine Kommandos, schwenkten in Formation und musikalisch beschwingt in Richtung Kompaniegebäude, stoppten in Hörweite zur „9ten“ abrupt die Musikkapelle und den Gesang und marschierten tadellos und „fromm“ zum nur noch gehauchten „links, zwo, drei, vier“ und einem den Tränen nahen Hilfsausbilder zur Unterkunft. „Abteilung halt! Links um! Rührt Euch!“ führten wir eigenständig aus, denn der Obergefreite hatte das Gebäude bereits vor uns aufgesucht. – Er ging aber nicht petzen!

Und dann war da der Stabsunteroffizier Donald X. Vollbärtig, bärbeißig, grantig, düster und uns Rekruten gegenüber an sieben Tagen der Woche missmutig „aufgelegt“. Sein „ganz besonderer Freund“ war Flieger (Flg) T. Immer fand er einen Grund, dem ebenso muskulösen wie pfiffigen Kameraden „eins auszuwischen“. Dann war die Runde an T.: dem „Grantler“ war sein Armband in den Abfluss des Waschraums in der 1. Etage gefallen. Zu blasiert, es persönlich zu retten und bergen, übertrug er diese Aufgabe an den Flg T. und verließ den Raum. Ruckzuck war der Bodenablauf geöffnet, das Armband fand sich im integrierten Geruchsverschluss. T. hob es an, hielt es über den nun offen liegenden Abfluss, ließ es hineinfallen und meinte: „Schade, aber das Teil hat er bestimmt gemeint.“ Zur Sicherheit goss er noch einen Eimer Wasser hinterher.

Warum das alles? Vielleicht, weil es nicht angebracht war, uns seitens des Stammpersonals wie „dumme Gören“ zu gängeln? „Drehen Sie das Gesicht zur Wand. Sie sind müde! Sie schlafen!“ hieß es, wenn beim abendlichen Abmelden der Stuben, sich die Soldaten in den Betten nicht schlafend stellten. War es erforderlich, die unteren Enden der Tisch- und Stuhlbeine mit einem Messer abzuschaben und wegen des unweigerlich herabfallenden Schmutzes Nachdienste anzusetzen? Mussten außen liegende Fensterrahmen zum Mauerwerk hin auf Verschmutzungen überprüft werden? Mussten Spinde zur Wand gekippt werden und nachdem ein weiterer Ausbilder gegen die Sockelleiste trat, ein Nachreinigen angesetzt werden, weil sich „immer noch Dreck unter den Spinden befand“? Mussten Trainingsanzüge „auf links gezogen werden“ und die in den Nähten der Ärmel und Hosenbeine vorgefundenen „Wollmäuse“ Anlass zu üblen Schimpftiraden geben?

Die Kleiderstangen in den Spinden waren aus Metall. Schob man die Bekleidung samt Kleiderbügel einmal kräftig von links nach rechts, dann färbte die Kleiderstange trotz vorheriger Reinigung die prüfenden Zeige- und Mittelfinger des Ausbilders schwarz. Unvermeidbar. Rot wurden diese hingegen, wenn man zuvor mit einem Messer eine Scharte in die Kleiderstange schlug. – Habe ich mir berichten lassen.

Das Waffenreinigen am Donnerstag erforderte grundsätzlich eine zweite, wenn nicht sogar dritte Vorstellung des Gewehrs G3, das wir von Montag bis Donnerstag in unserem Bekleidungsspind zu verwahren hatten. Also ging man das erste Mal nach angemessener Wartezeit und mit der noch nicht gereinigten Waffe los und nutzte den so gewonnenen Freiraum zuvor für einen „Plausch unter Kameraden“. Stiller(!) Jubel brach jedes Mal aus, wenn der „rohe“ Pflegezustand des Gewehres dann bereits bei der ersten Vorstellung akzeptiert wurde.

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Maschinell erstellt und ohne Unterschrift gültig

„Die Allgemeine Grundausbildung ist eine Zeit, durch die musst Du durch.“ So die Worte meines Schulfreundes Ingo, der Goslar drei Monate vor mir „überlebt“ hatte. Ich breche auch heute nicht in Jubel aus, denke ich an die Zeit in der 9. Kompanie zurück, aber auch ich überlebte die „Grundi“ und bin heute, nach 33 Jahren Dienst in der Bundeswehr, inzwischen „Ruhestandsbeamter im sechsten Ausbildungsjahr“. – „Nur wer Menschen liebt, kann Menschen führen!“

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Die Presse schwieg am 31. Mai 2010 zum Ende meiner Dienstzeit  😉  Dafür standen Ende Mai 2010 Lena Meyer-Landrut und ihr Hit „Satellite“ im Mittelpunkt

Allgemeine Grundausbildung 1977 – Teil I

Der Wohnwagen steht im Winterquartier, es wird früh dunkel, ich habe Zeit zum Lesen und Gedanken-kreisen-lassen.

Heute fand ich auf einer Internetseite der Bundeswehr zwei Berichte ehemaliger Soldaten. Sie skizzieren darin ihre „Zeit beim Bund“. Zwei Offiziere im Dienstgrad Oberst. Inzwischen sind beide a.D., außer Dienst, pensioniert. Beigefügte Fotos zeigen sie u.a. im Kreise „der Generalität“, von Ministern oder beim Schachspiel mit russischen Stabsoffizieren. Ihr Truppenalltag? Vielleicht.

„Was man vergisst, hat man im Grunde nicht erlebt.“ (Ernst R. Hauschka) – Vor einigen Tagen stieß ich im WorldWideWeb beiläufig auf die Seite meiner Grundausbildungseinheit in Goslar. 1977. Im Stadtteil Jürgenohl am Jägerpfad fand ich den Fliegerhorst, der für die kommenden drei Monate mein vorübergehender „Lebensmittelpunkt“ wurde. Frisch aus der Schule, das Reifezeugnis noch druckfrisch daheim liegend, stand ich an einem Freitagnachmittag mit meiner braunen, prall gefüllten Karstadt-Kunstlederreisetasche vor dem Kompaniegebäude. Na, dann man los!

Ich hatte kaum die Eingangstür erreicht, da wurde ich auch schon vernehmbar in Empfang genommen. Ein Obergefreiter, ich lernte seinen Dienstgrad erst später kennen, machte mir unmissverständlich klar, wer hier augenblicklich das Regiment führt. Vor lauter Schreierei verstand ich keines seiner Worte. In einer Entfernung von 40 m vielleicht, aber nun stand ich ihm direkt gegenüber. Als er seine phonreiche Vorstellung beendet hatte, erfuhr ich durch behutsames Nachfragen, dass dies meine Einheit sei und was ich zu tun hätte.

Das Gebäude war in der linken oberen Ecke des Fliegerhorstes gelegen. Ich kannte weder Karte noch Kompass und deshalb lag die Kompanie erst einmal in der „linken Ecke“. Von unserem Zimmer, später erfuhr ich durch den hilfsbereiten Obergefreiten, dass dieses Zimmer ab sofort eine Stube sei, blickte ich in einen Wald. Ich ahnte nicht, dass ich durch diesen Forst bald dienstlich und regelmäßig zur Stiftskirche St. Georg laufen würde.

Ich bat den zuvorkommenden Stammsoldaten noch um einen zweiten Zimmerschlüssel, da wir unser neues Zimmer ja mit vier Rekruten teilen mussten. – Uih! – Gleich 2× hatte ich mich erdreistet „Zimmer“ statt „Stube“ zu sagen. „Stubenschlüssel! Stubenschlüssel!“ korrigierte ich und konnte den Herrn Obergefreiten gerade noch aus seiner bereits einsetzenden Schnappatmung holen und vor dem drohenden Atemstillstand bewahren. Er dankte es mir in keinster Weise. Und den zweiten Stubenschlüssel gab es natürlich auch nicht.

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Mein Wehrpaß, dann kam die EDV

Wir waren zwar noch nicht eingekleidet, hatten unsere Stuben kaum betreten, da „bat“ man uns vor das Gebäude zu treten. „Kompanie! Türen auf! – Vor dem Gebäude antreten! Marsch! Marsch!“ Schon begann man, uns auf den Dienst in den Streitkräften vorzubereiten. Na, das ging ja flott! Apropos „flott“. „Marsch! Marsch!“ bedeutet im Sprachjargon der Streitkräfte „ganz besonders flott!“ „Die Füße berühren propellerartig den Boden!“ Das wusste bis dato keiner von uns. Wir lernten es aber sehr schnell. Wie? Soviel sei verraten: es hatte auch etwas mit Lautstärke zu tun. Der bereits aus dem Physikunterricht bekannte Zusammenhang zwischen Lautstärke und Schalldruckpegel wurde uns während der kommenden Wochen am praktischen Beispiel noch einmal gründlich, nicht vor Augen, aber ans Trommelfell geführt.

„Thank God it’s Friday“. Der 1. Juli 1977 war ein Freitag. Das Wochenende stand vor der Tür. So auch in Goslar. Allerdings unterschied sich unsere Wochenendaktivität ein wenig vom Bundesdurchschnitt.

Im Sportanzug, mehr gab die Bekleidungskammer an diesem Freitag nicht her, traten wir an, ein und heraus. Wir bekamen unsere ersten Lektionen im Formaldienst und wenn wir nicht marschierten, dann rannten wir in das Gebäude hinein oder mussten es „Marsch! Marsch!“ verlassen. Auch das Kommando „Kompanie! Achtung! Nach hinten wegtreten! Marsch! Marsch!“ zählte bald zu unserem Formalausbildungsrepertoire.

1977 war ich durchtrainiert und urkundenüberhäufter Leichtathlet des SV Nordenhams. Ich hatte „kein Gramm Fett auf den Rippen“ und verlor dennoch in den 12 Wochen meiner Grundausbildung 7 Kg an Körpergewicht. Ich schreckte zusammen, wenn in der Rudi Carellschen Quizsendung „Am laufenden Band“ dieser Buzzer für eine falsche Antwort ertönte, denn in der 9. Kompanie war das das Signal für „Alarm!“

„Alarm!“ ging ja noch, aber „Verpackungsalarm!“, da „boxte der Papst im Kettenhemd und Stulpenstiefeln“, da „ging der Punk ab“. Naja, Mitte der 1970 lebte sich die Punkszene zwar bereits in New York und London aus, aber ob sie auch Goslar schon erreicht hatte, wage ich trotz der Präsenz der Diskothek „Ricardo“ oder des „No. 1“ in Oker stark zu bezweifeln.

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Und dann war Schluss mit den handschriftlichen Eintragungen

Den größten Fehler, den man im Alarmfall begehen konnte, war der, zu schnell zu sein. Warum? Weil man dann zusätzlich zur Hetze und dem künstlich erzeugten Stress auch noch den Ausbildern bei irgendwelchen überflüssigen vorbereitenden Arbeiten und Maßnahmen helfen musste. Diesen Fehler beging ich nur einmal. Und scheute mich nicht, meine Erkenntnisse dem Rekruten-Kameradenkreis mitzuteilen. Das ist in gewisser Weise unkameradschaftlich gewesen, Ausbilder und Stammpersonal zählen auch heute noch nach §12 Soldatengesetz (SG) zum Kameradenkreis.

Kameradschaft bedeutet in der soldatischen Gemeinschaft die Pflicht jedes Soldaten, seinem Kameraden unter allen Umständen – auch unter Lebensgefahr – beizustehen. Dumm war nur, dass diese Pflicht gern aus der Sicht von „oben nach unten“ gefordert wurde. Wir Rekruten standen damals mehr am unteren Ende der Nahrungskette.

Unser Chef Hauptmann (Hptm) R. wurde überwiegend durch seinen Stellvertreter Leutnant (Lt) W. vertreten. Lt W. bekam eines Tages einen Leutnant der Reserve (Lt d.R.) an die Hand befohlen. Dieser wehrübende Reservist, der bis vor kurzem noch als Reserveoffizieranwärter und als Mannschaftsdienstgrad seinen Dienst versah, lebte sich so richtig an uns aus. Nicht lange, dann bekam er vor Heiserkeit kein Wort mehr heraus. Angespornt durch das „unterirdische Verhalten“ des wehrübenden Cholerikers, sah der anfangs erwähnte Obergefreite (OGefr) seine Chance, uns in seiner Funktion als Hilfsausbilder, zu malträtieren. (S)Ein Irrtum.

Besonders tat sich ein Stabsunteroffizier (StUffz) W. hervor. Betraut mit der Waffenkammer (WaKa), liebte er es, uns „in numerischer Reihenfolge“ vor der WaKa antreten zu lassen. Numerisch, nach den laufenden Nummern unserer Waffenkarten „sortiert“, standen wir entlang der Wand im unteren Flur vor seinem Reich an. Und wehe es ging ihm nicht schnell genug. Dann hieß es „Auf die Stuben wegtreten! Marsch! Marsch!“ Und das Spiel begann von vorn.

Einmal in richtiger Reihenfolge angetreten merkten wir uns unseren Vordermann. Wir wussten auf welcher Stube dieser wohnt und wir hatten uns eingeprägt vor welchem Abschnitt der Wand im unteren Flur wir in „Ausgangsposition“ standen. Beim nächsten „Antreten vor der Waffenkammer“ liefen alle auf den Flur, laut auf der Stelle tretend sortierten und formierten wir die numerische Reihenfolge und stürmten los, um im unteren Flur auf die anderen Rekruten zu treffen, die bereits vorsortiert auf uns warteten. Das klappte wie am Schnürchen und ich denke, der 1. Waffen- und Geräteverwalter ist nie hinter unseren Trick gekommen. Dazu fehlte es ihm an … Zeit.

Das gleiche Spiel, spielte auch der Rechnungsführer (ReFü) mit uns. Und wir mit ihm. Nur mit dem feinen Unterschied, das wir nun in alphabetischer Reihenfolge antraten. Ließen wir keine Lücken zu den Bürotüren im Geschäftszimmertrakt, dann, ja dann hieß es: „Auf ein neues!“ Wurde während des Wartens in alphabetischer Reihenfolge gesprochen, so musste sich der Ertappte hinten anstellen. Trieb man dieses Spiel lange genug, war die befohlene ABC-Reihenfolge wieder aufgehoben und es hieß. „Ja, was wohl?“ – Nur waren wir Rekruten kasernenpflichtig und wohnten ohnehin in der Unterkunft. Der Rechnungsführer wollte aber irgendwann einmal nach Hause.

Ernennung zum Unteroffizier (Uffz). Der Obergefreite Unteroffizieranwärter (OGefr UA) Sch. wurde befördert und dieses Ereignis kräftig im Kreise der Ausbilder begossen. So stark begossen, dass sich der frisch gebackene Unteroffizier genötigt sah, seinen Mageninhalt einem Urinal anzuvertrauen. Warum auch nicht? Toilettenbecken wäre zu einfach gewesen. Tags darauf Revierreinigen. Der junge Uffz befiehlt tatsächlich „einem von uns“, sein „Erbe des vorangegangenen Abends“ zu entfernen. Er hatte diese Rechnung allerdings ohne den Zeugen gemacht, der ihn zuvor beobachtet hatte.

Uffz Sch. reinigte schließlich wenig willensstark, aber eigenständig. Und wir fanden, oh wundersame Fügung, plötzlich die Mülleimer unserer Stuben auf einigen Betten entleert vor. Das war weniger tragisch, denn diese Behältnisse haben in der Grundausbildung eigentlich ohnehin nur die Funktion geleert werden zu müssen. Sie waren somit (fast) klinisch rein.

Ich wagte es, meinen Kompaniefeldwebel mit der Anrede „Herr Hauptfeldwebel K.“ anzusprechen. In dem darauffolgenden Donnerwetter erfuhr ich, dass es „Herr Hauptfeldwebel“ oder „Hauptfeldwebel K.“ heißt. „Merken Sie sich das ein für allemal!“ – Herr Hauptfeldwebel K. monierte später während eines Stubendurchgangs das „playmate of the month“, das wir an die Innenseite der Tür zum Putzspind gepinnt hatten. „Kleben Sie gefälligst die unteren Extremitäten der Dame ab!“ Gesagt, getan. Beim nächsten Stubendurchgang fand Hauptfeldwebel K. die attraktive Dame mit einem Heftpflaster an den Füßen vor. Ich erspare mir weitere Ausführungen.

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Warum sie meine Auricher Fähig- und Fertigkeiten strichen, weiß nur …

Insbesondere durch Ausnutzung dienstlicher Machtbefugnisse getroffene Maßnahmen, durch die uns unnötig Schwierigkeiten bereitet wurden, standen bei drei, vier Ausbildern stets auf ihrer „to do list“. Ich habe noch alle Namen parat, aber die sollen „Geschichte“ sein und bleiben.

Freitagvormittag. Wir kommen vom Waldlauf zurück, treten vor dem Kompaniegebäude an und werden auf die Stuben befohlen. Zuvor hatte ein Ausbilder das Gebäude komplett mit 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril, besser und geläufiger als „CS“ oder Tränengas bekannt, kontaminiert. Was sich daraufhin in dem Gebäude abspielte war schmerzhaft, qualvoll und niederträchtig, denn ahnungslos waren wir in die Falle gelaufen.

Es kam wie es kommen musste. Tage später, wir treten einmal wieder „Marsch! Marsch!“ vor dem Kompaniegebäude an, ist der diensthabende UvD (Unteroffizier vom Dienst) kein anderer als der Reizgas verabreichende Soldat vom Freitag der vergangenen Ausbildungswoche. Schicksal? Unglück? Karma? Beim Heraustreten aus dem UvD-Zimmer trifft ihn die Faust des vorbeieilenden Fliegers (Flg) T. so unglücklich, dass er „schlagartig“ zu Boden geht. Auch in diesem Fall erspare ich mir weitere Ausführungen zu den darauffolgenden strengen Maßnahmen, die am Ende jedoch im Sande verliefen. Sich quasi verflüchtigten. Wie Tränengas.

„Wenn Sie den StUffz W. wecken, dann treten Sie nach dem Anklopfen aus dem Türsturz und stellen sich seitlich hinter die Wand. Bei dem weiß man nie.“ Mit diesen Worten schickte ein Ausbilder den Gefreiten vom Dienst (GvD) zur Stube des Stammsoldaten. Monate später. Ich bin längst in meine Stammeinheit versetzt, bekomme ich ein Fernschreiben in die Hände. Als „Besonderes Vorkommnis“ bezeichnet man u.a. Straftaten, die durch Bundeswehrangehörige verübt werden. Zwei Stammsoldaten aus meiner Grundausbildungseinheit hatten eine Tankstelle überfallen. Einer der beiden: W.

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Ja, Grenzen habe ich hin und wieder überschritten. Besonders und gern, wenn es ungerecht und unsachlich wurde. Schließlich die Altersgrenze

So begann sie, meine Zeit beim Bund. Vielleicht bringe ich sie einmal zu Papier. – Nein, ich mache Spaß!

Vorweihnachtliche Modellbahnnische

Ich gehöre der Generation an, die sich in der Vorweihnachtszeit die winterlich rot verkühlte Nase an der Schaufensterscheibe des örtlichen Spielwarengeschäfts plattdrückte. Warum? Weil dort eine Modelleisenbahn ihre Runden drehte. – „Kenne ich: „Railroad Tycoon“. Das Computerspiel, das den erfolgreichen Aufbau einer Eisenbahngesellschaft zum Inhalt hat! Eine Wirtschaftssimulation.“

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aus: „für die Freizeit … Faller“. 1960/61

„Nein, es ging schlicht und einfach um die maßstäbliche Nachbildung einer echten Eisenbahn. Nur im viel kleineren Format 1:87 (HO)“

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aus: „Jahreskatalog 1962/63“. Faller

Wirtschaftssimulation? Liebe smartphone- und iPhone/iPad infizierte „Generation Head Down“, wir spielten seinerzeit, wir ahmten nach und konnten loslassen, um im Garten auf Bäume zu klettern oder „Cowboy und Indianer“ zu spielen. Wir fühlten und erlebten. Unter einem Spiel verstanden wir noch nicht „den subjektiv wahrgenommenen, durch ein Produkt und marketingpolitische Maßnahmen vermittelten Beitrag zur Lebensqualität“.

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aus: „Jahreskatalog 1961/62“. Faller

Nun will ich nicht „9×klug“ daher schreiben, denn zu meiner Zeit, vor ca. fünfzig Jahren hätte sich dieser Text dann aus „belehrender Sicht“ in etwa so gelesen: „Ja, ich gehöre der Generation an, die sich in der Vorweihnachtszeit die winterlich rot verkühlte Nase an der Schaufensterscheibe des örtlichen Spielwarengeschäfts plattdrückte. Warum? Weil dort Brummkreisel, Blechspielzeug und Mundharmoikas ausgestellt waren.“ – Modelleisenbahn? Liebe Taschenrechner-Generation, wir spielten „Inne mine, mu, und aus bist du“ oder das „Hölzchen-Versteckspiel“. Wir fühlten und erlebten. Wir spielten wahrhaftig und „hockten nicht im Haus“, um uns mit einer Spielzeugeisenbahn, die dazu auch noch neuzeitlich elektrisch betrieben wird, zu vergnügen.

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aus: „Flugzeug-Modell CONVAIR 440 Metropolitain 1:100“. Faller

Wie komme ich auf diese schrägen Gedanken? – „Schuld allein“ hat mein MoBa-Mitstammtischler Karl-Heinz, den ich heute als „Nischenmodelleisenbahner“ auf einer vorweihnachtichen Ausstellung in Leuchtenburg besuchte und der mich mit Faller-Modell-Bausatz-Katalogen aus den 1960er Jahren versorgte. – Darin stöbernd kommt Mann auf die „wildesten“ Ideen …

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FALLER-Modellbau. Zauber einer Welt im Kleinen. Jahres-Katalog 1961/62. Damaliger Katalogpreis 0,60 DM

Da wurden viele Erinnerungen wach. – „Vielen Dank, Kalle!“

2014 – Der erste Ausflug …

… als Wohnwagennovizen führte uns am 8. Juni 2014 in den Landkreis Cuxhaven. Damals waren wir noch mit dem Fliegenden Holländer auf Achse. Wir unternahmen einfach einmal eine Testfahrt am Pfingstsonntag.

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Altluneberg, ein Ortsteil von Wehdel, gehört zur Gemeinde Schiffdorf und liegt 15 Km vor der Seestadt Bremerhaven

 

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10 Tage später „hingen wir in einer Wand“ des Wiehengebirges. „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ – Vincent van Gogh

Winterquartier

Big B. steht versorgt und gerüstet in seinem Winterquartier. Sollte der Winter milde gestimmt sein und nicht seine „kalte Schulter“ zeigen, so wird die winterliche „pole position“ hilfreich sein, um vielleicht doch die eine oder andere „Schlittenfahrt“ zu unternehmen. – „Warten wir´s ab.“

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Durchaus für winterliches Wetter geeignet und wieder im „ordentlichen Erscheinungsbild“, d.h. mit neuer Markise: Big B.

Noch einmal. Sustrum

Saisonende im Zweistromland. Der Campingplatz Emstal, zwischen der Ems, ihren reizvollen Seitenarmen und dem Dortmund-Ems-Kanal gelegen, schließt Ende Oktober und über den Winter seine Pforten. Und bevor Big B. ins Winterquartier zieht, wir vor Verdrossenheit nicht wissen, was wir an den bevorstehenden caravanlosen Wochenenden unternehmen sollen, sind wir auch schon auf dem Weg ins Emsland. Der opelanische Automatikwahlhebel steht in Stellung „CE“ (Campingplatz Emstal) und wie auf Schienen rollen wir „vorentspannt“ in Richtung Sustrum.

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Im Tiefflug über den Dortmund-Ems-Kanal

Kurz hinter dem Walchumer Ortseingangsschild setzt der Antara den Blinker und wir stehen auf dem NP-Parkplatz. Gerade rechtzeitig, denn wir haben die aktuelle Tageszeitung gelesen, das knifflige Kreuzworträtsel gelöst und die zweifache Sudoku-Herausforderung glänzend gemeistert. Es ist schon von großem Vorteil, wenn das Auto den Weg in die „Zone der Gelassenheit“ kennt.

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Die Brinkstraße in herbstlichem „Flecktarn“

Vier Ganseforthsche Brötchen liegen derweil eingetütet auf der Rückbank, die wir für die letzten Kilometer zur Brinkstraße verlassen, um nun unsere Plätze auf dem Fahrer- und Beifahrersitzen einzunehmen. So erreichen wir gelockert und wegen der „CE-Spinnerei“ mit einem freundlichen Augenzwinkern das Ziel, unsere Wohlfühloase im Emstal.

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1000 Aufnahmen von der „Durchstichbrücke“ an der Brinkstraße. Und trotzdem immer wieder einzigartig

Schnell steht Big B. aufgerüstet und stromversorgt sowohl horizontal als auch vertikal präzise ausgerichtet auf „unserem“ Platz. Und während ich stolz „das Werk“ betrachte, Luna wieder einmal über alle Berge ist und Hase, Igel und ihre gefiederten maritimen Freunde im Umkreis von 2,73 Km begrüßt, dringt bereits der Duft dieses einzigartigen kolumbianischen Erfrischungsgetränkes (Kaffee) an und in meine Nase. „Frühstück!“ Die beste aller Ehefrauen war ebenfalls nicht untätig und so eröffnen wir das für dieses Jahr letzte „WoWaCaWe“ (Wohnwagencampingwochenende) in Begleitung der Ganseforthschen Backwaren und musikalisch untermalt im Emstal zwischen Sustrum und Fresenburg.

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Schwanenems statt Schwanensee

„Und was ist mit dem Besuch des NP-Marktes?“ Eingeweihten Leserinnen und Lesern drängt sich diese Frage förmlich auf. Wir wollten am Morgen nichts überstürzen. Wir haben alles an Bord. Der Kühlschrank ist mit seinem erstaunlichen Fassungsvermögen ausgelastet. Doch irgendwo, in irgendeinem Regal des Discounters wartet irgendein Artikel, den unser Eigen zu nennen, wir noch gar nicht ahnen. Also, auf nach Walchum, die NP-Karte gezückt und eingekauft.

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Die Brinkstraße aus ungewöhnlicher Perspektive

Am Nachmittag umrunden wir das „Dreiländereck“ entlang der Ems, des Dortmund-Ems-Kanals bis zur Düther Schleuse und retour auf der Brinkstraße zum CP Emstal. Es soll das einleitende Training für unsere wandertechnische Kür am Samstag sein.

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Die Emsbrücke in Steinbild

Samstag. 11.00 Uhr. Am Ufer der Ems und des Kanals laufen wir nach Steinbild, überqueren dort im Zuge der Steinbilder-/Emsstraße den Kanal, haben die Gelegenheit in Höhe der Kirchstraße/Emsblick drei Falkner mit ihren Greifvögeln beobachten zu können und wandern parallel zur Fresenburger Staße zurück zur Düther Schleuse. Hier treffen wir rechtzeitig ein und können so die Arbeit einer (rechtmäßigen) „Schleuserbande“ in Augenschein nehmen. In Wahrheit ist außer der niederländischen Schiffsbesatzung weit und breit niemand zu sehen, aber ich wollte auf die Erwähnung des Terminus „Schleuserbande“ nicht verzichten.

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Keine Bank kann so versteckt liegen, dass sie nicht ein Angler „zuparkt“

Nach 2,5 Stunden sind wir zurück am Caravan. Luna, die unterwegs ständig neue „Freundschaftsbünde“ mit Enten, Gänsen und einem Fasan schließen konnte, ist nicht die Spur von erschöpft oder auch nur im Ansatz schläfrig. So „opfere“ ich mich und horche die Matratze nach verdächtigen Geräuschen ab. Da auch mir solche Spaziergänge nichts ausmachen, erwache ich bereits nach zwei Stunden aus meinem ohnmachtähnlichem Tiefschlaf. Fragliche Geräusche konnte ich allerdings nicht lokalisieren.

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Die Kirche in Steinbild wurde vor 500 Jahren dem heiligen Georg geweiht
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Gedenkstein in Steinbild für Joseph Bergmann (1939-2008)

„18.00 Uhr an der Rezeption“. Familie Sandker lädt zum Saisonausklang ein. Das machen längst nicht alle „Herbergseltern“. In geselliger Runde lassen wir es uns gut gehen, tauschen Erfahrungen und Erlebnisse aus, berichten von kleineren Pleiten, Pech und Pannen, lachen über den einen und anderen Witz, „verraten“ uns gegenseitig die Reisepläne für die kommende Saison. „Schlagartig ruft“ der Sustrumer Glockenturm: „22.00 Uhr!“ „Hallo? Wo bitte ist die Zeit geblieben?“ Doch das kennen wir ja alle: in netter Gesellschaft verfliegen Stunden im Nu. Womit diese Stunden allerdings nicht rechneten, die Uhren werden heute Nacht um eine Stunde zurückgestellt! – „Na also, einer geht noch!“

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“ … Die Sonne neigte sich tiefer, und warf glührote Streifen auf das Wasser … (aus: Heinrich Heine: Buch der Lieder Die Nordsee, Erster Zyklus)

Manchmal werden wir gefragt, ob sich denn dieser Aufwand, den wir mit den Vorbereitungen, dem Auf- und Abbau des Big B. betreiben, für ein kurzes Wochenende überhaupt lohne. Diese Frage hätte ich vor drei Jahren noch mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Heute, auf dem Weg, die Gelassenheit zu entdecken, und bereits den Weg als Ziel betrachtend, fällt meine und unsere Antwort anders aus. Wir fahren gern „auf´s Land“, halten uns mit Vergnügen in der Natur auf, können „stehenbleiben, beobachten und betrachten“ und auch einmal improvisieren.

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„Rowdy Of The Year 2016“ – Bislang hielt ein Emsländer den Rekord an Rücksichtslosigkeit auf der Brinkstraße. Diesem polnischen Kraftfahrer gelang es in den frühen Morgenstunden des 29. Oktober 2016, den Titel für sich und seinen unnachgiebigen Fahrstil zu erringen

Inzwischen kennen wir die Besonderheiten einer Stiel- und einer Traubeneiche, wissen, dass diese blaufarbene und mit einer hufeisenförmigen Zeichnung versehene Libelle eine Hufeisenazurjungfer aus der Familie der Schlanklibellen ist und dass die Brutzeit von Rotkelchen und Hausrotschwanz in die Monate April bis Juli fällt. Nun ließe sich lebhaft und ausgedehnt darüber disputieren, ob dies alles nutzbringend und relevant ist und im „angemessenen Verhältnis zum Aufwand“ steht, doch zur „Entschleunigung“ und schrittweisen „Entdeckung der Gelassenheit“ trägt es maßgeblich bei!

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Luna in erwartender Beobachtungshaltung. Also, kurz davor eine neue Bekanntschaft zu schließen. Auf ihre ganz besondere Art …

Am kommenden Dienstag wird die lang vermisste Markise des Big B. ersetzt werden. Rechtzeitig vor dem Einzug ins Winterquartier traf sie in Papenburg ein. Somit steht dem Beginn und Start in die neue Saison nichts mehr im Wege. Nur mal eben fünf Monate pausieren und dann geht´s wieder los. Und als erstes geht es nach … Dreimal dürfen Sie raten

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An, nein, besser in der Düther Schleuse. Die „Lauwerszee“ aus den Niederlanden

Tierische Begleitung

Neulich auf dem Kuhhornsweg … verfolgte uns dieses Rotkelchen, ließ sich seelenruhig auf einem Zweig nieder und fotografieren.  – Das gibt´s nicht alle Tage.

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Ob Männlein oder Weiblein …? – Beim Rotkehlchen sehen sie identisch aus
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Hallo? Wenn hier jemand fotografiert wird, dann wohl ich!

Nachtrag: Irgendwann verlor ich den Objektivdeckel meiner Kamera. Er war unauffindbar. Fast unauffindbar: jemand entdeckte ihn, deponierte die Kappe auf diesem Ast und so bekam ich ihn zurück. – Besten Dank an die/den unbekannte(n) FinderIn!

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„Wenn ein freundlicher Mensch auch noch zuverlässig ist, dann haben wir es schon mit einem halben Engel zu tun.“ – Ernst R. Hauschka (deutscher Aphoristiker und Lyriker)

Güster am Elbe-Lübeck-Kanal

08.10 Uhr. Wir sind mal wieder auf dem Weg in den Naturpark Lauenburgische Seen. Nachdem wir uns im Juli ebenso spontan wie unvorbereitet mit zahlreichen anderen „Ahnungslosen“ in einem nicht enden wollenden Stau zu einem illustren Stelldichein auf der „Hamburger A1“ trafen, wählen wir heute einen anderen Weg nach Güster an den Elbe-Lübeck-Kanal.

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Der Elbe-Lübeck-Kanal, eine Verbindung für die Binnenschifffahrt zwischen Elbe und Ostsee

Über die A39 geht es in Richtung Lüneburg. An der AS Handorf verlassen wir die BAB und fahren über Geesthacht, die „Nabel der Welt“ Wiershop, Gülzow, Lütau und Wangelau nach Büchen. Von hier ist es nur noch „ein Katzensprung“ nach Güster.

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In der Nähe „Am Moorweg“, Prüßsee

Schnell zum Bäcker, die leckersten Roggenbrötchen zwischen Mölln und Boizenburg besorgt und beim Kaufmann um die Ecke zehn Eier von den glücklichsten Hühnern östlich des Sachsenwaldes gekauft.

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Stellplatz 14 mit direktem Zugang zum Kanal

11.30 Uhr. Die Freizeitwelt am Prüßsee ist erreicht. Big B., immer noch seiner Markise beraubt, steht nicht nur präzise „in der Waage“, sondern auch „wie eine deutsche Eiche“. Und schon heißt es: „Frühstück!“

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Luna hat sie längst im Visier

12.45 Uhr. Wir experimentieren mit dem Dreieck-Sonnensegel. Irgendwann hängt dieser Schattenspender am Big B. und gibt sich alle Mühe, die vor sieben Wochen zusammengebrochene Thule Omnistor 5200 würdevoll zu ersetzen. Ungläubig stehen wir vor unserer Flickschusterei und während sich Schwärme lauthals lachender Graugänse und Stockenten aus der dicht bewachsenen Uferböschung des Elbe-Lübeck-Kanals erheben, beschließen wir, im Interesse eines geordneten äußeren Erscheinungsbildes, auf diese abenteuerliche Installation zu verzichten.

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Stockenten

13.00 Uhr. Wir umrunden den Prüßsee. Luna voraus. Keine Fußgänger, Wanderer oder Radfahrer weit und breit. Der Weg, der auch heute das Ziel ist, gehört uns. Luna lässt keine Gelegenheit aus, das Kanal- und Seeufer zu kontrollieren. Und dann trifft sie auf einen Trupp wagemutiger und halbstarker Gänsesäger. Sofort stellt sie deren Reaktionsvermögen auf die Probe. Und geht dafür und dabei baden: Luna im Wasser, die Enten in der Luft. Alarmstart geglückt. – „Ente gut, alles gut!“

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Erwartend beobachtend. Teil 1

Als wir am nächsten Morgen die Brötchen vom Bäcker unseres Vertrauens in Güster holen, läuft Luna weit voraus ohne dabei auch nur einen Zugang zum Elbe-Lübeck-Kanal auszulassen. Endlich wird sie … „platsch“ … fündig. Was es auch immer gewesen sein mag, es entkommt, Luna hat gebadet und so kommen wir rechtzeitig vor dem langsam einsetzenden Regen zurück zur allerbesten Ehefrau von allen, die im Big B. bereits das Frühstück vorbereitet hat.

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Graugänse haben ihre Schlafplätze überwiegend auf Seen und Fischteichen. Besser ist das …

Stets in Ufernähe bleibend drehen wir nach dem Regen eine weitere Runde um den Prüßsee. Wir finden verlassene und zum Teil leicht verwilderte Stellplätze, die sich augenscheinlich in privater Hand befinden, aber bereits seit längerer Zeit nicht mehr genutzt werden. Hier könnten wir doch, wenn … Nein, lieber nicht. Das Ufer ist hier so steil und stellenweise so beachtlich hoch, da bräuchten wir Steigeisen, um ans Wasser zu gelangen. – „Wo steckt eigentlich Luna?“ Sie ist inzwischen ohne Steigeisen oder andere Kletterhilfen am Ufer angekommen und „unterhält“ die auch hier zahlreich versammelten Wassservögel.

Es ist Samstag und da sollte eigentlich die „Fischbude“ im Güsterschen Ortskern geöffnet sein. All die Vorfreude auf ein, zwei Brötchen mit Kräutermatjes und Bismarkhering ist vergebens. Geschlossen.

Es ist fünf Minuten vor Zwölf und bevor der Bäcker in den wohlverdienten Urlaub startet und der Frischemarkt seine Pforten schließt, decken wir uns noch schnell mit dem Nötigsten ein: Toastbrot, da sich der Bäcker ab morgen „aus dem Staub macht“, Hamburger Abendblatt, damit wir wissen, was in der Welt passiert und Jägermeister, aus rein gesundheitlichen Gründen oder falls Besuch kommt. Wer besucht uns in Güster? Keiner! Aber ich erwähnte ja bereits unser körperliches Wohlergehen.

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Prüßsee. Blick von der Brücke Am Moorweg

Literaturnobelpreis für Bob Dylan. Der Künstler habe den Status einer Ikone, begründet die Nobelpreisjury ihre Wahl. Tatsächlich? Ich halte es da eher mit dem HH-Abendblatt Kolumnisten Hajo Schumacher: „Lagerfeuer, Kirchentag, Miesnuschel … Mein Geschmack ist einfach nicht nobelpreiskompatibel … Wenn ich gequältes Quietschen hören will, kann ich mir auch mit dem Hammer auf den Daumen dreschen.“ (Zitat Hajo Schumacher, Hamburger Abendblatt, Nr. 242 vom 15./16. Oktober 2016) – Recht hat er, der Hajo Sch.! – Wollten wir in den 1970er Jahren eine bislang glänzende und ausgelassene Party „töten“, reichte Bob´s geleiert quäkendes „Blowin´ in the wind“ und der Drops war gelutscht!

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Die Beste von allen …

17.03 Uhr. Luna übt sich in „Massenhynose“. – „Ja, wir drehen eine Runde, Frollein!“ – Enten, Gänse und Fischreiher stöhnen. „Schon wieder dieser Kleine Münsterländer, der Unruhe in unser Wohnzimmer bringt.“ Wie üblich flitzt das Frollein gefühlte 134,75 m voraus und „sichert“ unseren Weg. Und damit wir auch vor unerwarteten Hinterhälten geschützt sind, werden Uferböschung, Schilfgürtel und jegliches Gestrüpp peinlich genau untersucht. Wie bereits erwähnt, zur größten Freude der Wasserbevölkerung.

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Erwartend beobachtend. Teil 2

19.30 Uhr. Taverne Inos. Die Brüder Vasileios und Niko Karagiannis, ihre frische, klassisch-griechische Küche und eine angenehme Atmosphäre führen uns immer wieder einmal zu „unseren Griechen“ in Güster. Leckere Speisen vom Grill und dazu, mild, würzig und voller Naturfrische – Dithmarscher Pilsener. Der richtige Ort, das viel zu kurze Wochenende ausklingen zu lassen.

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Eine ganz andere Art den Elbe-Lübeck-Kanal zu „befahren“

Am Sonntag geht es zurück. USA, unser schönes Ammerland wartet. Wir hätten es gern noch ein wenig warten lassen und würden dem französischen Schriftsteller Anatole France sofort zustimmen, wenn er sagt: „Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich.“ – Doch wir sind permanent reisefreudig und brauchen das Geld!

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Diese Birke wurde noch nicht als „potentieller Maibaum“ entdeckt

„Reichweite 186 Km“, sagt uns der opelanische Bordcomputer. Das wird mit Big B. am Haken nicht reichen! Bevor es auf die A24 bei Hornbek geht, drehen wir noch schnell eine Runde durch den Ort, um festzustellen, dass es hier den „Islandpferdehof Kranich“, aber keine Tankstelle gibt. Na, dann auf die Bahn. Bis Delmenhorst wird es schon reichen.

Ja, es reicht „erlköniglich“! Was hat Johann Wolfgang von Goethes Ballade mit unserem Kraftstoffvorrat zu tun? „Erreicht den Hof mit Mühe und Not …“ In unserem Fall ist dieser Hof die bft-Tankstelle in Delmenhorst-Adelheide. Noch kurz die nervöse menschliche Befindlichkeit stimuliert und diesen außerplanmäßigen Nervenkitzel mit einem Langnese Eis gekrönt, erreichen wir am frühen Nachmittag Wiefelstede.

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Paul Prüß. Persönlich haben wir ihn nie kennengelernt, aber einige „Geschichten“ haben wir schon gehört …

War das der Abschluss der Caravansaison 2016? Weit gefehlt! – „Norddeutschland, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer des Big Biancos, der mit seiner menschlich-tierisch starken Besatzung seit einem halben Jahr unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre vom Ammerland entfernt dringt Big B. in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ [Jegliche Ähnlichkeit mit dem „Aufmacher“ zur Serie Raumschiff Enterprise (USA 1965–1969 (Star Trek)) ist beabsichtigt!]

Und wohin geht´s demnächst? Nun, sagen wir es einmal so: „Mein Emsland will ich ehren wo ich auch immer bin. Die Äcker sind voll Ähren, die Wiesen sind so grün, und durch die grüne Au, die Ems fließt himmelblau. Mein Emsland will ich ehren, wo ich auch immer bin.“ – Emsland? Sustrum? Campingplatz Emstal? – „Nachtigall, ick hör´ dir trapsen!“

Moba Stam²tisch, der 13.

Es war der „13.“ Stammtisch. Vielleicht der Grund, dass mir die Fotos an diesem  Abend nicht recht gelingen wollten. Oder lag es an der Beleuchtung oder meiner Erkältung? Oder habe ich mich einfach nur dumm angestellt? Ich denke letzteres. – Nach dem Mondkalender war die Tagesqualität „Licht“, aber davon habe ich in Rabes Saal nichts abbekommen. – Ein Grund für den nächsten, den 14. Wiefelsteder Modellbahnstammtisch. (Ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl an unseren „Fahrdienstleiter Jens“.)

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Einige V36 waren für den Einmannbetrieb, und wie hier zu sehen, für die Doppeltraktion ausgerüstet
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V200. Sie zierte 1957 das Titelblatt des Märklin Katalogs
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Ganz schön gealtert …
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DB Baureihe 151: zwischen 1972 und 1978 an die DB ausgelieferte Elektrolokomotiven für den schweren Güterzugdienst
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2-teiliger Dieseltriebwagen bestehend aus Motor- und Beiwagen. Betriebszustand um 1959
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Bits und Bytes steuern den Zugbetrieb